Die Sendung October 2018
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Flake talks about freedom.
Transcript
Radio 1. Die Sendung mit Flake.
Guten Abend und herzlich willkommen. Eine freie Stimme in einer freien Welt. Das haben sie jedenfalls früher gesagt auf RIAS oder auf SFB2, als ich ein Kind war. Mich hat es in der ersten Minute beruhigt, dachte ich, na gut, eine freie Stimme in einer freien Welt, ein Glück, ist ja alles gut. Dann habe ich darüber nachgedacht und gedacht, wieso, also muss man das sagen? Wenn man das extra erwähnt, ist da meistens irgendwas faul, weil wie soll es denn sonst sein? Und wozu braucht man eine freie Stimme, wenn man jetzt den Wetterbericht so vorliest oder so? Was sagt jetzt eine Wetterberichtsstimme, die nicht frei ist? Sagt die dann andere Wetter an? Oder was ist eine nicht freie Stimme? Und wenn die Stimme nicht frei ist, dann sagt die auch nicht, dass es nicht eine freie Stimme ist. Oder sagt dann auch, es ist eine freie Stimme, weil sie das sagen muss. Denn wenn ich jetzt ihnen zwinge, was zu sagen, würde ich denen auch sagen lassen, es ist eine freie Stimme, damit man nicht denkt, er wird zu irgendwas gezwungen.
Soweit habe ich als Kind natürlich jetzt noch nicht gedacht. Mich hat es nur beruhigt und was mich noch mehr gewundert hat, ist die freie Welt. Weil wie soll eine Welt denn unfrei sein? Dass man jetzt ein einziges Land unterdrücken kann, kann ich mir noch vorstellen, irgendeine Diktatur oder so. Aber dass man die ganze Welt jetzt so besetzt und dann trotzdem das gerade noch funktioniert, ist so ein bisschen unklar. Das ist wahrscheinlich aus der Zeit der 70er, 80er Jahre, wo so eine komische Angst war vor Außerirdischen, wo die ersten Raketen flogen, wo man die Planeten so kennengelernt hat und wo dann so Katastrophenfilme gab, dass die Erde irgendwie mal nicht mehr frei sein könnte oder von anderen Menschen bewohnt wird. Ich glaube, die Angst hat sich jetzt gegeben, weil man denkt, wer so klug ist, dass er bis zur Erde fliegen kann, der macht sich die da nicht untertan oder sperrt da nicht die Menschen ein oder unterdrückt die oder so. Und die Angst wird ja meistens auch geschürt. Also ich habe jetzt keine Angst, dass ich von außerordischen so eingenommen werde und nicht mehr frei bin. Aber durch diese amerikanischen Filme wird ja so eine Angst geschült. Ich glaube, so Armageddon war so ein Film, Independence Day. Armageddon habe ich jetzt nicht gesehen. Und Independence Day ist auch von einem Deutschen, glaube ich. Wie er irgendwie Geld verdienen kann, nimmt dann noch einen Schauspieler dazu, der schon berühmt ist, wie DiCaprio oder Johnny Depp, wo der Name auch Programm ist, meiner Meinung nach. Jedenfalls geht es darum, dass die Welt noch frei ist. Das finde ich auch gut.
Und für die, die noch nicht gemerkt haben, was heute das Thema ist, spiele ich jetzt mal das erste Lied. Ich habe eine andere Art ganz klar zum Ausdruck gebracht. Aber Freiheit ist nicht einfach, das zu machen, was man machen will. Das wäre zu einfach, damit ist der Begriff nicht gut umschrieben. Freiheit ist, so haben wir das zumindest früher gelernt, vor allen Dingen, nicht das machen zu müssen, was man nicht will, was viel wichtiger ist.
Hier kommt eine andere Auffassung von Freiheit. [Lied wird gespielt] Das war Benni und mit dem Lied "Bin endlich frei" und er hat schon gut gezeigt, dass zur Freiheit auch gehört, dass man was verliert und was abgeben muss, weil wenn man gebunden ist und eine Frau hat, dann hat man ja wenigstens die Frau. Wenn man frei ist, ist die Frau dann auch weg. Weshalb hat er sich im Lied dann auch entschieden, nicht mehr frei zu sein und sich eine neue Frau zu suchen und wieder gesund zu leben und so. Da sieht man gleich das zweischneidige Schwert der Freiheit.
Benny ist bekannt geworden, eigentlich nur mit Cover-Version von anderen Liedern. Sein größter Hit war Amigo Charlie Brown oder Omeri Mary, was auf irgendwelche so englischen Hits zurückzuführen ist und auch ein Lied von ihm heißt Montag ist Schontag, weil ich es sehr gut finde, aber ich weiß nicht, wie das originale Lied heißt, ich denke mal, es ist irgendwas mit Monday.
Jetzt kommt nochmal was, also das Thema könnte schon erkennbar sein, um das es heute geht und wir haben hier eine interessante Anschauung dazu von Saevia Naedu, wenn ich das richtig ausspreche. Und 97. Als das Lied rauskam, habe ich gedacht, das ist ein neues Lied von Stefan Trepte. Was der Sänger von Lyft ist oder Elektra, Magdeburg, Reform. Abad Bavesa, Xavier Naedo zusammen mit Sabrina Sedlur. Und Xavier ist ja später noch bekannter geworden. Das war im Prinzip sein erstes Lied, mit dem er rauskam. Und von ihm kenn ich den denkwürdigen Satz, dass er gesagt hat, dank eines Raps von Cool Savas bin ich Vegetarier geworden. Und ich hab gelesen Raps, weil Rap, also ist ja eng. Englisch wird genauso geschrieben wie Raps und ich fand gut, dass er wegen Raps jetzt Vegetarier geworden ist, weil man kann ja mit Rapsöl auch als Dieselersatz benutzen oder so, aber er meint ja natürlich einen Rap von Cool Savas und wen jetzt interessiert, wie dieser Rap heißt oder dieses Lied, das heißt der beste Tag meines Lebens von Cool Savas hören wir uns auch mal an, aber ein anderes Mal, jetzt geht's ja um Freiheit und um dieses Lied von Saebi Anaidu.
Er hat nämlich später auch eine Filmmusik gemacht. "Sie sieht mich nicht" hieß das Lied und das war der Soundtrack für Asterix und Obelix und da geht es ja auch um freies Gallien, was innerhalb des römischen Reiches durchgehalten hat und seine Freiheit innerhalb der Grenzen so bewahrt hat.
Jetzt kommt ein Lied, das heißt Free Falling, was ich übersetzen würde mit der freie Fall. [Lied wird gespielt] Beim freien Fall ist er irreführend eigentlich, weil das Freie heißt ja nur, dass man den Fall durch nichts mehr bremsen kann, dass nichts im Weg ist und dass es im Prinzip unwiderruflich ist. Wer einmal im freien Fall ist, wird mit Sicherheit auch aufschlagen, es sei denn, er hat einen Fallschirm mit oder so. Aber eigentlich ist der freie Fall auch als Metapher in der Übersetzung bedeutet das, dass es unaufhaltsam nach unten geht zu einem Ende hin. Und das trifft ja im Prinzip auch auf den Selbstmord zu, den man ja auch nicht umsonst als Freitod bezeichnet, weil jeder Mensch eigentlich ja selber die Entscheidung auch treffen kann, wann er stirbt und wann nicht. Oder er trifft sie ja zumindest frei in dem Moment, wenn er Selbstmord macht. Das ist dann eigentlich die letzte freie Entscheidung für manche Leute, vielleicht auch die einzige oder so. Und deshalb halte ich eine Art von Sterbehilfe auch für wichtig und richtig, weil das ja sonst die Freiheit des Menschen beschränken würde, der nicht mehr in der Lage ist, sich selbst umzubringen, weil er irgendwie gelähmt ist oder so und wenn der dann sterben will und er unterstützt wird. Er unterstützt das ja sozusagen auch seine Freiheit. Der freie Fall ist ja auch im Prinzip als Notlösung oder ich weiß nicht, wie ich das nennen soll, als das World Trade Center gebrannt hat in New York, sind ja auch erstaunlich viele aus dem Fenster gesprungen im freien Fall, wo man sich natürlich denken könnte, dass man das nicht überlebt. Entweder haben die die Hoffnung gehabt, dass man doch irgendwie überleben kann, was ja auch passieren kann. Es gibt Studien zu hohen Stürzen aus Flugzeugen und es gibt wirklich immer wieder Leute, die das überlebt haben. Es gibt ja dieses Wunder von Rumänien oder von Jugoslawien, die Stewardess, die aus einem abstürzenden Flugzeug das überlebt hat, weil sie auf dem Gletscher gerutscht ist und dann den Berg runtergerutscht ist, war aber im Lungenkoma, hat nicht geatmet. Und dann ist sie irgendwie gerettet worden, in ein Auto gesteckt worden. Das Auto ist den Berg runtergefahren, in eine Schneewehe geknallt. Dann hat sich der Fahrer schwer verletzt. Und sie fing durch den Aufprall wieder an zu atmen. Und hat es überlebt. Ich weiß nicht, wer mir die Geschichte jetzt erzählt hat. Klingt jetzt sehr unlaublich. Aber so soll es gewesen sein. Und gerade im Zweiten Weltkrieg sind auch viele Armeepiloten abgestürzt und haben das auch überlebt. Man lernt das ja auch von Katzen aus New York. Gab es einen Test, wo sie sich aus dem Fenster erschmissen haben und ab dem 8. Stockwerk oder dem 13. haben das wieder mehr Katzen überlebt, als gestorben sind oder so. Aus dem World Trade Center haben das die Leute nicht überlebt und erstaunlicherweise habe ich mal geguckt, wie viele das waren. Es waren um die 200, die dann auch Jumper genannt wurden, weil die Amerikaner gleich für jedes Ding ihren blöden Namen finden, die sich im freien Fall dann befunden haben.
Wir gehen zu einer anderen Art von Freiheit, zu George Michael. Mal sehen, was der zu dem Thema sagt. 1984 das meistverkaufteste Lied in England, was aber nie auf Platz 1 ging. Jetzt überlege ich, die ganze Zeit, was 1984 auf Platz 1 war. Ich denke mal, Last Christmas von George Michael, zumindest in der Weihnachtszeit. Aber weiter zu George Michael Jackson. Der hatte auch ein Lied über Freiheit, das heißt Black and White. Und er war schon ein Riesenstar und er war auch schon halb weiß, also er hat ja wirklich eine Metamorphose gemacht, wirklich vom tiefdunklen zu einem weißen Wesen. Und als er Thriller rausgebracht hatte und danach hat er schon Möglichkeiten gehabt, seine Lieder ganz anders zu präsentieren und als Black & White rauskam, war das ein absoluter Knaller, weil dieses Video ist an einem Tag nach den Simpsons, so lustigerweise, auf allen Sendern zugleich erstmalig ausgestrahlt worden. Am 14. November 1991, ich weiß nicht, was ich da gemacht habe, ich habe es nicht gesehen jedenfalls. Das waren 27 Ländern und wurde gleichzeitig von 500 Millionen Menschen gesehen, als sie das erste Mal rauskamen. Das ist der absolute Wahnsinn. Die Mondlandungen haben wesentlich weniger Menschen gesehen, einfach weil viel weniger da ein Fernseher hatten. Ich schätze mal 100.000 oder so, wenn überhaupt nicht 500 Millionen. Es waren damit auch die meisten Zuschauer, die je weltweit ein Video hatten, also ein Musikvideo. Das ist schon mal Wahnsinn. Da hat der Schauspieler mitgemacht von Kevin Allianz zu Hause. Ich habe ihn zwar nicht wiedererkannt. Und die Simpsons haben auch mitgespielt irgendwie. Das Video war sehr lang, war was berühmtet und ist auch gleich in den USA gekürzt worden und zensiert worden, weil er so eine kleine gewalttätige Anwandlung hat und irgendwelche Wände oder Scheiben einschlägt und dann wurde das Video im Prinzip nur noch gekürzt gezeigt, da kann man mal wieder sehen, was die künstlerische Freiheit ist. Man kann machen, so was man will, aber es dürfen halt keine Brüste zu sehen sein, kein Blut, keine Waffen und irgendwas, was irgendein Amerikaner sich jetzt gerade so ausgedacht hat wieder. Aber wir hören das mal, das Lied war für ein Klassenkampf. Ich weiß nicht genau, ob dieses Lied jetzt wirklich was genützt hat. Immerhin hat er danach noch fünf Jahre im Gefängnis verbracht, nachdem dieses Lied rauskam. Aber ich finde es generell gut, wenn man Musik nutzt, um irgendetwas Nachdruck zu verleihen, irgendeiner Forderung oder so.
Und wir haben uns in der DDR auch früh engagiert für Gefangene. Bevor ich richtig schreiben konnte, habe ich in der ersten Klasse in der Schule Briefchen geschrieben für Luis Covolan, damit der in Chile aus dem Gefängnis entlassen wird. Da haben wir Luftballons gemalt oder Schmetterlinge und irgendwelche Kärtchen. Das wurde dann in riesige Säcke verpackt und nach Chile geschickt. Ich weiß nicht, wer sich das dann angeguckt hat, ob das wirklich stattgefunden hat, die ganze Aktion, ob sie die Säcke wirklich von allen Schulen nach Chile geflogen haben. Aber jedenfalls ist ja dann irgendwann auch freigelassen worden und uns ist gesagt worden, dass das unser Verdienst ist. Das habe ich ganz stolz meinem Bruder erzählt. Da hat er gesagt, ja, das ist kein Ding, er hat Angela Davis freigekämpft. Das ist die, die man von der Frisur kennt. Die hatte so einen schönen Afro-Look, dass man die sofort auf allen Bildern erkannt hat. Und dieses Lied wurde wirklich gemacht, damit Nelson Mandela freigelassen wird, was ich total gut finde, so ein Lied zu machen und sich so zu engagieren.
Es gibt auch einen Deutschen, der sich für eine Freiheit engagiert hat und welche er damit meint, das muss er uns mal jetzt hier selber sagen. [Lied wird gespielt] Verstanden habe ich das Lied nicht, Freiheit ist die einzige, die fehlt. Ich weiß ja nicht, ob er das Lied geschrieben hat, als es die Wende schon gab, ob er das für uns Ostler geschrieben hat oder für die Westler. Bloß, wovon wollten die Westler jetzt befreit werden? Und die Hauptinformation ist eigentlich auch, wer frei sein will, soll das Feiern nicht vergessen. Ich habe mit dem Lied nie was anfangen können, was auch daran liegen kann, dass ich jetzt kein großer Fan bin.
Wie frei ist man denn wo? Zum Beispiel im Osten durfte man keine Witze über Erich Honecker machen, dann ist man so eingesperrt worden, wenn man Pech hatte, aber man konnte sich fühle ich mich aufregen, wenn man jetzt einen unfähigen Chef hatte im Betrieb, wenn der Abteilungsleiter keine Ahnung hatte oder Fehler gemacht hat und im Westen ist es einfach schlichtweg nur umgekehrt. Man konnte auf Kohl meckern, so viel man wollte, aber wenn man auf dem Chef gemeckert hat, hat man den Job verloren oder so. So ist es uns jedenfalls erzählt worden.
Besser identifizieren konnte ich mich auf jeden Fall mit den Freiheitsbegriffen von Bands wie Renft oder so. Mit dem lustigen Namen. Die Rockballade vom kleinen Otto wurde sehr schnell verboten. Die ganze Band Renft wurde verboten, weil das eigentlich verstanden wurde von gewissen Kräften. Gewisse Kräfte ist auch so, was man nur sagt, wenn man eigentlich so in der Stasi war, dass gewisse Kräfte eine Demonstration gemacht haben oder so. Also im Prinzip von der Parteileitung oder im Rat für Unterhaltungskunst oder so. Die haben Grund gesucht, um das zu verbieten, weil das galt als Aufforderung zur Republikflucht über die Ostsee, was sicherlich nicht war, weil wer in der Rockband gespielt hat, hat keine Aufrufe gemacht, über die Ostsee zu fliehen oder so. Trotzdem haben das viele gemacht, oder nicht trotzdem, einfach so sind viele DDR-Bürger, haben das Land über die Ostsee verlassen, weil das gar nicht möglich war, das Wasser insgesamt auf der ganzen Länge so zu bewachen. Selbst Bekannte von mir haben es versucht, manche mehrmals. Manche sind erwischt worden und übers Gefängnis dann im Westen abgekauft worden. Ein paar sind auch gestorben, weil sie überfahren wurden von den Armeebooten oder ertrunken sind oder abgetrieben wurden. Das ist alles sehr schön im Buch Crusoe beschrieben, was ja von einem Kellner erzählt, der das Schicksal von Ertrunkenen und Geflohenen so nachforscht. Wir selber waren oft auch an der Ostsee, wir haben nie erlebt, dass jemand flieht, aber wir haben die Grenze getroffen am Strand, die eigentlich so alt waren wie wir und sehr nett zu uns waren.
Und ich habe mich in der ganzen DDR-Zeit auch frei gefühlt, weil ich selber die Freiheit zur Entscheidung hatte. Also für mich heißt ja Freiheit nicht, dass man irgendwie keine Grenzen hat oder im luftleeren Raum schwebt, sondern dass man sich frei entscheiden kann, was man will. Und man konnte sich entscheiden, ob man eben versucht, über die Grenze zu fliehen oder nicht. Ich konnte mich entscheiden, ob ich zur Armee gehe oder nicht. Ich habe mich dafür entschieden, nicht zur Armee zu gehen und damit gleichzeitig auch dafür nicht zu studieren und keinen vernünftigen Beruf zu lernen. Aber es war meine freie Entscheidung, die ich bis jetzt auch nicht bereut habe.
Wir hatten eine Punkband, eine Punkband klingt auch gut, die hieß Rosa Extra, was jetzt sehr harmlos klingt. Das war der Name für die Damenbinden, die es in der DDR gab. Und die haben das in einem sehr schönen Text umschrieben. Womit die Grenzen, wenn ich mal so erkläre, im Prinzip, dass die Arme der Frau als Grenzen akzeptiert werden, in denen man sein kann und sich wohlfühlen kann. Und ein bisschen so ging es mir vielleicht auch als Jugendlicher.
Es ist auch die Frage, ob man ganz frei sein kann oder ein bisschen frei oder ein bisschen Frieden, ob es sowas gibt, ein bisschen schwanger oder so. Nicole jedenfalls war der Meinung, das geht. Jetzt war ich kein Schlager-Fan oder so, aber das Lied finde ich irgendwie okay, ich weiß nicht woran das liegt und anscheinend geht es ja nicht nur mir so, denn als sie 1982 damit aufgetreten ist, als letzte der ganzen Teilnehmer, hat sie mit einem riesigen, nie erreichten Vorsprung den Grand Prix der Eurovision gewonnen. Und alle auf der Welt waren restlos begeistert, obwohl das Lied eigentlich von den Gedanken her eigentlich auch verharmlosend ist, weil ein bisschen Frieden, ein bisschen Freiheit, dass die Menschen nicht so oft weinen, klingt so platt und oberflächlich, aber ist immerhin noch besser als nichts.
Und es gibt auch noch einen Gedanken tiefer, dass es reicht oder das Wichtigste ist, dass einfach die Gedanken frei sind. Egal, ob man jetzt im Gefängnis sitzt, in einer Irrenanstalt, da wird das Lied am liebsten gesungen. Das Lied ist schon von 1780. Also da haben die sich damit schon beschäftigt, dass man auch, wenn man eingesperrt werden kann, trotzdem noch frei sein kann. Und sogar Sophie Scholl hat es auf der Flöte für ihren Vater gespielt, als der im Gefängnis saß. Das ist doch Wahnsinn. Und was mich beglückt, doch alles in der Still und wie es sich schicket. Mein Wunsch und Begehren kann niemand verwehren, es bleibe dabei.
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Radio 1, die Sendung mit Flake. Hallo und herzlich willkommen zur zweiten Stunde. Ich glaube, wir kriegen noch eine Chance.
[Lied wird gespielt] Das Lied schrieb Sam Cooke, als er 1963 unterwegs war und festgestellt hat, dass in dem Hotel, wo er schlafen wollte, nur Eintritt für Weiße war. Das muss für ihn auch ein absoluter Schock gewesen sein. Es ist unvorstellbar, dass in einer zivilisierten Welt in 70er Jahren es noch Trennungen in Weiße und Schwarze gab. Selbst den Stones ist es aufgefallen, als Keith Richard 1966 in Amerika war irgendwo in Florida und pinkeln wollte, hat er noch ein Klo gefunden, was getrennt war in Schwarze und Weiße. Und er hätte doch überhaupt nicht fassen können. Und gerade für die Sklaven ist der Begriff der Freiheit existenziell, weil sie wirklich ihr Leben lang oft nicht frei waren, weil sie einfach Besitz von irgendwelchen Menschen waren, was unfassbar waren, indem sie erstmal aus Afrika herbeigeschleppt worden waren, die gar nicht nach Amerika wollten und dann für irgendwelche weißen Leute ihr Leben lang da arbeiten mussten, kein Geld verdient haben und ihre Nachkommen per Gebot auch schon Besitzer der Weißen waren. Denn es ist völlig klar, dass man sich dagegen wehrt, Sklave zu sein, dass man sich dann nichts weiter wünscht, als frei zu sein. Das war schon ganz früher so. Die Sklaverei gibt es fast, seitdem es Menschen gibt, jedenfalls nach der Urgesellschaft. Und schon Spartacus hat sich aufgelehnt und hat versucht, sich und seine Mann zu befreien, sind das Land gezogen, hatten zum Glück auch den Rückhalt der Bevölkerung, aber sind trotzdem auf brutalste Art von den Armeen aufgerieben und getötet worden. Wurden richtig vernichtend geschlagen, da sollte keiner mehr übrig bleiben, damit kein Sklave je auf die Idee kommt, wieder einen Aufstand zu wagen und Jahrhunderte später, 1919 in Berlin wurde der Aufstand auch Spartakusaufstand genannt, wo das Lied entstand auf, auf zum Kampf, zum Kampf, zum Kampf sind wir geboren, denn der große Feind war die Noske-Polizei, die auch da den Aufstand niedergeschlagen hat, den Spartakusaufstand, sind auch hunderte von Demonstranten gestorben. Luxemburg und Liebknecht wurden auch beim Spartakus-Aufstand verhaftet oder nach dem Aufstand und auch umgebracht, wo man sieht, dass es immer wieder Menschen gibt, die wirklich bereit sind, für die Freiheit auch zu sterben.
Sie sind frei, sie sind sich gehen lassen, frei improvisiert sozusagen. Und ich bin so frei, dass ich Beatles und Stones in einer Sendung spiele, was man ja eigentlich nicht macht, aber inzwischen, da geht es auch. Das hieß "Free as a Bird". Der Vogel wird ja meistens als Symbol der Freiheit benutzt, weil der Vogel eben einfach losfliegen kann und über Grenzen fliegen kann und so weiter. Meistens sogar ist der Adler der Hauptvogel. Immer Fly like an Eagle, gibt es auch in diesen Yoga-Liedern und so, immer Fly like an Eagle, Free like an Eagle. Und ich als Deutscher dachte immer, wieso wie ein Igel? Weil ein Igel ist ja nun alles andere als frei. Es ist diese kleine Stachelfieh, was da so rumrennt. Und es hat ewig gedauert, bis ich begriffen habe, dass Igel Adler heißt und nicht Igel. Ich weiß ja nicht, was Igel heißt. Headshock. Headshock ist auch der Kopf, der geschockte Kopf im Prinzip, weil die so hochstehen. Die Stacheln ist auch ein schöner Begriff. Und irgendwann habe ich auch mitgekriegt, der Falkes Kitty Hark war ein Verstärker oder so. Da habe ich überlegt, ob das Tumma Hark, wie es ich bin und man ausspricht, ja auch eigentlich dann das Klopfen der klopfende Falke ist oder so, weil es ja so eine Indianerwaffe ist oder so. Also die Sprache verbirgt unendliche Schätze, die nur ausgeschöpft werden wollen.
Das nächste Lied beruht auch auf einem Sprachversprecher. Wie nennt man das? Nach einem Missverständnis, genauso wie bei den White Stripes mit Seven Nation Army, was Jack White urtümlich verstanden hat, wo es um was ganz anderes ging, hat der Mitkomponist von Chris Christopherson seine Geschäftspartnerin gedacht, die heißt Barbara McKee, sie heißt Barbara McKee und von Barbara ist Bobby die Abkürzung und jetzt kann man sich schon fast vorstellen, wie das Lied heißt, so was jetzt kommt. Das ist ein Country, man.
[Lied wird gespielt] Da kann man es wirklich nicht sagen. "Freedom is just another word for nothing left to lose." Wenn man nichts hat, kann man nichts verlieren. Das ist natürlich klar. Und so sieht man die Zweischneidigkeit. Weil für einen die Freiheit muss ja eigentlich auch für den anderen die Freiheit sein. Weil wenn man nur für sich selber was beansprucht, ist ja der andere unfrei. Das ist so wie unser Reichtum auf der Armut von anderen so beruht. Und man kann nicht sagen Freiheit oder nicht Freiheit, sondern wenn der eine frei ist, dann der andere nicht oder wenn der eine frei ist, dann hat er halt auch nichts mehr. Und genauso ist Freiheit auch Freiheit der Dummheit und der dumm, weil wenn man für sich was in Anspruch nimmt, muss man es den anderen auch zugestehen. Ob nun Freiheit oder sonst was, das Thema ist wirklich sehr kompliziert, aber letztendlich zieht sich das immer darauf zurück, dass Freiheit ein absolut subjektives Empfinden ist. Dass keiner über den anderen sagen kann, du bist jetzt frei oder du bist nicht frei. Weil frei ist ab dem Moment, wenn man sich frei fühlt. Und manche Leute sind vielleicht wirklich frei, aber fühlen sich nicht frei. Sie fühlen sich eher so, als ist eine feste Kette ums Herz geschlungen.
"Unchained my heart" – [Lied wird gespielt] Natürlich auch eine Freiheit erlangen, indem man einfach die Grenzen nicht akzeptiert oder die Grenzen, in denen man es ignoriert, indem man sich so benimmt, als wären die Grenzen so gar nicht da, weil die Grenzen stellen ja nur die anderen. Und wenn man die für sich nicht akzeptiert, dann existieren die für einen ja dann auch nicht. Das kann man machen, indem man Punk wird. Als Punk war uns zumindest egal, wie wir aussehen, was wir sagen, wie wir auf andere wirken. Sondern uns war wichtig, dass wir cool waren für uns und unseren Spaß hatten und so. Und es gibt eine Band, sogar eine Punk-Band, die hat darüber ein Lied gemacht. Was übersetzt so viel bedeutet wie, wir sind ganz schön bescheuert, aber was schert uns das? Das ist der Refrain, man kann das doch übersetzen mit, ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's richtig ungeniert. Und das haben uns diese jungen Männer auch sehr gut vorgemacht.
Was dann aber doch wieder nicht, denn selbst als Punk muss man auf ein paar Sachen achten. Hat man die richtige Jacke an, hat man jetzt echte Boots oder Boots, also diese Springerstiefel oder nur Tonschuhe? Färbt man sich den Kopf oder lässt man das? Macht man sich ins Ring, ins Ohr und in die Nase? Darf man als Punk bei seiner Mutter noch wohnen? Eigentlich ist man als Punk auch schon wieder gefangener und nicht richtig frei. Selbst wir, wir waren ja auch früher eine Art von Punkband mit Feeling B, haben uns ganz ernsthaft und gewissenhaft gefragt, was nun eigentlich Freiheit ist. Aber keiner konnte uns das so richtig sagen. "Hey Brüder, sagt mir doch, was Freiheit ist. Sie herrlich oder schön, was sie ließen oder schmecken, oder kann man sie ja sehen."
Das ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden oder des Andersdenkenden, hat Rosa Luxemburg gesagt, damit hat sie sehr recht. Und Freiheit beinhaltet natürlich auch, dass jeder lieben kann, wen er will, ohne dafür diskriminiert zu werden. Was lange nicht der Fall war oder eigentlich immer noch nicht der Fall ist und gerade Freddie Mercury, hat sich nie öffentlich geoutet, erst kurz bevor er gestorben ist, weil er einfach nicht sich dem Aussetzen wollte, dass er dann anders so angesehen wird oder so. George Michael hatte das Problem auch, hat später sich dann geoutet. Inzwischen ist es Gott sei Dank normaler geworden. Und die, die ihr Coming Out hatten, haben alle gleichbleibend gesagt, dieser Moment des Öffnens und war eine Befreiung. In dem Moment, wo man sich nicht mehr verstecken muss oder irgendwas vorspielen muss, was nicht stimmt, befreit unwahrscheinlich, wenn man einfach sagen kann, was man denkt und was man will, dass das dann reicht, dass die anderen dann Bescheid wissen, dass man sich wieder frei fühlen kann. Genauso ist es im Tatort, wenn irgendwie der Mörder sein Geständnis endlich abgibt, fühlt er sich auch frei. Weil er hat nicht mehr die Last, dass er etwas in sich verschließt oder so. Das ist auch ein Aspekt, den man auch beleuchten muss, wenn man in sich drin irgendwas trägt und verschlossen hält, ist das auch eine Einschränkung der Freiheit.
Aber die bekannteste und sichtbarste Einschränkung der Freiheit ist einfach mal eine Grenze. [Ballade wurde gespielt]
Ich habe mal eine Zeit, wo Amerika als Inbegriff der Freiheit stand. Amerika haben immer gesagt, wir sind ein freies Land, hier kann jeder machen, was er will. Und man hat in Deutschland, gab es wirklich dann so eine Welle der Cowboy- und Indianer-Fans, dass viele versucht haben, in Deutschland oder sogar in der DDR ein Indianer- oder Cowboy-Leben zu führen, weil man sich als Cowboy auch so fühlen kann wie in Amerika, in der Prärie, man ist einfach frei.
"Das waren Zeiten, als wir travelten, von Town zu Town..." [Lied wird zitiert und gespielt] Der Kauban Freiheit in ihrem Strand um seine Beine spült, sondern er sich alleine. Wenn ihn die Frauen von hinten sehen, vor Sehnsucht fast zergehen. Hier geht jemals um, hat er den letzte Cowboy... [Lied endet] Der Mann ist jetzt ein anderer. Und das Pferd vielleicht auch, nein sogar sicher, jetzt sind es ja viele Pferde, alle weiß mit so langen Mähnen und so blauen Augen. Das heißt, ich weiß gar nicht, ob die blaue Augen haben, aber die rennen da so auseinander und ach, es ist einfach toll.
Jetzt muss ich mich leider auch schon wieder verabschieden. Die Zeit ist einfach schon wieder zu schnell vergangen. Freiheit ist nämlich ganz einfach auch die Einsicht in die Notwendigkeit, so haben sie es mir im Osten erklärt, dass man einfach sagt, okay, dann ist eben Schluss. Und richtig frei sind wir ja sowieso nie, weil wir sind ja in der Erdatmosphäre gefangen. Wir können jetzt nicht ins Weltall raus oder so, höchstens mit einer Rakete, ich weiß nicht, ob das zählt. Aber eigentlich sind wir ja immer noch in uns selbst gefangen und auf der Erde oder im Universum. Wir kommen nicht aus dem Universum raus. Also richtig rundherum frei ist man nie, außer vielleicht in den Träumen. Damit guten Abend.