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Flake talks about double album.

Transcript

Radio 1, die Sendung mit Flake. Guten Abend und herzlich willkommen bei Radio 1, der Sender nur für Erwachsene. Meine Kinder regen sich immer fies auf, wieso es jetzt alles nur für Erwachsene ist. Aber ich glaube genau, das ist der Trick, dass die Kinder dann denken, sie dürfen das nicht hören. Das ist nur für die Großen und da wollen sie dann extra hören und freuen sich. Das, was einem verboten wird, das will man am liebsten. Und bei meinen Kindern zumindest hat das total geklappt. Jetzt ist ja schon ein bisschen spät, aber ich würde mich immer trotzdem freuen, wenn auch ein paar jugendlichere Leute das auch hören würden. Aber trotzdem gebe ich mir Mühe, auch ein bisschen Niveau in der Sendung zu lassen. Und fange heute mal gleich an mit Goethe Faust, falls den jemand kennt.

Der ist ja diesen blöden Witz, wo Fritzchen, ich weiß auch nicht, seit wann das Fritzchen Witze gibt, aber ich kenne den halt nur mit Fritzchen. Fritzchen kommt aus der Schule und weint, weil er einen Tadel gekriegt hat. Dann sagt der Vater zu ihm, was ist denn los? Ja, ich habe einen Tadel gekriegt, weil der Lehrer hat gefragt, wer Goethes Faust geschrieben hat und ich habe gesagt, ich bin es nicht gewesen. Sagt der Vater, das ist ja eine Frechheit, geht zum Lehrer am nächsten Tag. Sagt also, Herr Lehrer, mein Fritzchen mag ja viele Fehler haben und alles, aber wissen Sie was, ich habe ihn erzogen zur Ehrlichkeit und wenn er sagt, er hat Goethes Faust nicht geschrieben, dann hat er auch nicht geschrieben. Wenigstens ehrlich ist er. Und falls er doch gemacht haben sollte, na mein Gott, er ist dann noch ein Kind, dann müssen sie ihm doch nicht ein Tal geben. Ich fand ihn lustig.

Aber wir ziehen jetzt gleich richtig los mit einem Zitat aus Faust 2. Geh, gehorche meinem Winken, nutze deine jungen Tage, lerne zeitig klüger sein. Auf des Glückes großer Waage steht die Zunge selten ein. Du musst steigen oder sinken, du musst herrschen und gewinnen oder dienen und verlieren, leiden oder triumphieren, Hammer oder Amboss sein. Wir hatten das auch in der Schule und ich habe versucht zu verstehen, was das bedeutet. Aber ich denke, das soll einfach heißen, dass man sein Leben irgendwie aktiv in die Hand nehmen soll und sich irgendwie entscheiden soll, was man nun will. Und diese große Entscheidung, die hören wir jetzt gleich im ersten Lied dieses Abends. Da geht es nämlich darum, ob man heizt oder fährt. Los geht's.

Blues von Stefan Diestelmann. Das meistgespielteste Lied in der DDR, zumindest auf der Munti. Und ich habe mich auch dran versucht. Ich hatte nur leider erst, ich wusste nicht, dass man bei der Blues-Munti die Dominante kaufen muss. Also wenn man ein Lied in C spielen will, muss man sich eine F-Munti kaufen. Und dieses Lied ist in G auf einer C-Munti gespielt oder so, glaube ich. Jedenfalls haben wir alles versucht, was im Osten möglich war, um an eine Blues-Haar-Brand zu kommen und ich habe meine gekriegt, indem ich getrampt bin vom Hermsdorfer Kreuz aus, weil ich in Thüringen wandern war und mit einem West-Mercedes mitgefahren bin, einem Orangenen und der Fahrer war ein Dachdecker, hat sich überhaupt nicht für Osten, Blues oder irgendwas so interessiert, aber ich hatte ja bis Michendorf Zeit, die ganze Fahrt, ihm zu erklären, dass ich dringend eine Mundi brauche und habe das wirklich geschafft, dass ich zu Weihnachten ein Päckchen gekriegt habe. Mit einer C-Munti und viel Spaß von ihm gewünscht und so. Und da habe ich mich ganz sehr erfreut. Ich möchte mich auf dem Weg auch nochmal bedanken, falls der Mann auch lebt. Und seitdem konnte ich da auch mitspielen. Das Lied war irgendwie auf jeder Bluesmesse, in jeder Ecke zu hören. Man konnte immer mit einsteigen, man war immer willkommener Gast.

Und ich wusste lange nicht, dass dieses Lied im Prinzip auch inspiriert war von einem ganz berühmten Mondharmonikaspieler, nämlich Alan Wilson. Und der war wahrscheinlich in der DDR bekannter als sonst wo. Denn auch Engerling hat über ihn ein Lied gemacht. Und da habe ich im Prinzip den Namen zum ersten Mal auch gehört. Mama Wilson.

Lied lassen wir schön bis zum Schluss laufen. Das hat's verdient. Mama Wilson von Engerling ist eigentlich mein Lieblingslied von der Band. Ich finde es richtig gut, dass die Mundharmonika erst im Schluss kommt, dass nichts verraten wird. Und sie haben mir auch meine Arbeit heute abgenommen, weil sie eigentlich schon die Biografie von Alan Wilson wunderbar erklärt haben, schon mit allen Hintergründen.

Ich kann noch hinzufügen, er wurde 1943 in Boston geboren und hat in Boston auch Musik- und Blueshistorie studiert. Er war ein großer Plattensammler. Und sowas kenne ich auch, wir hatten in Prenzelberg auch einen Plattensammler, der hieß Klaus Maus oder heißt immer noch Klaus Maus. Und der hat auch bei John Peel immer mitgeschnitten und alle Platten gesucht und den konnten wir besuchen, also alle Platten gesammelt und den haben wir oft besucht und haben dann bei den neuesten Sachen gehört, die uns auch mit beeinflusst haben und beeindruckt haben und er hat, ohne selber so Musiker zu sein, ganz viel für die ganze Musikbewegung im Prenzlauer Berg getan. Ich hoffe, ihm geht es gut, habe ihn lange nicht gesehen.

Jedenfalls Ellen Wilson hat dann bei seiner Masterarbeit über Charlie Patton, hat er Bob Hyde kennengelernt, der auch ein Gitarrist war und ein Musiker und sie haben die Band Kenneth Heat gegründet, was so viel heißt wie so eine Art Waschbenzin oder so, billiger Fuße, also eigentlich ein Zeug, was so schlimm schmeckt, dass man es eigentlich nicht trinken kann, ist eigentlich das allerletzte, eben wie so, wenn man so Verdünnung trinkt oder so. Da hatten sie auch den Namen raus. Sie haben viel getrunken, sie haben viele Drogen genommen. Ich weiß nicht, ob das da so üblich war, aber bei der Band war es auf jeden Fall richtig symptomatisch. Alan Wilson hat schlecht gesehen. Er hat eine ganz starke Brille, hat dadurch einen Spitznamen. Blind Owl, was jetzt nicht sehr schmeichelhaft ist, weil man schlecht sehen kann und eine große Brille hat. Aber er soll trotzdem sehr, sehr sympathisch gewesen sein und sein Durchbruch, wenn man es so sagen kann, der erste große Auftritt von Kenneth Tiet war 1969 in Woodstock, wo die ganze Welt die Band dann wahrgenommen hat. Da hat er zum ersten Mal mit Henry Westin auch zusammengespielt an der Gitarre und ab da war Kenneth Tiet eine riesengroße Band.

Ich will heute was vorspielen, nämlich ein Album, was sie zusammen gemacht haben mit John Lee Hooker, auf den gehe ich nachher noch näher ein. Das Album heißt Hooker & Heat, weil von John Lee Hooker und Kenneth T. zusammen ist. Man könnte es auch Black & White nennen, stand mal in irgendeiner Kritik, weil Kenneth T. war eine komplett weiße Band und sie haben zusammen Blues gemacht. Und da ist was entstanden, was ich in der Welt fast einmalig finde. Deshalb will ich heute auch mal die ganze Platte vorspielen, dass man die in Ruhe mal hören kann. Sie ist in L.A. aufgenommen worden, 1970. Und ich denke, wir hören uns das erstmal alles in Ruhe an und dann erzähle ich noch mehr dazu. Viel Spaß.

Wenn man richtig rockt, kommt man in die Rock'n'Roll Hall of Fame. Jeff Beck ist da gleich zweimal. Und bald einmal in Berlin. Jeff Beck, 10. Juni im Tempodrom am Anhalter Bahnhof. Alle Infos auf radioeins.de Jeff Beck, live. Radio 1, für alle, die live sehen wollen, warum er zu den 100 besten Gitarristen aller Zeiten zählt und natürlich nur für Hoxen. Radio 1, um RBB, Nachrichten.

Um 22 Uhr. Positives Echo auf Gipfel USA-Nordkorea. Neuer CDU-Fraktionschef für Berliner Abgeordnetenhaus. Das Wetter nachts locker bewölkt um 12 Grad, morgen heiter bis wolkig bis 22 Grad.

Die Ergebnisse des Treffens von US-Präsident Trump und Nordkorea-Staatschef Kim sind international auf ein überwiegend positives Echo gestoßen. Die EU-Außenbeauftragte Mogherini erklärte, eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen sei möglich. UN-Generalsekretär Guterres sprach von einem Meilenstein. Nun brauchten beide Seiten Geduld und die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Trump räumte ein, dass der Abrüstungsprozess in Nordkorea etwas länger dauern könnte. Man hätte in Singapur nicht genügend Zeit gehabt, alles zu besprechen, wäre er sich aber weiter gegenseitig besuchen.

Der Wirtschaftsberater von US-Präsident Trump Navarro hat nach seinem Verbalangriff auf den kanadischen Ministerpräsidenten Trudeau Fehler eingeräumt. Es sei seine Aufgabe gewesen, ein Signal der Stärke zu senden. Dabei habe er allerdings eine unangemessene Sprache gewählt, sagte Navarro dem Wall Street Journal. Navarro hatte die wiederholte Kritik des kanadischen Regierungschefs an den US-Sonderzöllen als Heimtücke bezeichnet und erklärt, für Politiker wie Trudeau gäbe es, so wörtlich, einen besonderen Platz in der Hölle. US-Präsident Trump hatte nach den G7-Treffen in Kanada seine Zustimmung für das gemeinsame Abschlusskommuniqué zurückgezogen und Trudeau dafür die Schuld gegeben.

Griechenland und Mazedonien haben einen über 25 Jahre alten Namensstreit beendet. Der Konflikt zwischen beiden Ländern war 1991 ausgebrochen, als Mazedonien sich von Jugoslawien abspaltete und sich seitdem Republik Mazedonien nannte. Die Griechen beanspruchten den Namen aber für sich, weil eine Region im Norden Griechenlands Makedonien heißt. Nun erklärte der mazedonische Ministerpräsident Saev, sein Land solle künftig Republik Nordmazedonien heißen. Im Gegenzug will sich Athen nicht mehr gegen eine Aufnahme des Nachbarn in NATO und EU sperren.

Die Bildungsgewerkschaft GEW prüft rechtliche Schritte gegen das Urteil des Verfassungsgerichts, wonach Beamte nicht streiken dürfen. Die Vorsitzende Tepe sagte dem MDR, die Kläger könnten am Ende noch Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof in Straßburg einlegen. Schließlich sei das Streikrecht ein Menschenrecht. Die Richter in Krasgruhe hatten heute das Beamtenstreikverbot bestätigt und Verfassungsbeschwerden von vier Beamtetenlehrern abgewiesen.

Die CDU im Belgiener Abgeordnetenhaus hat seit heute einen neuen Fraktionschef. Der bisherige Innenpolitiker Dregger löst den bisherigen Amtsinhaber Graf ab. Bei der Wahl stimmten 27 der 31 CDU-Abgeordneten für Dregger. Graf hatte Ende Mai seinen Rückzug angekündigt. Er übernimmt die Geschäftsführung des CDU-Wirtschaftsrates Berlin-Brandenburg. Um seine Nachfolge hatte sich auch der frühere Sozialsenator Chaya beworben.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist in Russland angekommen. Nach der Landung in Moskau ging es direkt weiter ins Teamquartier nach Votutinki, rund 40 Kilometer südwestlich von Moskau. Erstes Gruppenspiel der DFB-11 ist am Sonntag 17 Uhr gegen Mexiko.

Radio 1. Wetter. Zurzeit werden in Brandenburg und Berlin zwischen 21 und 16 Grad gemessen. In der Nacht sinken die Temperaturen bei lockerer Bewirkung auf 14 bis 11 Grad. Morgen ist es heiter bis wolkig bei 19 bis 22 Grad. Auf Radio 1, A10 nördlicher Berliner Ring Richtung 3 Kaffenland, zwischen Kreuz Oranienburg und Oberkrämer ist die rechte Spur wegen Markierungsarbeiten gesperrt. Sie hörten Nachrichten mit Ingmar Jensen, 22.04 Uhr.

Radio 1, die Sendung mit Flake. Und weiter bringt: Das ist eine ganz verrückte Sache und sowas kenne ich eigentlich nur aus der Musik, dass sich sowas entwickelt, weil beim Malen kann man das schlecht zu zweit an einem Bild, so rummalen gibt es bestimmt auch, aber es hat nicht diesen Erfolg, diesen Effekt, dass es einfach richtig anfängt zu fliegen, richtig nach vorne geht, wenn ein Wilson die Mundharmonika spielt, übernimmt er den Rhythmus so kurz, sodass John Lee Hooker auf der Gitarre ein bisschen flümmern kann und sich ein bisschen loslassen kann. Ich finde, die Musik, diese einzelnen Stücke sind richtige kleine Kunstwerke, die auf der Welt einmalig sind. Ich bin wirklich noch ganz ergriffen und John Lee Hooker ist sowieso in meinen Augen einer der besten Gitarristen, weil es geht nicht um diese Virtuosität, sondern es geht einfach darum, dass man auf einem Musikinstrument Emotion ausdrücken kann und das kann in meinen Augen keiner so gut wie er. Dieses dynamische Spiel von leise, fast unhörbar, auf diesen Seiten nur zu rutschen und gar nicht zu spielen, die Seiten abzudämpfen mit der Hand, dass nur so ein kleiner Anschlag eigentlich zu hören ist und gar keinen Ton und dann erst in der Ekstase im Schlussteil des Liedes die Seiten loszulassen, sodass sie richtig lange losklingen, ich finde das irre. Es ist richtig gut.

Jetzt geht es noch weiter. Jetzt steigt der Rest der Band mit ein, mit Henry Westin und Della Parra, all dem Schlagzeug und die ganze Band wird zusammenspielen, das Boogie Chillen, was übrigens der erste Hit von John Lee Hooker war. Er kam am 3. September 1948 raus, muss man sich mal vorstellen. Also das war kurz nach dem Krieg und da wurde das der Superhit, der wurde über eine Million verkauft, war wochenlang in den Charts, gefolgt von In The Mood und das war auch seine große Erfindung, diese Gitarren, Riffs einfach zu spielen, die später im Heavy Metal und überall wieder entdeckt wurden, wieder benutzt wurden. Auch Personal Jesus von Depeche Mode, hat Martin Gore gesagt, ist von Jean-Louis Hooker entliehen. Der driftet, hat er sich da abgehört. Und auch diese ganze Art, Musik zu machen. Es gibt unheimlich viele Bands, die von Jean-Louis Hooker beeinflusst wurden. Er wurde auf der Platte aufgenommen mit drei Mikrofonen. Deshalb klingt es so gut. Eins hat er zum Singen gehabt. Eins war vor der Gitarre und der dritte stand vor seinem Fuß. Er hat nämlich schon seit Kindheit an Kronkorken in den Schuhsohlen getragen. Die hat er sich da reingedrückt, damit er richtig mit dem Fuß den Takt klopfen konnte. Und hat sich manchmal noch, wenn der Fußboden nicht gut genug war, eine Zigarrenkiste unter den Schuh gestellt, damit er da im Prinzip das Schlagzeug so mit dem Fuß spielen konnte. Die Platte wurde von der ganzen Band zusammen aufgenommen. Auch wenn jetzt John Lee Hooker allein im Studio war, stand der Rest der Band dabei und hat zugehört. Man hört die auch sprechen und quatschen. Und jetzt gibt der Sache auch diese Atmosphäre in dem Studio, die völlig verrückt ist. Und das Tragische daran ist, dass auf dem platten Cover aus dem Studio ist Alan Wilson schon tot. Da ist nämlich nur so ein Trauerbild, was sie von ihm noch mit an die Wand gehängt haben, weil er während der Aufnahmen gestorben ist, an einer Überdosis Tabletten, was aber nicht auf Drogenkonsum zurückzuführen ist und auch eigentlich nicht auf Selbstmordabsichten, sondern Alan Wilson war stark depressiv schon die ganze Zeit, hat schwer mit seiner Depression gekämpft und war während der Studioaufnahmen, hat er auch schon in der Klinik geschlafen nachts in Toponga, hat aber dann irgendwie sich mit der Dosis vertan oder so. Und ist am 3. September 1970 gestorben mit 27 Jahren, war extrem jung ist. Und damit ist er auch Mitglied des Clubs der 27er, ohne das zu wissen, weil es den Club in der Zeit auch noch gar nicht so richtig gab. Da hat noch keiner davon gesprochen.

Wir hören jetzt die zweite Platte von diesem Doppelalbum. Das erste Lied spielen wieder nur John Lee Hooker und Ellen Wilson zusammen. Und dann steigt die ganze Band ein und zum Schluss fulminiert diese ganze Geschichte in dem Boogie Chillen Number Two, wo die im Prinzip diese kurze Skizze von John Lee Hooker, das kurze Boogie Chillen, wo aber auch alles gesagt ist, eigentlich in knapp zwei Minuten, richtig als Werk, Epos auswalzen auf 20 Minuten oder so. Und die Solis, die die Bands da, also die Musiker da spielen, sind auch einmalig. Das Mundharmonika-Solo von Ellen Wilson gibt es so auf der Welt auch nicht nochmal. Oder so, mir ist eh ein Rätsel, wie er das hingekriegt hat, dass die Mundharmonika so unwahrscheinlich gut und direkt klingt. Man hat mir gesagt, der hielt direkt ans Mikrofon ran, dass der Resonanzraum, also die Schwingung der Metallplatten der Mondharmoniker, ging direkt in die Schwingung des Mikrofonkäfigs über, sodass das ganze Mikrofon mitgeschwungen hat und dadurch sich auch ein bisschen verzarrt hat, ist ein super Trick. Und deshalb klingt die so einzigartig und laut und direkt und hat so einen Attack. Das ist eine wahre Freude. Ich freue mich wirklich über jeden einzelnen Ton, der von dieser Platte kommt. Wir hören jetzt weiter, dann kann jeder sich selbst ein Bild machen und jetzt kommt die zweite Platte. Viel Spaß.

War doch wirklich jetzt eine Therapie, Musik ist Medizin, hat Dr. Feelgood gesagt. Und wer sich nach dieser Platte nicht gut fühlt, hat wahrscheinlich auch was falsch gemacht, aber kann ja jeder machen, wie er will. Ich habe die Platte aus theoretischen Erwägungen mir besorgt. Meine Eltern hatten Westfreunde durch ihr Studium, also ausgereiste Ostler, die in Westen gingen und uns dann was besorgen konnten. Und ich durfte mir pro Jahr eine Platte aussuchen aus dem 2001-Katalog. Die gibt es jetzt auch nicht mehr. Das war auf Klopapier gedrucktes, so ein braunet Heftchen mit winzig kleiner Schrift, wo die Platten drauf waren, die man kaufen konnte. Und da habe ich mir die Zeit genommen und mir diese spezielle Platte rausgesucht, weil ich dachte, Ellen Wilson und Kenneth Teeth, also John Lee Hooker, und Kenneth Teeth ist nicht zu toppen und wurde auch nicht enttäuscht. Als die Platte ankam, ich hielt die stundenlangen Händen, habe mir das Cover so angeguckt und alle genau studiert. Und habe dann in der 10. Klasse, hatten wir vor dem Abschlussaufsatz, haben wir sozusagen so einen Voraufsatz geschrieben zum Üben und da habe ich die Platte als Thema genommen und geschrieben, wie sehr mich das beeindruckt hat und wie gut die zusammenspielen und dass ich eben so fasziniert davon bin, wenn Leute aufeinander hören und zusammen Musik machen und sich nicht versuchen zu profilieren, sondern zusammen irgendwann eine neue Stufe erreichen, dass ich das so aufgeschrieben habe. Und die Lehrerin hat mir das ein bisschen verständnislos wiedergegeben und gesagt hat, dass ich die gesellschaftliche Komponente ein bisschen vernachlässigt habe. Und da habe ich noch einen Artikel reingeschrieben, dass Alan Wilson mit seiner Mundharmonika gegen die Unterdrückung der farbigen Sklaven anschreit, aufschreit. Das ist ein Aufschrei gegen Unterdrückung und gegen den Kapitalismus ist. Da hat mir die Lehre dann den Aufsatz wieder zurückgegeben und hat gesagt, nee, das wirkt jetzt auch ein bisschen unglaubhaft, weil Alan Wilson ist ein Weißer und der hatte ganz andere Pläne als die Befreiung der Sklaven, zumal das da auch schon lange so vorbei war. Und dann habe ich den Aufsatz nicht abgegeben und habe irgendwas langweilig dann geschrieben. Aber mein Traum, Johnny Hooker live zu sehen, war geweckt und ich habe es immer wieder versucht. Ich war gleich nach der Wende am alten Tempodrom, hatte natürlich keine Karte, weil da war noch Osten und Westen noch getrennt. Also war zwar schon die Grenze offen, aber wir hatten noch Ostmark und deshalb habe ich auch keine Karte kaufen können und habe dann versucht mit dem, mit Schwarzgeld, ich hatte 30 Westmark mit, 150, so hätte ich gebraucht. Dann war ich im House of Blues in Los Angeles, war eine Plastehütte, ist auf Alt gemacht und da hat er auch abends gespielt. Ich bin nicht reingekommen, die haben am Einlass gelacht, als ich nach einer Karte gefragt habe. Und der sagt, Keith Richard war auch gerade da, der hat auch keine Karte gekriegt. Und das dritte Mal, da hatte ich eine Karte für das Luxemburg-Konzert. Da waren wir gerade in Frankreich im Studio und ich wollte da hinfliegen und zu John Luka zum Konzert gehen. Und dann war er dann tot. Das ist sehr tragisch, aber manche Träume träumt man eben auch nur. Ich will mich verabschieden, das war ein wunderschöner Abend. Ich habe das gemacht nicht, weil ich faul bin und nicht reden will, sondern weil ich einfach die Musik sprechen lassen wollte. Und jetzt kommt noch ein Abschiedslied, das Lied, auf das Johnny Hooker endlich seinen Grammy gekriegt hat mit 72 Jahren. I'm in the mood mit Bonnie Wright. Tschüss und schöne Nacht.