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Flake talks about misunderstandings.

Transcript

Guten Abend und herzlich willkommen. Ich hoffe, Sie haben heute ein bisschen Spaß beim Radiohören. Ich höre selber auch sehr gerne Radio, obwohl mir das zunehmend schwerer gemacht wird, weil die Sender immer so komisch, so ein bisschen so zielgruppenorientiert sind oder so. Bei Star FM zum Beispiel, da kommt manchmal ganz gute Musik, aber da werde ich geduzt. Das ertrage ich so überhaupt nicht, wenn die sagen: Wenn du einen Blitzer siehst, dann gucke ich immer. Ich habe einen Blitzer, ich fühle mich dann immer persönlich so angesprochen, so ist es wahrscheinlich auch gemeint. Aber ich erschrecke mich dann immer.

Energy und so ein Sender, verstehe ich nicht. Ich glaube, die sind nur dazu gemacht, damit uns unsere Kinder fertig machen können, damit die mal richtig was haben, was die Erwachsenen echt blöde finden. Denn es ist ja nicht gut für Kinder, wenn die Eltern alles auch gut finden, was sie auch gut finden, weil die Kinder brauchen was, um sich abzugrenzen. Und meine Tochter hat es mit Energy geschafft. Also da habe ich gesagt, mach mal bitte das aus und konnte das wirklich nicht ertragen. Flux ist auch schön, aber mir zu independent, da kommt immer dieses Gitarngeschraddel. Das ist auch ein bisschen anstrengend irgendwie.

Natürlich Radio 1, sage ich jetzt mal, einer meiner Lieblingssender. Aber ich muss sagen, auch bei Radio 1 nervt mich die Werbung viel. Also immer vor den Nachrichten, diese die Quatsche mit Innova und ich bin da nicht blöd und so. Das impliziert ja eigentlich eher das Gegenteil. Ich weiß, was ich mir kaufen will. Also wenn man mir sagt, was ich kaufen soll, gibt man mir das Gefühl, ich bin zu blöd, um einkaufen zu gehen. Und das bin ich nicht. Also ich weiß schon, was ich kaufen will. Da brauche ich nicht einen, der mich mit Innova anschreit. Wenn ich jetzt irgendwie eine Küche brauche, kann ich jetzt eigentlich schon ziemlich fest versprechen, dass ich mir die nie bei Innova kaufen würde, weil mich die Frau so genervt hat, die immer am Radio so rumschreit. Ich glaube, Werbung ist generell schlecht und falsch. Ich würde gerne Werbung verbieten. Es war nicht alles schlecht im Osten, nicht gut oder wie auch immer. Aber dass es keine Werbung in dem Sinne gab, war da sehr erholsam. Weil Werbung macht einem das schönste Radio auch irgendwie kaputt oder so. Ich will jetzt nicht schlecht über Radio 1 reden, weil im Prinzip mache ich da ja auch mit, aber das beruht alles auf einem großen Missverständnis, weil Anja Caspari oder wer auch immer gedacht hat, dass jemand, der Musik macht, hat auch Ahnung von Musik. Das ist nicht richtig.

Also ich denke eher, wenn ich Ahnung von Musik hätte, würde ich nicht bei der Band spielen oder würde ich keine Musik machen oder andere Musik machen. Also ich kannte einen, der Ahnung hatte von Musik und der hat keine Musik gemacht, weil der hatte einfach genug damit zu tun, gute Musik zu finden und rauszusuchen. Und auch die Journalisten, die sich auskennen, sind ja auch schwierig. Früher habe ich mich immer ein bisschen interessiert, was die Leute so sagen, die Journalisten. Und Jens Balzer habe ich mir auch gerne so angehört und der hat immer von Bands erzählt, ja, ganz innovatives Zeug und ganz doll gut. Bis ich gemerkt habe, Bands, die keiner kannte, fand er total gut und Bands, die mehr als 200 Fans hatten, fand er ganz schlimm. Ist auch recht einfach. Und genauso ist es dann, die Leute, die Ahnung haben, haben dann auch eben nur Ahnung von Sachen, von denen andere keine Ahnung haben, damit sie nicht überführt werden können, dass sie doch keine Ahnung haben, weil niemand anders die Band kennt. Ich weiß jetzt ja auch nicht, wie ich da drauf gekommen bin. Ach so, dass ich jetzt hier im Radio bin, ist wirklich, sag mal, ein Missverständnis. Und Missverständnisse gibt es in der Musik ganz, ganz, ganz viele. Man könnte fast sagen, die Geschichte des Rock ist eine Geschichte der Missverständnisse.

Chumbawamba, eine extrem linke Band aus England, die haben richtig Titel konkret gegen Margaret Thatcher gemacht und gegen Tony Blair und gegen Rechtsradikale und in den Texten besungen: Ich hab dich nicht verstanden, ich hab verstanden, I got no doubt, ich mach mir keinen Kopf, also so hab ich's verstanden und in diesem Lied geht's auch nur eigentlich darum, dass er betrunken war und nicht mehr wusste, was passiert ist oder so. Aber eigentlich war das eine Band, die sich wirklich so politisch sehr engagiert hat, klar Stellung bezogen hat. Und ironischerweise ist dieses Lied bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 rauf und runter gespielt worden. Das war der absolute Hit. Und ich lobe nicht, dass das für eine politische Band jetzt das größte Ziel ist, wenn die Lieder so verstanden werden, eigentlich im Gegenteil, als Stadiongebrülle oder so. Aber es war eine Band, die sich auch in der Musik zur Folklore entwickelt hat und viele Einflüsse hatte, aber immer klar, schlagartig ihre Parolen gesagt hat, ähnlich wie Ton Steine Scherben in Deutschland oder so, war das dann die spätere Antwort.

Jetzt kommen wir zu einer Band, wo es umgekehrt ist, wo ich gedacht habe, jetzt kommt ein absoluter Aufruf zum Straßenkampf, jetzt bricht die Revolution aus, aber es war letztendlich doch ganz anders, ihr meint. Rolling Stones mit „Street Fighting Man“ – und als ich das Lied gehört habe, war ich direkt bereit, auf die Straße zu gehen und loszukämpfen, wenn ich gewusst hätte, gegen wen oder gegen was. Irgendwie hat mir die Musik eigentlich, wenn ich die Musik hören könnte, gerade die Musik der Stones, war mein Leben eigentlich so schön, dass ich nicht mehr gegen irgendwas kämpfen wollte oder musste. Ich habe Musik sehr geliebt, dabei war mir, also ich liebe sie immer noch, aber gerade in meiner Kindheit oder Jugend, als ich aufgewachsen bin, war die Musik für mich absolut extrem wichtig und wegweisend und da war mir völlig egal, welche Musikrichtung das jetzt gerade war, da habe ich das nicht so unterschieden oder so, ich unterscheide das jetzt noch nicht so groß, aber ich hatte nicht das geringste Problem damit, Punk, Rock oder Reggae zu hören.

So war ich auch großer Fan von Bob Marley, wusste aber nie, was er meinte mit seinem „No Woman No Cry“. Also keine Frau, kein Geschrei, so habe ich das übersetzt und dachte, na klar, wenn keine Frau da ist, ist auch kein Ärger, aber dann fehlt ja auch die Frau oder so. Also das erinnerte mich an so diese Säufer in einer Kneipe, den ganzen Tag so rumsitzen und kluge Sprüche machen wie: Ja, also die Frauen, also mit kann man nicht leben und ohne geht auch nicht. Was soll man da machen? Na klar, wenn man keine Frau hat, auch keinen Ärger, aber dann hat man auch keine Frau. Also das ist ja nun völlig klar. Das Lied ist natürlich völlig anders gemeint. Wenn jemand ein bisschen besser Englisch spricht als ich, kann er sich den Text selber so übersetzen für die anderen. Ich sage es, damit ist einfach nur gemeint: Weine nicht, kleines Mädchen, also weine nicht. Also jetzt wird dieses „weine nicht“ nochmal bestärkt, betont nochmal: Nicht weinen, Kleine, mach's nicht oder so. So ist das ganz lieb gemeint und hat nichts damit zu tun, dass er keine Frau braucht. Verkennbar Bob Marley – und man muss nicht schlecht Englisch sprechen, um Texte nicht zu verstehen. Mir ging es im Deutschen auch genauso.

Spliff kannten wir schon zu DDR-Zeiten. Das war ja eine West-Berliner Band, also die waren nicht weit von uns, jetzt von Luftmetern her, aber die haben so ein komisches Zeug gesungen, halb englisch, halb italienisch, dass ich ja nicht wusste, dass das eine Berliner Band ist, also das habe ich erst nach der Wende erfahren oder so. Das beeindruckendste Lied, auch wegen dem Schlagzeugspiel, war „Carbonara“. Ich weiß inzwischen, was Carbonara ist. Ich wusste es viele Jahre nicht. Ich dachte, es ist ein Getränk. Ich habe mir das vorgestellt wie Cola mit Milch oder so. Oder Karamell. Irgendwie so was ganz Verrücktes, was man so trinken kann. Da gibt es ja auch Amaretto, ist ein geiles Zeug, kommt im Text vor, was zum Teufel mag Amaretto sein? Klang also einfach nach der freien, fernen Welt und Carbonara, warum singen die ein Lied über Carbonara? Als ich das echte dann gefunden habe auf der Speisekarte, war ich doch ziemlich enttäuscht. Das ist ein ganz schönes Geschmiere aus Eigelb und Speck und weißer Soße oder so. Spaghetti Carbonara, ich habe es gegessen. Nur die Hälfte geschafft, den Rest stehen lassen und das passiert mir wirklich ganz, ganz selten. Hier ist Spliff.

Ich weiß nicht, was an mir liegt, aber was heißt Elna, wenn er sagt „Carbonara, Elna, Coca-Cola“? Und eine Coca-Cola heißt doch eigentlich – man klingt davon ab, in welcher Sprache man es sagen will. Also es ist schwierig, für uns war es noch schwieriger, weil wir auch einfach das Westdeutsch als Sprache nicht so kannten. Ich dachte, der Ku'damm heißt wirklich wegen der Kuh, Kuhdamm. Wusste zwar nicht warum, aber ich dachte, es kommt nur aus dem Mittelalter, dass sie da die Kühe da lang getrieben haben und das ist einfach der Kuhdamm. Der Kotti klang für mich einfach wie ein Kotti. Also der hatte für mich, ich konnte mir nicht vorstellen, dass das einfach Cottbusser Tor heißt oder so. Dabei ist Cottbus ja eine Stadt im Osten und Cottbus wird mit C geschrieben. Also es gibt wirklich viele Sachen, wo man einfach mit den Wörtern nichts zu tun hatte, wie Mozzarella. Als ich das erste Mal Mozzarella auf der Speisekarte gesehen habe, dachte ich, das ist ja geil. Das ist dann sogar wohl noch Büffelmozzarella oder so. Da dachte ich, das muss was ganz Verrücktes sein. Ich dachte, jetzt sind so Büffelfüße in Scheibchen geschnitten oder so. Was niemand gesehen hat, Mozzarella, was ganz Verrücktes. Und dann brachte der mir weißen Käse, der nach nichts geschmeckt hat. Da dachte ich, da zahle ich jetzt irgendwie Westgeld dafür, ich bin doch nicht bescheuert. Und dann Pappadalle, Verfalle, Penne. Ich dachte, das ist die Schule. Udo Lindenberg hat gesungen: Ich bin beim Bund, ich bin beim Bund. Da dachte ich, was hat er denn für ein Problem? Was für ein Bund? Ich kenne Bund Radieschen oder Petersilie. Aber ich hätte doch sagen können, ich gehe zur Asche. Das hätte ich wiederum jetzt verstanden. Aber so ist es eben schwierig zu verstehen, was die Bands genau meinen mit dem, was sie gesagt haben. Und Carbonara steht für sich, sage ich mal. Ich glaube, die wollten auch gar nichts damit groß sagen.

Jim Morrison hingegen wollte etwas sagen, als er „The End“ geschrieben hat. Er hatte sich von einem Mädchen getrennt und war sehr tief traurig. Ich glaube, für einen Dichter und Musiker gibt es nichts Besseres, als sich von einer Freundin zu trennen, weil er dann schmerzhaft irgendein schönes Lied schreiben kann. Wahrscheinlich meistens das Beste seines Lebens. Und er hat dann zwar die Sache ausgeweitet, dass er gesagt hat, ja, es ist nicht nur ein Abschiedslied für meine Freundin, sondern irgendwie auch ein Abschiedslied von einer Kindheit oder so. Und mit diesem Abschied fand dann – wer hat Apocalypse Now noch, wer war der Regisseur? Ich verwechsel die immer alle. Coppola oder Ford oder wie weiß ich – jedenfalls hat der das Lied genommen, obwohl es da schon Oldtimer war, also ein altes Lied und schon fast veraltet war. In der Zeit, da gab es ja schon Punk und Pop und so und er hat das Lied aber nochmal so, hat ihm eine neue Symbolik gegeben als Abschied der Vernunft und als eben Krieg. Dass der Krieg das Ende von allem ist, was Menschlichkeit und alles Wichtige ausmacht, ist ja klar. Und dadurch hat dieses Lied eigentlich eine völlig neue, riesenstarke Bedeutung gekriegt, die das sonst gar nicht hatte. Und das ist eigentlich ja kein Missverständnis. Ich durfte das eigentlich so gar nicht spielen, weil was Besseres kann einem Lied eigentlich nicht passieren. Auch wenn das ursprünglich nicht so gemeint war, ist das jetzt doch das Ende. Hier ist „The End“.

Das war natürlich noch nicht das Ende, aber ich wollte nicht als letzten Titel spielen, weil wenn ich zu viel gequatscht hätte, ich weiß nicht, was da mit mir so los ist, dann hätte ich das Lied wahrscheinlich nicht ausspielen können. Und ich finde es blöd, wenn im Radio die Lieder nicht ausgespielt werden. Ich glaube, das war früher auch mal besser. Aber ein Lied ist ja extra so gemacht, dass es einen Anfang hat und ein Ende. Und wenn man das dann nur zur Hälfte hört, ist das für mich ganz schwierig. Das ist ja wie abgehackt. Kann man nicht machen. Und das Lied war elf Minuten und ein paar zerquetschte lang. Und ich finde, man hat es überhaupt nicht gemerkt. Also selten ist eine Zeit so schnell vergangen, weil die Band es geschafft hat, die Spannung so zu halten, dass sie die Zeit wie im Fluge vergangen ist. Es ist ja nicht so, dass ein Lied jetzt unangenehm lang sein kann. Man sitzt ja nicht beim Zahnarzt im Warteraum. Es ist ja eigentlich gut, wenn ein Lied lang ist. Aber gerade bei diesem Lied hat man die Länge überhaupt nicht gemerkt.

Das nächste Lied ist 3 Minuten 11. Ich sehe das hier in der Anzeige. Da fällt mir gleich der 3-11er Wartburg ein, weil ich weiß, ich bin ja irgendwie autoaffin. Also jetzt kommt ein Wartburg-Lied, aber das ist natürlich nicht von Wartburg, sondern von Philipp Boer. Ich weiß nicht, ob das ein echter Name ist, wenn ja, ist er sehr schön. Man kennt ja Boa als die Schlange, das ist dieser lateinische Name für diese Schlange. Und deshalb heißt auch ein langer Schal, so ein Kleidungsstück, heißt auch Boa. Ein freier Webserver heißt auch Boa. Es gibt eine Ethnie in der Republik Kongo, die auch Boa genannt wird. Und natürlich gibt es auch ein Schwert, weil ein Schwert hat ja wieder die Schlangenform, ist lang und so ein afrikanisches Krummschwert. Die Schlange, die krümmt sich ja auch manchmal. Und Boa, man bohrt ja auch, der Bohrer ist ja auch lang und dünn wie eine Schlange. Überlege, ob da derselbe Wortursprung hat, Boa und Bohrer. Weiß ich aber nicht, muss ich als Linguist mal wieder forschen gehen. Ich spiele das Lied aber nicht wegen dem Bohrer, sondern wegen dem Titel. Das Lied heißt nämlich „This is Michael“ und ich habe das nie verstanden. Ich habe gedacht: This is my girl, this is my girl. Weil Michael Jackson und Paul McCartney haben sich ja auch mal gestritten: That girl is mine, no, that girl is mine, that girl is mine. Und ich dachte, jetzt redet Philipp Boer so auch mit und sagt: Nee, es ist eigentlich mein Girl. Aber er redet einfach von Michael. Hier ist Michael.

Das ist wirklich nur ein Buchstabe, der völlig den Sinn eines Satzes verändern kann oder die Bedeutung. Beim nächsten Lied habe ich verstanden: The Big Twain statt The Big Tui. Ich dachte: The Big Twain killed my Baby. Und da hatte ich vor Augen, wie die Freundin von Jack White irgendwie spazieren geht und nicht richtig aufpasst. Da kommt von hinten so eine Riesenlok gefahren, so eine angestrichene, stromlinienverkleidete Lok mit so einem Zug dran und die knallt die Frau so weg und sie stirbt und er kann seitdem nicht mehr über die Gleise gehen, weil er muss immer an seine Freundin denken und ist ganz traurig und erzählt der ganzen Welt seinen Schmerz. The Big Train Killed My Baby. Und ich hatte da wirklich eine ganze Geschichte vor Augen, bis ich irgendwann mir mal die Schrift durchgelesen habe. Also jetzt nicht die Bibel, sondern das, was hinten auf der CD stand. Und da stand drauf: The Big Three Killed My Baby. Da dachte ich, was ist denn das? Habe ich nachgeguckt. Und mit Big Three wurden die Führer der drei Weltmächte im Zweiten Weltkrieg bezeichnet, was ich natürlich nicht wusste. Winston Churchill, wie heißen die anderen? Roosevelt und Stalin. Aber es kann auch eine andere Bedeutung haben, die er wahrscheinlich eher meint. Nämlich The Big Three waren die drei größten Autofabriken in Nordamerika: General Motors, Ford und Chrysler. Und jetzt kann sich jeder mal ausdenken, wie die drei jetzt das Baby von Jack White gekillt haben. Hier sind die White Stripes.

Das Missverständnis muss nicht immer im Titel liegen oder in der Bedeutung, sondern auch einfach im Namen. Eckehard im Radio gehört, jetzt kommt Nein, Nein, Nein. Ich dachte, ist das ein geiler Name? Also Nein an sich ist ja schon gut. Aber Nein, Nein finde ich noch besser. Und Nein, Nein, Nein ist dann der absolute Wahnsinn. Wie kann man auf so eine gute Idee kommen, eine Band Nein, Nein, Nein zu nennen? Leider ist es Englisch und damit sind die Zahlen gemeint. Damit ist es schon nicht mehr so geil. Das ist auch eine Punkband. Man fing als Punkband an. Die hießen erst The Dials, wo sie wahrscheinlich auch schon die Nummern gewählt haben. Dann The Fanatics, typischer Richter-Standard-Rock-Name, finde ich eigentlich total geil. Dann 48 Hours, wo ich nicht weiß, ob sich das auf den Film bezieht oder auf das Deo, was jetzt 48 Stunden laut Werbung hält, was ich nicht glaube. Ich bin froh, wenn Deo vier Stunden hält und jetzt steht 48 Stunden in der Werbung auf dem Deo. Ich könnte schon wieder mich aufregen, mache es aber natürlich nicht. Nein, Nein, Nein, heißt die Band und die wäre fast richtig berühmt geworden. Die hatten einen Auftritt bei Top of the Pops und an dem Tag haben die Techniker gestreikt und die Sendung fiel aus und dann sind die nie wieder groß gespielt worden, weil sie nicht bei Top of the Pops gespielt wurden. Das war sozusagen ihr Sprungbrett. Eine 76er-Punkband, fast so gut wie ein 63er-Thunderbird. Hier sind 999.

999. Doch, doch, doch. Die Ketchup Boys. Da habe ich wirklich gedacht, die heißen die Ketchup Boys oder ich habe es nur aus Spaß gesagt oder so. Ich fand den Namen sehr lustig. Ketchup Boys ist auch total gut. Die Geschichte, warum die Pet Shop Boys heißen, erzähle ich einen anderen mal, wenn es um Sex geht. Jetzt geht es einfach um die Pet Shop Boys. Das Lied heißt „Go West“. Das ist nicht von Pet Shop Boys, sondern von den Village People, was wirklich Dorftrottel heißt oder so. Kannst mir nicht vorstellen, dass man sich so nennt, aber wahrscheinlich doch. Und „Go West“ – ich weiß nicht, was damit ursprünglich gemeint war. Wahrscheinlich der Weg nach San Francisco. Mir hat mal jemand erzählt, die Leute gehen in die USA und dann gehen sie immer weiter nach Westen, weil sie nicht wollen, dass es dunkel wird. Die haben Angst vor der Dunkelheit und haben Angst, dass die Sonne untergeht. Und so gehen sie der Sonne immer weiter nach. Die Sonne geht im Westen unter und je weiter man im Westen rennt, umso später geht die Sonne dann unter und irgendwann sind sie dann in San Francisco und kommen nicht mehr weiter. Da hängen sie dann am Strand und kiffen und versacken völlig. Ich weiß nicht, ob das mit „Go West“ gemeint war. Ich hatte das verstanden, weil wir es auch zur Wendezeit gehört haben, dass man einfach in den Westen gehen soll. Also geh mal in den Westen. Und dazu hatte ich im Ohr den Text von der Ich-Funktion. Das ist eine Band aus Berlin, die ich sehr, sehr mochte oder mag. Die gibt es nicht mehr so, also sehr mochte. Also ich mag sie noch, aber die Band, die gibt es nicht mehr. Und da heißt es im Refrain: Die Mundharmonika spielt nur einmal, sie will das Coca-Cola-Wunder sehen, sich in der Freiheit die Beine vertreten und einmal am Glücksrad drehen. Der Kompass zeigt nach Westen und die Sachsen sind in Budapest. In der Klinik fehlen die Patienten und der Zahnarzt empfiehlt Go West. Das finde ich, als Go West hätte man es nicht besser ausdrücken können. Aber Pet Shop Boys ist ohne Übel. Die hören wir jetzt.

Was ist mit den Missverständnissen hier? Hier ist Plan B. Plan B war wirklich der amtliche Name, die Handelsbezeichnung für die Pille danach. Also wenn man jetzt Sex hatte und zu spät merkt, dass man nicht verhütet hat, konnte man in der Zeit noch eine Pille schlucken und die hieß dann offiziell Plan B, weil man es nicht so beim Namen nennen wollte. Aber ich glaube nicht, dass die Band sich danach benannt hat, denn eigentlich, also das Missverständnis beruht jetzt darin, dass ich gedacht habe, Plan B ist die andere. Plan B, die es schon in Berlin gab seit 1984, als wir mit Feeling B gespielt haben, gab es im Prinzip das Pendant im Westen Plan B, wobei ich denke, dass wir uns das von Plan B geklaut haben. Oder bei uns kam es ja von Berlin, eigentlich hieß es ja Feeling Berlin früher und vielleicht hieß es Plan Berlin auch früher. Jedenfalls war das eine 84er Punkband aus Berlin und die sind sogar im Vorprogramm von Clash aufgetreten, waren mit den Ärzten im Film Richie Guitar zu sehen, waren noch richtig bei BMG und haben sogar als Vorband der Ramones gespielt und hatten einen kleinen Hit in den USA sogar und haben mit Duran Duran gespielt. Ich habe da nichts mehr von denen gehört und mich deshalb ja nicht gewundert.

Als sie wieder im Radio kam, dachte ich: Ach schön, gibt es immer noch. Da haben ja viele Bands aus den Achtzigern sich wieder zusammengerauft oder so und gespielt. Aber dann dachte ich, die klingen ja komisch, die klangen nochmal ganz anders. Und jetzt ist es auf einmal eine Frau als Sängerin. Und irgendwann waren wir in Australien und haben so eine Festival-Tour gemacht. Und da haben die auch gespielt. Da habe ich gesagt: Ich gucke mir die Band mal an, ich finde das Lied gut. Und habe die gesucht und gesucht auf der Bühne, habe immer nach der Frau geguckt. Und da war natürlich keine Frau, weil der singt doch gar keine Frau, der hat nur eine Frauenstimme. Das war mein großer Irrtum. Wenn man die Leute nicht sieht, dann nimmt man das, was man hört und ich habe eine Frauenstimme gehört und eine Frau gesucht, bis jetzt noch nicht gefunden bei Plan B. Umgekehrt klappt das natürlich auch. Hier habe ich gedacht – ich weiß jetzt nicht, ob das schon wieder wertend ist oder sexistisch oder so – aber ich habe auf jeden Fall immer gedacht, hier singt ein Mann und erst vor kurzem erfahren, dass das ja eine Frau ist.

Ich höre natürlich, dass das eine Frau ist. Bei einem anderen Lied habe ich es nicht gemerkt und das lag wahrscheinlich auch daran, dass ich irgendwie das Plattencover vor mir hatte und da war nicht nur sie drauf, sondern das war ein Sampler mit mehreren Interpreten und da war wahrscheinlich Frau und ein Mann in der männlich so dominierten westlichen Welt drauf und deshalb habe ich dann irgendwie gedacht, das ist auch ein Mann, also sie ist ein Mann. Aber ist natürlich Nina Simone unverkennbar. Eine absolut begnadete Sängerin, die auch Nick Cave sehr beeindruckt hat. Der liebt die wahrscheinlich auch immer noch sehr. Also sie ist gestorben, aber er hat immer in jedem Interview und so erzählt, dass er absolut tief beeindruckt war von dem, was sie gemacht hat. Aber es ist eben ein Zeichen dafür, wie man sich im Kopf eine eigene Welt zusammenbaut. Der eine mehr, der andere weniger.

Und als ich gehört habe, dass es eine Band wie Fury in the Slaughterhouse gibt, also Slaughterhouse habe ich nicht verstanden, ich dachte, das heißt sowas wie Hotel oder so, und Fury kannte ich nur durch dieses süße Pferdchen, also ich habe das nie gesehen, ich kenne das nur vom Erzählen, aber ich sehe da so ein Pony, mit dem die Kinder spielen, was die so rumführen. Man sagt ja, das Leben ist kein Ponyhof, womit gemeint ist, das ist ein Ponyhof, also der idyllischste und schönste Ort, den es auf der Welt gibt, weil die Pferdchen auch so süß sind. Aber ich glaube, mit Fury ist mal wieder was ganz anderes gemeint. Im Zweiten Weltkrieg 1945, ich weiß nicht, ob es fiktiv ist oder echt, aber gab es irgendeinen Sergeant, der seinen Panzer Fury genannt hat und der hatte fünf Soldaten und die sollten kurz vor der Kapitulation nochmal so einen Spezialauftrag machen und Hitler erschießen oder so und sind mit Fury dann nach Berlin reingefahren. Ich wusste das nicht, ich kannte das nicht. Ich kannte nur das russische Pendant von vier Panzersoldaten und einem Hund mit Kostja und Scharik und ich weiß nicht, wie die alle hießen. Aber Fury kannte ich dazu nicht. Ich weiß aber nicht, ob ich mich nicht völlig irre und ob vielleicht doch das süße Pferd Fury im Bandnamen so gemeint ist, dass da so das kleine süße Pferd im Schlachthof hängt. Und da habe ich auch schon wieder ein ganz klares Bild vor Augen.

Ich glaube die Band kommt aus Hannover, Fury in the Slaughterhouse, in the Slaughterhouse. Und die Hannoveraner sind bekannt dafür, dass sie Hochdeutsch sprechen. Als einzige Deutsche sprechen die Deutsch, also Hochdeutsch. Und deshalb fällt es denen wahrscheinlich auch leicht, auf Englisch zu singen, dass es Hochenglisch klingt. Ich weiß nicht, ob ein Engländer jetzt erkannt hätte, dass es eine deutsche Band ist. Ich hätte es nicht erkannt, aber ich habe es ja auch bei Scorpions nicht erkannt oder Krokus. Das sind Schweizer.

Specials haben in Columbia gespielt, ich war da, ich war völlig begeistert und als letztes haben sie ein Lied gespielt, was meiner Meinung nach „The End“ hieß und ich dachte, ach, das ist aber ein schöner Abschluss, das klingt wie der Abschied von der Welt, vom ganzen Seilen, von den Fans, weil das war die Zugabe, der Zugabe kam nochmal, das ist „The End“, da dachte ich, ja, das ist jetzt wirklich das Ende, sie verabschieden sich von allem und dachte, wie geil. Als ich mich mit einem Text beschäftigt habe, habe ich erst gemerkt, da geht es um etwas völlig anderes. Die sagen, wenn ein Typ sich schlecht benimmt, also ich habe es sogar verstanden so, dass er Nazi wird oder so, dann muss man schnellstens den Kontakt mit ihm abbrechen und sagen, hier ist Schluss, Junge. Und das ist einfach ein knallhartes Lied, sich von Leuten zu trennen, die blöde geworden sind und ist noch lange nicht das Ende der Geschichte. Ich finde es völlig verrückt, wenn man in der Musik harte Fakten und wichtige Sachen in eine sanfte, schöne Musik verpacken kann und das dann nicht noch versucht zu unterstützen, indem man besonders harte Musik macht. Das gibt aber auch den umgekehrten Fall, dass man besonders harte Musik macht, um eigentlich eine Banalität noch anzuhärten oder wichtig zu machen.

Ich war völlig entsetzt, als ich bei AC/DC mich ein bisschen mit dem Text von „T.N.T.“ beschäftigt habe. Ich dachte natürlich, es geht um nichts Geringeres, als die Welt zu sprengen, das Universum auseinander zu knallen, alle Grenzen, Mauern, Verkrüstungen, alles zu sprengen, was im Prinzip zu sprengen ist. Das ist jetzt im Prinzip der Sprengsatz an sich, in Musik verpackt, der auf die Menschheit losgelassen wird. Aber es geht einfach nur darum, dass der Sänger sich so geil findet, dass er so exklusiv ist wie TNT. Ich bin Dynamit-Baby, ich bin der Exklusivste, ich bin so geil. Und das ist doch, naja, also mit Kanonen auf Spatzen geschossen, würde ich jetzt mal sagen, hier ist AC/DC.

Da habe ich gerade auf dem Schulhof gestanden und immer „Heu, heu, leise“ mitgesagt, wenn die Lehrer nicht geguckt haben in der Hofpause und mir ganz doll gefährlich und wichtig vorgekommen. Und abends bin ich dann zu Blues im Franz gegangen, da hat Freigang gespielt, wenn sie gespielt haben, dienstags. Und die haben viel nachgespielt noch damals und haben gesagt: Achtung, jetzt kommt „Ich bin ein Mörder“, ein Lied von Mon Dieu. Und ich dachte, wer sind denn immer diese verrückten Mon Dieu, von denen die alles nachspielen? Das hieß ja, heißt da so „mein Herr“ oder „mein Gott“ oder so, ich weiß gar nicht. Und natürlich heißen die ja nicht Mon Dieu, sondern Amon Düül. Amon ist ein altägyptischer Gott und was Düül ist, wussten die selber nicht. Es war eine Künstlergruppe in München, die sich so getroffen haben, eine Kommune, die Kommunarden, und haben da Musik zusammen gemacht. Und natürlich durfte jeder mitspielen, egal ob er jetzt ein Instrument spielen konnte oder nicht. Das war im Punk ja später nicht viel anders. Und haben dann improvisiert und gespielt und haben so Tangerine Dream gehört und sowas. Und irgendwann wurde es aber schwierig, weil es gab die Gruppe, die spielen konnte und die Gruppe, die nicht spielen konnte. Und die konnten schwierig zusammen Musik machen, weil die, die Musik machen können, die richtig ein Instrument spielen können, spielen ungern mit Leuten, die kein Instrument spielen können, die nur Spaß an der Musik haben. Und die, die Spaß an der Musik haben, aber kein Instrument spielen können, spielen nicht gerne mit Leuten zusammen, die richtig gut spielen können. Weil da kommen sich dann blöde oder störend vor oder so. Und die haben dann halt auch nicht die Freiheit, die man hat, wenn man normale Musik macht. Und deshalb gab es dann Amon Düül und Amon Düül 2. Und wir hören jetzt, weil das ist die Band, die spielen kann, das ist nicht so anstrengend zum Radio hören. Wir hören jetzt Amon Düül 2 mit „Kismet“.

Schöne Kultur der Musik sind die Übersetzungslieder, also wo sie in mehr Sprachen die Sachen erklärt werden, sodass man sie in verschiedenen Sprachen verstehen kann. Es gibt es ja im Museum, dass das auf Deutsch und auf Englisch steht oder so und das schöne Missverständnis bei der Geschichte ist, dass ich dieses Lied gar nicht meinte, dass ich was anderes hören wollte. Nämlich das Lied „Druschba“, heißt Freundschaft, was man ja denken könnte, dass das dasselbe ist, wenn das „Druschba“ Freundschaft heißt, aber „Druschba“ heißt Freundschaft. Da war eben so ein Übersetzungsrefrain, das hieß: Druschba heißt Freundschaft, Tovaritsch Genosse, mir ist der Frieden, Pop jeder der Sieg. Also ich singe jetzt nicht, ich spreche nur, ich kann auch singen. Sputnik und Vostok, Galopka die Taube, Frieden für uns, Charascha, das ist gut. Und ich wollte zeigen, dass man nicht die fremden Lieder hören muss, um sie falsch zu verstehen, sondern ich habe das Lied ja selbst gesungen, so in der Schule, habe auch meine Drei bis Vier dafür gekriegt oder so. Und ich habe aber gesungen: Druschba heißt Freundschaft, da war ich Genosse. Mir ist der Frieden, Pop jeder der Sieg. Und ich dachte, was ist das für ein komischer Text? Da war ich Genosse. Wann war ich Genosse, als Druschba Freundschaft hieß? Und wie kann ich als Schulkind denn schon Genosse gewesen sein? Und ist es denn gut, wenn man jetzt Genosse ist? In der DDR war das ja eher ein Schimpfwort oder so. Und ich habe nicht gewusst, wieso mir ist ja Frieden. Also ich habe Frieden oder mir gefällt Frieden, aber mir ist ja Frieden. Ist irgendwie ein komischer Satz, dabei ist natürlich klar, dass „mir“ ja Frieden heißt. Aber im Übersetzungslied ein Missverständnis nach dem anderen, jetzt hat es sich aber so aufgeklärt, Tovaritsch Genosse, nicht da war ich Genosse. Manchmal klingt was ähnlich, als das nicht ist.

Das nächste Lied habe ich auch schön als Ostler mir ins Ostdeutsch übersetzt, Siouxsie and the Banshees, das heißt Siouxsie und der Bandkäse, also wenigstens das Cheese konnte ich mir so und so noch übersetzen und dass die Sängerin, die Siouxsie ist, war für mich auch selbstverständlich, dass das Siouxsie heißt, dachte ich, ist nur eine Falle, damit man die Bandnamen nicht aufschreiben kann oder so, weil wie schreibt man Siouxsie? Mit XS fällt mir der Porsche ein, das ist ein anderer. Als Banshee ist eine Art Feenfigur, die den Tod ankündigt. Also wenn die irgendwo auftaucht, dann stirbt der, der die gesehen hat demnächst oder so. Vielleicht liegt es daran, dass die Band nicht berühmter geworden ist, weil sich keiner da ins Konzert getraut hat. Also hier ist „Christine“.

Mal kommen im Radio die White Stripes. Das ist schön, also zumindest auf Radio 1. Und das ist eine der wenigen Bands, wo man sich wirklich richtig doll freut. Also ich zumindest, wenn mal einfach ein neues Lied im Radio kommt, sonst hört man ja eigentlich kaum mehr neue Lieder mal irgendwie im Radio, sonst kennt man die ja schon, weil es Hits sind oder ich weiß auch nicht. Oder normale Lieder von der Platte spielt man ja eigentlich nicht im Radio. Also mal Titel 6 oder so. Meistens ist es der Hit, der dann auch die Single ist, da gibt es ein Video und das ist dann bekannt. Aber so ein ganz normales Lied, was einfach so auf der Platte ist, hört man kaum im Radio. Und deshalb freue ich mich umso mehr, wenn mal einfach ein Lied kommt, was mal kein Hit war, wo keine Videos rausgekommen sind, was einfach ein ganz normales Lied ist. Und dann springe ich dann zum Radio wie ein junger Hund, schlechter Vergleich, und freue mich ganz doll und höre mir dann das Lied ganz doll an. Und am schönsten ist, wenn ich mir ein Lied anhöre, was es gar nicht ist, so was ich denke. So ging es mir beim nächsten Lied. Ich habe gedacht, ein neues Lied von Jack White ist draußen und ich glaube, dann wartet das gar nicht. Wir hören mal und gucken, wer es ist.

Ich habe das Lied erst ab der Mitte gehört und auch aus dem Zimmer und mein Radio steht in der Küche, obwohl das eigentlich Missbrauch ist, wenn man Musik hört zum Abwaschen oder so. Also ich finde es gut, wenn man immer nur eine Sache macht und sich darauf konzentriert oder so. Das habe ich in dem Fall nicht gemacht. Sonst hätte ich natürlich gemerkt, dass es nicht Jack White ist, sondern Sun Lux, der doch ein Künstlername ist. Aber dieses Zickige, das fand ich gut. Und ich dachte, Jack White hat jetzt den entscheidenden Schritt gemacht in die moderne Welt und war ganz begeistert. Aber manchmal ist die Welt auch einfach, wie man es im Kopf hat, viel schöner als die echte Welt.

So ging es mir auch mit der nächsten Band. Ich dachte, jetzt wird es verrückt, als die Leningrad Cowboys ins Spiel kamen. Ich dachte, die Russen öffnen sich der Welt. Das sind alles lustige Typen, die unwahrscheinlich gerne und viel trinken. Das stimmt ja auch wahrscheinlich. Und machen zusammen Musik und sehen auch sehr lustig aus mit ihren Tollen und so. Naja, was soll ich sagen? Die Leningrad Cowboys sind keine Russen und sind noch nicht mal eine richtige Band. Die sind nur für einen Film erfunden worden. Aber will man die Wahrheit denn eigentlich überhaupt wissen? Ich denke mal einfach nicht.

Ich komme schon wieder zur Verabschiedung, das ist ja Wahnsinn. Letztes Missverständnis habe ich noch aufzuklären oder nicht aufzuklären. Man denkt ja oft, dass Leute, die Musik machen oder so und irgendwie, wenn Leute dann ans Radio geholt werden, dass die sich immer so verrückte, schräge Sachen ausdenken, aussuchen. Aber ich stehe eigentlich, auch wenn ich Musik höre, auf ganz normale Musik, die sowieso im Radio kommt. Insofern ist eigentlich Quatsch, dass ich eine eigene Sendung mache, weil ich finde nicht, dass Musik interessant ist, nur weil sie keiner kennt oder so. Und wenn man irgendwas ganz Verrücktes raussucht, wo es nur 200 Klicks gibt oder so. Und ich finde auch normale Rockmusik gut, weil das ist ja die Musik, die ich auch als Kind gehört habe, mit der ich aufgewachsen bin, die mich geprägt hat. Und normale Musik muss ja jetzt nicht uninteressant sein oder so und kann man ruhig immer auch im Radio hören, auch wenn man sie so und so schon kennt. Und so kommen wir zum Abschiedssong, der ist von Ari M., was ja wirklich eine Wald- und Wiesen-Band ist, wenn man das so sagen kann. Ich habe das trotzdem in die Sendung gesucht, weil ich mit dem Gitarristen mal verwechselt wurde von einem Fahrstuhlfahrer, als wir zusammen gespielt haben und der denkt bis jetzt noch, dass ich der Gitarrist von Ari M. bin und lebe damit auch sehr gut, denke ich mal, woran man sieht, dass es überhaupt nicht schlimm ist, wenn man sich irrt oder wenn man Missverständnisse hat.

Mein ganzes Leben beruht eigentlich auf Missverständnissen. Ich würde nie in irgendeiner Band spielen, wenn ich nicht falsch verstanden worden wäre oder wenn nicht ich selber die anderen Leute falsch verstanden hätte, die irgendwie gesagt haben, sie brauchen einen guten Bassisten oder so. Habe ich gesagt, ja, mache ich gerne, aber spiele ich Bass in dem Sinne. Und so passieren eben die guten, interessanten Sachen. Deshalb würde ich sagen, halten Sie sich schön, auch ruhig in Ihrer Welt. Weil das Leben, was man im Kopf hat, ist oft ja nicht mal so uninteressant. Und wenn man das dann aufklärt, dann ist das so, wie die anderen ja auch haben. Und man will ja auch ein bisschen was für sich. Das klingt jetzt ganz komisch. Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit. Tschüss.

Song list

{{Wikitable|class="wikitable" |- |Artist |Song |- |Chumbawamba |No Doubt |- |The Rolling Stones |Street Fighting Man |- |Bob Marley |No Woman No Cry |- |Spliff |Carbonara |- |The Doors |The End |- |Phillip Boa |This Is Michael |- |The White Stripes |The Big Three Killed My Baby |- |999 |Homicide |- |Pet Shop Boys |Go West |- |Plan B (UK) |She Said |- |Nina Simone |Feeling Good |- |Fury In The Slaughterhouse |Homesick |- |The Specials |The End |- |AC/DC |TNT |- |Amon Düül II |Kismet |- |NN |Druschba heißt Freundschaft |- |Siouxsie and the Banshees |Christine |- |Son Lux |Slowly |- |Leningrad Cowboys |Kalinka |- |R.E.M. |Everybody Hurts |-