Die Sendung July 2021
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Flake talks about streets.
Transcript
Radio 1, Flake des Tastenfickers Podcast. Hallo und herzlich willkommen zum Musik-Special. Ist ja ein Musik-Special, ich vergesse das immer. Und deshalb werde ich heute mal ausnahmsweise mal keine Rede halten, bevor die Musik so losgeht, sondern werde glatt und schlicht im ersten Satz sagen, was das Thema ist.
Denn ich dachte immer, das ist ein riesen Geheimnis und eine riesen Überraschung. Ich denke mir ein Thema aus und dann erzähle ich im Intro sozusagen, in einer Begrüßung, so eine lange Geschichte. Ja, ich gehe da die Straße lang und dann kommt der und dann kommt man irgendwie dann auf das Thema, worum die Sendung eigentlich geht. Aber das ist totaler Quatsch. Ich kann es ja auch gleich sagen, weil ich habe gesehen, auf Radio 1 steht die Sendung von Flake kommt mit dem Thema. Also bevor die Sendung anfängt, wird es schon umworben, oder die sagen es vorher in der Werbung an. Da gibt es auch so einen Trailer am Tag dann, die sagen, ja, heute kommt die Sendung so und so. Und ich denke immer, ich habe jetzt so die riesen Überraschung im Gepäck, sag jetzt kommt hier das ganz Verrückte und alle lauern drauf, na um was geht's und was geht's, da lauert überhaupt keiner, denn die Leute wissen es alle, die es interessiert und die die es nicht interessiert, dann ist es eh egal was das letzte Thema ist. Die Leute, die wollen ja alle nur Musik hören.
Und deshalb quatsch ich heute mal nicht, bevor die Musik kommt, sondern sag einfach im ersten Satz ohne Umschweife, ohne drumrum zu reden, ohne auch nur ein Wort überflüssig zu verlieren oder so sag einfach mal, was heute Thema ist, denn es geht ja immer um Thema, ist ja immer, halbwegs versuche ich wenigstens, dass ich immer irgendwie eine Verbindung zwischen den Liedern schaffe, dass die zusammenhängen, dass man sagt, ach, das ist ja interessant, ich höre ich mal, ah, es geht um das und das Lied gibt es ja auch dazu, interessant, ah, und sogar der Bandname, ja, der Bandname ist ja da auch schon drin versteckt und ob das was zu tun hat damit und so, lass ich mal alles weg heute, die ganze Intro-Vorbereitung, hier Quatsche, fällt halt aus, heute ist eine Musiksendung, Musiksendung heißt, es wird Musik gespielt und nicht gequatscht, weil wer braucht das? Man sagt ja auch nichts wichtig im Prinzip in der ganzen Zeit. Es ist halt im Prinzip eine Stimme, wo man auch wirklich wertvolle Musik hören könnte. Im Prinzip ist jedes gesprochene Wort Vernichtung von Musikzeit. Das wollen wir nicht. Das will ich nicht, das wollen Sie nicht. Und deshalb sage ich einfach mal klipp und klar, um was das heute geht: um Straßen.
Da war Großstadtgeflüster und da war eine musikalische Raffinesse drin, die ist mir jetzt aufgefallen. Der normale Refrain war immer auf einem Ton im Prinzip und im letzten Refrain hat ein Digitales mitgewechselt, dass der Refrain harmonische Wechsel hatte und sich das Lied dadurch völlig verändert hat und auch viel mehr Schwung bekommen hat. Das Lied hieß „Fickt euch alle“ und das ist ein sehr schöner Name für eine Straße.
Es gibt unwahrscheinlich viele Straßennamen, wo man sich sehr wundert, aber manche Straßen haben auch keine Namen, zum Beispiel die hier. Das Lied ist eigentlich nicht so mein Fall, also man kann nicht sagen, mein Musikgeschmack ist jetzt völlig runtergekommen oder so. Ich bin selbst jetzt nicht der große U2-Fan. Dieses Lied finde ich okay. Und ich habe es auch ausgewählt, weil das das Lieblingslied von Maschine ist. Das hat mich sehr beeindruckt. Ich habe mal eine Radiosendung gehört, als sie eine neue Platte rausgebracht haben. Und da hat sich Maschine so ganz süß gewünscht: „Ja, ich hätte gerne ‚Where the Streets Have No Name‘ von U2. Das ist mein Lieblingslied.“ So mit tiefster Brust und voller Überzeugung gesagt, da fand ich ihn total süß. Und da fand ich das Lied auch gleich besser. Davor habe ich gesagt, na ja, aber da habe ich gedacht, habe ich das mit seinen Ohren mal gehört, weil ich finde Maschine irgendwie cool. Der heißt ja nicht Maschine, weil er es besonders gut was kann oder jetzt diese super Bühnen-Musikmaschine, sondern weil er einfach so unwahrscheinlich viel und schnell essen kann. Der hieß früher so die Fressmaschine und da blieb dann das Fressen weg und die Maschine blieb. Und man stellt sich da, ich stelle mir dann, wenn ich höre Maschine, sehe ich so ein Motorrad oder eine Drehbank oder so, aber er ist schlichtweg eine Fressmaschine.
Und was mich sehr gewundert hat: Es gibt ja so alte Ehepaare, die sind 70 Jahre zusammen und plötzlich sagt die Frau: „Mir reicht's, ich lasse mich scheiden.“ Und der Mann: „Na warte doch, bis die Urenkel aus dem Haus sind oder so.“ Aber die lassen sich dann aus irgendeinem Grund, sagen: „Nee, also jetzt ist das Maß voll.“ Und genauso haben sich die Puhdys verstritten nach 52 Jahre Bühnenjubiläum. Wie kann man denn so … also ich will nicht sagen, dass das jetzt bescheuert ist in dem Sinne oder so, aber dann braucht man sich doch eigentlich dann auch nicht mehr zu streiten, wenn man schon so weit gekommen ist und so. Und was noch absurder ist, der Streit geht darum, um die Urheberrechte, dass Maschine der Meinung ist, dass er die Sachen alleine komponiert hat und ihm deswegen auch das Geld zusteht. Wo ja wirklich jeder weiß, dass jedes Puhdys-Lied einen großen Bruder auf dem internationalen Musikmarkt hat, bei Led Zeppelin oder Justice Retail oder sonst wo. Und dass man da eigentlich gar nicht so groß von Urheberschaft sprechen kann. Aber das nur unter uns.
Wenn wir über Straßen reden, meine ich damit auch Gassen, Alleen hatten wir ja schon, Boulevards, Plätze und eigentlich jetzt mal eine breitere Straße ist dann im Prinzip auch ein Park, ist dann halt ein Pretty Park, wie bei Kevin Coyne. Kevin Coyne, ich habe ihn selbst live gesehen auf der Insel der Jugend. Ich war, weiß ich nicht wie alt, wahrscheinlich 14, 15, muss um 1980 rum gewesen sein. Da ist man einfach zu jedem Konzert gegangen, wovon man was mitgekriegt hat. Ich glaube im Osten gab es auch irgendwie Plakate auf U-Bahnhöfen oder so, so ganz kleine, wo dann in kleiner Druckschrift stand: „Kevin Coyne, USA“ – oder der ist ja aus England, UK, UK, wo keiner wusste, dass das was heißen soll, Ukraine oder so. Und bin ich hingegangen mit meinem großen Bruder, der war zum Glück fitter als ich, der konnte mich da immer so mitnehmen, und habe diesen Typen da gesehen und war völlig beeindruckt und war dann seitdem der Meinung, dass der Pretty Park, das war die Insel der Jugend, damit gemeint hat, dass er an diesem Tag aus der Insel der Jugend den Pretty Park gemacht hat. Das ist doch eine schöne Geschichte.
Kevin Coyne hat acht Jahre lang Kunst studiert, Malerei und Grafik. Aber man kennt ihn nicht als Maler, sondern als Musiker. Er hat nach dem Studium als Sozialarbeiter viele Jahre gearbeitet und war viel mit Drogensüchtigen und Geisteskranken zusammen. Und das hat ihn in seiner Musik extrem geprägt, weil das für ihn wahrscheinlich noch das Einprägsamste war. Und er hatte das Glück, auf John Peel zu stoßen, der ja Dandelion Records hatte, und hat mit ihm Platten aufgenommen. Und die liefen so gut, dass die Doors, als Jim Morrison gestorben ist, Kevin Coyne gefragt haben, ob er nicht der Sänger der Doors werden will. Ich meine, ein größeres Lob kann man einem Sänger eigentlich nicht machen. Und der hat gesagt: „Nee, die Lederhosen sind mir echt zu blöde.“ Also wie die aussehen und dieses Gehabe, da will er nicht mitmachen an der Schiene. Und das kann man ihm auch wieder hoch anrechnen. Kevin Coyne leider auch schon gestorben.
Ich will mal ein paar Leute spielen, die noch leben. Nämlich die Kings, „Dead End Street“. Das waren die Kings. Und da sieht man wirklich mal wieder, wer hier die Kings sind. Denn Oasis und Blur und wie die alle heißen, Travis und Pulp, die müssen sich gewaltig strecken, wenn die je in ihrem Bandleben so ein Niveau erreichen wollen. Das ist einfach nur großartig. „Dead End Street“ heißt auf Deutsch so viel wie Sackgasse. Jetzt kann sich jeder entscheiden, welche Sprache er jetzt bevorzugt. Ob Sackgasse, wo man da wirklich auch an Sack denken muss, was ein bisschen so eklig ist, oder „Dead End Street“, wo man an Tod denken muss. Es ist halt nicht schön, wenn eine Straße nicht zu Ende führt. Man sollte eigentlich nur noch so Durchgangsstraßen machen, damit es zu solchen Worten nicht mehr so kommen muss.
Wenn es um Straßen geht, spiele ich aus Rücksicht auf Ihre Gemüter nicht „Auf der Straße nach Süden“. Obwohl ich auch hinten auf der Liste sehe ich gerade, wenn ich zu wenig quatsche … jetzt müssen Sie selber abwägen, was schlimmer ist. Wenn ich zu wenig rede, fehlt mir hinten die Zeit und ich muss „Auf der Straße nach Süden“ spielen. Aber ich habe hier das englische Pendant dazu, auch ein Gassenhauer. Ich weiß nicht, wie viele Prozent das Lied jetzt nicht kennen. Ich sage es einfach: „Streets of London“. Es ist „Streets of London“, heißt das, jeder mitgekriegt, aber das ist von Ralph McTell, das wird nicht jeder wissen. Ich weiß nicht, ob das „Tell“ einfach von erzählen kommt oder ob das was mit Tell zu tun hat. Und ich habe immer überlegt, was ist denn das mit Wilhelm Tell? Heißt der Wilhelm? Oh ja, das ist irgendwie eine Geschichte, die gibt es schon seit 1500, das lobt man gar nicht. Und da gab es irgendwie so einen komischen Landsvogt, Gessler Altdorf, und der hat einen Hut auf dem Stock gehängt und sagt, jeder muss seinen blöden Hut grüßen, wenn er daran vorbeigeht. Und Tell hat einfach gesagt: „Das ist so ein Blödsinn, ich grüß doch hier keinen Hut von dem Typen.“ Und dann hat der Vogt ihm befohlen, am nächsten Tag mit einer Armbrust an seinem Sohn zu kommen. Und hat gesagt: „Du musst mir den Apfel vom Kopf von deinem Sohn schießen.“ Er hat geschossen, hat es geschafft. Ich erzähle das jetzt ein bisschen unspannend. Ihr könnt das auch ein bisschen aufpauschen. Und ja, ja, ja, ja, und getroffen. Also den Apfel. Und der Vogt sieht aber, der hat noch einen zweiten Pfeil mit. Und dann fragt er den: „Wieso hast du den zweiten Pfeil mit?“ Da sagt er: „Du versprich mir erst, dass du mich nicht umbringst.“ Sagt er: „Gut, ich bring dich nicht um, erzähle.“ Dann sagt er: „Pass auf, siehst du, erzähle, Tell“ – da ist wieder der Zusammenhang geschaffen. Und dann sagt er: „Ich habe den zweiten Pfeil mit. Falls ich meinen Sohn getroffen hätte, hätte ich danach dich erschossen.“ Und dann sagt der Vogt: „Ich habe dir zwar versprochen, dich nicht umzubringen, aber ich sperre das jetzt lebenslang ein“, wollte ihn ins Gefängnis bringen, hat ihn über ein Schiff, über den Vierwaldstätter See gefahren. Und da muss so ein Sturm gewesen sein. Ich frage mich, weil auf dem Vierwaldstätter See so Riesenstürme hinkommen, dass das Schiff auseinanderbricht, die Fesseln sind gelöst. Und er ist ans Ufer geknallt, an die Steilwand und dann hat er in der hohlen Gasse, auf einem Hohlweg, hat er dem Vogt dann aufgelauert und aus dem Hinterhalt mit der Armbrust erschossen. Das ist ja eigentlich auch fies, also ist ja jetzt nicht wirklich eine Vorbildwirkung, weil man sagt: „Ich warte, bis er durch den hohlen Weg kommt und da schießt sie dann von hinten“ oder so. Aber ist halt auch nur eine Geschichte. Und was geblieben ist, ist dieser blöde Spruch: „Durch diese hohle Gasse muss er kommen.“ Dann meint der natürlich Tell den Vogt. Und das sagen bei uns immer die Leute, wenn sie puppen müssen. Das war jetzt auch eine Art von Straße, die sich das dann wählt.
Wir gehen aber zu einer anderen Straße, zur „Street 66“, die noch nicht – und ich betone noch nicht – die Route 66 ist. Die Route 66 kommt später. Jetzt kommt erst die „Street 66“, gesungen von Linton Kwesi Johnson, falls man das als Gesang bezeichnen will. Linton Kwesi Johnson. Das gibt es doch auf der Platte „Linton Kwesi Johnson in Dub“, habe ich zum ersten Mal gehört. Ich finde es total gut, weil er da so eine Geschichte erzählt, die nicht endet. Also es geht ja um die Straße, um die Adresse 66 und ich habe mitgekriegt, dass die Polizisten kommen. Irgendwie. Und wenn man denkt, jetzt wird der immer spannender und immer spannender. Und die klopfen an die Tür, sagen: „Mach auf, mach auf, mach auf.“ Und der sagt: „Ja, wer ist da?“ „Ja, hier ist die Polizei, mach auf.“ Und dann sagt der einfach: „Ja, kommt rein, nimm ein paar Licks.“ Was meint der? Was gibt er den Polizisten? Was passiert? Verhaften die den? Ist jetzt alles schlimm? Haben sie sie mit Drogen erwischt? Aber er sagt: „Nimm ein paar Licks“ und Licks ist eigentlich ein musikalischer Begriff. Also ich habe schon überlegt, ob der Drogen meint oder so, aber Licks ist wirklich ein musikalischer Begriff. Da geht es um eine instrumentale Phrase, was sich so wiederholt, was man so zum Beispiel als Wörter oder Sätze im Musikmachen bezeichnet, dass man daraus Sätze improvisieren kann. Dass man es als Versatzstücken nimmt, um Melodien und Solos zu formen. Und wieso sollen die Polizisten ein paar Licks nehmen? Oder sollen sie sich einfach mit hinstellen und zuhören und mitfühlen? Ich glaube, die Sache hat sehr viel mit Drogen zu tun oder so. Ich wollte es wirklich wissen. Und ich habe einen Computer aufgemacht und mir so eine Internet-, so eine Computerübersetzung versucht mir machen zu lassen. Und da ist nicht der geringste Sinn drin. „Westen machte eine Prostituierte und jeder Mann lachte und fühlte sich irisch. Fürchte mich. Straße 66, sagt der Mann. Jeder Polizist, der hierher kommt, bekommt ein paar rechtschaffende Rasklocklicks.“ Was sind Rasklocklicks? Keine Ahnung. „Ja, mein Gott, ganze Haufen Lecken. Unser Beat, die Szene bewegt sich nach rechts, wenn plötzlich bam, bam, bam, ein Klopfen an der Tür. Wer ist dat? fragt Westen und fühlt sich richtig. Mach auf, es ist die Polizei, komm schon, mach auf. Welche Adresse willst du? Nummer 66, komm schon, mach auf. Westen, der sich hoch fühlte, antwortete: Ja, das ist die Straße 66. Bitte treten Sie direkt ein und nimm ein paar Licks.“ Das war genauso klug, wie wir waren, bevor ich was gesagt habe. Wie gesagt, das war ja nur die Straße 66.
Jetzt kommt endlich, endlich, endlich die Route 66. Und mit der ist es genauso, wie es mit allen Sachen sind, die bekannt sind. Ich sage nur Jakobsweg. Die bekannteste Straße muss nicht die schönste Straße sein, auch wenn sie 3945 Kilometer lang ist, Route 66. Waren die Priester und anders als der Graf von Unheimlich oder Umbreit, Imago oder irgendwas, sind die Priester echte Priester. Das heißt in dem Fall ein Abtprimas und ein Zisterzienser Mönch und die machen zusammen kirchliche Musik, die sie mit Pop verbunden haben und das berührt die Leute sehr. Ich habe hier ein Schreiben von einer Frau, die hat geschrieben: „Ich bin Organistin und spiele dieses Lied immer wieder bei Beerdigungen. Ich spiele es, wenn der Abschied sehr schwer ist, wenn die Atmosphäre beklemmend ist, weil da einer weggegangen ist, den keiner so leicht gehen lassen kann. Dieses Lied bringt dann oft eine Weite mit. Jedenfalls kann ich durch dieses Lied manchmal ein bisschen aufatmen, weil seine Melodie mich irgendwie beruhigt oder sogar tröstet, fast wie ein Wiegenlied. Die einzelnen Liedzeilen klingen alle ähnlich und so schwingt sich das, was das Lied aussagt, allmählich in mein Herz. Vor allem der Refrain. Wenn wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand. So eine Geborgenheit, wie wenn jemand mich fest und sicher an die Hand nimmt, wünsche ich denen, die aus dem Leben gehen. Sie sind wie Wanderer, die gerade in ein fremdes, anderes Land wandern. Mit diesem Lied bete ich darum, dass sie besonders geschützt sind.“ Und so weiter. Ich würde sagen, das nächste Mal, wenn es das nächste Mal gibt, lese ich erst den Text und spiele das Lied dann. Weil so versteht man das Lied doch viel, viel, viel, viel besser. Sehr, sehr schön.
Deshalb sage ich beim nächsten Lied vorher, was es ist. Vielleicht hört man es dann auch besser. Das ist nämlich von Noah Levy, der nicht mit Noah Becker verwandt ist. Nicht verwechseln. Und mehr kann ich dazu jetzt auch nicht sagen. Hätte ich mal nichts gesagt. Das Lied hieß „Drei Straßen“, sonst hätte ich es nicht gespielt, weil es eine Sendung über Straßen ist. Habe aber leider nicht verstanden, welche drei Straßen er meint, weil ich ihn schlecht verstehen konnte. Er hatte so einen widerlichen Näsel-Effekt auf seiner Stimme. Das mögen die Jugendlichen anscheinend gerade. Die machen das, dass er völlig krank klingt. So ein Jaulen. Und man nichts mehr verstehen kann und vor allen Dingen klingt eine Band dann auch wie die andere. Alles, was ich jetzt sage, aufs Wort genau, ist aber das, was mein Vater vor 40 Jahren gesagt hat, wenn er die Punk-Bands gehört hat oder unsere Bands. Weil wir haben natürlich auch versucht, mit einem Verzerrer unsere Stimmen kräftig zu machen und so, dass es klingt, als wären wir in Süden. „Yeah, Anarchy.“ Da konnten wir auch nicht normal singen. Trotzdem hätte mich es einfach mal interessiert, wie das Lied geklungen hätte, wenn es normal gesungen wäre. Vielleicht wäre die Anima so übel. Aber es waren schon mal Straßen dabei, wenn ich auch nicht gehört habe, wo und wann und welche.
Jetzt kommt auch eine Straße, die nicht benannt ist. Es kommt nur der Satz vor „auf den Straßen von Berlin“. Und ich habe das Lied ausgewählt, weil das auch so heißt: „Auf den Straßen von Berlin“. Und ich kenne das vom Radio-1-Sampler. Die haben zu 25 Jahren oder 20 Jahren so einen Sampler rausgebracht. Und es ist natürlich völlig bekloppt, dass ich, der bei Radio 1 seine Sendung hat, mir von der Radio-1-Sendung den Sampler nehme. Wenn sie wieder einen Sampler rausbringen mit Musik, die ich gemacht habe, ist wieder der Tropflert auf den Sampler und so weiter und so weiter und so weiter. Da ist das eine Straße, wie nennt man das, eine Ringstraße geworden. Ich muss mich entschuldigen. Das war totaler Quatsch. Das ist völlig das falsche Lied. Das ist höchstens von Antenna oder Energy, der auf dem Sampler gewesen, nie auf Radio 1. Ich entschuldige mich bei Radio 1 in aller Form und den Hörern auch, dass sie den Dreck hören mussten. Aber man kann nicht jeden zum Pullern jagen oder Brötchen aus der Röhre nehmen oder Kinder ins Bett bringen, das dauert meist länger. Jedenfalls kenne ich das Lied nicht, habe nichts damit zu tun. Heißt zwar „Auf den Straßen von Berlin“, aber ich meinte das: „Jetzt liegst du wieder auf den Straßen von Berlin, trotz all denen, die versuchen, sich zu bereichern an den anderen.“ Das meinte ich, das hätte ich auch gerne gespielt. Kann man sich ja raussuchen, ist auf dem Sampler drauf, 20 Jahre Radio 1, sehr empfehlenswert. Besonders die zweite CD, die erste, spielt bei mir auch nicht, weil ich die ins Auto-Radio getan habe, also Auto-CD-Player. Und das Auto ist zu heiß geworden und dann läuft die nicht mehr. Ist vielleicht auch gut, aber kann ich halt nicht hören. Jetzt bin ich hier völlig raus. Straße, Straße, Straße. Ich würde gerne weiterspulen, leicht zu den Stones, weil es keine Sendung ohne Stones ist, keine Sendung. Und das, was die Stones schon hatten, ist für mich jetzt auch keine Entschuldigung. Und wir spielen jetzt einfach, die sind jetzt in der … ich weiß nicht, wie man es ausspricht, 2120 South Michigan Avenue.
Herzlich willkommen zum zweiten Teil, zum Thema Straßen. Ich habe Bob Dylan ausgesucht und frage mich, muss man sich jetzt wirklich wie ein Rentner fühlen im Rentnerradio, nur weil man sich Bob Dylan aussucht? Bob Dylan ist einfach zeitlos. Was soll man da sagen? Bob Dylan ist Bob Dylan. Ich war Bob Dylan mit der vierten Straße, also auf Englisch heißt natürlich Street und wir arbeiten uns hoch zur vierzehnten Straße mit den Beastie Boys und da komme ich auch altersmäßig jetzt mal ein bisschen runter, also ich sollte nicht sagen runter im Niveau, aber ich gehe jünger. Ich gehe jung, ist das ekelhaft. Beastie Boys.
Sollen wir mal verraten, warum die Straßenlieder alle instrumental sind? Wahrscheinlich gibt es nicht so viel zu singen über Straßen, weil die Stones waren auch schon instrumental davor, aber auch schon eben alle spielen. Ich kann mir vorstellen, wie es so gekommen ist. Die saßen einfach im Proberaum, haben so ein Lied gemacht und dann, ja, wie nennen wir das jetzt? Ja, weiß ich nicht. Eigentlich ist das viel zu schlecht, um unsere Platte zu pressen. Dann nennen wir jetzt hier, wo sind wir gerade? 14. Nennen wir die 14. Straße. Dann wissen wir, das war hier und so. Und dann, okay. Dann kommst du dann doch auf die Platte, damit sie irgendeinen Plattenvertrag erfüllen müssen. Und schon habe ich hier eine Sendung mit Instrumentals. Das waren die Beastie Boys. Und die Beastie Boys haben völlig zu Unrecht noch keine eigene Straße. Also wenn es jemand verdient hätte, dann die. Aber es ist ja erst einer gestorben von denen. Und irgendwie bei Politikern ist es normal, dass die zu Lebzeiten schon ihre Straße kriegen. Also Stalin hat bestimmt zu Lebzeiten schon Stalin-Allee gehabt. Von Mao will ich erst gar nicht reden oder Kim Il oder Kim Jong oder Kim Kim. Aber als Musiker möchte man doch bitte schön gestorben sein, bevor man irgendwie eine Straße kriegt oder so. Und dann kann man das leider auch nicht mehr beeinflussen, welche Straße das jetzt wird. Wenn man schlau ist, sollte man dann vorsorgen, also wenn ich mal bitte gestorben bin, gibt mir die … naja, die Wilhelm-Pieck-Straße kann man jetzt nicht nehmen. Erstens ist die im Osten eh schon umbenannt in Torstraße und dann nimmt man ja die Torstraße, das Tor weg und kann nicht einfach sagen, nee, ich will jetzt hier … also das ist wirklich schwer als Musiker heutzutage noch eine Straße zu kriegen. Ich will mich jetzt hier nicht bewerben oder so, nicht dass man mich falsch versteht, hier Flakeallee oder so, oder Flakegässchen. Gott sei davor behütet oder wie man das auch immer nennt. Aber selbst wenn ich wollte, gäbe es ja die Straße, müsste ich mir erst die Straße dann noch bauen und wer das nicht bedacht hat, war Tamara Danz, also die ist leider gestorben und dann haben sie gesagt: „Ja, wir brauchen jetzt eine Tamara-Danz-Straße“ und wo ist die? Zwischen Mercedes-Benz Arena, Parkhaus und irgendeiner Kack-Mall ist da so eine kleine Straße, wenn man da langgeht. Ich denke: „Um Gottes Willen, wo bin ich hier gelandet? Ich wollte zu irgendwas hingehen.“ Da hatte ich die Adresse, denke ich: „Ich muss hier lang laufen“ und denke: „Mann, ist das widerlich hier. Die Ecke so völlig tot und irgendwie Berlin Mitte so ist.“ Und dann gucke ich hoch und dann sehe ich Tamara-Danz-Straße und dann habe ich gedacht: „Oh Gott, die Arme. Erst tot und dann so eine Straße.“ Also sind die Beastie Boys vielleicht doch besser beraten, dass sie noch keine Straße haben oder müssen erst die anderen auch sterben. Ich weiß es nicht, wir werden die Sache beobachten.
14. Straße Beastie Boys, 42. Straße Golden Earring. 1961 in Den Haag waren es zwei Jungs. Der eine war 13, der andere war 15. Die haben gesagt: „Los, lass uns eine Band zusammen machen.“ Haben sich die Tornados genannt und haben losgespielt. 1962, da haben sie gemerkt: Es gibt schon eine Band, die die Tornados heißen. Passiert vielen. Und die sind viel erfolgreicher und bekannt. Die gibt es in England, eine super Band. Und da haben sie gesagt, wir müssen uns umbenennen. Und dann sind wir in einem Kino und haben den Film gesehen: „Die goldenen Ohrringe“ mit Marlene Dietrich. Ich will jetzt nicht spoilern, weil vielleicht wollen ein paar den Film noch sehen. Der ist gerade erst seit 1946 raus. Vielleicht haben die manche noch nicht gesehen und wollen wirklich verraten. Auf jeden Fall sind zwei englische Agenten im Zweiten Weltkrieg hinter den deutschen Reihen und müssen sich verstecken und sind auf der Flucht und sind geflohen von einem Gestapo-Knast irgendwie und die Verfolger sind ihnen ganz dicht auf den Fersen und da kommen die zu so einer Zirkusfamilie und die nehmen die auf und um sich zu verstecken, färben sie sich die Gesichter dunkel – wäre jetzt schon wieder fast rassistisch – und machen sich goldene Ohrringe rein, um als Zigeuner durchzugehen und nicht als englische Agenten erkannt zu werden. Deshalb heißt der Film „Golden Earring“ und die Band dann demnach auch, weil die den Film so beeindruckend fand. Ich weiß nicht, ob es an Marlene Dietrich lag oder ob sie die Handlung so gut findet. Das ist sehr interessant, also ich will jetzt nicht erzählen, aber der Konflikt beruht dann noch darauf, dass sie dann unter den Gesetzen der Zigeuner da im Prinzip leben und sich mit denen noch bekriegen müssen, dann um die Frau und der Konkurrenzkampf unter den Männern und so. Das ist alles eine ganz, ganz, ganz, ganz spannende Geschichte. Und danach hat sich dann halt die Band benannt. Aber ich mache mal lieber weiter, sonst schaffen wir hier nicht mehr unsere ganzen Titel.
Irgendwann in New York hören die Straßen Zahlen auf. Also erstens ja immer, fängt bei der ersten an und geht bis zwei bis ich wie viel. Und dann kommen auf einmal die Straßen mit Namen. Normalerweise ist ja alles in Zahlen. Also die Straßen sind nach Zahlen benannt und die Avenues mit Namen, die meiner Meinung nach auch demselben System unterliegen. Weil ich habe das Gefühl, ich war ja schon in einigen Städten, das heißt immer Washington, Lincoln, dann kommt die Chestnut, dann kommt die Kennel. Und also irgendwie sind die Namen auch immer irgendwie dieselben. Aber vielleicht ist das auch Zufall, weil die Namen der Avenues in Amerika sind fast immer dieselben. Das Loch eben im Lied war Absicht. Da sind wir nicht auf einen Knopf gekommen oder so, sondern das war einfach eine DJ-Falle, obwohl es da noch keine so DJs gab. Doch, da gab es auch schon welche. Das waren die Ramones. Für mich die Erfinder des Punk-Rocks, für sich wahrscheinlich auch. Und eine Band, die mir immer wieder gut gefällt. Wir hatten das Glück, mit denen eine Tour machen zu dürfen, ihre Abschiedstour durch Deutschland und Österreich oder so. Und ich habe mir die jeden Abend so angeguckt, war völlig begeistert. Wir sind dann, die haben sich dann aufgelöst. Erst Sui ist kurz danach gestorben und hat noch gelebt. Ja, er hat dann noch gelebt. Jedenfalls sind wir nach New York gefahren das erste Mal, um uns da vorzustellen. Wir haben im Club vor 18 Mann gespielt und sind dann durch die Straßen gerannt. Uns hat das alles fasziniert, wir wollten alles sehen. Und da gab es noch diesen Meatpacking District, wo so eine Hochbahn fuhr und diese Fleischverladehallen waren und Schlachterhallen. Da war alles dreckig und irre gefährlich und man durfte da eigentlich so gar nicht hingehen. Und da war eine ganz fiese Bar. Am Tag sehen Bars ja sowieso schlimm aus oder auch Puffs oder so, weil dann fehlt alles das Licht. Und die Stimmung und der Geruch, da ist es einfach nur noch dreckig und hässlich und fleckig und widerlich. Und da war so eine Kneipe, die war eben so widerlich. Da ist die Sitte, dass die Frauen ihre BHs dann irgendwie im Eifer des Gefechts oder im Höhepunkt der guten Stimmung auf den Tresen schmeißen. Und da waren in diesem Tresen so hunderte oder tausende von alten BHs so aufgehängt an den Wänden von der Decke. Es sah so eklig aus, das hat mich ein bisschen an meine KZ-Besuche erinnert oder so. Das war einfach nur schlimm und gruselig. Und da dachten wir: „Um Gottes Willen, das ist jetzt das geile Amerika.“ Und da saßen zwei so Säufer drin, vormittags um elf. Und die haben gefragt: „Was wollt ihr, Weißgesichter.“ Also das waren zwar auch Weiße, aber wir waren noch ein bisschen blasser, weil die waren richtig grau vom Alkohol und Tabak. Da haben die gefragt: „Was wollt ihr denn hier, ihr habt ja da ja nichts verloren.“ „Ja, nee, doch, wir sind auch Rocker und Musik und es ist eine Band und so.“ „Ja, ha, ihr wollt eine Band sein. Ihr Weicheier, die Ramones, das ist eine Band.“ Da haben wir gesagt: „Ramones, die kennen wir. Mit denen waren wir gerade auf Tour.“ „Ja, ha, ha, ihr Spinner, ihr seid ja völlig krank. Die Ramones sind eine richtige Band und wenn ihr mich hier voll spinnt, haue ich euch die Fresse ein.“ Und wir: „Nee, stimmt wirklich. Wer bist du denn überhaupt?“ Sagt er: „Ich bin der Papa. Ich bin der Papa von Ramones und so. Und wenn ihr mich anlügt, da brennt hier aber die Luft. Ich gehe jetzt zum Telefon, ich rufe Joey an und wenn das nicht stimmt, ihr kriegt so aufs Maul hier von allen aus.“ Und wir: „Um Gottes Willen, um Gottes Willen.“ Und ist also zum Telefon gegangen, hat da was drin genuschelt. Ich verstehe A kein Englisch und B nicht das, was man so ohne Zähne spricht. Und hat da irgendwas gesagt und da kam er zurück und sagt: „Gut, Jungs, ihr habt recht. Prost, Bier her, Bier für alle. Hier sind Jungs und mit meinem Söhne gespielt“ und so. Und da habe ich gedacht: „Ein Glück, dass er gemerkt hat, dass wir die Wahrheit gesagt haben.“ Und ein Jahr später fiel mir ein, dass er ja für der Unsinn erzählt hat, weil die heißen zwar Joey Ramone und Dee Dee Ramone und so, aber es sind doch gar keine Brüder, die haben sich die Namen nur zum Spaß gegeben. Und insofern wird es Opa Ramone auch gar nicht geben oder Papa Ramone. Da hat er uns der Lüge bezichtigt und selber total die Spinnen. Da kann man mal sehen, was Alkohol so aus Menschen macht. Auch in New York.
Wir kommen zur Bleecker Street und spielen einfach mal erst mal das Lied, dann denke ich mir aus dem Schwachsinn aus. Simon & Garfunkel waren das und man würde es nicht glauben, weil die hießen früher wirklich Tom & Jerry, muss man mal überlegen, aber ich meine, das ist auch ein guter Name. Ich hätte mich gefreut, wenn sie jetzt noch Tom & Jerry heißen würden. Das würde auch zu dieser ernsten Musik oder so total gut passen. Das Lustige an der Band ist, dass sie sich öfter gestritten haben als eine normale Band, aber durch ihren Erfolgsdruck und aus irgendwelchen ehrgeizigen Gründen sich immer wieder zusammengerauft haben. Ich habe nämlich bei … ich habe mal nach den Daten geguckt, das stand bei: Gründung 1957, 1981, 2003 und 2009. Und da überlegt man, wie kann denn das gehen? Das kann natürlich nur gehen, wenn die Band-Auflösung 1970, 1983, 2004 und 2010 ist. Das heißt, die Band gab es nicht, dann hat sie sich wieder aufgelöst, dann gab es die ein Knappet, ja, wahrscheinlich für eine Tour. Ich frage mich, wieso haben sie sich dann aufgelöst zwischendurch? Dann hätten sie auch zusammenbleiben können und einfach nicht spielen können. Da gibt es ein paar Rätsel auf der Welt, die einfach ungelöst sind.
Wir gehen von einer Bleecker Street Richtung … ja, ich weiß nicht, wie rum New York jetzt gedreht ist. Ich hätte jetzt gesagt nach Osten, nach Süden und kaum auf die Wall Street. Die ist auch sehr groß und sehr hässlich mit Neubauten. Und man sieht an New York auch deutlich, dass die Sachen, die man so aus Namen und so kennt, die so berühmt sind, sind oft die hässlichsten. Stichwort Trump Tower. Aber über den singen wir heute mal nicht, sondern über die Wall Street. Und es ist der „Wall Street Shuffle“. Schon wieder in diesen Rentner-Modus hier abgeglitten. Das war Genesis. Wieso habe ich keine frischere Musik? „The Lamb Lies Down on Broadway.“ Damit ist jetzt der Broadway gemeint, denke ich schon. Aber den Broadway gibt es nicht nur in New York, sondern den gibt es in fast jeder amerikanischen Stadt. Da war ich auch bitter enttäuscht, als ich das gemerkt habe. Ich dachte, der Broadway gibt es nur einmal auf der Welt. Aber gibt es überall genauso wie, wie schon gesagt, Alabama, Lincoln, Washington, die ganzen Alleen haben alle dieselben Namen. Aber ich meine, die Zahlen sind ja auch dieselben. Wenn eine Zahl von 1 bis 40 ist, ist ja der Quatsch, jetzt die Avenues in einer anderen Stadt dann 438 zu nennen oder so, obwohl es selbst das auch gibt. Also ich bin schon mal an der 300. Straße mal vorbeigefahren. Wenn man gerade nach El Ehren fährt, da sind, ja, ich glaube, eben Tausender Straßen oder so. In diesem ganzen sinnlosen System geht ein bisschen die Romantik verloren. Wenn ich sage, ich wohne jetzt 4. Avenue, ist an der 48. Straße an der Ecke, 425. Bezirk in der Stadt 5 auf der Welt 1. Aber kann man ja machen. Da haben es die Doobie Brothers schon ein bisschen besser gemacht. Die haben wenigstens „Toulouse Street“ genannt, das nächste Lied. Und die Straße ist dann immerhin auch Toulouse Straße genannt worden. Toulouse ist eine Stadt in Frankreich. Und es gibt ja bei uns auch, dass man andere Straßen nach anderen Städten benennt. Also in Berlin gibt es sogar auch die Berliner Straße. Berliner Allee gibt es auch. Da habe ich gelernt bei VEB Rationalisierung Berlin. Da waren gleich drei Berlins in einem Namen. Wahnsinn. Und Paris, kenne ich jetzt. Ja, Paris Bar gibt es immerhin. Es gibt bestimmt auch die Pariser Straße. Irgendwann im Westen. Muss ich mal kicken. Wir können mal eine Stadt planen. Aber wir können doch erstmal auch Musik hören. Die Doobie Brothers.
Es ist hinter diesem Namen. Ich dachte, es ist wie Doobie, Doobie, Doobie. Ich dachte, es kommt von so einem Musikausdruck oder so aus der Comicsprache oder so. Ist aber leider ein Drogenbegriff, ein Kifferbegriff, weil das Doobie ist ein Joint aus zwei Blättern. Die haben immer gekifft und zusammengesessen, da ist jemand vorbeigekommen, sagt: „Ey, ihr seid ja echt ein paar Doobie Brothers, ey, geiler Name.“ Also das liegt vielleicht doch am Kiffen, dass wenn man was Bescheuertes sagt, dass die alle sagen: „Ey, geil, so nennen wir uns jetzt, ihr seid ein paar Spinner, ey, geiler Name, machen wir.“ Das waren die Doobie Brothers und weiter jetzt mit, weiß ich nicht, irgendwie Manic Street Preachers, was passt besser zu Straßen als die Manic Street Preachers, frage ich mich. Fragt mich natürlich nicht, weil ich hab's ja so ausgesucht.
Ich nehme mal auf die Werbung rein. Also einer meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist, dass ich bei meiner Oma sitze und fernsehen will. Und da kommt Werbung. Ich fand ja die Werbung genauso spannend wie Filme, zumal ich die Werbung noch besser verfolgen, verstehen konnte. Und da kam Milky Way. Und da hatten die so einen Riegel, da hatten sie so einen Top mit Milch. Und da haben sie den Riegel da drin geschmissen. Dann sagt Milky Way: „Schwimmt sogar in Milch.“ Und ich dachte: „Geil. Was muss das für ein geiles Zeug sein, was sogar in Milch schwimmt.“ Und ich bin völlig drauf reingefallen. Ist ja völlig sinnlos, dass irgendwas in Milch schwimmt. Kann man auch Atommüll nehmen, schwimmt auch in Milch. Oder Kacke, sag ich jetzt mal. Also es ist nachher nicht so gut. Es schwimmt sogar in Milch. Und ich denke so: „Ein geiles Zeug, das muss ich mal ausprobieren. Ich muss das ausprobieren, ob das in Milch schwimmt.“ Und ich habe meine Zwiebecke genommen und in Milch geschmissen, ob die in Milch schwimmen, haben auch in Milch geschwommen. Und ich denke: „Ich muss Milchgebiet haben. Ey, so ein geiles Zeug, das ist ja schon aus Schokolade, weil da Milch drin ist. Und dann schwimmt es noch in Milch. Das ist der Wahnsinn.“ Und ich dachte, Milky Way ist einfach das Geilste auf der ganzen Welt. Also da hat die Werbung mal seinen vollen Zweck erfüllt, aber ich war auch recht jung. Da war ich vielleicht noch empfänglich, da war ich drei oder so. Und dann vergingen ein paar Jahre, will ich sagen, wie viele, und dann halt irgendwann mal übersetzt, das heißt ja Milchstraße. Milky Way ist nichts weiter als Milchstraße. Das ist überhaupt nichts zum Essen. Das ist nur nach der … also auch ein genialer Marketing-Trick, so einen Schokoladendreck nach einer Milchstraße zu benennen. Ich war, weil es innen so weiß ist. Nee, ist das weiß? Das ist ja Bounty. Eigentlich müsste man Bounty so Milky Will nennen, weil weißer Schaum drin ist. Aber auf mich, da hört ja keiner. Jedenfalls heißt das Milchstraße. Und es gibt eben Straßen, habe ich da erfahren, die ja keine Straßen sind, auf denen man fährt oder so. Ich wohne zum Beispiel, falls mich jemand sucht, auf der Eiszeitstraße. Gibt die deutsche Eiszeitstraße. Es gibt die Romanikstraße, die Romantikstraße, nicht verwechseln. Dann gibt es die Mammutstraße, die Porzellanstraße, gibt es auch die Steingutstraße, ich weiß es nicht. Es gibt in Deutschland ganz, ganz viele Straßen, muss man mal ein bisschen auf die Schulter kicken. International auch ganz viel die Seidenstraße, auch keine echte Straße. Und dann gab es bei uns im VEB auch die Taktstraße, da muss man erstmal drauf kommen. Auch eine Straße mit Takt, wenn das nicht mit Musik zu tun hat, was dann sonst? Ich lasse mal lieber Lou Reed. Ah, Lou Reed, also sage ich doch später was zu. Hier ist Lou Reed.
Lou Reed mit „Dirty Boulevard“. Er war ja ein sehr streitbarer Musiker, was ich sehr gut finde, der sich nichts gefallen lassen hat. Der war deshalb bei Kritikern auch sehr unbeliebt. Und das ist ja eigentlich auch schon ein sehr gutes Zeichen, wenn man von der Musikpresse schlechte Kritiken kriegt. Das heißt, man hat irgendwas so richtig gemacht. Aber einer hat ihn besonders gepiesackt, der Robert Christgau. Und da hat Lou Reed mal wirklich richtig zurückgeschlagen und hat auf dem Lied „Walk on the Wild Side“, also bei seinem besten Song im Prinzip, den persönlich so angesprochen und gefragt: „Was macht denn der Robert Christgau eigentlich im Bett? Er ist ein Szenenficker“ und könnt ihr euch vorstellen, wie es ist, wenn man ein Jahr dran arbeitet und dann kriegt man von so einem Arschloch von Village Voice ein B+. Der hat einfach ins Lied eingebaut und das alle nicht hören konnten. Ich habe es natürlich so noch nicht gemerkt, aber er hat sich auf eine sehr gute Art gewehrt und hat mir so ein bisschen so imponiert, dass der sich das getraut hat und ich kann das so gut nachempfinden, weil wir haben auch einen Journalisten, der sich auf uns so eingeschossen hat und egal, was wir machen, dass er das Blöde findet und immer sagt, dass wir die beschissenste Band der Welt sind oder Deutschlands oder so, ist ja sowieso klar, aber dass egal, was wir machen, ist scheiße und auf uns zu schimpfen, ist so einfach. Das ist wie auf Trump zu meckern oder so, der ist ja auch gewählt worden schließlich und der ist ja eben da und wir sind auch eben da und immer zu sagen, wir sind scheiße, macht die Sache auch nicht besser, sondern ermutigt uns eher so weiterzumachen, weil das bedeutet uns, wir haben was richtig gemacht. Und ja, ist schon wieder zu Ende, ich wollte die Sendung auch gerne richtig machen, habe in etwa die Hälfte von dem geschafft, was ich so vorhatte. Also Sie können ja jetzt, wenn Sie jetzt Zeit haben, die Sendung privat weiterführen, dann können Sie hier noch schön Bruce Springsteen, Sie hören mit „Thunder Road“, da geht es darum, dass zwei einfach losfahren aus dieser beschissenen Welt und sagen: „Ich kann dir nichts bieten, nur eine dreckige Motorhaube und darunter läuft ein Motor und wir fahren ins Nirgendwo.“ Ich meine, besser kann man seiner Frau die Liebe nicht erklären. Es ist „Miss Panic in the Street of London“, Westernhagen, da sind wir wieder mit 18, denn ich gehe wieder auf die Straße, denn Straßen sind aus Dreck gebaut. Und ohne das Lied zu spielen, das erspare ich Ihnen, verabschiede ich mich, aber ich gehe wieder auf die Straße. Tschüss.
Song list
{{Wikitable|class="wikitable" |- |Artist |Song |- |Grossstadtgeflüster |Fickt-Euch-Allee |- |U2 |Where The Streets Have No Name |- |Kevin Coyne |Pretty Park |- |The Kinks |Dead End Street |- |Ralph McTell |Streets of London |- |Linton Kwesi Johnson |Street 66 |- |The Rolling Stones |Route 66 |- |Die Priester |Möge die Straße |- |Noah Levi |Drei Straßen |- |DJ Dominic feat. Oxana & Denny Fabian |Auf den Straßen von Berlin |- |The Rolling Stones |2120 South Michigan Avenue |- |Bob Dylan |Positively 4th Street |- |Beastie Boys |14th St. Break |- |Golden Earring |42nd Street |- |The Ramones |53rd & 3rd |- |Simon & Garfunkel |Bleecker Street |- |Genesis |The Lamb Lies Down On Broadway (2004 Remix) |- |The Doobie Brothers |Toulouse Street |- |10cc |The Wall Street Shuffle |- |Manic Street Preachers |Motorcycle Emptiness |- |Lou Reed |Dirty Blvd. |- |Talking Heads |Road To Nowhere |-