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Flake talks about rhythmic subtleties.

Transcript

Herzlich willkommen. Die Menschheit lernt immer dazu, sonst wäre sie schon ausgestorben. Das heißt, nicht nur die Menschheit, sondern eigentlich alle Tiere, die noch auf der Erde existieren, müssen sich ständig verändern, anpassen, neu sortieren. Sonst wären sie einfach mal schon ausgestorben.

Und ich habe auch dazu gelernt, ich bin ein Teil der Menschheit. Ich habe nämlich gelernt, dass man eine Sendung nie mit der Quatsche anfangen sollte, sondern immer gleich mit Musik. Also Musik.

Vor 2000 Jahren sagte ein weiser Chinese, der über die Zauberkraft des Sex nachdachte.

Also es kommt immer anders, als man denkt. Aber darum geht es mir ja nicht. Mir geht es eher darum, heute ist nämlich endlich mal wieder eine musikalische Sendung, dass rhythmisch was am Lied anders ist, als man das gewohnt ist. Man sagt ja, die Welt ist harmonisch, die Vögel singen Dur, also es steht in der Gideonistenbibel, ist auch alles totaler Quatsch, aber es stimmt natürlich, dass der Mensch Gleichmäßigkeit und Regelmäßigkeit braucht. Man läuft links, rechts, links, rechts, links, rechts, links, links, ah, und schon aber den Viervierteltakt.

Also die normale Musik, die der Mensch versteht und wo er mitfühlen kann, ist im regelmäßigen Viervierteltakt. Also auch Schallwellen, bis ein Mensch was als Ton erkennt und nicht als Geräusch. Es sind eine harmonische, gleichmäßige, regelmäßige Schallwelle. Und ein Rhythmus, der den Menschen verständlich gemacht werden soll, müsste gerade sein. 1, 2, 3, 4. Wenn das nicht so ist, hat man ein komisches Gefühl. Hier bei den Ärzten war eine Verschiebung. Gebt Gas lieber Michael Schumacher. Und dann kam gleich die Strophe wieder so komisch ran. Da stimmt was nicht. Man sagt ja auch, man kommt aus dem Takt, wenn man im Leben was schief geht oder so.

Also der Rhythmus ist einfach mal das Wichtigste in der Musik. Ich erkläre mal lieber später, wen ja, wenn man es versteht. Aber es ist so, dass man braucht für Musik nur einen Rhythmus. Eigentlich noch nicht mal den Rhythmus. Also wenn Janis Joplin singt, oh Lord, won't you buy me a Mercedes-Benz? Ist sie noch, oh Lord, won't you buy me? Und da hört man das und Lord, won't you buy me a Mercedes-Benz? Also sie klopft oder stampft mit dem Fuß doch noch die Grundschläge der Viertel.

Musik ist Rhythmus und Melodie, wobei der Rhythmus eigentlich der wichtigere Teil ist. Und manchmal verschiebt sich alles ganz doll. Wir werden bestimmt 10, 12, 15 verschiedene Anomalien finden. Versuchen Sie mal rauszukriegen.

Also mit dem nächsten Lied stimmt auch was nicht, aber es stimmt mehr nicht, wenn man ans Original denkt. Das war Satisfaction von Devo. Ich habe das Lied schon geliebt, also nicht von Devo, sondern von den Stones, die es eigentlich erfunden haben, bevor ich geschlechtsreif war. Und daher wusste ich überhaupt nicht, was die Sache mit Satisfaction war. Ich habe mir das übersetzt, bemühsam mit einem Wörterbuch, da stand dann Befriedigung. Ich kann keine Befriedigung kriegen. Und denke ich, naja, wozu auch? Was soll das? Und verträgst du dich dann so auf? Ich habe ja gemerkt, das ist ein Riesenhit. Und ich dachte, was, wovon singt der zum Teufel? Ich kann keine Befriedigung kriegen.

Und dann habe ich irgendwann mal gehört, dass in einem alten Roman, da sagt er, ich verlange Satisfaktion, als er ein Duell machen wollte, als er sich duellieren wollte, irgendein Graf mit irgendeinem Ritter oder so. Und da sagt er, ich verlange Satisfaktion. Also wie kann man denn Befriedigung daraus erlangen, wenn man sich mit jemandem duelliert und sich erschießen lässt oder so? Denn der Ausgang des Duells war ja oft offen. Ich hab's nicht verstanden. Ich hab's offen gesagt bis jetzt noch nicht verstanden.

Devo, eine englische Band, produziert von David Bowie, hat das mit Absicht, das Lied, völlig entstellt. Es hieß, normalerweise geht's ja eins. I can't get no satisfaction. Und dieses Fact von Faction ist dann wieder die Eins. Also der Grundschlag des Taktes. Und hier war's jetzt, I can't get a no. Satisfaction. Er hat den Text und das ganze Lied auf dem Rhythmus verschoben. Was ich sehr interessant finde. Devo sind ja sowieso eine schräge Band gewesen. Das ist die Abkürzung von D-Evolution, also D-Evo. Und die Band behauptet, dass die Menschheit keiner Evolution mehr unterliege, sondern sich vielmehr im Laufe der Zeit zurückentwickele. Und ich sage, das stimmt nicht, wie ich an meinem Beispiel vorhin auch belegen konnte.

Und jetzt kommt das nächste Lied, was ganz schwierig ist, wenn man jetzt versuchen will, mit dem Takt mitzuklopfen oder mitzuzählen, es geht einfach nicht. Weil Liang, die morgens müde ist, bei mir ist es umgekehrt, ich bin abends müde und morgens wach und habe auch schon mal versucht vorzuschlafen oder so, aber das wäre ja dann wieder Mittagsschlaf und Mittagsschlaf ist eine ganz so üble Geschichte, also wenn man eine Frauenfamilie hat, dann sollte man nicht so oft sagen, dass man Mittagsschlaf macht, sonst landet man gleich so auf der Rentnerbank und wird nicht mehr ernst genommen, ja, ist auch so schwierig.

Es ist ja auch Quatsch, was soll man denn abends wach bleiben? Die Kinder waren immer so neidisch, also ich selber als Kind, ich musste um acht ins Bett oder um sieben und meine Eltern durften noch wach bleiben, fand ich so ungerecht und fies, aber wenn ich mal doch aufgestanden bin und pullern war oder so, die saßen da rum und haben sich unterhalten, das ist ja auch öde, hätten sie auch ins Bett gehen können.

Und diese in Clubs gehen abends, wovon sie so singt, kann man machen, habe ich aber eigentlich so nie gemacht, wenn ich jetzt ehrlich bin und getanzt habe ich in Discos auch nie, wenn ich schon mal überhaupt so drin gekommen bin, weil da drin kommt schon das größte Abenteuer, als man überhaupt drin war oder so und nicht verprügelt wurde, Brille mal ganz geblieben ist und dann habe ich damals getrunken und dann habe ich geguckt und fand die Frauen alle gut oder Mädchen waren es ja noch damals. Und dann war dann auch schon wieder Schluss, da musste man wieder gehen und wieder aufpassen, dass man nicht verprügelt wird oder so. Und ich hätte nie, also es war für mich völlig undenkbar, als im Prinzip Club-Amateur, da auch mal eine Frau mitzunehmen oder ein Mädchen, aber es hat einmal doch dann mal geklappt und da habe ich aber auch getanzt.

Also wer zur Disco geht, sollte auch tanzen, aber dann sollte auch Musik laufen, zu der man tanzen kann. Und dieses Lied hat in meinen Augen nicht dazu gehört, denn es geht, ich bin abends immer müde, aber morgens bin ich wach. Ich bin abends so solide. Also dieses Solide kommt viel zu früh. Die haben den Takt nicht zu Ende laufen lassen und da bleibt dann der Körper plötzlich stehen und verschluckt sich so förmlich oder so. Das haut nicht hin. Das ist natürlich ein guter Effekt, dass man interessant bleibt und dass das Lied lebendig bleibt oder so.

Aber ich habe festgestellt, jetzt als ich meine Liste durchgeguckt habe, ich werde heute kein einziges Lied spielen, was in Top Ten war oder so. Weil die Menschen wollen glatte, gerade Musik, wie ich schon sagte und nicht so, was wie jetzt hier kommt. Air, also wie Luft geschrieben, französisch, also eine französische Band, aber Air ist Englisch für Luft und das Lied hieß Alpha Beta Gaga, sehr witziger Name und ich habe es gespielt, weil diese beiden Melodiebögen zu dicht zusammen sind, zu früh zusammenkommen. Also die sind, eigentlich müsste der Takt noch zu Ende gespielt werden, wird aber nicht. Und das hat den Vorteil, dass man als Hörer, fehlen einem die Takte und man hört Musik, die man noch nicht hören dürfte und damit zieht es den Körper und die Gedanken nach vorne. Das ist ein sehr guter Effekt. Das ist einfach das Weglassen. Weglassen ist so gut. Aber diese Taktverkürzung ist ein schönes Stilmittel. Das hören wir wahrscheinlich auch noch öfter. Ich weiß nicht, ob das auch schon in der Klassik benutzt wurde oder so. Aber das ist immer dann gut angebracht, wenn man die Leute wachhalten will. Wenn man sich nicht reinlegen kann in den Takt und so mitschwingen kann, man fällt dann so wie in so ein kleines Loch.

Im nächsten Lied ist das auch eine Band, das sind die Pixies, die sind auch bekannt dafür, dass sie so, ich sage jetzt mal, zickige Musik machen, was nicht wertend gemeint ist. Ich glaube, hier fehlen auch einige Takte und wird alles zu früh so angesetzt. Vielleicht liegt es daran, dass die Pixies sich nach den Pixies benannt haben, was kleine Fabelwesen aus der englischen Folklore sind. Was ich jetzt nicht wusste, aber ich bin noch nicht mit Kinderfilmen aufgewachsen. Und deren Charakteristika ähneln denen von Kobolden und Feen. Jetzt musste man wissen, dass Feen und Kobolde dieselbe Charakteristik haben, was ich nun gar nicht gedacht hätte. Ich hätte eher gedacht, Feen sind nett und Kobolde machen so Unsinn. Und die kommen nicht jetzt grob aus Island oder England, sondern nur im Südwesten Englands gibt es die in den Regionen Devon und Cornwall. Die haben wahrscheinlich auch die Kreise da gemacht, die Kornkreise oder so. Und falls jemand wissen will, wie die Pixies aussehen, ganz einfach, Flügel, Spitzohren und grüne Kleidung.

Karibu hat hier schön gehört, den Sechs-Achtel-Takt. Er kommt eigentlich vom Blues und der Rhythmus des Blueses kommt meiner Meinung nach vom Herzschlag. Karibu, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm. Und jetzt kommt also diese Aufteilung in 3, 1, 2, 3, 1, 2, 3, 1, 2, 3, 1, 2, beziehungsweise 1, 2, 3, 4, 5, 6, 1, 2, 3, 4, 5, 6, was dasselbe ist, nur eine Betonung wird ausgelassen im Sechsachtel.

Und jetzt kommt es, was passiert, wenn man auf dem Viervierteltakt im Prinzip Dreie spielt, aber nicht als Triolen, sondern 1, 2, 3, 1, 2, 3, 1, 2, 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 1, 2, 3, 1, 2, 3, 1, 2, 1, 2, 3, 4. Diese Stelle hören wir jetzt im Refrain gespielt mit der kleinen Trommel. Und das passt extrem gut, weil einerseits bremst es und andererseits löst es diesen ganz normalen Rhythmus auf.

Die Band, die wir hören, ist The Clash. Und das ist nicht der Kultur-Clash oder irgend so, sondern doch, die haben sich schon so genannt, weil sie Ärger wollten, weil Clash Zusammenstoß bedeutet. Und das Interessante ist, dass den Bands wie Prince oder so, ich habe mir jetzt eine Doku gesehen über Prince und seine Bands und die New Power Generation, was ja seine Begleitband war, haben gesagt, sie waren riesengroße Fans von Clash und das hätte ich noch nicht gedacht.

Joe Strummer von The Clash soll immer gefragt worden sein, was er denn schön findet, ob er irgendwie auf Natur steht oder so. Und er soll gesagt haben, Natur, wenn ich eine Kuh sehe, muss ich kotzen. Und da war ich völlig geschockt. Wie kann man denn sowas sagen? Also Natur ist doch das höchste Gut, was der Mensch hat oder was es auf der Welt gibt. Und wenn dann jeder so sagt, ich muss kotzen, wenn ich eine Kuh sehe, fand ich das. Also das war dann wirklich mal richtig Punk. Und dann habe ich überlegt, ob es der Kuh auch so geht, wenn die Joe Strummer sehen muss, ob die dann kotzen muss. Muss sie nicht, weil Kühe wie Pferde nicht kotzen können. Und das liegt an ihrem Verdauungsaufbau. Der ist sehr interessant, ich bin völlig fasziniert, weil die Kuh hat vier Mägen. Den Pansen, den Netzmagen, den Blättermagen und den Labmagen. Und dann kommt noch Dünndarm und Dickdarm hinten dran.

Ich will jetzt nicht den blöden Witz erzählen, wo die Kuh krank ist. Und der Tierarzt sagt zu seinem Gesellen, pass auf, guck du mal in den Po, ich guck ins Maul. Dann gucken sie wieder hin, sagt der Tierarzt zu seinem Gesellen, kannst du mich sehen? Nee, sagt er, klarer Fall, Darmverschlingung.

Costello, der etwas andere Elvis. Ich weiß ja nicht, ob Elvis Presley wirklich Elvis Presley hieß. Die Leute ändern ja oft ihren Namen. Aber ich weiß, dass Elvis Costello nicht Elvis Costello hieß, sondern sein Manager hat ihm gesagt, er soll sich umnennen, er hieß davor, wie hieß er, Fritze, Franz, ich habe keine Ahnung und da hat der Manager ja schlau gedacht, nimm dir mal einen, der richtig berühmt ist, dann wirst du vielleicht auch so berühmt. Du sagst, wer ist der berühmteste, der der Elvis? Ja, dann nenne ich auch so. Vielleicht schwimmst du in der Elvis-Welle mit. Und irgendwie hat es ja geklappt. Ich kenne jetzt Elvis Costello und Elvis Presley. Sonst kenne ich keinen, der Elvis heißt. Ist auch nicht so schön. Obwohl, ich kenne Alvis, das ist ein Automobil aus England. Ich kann aber auch sein, dass das auch Elvis so ausgesprochen wird. Wer weiß das schon.

Jedenfalls war das Elvis Costello, der uns sehr anschaulich den Dreivierteltakt so demonstriert hat. Besser hätte er es ja nicht machen können. Buf da, da, da, da, Buf da, da. Dreivierteltakt in der Rockmusik.

Ich meine, davor, wenn wir das Radio gehört haben, ist das noch Rockmusik? Das ist sehr experimentell gewesen. Da habe ich überhaupt keinen Takt mehr richtig erkannt, weil dieses Klavier immer verzögert war. Die haben Texte dazwischen gesetzt und das bringt nicht dieses hektische Vorziehen, was wir davor hatten, sondern so also, ich kann nicht jetzt schlecht meine Wortfindungsschwierigkeiten schlagen wieder zu. Wie nennt man das? Wenn irgendwas verzögert wird, sodass man das Gefühl hat, man hängt einfach in der Luft. Man bleibt in der Luft, in einer Zeit im Raum hängen und ist in einer Zeit gefangen. Das klingt doch gut.

Und die Band, die die Meisterin des rhythmischen Verzettelns ist, sind The Streets. Ich sage extra nicht Mike Skinner und The Streets. Mich nervt auch, wenn man sagt Till Lindemann und seine Männer oder irgendwas. Elvis Costello hat ja auch die News als Begleitband, die eigentlich von Huey Lewis sind. Das heißt ja Huey Lewis and the News und die News sind dann zu Elvis Costello gegangen, aber vielleicht hat er auch nur The News genannt und die Neuigkeiten, die er singt und damit nicht die Band meint, ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass The Streets The Streets heißen und die Band sind.

Junge, Junge, ich weiß ja nicht mehr, was jetzt war. Ich glaube, es waren zwei völlig getrennt, also es waren beides Vier-Viertel-Takte, aber die Betonungen waren völlig anders.

Im nächsten Song oder im nächsten Lied, wer sagt denn immer Song, im nächsten Lied gibt es auch eigentlich einen tief unten liegenden Viervierteltakt, aber die Phrasierung der Akzente verändert das rhythmische Gefühl vollkommen. Und das Interessante ist, dass man als Zuhörer wählen kann, welcher Linie man folgt. Ob man einfach dem geraden Rockrhythmus folgt oder ob man diesen Streicherakzenten folgt und dann dadurch auf eine andere Geschwindigkeit kommt und auf eigentlich ein anderes Lied. Two in one, wie der Amerikaner sagt.

Led Zeppelin. Mein Computer macht daraus LED Zeppelin, weil er sich nicht vorstellen kann, dass es doch einfach LED als Vorsilbe gibt. Oder heißt das, die, der, das? Also, wenn das nicht in welcher Sprache. La, le. Led Zeppelin jedenfalls mit Kashmir.

Wir fanden das Lied früher so toll, dass wir eine Band gegründet haben, die Kashmir hieß und haben versucht, auch so eine Musik zu machen, was uns nicht annähernd gelungen ist. Unser Sänger hieß Swami Dharma Ajara, das fällt mir jetzt gerade ein, weil im ARD so eine Doku läuft über Bhagwan in Deutschland und der hat es als Ostler geschafft, auch einen Bhagwan-Namen zu erhalten, hat er irgendwie mit der Post gekriegt, wenn sie Stasi nicht aufgemacht heißt. Und er wollte dann Swami Dharma Ajara genannt werden, was ich wirklich auswendig gelernt habe unter Schwierigkeiten mit meinem Hirn. Eigentlich hieß er ja Micha. Micha war einfach so einfacher.

Jedenfalls, es ist ein tadelloses Lied mit da-da-da, da-da-da-da, da-da-da-da, was auch mehrere gut fanden. Puff Daddy hat den Godzilla-Soundtrack damit gemacht oder er hat ein Lied gemacht, was Come to Me heißt. Und als Godzilla-Soundtrack missbraucht wurde, sage ich mal, ich bin kein Freund amerikanischer Blockbuster, ich habe es mir auch nicht angeguckt, ich meine, was sollte es sein, Affe oder ein Saurier, ich habe keine Ahnung, jedenfalls ist es nicht meine Welt. Ich fand nur die Plakate gut, weil die ganz lang und breit waren, da stand Size does matter und sowas gefällt mir, weil diese Sprichwörter, ja das macht man so und das haben wir immer so gemacht und der Klügere gibt nach oder so, das stimmt natürlich, aber ich finde grundsätzlich gut, wenn man so eine Sachen, die eigentlich Gesetz gelten, infrage stellt und sagt, ist das totaler Blödsinn oder so.

Aber heute jetzt um Rhythmen und den Rhythmus macht der Trommler, wie Keith Richards, den ich immer sehr gerne zitiere, schon sagte, der Trommler ist das Herz der Band, der Rest ist nur schmückendes Beiwerk. Finde ich sehr gut und der Trommler braucht Disziplin. Jetzt gibt es diesen blöden Witz, woran erkennt man, dass ein Trommler vor der Tür steht? Die Klingel scheppert und es klopfen wird immer schneller. Hier ist King Crimson.

Herzlich willkommen zur zweiten Hälfte der Stunde, rhythmische Finessen, Gleichschritt im Fünfvierteltakt. Steve Brubeck, Take Five, eigentlich müsste man den Namen des Trommlers sagen und nicht den Namen des Klavierspielers, weil das in dem Lied einfach mal in meinen Augen der interessantere Part ist oder so.

Das menschliche Gehirn kann manche Sachen nicht verstehen. Das ist einfach dafür gebaut, um sich selbst zu schützen. Also man weiß nicht, man kann sich nicht vorstellen, wie groß das Weltall ist, was man macht, wenn man nicht gestorben ist oder so. Und manche Sachen versteht man einfach nicht und muss dann abschließen. Und mir ging es mit dem Fünfvierteltakt auch so. Ich habe das gehört und habe gesagt, ja, ist ja ganz nett. Aber ich habe es nicht verstanden. Bis ich einen Trick gemacht habe. Ich bin gelaufen. Also mit schnellen Schritten. Sonst schafft man ja nicht die fünf Takte. Und dann hatte ich den folgenden Trick. Einmal hatte ich mit links die Eins. Und dann mit rechts. Ich bin einfach im Takt mitgelaufen und habe dann gemerkt, mal links, mal rechts. Und es sind immer fünf Schritte.

Mit Schritten kann man viel machen. Deshalb laufe ich auch so viel. Und dann habe ich verstanden, dass es Fünfviertel sind und später haben wir mal mit Feeling B selbst ein Fünfviertel gespielt. Da habe ich es jetzt selber verstanden. Aljoscha hat mal die verrückte Idee gehabt, mit Mittelaltermusikern zusammenzuspielen. Das war so eine Mode in den 90er Jahren. Da hat jeder irgendwie eine Tröte dabei gehabt oder eine Geige oder eine Fiedel oder eine Zister. Und wir haben uns auch eine Band gesucht aus Rostock und die haben uns ihre alten Volkslieder zum Teil oder alten Mittelalterlieder so vorgespielt und wir haben die stumpf mit unserem Vierviertelverständnis mitgespielt, mitgeschraddelt und das hat natürlich nur dann funktioniert, wenn wir im selben Takt waren und dann haben uns die im Prinzip verschiedene Taktarten so beigebracht wie auch den Fünfvierteltakt.

Unser alter Trommler hat sich geweigert zu spielen, deshalb war Christoph Schneider wieder zu uns genommen, der eigentlich schon ausgestiegen war, weil er sich mit uns persönlich, besonders mit unserem Sänger, ein bisschen gestritten hat. War ja auch schwierig, also der Faktor Alkohol und die Charaktere, die da aufeinander prallen, das ist nicht einfach in einer Band zusammen zu bleiben, aber darum geht es heute nicht, sondern dass er geschafft hat, ein Fünfviertel zu spielen und wir haben dann im Prinzip als Band Feeling B angefangen, ich sage mal, in Anführungszeichen anspruchsvollere Musik zu machen. Hier ist der Serbo-Kroatische im Fünfvierteltakt.

Das war Feeling B, unterstützt von Steve Binetti an der Solo-Gitarre. Freut mich immer wieder, wenn ich ihn höre. Und wir brauchten natürlich einen Namen für das Lied oder so und haben das die Pest genannt. Einfach, weil wir einen Titel brauchten und weil das so traurig klingt und so. Und am lustigsten fand ich jetzt beim Anhören, dass wir eine Zeit lang im Fünfvierteltakt gespielt haben, dann hat es die Band nicht mehr ausgehalten, dann kam dieses Dodo, Dodo, Dodo, Dodo, dann sind wir ganz klar wieder in den deutschen Viervierteltakt gegangen, ganz ordentlich, weil wir einfach diese Spannung, die durch das Fünfviertel so aufgebaut wurde, so aufgelöst haben und das war im Prinzip das erste Lied, was wir heute gehört haben, was völlig zwei getrennte Rhythmen in einem Lied hat, Viervierteltakt, Fünfvierteltakt und dadurch hat man auch eine gewisse Spannung aufgebaut oder so oder man baut im Prinzip die Spannung auf durch den Fünfviertel, den man durch den Vierviertel wieder lösen kann, weil der Vierviertel ist ganz, ganz, ganz gerade und läuft einfach so vor sich hin. Alles andere bremst die Leute ab.

Ich weiß nicht, warum wir das Pest genannt haben, weil mit der Rhythmik hat es nichts zu tun. Ich fand bei der Pest irre interessant, sie ist Mitte des 14. Jahrhunderts ausgebrochen, dass in den ersten fünf Jahren ein ganzes Drittel der europäischen Bevölkerung daran verstorben ist. Das ist unvorstellbar, ein Drittel. Also das ist echt Wahnsinn. Ich hätte ja gedacht, dass der Virus mitdenkt und sich ja vermehren will und leben bleiben will. Und wenn alle Menschen sterben, also alle Wirtstiere, stirbt er letztendlich auch, wie es ja dann auch passiert ist. Es gibt ja keine Pest mehr. Aber dass die Leute so doll daran gestorben sind, ist ununfassbar. Und sie haben dann festgestellt, dass es natürlich am Wasser liegt auch. Und dann haben sie schnell die Juden als Brunnenvergifter beschuldigt, in Europa verfolgt und vertrieben und da kann man mal sehen, was man mit Krankheiten auch für Missbrauch betreiben kann oder so.

Interessant fand ich in Italien, wir sind mal auf so eine Insel gefahren, die hieß Erasmo und da sind wir immer an der Pestinsel vorbeigefahren. Da haben sie alle gesagt so, ja, das ist hier Insel Lazzaretto Nuovo, also das neue Lazarett, neues Krankenhaus im Prinzip. Da waren die Leute zur Quarantäne und das kommt nämlich genau aus Venedig, aus Italien und Quarantäne ist nichts weiter als das italienische Wort für 40, weil sie 40 Tage in Isolation bleiben mussten. So löst sich das alles dann manchmal auf. Quarantäne, 40 Tage, nicht wie jetzt hier.

Und wir bleiben bei Feeling B. Es ging dann noch weiter. Ich habe jetzt hier Siebenachtel stehen beim nächsten Lied. Ja, es ist ein Siebenachtel. Wir haben auch irgendeins in Elfachteln, aber das spiele ich heute nicht. Heute geht es, doch, spiele ich auch noch. Aber jetzt kommt erst ein Siebenachtel. Und da fiel es uns noch schwerer, einen Titel zu finden, einen vernünftigen zumindest. Und Aljoscha hat dann einfach gesagt, warum heißt das Lied nicht Mystisches Mysterium?

Jetzt kommt es mit dem Elfachtel. Die Magdalene-Kübel-Combo ist ja im Prinzip eine Abspaltung von Feeling B, weil Aljoscha sich in den Texten immer kürzer gefasst hat, wie man hier schon gemerkt hat. Und wir wollen mehr, ich finde Texte gut. Also gerade, wenn man Musik macht, ich finde Instrumentals gut. Ich finde eigentlich, es gibt eigentlich nichts, was ich nicht so richtig gut finde. Und jedenfalls ist hier in der Strophe ein Elfachteltakt vom Drum-Computer. Wir hatten diese 606, das berühmte Roland-Ding. Und wir haben den so programmiert, dass der Elfachtel spielt, ist aus Versehen. Also die ganze Musik, die wir gemacht haben, besteht im Großen und Ganzen aus Unfällen. Und wir haben aber so getan, als wäre es ein Viervierteltakt in einer Strophe. Und das klingt so schräg, dass ich es gut finde.

Ja, und ich hätte gedacht, dass es jetzt so einen Spaß macht, die alten Sachen nochmal selber so zu hören. Ich würde gerne noch ein bisschen weitermachen, weil ich habe noch so ein schräges Ding. Auf demselben Computer, im Prinzip dasselbe musikalische Setup, habe ich alleine noch was gemacht. Das heißt Der Karatemann und das Interessante dabei ist der Takt vorm Refrain. Weil der, da falle ich selber immer wie in so eine Schlucht, als wenn man so einen Weg langläuft an einer Steilküste und plötzlich ist der Boden weg und man fällt da so rein. Hier ist Der Karatemann.

So, ich habe mitgewippt, ich habe mit einem Fuß, mit beiden Füßen versucht zu zählen. 1, 2, 3, 4, 1, 2, 3, 4, 5, ich bin nicht drauf gekommen. Irgendein Takt ist es, aber ein glatter Viervierteltakt auf keinen Fall. Aber irgendwie da fetzt es das, also ich weiß auch nicht, es ist ja so, dass Popmusik ist so poppig, das ist alles 120er Beat, boom, boom, boom, boom und wippt so mit, aber die Musik geht einfach durch mich durch, weil ich bin ja ein Wesen, also irgendwie Masse oder ich weiß nicht, wie man das bezeichnen kann, die Musik fließt glatt durch mich durch und hakt sich nicht fest, aber wenn der Takt sich jetzt verschiebt und so ein, did you go, did you go, so ein irgendwie sowas, dann bleibt es bei mir hängen. Und dann bleibt doch das Lied hängen und dann berührt mich das Lied. Ein Lied, das durch mich durchfließt, Wasser nimmt den Weg des geringsten Widerstandes, läuft einfach durch. Aber wenn man was Scharfes isst, dann bleibt, ich kann mir das schlecht beschreiben, Lieder, die interessanter sind, die eckiger sind, die kantiger sind, sind zum ersten Hören erstmal schwieriger, weil man eben, wie gesagt, nicht mitwippen kann, man kann nicht tanzen und man kann nicht, es geht nicht so automatisch mit.

Aber dafür hängen die sich bei mir fest und bleiben dann auch länger hängen. Insofern finde ich schrägere Musik im Zweifelsfall immer besser als glatte und einfachere Musik, wenn sie gut gespielt ist. Und die ist extrem gut gespielt. Es gab mal ein Interview mit Hansi Behrendt, weil der Trommler war. Und der hat gesagt, wir bleiben lieber unterhalb unserer Leistungsgrenze. Da kommt dann alles viel lockerer rüber und überträgt sich auch aufs Publikum. Genialer Satz, geniale Aussage, bei uns war es umgekehrt. Wir haben immer mehr gemacht als wir konnten, also gerade so bei Feeling B und immer so schnell gespielt wie wir konnten und dann klang es natürlich auch verkrampft und war nicht locker und man konnte nicht tanzen und so.

Und wenn man unter der Leistungsgrenze spielt, das wäre ein Traum. Das ist mir leider nicht vergönnt, weil die Leistungsgrenze so tief liegt, da weiß man ja nicht, was man dann auch spielen sollte. Also mit Rammstein schaffen wir es noch nicht zu dem Thema. Und er hat in dem Interview auch weitere interessante Sachen gesagt. Er sagte, sie wollen lieber die anderen persönlichen Interessen nicht der Musik unterordnen, wie viele Bands, die regelmäßig bis tief in die Nacht hineinproben und ihre ganze Freizeit dafür opfern. Man kann sich auch tot üben, hat er gesagt. Wer immer nur Rock'n'Roll spielt, muss einfach mal den Spaß daran verlieren. Den Fehler machen wir nicht.

Einerseits hat er recht, andererseits ist das genau das, was wir gemacht haben. Die haben, also ich zumindest, habe meine ganzen Interessen nur der Musik untergeordnet, habe bis in die tiefe Nacht geprobt, habe mich tot geübt und habe nicht den Spaß daran verloren. Und uns gibt es mehr oder weniger immer noch, aber Ideal nicht, weil den Fehler mit dem Totspielen haben sie zwar nicht gemacht, aber sie haben einen anderen Fehler gemacht. Sie haben das Geld ungerecht geteilt. Das Annette Humpe hat als Komponistin ganz viel gekriegt und FJ Krüger auch wahrscheinlich ein bisschen und die anderen eben nicht. Und da haben sie gesagt, wozu sollten die diesen Scheiß überhaupt noch mitmachen? Das Problem haben die Ärzte nicht, hoffe ich mal.

Ich gebe zu, ich war nie so ein super Fan von Puff Daddy. Das erste, was ich von ihm gehört habe, war dieser Auftritt, als Notorious B.I.G. erschossen wurde. Und dass er dann, als sein Kumpel auf die Bühne hampelte und da zu diesem wunderschönen Police-Song Every Breath You Take dann raufgerappt hat und dann dieses I Miss You kam, fand ich das zweifelhaft. Man sollte nicht mit dem Tod von einem Freund sich profilieren und damit berühmt werden, naja, was soll er machen? Also ich verstehe doch ein bisschen. Aber seit diesem Lied, seit Bad Boy For Life, finde ich ihn richtig gut. Und da war es dann nicht mehr Puff Daddy, da war es dann P. Diddy. So geht das manchmal.

Und mir ist ein Rätsel, warum der den Bass so versetzt gemacht hat. Ich würde also wahnsinnig, ich wäre schon fast wahnsinnig, wenn ich das so einmal höre. Aber im Studio, wie sie durchgehalten haben, mich würde mal wirklich interessieren, ob das ein Unfall war, ob irgendwie die Tracks verrutscht sind, die Spuren oder so. Das passiert manchmal, wenn man nur eine Note verrücken will im Computerprogramm, ist man dann aus Versehen die ganze Spur verrückt und dann klingt es so schlimm. Aber irgendwie tritt dann genau das Phänomen ein, was ich gerade gesagt habe. Ich fand es beim ersten Mal schlimm, beim zweiten Mal schlimm. Und dann, ey, das fetzt ja. Inzwischen finde ich es als sein bestes Lied.

Bei den Ärzten davor war natürlich wieder dieses Refrain verkürzen, was also schon von Finesse zeugt und die Ärzte, würde ich fast sagen, gehören auch zu den Bands, die unter ihren Qualitäten spielen, also die auch besser sind als sie spielen, was ja eigentlich das Gegenteil von Punk ist, weil bei Punk ist ja eigentlich, dass man ja nichts kann und da das Beste draus macht. Aber für mich sind die Ärzte auch Punk und gehören auch immer mit in die Sendung rein. Die Ärzte, oder egal, ihr habt keinen Übergang zu Madness, The Prince, spielst trotzdem.

Das ist jetzt Ska. Die Musik wird als Ska bezeichnet, dieser schnelle Off-Schlag. Und natürlich hat jede Musikrichtung ihren eigenen Grundrhythmus. Und wenn ich jetzt Rockmusik sage, meine ich damit auch Heavy Metal oder sowas. Ich habe jetzt mit Absicht nicht diesen ganzen Sicken Metal gespielt, da gibt es ja bei Slayer oder so, da wisst ihr auch keiner, welcher Rhythmus gerade wo ist oder Napalm Death, Megadeth und sonst was es da. Das mache ich mal extra, weil das ist mir zu speziell und zu hart. Ich finde gut, wenn es so normal ist. Naja, aber das ist so normal.

Ich dachte, die verkürzen auch den Refrain, dass die in diesem Breakdown machen, haben sie aber in einer anderen Version gemacht als in diesem Lied und ich habe nochmal ein Sechs-Achtel-Lied rausgesucht, weil Sechs-Achtel gesagt, weil Rock'n'Roll oder Rock von aus meiner Sicht da entstanden ist, wo sich der Blues, die Country-Musik und die Beat-Musik getroffen hat. Und Pink Floyd zeigt so ungefähr die Schnittstelle mit dem Rhythmus vom Blues. Hier ist Money.

Floyd ist ja eher so eine Mega-Band, so eine mit bis ich wie vielen 33 Trucks und riesen Bühnen und aufwendig und langsam. Und auch erfolgreich. Bisschen glatt war der Rhythmus jetzt auch, aber die Punks und die ganze Bewegung ist ja aufgestanden, um solchen Bands zu zeigen, wo es lang geht, um damit mal aufzuhören. Diese Monsterrock, diesen riesen Bühnen und diesem trägen, behäbigen alten Männern, die auf der Bühne stehen und viel zu viel Geld verdienen und Ferraris sammeln und eigentlich ja nicht mehr den Rock'n'Roll verkörpern oder so.

Also dazu ist eine neue Generation von Independent-Bands entstanden. Und diese Independence heißt ja unabhängig. Die wollten unabhängig vom Mainstream sein, vom Massengeschmack, von großen Plattenfirmen. Aber ich glaube, die wollten einfach auch mal unabhängig vom Viervierteltakt sein. Wie die Breeders.

Sehr schön. Ich wusste ja nicht, wo vorne und hinten ist, gerade als das Lied anfing oder so. Weiß ich aber bei der Sendung. Da ist es jetzt hinten. Also Schluss dann sozusagen. Und es ging um ungewöhnliche Rhythmen. Aber was soll ich da groß sagen? Folgen Sie einfach dem Rhythmus Ihres Herzens. Tschüss.