Die Sendung May 2019
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Flake talks about war, soldiers and peace.
Transcript
Herzlich willkommen, ich grüße Sie ganz herzlich und immer wenn die Sendung anfängt, bekomme ich immer so ein bisschen Herzklopfen. Ich kriege richtig Beklemmungen und da komme ich auch schon aufs Thema Krieg, weil Krieg ja, das Wortspiel war jetzt so schlecht. Und da kommt gleich noch ein schlechter Ritt, weil das Wortspiel war schlecht und Krieg heißt war, also war auf Englisch. Deshalb heißt das erste Lied dann auch gleich War, ist von Exploited, was so viel heißt wie Explodiert. Es gibt nicht viele Bands, die einen Bandnamen haben, der besteht aus einem Verb im Perfekt. Exploited heißt Explodiert, wie ihr sagt. Und ihr kennt nur einen Namen, der auch so ist, der Pudis Keyboarder, der heißt Eingehängt, der Peter Mayer mit Spitznamen. Und wenn Exploited jetzt mal einen Keyboarder suchen würde, würde ich ihn natürlich Eingehängt empfehlen. Und spielt eingehängt bei Exploited und das War, jetzt wirklich ein schlechter Gag. Das War, War, hört mich auf.
Wenn man sich jetzt fragt, weshalb das Lied so gut geklungen hat, lag das daran, dass Exploited auf dieser Platte keine Hi-Hats und keine Becken benutzt hat. Nur bei diesem War kommt das Schlagen auf so ein Blech, aber das klingt nicht lange nach. Und dadurch, dass da kein Zischeln ist, dieses ewige Zzzzzz, dadurch können sich die Gitarren entfalten und das klingt richtig gut. Und das ist eine wie der wenigen Punkbands, die einfach auch richtig gut klingen und gut anzuhören sind.
Mir fällt auf, ich habe am Anfang der Sendung was sehr Dummes gesagt. Ich habe gesagt, ich grüße sie alle. Dabei wisst ihr gar nicht, was Grüße sind. Ich wusste das noch nie. Was ist ein Gruß? Früher haben sie zu mir schon gesagt, grüß die Eltern. Ich bin zu meinen Eltern gegangen und dachte, scheiße, was mache ich jetzt? Was soll ich machen? Wenn ich sage, ich grüße euch, dann sagen sie ja, na, wo ist denn der Gruß jetzt? Also, was ist denn jetzt der Gruß? Der Gruß an sich ist ja nur die Form, die Tüte. Und man trägt die Tüte, den Gruß im Prinzip hin und da ist nichts drin. Man weiß nicht, was soll ein Gruß sein? Weil wenn jemand sagt, gib ihm einen Kuss von mir, dann kann man den küssen und sagen, eigentlich bin ich nicht das, der dich küsst oder der andere. Oder wenn man sagt, ich liebe dich, dann sagt man ja aktiv. Aber wenn man sagt, ich grüße dich, ist ja nichts, weil ist ja nichts drin in dem Gruß. Ich verstehe das ja noch, wenn man sich trifft, begrüßt man sich. Das kommt auch aus von früher, weil sie sich nicht kannten, die Menschen auf der Straße und weil die Angst hatten so voreinander, weil sie sich überfallen haben oder geschlagen haben. Dann hebt man die Hand, um zu zeigen, dass man keine Waffe in der Hand hat und fragt, was der andere so macht. Also die Amerikaner fragen ja immer noch, was tust du tun oder so, wenn sie ihn treffen. Aber das ist ja auch kein Gruß in dem Sinne, das ist ja nur eine Frage, um sich zu schützen irgendwie. Die anderen sagen guten Morgen. Guten Morgen ist der Morgengruß. Man wünscht sich einen guten Morgen, dann ist das ein Wunsch, dass man sich guten Morgen, einen schönen Morgen wünscht. Aber wo ist dann der Gruß hin? Das ist ja dann nur ein Wunsch.
Im Osten hatten wir wenigstens noch einen Abendgruß. Da hat jetzt Sandmännchen so mitgebracht und der Abendgruß war ein Film. Das war eine korrekte Sache. Da wusste ich, jetzt kommt erst der Abendgruß, bevor ich dann ins Bett gehen muss und so weiter. Kam der Abendgruß, das war ein Film. Da war für mich der Gruß ein Film. Aber was ist jetzt der eigentliche Gruß? Ich kann ja nicht, wenn ich sage, grüß deine Eltern, kann ich ja nicht sagen, kick den Film an oder weiß ich nicht. Und noch schlimmer ist das, wenn man in Bayern ist oder so. Da sagen die, grüß Gott. Soll ich jetzt dich begrüßen? Du begrüßt mich? Grüße ich Gott? Grüße du Gott? Also warum und warum, wenn man sich trifft, soll man dann gleich noch Gott grüßen? Das war für mich alles überhaupt nicht zu verstehen. Und letztens war ich beim Yoga und da sollte ich noch den Sonnengruß machen und da habe ich aus Versehen den Hitlergruß gemacht, weil ich dachte, das ist irgendwie Sonnenzeichen, Hakenkreuz, Indisch, habt ihr alles so in eine falsche Richtung gekriegt und war nicht richtig, sondern Sonnengruß ist dann mehr mit Knicks, ist gesünder dann irgendwie und Hitler war ja sowieso auch nicht gut für die Gesundheit.
Dann geht es ja auch um Thema Krieg. Ernst Thälmann hat gesagt, wer Hitler wählt, wählt den Krieg und da hat er einfach mal hundertprozentig Recht gehabt und auch wenn sie Ernst Thälmann versuchen jetzt ein bisschen runterzureden, er hat die SPD gespalten, er hat die KPD auch gespalten und hatte auch eine Terroristengruppe oder was, kann nicht der alles sein, aber das war auf keinen Fall ein Grund, ihn in Buchenwald dann in den Rücken zu schießen und weise darauf immer wieder hin, dass der völlige Wahnsinn war, was da passiert ist, im Dritten Reich, dass die Millionen von Menschen da erschossen haben, was absolut undenkbar ist und auch wenn die Leute sagen, man kann damit jetzt mal abschließen, jetzt ist mal gut, wir sind eine neue Generation, wir müssen damit mal abschließen mit der Schuld und so, da sage ich, nee, das muss man eigentlich nicht, weil Hitler ist ja nicht vom Himmel gefallen oder so, das war ja kein Alien, sondern der ist ja vom deutschen Volk in dem Sinne richtig gewählt worden und da können die da nicht sagen, da war keiner Schuld oder die Deutschen haben nichts damit zu tun oder haben keine Gesamtschuld und den Leuten, die sagen, das ist jetzt ewig her, kann ich entgegenhalten. Ich habe jetzt hier Dokumentationen auf YouTube geguckt, wo es um Ausländer ging und Einwanderer, um Flüchtlinge. Und da waren unten drunter so eine Kommentare, die auch darauf hinaus liefen, dass sie die unterstützen würden, indem sie denen eine Fahrkarte nach Auschwitz kaufen oder Angela Merkel mal ins Ausländerheim schicken wollen, bis eine Affäre gewaltig wurde und so weiter. Ich will das jetzt ja nicht so wiederholen, weil das so eklig ist. Und ich lasse mich jetzt auch nicht auf das Niveau herab und beschimpfe die oder so. Aber ich finde, solange so eine Kommentare ungestört im Netz stehen dürfen und viele Leute anscheinend auch so einer Meinung sind, kann man wirklich sagen, dass man sich auch immer noch schämt für Deutschland oder so. Jetzt könnte man sagen, ich mache jetzt auch nichts dagegen oder so. Ich wähle zumindest nicht die AfD und so weiter. Und ich habe natürlich, da ich ja auch Musiker bin, Musik gemacht und mich versucht in meiner Musik auszudrücken. Und wir haben auch schon direkt ein Lied gegen Krieg gemacht, da war ich noch sehr jung, 12, 13. Aber das Lied haben wir dann später richtig in einer Band gespielt, das heißt Dumm, dumm geschossen.
Und jetzt kommt noch ein ganz ernstes Friedenslied, vorgetragen von John Bees. Die habe ich als Kind sehr gerne gehört, weil meine Eltern die Platte hatten. Das fing gleich mit dem ersten Lied an. Das sagt mir, wo die Blumen sind, wo ich mich sehr gewundert habe, warum sie auf Deutsch singen kann. Aber wahrscheinlich sind die Worte nicht so schwer. Und jetzt habe ich eine Dokumentation gesehen über John B.s und fand am beeindruckendsten, dass sie ganz trocken erzählte, dass sie bei jedem Konzert auf der Bühne brechen musste, weil sie so aufgeregt war und so ein Lampenfieber hat, was sie bis jetzt noch nicht abgelegt hat. Und manchmal musste sie sogar zweimal im Konzert brechen. Sie sagt, sie musste mitten im Lied weggehen und brechen oder auf die Bühne brechen und dann ging es ihr wieder gut, dann konnte sie weiter singen. Das hätte ich jetzt nie erwartet, weil die Frau auf mich so absolut stark und sicher wirkt, dass mich das sehr erstaunt hat. Das Lied selbst ist von 1955, also nach dem Zweiten Weltkrieg, geschrieben worden. Piet Sieger hat das im Flugzeug geschrieben, wobei mich wundert, wie viele Musiker ihre Lieder im Flugzeug schreiben. Also wenn ich im Flugzeug geflogen bin, habe ich mich immer an die Sitzlehne gekrampft und im Buch den ersten Satz 28 Mal so gelesen, bis ich ihn verstanden habe, weil ich mich nicht konzentrieren konnte. Aber wahrscheinlich, weil Musiker einfach auch viel fliegen und deshalb hat er viel im Flugzeug sich ausgedacht oder so. Claudia Schiffer hat ja sogar im Interview gesagt, das Flugzeug ist der einzige Ort, wo sie sich mal richtig entspannen kann. Als ich das gelesen habe, habe ich erst mal zwei Stunden nichts gesagt. Weil Flugzeug war für mich der schlimmste Albtraum, weil ich natürlich unter Flugangst auch gelitten habe. Und Flugangst zu überstehen, zu überwinden, wäre eh ein Punkt, den ich noch ein bisschen nachvollziehen konnte. Aber dass es der einzige Platz ist, wo man sich entspannen konnte. Da habe ich gedacht, was hat die denn für ein schreckliches Leben, dass das Entspannung ist. Das war für mich nicht nachvollziehbar.
Aber Pete Sieger hat das Lied geschrieben, wobei sich herausstellt, dass die Idee eigentlich aus einem ukrainischen Volkslied, was von einem Roman von Michael Scholochow entliehen ist, der Stille Don. Da waren die Zeilen drin und dieses Lied und er hat das dann ganz fies vermischt mit einem Kettenlied, einem Folksong aus Amerika von 1888, Drill Your Terry's Duel, was wahrscheinlich auch schon ein Soldatenlied war, ein sogenanntes Kettenlied. Peter, Paul und Mary haben das dann 1966 veröffentlicht und dann wurde es ein Riesenhit. Unzählige Interpreten haben das nachgespielt und das wahrscheinlich das originellste ist die Version von ACK, die heißt Sag mir, wo die Biere sind. Das hören wir jetzt aber nicht, sondern wir hören das Lied gesungen von John Baze.
[Songtext von John Baez: Sag mir, wo die Blumen sind – entfernt]
Es ist John Medwick mit Letter to a Body. Die Kriegspost war ja auch sehr wichtig, daran kann man viel von der Geschichte der Menschheit erkennen, wie sie ihre Kriegsbriefe geschrieben haben. Joe Medwick selber ist ein Musiker, der ziemlich unbekannt ist. Dabei hat er 500 Songs geschrieben oder über 500 Songs und der kommt aus einer Zeit, wo die Plattenfirmen im Prinzip Songs einfach aufgekauft haben, ohne dafür eine Verwendung im Moment zu haben. Das heißt, die brauchten Lieder, dann haben sie einen Sänger gesucht, die die Lieder gesungen haben und sie hatten viele Titel in Reserve, die sie dann nur zuordnen mussten im Prinzip, sodass im Prinzip man sagen kann, dass die Plattenfirmen selber die Richtung der Musik und die Musik bestimmt haben in der Zeit. Don Robby war der Typ, der die aufgekauft hat und das Bizarre dabei ist, dass die Lieder, so gut wie sie waren, für etwa 15 Dollar das Stück verkauft wurden. Soweit gab es in der Zeit viel. Hank Williams hat in der Kneipe auch seine Stücke für 20 Dollar verkauft, weil er Schnaps brauchte und die Sachen sind danach millionenfach verkauft worden. Das ist echt Wahnsinn.
Das nächste Stück ist von New Model Army, die habe ich ausgesucht, weil die New Model Army heißen und nicht, weil der Titel was damit zu tun hat, aber Armee und Krieg ist ja auch naheliegend und dass die Band sich als Armee bezeichnet, zeigt ja auch diese kriegerische Auseinandersetzung mit der Welt, dass Bands auch was ändern wollen, dass sie kämpfen wollen in dem Sinne oder sich wenigstens Armee nennen. Und das Lied heißt Blutsport. Blutsport, was ja eigentlich ein kriegerischer Name ist, Blutsport, klingt total gut. Ich kannte im Osten Matratzensport, wenn man jetzt Sex hatte oder so, das ist ein blöder Ausdruck. Es gibt doch Kreise in Drogenleuten, die sagen, sie machen ein bisschen Wintersport, wenn sie meinen, sie nehmen Koks, wegen Schneekoks, Winter und so weiter. Und Blutsport kenne ich jetzt aber nicht, aber das gibt es auch wirklich. Ich weiß nicht, was das für ein Sport ist. Es gibt ja auch einarmiges Reißen, so nennt man das, wenn man ganz viel Bier trinkt. Das ist ja auch so eine Art Biersport oder so. Danach heißt es dann Getränkeunfall, wenn was passiert ist. Blutsport, ich kann das nicht genau übersetzen, aber ich war in Schweden, da gibt es Blutpudding, also Blotpudding wurde dann ausgesprochen und das ist einfach das, was wir als Blutwurst kennen, heißt da Blutpudding, weil es ja auch so zusammengematscht ist. Aber Blutsport ist ein Karate-Film mit Van Damme und auf den Filmen, da gehen die ein, wo ein Typ sich irgendwie von seinem Meister kämpfen lässt und seinen letzten Kampf, man kennt die Filme, da kennt man Ehen, da kennt man auch die anderen. Wie die Frauen auch oft so von Männern sagen, kennst du Ehen, kennst du alle. Aber hier ist erst mal ein New Model Army.
Ein Sänger, von dem man nur nicht erwartet hätte, dass er ein Kriegslied singt, ist Elvis, Elvis Presley. Irgendwo habe ich auf dem Plakat mal gesehen, Elvis the Pelvis. Da dachte ich, was ist denn das für ein geisteskranker Rhein? Wer sagt denn Elvis the Pelvis? Das ist nicht lustig, das ist so Maul der Maul oder sowas beklopptet wie Elvis the Pelvis. Wer lässt sich sowas einfallen? Und vor zwei Wochen sah ich ein Plakat mit den Knochen für ein Englischunterricht. Und da stand doch am Oberschenkelknochen wirklich Pelvis dran, so an der Hüfte. Und das heißt Hüfte, Elvis die Hüfte, weil Elvis so mit der Hüfte geschaukelt hat oder diesen Hüftschwung hatte. Muss man erstmal drauf kommen. Also Elvis im Pelvis heißt nicht nur ein bescheuerter Reim, sondern das hat auch wirklich einen Sinn und weist auf seinen Tanzstil hin. Er singt das Lied Mussi Den, Mussi Den zum Städel hinaus, wobei mir auffällt, dass bei Kriegsliedern singen die ganzen Amerikaner auf einmal auf Deutsch. Aus irgendeinem Grund. Das Lied ist von Friedrich Silcher und zwar schon 1827, so publiziert worden, nicht zu verwechseln mit Friedrich Schüller, der hat nichts damit zu tun. Das war so eine Art Volkslied und da hat Elvis Presley so Wundenhardt von einer Melodie dazu gemixt. Man kennt das, wenn man das Boot gesehen hat, ich habe das nicht gesehen, weil mich halt weder das Boot interessiert, noch Grönemeyer, der da ja wohl mitgespielt hat. Als das Boot in La Rochelle ausfährt, ertönt die Musik und Grönemeyer spielte damit und ich wusste gar nicht, dass er Schauspieler ist. Dabei ist er Schauspieler, der dann singt. Ich dachte, er ist Sänger, der dann auch Schauspieler. Das ist wie, was war er da, das Ei oder die Henne? Was war er, Grönemeyer, Sänger oder Schauspieler? Das ist hier eigentlich die Frage.
[Songtext von Elvis Presley: Muss i denn – entfernt]
[Songtext von The Doors: The End – entfernt]
Die Doors mit einem Lied gegen den Vietnamkrieg. Ich habe das als Kind gehört, man sollte es nicht glauben, in der Sendung Schlager der Woche mit Lord Knut, weil das war hoch platziert auf Platz 1 oder 2 und da lief das einfach auf Rias 2 abends in voller Länge über die Schlagersendung. Das fand ich schon sehr bedeutend, kann die Sendung gar nicht hoch genug preisen, da habe ich eigentlich meine musikalische Bildung her. Und erstaunlicherweise war der Geschmack, auch so, wessen Geschmack auch immer, der die Charts da ausgesucht hat, dass dieses Lied auf Platz 1 beziehungsweise auf Platz 2 war, das finde ich schon richtig gut. Das ist ein gutes Zeichen eigentlich. Von den Doors weiß ich gar nicht viel, außer dass Morrison wohl unendlich viele Drogen genommen hat und in Paris gestorben ist. Ich war dann auf dem Friedhof und habe ihn gesucht, aber ich war auf dem falschen Friedhof. Ich war in Montmartre auf dem Friedhof, der war wunderschön. Da habe ich einen Grabstein gefunden, da stand ein Name drauf, ist ja klar. Und dann war ein R4, also dieser schöne Renault 4, richtig in Stein eingehauen, also als Bild und schräg von vorne mit einer Blume sah ganz wunderschön aus. Und da habe ich überlegt, ob da der Konstrukteur des R4s liegt. Wenn ja, wäre das ein wunderschöner Grabstein für ihn. Wobei mir die Geschichte einfiel, dass eigentlich Ferdinand Porsche in französischer Kriegsgefangenschaft schnell für die Franzosen den R4 entwickelt hat, weil er das machen musste, weil sie ihn so wohl gezwungen haben oder gebeten haben oder so. Und der hat dann als Gegenstück im Prinzip zum Käfer oder zum Porsche den R4 entwickelt. Müsste ich mal nachschlagen, ich weiß es nicht. Jedenfalls war das schön auf dem Grabstein drauf. Ich weiß auch nicht, was man auf dem Grabstein schreiben sollte. Ein Freund von mir hat gesagt, ich habe gelebt. Was eigentlich auch schon fast logisch wäre, weil sonst müsste er nicht beerdigt werden. Groucho Marx hat angeblich auf seinem Grabstein stehen, hier liegt Groucho Marx, er küsste nie eine hässliche Frau.
[Songtext von The Spokesmen: Down of Correction – entfernt]
Down of Correction, The Spokesman, das Lied heißt in etwa so viel wie ein Protestsong gegen Protestsongs, was die Ärzte dann auf Deutsch gemacht haben und dieses Video von 1966, als sie es aufgenommen haben, ist sehr sehenswert. Es ist unfreiwillig, so komisch, dass man richtig lachen muss. Es wird auf bizarre Art getanzt und sich bewegt. Das Video ist echt klasse. The Spokesman ist eigentlich eine linke Zeitung, eine britische, von 1970, die vom Nobelpreisträger Bertrand Russell gegründet wurde. Und jetzt weiß ich nicht, ob sich jetzt die Zeitung nach der Band benannt hatte oder die Band nach der Zeitung oder ob beide einen anderen Vorfahren haben. So wie mit den Menschen und den Affen, die auch nicht direkt voneinander abstammen, sondern Menschen und Affen haben denselben Vorfahren. So habe ich es jedenfalls verstanden.
Die nächste Band ist Chambawamba, die eigentlich die schönste Erklärung für ihren Namen haben, die ich je von irgendeiner Band gehört habe. Die wurden von John Peel entdeckt und auch gefragt, warum sie denn Chambawamba heißen als Politrockband. Und da hat der Sänger gesagt, oder die Frau hat gesagt, wir dachten, der Name ist lustig. Und das finde ich eine wunderbar schöne Erklärung für Chambawamba. Jakobs Ladder ist auch ein Lied vom Vietnamkrieg über einen Veteranen, der zurückkommt und im Leben dann nicht mehr zurechtkommt. Die Ehe zerbricht, keiner dringt mehr zu ihm durch, er hat Albträume. Die haben erstaunlicherweise, hatten die Amerikaner ein Riesenproblem mit dem Vietnamkrieg, obwohl man, wenn man die Verhältnisse mal sieht, 50.000 tote Amerikaner gegen 5 Millionen getötete Vietnamesen, merkt man doch, dass da ein ziemliches Ungleichgewicht besteht, auch in der Wahrnehmung der Amerikaner oder der Welt über den Vietnamkrieg.
Und wo es Ärger gibt, gerade in Amerika, sind auch Nein und Schneels nicht weit. Capital G. Das klingt natürlich schon so komisch. Was soll man von Amerikanern denken, die so eine Sprache haben? No Bomb. Die sagen bestimmt auch Pump zu Pumpe oder so. Das klingt schon völlig zusammengestummelt oder so. Aber eine Aussage ist natürlich sehr wichtig. Das ist ein Lied aus den 80er Jahren, als gerade der Kalte Krieg und die Kriegsgefahr sehr, sehr hoch war. Das Lied ist von Berluck, was so lustig wie es auch klingt, die Abkürzung von Berlin-Luckenwalde, es war ein paar aus Berlin kamen, ein paar aus Luckenwalde, sehr guter Bandname. Und dieses Lied ist aufgeführt worden oder sogar uraufgeführt worden im Palast der Republik bei Rock für den Frieden. Es ist in 18 Jahren auch für das Image der DDR und des DDR-Rocks, ist so das Rock für den Frieden gegründet worden. Es war so üblich, Rock gegen rechts. Wir haben dagegen mal gemacht, Rock gegen Rock. Fanden wir als Idee gut, weil Rock gegen Rock, also Rock kann schlecht gegen irgendwas sein oder so. Das ist wie Krieg dem Krieg. Das ist für mich ein Antagonismus, der nicht zu lösen ist, weil wenn man Krieg nicht will, kann man nicht Krieg dem Krieg, weil dann hat man ja wieder Krieg. Das ist ja ganz komisch. Aber im Palast war das eine gute Veranstaltung. Ich war selber als Gast da, was mich jetzt im Nachhinein wundert, Weil, wie habe ich geschafft, eine Eintrittskarte zu kriegen als normaler Assi und mir Berluck mit No Bomb da anzugucken. Aber irgendwie hat es geklappt. Ich war drin. Da waren noch andere Bands. Die Gruppe 3, falls das noch jemand kennt. Die Pudis waren sogar da. Die haben so ein völlig hirnloses Lied gespielt, wenn ich das mal ausdrücken darf. Das hieß Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ich weiß nicht, ob man das als Friedenslied jetzt interpretieren kann oder so. Aber auch das Buch, das war dann wohl eher ernster Titel. Der blaue Planet von Karat. Und das DDR-Plattenlabel Amiga hat davon sogar richtige Schallplattenrock für den Frieden so veröffentlicht, bis es dann Ärger gab. Bab hatte so ein Lied und deshalb spiel mal hier, ich kann das jetzt ja in ihrer Mundart wiedergeben, deshalb spiel mal hier. Nee, die sechseln ja nicht. Jedenfalls wollten sie das Lied nicht spielen und deshalb sind sie dann ganz eingeschnappt, dann abgereist und haben gar nicht im Palast der Republik gespielt. Was sehr schade war, weil die ganzen Fans wollten ja BAP sehen und sie haben in ihrer Biografie das dann als Heldentat verkauft, dass sie gesagt haben, sie haben der DDR-Staatsmacht getrotzt und einfach nicht aufgetreten, aber in Wirklichkeit haben sie das einfach nur nicht gespielt und die Fans waren sehr traurig und konnten die Band jetzt gar nicht sehen. Ich glaube nicht, dass sie denen damit irgendwie einen Gefallen getan haben. Später hat Tamara Dance sich noch geweigert, den Titel Die Glocke mit der Gruppe Karat zu singen. Und die Gitareros haben das dann auch verweigert. Das wurde immer weniger beliebt und dann wurde es einfach mal irgendwann umbenennt in das Festival Jugend im Palast. Was ja nun völlig unverfänglich klingt. Und da haben dann auch interessantere Bands gespielt, wie Tina has never had a teddy bear oder so. Aber das war erst später so zu Wendezeiten. In der Zeit, von der ich spreche, das muss so 85 gewesen sein, da war Berluck noch ganz vorne mit No Bomb. Das ist eigentlich ganz schlimm, wenn man Kinder mit auf die Bühne zerrt und so instrumentalisiert und so naiv so mitsingen lässt. Aber an diesem Lied ist es irgendwie okay. Wahrscheinlich, weil ich selber noch ein Jugendlicher war in der Zeit und dass mich das Lied wirklich getroffen hat und auch absolut interessiert hat. Denn in meiner Welt waren wir als DDR-Bürger oder die Sozialisten ja die Guten und die anderen wollten uns angreifen, die bösen imperialistischen Großmächte. Und da war das für mich unheimlich beruhigend und mutmachend, dass aus dem Westen, also eigentlich von den Feinden, dass die auch mal singen, wir sind gegen den Krieg und wir wollen euch gar nicht so angreifen und wir haben genauso viel Angst vor dem Krieg. Das kannte ich bisher so nicht aus der Kultur, weil uns sowas ja auch nicht vorgespielt worden ist oder so. Und als auf einmal Udo Lindenberg mit einem Kind fragte, wozu sind Kriege da, habe ich gesagt, Gott sei Dank, haben die das auch begriffen. Und so rechtfertigt für mich generell, also der Inhalt des Liedes, so ein Lied, ich finde sowas nicht irgendwie zu diktatorisch oder didaktisch oder irgendwas, ich finde es gut, wenn sich Leute damit auseinandersetzen und gerade in 80er Jahren, als die Kriegsangst so groß war und deshalb finde ich das Lied von Hannes Wader, was jetzt kommt, auch total gut, obwohl man eigentlich über so Liedermachertypen eher gelächelt hat in meiner Jugend, zumal wir auch Punks waren und sowas gar nicht ertragen konnten, aber das Lied ist astrein, kann man nicht anders sagen.
[Songtext von Hannes Wader: Es ist an der Zeit – entfernt]
Herr Todd Brecht hat zu dem Thema gesagt, hinter den Trommelern, da trotten die Kälber, das Fell für die Trommeln liefern sie selber. Damit sind halt das traurige Schicksal der Soldaten gemeint, die natürlich gar nicht gefragt wurden, ob sie das wollen oder so, sondern die einfach berufsmäßig oder gezwungen werden, da mitzukämpfen. Im Gegensatz zu den Leuten, die sich aus freien Stücken selber entscheiden zu kämpfen, die sich zusammentun und einfach sagen, wir gehen jetzt los, nämlich die Partisanen.
[Songtext Zupfgeigenhansel: Partisanenlied – entfernt]
Das war ein Zupfgeigenhansel, eine Band, die sich das jüdischen Liedgutes so angenommen hat und die haben das auch in jüdisch gesungen und dieses mit Nagaris in den Händen, meist mit Pistolen in der Hand, mit Waffen in der Hand, Nagant oder Nagaris ist das jüdische Wort für Pistolen. Und man merkt irgendwie, bei Partisan-Liedern ist so eine eigene Melancholie drin schon von der Melodie. Ihr kennt das noch aus der Schule von den Partisanen vom Amur, das ist auch so eine herzhafte Melodie, die einem nicht aus dem Kopf geht. Und so ist das auch bei Leonard Cohen, das Lied heißt auch einfach der Partisan.
[Songtext von Leonard Cohen: The Partisan – entfernt]
Jetzt kommt Buffy, das ist eine Tochter eines Kree-Indianers, was dann von Micmac-Indianern adoptiert wurde. Und sie lebt in Maine und Massachusetts, was man sich einfach so vorstellen muss wie Mecklenburg-Vorpommern. Man denkt, bei den Indianern ist es so eine verrückte Welt, wie man das aus dem Western kennt. Aber die meisten Indianern gerade jetzt in der Zeit leben eben in Massachusetts oder so in Gebieten, wo es wirklich aussieht wie hinter Neustrelitz. Man kennt Buffy eigentlich aus der Sesamstraße, weil da hat sie sehr viele Gastauftritte, weil sie sozusagen die Vorzeige-Indianerin war. Die brauchten ja auch sowas. Und hier singt sie auch von Soldaten vom Universal Soldier.
[Songtext von Buffy Sainte-Marie: Universal Soldier – entfernt]
Apollo Soldier waren wirklich die afroamerikanischen Nordstaaten-Soldaten gemeint. Die sind aus Afrika verschleppt worden und mussten dann für die Nordstaatensoldaten kämpfen. Und viele Afrikaner hatten noch nie Schwarze, also Afroamerikaner gesehen oder Afrikaner waren es ja eigentlich in dem Fall noch und haben sich fisch gewundert und einen riesen Schreck bekommen und die wegen ihrer Frisuren auch als Büffelsoldaten bezeichnet. Und das Bizarre war, dass in derselben Zeit wurden von den Südstaaten deutsche Leute zwangsrekrutiert. Die sind richtig über die Länder gefahren, haben sich von den Fürsten irgendwelche Leute verkaufen lassen oder denen die abgekauft und haben die nach Amerika verschifft. Und dann haben letztendlich in Amerika Deutsche gegen Afrikaner gekämpft. Da kann man sehen, wie sinnlos und bizarr die Kriege der Menschheitsgeschichte sind, denn die Menschheitsgeschichte ist auch eine Geschichte der Kriege.
Von Bob Marley zu Bob Dylan. Nicht nur, weil sie beide Bob heißen, sind sie für den Frieden, sondern ich weiß gar nicht, ob man Bob Dillen jetzt wirklich als Friedens- oder Politsänger bezeichnen kann. Der stand immer jenseits von jeglicher Kritik schon zu DDR-Zeiten. Was Bob Dillen gesagt hat, war lyrisch und stimmte. Und das Lied Desolation Row habe ich mir mal übersetzen lassen oder hat ein Rundfunksprecher mal übersetzt. Und die Übersetzung ist wirklich, also dieser Text ist wirklich extrem gut. Ich kann es jetzt nicht gleichzeitig so übersetzen. Die Desolation Row ist die große Mühle, durch die jeder gedreht wird. Es sei denn, er dreht selbst an der Kobel.
[Songtext von Bob Dylan: Desolation Row – entfernt]
Jetzt kommen wir zur Mutter aller Friedenslieder, Give me a chance. John Lennon und Yoko Ono, die haben sich ja mal irgendwie in so ein Hotelzimmer zurückgezogen, haben sich ins Bett gelegt, zum sogenannten Bed-In und haben dann Journalisten empfangen und ähnliche Leute haben da so Aktionen gemacht. Und am letzten Tag dieser Aktion, am 1. Juni 1969, haben sie sich ein Aufnahmegerät ins Zimmer bringen lassen und haben mit allen Anwesenden, die da im Zimmer so rumgehockt haben, auf dem Bett sitzend das Lied Give me a Chance eingespielt. John Lennon hat selber Gitarre gespielt, saß neben Yoko Ono auf dem Bett, hat gesungen und rundherum tanzten aus unermittelbaren Gründen die Mitglieder des kanadischen Ratha-Krishna-Tempels durchs Zimmer. Und dabei saßen noch Tarek Taylor, Ellen Ginsberg und auch Timothy Lewey. Und der war ja bekannt dafür, dass er aufgrund des sogenannten Marihuana-Acts zu astronomischen Gefängnisstrafen verurteilt wurde, zu 33 Jahre wegen zwei Gramm oder so. Und er ist aus dem Gefängnis geflohen 1970 mithilfe der Weathermen, ich weiß nicht, was das für eine Organisation ist, ihr kennt euch die Weathergirls und er ist aus Kalifornien aus dem Gefängnis geflohen, ist dann mithilfe der Black Panther in die Schweiz weitergezogen und da hat er dann seinen Frieden im Prinzip gefunden, da ist er nicht mehr verhaftet worden, er hat um politisches Asyl gebeten, hat es zwar nicht gekriegt, aber wurde auch nie wieder an die USA ausgeliefert. Und er war einer der Ersten, dessen Asche ins Weltei geschickt wurde. Also da war er ganz nach vorne auf dem Weg. Aber hier ist erstmal dieses berühmte Lied, was da entstanden ist.
[Songtext von John Lennon: Give Peace a Chance – entfernt]
Der fremden Legionäre. Die Perversion besteht ja auch darin, dass man als Soldat in völlig fremdes Land fährt, wo man gar nichts kennt. Dann da kämpft und natürlich Heimweh nach seinem Land hat. Aber weshalb kämpft man dann in einem fremden Land oder so? Gerade als Fremdenlegionär macht man das ja nur für Geld oder so. Das ist schon sehr schwierig. Das Lied heißt Heimweh und es gibt noch ein anderes Lied, was auch davon handelt. Das kommt als letztes zum Abschied. Mein Bonnie ist over the ocean. Ich habe das im Englischunterricht gelernt, gleich als erstes Lied. Natürlich geht es darin auch darum, dass die Engländer oder Amerikaner dann eben, obwohl ich glaube, das ist ein englisches Lied, natürlich in Deutschland im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben, wo ich natürlich sage, das ist wiederum wichtig und richtig gewesen, dass die Alliierten eingegriffen haben und gegen Hitler gekämpft haben. Wie überall ist es ganz schwer zu sagen, was richtig ist, was falsch ist, aber generell ist es wirklich so, dass es sich nicht geändert hat als Kind, wenn sie mich gefragt haben, was mein größter Wunsch ist, habe ich wie aus der Pistole geschossen gesagt, mein größter Wunsch ist Friede auf Erden und ich denke, da hat sich bis jetzt nichts dran geändert und es wäre schön, wenn mehr Menschen sich das wünschen würden und auch danach handeln würden. Das sind jetzt mal ernste Schlussworte, damit verabschiede ich mich. Bis zum nächsten Mal, wünsche Ihnen alles Gute und eine friedliche Zeit. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.