Mike Oldfield im Schaukelstuhl (book)

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Mike Oldfield im Schaukelstuhl
Mike Oldfield im Schaukelstuhl cover
Book
Released: 1988
Label: Der Morgen
Format: Hardcover
Other covers
2006 reissue
2020 reissue

Mike Oldfield im Schaukelstuhl (full title: Mike Oldfield im Schaukelstuhl: Notizen eines Vaters) is a book by Werner Lindemann about his son, Till Lindemann.

Information

The book is written about a nine month period that Werner had with his son, when he was 19 years old. The book was first released in 1988. It was successful in the German Democratic Republic.

In 2006 the book was reissued with a different cover. This time it shows Till on a chair on railroad tracks.

On 5 March 2020 the book will be reissued a second time. This time it also includes an afterword by Till himself.[1]

Imprimatur

An imprimatur (sometimes abbreviated as impr., from Latin, "let it be printed") is a declaration authorizing publication of a book.[2]

The imprimatur for the book was handed in on 16 December 1987. It was demanded to print 10,000 copies of the book. It also included an expertise by the publisher, which reads as follows:

German original
 

Werner Lindemann ist in der DDR als Kinderbuchautor bekannt. Er schreibt Lyrik und Kurzprosa, oft sehr naturbezogene Dichtung, die die Erlebniswelt der Kinder bereichert. Mit dem Buchverlag Der Morgen hat WL schon seit zwei Jahrzehnten Kontakt. Projekte wurden nicht verwirklicht. Gründe dafür kann ich nur für die Zeit meiner Verbindung mit ihm angeben: Seine 1980 eingereichten Fabeln wurden abgelehnt, weil der Verlag von Branstner "Der Esel als Amtmann" veröffentlicht hatte; WL' Geschichten werden später von der "Tribüne" gebracht. Für mein Verständnis waren sie Dorfgeschichten, deren Entfaltung durch Heimattümelei und zu pathetischer Naturbetrachtung behindert wurde und die vor allem in der Behandlung der Umweltproblematik fragwürdig war.

Im November 1986 fast genau vor einem Jahr, schickte WL dem Buchverlag sein über 259 MS umfassendes Tagebuch "Mensch werden dauert ein Leben lang", das mich, die ich nicht ohne Vorbehalte war, im besten Sinne überraschte. Hier schrieb ein Autor über unsere Gegenwart, realistisch, problembewußt, und vor allem nutzte er den reichen Fundus seiner Lebenserfahrung.

WL' Tagebuch gibt Auskunft über sein Leben auf dem Drispether Bauernhof, auf den er sich zurückgezogen hat, um sich seiner schriftstellerischen Arbeit zu widmen. Man erfährt seine Lebens-und Schaffensumstände, auch Familiäres und Intimes. WL' mecklenburgische Wahlheimat, der Alltag der Leute auf dem Lande sind ebenso im Tagebuch präsent wie Tier- und Landschaftsbeobachtungen. Im Mittelpunkt jedoch steht das Verhältnis zu seinem neunzehnjährigen Sohn Timm. WL schreibt in ureigenster Sache und verzichtet auf jede Art literarischer Verfremdung. Anstöße, ein Tagebuch zu führen, ergaben sich für den Autor durch den Einzug des Sohnes ins Orispether Bauernhaus. Neun Monate dauern seine Eintragungen an und werden mit der Trennung abgebrochen. Ober die Störung seines Arbeitsrhythmus macht sich der Dichter/Vater ebenso Luft wie über ihre Verschiedenheit, wenn es um die Arbeit, ums Geld, um die Pünktlichkeit geht. Die Kontrahaltung zum Betrieb oder die Liebäugelei mit der Kirche passen dem Vater ebensowenig wie undifferenzierte politische Polemiken. Immer häufiger beginnt der Vater sich zu fragen, inwieweit sich seine moralischen und gesellschaftlichen Wertvorstellungen im Leben des Sohnes materialisiert haben. *leine Einsichten in Notwendigkeiten sind nicht seine Einsichten. Klassenkampf ist für ihn ein Schlagwort für Funktionäre." - S. 106). Dabei geht es WL nicht um einen Generationskonflikt, sondern seine Gedanken konzentrieren sich auf die Frage: Wie mache ich mir meinen Sohn zum Freund? Weder Kumpelei noch autoritäres Verhalten möchte der Vater sich gestatten. M.W. Schulz, der das Außengutachten verfaßt hat, geht auf die Besonderheit des Verhältnisses dieser DDR-Vätergeneration zu ihren Kindern ein, wie man es einfühlsamer nicht benennen kann. Ich möchte nur hinzufügen, daß besonders zwei Aspekte in der Auseinandersetzung eine Rolle spielen: Zum einen der von ihm als ungerecht-fertigt empfundene Schuldzuspruch, wenn es um Faschismus und Krieg geht. Zum anderen sein Kummer, daß der Sohn so wenig geistig interessiert ist. Hier muß WL aufwendige "Konfliktarbeit" leisten. Er gebietet sich zwar Toleranz, aber kommt nur begrenzt zur Einsicht, daß es hier mehr um eigene Ängste und Träume, als um einen berechtigten Vorwurf geht. Der dramatische Höhepunkt, die Ohrfeige, und das Februar-Kapitel (S. 114 - 118) zeigen, wie weit er das "Anderssein" des Sohnes akzeptieren kann und wo seine Grenzen liegen. Mein Versuch, WL zu darüber hinaus vertiefenden Gedanken anzuregen, führten nur zur Wiederholung bereits Gesagten.

Im letzten Drittel des Tagebuchs vermittelt WL den Eindruck einer gut funktionierenden Vater-Sohn-Beziehung. Allerdings verliert das Manuskript etwas an Spannung. Vielleicht wäre es noch weiter komprimierbar gewesen, doch ich fürchtete, daß es an Lockerheit einbüßen würde.

Das Tagebuch war von WL als Stoffgrundlage für eine größere Erzählung gedacht. Er hatte es viele Male überarbeitet. Aus der geplanten Erzählung wurde nichts. Das Tagebuch wurde immer mehr zum Prüfstein vergangener und neu gewonnener Lebenspositionen. Der Verlag war mit der lockeren, ansprecht Tagebuchform einverstanden, schlug jedoch vor, die Vater-Sohn-Beziehung als Entwicklungsstrang herauszuarbeiten. So waren Prioritäten gesetzt, die dem Autor eine bewußtere Auswahl und Zuordnung der übrigen Gedanken ermöglichte. Allgemeinplätze erübrigten sich; bislang nur kurz angesprochene Probleme konnten vertieft werden; verstreut platzierte Gedanken wurden thematisch konzentriert (die Monatsaufteilung wurde u.a. dazu bewußt genutzt). Auf den Abschnitt "Briefe aus Jurmala" verzichtete der Autor, da hier das Gestaltungsprinzip nicht beachtet wurde und die geschilderten Auslandserlebnisse nicht zum Hauptanliegen beitrugen. Die Passagen der Erinnerung verstand WL immer mehr als Teil biografischer Aufarbeitung, und es gelang ihm auch, diese sinnvoll zu verknüpfen, mit Ausnahme gelegentlicher etwas banal anmutende4-Assoziationen (S. 55/S. 126). In früheren Fassungen gab es Unmengen Zitate aus der Weltliteratur und Philosophie. Hier verzichtete der Autor so-weit als möglich. Ebenso auf die Vielzahl eingebauter Kindergedichte, die nicht wie beabsichtigt zum Verständnis seines Schreibprozesses beitrugen. Aufgrund e.g. Überarbeitungen entstandt eine um rd. 80 MS gekürzte Fassung, die sich konzentrierter und spannender liest. Der Gutachter bemerkt zurecht, daß nicht alle Notate im "unmittelbaren oder mittelbaren Bezug" zur zentralen Idee stehen und auch nicht "alles Gedankliche und Erinnerliche" ausgeschöpft wurde. Während der Zusammenarbeit, auch noch in der Zeit, als das Manuskript begutachtet wurde, versuchte ich, WL noch zu weiteren Veränderungen zu ermuntern. Im wesentlichen erreichte ich dies noch durchs Streichen und Umstellungen. Verschiedene Aufzeichnungen habe ich, so scheinbar zufällig und bezuglos, bestehen lassen; den Versuch, strenger vorzugehen, habe ich rückgängig gemacht, da das Tagebuch an Frische verlor. WL' Versuche, bestimmte Problemstellungen noch weiter auszuschöpfen, sind in der ersten Phase der Zusammenarbeit vom Erfolg gekrönt gewesen, hat-ten jedoch seine Grenzen, sh.Februar-Kapitel, erreicht. Ich glaube, daß WL sich sehr gefordert hat, und dies auch besonders in seinen geschilderten Erlebnissen, in seinen Sentenzen, in den Tier- und Naturbeobachtungen, in seinen Bildern und auch in der Klarheit seiner Sprache besonders zum Ausdruck kommt. Aber ich glaube nicht, daß er Erkenntnisse einbringen kann, die nicht aus konkre-ten Erfahrungen gespeist sind. Letztendlich ist es in diesem Manuskript auch eher ein Vorzug und wird für viele Leser, gerade für die Eltern erwachsener Kinder, die Einfühlung und das Nachdenken über eigene Beziehungen ermöglichen.

Gallery

Original pages of the imprimatur:

Sources