Die Sendung September 2019
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Flake talks about music about music.
Transcript
Radio 1, Flake, des Tastenfickers-Podcast.
Herzlich willkommen. Heute jetzt um Musik. Und da fällt mir erst mal gar nichts ein, weil über Musik zu sprechen ist wie über Architektur zu tanzen. Ein ziemlich schwieriger Spruch, das ist genauso lustig wie, lebe nicht deine Träume, sondern träume dein Leben. Oder umgekehrt. Oder die Realität ist nur was für Leute, die mit Drogen nicht zurechtkommen. Ich habe ja mal so lustige Sprüche, die man sich so oft gesagt hat. Und wer die kannte, der war cool. Und wer nicht, der hat gelacht. Jedenfalls ist es schwer, über Musik zu sprechen, weil man weiß nicht wirklich, was Musik ist. Aber heute geht es um Musik und das erste Lied heißt doch so. Lied hört, müsste man ja davon ausgehen, dass es eigentlich Musik ist. Deshalb bräuchte man es nicht, Musik zu nennen. Oder Music, wird es ja ausgesprochen. Es ist ein bisschen so, als ob man jetzt ein Buch schreibt und nennt es Buch. Und dann denkt man, ja klar, es ist ein Buch. Ich seht ja, genauso erkennt man bei Musik, dass es auch Musik ist. Aber Madonna wird sich schon was dabei gedacht haben, als sie das so genannt hat. Madonna ist ja die einzige Madonna, die auch singen kann, die ich kenne. Die heißt natürlich auch nicht Madonna. Die heißt in Wirklichkeit irgendwas mit Cicerone. Da würde man gedacht haben, dass das jetzt so eine italienische Nachspeise ist. So eine Antipasti. Quatsch, Antipasti ist Vorspeise. Also eine Anti-Antipasti. Oder nur Pasti. Ich weiß ja nicht, ist Pasta nicht Nudeln? Weil das dann Antipasti ist ja dann die Gegennudel. Und wenn Pasta Nudel ist, was sagen die dann zu Zahnpasta? Dann auch Nudel oder was? Keine Ahnung.
Man ist das gut und alle nur so yeah. Ich mach auch yeah. Das war ein Deichkind, unverkennbar. Und die machen in diesem Lied ja eigentlich Werbung für sich selber. Das find ich total gut, weil die ganz klar singen, dass sie gute Musik machen. Dann brauchen sie eigentlich die Musik dann ja nicht mehr zu machen, weil das ist ja dann schon das Lied dafür. Das ist richtig gut, also ich ziehe da den Hut davor, obwohl man eigentlich dieses Lied gar nicht auf die Platte machen dürfte, sondern nur einfach so davor und dann müsste die Platte kommen. Aber die haben einfach das als Teil des Ganzen genommen. Ist eine Sache, die man machen kann. Wir sind auch schon mal in die Falle getappt. Aber das gibt auch eine Art, wie man sich ernsthafter mit dem, was man macht, auseinandersetzt. Und das macht hier Manfred Mauchenbrecher.
Ich habe das Lied so verstanden, Maurenbrecher ist Musiker, Berufsmusiker, ist er ja schon lange. Um Musik zu machen, muss er Eindrücke aufnehmen aus der Welt, sich mit anderen Menschen auseinandersetzen und irgendwas erleben. Und das braucht er ja, um seine Musik zu machen, deshalb bezeichnet er das als Arbeit. Egal, was er macht, ob er früh aufsteht, ob er mit der Freundin streitet oder so, ist für ihn Arbeit. Ich habe, als ich das Lied gehört hatte, habe ich mal zwei Wochen lang auch immer gesagt, das ist Arbeit, wenn ich mir die Zähne geputzt habe oder wenn ich mich entspanne, ist ja dann auch Arbeit eigentlich, weil das gehört ja dann auch dazu, wenn ich gut arbeiten will, muss ich mich ja auch gut entspannen, damit ich körperlich fit bin oder gesund. Also ist eigentlich, wenn ich abends ins Bett gehe und schlafe, ist Arbeit, weil das brauche ich ja. Das ist im Prinzip so, wie ich ihn verstanden habe, aber ich teile die Meinung nicht unbedingt. Für mich ist ja schon das Musikmachen keine Arbeit und erst recht nicht die Sachen, die ich machen muss, um Musik zu machen. Oder mein ganzes Leben ist keine Arbeit. Ich sehe mein Leben eher als was Lockeret wie Musik.
Eine Art Rundgesang oder Ringgesang, was davon handelt, wie schwierig es ist, Musik zu machen oder dass die Mama was dagegen hat, dass die Jungs in der Wohnung Musik machen, obwohl Mädchen war auch dabei. Und da war eben der Kea-Reim, wie man früher sagte, der Refrain, Mama don't allow that the Skiffles playing here oder that music playing here. Das heißt, die Mama will natürlich nicht, dass da eine Skiffle-Band spielt. Skiffle war so ein Mitteling zwischen Dixieland und Anfang Rockabilly, wo man auf selbstgebauten Instrumenten gespielt hat. Da gab es den Kastenbass, weil es einfach eine Holzkiste war mit einer Stange drin und ein gespannter Draht dazwischen. Und wenn man am Griff an diesem langen Holzstock gezogen hat, spannte sich natürlich die Seite und der Ton ging nach oben. Und das waren die Skiffle-Bands und in jeder Strophe wurde dann das Instrument aufgezählt und dann spielte als Solo im Prinzip das Instrument, was erwähnt wurde, falls man das nicht mitgekriegt hat. Das war Doc Watson. Der hieß natürlich nicht Doc, weil die wenigsten Menschen werden geboren und heißen Doc. Sondern der hatte mal ein Konzert im Möbelhaus, was für manche Bands die letzte oder erste Chance ist, überhaupt live aufzutreten. Und da gab es eine Radioübertragung, ich weiß auch nicht, wieso es Radioübertragungen aus dem Möbelhaus gab, aber das war so in North Carolina. Und der Radiomotorator konnte einfach den Namen Arthel nicht aussprechen und nannte ihn Doc Watson, weil in der Zeit war Sherlock Holmes recht beliebt und da heißt der Doktor ja auch Watson. Also Watson heißt Doc.
Das war Ilse Werner. Und raten Sie mal, ob Ilse Werner auch wirklich Ilse Werner hieß. Nein, hieß sie nicht. Sie hieß irgendwie Ilse Charlotte Still und wurde auf Java geboren. Ich dachte, das war so ein Motorrad aus Tschechien, aber das scheint auch eine Inselgruppe in den niederländischen Antillen oder Indien zu sein. Und ihre Eltern waren Plantagenbesitzer, die Pleite gemacht haben. Und dann zogen sie völlig verarmt 1931 zurück nach Frankfurt am Main und ging an eine deutsche Schule und hat sich ab da dann Ilse Werner genannt. Weil, ja, sie hat dann, fragen mich nicht warum. Man hat sie schon mal gehört, bei einer Sendung von mir, lobe ich vielleicht, weil bei den Ärzten hat sie gefiffen, bei Ohne dich und sie hat ja eben auch gefiffen, das war sie auch selber und mit Max Rabe hat sie auch schon was zusammen gemacht. Und der Text spricht absolut für sich, sie sagt einfach, warum sie Musik macht und wie schön es ist, Musik zu machen. Ich finde es immer wieder gut, wenn man so was extra singt, weil eigentlich merkt man das ja auch von selbst. Also man kann es aber auch singen und sagen, weil das klingt sehr schön, besonders wie man jetzt hört bei Marika Röck.
Chuck Berry darf das natürlich, weil er hat die Rock'n'Roll-Musik faktisch erfunden. Er ist der Vater des schwarzen Rock'n'Rolls. Und wenn er von Rack'n'Roll Musik singt, finde ich das total okay, weil die Welt, die kannte das zu der Zeit ja noch gar nicht. Bill Heli war vielleicht der Erste mit Rack around the clack, aber das war ja nur Rack und nicht Rack'n'Roll. Also da fehlt das Rollen. Und Chuck Berry hat das wirklich begründet mit seinen Liedern, mit Maybelline. Und ich finde das total gut, dass der den Leuten erstmal erklärt ist, die dazu auch tanzen können. Und das ist jetzt der Rack'n'Roll, den er spielt. Die Idee haben sich dann viele gleich aufgenommen. Und die Stones haben das sogar noch so reflektiert, dass sie gesagt haben, es ist halt nur Rock'n'Roll, aber ich mag's. Das Lied ist wirklich von der Platte It's Only Rock'n'Roll, die kannte ich gar nicht. Ich kannte das Lied von einem Sampler, wie man das jetzt so nennt, das hieß Made in the Shade. Das hat mein Bruder mal aus dem Intershop gekriegt, fragt mich nicht, wo der das Geld her hatte. Das war eine hässliche Platte, muss man mal sagen. Ich bin großer Stones-Fan, aber da liegt so ein Mann ohne Kopf auf dem Liegestuhl und hinten war eine Pyramide oder so, der hat so einen Drink in der Lehne. Ich dachte, das soll jetzt die Stones sein mit so einem Dreckscover. Ich wusste ja nicht, was das soll, aber das war halt so ein Zusammenschnitt aus mehreren Titeln. Und das Lied kannte ich an sich schon eher, und zwar von einer Nachspielband. Das war Pardon. Als wir mit Feeling B früher gespielt haben, hatten wir noch keine Einstufung, keine Spielerlaubnis und mussten mit anderen Bands mitfahren. Und Pardon war eine Band, die so aktuelle Hits nachgespielt hat, wobei sie kein Problem hatte, ideal die Stones und Bub hintereinander zu spielen oder so. Und das war eben ihre Cover-Version von den Stones, die hatten auch noch diese Tumbling Dice, wo ich selbst noch nicht weiß, was das heißt, und eben It's Only Rock'n'Roll. Und der Keyboarder hat mitgespielt auf einer Winston-Orgel. Und ich musste mich mit dem gut stellen, weil ich wollte ja später selber dann mit seiner Orgel spielen, weil ich konnte meine schwere Weltmeister-Orgel nicht immer zum Konzert mitnehmen. Wir sind ja mit der Eisenbahn einfach den Bands so hinterhergefahren. Und ich habe den immer gefragt, darf ich auf deiner Orgel spielen? Und er so, nee, ja, nee, wisst ihr, meine gute Winston-Orgel aus England. Und ich will nicht immer, dass da jemand drauf spielt. Und dann bin ich mit ihm auf die Bühne gegangen und habe mir die Orgel angeguckt. Und da war das Original-Meine-Weltmeister-Orgel, die schwarz gestrichen war. Und irgendein Spaßvogel hat da Winston so draufgeschrieben. Und der denkt wahrscheinlich bis jetzt noch, dass er eine gute Winston-Orgel hat. Ich hab's ihm besser so nicht gesagt, damit er nicht wütend ist und mich so trotzdem drauf spielen lässt. So viel zum Rackenroll.
Johann Jett hat auch gesagt, I love Rackenroll. Und sie hat einen kleinen Trick in das Lied eingebaut. Immer wenn man denkt, dieses Achtakteschema wird zu Ende gespielt, hackt sie vom letzten Takt zwei Viertel ab. Und dann kommt gleich wieder Ei, la, fragt. Also das Ei kommt immer zu früh und hackt den Rest weg. Und dadurch bekommt das Lied so eine Dringlichkeit. Da fällt man immer in so ein Loch rein und überholt im Prinzip das Lied. Weil das eigentliche Lied müsste vom Takt-Schema her länger sein und weiterlaufen. Und man fährt da so rechts dran vorbei. Und wenn Sie mal drauf hören im Refrain, dann merken Sie, dass Sie da diesen Trick gemacht haben, um den Rackenroll richtig geil zu machen. Letzte Refrain war es jetzt, davor hat es das noch ordentlich gemacht, aber man hat gemerkt, dadurch zieht das Lied so ein bisschen an und das ist der Rackenroll und wenn Leute über den Punk singen, denke ich, dass das inhaltlich alles genau dasselbe ist, ob nun Rackenroll oder Punk, früher war es Swing, in 20er Jahren sind die beim Swing so durchgedreht, dass die gedacht haben, die sind wahnsinnig geworden, als sind das Epileptiker oder so und als dann Rackenroll war, da haben sie gesagt, naja, da haben sie ganz sanft getanzt und als die Punks kamen, die sagen, ihr Rackenroller, das war da ja nischt, bei uns wird alle zerkloppt und so. Inhaltlich ist alle gleich. Ich glaube, nur die Zeit hat sich geändert. Anscheinend sehr wichtig zu sein, alle zu verneinen. Die sagen ja, no future. Also Hauptsache nicht God save the Queen. Okay, da ist keine Verneinung drin. Aber auf jeden Fall bei Pill, wenn Johnny Rotten singt, this is not a love song. Er konnte sich nicht vorstellen zu singen, this is a love song, weil der Gag ist, es ist ein love song für seine Frau, die aus Deutschland kommt und er ist mit ihr immer noch zusammen, also hat das Lied anscheinend auch was genutzt. So sieht das aus, wenn Punk ein Liebeslied macht und als nächstes hören wir, wie das ist, wenn Ameisen für Menschen Musik machen oder Menschen für Ameisen.
Das wird mir jetzt nicht ganz klar. In meinem geistigen Auge habe ich jetzt diese Blattschneider Ameisen in Grüppchen schnell über die Straße sehen laufen mit ihren Blättchen so auf dem Rücken. Ich habe die wirklich gesehen, ich dachte, das ist ein totaler Witz, dass es die gibt, aber die gibt es wirklich. Ich war irgendwie in Argentinien und habe mich wohl mal hingehockt, weil ich Durchfall hatte oder so auf der Straße und da habe ich gesehen, dass die wirklich größere Blätter tragen als ihr Körper. Also ich würde mal sagen, das Blatt war zehnmal so groß wie der Körper, den die hatten und ich weiß nicht, mit welchen Beinen die die auf dem Rücken festgehalten haben, weil eine Ameise hat meiner Meinung nach sechs Beine und ich denke mal, sie haben vier zum Laufen genommen und zwei, um das Blatt festzuhalten oder sie haben es im Mund gehabt und haben den Kopf so schräg nach hinten gehalten. Das muss ich nochmal genauer so beobachten, wie ich da bin. Ich habe es nur gesehen, dass es wirklich auch funktioniert. Die tragen eine nach dem anderen die Blätter von A nach B. Nach der Ameisenmusik von Adam and the End kommt die Fahrstuhlmusik, Elevator Music von Beck.
Beck ist ein interessanter Künstler, der angefangen hat wie viele, in dem man sein Wohnzimmer gesessen hat oder Kinderzimmer in dem Fall. Ich weiß gar nicht, wer noch Wohnzimmer braucht, weil eigentlich wann sitzt man im Wohnzimmer? Ich bin nie im Wohnzimmer, ich bin in der Küche, da esse ich, wenn Gäste kommen, bin ich in der Küche und sonst bin ich im Bett. Ja, vielleicht fühle ich auch kein normales Familienleben. Jedenfalls hat er in seinem Zimmer gesessen und Kassetten aufgenommen und dabei ist er auch auf diesen Titel gekommen. Er ist beeinflusst von seinem Großvater, der lebte in Köln, in Deutschland. Also ich weiß nicht, ob es noch in Köln gibt, ihr kennt euch das in Deutschland. Jedenfalls ist er da öfter mal hingefahren und sein Großvater war Fluxuskünstler, hieß L. Hansen. Und der hat ihm ganz viel über Kunst beigebracht, was Beck später auch benutzt hat und was ihn inspiriert hat und was ihn beeinflusst hat. Und Beck zog dann 1989 nach New York und hat dort, hier steht vergeblich, sich in der von Punk beeinflussten Szene versucht, einen Namen zu machen. Ich habe lange überlegt, was Fluxus bedeutet, für mich kleines wie ein Staubsauger oder so, aber das kommt natürlich aus dem Lateinischen von fließen, fließen, vergehen und ist eine Kunstrichtung aus den 60er Jahren, wo es nicht auf das Kunstwerk ankommt, sondern nur auf die schöpferische Idee und wie das eben so fließt und entsteht. Und das ist im Prinzip eine Fortführung des Dadaismus, weil beim Dadaismus war ja auch das Kunstwerk, das Bild an sich gar nicht existent, aber irgendjemand hat eine Stunde auf Tonband Vogelswitschern aufgenommen oder irgend so was oder dieses Gedicht Fisches Nachtgesang von Ringelnatz würde ich als Dadaistisch einordnen. Ich kann es jetzt leider nicht wiedergeben, weil ich kein Fisch bin. Und da zählt eben die geile Idee, die sind Verrückte da dran, dass man irgendwas macht, was es noch nicht gab, ohne dass es jetzt ein Kunstwerk gibt, was man angucken kann. Das hat was Avantgardistisches, ist natürlich völlig klar. Und zu den Mitbestreitern zählten Batson Brock, John Cage, George Brecht, Marie Baumeister, Wolf Hostel, Arthur Köpke, Benjamin Patterson, Emmett Williams, Dick Higgins, Ludwig Guselitz, Alison Knowles, Yoko Ono, Robin Page, Thomas Schmidt, Ben Woutier, Robert Filou, Joseph Beuys, Nam June Paik und Charlotte Moorman. Wer mehr als drei Namen kennt, ist ziemlich fit im Kunstbereich, sag ich mal. Ich kannte eigentlich exakt drei. Yoko Ono, Beuys und John Cage. Naja, ist nicht doll, aber ich habe auch nur zehn Klassen. Das war's.
Das war unverkennbar Sie, haben sie ja selbst gesagt. Im Vergleich zu Deichkind, weil Deichkind haben sich selber im Lied jetzt gar nicht erwähnt. Deichkind haben bei Leider Geil gesungen. Ja, die Musik von Deichkind ist nicht so mein Ding, aber ihre Shows sind Leider Geil. Weil ich eine Viertelstunde lachen musste, wie man auf einer eigenen Platte sehen kann, die Musik von Deichkind ist nicht so mein Ding, finde ich genial. Aber ansonsten haben sie ja nur so eine Musik gesungen. Und Seed hat mal von sich selber richtig gesungen. Wir sind Seed, wir machen jetzt die Musik. Das finde ich total gut, dass es mal so personifiziert worden ist. Das nächste Lied handelt mal von einem anderen. Grönemeyer singt nicht von sich selber, was sehr angenehm ist, sondern er singt von einer Frau, die Musik nur mag, wenn sie laut ist.
Ich könnte einen Musiker mal fragen, warum er eigentlich Musik macht. Das ist eine Frage, die gar nicht so einfach zu beantworten ist, weil es wird kaum einer sagen, ja, ich will reich und berühmt werden oder hier nackte Frauen im Swimmingpool oder so, sondern die meisten haben ja irgendeinen tieferen Grund, weshalb sie sich überhaupt von der Jugend an mit Musik beschäftigen oder so. Und wenn man mich das fragen würde, ich hätte überhaupt keine Antwort. Ich brauche einfach auch keinen Grund, um Musik zu machen. Ich mache jetzt nicht Musik, weil ich irgendwas will, sondern ich mache einfach Musik, wenn überhaupt, wenn ich mal welche mache. Also ich finde nicht, dass man da irgendwie nachdenken müsste, um einen Grund zu haben. Aber manche Leute machen das eben doch, kommen letztendlich zu einem ähnlichen Ergebnis alle. Was sollte es für einen Grund geben, um Musik zu machen? Wir fragen mal Konstantin Uhr, hätte ich fast gesagt, weil ich das früher als Lehrling gesagt habe, um lustig zu sein. Ja, natürlich heißt er Konstantin Wecker.
Ich finde, Konstantin Wecker zieht hier eine klare Linie zwischen einem Musiker, einem Künstler und einem Unterhaltungsmusiker, wie nennt man das halt, weil so Robbie Williams zum Beispiel sagt ja, let me entertain you, was für mich einfach, lasst euch ein bisschen so unterhalten. Und Konstantin Becker sagt, klipp und klar, ich will euch nicht unterhalten, ich will mein Lied vortragen. Und das finde ich ganz doll gut, diese Haltung zu sagen, ich habe was zu sagen, mir ist scheißegal, was ihr davon haltet. In der DDR hatten wir so einen ähnlichen Mann, der hieß Trötsch, der hat natürlich nie eine Platte machen dürfen oder irgendwelche Aufnahmen gemacht. Deshalb kann ich auch sein Lied leider nicht spielen, weil ich es nicht mehr gefunden habe. Ich habe auch nur noch Kassetten. Da hat er auch ein Lied über einen Liedermacher gemacht und hat gesagt, der letzte Liedermacher fährt nach Haus, hat wieder eine nicht vorhandene Schlacht geschlagen. Jetzt sitzt er im Zug müde und allein und es kotzt ihn an, für die krepiert zu sein. Das ging mir auch total ans Herz, wie er so alleine Schlacht ist geschlagen und im Prinzip interessiert so keine Sau. Man hat sein ganzes Leben da reingehängt und so. Musik machen ist eine ernsthafte Sache, wenn man das wirklich ernst auch betreibt. Und wenn man dann so ein Lied gemacht hat und das wurde dann noch kaputt gemacht, ist es dann besonders schlimm, wie Melanie schmerzhaft feststellen konnte.
Die Stimme von Melanie geht mir sehr ins Herz und berührt mich emotional so stark. Dass ich da wirklich nicht mehr von Unterhaltung sprechen kann. Also es sind Gefühle, die mit Unterhaltung eigentlich nichts zu tun haben. Es ist mehr so aufrühren oder so. Musik kann wirklich sehr, sehr viel im Menschen erreichen. So, dass man Musik sogar als Medizin benutzen kann. Also Musik ist Medizin. Und zwar eine sehr gut wirkende, kann man bei jeden Krankheiten im Prinzip einsetzen. Und ein Musiker nannte sich direkt auch Dr. Vielgut, weil er der Meinung war, dass er mit seiner Musik die Menschen sich besser fühlen lassen kann, was absolut der Fall ist, wenn man das hört. Das waren ursprünglich zwei Brüder, Willi Perryman und sein Bruder Rufus. Und die sind beide selber nicht sehr gesund gewesen, weil die waren an Albinismus erkrankt. Man sagt bei Menschen nicht, dass sie Albinos sind, das sagt man nur bei Tieren. Und das ist dann eben eine Störung der Biosynthese der Melanine, wo wir gleich von Melanie kommen. Jedenfalls sind die ganz hell und dadurch ganz empfindlich für Sonnenbrand und Hautkrebs. Und er ist dann letztendlich auch an Hautkrebs gestorben, was sehr traurig ist, weil er wahrscheinlich sehr vielen anderen Menschen mit seiner Musik helfen konnte und sie gesund gemacht hat. Sogar mir ging es nach jedem Mal hören wesentlich besser. Von der Musik bekommt man wenigstens gute Laune und gute Laune ist ja schon ein wesentlicher Bestandteil von Gesundheit. Früher haben sie natürlich gesagt, in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist stecken, das halte ich für völligen Blödsinn, weil Sport oder sowas ist für mich ja nichts gesundes, ist ja für mich einfach Schmerz. Also wer einen Sinn in Sport sieht, kann es mir mal sagen, für mich ist Sport einfach Leute, die nicht wissen, was sie anziehen sollen, sich Turnschuhe kaufen oder sie sind völlig bescheuert. Aber Sport ist keine Basis für einen gesunden Geist, so auf jeden Fall oder so. Gute Laune eher. Und ich bekomme sehr gute Laune bei Helge Schneider, der ja auch guter Musiker ist und auch über Musik singt. Und mir ist letztendlich die Musikrichtung, die irgendjemand macht, völlig egal, ob der Jazz ist, Punk, Blues, Rock, weiß ich, was das noch. Alle die Techno oder so. Die Musik ist egal. Wichtig ist, dass es Musik ist, sag ich mal.
Müsste mich sehr irren, wenn Helge Schneider das selber nicht Spaß machen würde und wenn er nicht selber innerlich lachen müsste, wenn er so was von sich gibt. Und wenn mal was schief geht, bitte mit Musik. Finde ich grandios. Ich glaube, dass das den Leuten, die die Musik machen, selber auch viel Spaß machen kann. Ich habe das erlebt bei der nächsten Band mit Gogol Bordello. Spricht sich schwer aus, hat bestimmt auch was mit dem Bordell zu tun. Die haben mit uns auf einem Festival zusammengespielt und sind die Backstage, da gibt es keinen richtigen Backstage-Raum. Das ist ein riesengroßer Raum, wo mit Pappwänden die Abteile voneinander so abgeteilt sind, damit man sich nicht auf den Tisch guckt oder so. Und im Nachbarzimmer waren eben die Gogol Bordello und die haben vom Eintreffen, bis sie auf die Bühne gingen, zusammen Musik gemacht im Backstage aus Spaß. Da haben wir gedacht, wie kann man denn so krank sein und vor dem Konzert schon zwei Stunden spielen. Man muss ja dann im Konzert dann auch lange genug spielen. Und die haben einfach Musik gemacht und gespielt und dann auf der Bühne dann nochmal. Und danach wahrscheinlich dann auch, dann bin ich ins Bett gegangen. Aber das fand ich sehr beeindruckend, dass einen die Musik so packt, dass man die einfach immer machen will.
Gesehen davon, dass das Lied gut zum Tanzen ist und auch gute Laune verbreitet, ist es eigentlich richtig ein analytischer Song, weil ein Brassorchester, also ein Blastorchester versucht, die Bausteine des Technos mit ihren Mund-Hand gespielten Sachen zusammenzubringen. Also es versucht jetzt den Code des Techno, so heißt das Lied auch, oder Techno, ich weiß nicht, wie man das ausspricht mit einem C, versucht es so zu entschlüsseln, um zu sehen, was ist Techno? Also was macht so Techno aus? Die Instrumente sind es ja offensichtlich nicht, weil Techno-Instrumente ist ja im Prinzip ein Computer, der Pattern abspielt so hintereinander, das heißt, es wiederholt sich immer derselbe Schlag, derselbe Sound, der vielleicht leicht moduliert wird, aber in diesem Blasorchester kann nichts moduliert werden, kann sich nichts wiederholen, weil alles vom Menschen gespielt ist. Also es ist im Prinzip wie so eine gläserne Frau, wo man so reingucken kann in das Technolied und ich finde es sehr interessant, dass das im Prinzip ein Blasorchester macht, aber ich glaube, die machen das nicht nur zum Erklären, sondern auch, weil es einfach Spaß macht, sich das anzuhören.
Das nächste Lied heißt Rebel Music, also das würde ich jetzt als Rebellionsmusik oder so übersetzen und das Interessante daran ist, dass es von Bob Marley ist und der ist ja nun nicht dafür bekannt, jetzt sehr energiegeladen zu sein oder sehr rebellions, rebelliv, ich weiß nicht, wie man das nennt, weil er ein Anhänger des Rastafaris ist und ein wesentlicher Bestandteil der Rastafarei ist nun mal das Veed, also das Rauchen von Marihuana. Das gehört fest damit zum Basis-Lebensinhalt, dass man immer raucht und sich entspannt und Rebellion und Tiefenentspannung geht für mich jetzt nicht so Hand in Hand, weil wenn ich, also ich hab vielleicht ganz früher mal gekifft, ich hab da eigentlich nur rumgesessen und gekichert und ich wüsste nicht, was da sonst passieren sollte oder so. Jedenfalls hat es mit Rebellion in meinen Augen eher wenig zu tun. Es gibt diesen völlig bescheuerten Witz, wo man fragt, was passiert, wenn man einem Kiffer das Gras wegnimmt. Dann sagt er, mach die scheiß Mucke aus. Habe ich jetzt schlecht erzählt, wir hören mal lieber uns das an. Rebellion muss jetzt nicht immer in bewaffneten Kampf münden. Es ist ja schon generell lobenswert und bewundernswert, wenn ein Musiker seine Popularität nutzt, um politisch was zu ändern. Bob Mahler hat das wirklich getan, der hat bei einem Konzert in Kingston wirklich die verfeindeten Regierungschefs auf die Bühne geholt, also von den verschiedenen Parteien, die gegeneinander gekämpft haben und hat sie mehr oder weniger gezwungen, auf der Bühne während des Konzertes sich die Hand zu reichen. Das war eine große symbolische Geste, die aber auch in der Realität ein bisschen Stand gehalten hat. Also es gab ja richtig bewaffnete Kämpfe in der Zeit und die haben dann nachgelassen und das Volk hat eben gesehen, die beiden standen nebeneinander, geben sich die Hand. Das war ein riesengroßer Schritt und sowas finde ich ganz großartig, wenn ein Musiker sowas schafft, dann kann er auch von Rebellion singen, sodass man dabei einschläft, dann haut das schon hin.
Eine andere Band, die auch von Musik singt, hat im Namen wenigstens schon das Punk. Die heißen Daft Punk. Ich weiß bis jetzt nicht, was das bedeuten soll. Ich kenne Draft Beer. Das ist Bier direkt aus dem Wasserhahn oder Backdraft oder so. Aber Daft oder Daft, vielleicht ist es Französisch, vielleicht Englisch, vielleicht bin ich einfach auch nur zu ungebildet. Vielleicht ist sie die Abkürzung aus den Anfangsbuchstaben wie die Pudis oder so, die heißen ja auch Peter oder U, wie heißt denn U, Ulrich? Keine Ahnung. Ja, jedenfalls Daft Punk singt von Walling & Scratching. Und was Scratching heißt, wissen wir ja, das ist, wenn man mit der Nadel auf der Platte kratzt. Und das ist ja auch schon eine Art von Musik machen wieder. Ach, ihr guckt, Daft heißt so viel wie dämlich. So hat nämlich ein Musikkritiker die Band benannt. Als er sich das angehört hat, sagt er, so ein dämlicher Punk-Trash. Es zeigt drei Sprachen, ihr mischt das auch, obwohl es waren nur zwei. Also so ein dämlicher Mist, Abfall. Und dann fand die Band selber so lustig, dass sie so beschimpft wurden und haben sich selber Daft Punk benannt. Das zeugt von großem Geist. Und dieses Lied hier fiel mir auch gut, weil nicht gesungen wurde. Man kann nämlich auch viel sagen ohne Worte. Dazu ist ja schließlich die Musik erfunden worden, die Musik ist ja dazu da, dass man nichts sagen muss und einfach was spielt und die Leute verstehen trotzdem so, was man meint.
Denn letztendlich ist von Musik zu singen immer so, als kommt ein Nachrichtensprecher ins Fernsehen und sagt, Guten Tag, ich heiße Paul und mir ist heute ja ein Süd, hab ein bisschen geschwitzt fallen, als ich hierher gekommen bin und so und erzählt nur von sich die ganze Zeit und lässt die Nachrichten weg. Ist auch sehr lustig und von seiner Sicht aus gesehen noch genauso wichtig wie die Welt, der Wetterbericht, aber vielleicht interessiert es die anderen Leute dann nicht so sehr wie das, was die Band bzw. der Nachrichtensprecher eigentlich zu sagen haben. Letztendlich aber kann jeder machen, was er will, solange er keinem anderen wehtut oder keinen anderen stört. Und Musik ist Musik und ich freue mich ganz doll, dass es die gibt. Sonst gäbe es ja hier auch den ganzen Sender nicht und die Musiksendung generell und die Musik ja an sich auch nicht. Und das wäre doch sehr, sehr schade. Also wünsche ich Ihnen eine schöne Zeit mit Musik und wenn es Popmusik ist.