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Flake talks about Love You Live.

Transcript

Radio 1, die Sendung mit Flake. Guten Abend und herzlich willkommen. Böse Zungen behaupten ja manchmal, dass ich ein Hypochonder bin. Das ist totaler Quatsch. Ich bin einfach immer krank. Wie zum Beispiel auch jetzt. Ich bin ziemlich erkältet. Man könnte sagen, ich habe den Blues, aber Gott sei Dank nicht den Blues vom Roten Haar. Die Gruppe Engerling zu Beginn. Das Interessante dabei ist der Inhalt. Die singen über die Solidarität der alten Bluesmusiker, die den anderen helfen, einen Club wieder aufzubauen, nachdem der abgebrannt ist. Diese Metapher vom Roten Hahn haben sie wahrscheinlich auch aus dem Blues, weil es gibt ja viele Stones-Lieder auch, The Little Wet Rooster, wo ich dachte, der Rooster ist der Hahn. Aber der Rooster ist ja wahrscheinlich der Funken. Ich bin auch noch nicht ganz dahinter gekommen. Aber auf jeden Fall hat sich eine Ost-Berliner Gruppe mit den alten Blues-Barden beschäftigt, die die Musik ja wesentlich beeinflusst haben.

Wir hatten im Osten ja ein sehr, ich sag mal, interessantes Bild auf die Welt, weil das war so gefördert, dass wir eigentlich bedenkenlos alles erstmal gut fanden, nur weil es aus dem Westen kommt. Weil wir nicht viel Eigenes von der Musikentwicklung vorzuweisen hatten. Und ob das nun Blues oder Country oder so, wir fanden erstmal alles total geil. Weil es was von draußen war, aus der echten Welt. Wir haben sozusagen in der Spielzeugwelt gelebt. Bei mir im Atlas, man sollte das kaum glauben, war die DDR natürlich ganz groß mit allen Bodenschätzen und Industriestandorten. Und Westdeutschland war wirklich ein weißer Fleck. Also rund um Berlin, Berlin war zur Hälfte weiß, dann kam die DDR und dann kam links von der DDR, was auch natürlich Quatsch ist, also jetzt politisch gesehen, war dann so ein weißer Fleck und das war die BRD. Da war kein Stuttgart, kein Hamburg, deshalb weiß ich bis jetzt noch nicht, wo die ganzen Städte sind, da war einfach nur ein weißer Fleck.

Ich muss natürlich ein bisschen gestehen, für mich ist es jetzt noch so, da hat sich noch nicht viel geändert, was daran liegt, dass ich völlig borniert und verbohrt bin oder so, aber vielleicht lohnt es sich auch wirklich nicht, ich weiß es nicht. Also wer über die architektonischen Verbrechen des Sozialismus spricht, war wahrscheinlich noch nie in Essen oder Mannheim. Das ist unfassbar. Also ich will jetzt nicht abwertendet sagen oder nicht wertendet, aber so schlecht sieht es bei uns doch gar nicht aus. Und so wussten wir auch wenig über die alten Bluesmusiker oder so, aber später haben wir festgestellt, dass es der ganzen Welt in diesem Fall nicht viel anders ging, sondern dass die DDR eher noch fortschrittlich war, wenn es darum ging, die alten Bluesleute auszugraben oder so. Und einer der wegweisendsten, im Nachhinein wahrscheinlich auch mehr, ist Maddy Waters und den hören wir jetzt erstmal, um uns einzustimmen.

Was wir jetzt gehört haben, war nicht weniger als der Beginn der Rolling Stones, denn mit dieser Platte unterm Arm trafen sich Mick Jagger und Keith Richard am S-Bahnhof, ich weiß jetzt nicht welche Station, steht in irgendeinem Buch bestimmt, sie kannten sich schon ein bisschen vom Sehen, aber haben sich daraufhin angesprochen, weil sie beide sehr an der alten Bluesmusik interessiert waren und dieses Lied, was wir eben gehört haben, gab der Band auch den Namen, weil es war der Rolling Stone Blues, wo beide Rolling, nicht mit ihnen gesprochen wird, sondern mit einem Strichchen hinter dem S, weil das wahrscheinlich in irgendeinem Dialekt war. Sprachen die auch sowas wie Sächsisch auf Amerikanisch oder so. Wallin klingt umgangssprachlich böser.

Und die Stones haben, also Mick Jagger und Keith Richard in dem Fall, haben in dieser Musik was entdeckt, was sie in anderen Musik nicht gefunden haben. So eine tiefe Intensität, so eine Herzenswärme, so eine Dringlichkeit, dass sie beide der Meinung waren, sie müssten dringend so eine Musik machen. Und haben sich dann mit Leuten zusammengetan, die im Prinzip als Band schon funktioniert haben. Die eigentlichen Gründer der Rolling Stones sind ja Brian Jones und der Keyboarder, dessen Name jetzt nicht einfällt, was schon heißt, dass sie so fies sind, dass sie den Keyboarder, der eigentlich die Band gegründet hat, nicht mal so oft erwähnt haben, dass ich mir den Namen nicht merken kann. Es kann aber auch drin liegen, dass ich die Band bin.

Jedenfalls haben die sich getroffen und man kann sich streiten, ob jetzt die Beatles oder die Stones die wichtigere Band waren oder die bessere Band. Ich finde, das ist totaler Quatsch, die Bands überhaupt zu vergleichen. Ich sage mal Äpfel und Birnen oder Obst. Es ist völlig unwesentlich. Die Beatles waren wahrscheinlich musikpolitisch gesehen die wichtigere Band, die mehr bewegt hat, die das ganze Fach neu eröffnet hat. Aber die Stones haben geschafft, schwarze Musik zu weißer Musik im Prinzip so umzuwandeln oder so eine Mischung zwischen schwarzer und weißer Musik zu schaffen. Und das war wirklich neu und verrückt. Denn der Blues kommt ja eigentlich aus Afrika. Das war die afrikanische Volksmusik im Prinzip. Und als Sklaven dann in den Süden der USA verschleppt wurden, haben sich diese afrikanischen Sklaven getroffen mit den tschechischen Einwanderern, die diese Blasmusik hatten. Und daraus ist dann so langsam der Dixieland zusammengeschmolzen, diesen Posaunen und aber dem schwarzen Gesang, der auch in Kirchen dann weitergeführt wurde, entwickelt wurde. Dazu kam die irische und die deutsche Volksmusik, die sich dann ein bisschen zur Countrymusik abgespalten hat, weil es mehr von Weißen gespielt wurde, wie Bill Monroe oder so. Die wurde als Bluegrass bezeichnet und die Schwarzen sind dann abgebogen zum Boogie Woogie. Albert Ammons war einer der ersten Boogie-Woogie-Pianisten, der wiederum lustigerweise von Deutschen aufgenommen wurde im Blue Note Label in New York. Dann kamen Joe Turner, Little Witcher, Chuck Berry und die Stones sind aber zurück zu den Wurzeln gegangen. Die haben weiter unten angefangen, eben bei Marty Waters, Willie Dixon und Robert Johnson, die zum Teil in der Zeit schon fast vergessen waren und im Chicagoer Chess-Studio angefangen haben, Aufnahmen zu machen.

Und die Stones haben mich nicht erreicht, weil sie irgendwie neue Musik gemacht haben oder irgendwas verrückt gemacht haben, sondern weil sie, eine Attitüde ist jetzt ein blödes Wort, sie hatten so eine Ausdrucksart, die mich berührt hat, indem sie den Eindruck vermittelt haben, dass ihnen alles scheißegal ist. Dass sie nicht versucht haben, irgendwie lieb zu sein oder nett zu sein, wie eben die Beatles oder die Bands, die danach kamen, die Monkeys oder was weiß ich, sondern die haben mehr geguckt, als kotzt sie das alle total an, was sie da machen müssen, als wären sie so halb gezwungen.

Ich bin heute hier, damit wir eine der wichtigsten in meinen Augen Platten der Rolling Stones hören können, nämlich das Live-Album Love Your Life. Und ich werde dazu dann noch mehr erzählen. Wir hören erst mal die ganze Platte. Das wird jetzt die erste von vier Seiten des Albums Love for Life von den Rolling Stones und ich weiß nicht, ob Sie es gehört haben, der Sound war so wunderschön, weil das ist eine echte Platte, die wir hier haben, also ein echtes Doppelalbum und die muss jetzt umgedreht werden, deshalb ist jetzt keine Musik. Wir wollen aber die ganze Platte ziemlich im Zusammenhang hören. Sie müssen keine Angst haben, dass ich zu faul bin und dass das jetzt immer so ist. Ich will einfach einmal im Jahr in Ruhe eine ganze Doppelalbum-Platte spielen, weil man sich sonst im normalen Alltag nie die Zeit nimmt, mal ein richtiges Doppelalbum, sich von vorne bis hinten anzuhören. Wir können das jetzt machen und ich sag mal, viel Spaß bei der zweiten Seite.

Radio 1, die Sendung mit Flake. Herzlich willkommen zur zweiten Stunde. Heute hören wir Love Your Life. Ich hab immer Love Your Life gesagt, ist ja völlig falsch. Love You Life, ich lieb dich leben, würde ich mal so übersetzen. Habe ich es wirklich die ganze Zeit jetzt falsch gesagt, entschuldige mich mal dafür. Also, ein Doppel-Live-Album der Rolling Stones erschien im September 1977. Brain Jones war schon acht Jahre tot, also spielt da nicht mehr mit. Die Platte ist aufgenommen 1976 in Europa und ein Konzert 1977 in Toronto. Produziert wurde das Album von den Glimmer Twins. Was ich jetzt frage, wer das wohl sein könnte. Das sind nichts weiter als Mick Jagger und Keith Richard, die sich so selbstbewusst den Namen Glimmer Twins gegeben haben. Ich weiß nicht, wer sie da beraten hat. Auf jeden Fall sehr gut.

Die Titel sind aus verschiedenen Konzerten zusammengeschnitten. Das hört man kaum, weil sie später nochmal mit Overdubs und so bearbeitet wurden, ein bisschen gekürzt wurden. Da haben sie versucht, dass man nicht hört, dass es von verschiedenen Konzerten ist, obwohl in Toronto nur ein sehr, sehr kleiner Club war, wo auch weniger Publikum dann da ist, wo der Hall nicht so groß ist. Aber die haben die Aufnahmen so ein bisschen so angeglichen und die Qualität ist ziemlich rau. Also ich bin der Meinung, man hört sogar Verspieler und es ist klanglich sehr ungeschliffen, aber gerade das ist das, was ich so reizt von dieser Platte finde. Und es ist auch sehr interessant, dass Ron Wood die erste Tour mitspielt bei diesen Aufnahmen und er kennt die Titel noch gar nicht so gut, weil die Titel sind aus anderen Epochen. Ich sage noch zu jedem Einzelnen später was und die Titel sind aufgenommen, zum Teil noch mit Brian Jones und zum größten Teil mit Mick Taylor, der da aber schon nicht mehr live dabei war, sondern diesmal hat nur noch Ron Wood gespielt. Keith Richards war auch ein bisschen neben der Spur, weil er gerade bei diesen Konzerten verhaftet wurde, weil er Heroin bei sich hatte, was kein Wunder ist, weil er das ständig so brauchte, weil er das selber auch genommen hat. Und er ist verhaftet worden in Kanada, kurz vor oder kurz nach dem Konzert, ich glaube sogar kurz vorher und musste eine riesen Kaution zahlen, um die Tour weiterspielen zu können. Er hat dann letztendlich daraufhin dann nach auch einen Drogenentzug gemacht und der hielt wohl auch ein paar Jahre gut, ich weiß nicht genau wie weit.

Die Platte ist gut zu erkennen, da ist ein Gesicht drauf, die sich in die Hand beißt. Und wen wundert's, Andy Warhol selbst hat das Cover gestaltet. Damit ist es direkt ein Kunstwerk einzuordnen, wie die Bananenplatte von Velvet Underground, wo ich nicht mal weiß, wie die heißt. Für mich heißt die nur die Platte mit der Banane. Bei Love Your Life, da weiß ich, dass sie Love Your Life heißt. Ich würde sogar denken, das Gesicht soll das von Mick Jagger sein. Aber das bezeichne ich dann als künstlerische Freiheit. Bevor ich so viel sabbele, hören wir erstmal die Seiten 3 und 4 der Platte. Und dann sage ich noch, wie gesagt, zu jedem einzelnen Lied ein bisschen was. Weil die aus verschiedenen Zeiten und Epochen sind, was sehr interessant ist. Erstmal viel Spaß jetzt.

Die dritte Seite von Love Your Life und wir müssen die Platte jetzt richtig umdrehen. Das dauert jetzt echte Zeit. Ich finde sowas wunderschön. Ich finde es wahrscheinlich einfach gut, wenn man ein bisschen fremdbestimmt wird und nicht alles selbst entscheiden kann. Früher war für mich eine Plattenseite eine Maßeinheit, eine Zeiteinheit. Also wie Stunde, Minute, bis ich was noch im Tage oder so, war bei mir eine Plattenseite. Wenn ich früher krank war, also ich war oft krank, eigentlich immer, habe ich Dampfbäder gemacht. Man hat mir gesagt, das hilft. Und dann habe ich mich an den Tisch gesetzt mit einer riesen Schüssel mit heißem Wasser und Sanopin. Das gibt es wo immer noch, so ein scharfe Zeug. Immer ein paar Tropfen mehr, viel hilft viel. Dann ein Handtuch über den Kopf und dann habe ich versucht, eine Plattenseite so durchzuhalten. Den letzten Song, den konnte ich mir dann sparen. Komischerweise war auf manchen Platten der letzte Song auch nicht so gut, dass ich dann aufhören konnte. Und dann hatte ich immer genau eine Platte durch, musste ich nie auf die Uhr gucken, hatte schön mein Dampfbad gemacht und dabei in Ruhe eine Platte hören können von vorne bis hinten.

Ich finde das irgendwie gut, wenn die Platte so lang ist, wie sie ist und nicht, wenn man sich jetzt auf Spotify immer einen Titel runterholt und dann hört man mal da schnell rein und da schnell, sondern die Plattenseite ist so lang, wie eine Plattenseite ist. Und wenn man pinkeln will, kann man das jetzt zum Beispiel tun. Also hätte man jetzt schon vor 30 Sekunden so losgehen können oder so. Und wenn man zu spät kommt, dann kommt man eben zu spät. Das ist so wichtig im Leben, dass sich nicht die ganze Welt nach einem richtet, sondern dass man auch ein paar Sachen einfach beachten muss. Ich finde das auch blöde, wenn man sich den Tatort bei ARD Mediathek erst um 10 anguckt. Ja, ich habe es nicht eher geschafft, sagen dann viele. Aber früher war gerade das Schöne, als man ein Kind ins Bett gebracht hat und sich ein bisschen beeilt hat, damit man es zum Tatort schafft. Und noch spannender war es, wenn man die ersten zehn Minuten verpasst hat und ja nicht wusste, wer gestorben ist und dann den ganzen Film über Zeit hatte, rauszukriegen, was eigentlich passiert ist. Das ist dann oft viel spannender als der ganze Tatort selbst. Aber wenn man jetzt von der Platte ein Lied verpasst, verpasst man es eben, aber Coffee Cup hat jetzt lange genug gequatscht, dass man pinkeln konnte. Die Platte ist jedenfalls umgedreht und könnte weiterspielen mit der vierten Seite von Love You Life. Love You Life. Nicht immer.

Für alle, die durchgehalten haben, so schlimm war es ja noch nicht, geendet hat Jans die Geschichte mit Sympathie for the Devil. Das ist ein Lied, was mir sehr gut gefällt und in dieser Version fast noch mehr als auf der originalen Plattenversion, weil diese Drift nicht durchs Klavier gespielt wird, sondern durch eine Gitarre und weil dieses nervende Huhu, Huhu, Huhu, Huhu, hat man sich Jans schnell überhört, hat hier in der Live-Version so auch gefehlt. Er hat nur selber mal so ein Solo Huhu gemacht, Huhu, also anders akzentuiert. Und auch nicht so oft, nicht so penetrant. Das andere ist ja gesungen worden, ist gehuhuh, ist gehuhut worden von Merrin Fesvohl und Anita Pallenberg. Das basic aus diesem lustigen Film von Godard 1 plus 1. Godard ist ein Regisseur, den man kennen muss als Intellektueller. Ich kannte ihn nicht. Ich hab auch alle seine Filme nicht gesehen. Also hab alle nicht gesehen. Nicht alle gesehen, aber nicht alle nicht gesehen. Also 1 plus 1 hab ich gesehen. Wir sind ins Kino gegangen, ins Babylon. Ich habe nichts verstanden, hat mich auch nicht interessiert, was da so passiert ist. Also er war auch auf Englisch, glaube ich, oder Französisch, ich weiß gar nicht. Jedenfalls habe ich nichts verstanden, außer, dass ich die Stones sehen konnte, die da im Studio waren und versucht haben, den Titel Sympathie for the Devil aufzunehmen. Am Anfang haben sie auf Olds Gitarren so die drei Griffe so ein bisschen geschrubbt und versucht dazu zu singen und so. Dann kam eine Orgel dazu, eine Percussion. Insgesamt gab es acht oder zehn Versionen von dem Lied, wobei mir viele wirklich besser gefallen haben als die, die dann auf der Platte war. Aber die hat ja auch ihre Berechtigung, ist auch total spannend und gut. Und dieses Lied haben sie auch in Altermond gespielt, kurz bevor der eine da erstochen worden ist. Dadurch hat es auch noch eine schwerere Bedeutung bekommen, weil Sympathie for the Devil zu spielen, kurz bevor jemand ermordet wird, ist schon wieder eine spezielle Sache, woran die Band später auch sehr, also fast gescheitert wäre. Sie wussten überhaupt nicht, wie sie mit der Situation so umgehen sollten. Sie haben sich das später auf Video nochmal so angeguckt und Mick Jagger soll nur gesagt haben, tja, was sein berühmtestes Zitat ist.

Davor haben wir Jumping Jack Flash gehört, ein Lied, was ich musikalisch sehr weit fortgeschritten finde, weil die Gitarre spielt ein richtiges Gitarrenriff, fast ein Heavy-Metal-Riff, dieses D-D-D-D-D-D-D, das könnte auch genauso gut von ACDC sein. Oder umgekehrt, ACDC hat sich bei den Stones auch bedient. Also ACDC ist ja eigentlich auch eine Blues-Rock-Band im ursprünglichen Sinne. Und erst im Refrain wird es dann wieder so Rack'n'Roll-mäßig. Aber dieses Grundgriff ist sehr fortschrittlich. Jumpy Jack Flash ist so ein Begriff für einen ausgeflippten Typen, mehr oder weniger. Es gab mal so ein Text-Song-Übersetzungsbuch. Und da ist Jumping Jack Flash mit Flitzehandsblitz übersetzt worden. Und das fand ich so widerlich, dass ich danach dieses Lied auch nicht mehr gut fand.

Davor haben wir Brown Sugar gehört. Ich weiß nicht, ob damit das Heroin gemeint ist, weil dafür ist ja Brown Sugar so ein Synonym. Oder ob sie die schwarzen Frauen meint, zu denen sich insbesondere Mick Jagger sehr hingezogen gefühlt hat, wie er oft das auch in Interviews gesagt hätte. Das darf man jetzt alles nicht mehr geben, weil es sexistisch, rassistisch und alles drumherum ist. Aber damals, zu der Zeit, war das noch anscheinend normal, schon recht, wenn man Rock'n'Roll-Star ist. Just davon handelt das Lied davor wiederum. Das ist auch nicht Rock'n'Roll, but I like it. Ja, da muss man nur wirklich nichts dazu sagen. Das ist das, was das ist.

Das Lied davor, Around It Around, ist von Chuck Berry, der die Blues und die Rockmusik auch mehr beeinflusst hat als viele andere, weil er auch zur elektrischen Gitarre griff und aus dem Blues im Prinzip die Geschwindigkeit so angehoben hat, dass es Rock'n'Roll wurde. Und Keith Richard hat ja oft versucht, ihm nachzueifern. Es gibt auf YouTube eine wunderschöne Szene, wo die beiden zusammen Lied spielen wollen. Und Chuck Berry, Keith Richard, acht oder zehnmal unterbricht und sagt, du spielst das hier falsch. Und das Gesicht von Keith Richard wird immer länger, er wird immer saurer. Und er spielt das im Prinzip genau richtig. Aber Chuck Berry hat immer was zum Schimpfen oder so. Finde ich sehr lustig, die Szene. Ich verehre Chuck Berry auch extrem. Wenn man das so sagen kann, klingt das völlig krank.

Davor war Quacking Up, eine Reggae-Nummer. Keith Richard hat Reggae geliebt. Er war Jamaika und er mochte das abhängen. Vielleicht kam es auch vom Kiffen oder durch die Drogen. Er war absoluter Reggae-Fan. Und Start Me Up, das Lied, womit die Platte Tattoo You anfängt, wenn ich mich nicht völlig irre, war ursprünglich auch als Reggae gedacht. Und erst beim Abmixen ist daraus so eine Rocknummer geworden, wovon Keith Richards so gar nichts wusste. Und er dachte, das ist so ein schönes Reggae-Lied. Und dann war das so ein Rock. Und er war völlig entsetzt, als die Platte rauskam. Wahrscheinlich hat er sich beim Plattenprozess auch nicht so richtig gekümmert, wie das Lied gemischt wird oder so. Auf jeden Fall war er völlig enttäuscht, dass das keine so Reggae-Nummer war. Aber Start Me Up ist ja so auch nicht so schlecht geworden eigentlich.

Davor haben wir Manage Boy gehört. Das Lied, habe ich gedacht, ist von Muddy Waters. Weil Muddy Waters spielt das in The Band oder singt er das so gut. Er hat mit den Stones das auch oft zusammengesungen. Und als The Band kam, bin ich drei, vier, fünf Mal ins Kino gerannt. Und bei der Stelle, man, wenn er mal sein Manish Boy gesungen hat, sein Main. Da sind wir immer aufgestanden und haben mitgesungen. Muddy Waters war für mich der Größte. Und dieses Lied war für mich der Inbegriff für Muddy Waters. Er hat das Lied aber gar nicht gemacht, sondern Alice McDaniel und McKinley Morganfield. Es ist jedenfalls nicht von Muddy Waters, sollte aber sein.

Davor kommt You Can't Always Get What You Wanted. Das ist von Beggar's Banquet, das letzte Lied auf der Platte. Da ist es mit großem Frauenchor, Verdopplung hinten als riesiges Epos. Ich finde diese Version, die Live-Version, fast besser. You Gotta Move. Was davor kam, ist von Fred McDowell. Ich kenne den Komponisten nicht, das Lied kannte ich. Lustigerweise war in meiner ersten Band der Gitarrist, Er wollte dieses Lied nachspielen. Er hatte aber, da wir im Osten waren, keine Aufnahme von dem echten Lied. Er hatte das nur im Kopf oder im Ohr. Und dann hat er mir das Lied so vorgespielt, wie er das verstanden hat. Er hat immer, du, du, du, du. You got to move, you got to move, over the long, yeah, yeah, you got to move. Er sagte, das ist der ganze Text. Sag ich, das merkt sich ja toll. Aber da er nicht die Wechsel gemacht hat, sondern nur die Melodie gespielt hat, konnte ich mir nicht im geringsten vorstellen, wie das Lied gehen soll. Ich dachte, was ist denn das für ein Lied? Und man spielt immer nur dü-dü-dü-dü, dü-dü-dü-dü. Und es hat Jahre gedauert, bis ich das Lied das erste Mal so gehört habe von Stones. Und da habe ich gesagt, ach so geht das. Hätte er mir ja gleich sagen können. Die Band hat auch dann nicht stattgefunden, weil ich kein Instrument hatte und weil die dann in den Westen so abgehauen sind. Oder wie ist der Geier?

Fingerpoint-Pfeil ist ein Lied, wo Bill Wyman für mitgemacht hat. Er hat auch Synthesizer gespielt. Und das ist eigentlich das einzige richtige politische Lied, Stones. Es geht um die Verfolgung der Andersdenkenden in der Nixon-Ära. Das haben sie wohl doch ein bisschen so mitgekriegt und sie waren ja auch mit David Bowie befreundet, der hat in derselben Zeit das Lied 1984 gemacht, was sich auch damit auseinandersetzt. Davor kam Tumbling Dice, davor Star Star. Ich hab immer nur Star Star verstanden. Das hat wirklich Starfucker heißen, ich kann das kaum glauben. Hot Stuff war davor von meiner Lieblingsplatte Black and Blue, wo Mick Taylor und Harvey Mandel von Kenneth Heath Gitarre gespielt haben. Davor war Happy, ein Lied, was Keith Richards singt. Der hat auch Bass und Gitarre gespielt auf der Platte. If You Can't Walk Me and Get Off My Cloud war davor. Und das Anfang war Honky Tongue Woman, womit eine Frau gemeint ist in so einer Art Saloon. Jimmy Miller, der damalige Produzent, hat auch das mit der Kuhglocke erfunden. Und eigentlich beruht Lied auf einem ganz alten Lied von Hank Williams, womit wir wieder beim Blues wären, womit ich mich auch verabschieden will. Bleiben Sie beim Blues. Besser traurig als böse oder so, kann man das so sagen? Weiß ich nicht. Ich wünsche Ihnen jedenfalls einen schönen Abend.