Die Sendung February 2023
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When the mountain calls, Flake answers.
Transcript
Herzlich willkommen, ich hoffe, Ihnen geht es gut. Hier ist die Stimmung spitze, hier steppt der Bär, wird gesagt, der Bär ruft, der Berg ruft, der Berg ruft. So, jetzt haben wir es. Und damit habe ich das Thema verraten. Heute geht es um Berge. Und wir fangen gleich an mit dem Titel Mountain High, eine Quatsch, River Deep Mountain High. Das ist natürlich klar, wo ein Berg ist, ist auch ein Tal. Das ist wie Kimmel Young, ich meine Ying und Yang, aber jetzt spiele ich den Kimmel Song von Erik Börden. Erik Börden ist für mich der King unter den weißen Soul- und Blues-Stimmen. Ich bin jetzt nicht so der Fan-Fan, also Fan-Morrison-Fan. Und Mick Jagger, ja, kann man machen. Aber wenn der dagegen rumzappelt, kommt er mir eher vor wie der Ostsee-Kasper oder so. Und Fan-Morrison ist irgendwie da für mich mehr echt das Lied. Ich war von Field Specter im Chateau Marmot mit Tina Turner zusammen eingespielt, also ausgedacht und im Studio dann eingespielt, wo Mick Jagger auch wieder so rumgehampelt ist. Also will ich jetzt nicht abwertend sagen oder so, ist jetzt nicht wertend gemeint. Die sagen, das war eine riesen Party, als sie das so aufgenommen haben. Brian Wilsen war auch dabei und das Lied ist eigentlich für Tina Turner. Die Version war aber von Erik Börden.
Heute jetzt, wie wir gesehen haben oder gehört haben, um Berge. Reinhold Messner ist mal gefragt worden, warum er einfach sich die Mühe macht, auf die ganzen Berge so ruf zu klettern. Und er hat die geniale Antwort gegeben, weil sie da sind. Finde ich richtig gut. Und Laibach sehen das wohl genauso.
Laibach ist eine Stadt, also eine Band natürlich auch, aber auch eine Stadt. Ich war da. Ljubljana wird das doch ausgesprochen. Oder ist das schon wieder was anderes? Das weiß ich nicht. Aber wenn Laibach das ist, dann kenne ich das. Das sieht aus wie in Erfurt. Aber durch Laibach fließt die Ljubljana. In Erfurt nicht, ist ja klar. Durch Erfurt fließt die Gera. Sollte man denken, dass Gera doch eine extra Stadt ist und nicht durch Erfurt zu fließen hat. Durch Gera wiederum fließt die Elster, also die schwarze Elster in dem Fall. Und durch Schwarzer fließt aber die Schwarzer. Und die Schwarzer hat interessante Nebenflüsse, nämlich die Katze, die Lichte und die Sorbitz. Ich habe gedacht, das ist ein Witz, aber das ist kein Witz. Und witzig zu sein, haben wir auch versucht mit Feeling B, hat es auch nicht geklappt. Hier ist Gipfel.
Wir haben es nicht geschafft, weil das Lied handelt ja davon, dass man was nicht schafft, dass man nie auf den Gipfel kommt und trotzdem das sein Leben lang versucht oder so. Das ist eigentlich ein interessantes Lied. Wir haben das versucht sogar ins Englische zu übersetzen, um mehr Erfolg zu haben. Muss man mal sehen, wie das Schicksal so spielt. Erst hat man eine Band, die Deutsch singt, dann übersetzt man alles auf Englisch, dann hat man eine Band, die auf Englisch singt und übersetzt alles wieder ins Deutsche. Die Welt ist doch wirklich von Schwachsinn so übersät. Wir wussten ja auch nicht, wir waren ja mit Englischkenntnis nicht, ich muss nicht mehr von vorne anfangen. Wir haben uns das Lied übersetzen lassen von einer Amerikanerin. Bei uns hieß das Lied Gipfel oder Du wirst den Gipfel nie erreichen. Und sie hat es übersetzt mit Mountaintop. Da dachte ich, noch bekloppter geht es ja wohl nicht. Also das hätte ich auch noch selber übersetzen können. Du wirst den Gipfel nie erreichen, You will never read the mountaintop. Da dachte ich, da brauche ich keine Amerikanerin. Ein Top. Dann fiel mal ein Badeanzug, das heißt ja auch Top, das oben. Habe ich schon überlegt, ob da zwei Berge drunter sind, aber dann wird es wieder sexistisch und es ist ja auch nicht schlimm. Meine Tochter, die hat mir erklärt, dass eigentlich alle Lieder, die man so hört, tief sexistisch sind. Aber ich glaube, jetzt kommt ein Lied, was mal zur Abwechslung nicht sexistisch ist und wenn, habe ich es noch nicht mitgekriegt. Hier ist Everest.
Wieso? 400 knapp, also vielleicht sogar 25 Mal übereinander gestellt der Berliner Fernsehturm. Das muss man sich mal vorstellen und da kraxelt man dann hoch. Also das erste Stück fliegt man mit dem Flugzeug oder fährt man mit der Bahn ins Basislager, das ist ja schon nur 5000 Metern. Das weiß ich alles, seitdem ich John Krakauer gelesen habe. Das hat mir den Everest völlig entzaubert. Er hat ja auch sehr geschimpft über die Touristen, die um jeden Preis da hoch wollen und irgendwelche Grammophone mitschleppen und Sektflaschen, Beinamputierte, ich meine, ich habe nicht, aber er sagte, wieso muss ein Beinamputierter da auch auf Mount Everest auf dem Gipfel, das ist Todeszone, das ist für Menschen nicht gedacht, egal wie sie jetzt beschaffen sind. Und er hat erzählt, dass er da hochgegangen ist, da lagen wirklich die Leichen. Man läuft ständig an Leichen vorbei, da sollen mindestens noch 200 liegen, weil man die einfach nicht abholt, weil das Geld kostet und wenn was Geld kostet, erlischt meistens das Interesse von den meisten Menschen. Deshalb liegt auch der ganze Müll im Wald rum und alles, weil man einfach nicht dafür bezahlt wird, dass man den da rausräumt, aber man spart Geld, weil man den Müll nicht entsorgt, sondern in den Wald schmeißt. Das ist völlig krank, aber so ist die Welt. Und deshalb liegen, naja auch aus anderen Gründen, weil er die Kehner abholt, auf jeden Fall liegen da die Leichen rum und manche haben keine Schuhe mehr an oder so, was wirklich darauf hinweist, dass irgendein Bergsteiger vorbeigekommen ist und gesagt hat,
Ihm jetzt nicht unterstellen, aber irgendwie bin ich bei so den Leuten immer so misstrauisch. Es muss ja auch einen Grund geben, weshalb die Band das Lied über den gemacht hat oder so. Deshalb kommen wir jetzt lieber zu richtig seriösem Bluesrock. Apropos Blue, Bluesrock, Blueberry Hill, da haben wir doch schon wieder den Zusammenhang geschaffen. Wer Blueberry Hill hört, denkt normalerweise, wie ich, an Fetzdomino.
So Schichten wie Nebel, Dunst und die Berge in der Entfernung wirken blau. Und deshalb spricht man von den blauen Bergen, weshalb er jetzt Fetz Domino da die Bären mit drin gebracht hat, das weiß ich nicht. Also die Bären, nicht die Bären, nicht die Bären, aber eigentlich sind es die blauen Berge und das kenne ich auch als Kind noch. Ob das dasselbe ist, wie wir im Ferienlager gesungen haben, ich weiß es nicht.
Der Text, der jetzt ein bisschen holprig klang und wir reiten auch auf einem Tier und so, liegt daran, dass die aus den Niederlanden kommen. Das waren Goldie und Peter de Vries. Da hört man es am Namen schon, dass es so Niederländer sind. Jetzt kommt die Überraschung des Duo. Goldi und Peter Fries besteht aus Goldi, Gesang, und Peter de Fries, Gesang und Akkordeon. Und man hört da auch diese 40er, 50er Jahre Sehnsucht nach dem wilden Westen, nach der großen weiten Welt, die Deutschland und die Niederlande ergriffen hat. Warum die Niederländer jetzt ein deutsches Lied gemacht haben, weiß ich nicht, aber es war auf jeden Fall in Deutschland sehr erfolgreich.
Ob das nächste Lied erfolgreich war, weiß ich nicht, weil ich es nicht kenne. Es heißt Mountain Dew, es Mountain Berg heißt, habe ich inzwischen schon rausgekriegt. Und Dew heißt Tau, also Morgentau. Mir kam das bekannt vor, weil ich das getrunken habe. Ich wusste nicht, was das ist. Eigentlich heißt es sowas wie selbstgebrannter Schnaps oder so. Aber es gibt auch Mountain Dew direkt als Limonade von Pepsi oder so. Und die gibt es sogar in Deutschland. Und jetzt kommt es in der Geschmackrichtung Mountain Dew.
Das waren die Stanley Wathas und wenn wir schon Bluegrass hören, sollten wir auch gleich den Vater des Bluegrass spielen. Der hat natürlich auch ein Lied mit Bergen gemacht, Blue Witch Mountain Blues.
Die nächste Band kenne ich nicht. Ich muss mir ab und an ein paar Überraschungen raussuchen, damit ich selber nicht einschlafe. So schlimm ist es nicht. Over the Lonely Mountain, also mit Bergen hat es schon mal zu tun. Und die Band heißt… Es gibt so viele Parallelseer. Ich habe natürlich bis jetzt gedacht, die heißen James Addiction. Also er heißt James und er heißt eben James Addiction. Ich stand auch mal mit Bettina Rust beim Echo und da kamen noch Leute an und ich wollte sie vorstellen. Und die haben gesagt, hallo, hallo, das ist der und der. Und das ist hörbar, weil ich dachte, hörbar. Also ich hatte nur hörbar Rust immer. Ich wollte nicht sagen, das ist Frau Rust oder so. Und ich dachte, ich stelle sie mit Vornamen vor. Ich habe gesagt, das ist hörbar und das klang wie Herbert oder so. Das war überhaupt ein Schlimmes, weil mir ihr Vorname nicht einfiel. Und weil ich dieses Hörbar-Rust so im Kopf hatte. Und genauso ging es mir eben mit James‘ Addiction. Ich habe ihn danach mal getroffen. Er hieß natürlich nicht James, aber es war auch nicht mehr derselbe Sänger, wie der, der da war, als ich die so kennengelernt habe. Insofern hätte das auch gar nicht sein können. Das ist alles ein Unsinn. Mountain Song, was sonst?
Sind ja schön und gut, aber gesungen hat, das hören wir jetzt und zwar sogar von Gotthilf Fischer und den Fischerkören. Mehr geht nicht. Was sich jetzt vor diesem Lied in der Sendung mit Bergen zu tun hat, das liegt ganz einfach an dem Video. Zu diesem Lied gibt es ein Video, wie die Band auf dem Berg steigt und zusammenbleibt und einer verletzt sich beim Absturz, wird trotzdem mit hochgezerrt und stirbt. Oben ist es völlig dramatisch, geht mir sehr ans Herz. Und auf dieses Video hin bekam die Band Post von einer anderen Band, die Naked Lunch hieß. Und die haben sich beschwert, die haben gesagt, das Video ist erstens geklaut von ihnen. Sie haben das echte Berg-Video gemacht, weil Naked Lunch war Mountain. Und die, die das gemacht haben, haben sich die Jever Mountain Boys genannt. Im Kopf der Gruppe war Alexander Hacke, bekannt von den einstürzenden Neubauten und auch bekannt als Ehemann von Merit Becker, jedenfalls zeitweise. Ich habe beide zusammen gesehen auf dem Tachleshof, als wir uns da 19 so rumgetrieben haben. Da haben sie so ein Theaterstück mit aufgeführt über den Narayama. Das ist der Berg in Japan, auf den man geht, wenn man merkt, es ist Zeit zum Sterben. Dann läuft man da hoch und stirbt dann da. Dann wird es sein wie auf dem Mount Everest, dass man da auch liegen bleibt oder so. Das weiß ich nicht, wie hoch der ist. Und ich fand die Idee faszinierend, dass man im Prinzip selber entscheidet, es ist Zeit zu gehen. Also in dem Theaterstück war es natürlich so, dass die Großmutter noch nicht der Meinung war, dass es Zeit ist, aber die ganzen Verwandten oder so gesagt haben, kannst du mir jetzt langsam mal losgehen? Und sie ist zurückgekommen oder ich weiß gar nicht, was das war. Und das wäre jetzt so, als würde ich jetzt mit dem Krematorium, ach Quatsch, als würde ich selber mit dem Auto zum Krematorium fahren. Das macht man ja eigentlich nicht. Man hofft ja immer, dass das noch irgendwie ein bisschen weiter geht oder so. Aber die Idee, den Todeszeitpunkt selbst zu bestimmen, finde ich erstmal gut und richtig. Aber wenn es dann doch soweit wäre, würde man dann bestimmt sagen, okay, jetzt doch noch nicht, ich warte mal, ich trete mal noch ein Stück zurück oder so. Manchmal träum ich, dass das Leben wie in einer Sanduhr so abläuft und irgendwann ist die Sanduhr dann ausgelaufen und ist eigentlich Schluss. Und dann sage ich, ja scheiße, jetzt wäre ja eigentlich die Zeit um, man kann es nicht mehr machen, aber dann versucht man irgendwie, im Traum merkt man dann, aha, ich lebe ja noch weiter, ist ja total geil, weil also wenn man im Traum
Jetzt kommt Moby, der ist mir zum ersten Mal aufgefallen mit dem Lied I feel so real. Das war so ein normales, sag ich mal, so ein Technolied. Und da kam unten so ein Bass von unten hoch, den ich nie gehört habe, weil ich immer die Bässe nicht höre. Ich mag immer, ich hab immer mit dem Küchenradio oder so. Ich bin jetzt so ein Bassfreak und bei der Band, aber die hören die Musik ja eher laut und da kam auf jeden Fall so ein Wuh und ich dachte, der Nachbar bohrt oder so, da kam mal so ein komisches Geräusch, denke ich, irgendwie kriege ich Herzbeschwerden oder so, Wuh, da ist immer so komisch geworden, bis ich gemerkt habe, das ist in der Musik drin und sowas finde ich ja total gut, wenn man da so Tricks einbaut, dass es einem so komisch geht. Und dann kam die komische Platte raus, Mobi, ich weiß ja nicht wie die heißt, und die hat unser Gitarrist Richard immer so gerne gehört und wir waren zu der Zeit gerade in Heiligendamm, um die Vorproduktion zur Mutter zu machen und er hatte das Zimmer mit einer riesen Musikanlage, also er hat die sich selbst so mitgenommen und wenn er morgens aufgestanden ist, hat er ganz laut die Mobi-Platte so angemacht und das Duschen gegangen und dann hat man im ganzen Haus, also ich bin im Prinzip aus dem Bett gefallen, weil Mobi kam und er war dann duschen, damit eben die ganze Band merkt, er ist jetzt wach und jetzt kann es losgehen und er ist da und so. Und später auf der Platte, das war ja damals eine CD, kam
Ich bin seit paar Jahren befreundet mit dem Svenny, der auf Radio 1 die Sendung Schöne Töne macht und in meiner maßlosen Arroganz habe ich gedacht, ich kann ihm immer neue Musik vorspielen, um ihn zu überraschen, weil er in Dresden wohnt und ich in Berlin. Da habe ich gedacht, ich bin hier in einer heißen Quelle und hole das ganze verrückte Zeug raus durch meine Freunde und so und kann ihn dann beeindrucken. Und er freut sich dann total, wenn ich ihm was Neues vorspiele. Also ich habe ihm, der noch nicht meine Errungenschaft ist, die Weiz Treibs mal vorspielt früher, als er die noch nicht so auf dem Schirm hatte und das fand er halt total gut und so. Und je mehr ich gesucht habe, umso weniger habe ich gefunden, weil er kennt natürlich sich hundertmal besser in der Musik aus als ich. Nur einmal habe ich es noch geschafft, was jetzt nicht Everlast, was ich im ersten Moment vermutet hatte, sondern Avi Kaplan, weiß ich nicht, wo die herkommen, muss ich mich mal erkundigen. The Summit natürlich der Titel und jetzt kommen wir zu I’m a Mountain, I’m the Mountain, einem anderen Kino gemacht und letzten Tag in München und einen Tag davor in L.E. oder so und das war so höchst professionell, dass man sagt, egal was die Amis für Filme machen, die Filmpremieren haben sie einfach drauf und allen voran, Wayne Johnson mit seinem so perfekten Grinsen, dass man einfach nur sagen kann, die Szene sind doch auf keinen Fall echt, sind nur ein paar in Wirklichkeit, werden da, ich versuche irgendwie wieder auf Berg zu kommen, irgendwelche ich wollte jetzt nicht hier Felsspitzen, irgendwelche Klippen im Mund, sag ich mal so wie bei mir so aussah nach ein paar Jahren so Musik und Angst vom Zahnarzt mit der Ausrede ich kann nicht, ich bin ja auf Tour hab ich auch den Rock im Mund. Rock im Mund klingt auch schon wieder gut, ich spiel das mal das Lied und das ist jetzt mal richtig lang, nicht weil ich faul bin sondern erstens als Reminiscenz an Anja Kaspari mit ihren langen Rillen zum Stillen. Ich weiß nicht, wer heutzutage noch stillt, aber wer das auch immer machen will, jetzt ist der Zeitpunkt.
Ich kann mir vorstellen, wie viel Spaß das gemacht haben muss, dieses Lied zu spielen. Wenn man so sitzt und sagt, komm, lass uns noch den Teil versuchen. Ja, ja, und jetzt nochmal die Gitarre. Ja, ja. Und dann ist das Lied fertig und dann sitzt man da und macht so: Alter. Ey, Alter, was war denn das? Ey, so ein Machwerk. Ey, das bringt raus. Bist du verrückt? So lang? Ja, ist das scheiße. Ja, los, lass uns raus. Also, ich spüre Spaß. Schlimm, schlimm. Und da muss man nicht Stones sein, wie Stone Jesus im Bandnamen verrät. Um so eine Musik zu machen, muss man auch relativ nüchtern und klar bei Verstand sein. Das ist einfach ein Vorurteil, dass man sich einfach zukiffen kann und dann irgendwelche geilen Songs aufnimmt. Das funktioniert nicht. Habe ich selber mal nicht probiert.
Die Erde ist rund und vom Weltall aus gesehen im Prinzip ziemlich glatt. Also es ist eine Kugel und auf der Kugel rennen Menschen rum. Menschen sind gewohnt auf Flächen zu leben. Die können nach links gucken, nach rechts gucken, nach vorne und schwer verständlich uns zu verarbeiten. Und meine Erlebnisse am Berg sind eigentlich alle auch traumatisch. Es fängt immer ganz harmlos an. Wir sind mit der Band in der Schweiz auf Tour gewesen, unterwegs gewesen, hatten Tag frei und dachten, wir machen was Schönes. Wir haben den Bus gestoppt an so einer Bergstation und sind mit der Seilbahn hochgefahren. Ich fahre gern mit der Bahn, mit der Eisenbahn, wie ist ich alles. Aber die Seilbahn, also außer dass die an so einem dünnen Faden hängt, geht die auch mehr hoch als weit. Und man guckt so und da hat sie dieses Schräge und auf einmal kann man, wenn man hinten rausguckt aus der Gondel, hat man so einen Höhenunterschied von ein paar hundert Metern, da wird mir schlecht, da kriege ich Angst, obwohl es natürlich nicht gefährlich ist oder so. Und ich hatte in dieser Zeit sowieso so eine Angstphase, ich hatte im Prinzip vor allem Angst, was auch durch Alkoholgebrauch begünstigt wurde und zu wenig Schlaf und weiß ich was allem. Jedenfalls habe ich gesagt, okay, Seilbahn schön und gut, aber runter fahre ich nicht mehr. Also runter ist ja dann noch schlimmer. Wenn es dann so runter sackt und man guckt dann so nach vorne und fährt so ins Nichts, dann fuhr man sogar noch über die Wolken. Da wurde das völlig irre, also im Ernst. Also man durchstößt dieses Wolkendach und guckt von oben rauf. Das sieht dann aus wie im Flugzeug. Man hat völlig die Welt verlassen, guckt von oben auf die Wolken. Das sieht aus wie Feder, Bett, Wäsche, Weiße. Und das ist völlig irre. Da habe ich gedacht, naja, gut, ich laufe halt runter, ich laufe ja gerne. Haben wir gesagt, in vier Stunden so treffen wir uns am Bus, die Band ist Skifahren gegangen, haben sich Skier geborgt und sind da rumgeballert. Und ich dachte, ich gehe einfach den Wanderweg runter. Das war einfach der Nachbarberg und der war genauso hoch und da fiel das Gefälle erst an, weil die Seilbahn, die ist ja irgendwie mehr als tausend Meter Höhenunterschied gefahren. Wir vergegenständlichen uns das wieder mit dem Fernsehturm. Also ich musste so viermal den Fernsehturm runterlaufen und hatte einmal geschafft und dachte, ich bin unten, aber da fing es erst an. Und je näher, je weiter ich vom Schneegebiet und Skigebiet und den Wiesen oben runterkam, umso steiler wurde es. Dann kamen dann irgendwelche schmalen Serpentinen und ich bin gelaufen und gelaufen, noch eine Stunde und noch eine Stunde, dämmerte schon, wurde dunkel. Und dann kam über den Weg, über den ich gehen wollte, im Prinzip so ein Eisgletscher. Rechts hunderte Meter runter gefühlt, links hunderte Meter hoch senkrecht. Der Weg ging noch schräg runter im 45-Grad-Winkel und das alles war vereist. Eine wiesende Schlittschuhbahn. Habe ich einen Fuß raufgesetzt, ist der Fuß mir weggerutscht. Ich bin hingefallen, saß auf dem Po und konnte nicht vor, nicht zurück. Da saß ich erstmal da und habe geweint und dachte, das war jetzt die scheiß Wanderung. Ich könnte jetzt wieder fünf Stunden nach oben laufen, dann hat die Seilbahnstation geschlossen oder ich kann einfach sitzen bleiben, hoffentlich mal gefunden werden. Damals gab es noch keine Handys. Oder ja, was mache ich? Ich hatte ja nicht mal Streichhölzer mit oder so, obwohl so Streichhölzer hatte ich vielleicht, aber was hätte ich denn machen sollen, außer eine Zigarette zu rauchen? Ich hätte ja den Wald nicht anzünden können, damit man mich findet oder so. Und dann saß ich so da und hab gedacht, ah, wieder mal der alte Fall. Hoffnungslos, übernommen, überschätzt, nicht nachgedacht. Was gut ist denn, wenn jemand gestorben ist, da sagt man eigentlich nicht, er ist über den Berg. Das sagt man nur, wenn es ihm wieder besser geht. Also ich hoffe, Ihnen geht es gut, besser, Berg. Oh nee, ich schäme mich, wie gesagt, tschüss.