Die Sendung December 2017
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Flake talks about family.
Transcript
Hallo und herzlich willkommen, da bin ich wieder.
Lasst doch die Verwandtschaft, schau lieber in die Landschaft. Das soll Kurt Tocholsky gesagt haben. Ich habe den Spruch gehört, als meine Tochter Jugendweihe hatte. Das gab ja eine Zeit lang nach der Wende keine Jugendweihe. Jetzt gibt es das wieder vom humanistischen Verband. Ich finde das sehr gut. Die machen das im Friedrichstadtpalast ganz wunderbar mit Tänzern und gespielten Theatersketchen. Und die versuchen sich natürlich ein bisschen an die modernen Zeiten anzupassen. Im Osten, ich habe es ja ganz fürchterliche Zitate von Lenin oder so mit den Kindern, was anfangen konnte, außer du lernst für das Leben und nicht für die Schule oder umgekehrt. War das von Lenin? Wie auch immer. Oder weiß ich, von wem die Zitate waren, von Günter Mütter oder was. Jedenfalls war das mit den Sprüchen, konnten wir wenig anfangen und jetzt versuchen sie ein bisschen auf die Jugendlichen einzugehen und machen eben so Sprüche von Tucholsky und so, was die Kinder auch verstehen oder wo sie einfach ein bisschen lachen können. Immer wieder kommt der Ene-Spruch, der mir wunderbar gefällt, was sie auch zu anderen zur Geburt schon sagen, oder wie ist ich in der Kirche vielleicht auch. Ich weiß auch nicht, von wem der ist. Als er sagt, ich wünsche dir den Gleichmut, die Geduld zu ertragen, was du nicht ändern kannst. Ich wünsche dir den Mut zu ändern, was du ändern kannst. Und ich wünsche dir die Weisheit zwischen den beiden Sachen zu unterscheiden. Der Spruch ist Wahnsinn.
Sie sind jetzt nicht völlig geschockt von meinem U50 am Anfang hier. Sister Sledge. Ich habe gedacht, ich spiele das Schlimmste am besten gleich zuerst, dann habe ich es hinter mir. Heute geht es, wie man unschwer erkennen kann, um die Familie. Ich habe jetzt gleich einen Doppeljoker gehabt hier. Sister Sledge ist schon Schwester und We Are Family, wenn das nicht mal perfekt ist. Als Jugendlicher würde ich mich zwar auch wundern, wenn ich dieses Lied mal zu hören bekomme. Ich habe das auch mal in irgendeinem Film gesehen, da ging es irgendwie, weiß ich nicht mehr, um Schwule und Lesben. Oder ich weiß jetzt nicht, die dann alle zusammen getanzt haben, dann stundenlang zu diesem Titel. Ich weiß nicht mehr, wie das hieß. Das Lied ist jetzt auch nicht mein Favorit musikalisch, aber es ist ein Disco-Song, der gut ist. Ich kann mir vorstellen, dass der im Altersheim auch ziemlich gut läuft. Und ich wollte mich ein bisschen mit Ihnen auf die gemütliche Weihnachtszeit einstimmen und auch mal ein bisschen an die Familie denken. Das kann man musikalisch sehr gut machen, weil es gibt viele Familien, die zusammen musiziert haben in den verschiedensten Kombinationen. Wir bleiben hier mal Ü50 und fangen mit einem Bruderpaar an, den Everly Waters mit Bye Bye Love. Auch dieses Lied begegnete mir im Film der TSM All the Jazz, denn ihr habt es zu DDR-Zeiten als Westfilm uns in den Kinos mit Bob Fosse. Ich weiß nicht, mit Bob Fosse oder von Bob Fosse auf jeden Fall, weil das der einzige Name, den ich mir gemerkt habe. Und das war, der Hauptdarsteller war so ein Showmaster sozusagen, der jeden Morgen aufgestanden ist und seine Sendung gemacht hat und dem es immer schlechter ging, der dann Lungenkrebs hatte und gehustet hat und sich immer hochgequält hat und gesagt hat, it's showtimes, folks. Und ich habe das nicht verstanden und ich dachte, er meint Fuchs. Und ich dachte, er meint sich selbst. Er sagt sich selber, it's showtime, also es geht los, Fuchs. Und meinte sich selber, weil er auch so aussah wie so ein Fuchs. Aber er meinte natürlich Fuchs. Ein Wort, was ich zu der Zeit nicht kannte. Und da kam dann, als er stirbt und in Agonie liegt, wenn man das liegen kann, ich weiß gar nicht, ob das so heißt. Die Agonie ist ja eigentlich der Todeskampf und nicht der Koma. Aber ich glaube, er lag also im Sterbebett auf dem OP-Tisch. Und da hat er dann dieses Lied gehört. Und da haben sie den Text noch geändert in Bye Bye Live. Und das war so traurig und ging mir so ans Herz, dass sich diese Stelle unwiederbringlich in mein Gehirn so eingegraben hat.
Aber heute geht es um Familienbands. Und ich gehe davon aus, dass Familienbands sind eigentlich die Wiege der Bands. Also alle Musiker früher in der Urgesellschaft in Afrika sind in einer Familie gewesen, weil ja nur auch die Familie auch zusammengelebt hat oder so. Oder eine Familiengruppe. Insofern ist in einer Familie Musik zu machen das Natürlichste, was man auf der Welt machen kann. Wir haben aber auch Familien, die sich durch Hochzeit erst zusammengeschlossen haben, also die eigentlich Fremde sind und Mann und Frau sind. Zum Beispiel wie Sonny und Cher. In dieser Zeit nannte man wahrscheinlich den Mann noch Vorderfrau. Und dieser Sonny soll auch ein sehr unangenehmer Zeitgenosse gewesen sein. Ich will nicht schlecht über Tote reden, aber was man gehört hat, ist, dass er Cher viel geschlagen hat und sie sich gestritten haben. Sie sich ganz schwer von ihm befreien musste, um ihr eigenes schönes Leben zu führen. Und er ist dann auch gestorben und das Lied passt aber auch ganz gut dazu, weil das heißt And the Beat Goes On. Bei mir im Computer steht And the Beat Goes On und Go's geschrieben wie Gans. Und der schlag Gans weiter, ist aber totaler Quatsch. Also And the Beat Goes On mit Sunny and Cher.
Ich weiß nicht, ob Sie es schon mitgekriegt haben, aber ich bin in der DDR aufgewachsen, also im Osten und habe da auch schon Musik gemacht. Ich war bei einer Band, die Feeling B hieß und wir waren in Prenzlauer Berg gewohnt und unser erstes Konzert wurde organisiert von dem Sänger von Freigang, der hat uns einfach mit auf Tour genommen und später kam noch die Firma dazu, es war auch eine Band, die Ich-Funktion und diese vielen Bands waren im Prinzip auch eine Familie, eine große. Da gab es keine Konkurrenz, kam es so albern, wie das klingt, aber wir haben uns eh keine Leute so weggenommen, weil es gab nicht zu wenig Leute, die einen sehen wollten, sondern eher zu viele in den kleinen Clubs. Und wir haben uns die Verstärker geborgt, wir haben uns die Musiker so ausgeborgt, so untereinander und sind wunderbar zusammen zurechtgekommen. Und wenn wir irgendwo gespielt haben auf dem Dorf, gab es auch immer einen Freund der Bands, was auch schon eine familienartige Beziehung war, bei denen man übernachtet hat und geschlafen hat. Und im Dresdner Raum war das eine Familie, die hatten ein Haus in Hermsdorf und da haben wir immer nach dem Konzert geschlafen, egal mit welcher Band wir jetzt gekommen sind, ob Freigang, Firma, Feeling B und haben dann mit denen noch abends gequatscht und so. Und dann haben wir beobachten können, dass die zwei Kinder hatten, die waren am Anfang, als wir die ersten Konzerte gemacht hatten, neu geboren oder eins noch gar nicht geboren, dann wurden die langsam größer und die durften natürlich abends immer kurz mit aufbleiben oder sind im Schlafanzug aus dem Bett gekochen und die Treppen runtergerannt und zu uns ins Zimmer, haben da mit uns gequatscht oder nur zugehört, was die Musiker erzählen und haben so fast zwangsläufig angefangen, selbst Musik zu machen. Die haben dann von den Bands auch Instrumente geschenkt bekommen, ein kleines altes Schlagzeug oder eine Gitarre oder einen Verstärker und haben dann selber Musik gemacht. Und die zwei Söhne von der Familie, wo wir gewohnt haben, sind dann wirklich größer geworden, haben zusammen eine Zwei-Mann-Band gegründet. Der eine hat Schlagzeug gespielt und der andere, der große, hat Gitarre gespielt und gesungen. Später kam noch ein Bassist als Gast dazu, mehr oder weniger. Und die nannten sich dann Chicago Jazz und haben ein Lied gemacht, der Mondschein. Und das fand ich irgendwie sehr interessant. Und wir fühlen uns ein bisschen so, als wären das auch unsere Kinder.
Es kommen nochmal zwei Brüder oder mehr als zwei sogar. Die Band heißt Matzen und hier haut es mal endlich hin, dass der Name der Band, das ist wirklich der Nachname der Band, der Bandmitglieder, die heißen die Brüder Matzen. Ich weiß nicht, wie die mit Vornamen heißen. Das ist ja ganz oft so, dass irgendwas nach den Namen des Erfinders benannt wird oder so. Die Tesla-Röhre, benannt nach Tesla. Der Geigerzähler hat nichts mit Geigen zu tun, sondern der Mann hieß Geiger. Mittagessen, Günter Mittag, Harry Tisch. Sehr gute Erfindung. Und die Band hieß davor Hörstuarts. Was bedeutet, dass sie höchstwahrscheinlich nicht aus Berlin kommen, sonst würden sie es nicht Hörstuarts nennen. Das Lied heißt Du schreibst Geschichte.
Wir haben hier als letztes Lied Hansen gehört, If Only, da habe ich gedacht, mal was für die Jüngeren machen, nicht immer so alte Titel. Aber jetzt kommt die Mutter aller Familienbands, die größte singende Familie, die ich kenne. Die gibt es schon ewig und wird es anscheinend auch ewig geben, denn die haben schon früher so groß gespielt, dass wir diesen Stand nie erreichen werden. Wir haben mal in Budapest gespielt und uns gefreut, dass das Stadion irgendwie einmal ausverkauft war. Der Veranstalter hat gesagt, ja, in den 80ern waren die Kellys hier und die haben, oder in den 90ern, und die haben hier eine ganze Woche gespielt, zweimal am Tag. Und da war es ausverkauft. Also da können wir uns ganz, ganz hinten anstellen. Und ja, da muss man jetzt ja nicht sagen, das Lied werden sie selbst erkennen, die Band werden sie auch sofort erkennen. Ein Fan von der Band sein oder irgendwie, um von diesem Lied ergriffen zu sein, denn da steht eine unwahrscheinlich dramatische Geschichte hinter diesem Song. Die Mutter von Angelo, der dieses Lied ja singt, ist an Krebs erkrankt, als sie schwanger war oder kurz davor und ist zum Arzt gegangen. Der Arzt hat sie im Prinzip vor die Entscheidung gestellt, ob sie das Kind bekommen will oder sich die Krebserkrankung behandeln lassen will. Beides zugleich so ging nicht, weil man kann nicht schwanger eine Chemotherapie machen oder so und sie hat sich eben für das Kind entschieden und ist kurze Zeit nach der Geburt dann gestorben auch und insofern singt Angelo das Lied und meint mit Angel sowohl die Mutter als wahrscheinlich auch sich selbst, weil er auch Angelo genannt worden ist deswegen und er fängt es alleine an zu singen. Und zum Schluss singen die ganzen Geschwister mit. Ich finde, das geht einem sehr, sehr ans Herz. Egal, ob man die Band jetzt unbedingt mag oder nicht. Die Kelly Family ist ja als Familie durchs Land gereist und hat im Prinzip Folgenmusik gespielt. Aber damit war sie nicht die Einzige. Das war in der Zeit ein weit verbreitetes Phänomen. Weil was soll man sonst machen, um Geld zu verdienen oder so? Die Instrumente hat man immer dabei. Man kann immer spielen. Und gerade mit dieser Folk-Musik kann man immer auf den Plätzen, auf den Dörfern auftreten und genug Geld zum Überleben verdienen. Hier ist ein bisschen von der Musik her ein optimistischeres Beispiel, ist Fidel Folk.
Zusammen empfiehlt es sich ja, dass man sich gut versteht und gut aufeinander eingehen kann. Und das geht natürlich bei Geschwistern am besten, weil Geschwister sich wirklich von Geburt an kennen. Jedenfalls der eine den anderen. Und so ist es völlig, eigentlich ist es normal, dass Geschwister so zusammenspielen. Ich habe jetzt endlich mal auch ein paar Schwestern gefunden. Die Sugar Babes ist mal was moderneres, dass die Rentner jetzt mal kurz so pink hingehen können. Und die Jugendlichen, die können jetzt mal mithören. Die Sugar Babes. Das waren für mich die Beatles, Bee Gees und Beach Boys eigentlich dieselbe Band. Es fing so mit Bee an und war irgendwie eine Rockband. Ich habe da keinen großen Unterschied gesehen. Jetzt sehen die Bands wahrscheinlich an sich völlig anders. Ich habe die Beach Boys jetzt rausgesucht, die auch Geschwister sind. Und zwar gleich mehrere, Brian, Dennis und Carl Wilson. Und dazu kam auch der Cousin Mike Love, was ein sehr, sehr schöner Name ist. Wer heißt nicht gerne Mike Love? Also Mike, weiß ich nicht, aber Love auf jeden Fall. Und man kann ja kaum über die Beach Boys reden, ohne dass der Begriff genial und Album des Jahrhunderts oder so auskommt. Ich weiß nicht hundertprozentig, was damit gemeint ist, aber gut finde ich es auch. Wir haben gut Vibrations.
Die größten Kindheitserinnerung zählt, wenn wir abends auf dem Sofa saßen und meine Mutter uns vorgelesen hat. Also wir saßen auf dem Sofa oder im Winter auf der Ofenbank und haben die Fußsäulen an den warmen Ofen gelegt und ganz gemütlich so genossen, was für Geschichten da vorgelesen werden. Ich kann mich noch erinnern an die Schatzinsel oder die Fahrt mit der Kontiki oder ich war ein schlechter Schüler von einem Russen. Das fand ich besonders lustig. Und jetzt habe ich gesehen, es ging nicht nur mir so, sondern es gab eine Mutter, die hat ihren Kindern ein Kinderbuch vorgelesen, was denen so gut gefallen hat, dass sie gleich ihre Band danach benannt haben, weil sie saßen ja als Geschwister nebeneinander, haben das Lied gehört. Das Kinderbuch hieß The Girls of the Good Day Orphanage von Carol Beach York. Ich weiß ja nicht, wie man das ausspricht, aber die Hauptmitspielerin war gut Charlotte. Und so hat sich auch die Band benannt. Charlotte Anthem. Wie spricht man das aus? Anthem. Klang jetzt fast ein bisschen nach Green Day. So was passiert eben, wenn man sich mal im Internet die Schwester so raussucht. Wer aber mehr auf sich hält und als intellektuell gelten will oder wenigstens als Bescheidwisser, hört hier Radiohead. Und zwar mal nicht mit Creep, weil man das schon wirklich so gut kennt, sondern mit Kid A.
Heute geht es um die Familie. Es geht weiter mit ACDC, das waren ja die Gebrüder oder Geschwister, kann man ja auch zu Brüdern sagen, Gebrüder Young, Malcolm, der Ältere ist leider gestorben, der hatte Demenz. Ich frage mich jetzt erstens, ob man an Demenz sterben kann, ob dann der Körper auch irgendwas vergisst oder so oder ob er an was anderen gestorben ist, das weiß ich jetzt gar nicht. Und ich frage mich zweitens, wie man Musik machen kann oder wie lange man noch Musik machen kann, wenn man dement ist. Ob manche Töne oder Bewegungsabläufe so fest im Körper drin sind, dass man nicht auch spielen kann, wenn man nichts mehr merkt. Oder ob man dann einfach aufhören muss, Musik zu machen. Ihr kennt ja auch, dass man manchmal auf der Bühne steht und plötzlich weiß ich weder welches Lied kommt, noch welche Töne sind, noch welche Tonart es ist. Dann starre ich dann einfach irgendwie ins Licht und warte darauf, dass mir irgendwas wieder einfällt und hoffe, dass irgendjemand was spielt, dass ich mich wieder erinnern kann und mitspielen kann. Aber das sind nur kurze Momente. Früher habe ich das auch auf den Schnaps geschoben oder so. Oder auf die Müdigkeit, wie es der Geier. Und vielleicht ist das auch schon so eine Demenz-Anfangsstufe oder vielleicht ist man durch Musiker auch besser geschützt vor Demenz, weil das Gehirn in irgendwelchen anderen Bahnen arbeitet oder so. Ich weiß es nicht. Jedenfalls spiele ich mein Lieblingslied von ACDC. Die Coolen auf dem Schulhof haben Acidatze, ich sag's, ich fand das witzig, ich find's auch ganz witzig. Manche haben auch ADAC gesagt, ey, kommst du mit zu ADAC oder so, weil das auch so ähnlich klingt. Manche, dann gibt's auch noch die Abkürzung, die sind ACAP, wie ich nicht weiß, wie man das ausspricht, ob ACAP oder ACAP oder weiß ich, was All Cops, Bullen hätte ich jetzt fast gesagt, aber das ist ja schon mit Cops gemeint. Also A Bastards, was völlig sinnlos ist, weil wie sollen alle Polizisten Bastarde sein? Das ist sehr indifferenziert. Ich würde mich dem nie anschließen, ich verstehe auch nicht, wie man das ansprühen kann, aber ich würde ja auch nicht ADAC jetzt an die Hauswand sprühen oder so, aber ich würde erst mal ACDC mit Wide On.
Die ACDC-Brüder haben sich, glaube ich, wenn man den Erzählungen Glauben schenken darf, sehr gut verstanden. Man sieht die immer in Eintracht zusammen und Malcolm soll Engels auch sehr beschützt haben als Junge, auch in der Schule und später sollen die sich oft zusammen auch geprügelt haben. Also nicht gegeneinander, sondern zusammen gegen andere, dass Malcolm ihn immer auch verteidigt hat und ihn gefördert hat. Ich glaube, bei Oasis, der nächsten Band, sieht es ein bisschen anders aus. Ich selber habe ja fasziniert verfolgt, wie die auf der Bühne zusammenstehen und sich gegenseitig abwertende Bewegungen machen. Er hat immer die Hand auf uns zugeklappt, also Nö, um Laiem nachzuäffen. Sie haben beide ostentativ immer weggeguckt, wenn der andere ein Solo gemacht hat oder sind von der Bühne gegangen oder haben sich vor die Füße gespuckt oder so. Für mich als Zuschauer war das sehr unterhaltsam. Also ich habe es mir mal auf dem Fernsehen so angeguckt, damals gab es noch die Videokassetten. Ich weiß auch keiner mehr, was das jetzt ist. Die lagen wir im Studio rum, da habe ich mir einen Konzertmitschnitt angeguckt und war sehr beeindruckt. Ich fand die total cool, weil die auch ihrer Verachtung gegeneinander und auch gegenüber dem Publikum kein Hehl gemacht haben. Falls das nicht alle nur gespielt wird, das kann ich nicht einschätzen. Aber ich finde das gut, wenn man sich versucht, nicht so beim Publikum so anzubiedern und sagt, ey, seid ihr gut drauf und wie geht's euch und ist das alle toll und mitklatschen und ich kann euch nicht hören und so diesen Quatsch. Und die haben einfach nur angeekelt, runterkietert, das ist dann ein Stück Kacke oder so und haben da ihr Programm runtergespielt mit unbewegter bis angewiedeter Miene. Das fand ich total gut. Und ich weiß nicht, seitdem sie jetzt hier Trends sind, ist die Musik wahrscheinlich kein Deutsch-Schlechter geworden. Aber mir fehlt irgendwas. Ich denke, dass aus der Antipathie der Mitspieler die Musik so interessant wird und da gerade aus dieser Spannung die guten Songs entstehen, dann müsste die Band, die danach kommt, noch hundertmal besser sein. Wenn man sagt, gegen Jesus and the Mary Chain waren Oasis die besten Brüder, die besten Freunde haben sich bestens verstanden. In der Band soll es richtig gekracht haben. Wir hören uns mal an, ob das wirklich so ist. Man kann ja nie wissen. Ich finde nicht, dass man hören kann, ob sich die Brüder jetzt verstehen oder nicht. Die Lieder klingen eben so, wie Jesus and the Mary Chain klingen. Die fanden wir zu Ostzeiten schon total geil. Die hatten so kurze Platten, nur so 20 Minuten oder so. Und die Gitarren waren immer extrem laut gemischt, wie man das nie normalerweise machen könnte. Und die Stimmen waren da ganz entspannt im Hall, im Hintergrund. Wir fanden das irgendwie total cool.
Wir fanden auch die Bengals cool, obwohl die mehr auch poppig sind. Aber diese Walking like Egyptian habe ich nie gewusst, worum es geht, bis die Ärzte das mal nachgespielt haben. Ich habe das ja nicht fassen können, dass die den Text eins zu eins übersetzt haben. Also falls das 1 zu 1 ist, ich weiß nicht, was Farin sich da ausgedacht hat. Aber irgendwie ist das total lustig, die Version in Deutsch zu hören, weil dadurch habe ich das englische Lied dann erst verstanden, weil der normal ist, wenn es übersetzt ist. Aber dadurch, da mochte ich das Lied von den Bengals noch viel mehr als davor. Die Bengals, wie Bengals klingt, ich dachte als Jugendlicher auch, die heißen die Bengals, aber die heißen sie Bengals, ich weiß nicht, was das heißt und ich spiele die ja nicht einfach, weil es da um den Gang der Ägypter geht, sondern weil sie natürlich auch Schwestern sind.
Jetzt geht es weiter mit Schwestern und zwar mit Humpe und Humpe. Annette Humpe hat ja mit die Ideal gegründet. Das war die Band, die mich fast am meisten beeindruckt hat und beeinflusst hat und die letztendlich dazu geführt hat, welche Musik wir auch mit Feeling B gemacht haben. Weil das Lied erschießen oder hunds gemein gehört immer noch zu dem Besten, was ich je im Leben gehört habe. Und ich war völlig, also nicht erstaunt oder so, aber ich, diese Titel hat wirklich auch Annette mit erfunden und komponiert. Ich dachte, das war der Gitarrist der F.J. Krüger, aber zu größten Teilen hat sie sich um die Titel auch gekümmert. Und ich war unheimlich traurig, als die Band sich aufgelöst hat, wahrscheinlich aus persönlichen Differenzen, wie sie später gesagt haben. Angeblich ist die Band auch nicht schlecht bezahlt worden von Annette oder so und sie hat dann mit ihrer Schwester ein Duo im Prinzip aufgemacht. Für mich war das eher so eine Art wie ein Schlager-Duo oder Pop-Duo, das hieß eben dann Humpe und Humpe. Aber es hat sich herausgestellt, dass die kommerziell viel erfolgreicher waren als Ideal. Woran man sieht, dass Erfolg und Innoviert, wenn man innovativ ist und Innovativität nicht immer Hand in Hand gehen müssen. Hier sind Humpe und Humpe mit Yamaha.
Ich gehe ja nicht oft ins Kino, weil ich oft enttäuscht wurde, wenn ich gegangen bin, weil viele versuchen in den Filmen immer so witzig zu sein oder so und der Film wäre auch ohne die Witze gut, die so präsentiert werden, dass er auch der letzte Idiot mitkriegt. Da lese ich dann lieber ein Buch oder so, bevor ich irgendwie mich ärgere. Aber ein Film hat mir in letzter Zeit, was heißt hier letzte Zeit, schon vor fünf Jahren, hat mir sehr gut gefallen. Das war ein Adams Äpfel mit Mats Mikkelsen, wo dieser Pfarrer mitspielt, der straffällige Leute wieder in die Gesellschaft eingliedern soll und mit ihnen zusammenleben soll. Und dabei völlig sein ganzes Elend verkennt und verdrängt und die Welt so schön redet, wie sie gar nicht sein kann. Und in diesem Film lief die ganze Zeit ein Lied von den Bee Gees, How Deep Is Your Love? Und er sang das immer so fröhlich mit und zum Schluss singen das dann auch seine Anvertrauten mit. Und in diesem Punkt merkt man im Film, dass alles so gut wird, wo im Prinzip die Kriminellen mit ihm dann zusammen dieses Lied singen oder das dann fast selbst singen oder so. Und das Lied ist von den Bee Gees, die natürlich auch Brüder sind, die so Robin Gibb ist derjenige, an dem ich auch den Vornamen weiß, die Brüder Gibb, wo mir einfällt, dass mir mein Ex-Geschäftspartner mal gesagt hat, als ich ihn erwarte gefragt hat, da sehe ich so aus, als bin ich vom Stamme der Gibb, ich bin vom Stamme der Nimm. Das fand ich dann nicht so lustig. Und dann haben wir uns auch getrennt irgendwann. Und jetzt kommen aber die Bee Gees mit How Deep Is Your Love.
Kurz mal eingenickt hier, das waren die Bee Gees, wir machen mal wieder was schnelleres. Die Jackson 5, ich nehme mal an, dass das Michael Jackson und vier Geschwister sind, sonst würden sie Jackson 3 heißen oder so. Shake your body to the ground, da wird ordentlich getanzt und Michael Jackson hört man richtig raus. Ich glaube, der war damals schon der Hauptsänger mit seiner Piepstimme, bevor er später ein Solokünstler wurde. Was für ihn so persönlich wahrscheinlich nicht besser war, weil so eine Gruppe um einen rum schützt einen auch gewaltig. Es ist nicht nur so, dass das nur nervende Konkurrenten sind oder so in einer Band, sondern man gibt immer ein bisschen Verantwortung ab, man gibt Druck ab und es gibt Tage, wo man nicht so gut drauf ist, da fangen das die anderen ab. Und damit lebt es auf jeden Fall viel gesünder, als wenn man jetzt ein Solokünstler ist, wie Michael Jackson zum Schluss war. Und er hat ja auch große Schwierigkeiten damit zurecht zu kommen, weil auch so ein riesen Weltstar hat Probleme, die auch ein normaler Mensch hat und die traut man ihm dann gar nicht mehr zu. Oder man nimmt es ja nicht mehr so zur Rücksicht, dass der ja auch seine Steuererklärung schreiben muss oder auch mit einem Schlafanzug ins Bett geht. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Michael Jackson im Schlafanzug aussieht, obwohl wir noch genug Leute gesehen haben. Aber dass auch so ein Typ, wie er aufs Klo gehen muss und Pickel hat oder sowas, kann ich mir gar nicht vorstellen. Aber Michael Jackson war so ein Superstar, dass er eigentlich schon vom Menschlichen sich abgetrennt hat. Das war schon eine Erscheinung. Gott gleiches Wesen. Ja, wie man jetzt Gott gleiches Wesen so definieren müsste. Und deshalb spiele ich lieber ein Lied aus der Zeit, als er noch mit seinen Geschwistern noch zusammengesungen hat, als die Jackson 5. Michael Jackson war erst fünf Jahre alt, als er da schon mitspielen musste, mehr oder weniger. Ich glaube nicht, dass ein Kind in dem Alter die freie Entscheidung hat, ob es in so einer Band mitspielen will oder nicht. Das ist wahrscheinlich auch ein großer Fluch der Familienbands, dass einfach die Eltern bestimmen, du spielst jetzt da mit oder so. Und wenn man das mit dem Hintergrund, klingt die Musik auch gleich ein bisschen anders, weil die klingt dann gleich ein bisschen gezwungener dann, die sogenannte Swing-Musik. Weil er hat ja den Titel auch nicht selbst gemacht und sich nicht selbst ausgedacht oder so, weil ein fünfjähriges Kind so komponiert selten Titel mit Text und allem drum und dran, sondern da wird irgendjemand dem gesagt haben, was da singen und spielen und tanzen muss. Und das hat er dann gemacht. Ich weiß ja nicht, ob das so eine gute Idee ist, mit so Kindern im Prinzip so eine Band so oft aufzumachen. Da finde ich es schon besser, wenn man wirklich aus Liebe und freiem Willen mit jemandem zusammensingt, wie Johnny Cash das mit June Carter gemacht hat, weil der seine große Liebe war. Die haben sich ja lange schon gekannt, bis sie wirklich auch zusammengekommen sind, weil sie beide auch Musik gemacht haben und als sie dann zusammen dieses Jackson gesungen haben, wird einem wirklich ganz warm ums Herz.
Ich merke immer wieder, wie egal mir das ist, in welcher Musikrichtung sich ein Lied befindet, was mir gefällt. Das ist völliger Quatsch, sich zu sagen, ach, ich stehe nur auf das oder auf Blues oder Metal, Punk oder wie weiß ich was, oder ich finde Country blöd. Ich bin jetzt kein Fan von Country Music in dem Sinne, aber so ein Lied, was einfach gut ist, ist einfach gut. Da macht Johnny Cash auch keine Ausnahme. Das ist einfach klasse. Und irgendwie ist es wirklich völlig egal, ob da jetzt E-Gitarren mitspielen oder irgendwas. Das Lied ist einfach klasse. Und genauso jetzt mit dem nächsten, was in eine völlig andere Richtung geht, musikalisch, aber auch von einem Part zusammengespielt worden ist und zusammengesungen auch, was sich zumindest zu dem Zeitpunkt noch sehr, sehr gut verstanden hat. Ich weiß nicht, wie sich das jetzt weiterentwickelt hat. Hier ist die Antwort mit We Have Candy. Das ist ein kleines Kunstwerk von der Antwort We Have Candy.
Ich habe überlegt, ob ich irgendwie die White Stripes in der Sendung unterbringen kann und kann ich natürlich, weil die White Stripes sind ja auch entweder Geschwister oder Ex-Ehepartner oder irgendwas auf jeden Fall. Sind sie zumindest seelenverwandt und so kann man sie auch als Familie bezeichnen, aber ich glaube sie waren wirklich mal zusammen und sind geschieden oder so, aber für mich gehören die White Stripes einfach mit in die Sendung, egal ob sie jetzt verwandt sind oder nicht, forever for her. White Stripes schaffen immer wieder, mich in eine bestimmte Stimmung zu versetzen, wie Rick White hat mit keiner anderen Band geschafft hat. Die Racontas oder sein Death Weather Projekt ist zwar alles gut und alle können wunderbar spielen, aber eben nicht so wie Mack White oder wie das Zusammenspiel zwischen ihm und Mack White ist wirklich unerreicht. Es ist auch in der nächsten Band ziemlich gut, da spielen auch Geschwister und zwar die Arcade Fire und die haben die Platte angeblich in der Kirche aufgenommen und sich da einfach so reingestellt und da ist eigentlich dann egal, ob es Geschwister sind oder nicht, aber die ganze Platte hat so einen ganz eigentümlichen, ganz besonderen Klang, weil die zusammen in diesem Raum gespielt haben und das ist eigentlich nicht mit Gold zu bezahlen.
Und damit will ich mich auch gleich bei Ihnen verabschieden. Ich sage jetzt nicht, jetzt seien Sie nett zu Ihren Verwandten, weil das eigentlich selbstverständlich ist, aber können Sie ja trotzdem machen. Tschüss und schönes Mal.