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Flake talks about classic in rock music.

Transcript

Radio 1, Flake, des Tastenfickers Podcast. Guten Abend, herzlich willkommen. Schön, dass Sie wieder dabei sind.

Es ist ja auch wieder Dienstag. Immer wieder ist irgendwann Dienstag, immer Dienstag. Ich frage mich, wann das mal aufhört, aber bis jetzt ist immer wieder Dienstag gekommen, so nach dem Montag. Es macht mich ganz verrückt, weil ich hätte gerne, dass mal irgendwie was anderes kommt. Immer Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, dass es sieben Tage sind und nicht zehn, macht die Sache nicht einfacher, weil man kann das nicht teilen oder damit rechnen. Oder sieben, immer wieder Montag, Dienstag, Mittwoch. Vielleicht wird es schön, wenn im Leben mal irgendeine Änderung kommt. Wenn irgendjemand mal nach Dienstag kommt oder nach Montag kommt. Du musst dir mir jetzt einen Namen einfach lassen. Fantasie ist nicht meine Stärke. Wir spielen das mal ein Lied. Das Mitsingen setzt dem Sachen auf die Krone auf. Das macht es besonders wertvoll.

Heute ist wieder etwas ausgesuchte Musik, was dran liegt, dass heute Dienstag ist, wie gesagt. Und der Dienstag wird ja oft abgekürzt mit einem einfachen „die“, weil manche Menschen sind der Meinung, wenn man die Sachen abkürzt, geht alles viel schneller, was völliger Blödsinn ist. Das gibt ja dieses WTF, was so viel wie what the fuck heißt, aber WTF dauert ja viel länger, als what the fuck zu sagen. Insofern ist die Abkürzung länger, als das, was man dann eigentlich sagen will. Meine Tochter hat mal gesagt, ich HDGDL-e euch. GDL ist Jugendsprache, Internet, Handy, heißt, ich hab dich ganz doll lieb oder so. Und ich hare die GDL-e dich ist dann im Prinzip das Verb. Also, soll man da mal sagen, also Abkürzungen sind eine schwierige Sache. Als der Westen kam, haben sie mich gefragt, ob ich einen O-Saft oder einen A-Saft will. Also leicht zu erklären, Orange oder Apfel. Beim Pferderennen gibt es auch irgendwie M-Spring, G-Spring, S-Spring, da habe ich mal mitgekriegt irgendwie. Und bei Mercedes, da gibt es ja auch Abkürzungen. A, B, C, D, E, F, G, A, J, K oder so. Da gibt es ja diese Geschichte, dass schon bevor Mercedes seine Klassen gehabt hat, hat der irgendwie die E-Klasse als Internet-Domain gesichert und Mercedes musste ihm dann mehrere Millionen zahlen, damit er E-Klasse als Domain, ich weiß nicht, was Domain heißt, freigibt und hat mehrere Millionen gekriegt und dann haben alle Leute, alle Buchstaben, alle Klassen als Domain versucht zu anzumelden und ein Kumpel von mir sitzt immer noch am Internet und sucht nach Wörtern, die noch keiner für sich geschützt hat und schützt sie und hofft, er verdient damit mal richtig Geld. Aber da kommen wir dem Thema ein bisschen näher, weil wir kommen auch zu einer Abkürzung.

Schon als ich sehr jung war, gab es einen klassischen Unterschied zwischen U-Musik und E-Musik. E-Musik war ernste Musik und U-Musik, Unterhaltungsmusik, was ja eigentlich total so abwertend klingt, weil Unterhaltung ist ja nichts ernstes, sonst wäre es ja E-Musik. Unterhaltung ist mehr so was, wenn man so sitzen will und abschalten will oder tanzen will. Und was dann so nebenbei vor sich hin plätschert und es gab eine Musikschule für Unterhaltungskunst in Berlin, da wollte ich unbedingt hin, weil Unterhaltungsmusik, so hart wie das klingt, beinhaltete nun alles, was ich geil fand, Rock, Blues, Soul, Punk, war alles Unterhaltungsmusik schlichtweg. Was ich sehr komisch fand, weil das war für mich alles andere als Unterhaltung, das war für mich Lebensinhalt und das insofern dann eigentlich ernst. Und heute will ich über die Grenzen springen und die Stellen zeigen, wo sich die U-Musik mit der E-Musik trifft, also wenn im Prinzip eine Rockband sich klassischer Ideen, Themen, Instrumente und so weiter bedient. Damit meine ich jetzt nicht die Scorpions in Klassik-Version, sondern das, was jetzt zum Beispiel kommt.

So, ja, nochmal geblendet. Das war White Shell of Pale von Poco Harum. Klingt ein bisschen wie so eine IS-Terrororganisation. Jedenfalls war das Lied inspiriert von Johann Sebastian Bach. Wie auch schon das Lied davor, wozu ich noch gar nicht gesagt habe. Das war Jess Rotal mit Bure, was nicht Butter heißt, wie man jetzt denken könnte, sondern das war ein barocker Tanz im Zweizweiteltakt. Ich weiß nicht, warum man den Zwei-Zweiteltakt als Zwei-Zweitel und nicht Vier-Viertel oder Acht-Achtel, obwohl Acht-Achtel ist eher selten, aber Vier-Vierteltakt. Aber das ist wahrscheinlich wegen der Betonung, dass man immer nur jede zweite Note betont. Und das war ein Tanz, der bei Ludwig des Vierzehntens sehr gerne getanzt worden. Weiter geht's. Es kommt Lift.

Es war Lift mit der Tagesreise. Wobei das Lied schon viel früher von anderen Leuten geschrieben wurde und zwar 1973 von Jo Schaffer und Michael Heubach. Gesungen hat es aber Henry Pacholsky 1978 und kurz danach ist er mit anderen zusammen leider verstorben. Da gab es einen wunderschönen Artikel in der Melodie und Rhythmus. Da stand diese Nacht des 15. November 1978. Irgendwo auf einer Landstraße in Polen war nicht nur diesig und dunkel, sie war schwarz. Sie war eine rabenschwarze Unlücksnacht für die Dresdner Gruppe Lyft und die Rockszene der DDR ebenso. In dieser Nacht verloren der Band, Lieder und Bassist Gerhard Sacher sowie der begnadete Texter und einfühlsame Sänger Henry Pacholsky ihr Leben irgendwo da draußen. Hier steht vor 30 Jahren Zabars die Hoffnung auf eine großartige Bandkarriere. Wird der Artikel natürlich nicht damals geschrieben worden sein, fällt mir jetzt gerade auf, sondern ich habe ihn jetzt erst gelesen oder vor kurzem. Jedenfalls ist damit sehr schön beschrieben, was passiert ist. Die hatten einen Verkehrsunfall und der brutale Riss ging seither mitten durch die Gruppe. Einzelinteressen ließen sich kaum noch miteinander verschmelzen, fehlte doch mit Gerhard Sacher der Integrationscharakter, der die musikalischen Individualisten hätte einen können. Auch durch die Familien der Musiker ging ein Riss. Dennort raufte sich die Band um den Kern Patzer, Schäffler und Lohse zunächst wieder zusammen und spielte unter diesen widrigen Umständen die nächste Platte ein. Dieses Lied ist somit unverändert im Prinzip der Schlusspunkt in der alten Besetzung und ein großartiges Lied. Und da ich jetzt schon mal im Osten bin, bleibe ich natürlich auch im Osten, wie man mich kennt.

Jetzt kommt Elektra. Wirklich gesungen Größe atmet man hier. Wäre ja ein schöner Satz. Das war jedenfalls Elektra, eine Band aus Dresden, von Bernd ausgegründet. Auf jeden Fall hat er viel mitgespielter. Und das Lied hieß Tritt ein in den Dom. Was ja so viel Dom ist ja lateinisch, heißt Haus. Jetzt habe ich mir gemerkt bei dem Film Das Leben, das Wohin, wo der schreibt doch so Römer geht nach Hause an die Hauswand und dann kommt dann die römische, die Soldaten, die Patrouille an und verbessern ihn, weil er das falsch geschrieben hat, Dorma, Dormus, gehen in das Haus. Das war dann der große Witz und ich habe da Tränen gelacht und das habe ich irgendwie ein paar Jahre später nochmal Leben, das Brein gesehen und irgendwie fand ich das ja nicht mehr so richtig witzig. Mit vielen Sachen, die man mal absolut zum Schreien fand, aber irgendwie muss man die anderen Umstände auch dazu wiederkriegen. Da haben wir vielleicht die Kifft früher oder in einer Wohnung gesessen aus der ersten Videothek, die in Ostberlin so oft gemacht hat, uns den Film ausgeborgt, uns zusammengesetzt und durchgelacht. Und wenn man jetzt versucht, irgendwie den Film nicht so traurig im Laptop anzugucken oder so, ist das dann nicht mehr so lustig. Ich weiß gar nicht, wie ich drauf komme. Achso, wegen dem Dom. Und das war ja mehr ein getragenes Lied, aber Elektra konnte auch ganz, ganz anders. Wenn auch nicht auf ihren Wunsch, sondern Amiga, was ja die einzige deutsche, ostdeutsche Plattenfirma für Unterhaltungsmusik war. Sag ich jetzt nochmal extra, weil für E-Musik gab es Itana, aber das zählt eben als Unterhaltungsmusik, haben Elektra dazu angehalten, den Säbeltanz zu spielen. Und den hören wir jetzt.

Hier so geschickt die Lieder zusammen mischt hat, heißt Uwaga und das verstehe ich sogar, das ist Polnisch und heißt Achtung. Wenn man ins Ausland fährt, ist es ja oft so, dass man als Erste die wichtigen Wörter liest, also im Prinzip die Verbotsschilder. Stutz, Saku, Satz heißt Betreten, Verboten auf Tschechisch, das war das Erste, was ich gelernt habe. Und Posor heißt Achtung und kann ich eigentlich in allen Sprachen sogar auf Ungarisch, was ja die schwerste Sprache der Welt ist, heißt das Fiegeljem. Und wir waren mal im Schwimmbad in Budapest und da haben die immer die Kinder gesucht oder so oder irgendwas ansagen wollen, dass man nicht vom Beckenrand springen darf oder so und dann haben die immer gerufen, Fiegeljem, Fiegeljem und dann haben sie ihr Zeug erzählt und dann haben wir gesagt, wir lassen auch mal eine Durchsage machen und haben denen auf einen Zettel irgendwie was geschrieben oder gesagt und dann haben die wirklich gesagt, Fiegeljem, Fiegeljem, die Sacknase Jörg soll sich sofort bei Paul melden oder irgendwie. Und wir waren als Deutscher die Institution verstanden, haben wir uns halb tot gelacht, aber im richtig witzigen Sinn und auch nicht. Und wir sind ja eigentlich auch hier zum Musikhören.

Also ich merke gerade, es geht so dezent los, dass man ruhig noch was sagen kann, gleich eine Überraschung wegzunehmen. Jetzt kommt Emerson Lake in Palma mit dem Bolero, damit man weiß, was man jetzt gerade nicht hört. Ich traue mich jetzt kaum zu erzählen, dass ich Jahre gebraucht habe, bis ich begriffen habe, dass Emerson Lake und Palmer nicht einfach der Name der Band ist, sondern dass das so heißt, weil da Herr Emerson mitspielt, Herr Lake und Herr Palmer. Er ist ja auch ein Musiker. Und da haben sie einfach die Namen, also die Band-Namen aus ihren Nachnamen so zusammengesetzt, wie auch bei Crosby, Stills, Nash & Young, das ist gleich noch ein Zungenbrecher, die dann nur noch Crosby, Stills und Nash hießen, weil Neil Young dann ausgestiegen ist oder so. In Deutschland haben wir das auch mit An-My-Kantereit, was ich auch schon so als Namen assimiliert habe, dass ich überhaupt nicht mehr darüber so nachdenke, dass das aus Nachnamen entsteht. Simon und Karfunkel, klar. Bruce und Bongo, ja, das war auch, glaube ich mal. Weiß ich aber nicht mehr genau, wer das war. Simon and Simon, aber das war einfach ein Film, glaube ich, mit so Detektiven. Ich weiß es nicht.

Hier geht es um Amazon Lake in Palma und die haben auch das nächste Lied gespielt, aber da wir die gerade gehört haben, habe ich jetzt eine Version von Sternkommo Meißen. Das war die Promenade, ein Lied oder Stück aus dem Epos, wie man das nennen will, Bilder einer Ausstellung von Mussorgsky. Das war im Prinzip das erste Konzeptalbum der Weltgeschichte, weil ein Komponist einfach die Bilder einer Ausstellung vertont hat, was ich an sich eine geniale Idee finde. Die Bilder waren von Viktor Hartmann und das war einfach ein Freund von Mussorgsky, der ist gestorben und hat da im Prinzip dem zu Erinnerung diese Titel aufgenommen und komponiert. Und irgendwie, ich kannte jetzt hier jeden Ton, irgendwie, wir können auch ein anderes Lied spielen, die kenne ich auch alle, was daran liegt, dass wirklich viele Musiker sich der Sache angenommen haben, neben Emerson Lake in Palma und Tomita, da gab es im Osten eine Amiga-Platte, eine schöne mit Tomita, mit so einem Computerbild drauf, sehr entschräg, der hat das selbe gemacht, ist das hier die Version von Stern-Kombo-Meißen gewesen, ich weiß nicht, ob sie da schon Stern-Meißen hießen, ob sie das Kombo schon weggenommen haben, was eigentlich ein schöner Name ist. Kombo ist ja ein Begriff, wird auch Lateines sein, aber wesentlich die Kombo als Kombination von vielen Musikern, die eine Band machen und Sternkombo Meißen hieß den wahrscheinlich dann zu kompliziert. Ich will nicht sagen, wie wir die aus Berlin genannt haben, das ist ein Wort, was sich auf Meißen auch reimt und der Sänger nannte sich ja IC Falkenberg, was bei uns auch Befremden ausgelöst hat, weil wie kann man sich IC nennen? IC und ICE, ich muss immer an ICE denken und das sind keine schönen Gedanken eigentlich, wenn ich an ICE denke und dann hat sich der Sänger noch so genannt, ich weiß nicht, was aus der Band geworden ist oder was aus IC geworden ist, der hat dann noch eine Solo-Platte gemacht, die war, ich glaube, ich habe mir da nicht ein Lied angehört davon oder vielleicht eins und ja, das lassen wir uns einfach zum nächsten Lied gehen.

Ich habe Punk-Fan, fand ich das fürchterliche Lied, wenn das irgendwie bei Formel 1 kam und dieser Gesang und dass sie irgendwie mehr Platz-Eins-Hits hatten, als Michael Jackson hat die Band mir auch nicht sympathischer gemacht. Das waren natürlich die Pet Shop Boys. Ich dachte mein Leben lang, die heißen die Ketchup Boys und fand das auch ganz lustig. Aber die heißen Pet Shop Boys, was Tiergeschäft Jungs heißt. Wie soll ich wissen, was das ist? Pet ist noch kein Tier. Jedenfalls heißt das irgendwie Kleintiershop, also Geschäft. Man sagt nicht mehr Geschäft, man sagt jetzt Shop. Und da haben die gearbeitet oder so, aber es geht doch darum, dass sexuelle Praktiken mit den Tieren so vorgenommen wurden. Und deshalb, weil die das so lustig fanden oder bemerkenswert haben, die sich danach benennt, nachdem Jungs, die in den Shops mit den Tieren im Prinzip die Tiere in den Sex mit einbeziehen, um das mal vorsichtig zu formulieren. Dieses Lied spiele ich aber trotzdem hier in der Sendung. Das hat ja irgendeine Faszination, also so eine, wie nennt man das, so ein grauen, so ein faszinierendes Grauen oder so. Dieses Lied ist aber auch angelehnt oder entliehen an eine sehr alte klassische Idee, an einen Kanon in D-Dur. Das heißt im Originaltitel Kanon per drei Violini i Basso. Es hat ein Barockkomponist, Johann Pachelbi, geschrieben. Und das ist seine populärste Komposition, das kennt jeder, das hat sich ganz weit in die Zeit gezogen. Es ist angeblich sogar für die Hochzeit von Johann Christian Bach geschrieben worden, was der ältere Bruder von Johann Sebastian Bach ist. Und dieses Lied hat sich über die Jahrhunderte bewahrt und ist in so vielen Sachen wieder aufgetaucht. Zum Beispiel in der ehemaligen sowjetischen Nationalhymne und jetzigen Hymne der russischen Föderation. Spicks and Specks von den Bee Gees ist da angelehnt. Oder daran dann wieder, wenn ein Mensch lange Zeit lebt, von den Pudis. Dann das Fanlied, Ole, jetzt kommt der BVB oder Steh auf, wenn du ein Schalker bist, Steh auf, wenn du ein Schalker bist. Ich bin jetzt nicht so der Fußballfan, aber ich denke mal, so geht das. Don't Look Back in Angel von Oasis angeblich auch und David Bowie ein Lied. Die Fanhymne, wir aus dem Osten, geht immer nach vorne, das ist wohl die Unionhymne und so weiter und so fort. Also dieses Lied hat sich weit in die Gegenwart gerettet und das Lied, was wir jetzt hören, auch.

Das heißt jetzt O Sole Mio, obwohl es ursprünglich nicht so hieß. Das war der Komponist Di Capur. Der war in Italien, hat nachts nicht schlafen können, 1898. Also er hatte keine Decke mit oder hat Heimweh gehabt. Und als er morgens aufgewacht ist, fiel ihm die Melodie so ein bisschen ein. Und dann hat er mit dem Dichter Capuro, Giovanni Capuro, der hat dann O Sole Mio dazu gemacht. Die Sache wurde dann zu einem Volkslied, hat sich dann hoch verbreitet. Und er als Komponist starb in absoluter Armut. Er hat für 25 Lire das Lied verkauft an so einem Verlag. Und früher gab es ja noch keine richtigen Tantiemen und Gema und Rechte. Und so ist er als Komponist von einem Weltlied in tiefster Armut verstorben. Aber der, der es singt, der ist nicht in Armut verstorben.

Da müsste sich doch der Rock'n'Roll schön mit der Klassik. Die Stones haben das auch versucht, also gerade dieses Arpeggio-Hafte der Barockmusik kann man gut einfach in Strophen oder Arpeggio-Figuren in die Gitarre oder das Klavier so einbinden, dass das wunderbar passt. Dann haben sie in dem Lied gemacht, She's a Rainbow. Und ich kannte das Lied schon lange, bevor ich das einmal gehört habe, weil es gab so ein Rolling Stones Songbook bei 2001. Das hat unser Sänger sich mal geborgt und bei Feeling B wussten wir immer nicht, was wir für Texte singen sollten, weil auf Deutsch haben wir nichts mehr in Drink oder so, da hat man nicht so viel zu sagen. Wir hatten mehr Lieder als Texte und da sind wir auf die geniale Idee gekommen, einfach das Stones Buch aufzuschlagen und immer zwei Zeilen aus dem Lied, zwei Zeilen aus dem Lied und She Comes in Colors Everywhere, war bei uns in Every Night in einem ganz normalen Lied drin als Textzeile von She's a Rainbow. Bevor ich das Lied ein einziges Mal so gehört habe, Sitting on the Fence haben wir auch gesungen oder so, was auch eigentlich ein richtiges Stones-Lied ist. Und jetzt bin ich mal gespannt, wie die Stones das so machen, weil das kenne ich noch gar nicht. Klassik schon ein bisschen im Psychedelic um. Die hatten ja interessante Phasen, die wollten versuchen, das White Album der Beatles noch ein bisschen zu übertrumpfen mit diesem Doppelalbum. Tarnix, Sagastic, Majestät. Und irgendwie hat es nicht geklappt. Ich würde das als überambitioniert bezeichnen, dass sie da versucht haben, absolut schräg und offen und so. Aber das Lied, das ist gut.

Ich versuche mal, ein bisschen aus der Vergangenheit aufzutauchen. Ich sage immer, wenn er mich sucht, ich bin in der Vergangenheit. Es gibt auch modernere Musik, die sich mit Klassik verbunden hat. Radiohead kommt jetzt. Die haben aus irgendeinem Grund wieder, wahrscheinlich habe ich es vorhin aus Versehen hingeschrieben, wie der das Präludium Nummer 4 in E-Moll von Chopin verwendet und ich bin großer Chopin-Fan. Och, Radiohead. Mal sehen, wie die Verbindung jetzt klappt.

Ich finde es gut, wenn man sich mit klassischer Musik beschäftigt, denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass alles getan wird, um Kindern und Jugendlichen den Weg zur Klassik zu versauen. Und wenn ich an die Schule denke, das war der absolute Albtraum. Irgendwie sind direkt da ans, naja, irgendein Orchesterstück dazu, was man nicht verstanden hat. Und dann sollte man sagen Rondo, Hauptteil, Overtüre, wo ich immer an Konfitüre eher gedacht habe. Weil alles so schmierig hier klungert, die ganzen Streicher und Geigen. Für mich sind Geigen immer, wenn man was so weichlich machen will, wenn man so Sahne drauf macht oder Zucker. Immer wenn im Film eine Szene kommt, wo sie sich dann küssen oder einer stirbt oder begraben wird, dann kommen immer diese blöden Geigen rin und Geigen und Klassik ist irgendwie für mich, hat irgendwie einen unsympathischen Anklang, obwohl ich klassische Musik sehr gut finde, aber von Kindheit an, gerade auch wenn man Klavier lernt, ich habe ja Klavierunterricht genommen, weil ich Blues und Rock spielen wollte und was habe ich gekriegt, so Klassiknoten, Triludium Nummer 1 von Bach. Das war eine Qual, das hat man sich so tot gehört, das war so ganz schlimm. Und die Königin dieser klassischen Stücke, mit denen Kinder gequält werden, ist von Beethoven. Und heißt für Elise, ich weiß nicht, wer diese bemitleidenswerte Elise ist. Und da hat sich auch ein anderer Mensch schon Gedanken um dieses Lied gemacht.

Es wäre natürlich geil, wenn ich irgendwie wüsste, wie das weitergeht. Vielleicht hat der Mann noch was Musikhistorisches zu melden. Das nächste Lied.

Ich komm, klar, ich komm. Ich komm, 10 Minuten. Das lässt es jetzt ein bisschen auf, das macht mich jetzt richtig spannend. Es wäre natürlich geil, wenn ich irgendwie wüsste, wie das weitergeht. Vielleicht hat der Mann noch was Musikhistorisches zu melden. Das nächste Lied. Das muss da weitergehen. Das habt ihr hier mitgebracht. Kann ich kurz zeigen. Ja. Ja, habt ihr nicht gedacht, dass ich Beethoven mitbringe? Alter Kumpel, Beethoven, ja, Vorname steht nicht, aber hier ist ein Foto von ihm, kann ich kurz zeigen. Da ist ein tolles Foto, ist 1812 aufgenommen, im Schlaf, wahrscheinlich. Da haben sie ihn überrascht hier, der Franz Klein heißt der Fotograf, Franz Klein. Vielleicht war es ein Künstlername. Aber es gibt sicherlich auch noch Negative davon, wo er die Augen auf hat, wo er vielleicht dann sagt, Hau ab hier, oder? Hörst du wohl auf, hier zu knipsen, du? Ich will pennen, ich will schlafen hier. Ich hab den ganzen Tag komponiert. Guck mal, hier, oder? Den ganzen Tag. Ja, sicher. Brauch ich meinen Schlaf. Oder ich kann mir vorstellen, dass er vielleicht kurz vor der Gurkenmaske, dass er da nochmal fotografiert wurde, weil er nachher ja ganz anders aussah. Beethoven, Klaviersonaten, Band 1, nach Eigenschaften. Fingersatz, Conny Hansen. Wahrscheinlich seine damalige Else. Die Musiker haben ja damals schon ordentlich immer auf die Kacke gehauen. Mit der von einer Kneipe in die andere. Zwischendurch. Schön. Kann aber auch anders sein, dass die immer gesagt haben, nee, ich will nicht oder so. Und er dann irgendwie diesen Blick entwickelt hat. Mann, ey, so ein Mist. Alter, will ich doch wieder nicht. Das komponier ich eben wieder. Ist mir ganz egal, auch wenn ich gar nichts mehr hören kann. Beethoven selber hat ja ganz viel geschrieben, sehr viel auch für den elften Finger. Wenn er dann früher da so gesessen hat in Damenkränzchen und dieses da hier so... Dann haben die dem schon ihre Slips hingeschmissen. Beethoven, Beethoven, Popetpofen. Alter Schlingel. Die Beatles haben sich auch nach ihm benannt. So, ich spiele Inhalt. Band 1. Allegro. Allegro Popickel. Allegro con Brie. Allegro con Schafkäse. Nein, das habe ich dann selber dazu erfunden. Allegro Aleo e Olio. Presto Grava la Putenkeule. Damals war alles ein bisschen deftiger. Allegro Lego. Andante Convariazioni di Piccolo. Also wahrscheinlich mein Fall von Pickel. Ich spiele auf Seite 249 Adagio Solzhenitsyn. Sonate. Hoho, hoho. Er schob sogar Sonaten. Der Gräfin von der Post gewidmet. Wurde die damalige Lady Aschetterly genannt. Ich spiele Adagio. Se deve sonar tutto questo peso delicadessi momento senza sorrino. Was auf Deutsch heißt, dieses ganze Stück muss sehr zart und in eigenem Seitling gespielt werden. So, ich bitte um Ruhe. Es sind vier Kreuzchen dort verzeichnet, ganz klar. Es handelt sich also um ein Esses oder Hisis. Das kann sein, Hisis. Immer sehr leise, es ist sehr leise. Das Lied ist so leise, dass ich mir unmöglich vorstellen kann, dass Beethoven es selber jemals gehört hat. Ich bitte um äußerste Ruhe. Wenn Beethoven dieses Lied gespielt hat, kann ich jetzt schon sagen, Da hörte man ausschließlich das Zusammenquetschen der Wanderbras. Ich lasse die Pause jetzt ein bisschen mit Absicht, damit man denkt, das kommt jetzt Beethoven-Stück, was man nicht hört.

Aber die Stücke von Beethoven, die ich hören kann, finde ich großartig. Also Beethoven ist für mich so modern wie, jetzt fallen mir auch wieder die Beatles ein oder so. Aber ich habe mal gehört, in irgendeinem Film oder so, da sagt sie, was soll ich noch machen, wenn ich so traurig bin oder bei Liebeskummer oder Muttersgestorben oder so, ich weiß nicht mal, was das ging. Dann hat sie den gut gemeinten Rat gekriegt, spiel doch einfach ein Lied von Beethoven. Und da habe ich gedacht, das muss ein irrer Luxus sein, wenn man so Klavier spielen kann, dass man, wenn es einem schlecht geht, ein Lied von ihm spielen kann oder so. Und ich bin der Meinung, dass das dann auch wirklich hilft. Ich persönlich spiele gerne die Melodie von Betty Blue, diese Klaviermelodie, womit der Film so anfängt. Und die, der auch spielt, als die Frau gestorben ist. Und das war ein ganz weiter Weg, bis ich das spielen konnte. Ich habe das immer versucht nachzuspielen, also das ging schwer, weil ich einfach nicht die Anfangstöne gefunden habe. Und jetzt habe ich im Internet endlich die Noten gefunden. Seit letzter Woche kann ich das spielen und bin sehr froh. Und wenn es mir schlecht geht, muss ich jetzt nicht Beethoven spielen, sondern kann das Betty Blue-Thema spielen. Das ist sehr gut.

Jetzt kommt noch ein Lied, was sich mit Klassik beschäftigt, obwohl eigentlich nicht, aber es geht um Musik und in der Musik, die ganzen Begriffe, die sind ja alt mit Adacho und Wissig hat er ja gerade gesagt und in diesem Lied wird das alles sehr gut erklärt und ich finde das Lied sehr, sehr lustig, was daran liegen kann, dass ich Musik mache. Es gibt Musik, die man nur für Musiker macht. Also wenn man irgendwelche Stops macht an Stellen, wo man keine Stops machen kann oder ein Lied, eine Stelle, einen Riff nicht viermal spielt, sondern nur dreieinhalbmal und den Tag weglässt oder so, dass man im Prinzip so nach vorne fällt oder den sogenannten Trugschluss macht, dass man das Lied im Prinzip aufhört an der Stelle, wo man denkt, jetzt könnte Schluss sein und dann geht es aber so noch weiter oder so. Und jetzt sind es Stellen, die man als Nicht-Musiker vielleicht gar nicht erkennt, aber wahrscheinlich trotzdem gut findet oder so. Und ich finde das Lied jetzt doppelt gut. Erstens einfach zum Anhören und zweitens, weil ich die musikalischen Gags auch verstehe, falls ich sie richtig verstehe.

Bei diesem Lied Assoziation auftun zu Engeln auf großen Weiten, Feenwesen, dann ist das kein Wunder. Das klang ja auch sprachlich so ein bisschen wie Sigurd Roos fast. Und das liegt alles daran, dass der Komponist und Sänger Johan Johansen aus Island kommt. Er ist 1969 in Reykjavik geboren worden und ich glaube, wenn man in Reykjavik geboren wird und Musik macht, dann klingt es dann in etwa so, wie das, was wir jetzt gehört haben. Er ist dann, es war ein Komponist und Liedermacher, der ist nach Berlin gezogen und hat hier viel Musik gemacht und ist leider am 2. Februar 2018 oder am 9. tot in seiner Wohnung gefunden worden, weil er Drogen genommen hat, die sich mit seinen Medikamenten nicht vertragen haben. Also wenn man Drogen nimmt, sollte man wirklich aufpassen, ob man dabei noch Medikamente nimmt oder am besten erst überhaupt keine so Drogen nehmen, weil letztendlich sterben doch mehr Leute dran, als man denkt und auf jeden Fall mehr als nötig wäre oder als sinnvoll wäre.

Erkennbar Muse, also man erkennt es an der Stimme und an der Gitarre. Dieses Arpeggio war Toccata und Fuge in D-Moll. Ich weiß jetzt nicht, ich gehe davon aus, dass es auch von Bach ist, weil es ziemlich originalgetreu dazu gespielt worden ist. Und ich finde, hier passt es ganz richtig doll gut. Jetzt kommt das Orchester Köthen. Ich wusste bis vor kurzem nicht, dass es das Orchester in Köthen gibt. Ich kenne Köthen nur von der Autobahnabfahrt, dass es in der Autobahnabfahrt Köthen gibt. Und das ist die Farbtöppe in Ostdeutschland, mit denen man irgendwas gestrichen hat, statt immer VEB Köthen drauf. Das ist eigentlich das, was mir zu Köthen jetzt so einfällt. Aber es gibt ein Orchester Köthen und das hören wir uns jetzt an. Das ist jetzt sehr klassisch. Also es ist ja schon fast pure Klassik. Wir sind jetzt bei Klassikradio. Ich hätte es gerne ein bisschen rockiger. Ich würde es ja mit Rock verbinden. Und ich glaube, da gibt es eine Version von Elektra. Da hören wir mal ein bisschen, wie sich die Klassik mit den harten Drums mischt und den Gitarren. Wie klingt denn das?

Das ist der sogenannte türkische Marsch. Das hieß natürlich, als es komponiert wurde, nicht der türkische Marsch. Das war einfach der dritte Satz aus der Sonate Nummer 14 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Da haben wir den mal auch endlich dabei. Geschrieben 1783, also wesentlich, also 200 Jahre vor, 1983 war dick fast aus, was ich nicht gesagt hätte. Ist ein Allegretto in Rondo-Form, was in A-Moll anfängt und in A-Dur endet. Das macht man, um die Stimmung dann so offener und optimistischer zu gestalten. Das ist dann wie so ein, ah, dann geht so. In Dur ist im Prinzip so alles schöne, Moll ist alles so traurig, mal ganz grob gesagt. Und ein Stück, was in Moll anfängt und in Dur endet, hat so ein ganz bestimmtes Gefühl, was jetzt so verbreitet. Und das war eben der dritte Satz. Und jetzt haben wir ihn gehört von Elektra.

Damit haben wir es schon wieder fast geschafft. Das war ein kurzer Einblick in die Mischung zwischen Klassik und Rock oder Pop oder irgendwas. Mir hat es gefallen, ich hoffe Ihnen auch, dann sage ich mal, bis wieder mal Dienstag ist. Dann hören wir uns hier wieder. Bis dahin, machen Sie es gut. Schönen Abend und tschüss.