Die Sendung April 2019
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Flake talks about rivers.
Transcript
Radio 1, Flake, des Tastenfickers Podcast. Herzlich Willkommen. Ah ja, ja, da ist. Ich meine, Tabula Rasa. Nee, auch nicht. Ist das jetzt, wo Tabelle herkommt? Ähm, Pantera, äh, Pan, Panta, nee, Panterei. Alles fließt, the river, Bruce Springsteen. Würde ich jetzt eigentlich als Schweinerock bezeichnen. Man kann sich richtig vorstellen, wie so ein amerikanisches Ehepaar in so einer Selbstbedienungsgaststätte ganz liebevoll und selbstvergessen und dazu anfängt zu tanzen oder so. Irgendwie ist das so ein richtiges Gefühl der amerikanischen Lebenskultur. Bruce Springsteen hat ja auch in dem Film die Musik gemacht, in dem Philadelphia-Film, der recht bedrückend war, wo es um diese HIV-Infektion ging von dem Ehen, als die Sache noch gar nicht so richtig entdeckt worden ist. Das war ziemlich ein gutes Lied, aber passt halt nicht zum Thema. Aber heute ist es Thema Flüsse, wie man schon mitgekriegt hat. Und das war eben das Lied The River von Bruce Springsteen.
Wir haben den im Osten Bruce Springsteen genannt, weil wir nicht wussten, wie man das übersetzen soll oder so. Und wir kannten ja alle als Kind dieses schöne Gefühl, wenn man an der Ostsee die Steine am Strand ins Wasser geworfen hat und gehofft hat, dass die wieder so hoch hüpfen, hoch springen. Die schönste Interpretation habe ich dazu mal von Kurt Wonnegut gehört, als ihn seine Schwester fragte, wann sie sterben wird. Da hat er gesagt, an einem schönen Tag im Sommer werden zwei Jungs mit Barfuß auf dem Steg sitzen und Steine ins Wasser schmeißen. Und wenn der Kleinere einen Stein nimmt und ins Wasser wirft, in diesem Moment, wenn der Stein die Wasseroberfläche trifft, da wirst du sterben. Das war mit die schönste Erklärung, die ich je im Leben so gehört habe.
Eine Amiga-Platte, da war der drauf, das ist Albert Ammons und das war das erste Lied, Swanee River. Ich nehme mal an, das heißt sowas wie Schwanfluss, das ist der Pendant zu Schwansee. Und dieser Albert Ammons hatte ganz süße Zahnlücken, weil man jetzt so sagen kann, ich habe mir den auf YouTube mal angeguckt, da gibt es einen kurzen Mitschnitt, da stehen die Zähne richtig auseinander wie Zaunlatten und er sieht quietschvergnügt aus und spielt da. Er würde sich so sehr gefreut haben, weil er mal einen Schlaganfall hatte, der ihm die Sprache raubte und auch das Klavierspiel komplett. Und er hat mit unmenschlicher Anstrengung nach dem Schlaganfall alles wieder von vorne gelernt, hat wieder Klavierspielen gelernt und diese Klavieraufnahme, die wir jetzt gehört haben, ist sogar schon nach dem Schlaganfall entstanden, als er dann nochmal anfing, erst richtig Platten aufzunehmen, weil vorher gab es noch gar keine richtigen Plattenaufnahmen für arme, schwarze Bluesmusiker.
Der nächste ist auch ein armer schwarzer Bluesmusiker und zwar der hat doppelt mit Flüssen zu tun, weil er heißt schon Muddy Waters und das Lied heißt Mississippi Delta Blues. Fällt mir noch eine Verbindung zum Fluss ein und Muddy Waters. Und Muddy Waters wurde 1915, das ist auch schon ein paar Tage her, in Rolling Folk, Mississippi geboren. Und Mississippi ist der Fluss mit vier S und vier Is, zwei Ps und ein M. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen.
Das nächste Lied heißt Bridge over Trouble Water. Das ist nicht von Johnny Cash geschrieben, weil man das denken könnte, weil man das so oft von ihm jetzt gehört hat, sondern von Paul Simon, das ist der eine von Simon und Garfunkel, das ist nicht Garfunkel, das ist ja klar, wenn es Paul Simon ist und er hat es, beide haben es 1970 veröffentlicht, es wurde ein riesen Erfolg, hat vier Grammys bekommen, obwohl ich das auch nicht besagen muss, weil Bob Dylan hat wohl zeitlebens nie einen Grammy gekriegt oder so, dafür Miley Cyrus 14, wenn mich nicht alles täuscht und das Lied war sehr erfolgreich und Paul Simon hat dann aber auch zugegeben, dass er ja, obwohl er ein Weißer ist, dass das Lied von einem Spiritual ist, also so einem Kirchenlied im Prinzip, einen kirchlichen Gesang der Schwarzen, was er entdeckt hat und hat sogar den Text übernommen, eigentlich aus der Bibel sogar, ich werde eine Brücke über tiefes Wasser sein, wenn du mir vertraust und hat das Lied dann im Prinzip in seine Form gebracht und veröffentlicht. Simon und Garfunkel sind sehr berühmt geworden und das Interessante zwischen ihnen war der Gegensatz, dass Paul Simon immer nach neuen Sachen gesucht hat und nach neuen Musiken und Simon Garfunkel, nee, der ist nicht Art Garfunkel, war mehr der Traditionalist, der immer, immer die alten Songs gesungen hat, immer in der alten Form und immer versucht hat, auf dem zu beharren, auf dem sie gewesen sind. Der hat einen Sohn, den habe ich im Fernsehen gesehen, der hat einen sehr interessanten Eindruck gemacht. Da ging es, die Sendung war über verwöhnte Kinder von Millionären. Eigentlich muss ich dann ja nicht groß erzählen, so was der Sohn da gemacht hat, aber wir hören jetzt mal das Lied. Jetzt gesungen von Johnny Cash, weil der hat einfach in dieser Zeit, ich will nicht sagen kurz vor seinem Tod oder so, aber ist seine Stimme so eindringlich, wie die von Paul Simon in meinen Augen nie geschafft hat.
Johnny Cash, das nächste Lied kenne ich auch von Johnny Cash, aber das ist gar nicht von ihm, sondern von Johnny Horton. Das heißt The Battle of New Orleans und da geht es um eine Schlacht für New Orleans, die 1815 stattgefunden hat am 8. Januar, wo die britischen Truppen vernichtend geschlagen wurden und der Gag dabei war, dass 1815 der Krieg schon längst vorbei war. Die Streitigkeiten sind längst schon beiseite beigelegt worden, beiseite gelegt klingt auch gut, und zwar der Frieden von Ghent war schon 1812, da haben sie am 24.12. also zu Weihnachten schon beschlossen, dass Frieden sein soll, dass die Schlacht beendet ist, aber die Nachrichtenwege waren eben so langweilig, bis ein Schiff dann Brief gebracht hat, dann ging das Schiff unter oder so, da war nichts mit Telefonieren, gab keine Möglichkeiten irgendwie die Information zu übermitteln. Und deshalb haben die drei Jahre später, also zweieinhalb, zwei und ein bisschen, haben die noch groß gekämpft und die Schlacht geschlagen und davon handelt dieses Lied. Mit Flüssen hat es auch irgendwas zu tun, denke ich mal schon, weil es in New Orleans spielt.
Es ist wirklich verrückt, wie das Bild von dem, was man hört, mit dem Bild, was man sieht, auseinanderklafft. Wenn man dieses Lied jetzt gehört hat, da hätte man noch gedacht, dass so ein zarter, junger Sänger mit ein bisschen Herzschmerz, der über Liebe singt und über alles, was verrinnt. Und in Wirklichkeit war es Fetz Domino. Und dieses Fetz ist so traurig, wie es doch ist, heißt wirklich fett. Also weil er war wirklich sehr dick oder ist dick, der lebt ja noch. Sehr vergnügter Mensch. Und der hieß auch so, weil er schaffte, er saß am Klavier und der ist mit seinen kurzen Ärmchen, das ist ein bisschen fies, also kaum ist an die Tasten ran, nee, kaum, weil er so einen dicken Bauch hat, so dass sein Bauch ständig vorne gegen die Tastatur stieß und wenn er geatmet hat und im Takt so mitgewippt ist, hat er das Klavier im Laufe des Konzertes über die Bühne geschoben, komplett. Mit seiner Körpermasse, ich will nicht sagen mit seinem Fett, weil das fies klingt. Wie jetzt auch eine Mutter gesagt hat, das Kind irgendwie, irgendwie hat doch das Kind gesagt, du bist fett, Mama. Und da hat die Mama gesagt, nein, ich bin nicht fett, ich habe fett oder so. Also irgendwie jedenfalls ist er ein ganz anderer Typ, als man denken könnte. Aber ein sehr vergnügter Mensch, der am Mississippi lebt und dem sind als Katrina der große Wirbelsturm mit der Flut, sind ihm alle goldenen Schallplatten weggespült worden. Das klingt wie im schlechten Witz, aber es ist wirklich so. Er hat über den Mississippi gesungen. Der Mississippi hat sich dann im Prinzip die goldenen Platten wieder zurückgeholt, wenn man das so mal in die biblische Geschichte so einfügen will.
Denn auch das nächste Lied ist eigentlich ein Zitat von der Bibel, das ist aus dem Film Brother, where are you? Und das soll Gott gleich zweimal gesagt haben. Das erste Mal, als sich Adam und Eva nach der Erkenntnisgewinnung durch das Apfelessen vor ihm versteckt haben, da hat er gesagt, Brother, where are you? Und meinte Adam. Und als Cain Abel erschlagen hat, hat Cain angesprochen, wo ist dein Bruder, wo ist Abel, wo ist Abel hin. Aber wahrscheinlich hat Gott auch damals schon alle mit Brasser so angesprochen, wie das ja noch in Amerika oder in Hamburg jetzt so üblich ist. Kurz gesagt, jetzt kommt jedenfalls das Lied Down the River, damit wir wieder beim Fluss sind, To Pray, Brasser aus dem Film Brasser, Where Are You.
Anscheinend ist der Mississippi der wichtigste Fluss auf der Welt oder der, über den die meisten Songs gemacht werden. Kann aber auch daran liegen, dass wir jetzt in der westlichen Welt leben. Vielleicht ist es auch der Yang Sikyang. Jedenfalls der Mississippi wurde auch von Pussycat besong, was auch ein sehr schöner Bandname ist. Ich weiß aber gar nicht, wo die Band herkommt. Ich glaube, wenn es auch dieselben mit Yes So I Can Boogie sind, dann sind sie glaube ich aus Rumänien oder aus Jugoslawien oder so. Die haben sie auf jeden Fall im Osten gespielt zu DDR-Zeiten und mein Vater hat im EHW Treptow gearbeitet und die hatten Betriebsfunk. Das heißt, entweder nur in der Mittagspause oder Frühstückspause oder den ganzen Tag lief da Musik und nee, der muss doch den ganzen Tag gelaufen sein, dass man den anschalten konnte, weil mein Vater hat gesagt, wenn das Lied Mississippi kam, haben alle alles aus der Hand gelegt, sich ehrfürchtig hingesetzt und diesen Song gehört und sich so gefreut und sich die Mädchen dann vorgestellt oder den Fluss oder ich weiß nicht genau, ich will es doch ja nicht genau wissen, hier ist Mississippi.
Jetzt mal weg vom Mississippi zum Yellow River. Ich dachte der Yellow River, also so Yellow heißt Gelb nach meiner Meinung, ist der Yangtze-Kyang, auch Yangtze genannt. Da habe ich ein interessantes Bild gesehen, so ein Stich, so ein Kupferstich, wo so Schiffe sind, Junken und da steht Junken fahren auf dem Yangtze in Gegenströmung den Fluss hinauf. Und man kann mir viel erzählen, aber wenn jetzt ein Fluss bergab fließt zum Meer, wie soll dann die Gegenströmung den Berg auffließen? Ich habe das selber probiert, ich habe Stöckchen in den Fluss geschmissen an den Rand und es ist schon so, dass die Stöckchen nicht ganz so schnell fahren wie in der Mitte des Flusses, aber dass sie ganz entgegengesetzt fließen, konnte ich selber nicht beobachten. Also wenn irgendjemand von Wissenschaft Ahnung hat, also ist das Physik oder Bio, keine Ahnung, der sollte mir mal erklären, wieso es eine Gegenströmung im Fluss geben kann und ob die dann, wenn das wirklich stimmt, ob man die wirklich mit Schiffen hochfahren kann aus eigener Kraft. Das würde mich jetzt mal interessieren. Und wenn jetzt Yellow River kommt, ist auch nicht ganz klar, welcher Yellow River ist hier meint. Das gibt eh einen Chipewa, also der heißt doch Chipewa River in Wisconsin. In Yellow River heißt der Kanake River in Indiana, klingt auch sehr indianisch. Yellow River kann auch der Mississippi sein, aber nur in Iowa. Oder der Okumle River in Georgia. Pensacola Bay in Florida. Red Cheddar River. Wieso heißt das roter Käse? In Wisconsin wieder mal. In Wisconsin sind viele Yellow Rivers aus irgendeinem Grund. Ich will die auch gar nicht alle aufzählen. Wir hören einfach das Lied jetzt. Talking Heads. Bei der Band gefällt mir besonders, dass man sie sofort erkennt. Man hört zwei Takte und weiß sofort, das sind die Talking Heads. Das liegt wohl auch an Brian Ino, der die Platte auch produziert hat und aufgenommen hat. Erstaunlicherweise auf den Bahamas in Nassau. Und ich dachte immer, Nassau liegt irgendwo in Westdeutschland, in Hessen oder so, wegen dem Doppel-S oder so. In Nassau, es gibt ja auch diese Beleidigung aller Nassauer, was so viel heißt, du Betrüger oder du kleiner Betrüger oder Lügner oder so. Da frage ich mich, ob das mit dem Nassau auf den Bahamas zusammenhängt, dass das so weit weg ist, dass man das nicht mehr kontrollieren kann. Genau wie man sagt, er hält das wie ein Dachdecker. Warum heißt das so? Weil man auf dem Dach nicht sehen kann, was der Dachdecker da hält oder ob es egal ist, ob der Dachdecker den Stein so rum oder so rum macht, das so und so das Wasser runterläuft. Ich weiß das nicht. Jedenfalls waren das die Talking Hits.
Jetzt kommt Neil Young, dessen Biografie ich gerade gelesen habe und die finde ich total schön. Am besten gefällt mir die Geschichte, dass der einen schwarzen Oldtimer hatte, den er sehr liebt und der immer kaputt in der Scheune stand. Und da hat er einen Freund gefragt, ob er eben den nicht restaurieren kann und mal gucken kann. Hat seine anderen Autos mit in die Scheune gestellt, sagt, hier machen wir jetzt so eine Art Werkstatt und du arbeitest jetzt hier und reparierst mir das Auto. Und der Kumpel von ihm hat gesagt, ja, das mache ich gerne. Und dann hat er geschrieben, die Geschichte ist 30 Jahre her. Der Kumpel arbeitet immer noch bei ihm. Sie sind immer noch die besten Freunde. Und das schwarze Auto ist immer noch nicht fertig. Down by the River, Neil Young.
Immer noch bei den Flüssen und endlich mal weg aus Amerika, zurück nach Europa. Was ist der größte Fluss Europas? Ich denke die Donau, aber um die geht es jetzt nicht. Jetzt geht es um die Moldau. Das berühmte Moldau-Lied von Smetana unter der Leitung von Karajan, dem Rolls-Royce unter den Dirigenten. Und Smetana, was die wenigsten wissen, war auch taub. Aber irgendwie interessiert das keinen, weil Beethoven war jetzt der Grundtaube und Smetana ist er halt nur so der Nebentaube. Das ist genauso wie auf dem Mond. Wer kann sich noch an Bas Aldrin erinnern? Das war halt der zweite auf dem Mond und nicht Armstrong. Armstrong merkt sich natürlich auch gut, weil es wie Louis Armstrong klingt, die nicht miteinander verwandt sind und auch sonst nichts miteinander zu tun haben. Ich dachte ja, bis ich 40 war oder so, das ist derselbe. Und hat auch auf dem Mond ein bisschen Trompete gespielt, was eigentlich gar nicht ginge. Also es wäre interessant, weil wenn er die Luft aus der Flasche durch die Trompete blasen würde, würde eigentlich die Luft aus der Trompete kommend schwingen und müsste eigentlich den Ton auch ergeben. Ich habe noch nie probiert im Vakuum jetzt Blasinstrumente zu spielen, aber das würde ich doch mal gerne ausprobieren. Weil vielleicht schwingt dann auch das Blech und das Blech könnte wieder nicht schwingen, weil außen am Instrument jetzt keine Luft ist, die das transportieren könnte, und Musik im Vakuum machen, stelle ich mir wirklich sehr schwierig vor, aber auch sehr interessant. Also Smetana, der zweite Mann auf dem Mond mit dem Moldau-Lied. Versuche natürlich dem Strom ein bisschen entgegenzuwirken, wie die Jugendlichen mitmachen, dass die am Handy auf Spotify einen Titel anskippen oder wie das heißt und dann hören die 20 Sekunden gerade bis zum ersten Refrain, dann kommt das nächste Lied, dann wieder das nächste, dann wieder das nächste. Also kaum ein Lied schafft es jetzt bei den, sagen wir mal, um die 15-Jährigen mehr als 30 Sekunden gespielt zu werden oder so. Und ich versuche in der Sendung schon ein bisschen Ruhe reinzubringen, dass man ein Lied in Ruhe zu Ende hören kann. Aber ich will das nicht überstrapazieren. Dass die Jugendlichen sagen, das kann man nicht hören. Die sind direkt, der hört das stundenlang dasselbe Lied. Für Jugendliche streckt sich ja die Zeit mehr. Für die ist das ja ein Jahrhundert, wenn ich hier mal eh ein langes Lied spiele. Und deshalb kürze ich das hier mal einfach ab und blende aus.
Dummerweise aber zum nächsten langen Lied zu kommen. Denn wir wollen jetzt von der Moldau zur Donau. Was ich lange nicht wusste, war, dass Brahms und Strauss waren gute Freunde. Und die haben so zusammengesessen und sich ihre Musik so vorgespielt. Und Brahms hat Strauss unendlich bewundert, weil der so gute Ideen hatte, weil die Musik geradezu aus ihm herausgetrieft ist, wie er es einmal so formuliert hat. Und Brahms wusste nicht oder wollte nicht wahrhaben, Strauss war nicht nur der Walzerkönig, sondern auch ein Meister im Wiederverwenden von bestehenden Melodien. Das heißt, der hat einfach geklaut, wo er nur klauen konnte. Und gerade der Donauwalzer, den wir jetzt gleich hören, ist ein famoses Beispiel dafür. Der Musikwissenschaftler hat herausgefunden, dass mehr als zehn Werke darin verwendet wurde und Melodien, die sogar schon schriftlich veröffentlicht wurden. Also wo es sogar die Noten schon zu kaufen gab. Und die hat ja einfach so zusammen gemixt als so ein kleines Frankensteinwerk und hat einen den Wiener Männergesangsvereinen erst mal so vorsingen lassen. Ist aber nicht mit hingegangen, weil er ganz große Angst hatte, dass der Schwindel irgendwie rauskommt. Ist er nicht zur Uraufführung gegangen, das war 1867. Weil er hat gedacht, erwartet mal, ob das irgendjemand merkt, dass er sich das zusammengeklaut hat. Doch dann ist so eine Orchesterversion entstanden, die ein riesiger Erfolg war. Und inzwischen war es sozusagen sogar die inoffizielle österreichische Nationalhymne. Und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, da war es jetzt sogar kurz. Da muss man sich mal vorstellen, ein Riesenlied, was eigentlich nur zusammengeklaut ist. Aber ich frage mich dann, was soll das? 100 Jahre später, 150 Jahre später, ist doch eh eigentlich alles scheißegal. Der Donauwalzer. Dem, der die Muße hat, so ein Werk wirklich von vorne bis hinten zu hören. Ich finde, das ist ein bisschen auch wie so eine Kur, wie so eine Beruhigung. Wie ein warmes Bad im Fluss, in der Donau.
Wir bleiben bei der Donau, die hier vielleicht auch ein Symbol ist für Verlustängste. Der Fluss schwemmt ja auch Sachen weg. Man muss den Fluss überqueren, wenn man weiter will oder wenn man stirbt. Man sagt ja, er ist über den Jordan oder die Westler sagen, er ist über die Wupper. Klar, der Fluss nimmt Sachen mit, gibt sie nicht wieder raus, fließt, was einmal vorbei ist, ist vorbei, Fluss der Zeit, Fluss des Lebens, heißt ja nicht umsonst so, Fluss fließt, fließt ist eine Bewegung und damit hat sich auch die Band Rammstein beschäftigt, die fragt sich, wo sind die Kinder? Rammstein mit den Donaukindern und Rammstein kommt ja eigentlich aus Berlin. Deshalb wundert mich, dass sie über die Donau singen und nicht über die Spree, weil die Spree ist ja unser Fluss sozusagen. Ich habe früher gedacht, natürlich, das heißt Spree, wie Spree. Also ich dachte, Farbspray, Deo-Spray. Ich dachte, Spree ist Spree. Also der Duft der Spree, man sagt ja, das ist die Berliner Luft, habe ich natürlich gedacht, das ist das Spree aus der Spree. Ich habe in der Spree sogar geangelt und Fische gegessen, direkt gegenüber vom Palast der Republik, war so ein kleines Betonpodest und da bin ich nach der Schule hingegangen mit meinen Kumpels, habe drei, ich sage mal Plötzen gefangen, vielleicht waren es so Rotfedern oder so und ich wollte einfach die Fische auch essen, die ich fange, für den Triumph oder weil ich nicht umbringen will, was ich nicht esse. Das ist auch ein bescheuerter Satz. Ich habe die meiner Mutter gegeben und die hat die wirklich gekocht, hat sie ganz lieb gemacht. So eine Art Fischsuppe hat sie mir gekocht mit Gemüse. Und ich muss ehrlich sagen, es schmeckt hat es nicht. Ich habe zwar das gegessen, weil ich alles gegessen habe, was ich gekriegt habe, aber war nicht das, was ich mir unter einem leckeren Fischessen so vorstelle. Aber ich hatte zum Glück, nicht was heißt zum Glück, ich hatte eine Freundin, es ist zu viel gesagt, es gab eine Tochter von einem Freund von meinem Vater, die war auch viel älter als ich und die fand ich irgendwie gut und dann habe ich für die die Fische gefangen, weil die Katzen hatte, fand aber sehr eklig, dass die Katzen, meine toten Fische, die ich da so liebevoll mitgenommen habe, haben da einfach so rinnebissen und die so kalt gegessen, hätten sie ja auch ein bisschen schön machen können oder so und das hat eigentlich meine geilen Fische auch wieder ein bisschen entwertet, dass die Katzen dann darauf so rumgekaut haben und so. Mit der Frau hat es auch nicht geklappt. Bin ich im Nachhinein natürlich auch wiederum froh.
Von der Spree zur Spree, Dicket B, oh, das reimt sich sogar. Sie reimt sich nicht, aber es ist die Band, die das spielt.
Man könnte sich jetzt fragen, was hat ein Lied vom Baggersee in der Sendung mit Flüssen zu tun? Das Lied ist übrigens von den Strandjungs, das ist ganz einfach, weil Surfen kann man inzwischen nicht nur auf Seen, sondern auch auf Flüssen. Die Strandjungs wussten wahrscheinlich noch nicht, aber das Stand-up-Paddeln ist erfunden worden und macht riesengroßen Spaß. Da steht man auf einem Surfbrett, was voll schwimmt, also im Prinzip wie ein Stehboot, Stehbrett könnte man noch sagen, und paddelt im Stehen. Das sieht aus, als ob man über Wasser laufen kann, also fast schon biblisch. Also wenn man die aus der Entfernung sieht, wenn die mit den Beinen sich noch bewegen würden, würde man denken, da laufen Menschen auf dem Wasser. Wie Christus. Aber die fahren natürlich auf eine Art Boot. Es hat doch was Indianisches eigentlich. Die Indianer sollen ja auch auf Baumstämmen gestanden haben und gepaddelt haben. Ich weiß nicht, ob es stimmt. Eher die Asiaten vielleicht. Welche? Könnte man sich jetzt wieder fragen. Ich weiß nicht, irgendwelche Inselbewohner, die müssen ja da eh mit dem Boot fahren, auch zum Einkaufen und so. Aber dieses Surfen auf dem Fluss macht riesengroßen Spaß. Das ist wie Wasserwandern. Man kann da, naja, nur ohne Laufen eben. Man kann auch so durch die Landschaft schwimmen. Aber letztendlich kann man sich nicht wirklich fragen, ob das wirklich jetzt Surfen ist, dieses Stand-Up-Paddeln oder einfach nur Stehpaddeln, was natürlich völlig unsexy klingt irgendwie. Ich stehpaddle, du stehpaddelst, ich paddel steh.
Jetzt kommt ein Lied von Bonnie M., wenn mich nicht alle täuscht. Bonnie M. ist eine deutsche Band, auch wenn sie auf Englisch singen. Die waren so berühmt, die haben 150 Millionen Tonträger verkauft, so was würde heutzutage überhaupt niemand mehr schaffen. Ich glaube nur Michael Jackson ist ein bisschen drüber. Frank Farian hat die produziert, das klingt so richtig schön deutsch und langweilig. Genauso wie Jack White, das war auch so ein Produzent und als Jack White von den White Stripes bekannt geworden ist, und der ja auch Jack White heißt, hab ich gedacht, was, der ist so geil. Aber ich hatte da so einen alten Mann, der irgendwie für Schlager der Woche oder hier Eurovision Song Contest oder so, oder war das Ralf Siegel. Irgendjemand hat da jedenfalls irgendwelche Titel produziert, ich will jetzt nicht Mist sagen. Und der hieß Jack White und der ist natürlich nicht der Jack White von den White Stripes, das ist ein anderer. Aber der Jack White von Bonnie M. ist auch nicht der Jack White von Bonnie M., sondern der von Bonnie M. ist wiederum Frank Farian. Und der hat das Lied gemacht. Der war der Turm zu Babylon und nicht der Fluss zu Babylon. Ich weiß nicht, ob sie da was verwechselt haben oder ob sie Euphrat und Tigris meinen. Die kenne ich noch sehr gut aus dem Geschichtsunterricht. Das ist aber das alte Testament mit Babylon. Aus dem Neuen Testament oder seit dem Neuen Testament gibt es auch die Taufen. Da wird man ja auch in den Fluss geworfen, hätte ich jetzt fast gesagt. Das ist natürlich totaler Quatsch. Das gibt verschiedene Taufen, die abhängig von der Konfession sind und so. Entweder man wird einfach mit der Hand von oben so beträufelt aus dem kleinen Taufbecken oder man wird mit dem Kopf im Wasser untergetaucht. Es gibt auch Bilder, wo sie irgendwie die Kinder ins Taufwasser ringeschmissen werden, die Babys oder so, was ich aber für unlaubwürdig empfinde. Aber irgendwie ist in der Überlieferung wirklich noch so, dass man sich im Fluss taufen lässt, vielleicht machen das auch die Inder oder so, obwohl die ja eher nicht christlich sind oder doch und taufen sich im Prinzip selber, weil das Lied, was wir jetzt hören, heißt Wait into the Water und ist ja im Prinzip eine Aufforderung, selber ins Wasser zu gehen, um sich zu taufen. Was ich komisch finde, aber vielleicht ist es so und auf jeden Fall ist es ein Tauflied, gesungen von Ella Jenkins.
Immer interessant, wie der Altersdurchschnitt bei Radio 1 ist, weil jeder, der über 45 ist, hat die Stimme absolut ohne Zögern auf dem ersten Ton erkannt. Ich bin leider schon ein bisschen älter. Was heißt leider? Eigentlich ist es ja, also man ist so alt, wie man ist oder wie man sich fühlt. Da muss ich jetzt selbst lachen, da wäre ich jetzt knapp bei 85, aber so schlimm ist es nicht. Also es war so Tina Turner, ich habe sie erkannt, fühle mich jung und das Lied hieß River Deep Mountain High, was ich so als Metapher übersetzen würde, wie ja die meisten Rocktexte metaphorisch wirken, ich denke, das ist so was wie, also so Fluss Tief, Berg Hoch würde das ja heißen, ich würde das so übersetzen mit In-Huy-Außen-Puy, Außen hui, innen pui. Irgendwie so. Also wenn das eine ist, ist das andere hoch. Je tiefer, je schlechter das ist, umso besser erscheint einem dann so das andere. Das habe ich jetzt sehr schlecht erklärt. Aber das war eben so zu Tina Turner.
Und jetzt gehen wir nochmal zurück ins deutsche Kulturgut. Man nutzt ja nicht nur die Flüsse zum Drauffahren oder um das Wasser zu gewinnen, sondern auch um eine Mühle anzutreiben. Das war ja früher eigentlich die einzige verlässliche Energiequelle. Denn Windmühlen funktionieren natürlich nur, wenn Wind ist. Und das könnte man sagen, Wassermühlen funktionieren nur, wenn Wasser ist, aber Wasser fließt ja eigentlich normalerweise immer die Flüsse lang. Das ist ja gerade das Schöne so an Flüssen, sonst wären die Flüsse ja weg und dann nicht mehr da. Dann wären es ja keine Flüsse. Jedenfalls hat man die Mühlen schon weit vor Wassermühlen auch genutzt, zum Mühlen eben, also um das Mehl zu mahlen und um auch einfach Motorkraft zu gewinnen, um irgendwas damit anzuheben oder zu bewegen oder Maschinen damit so anzutreiben. Und deshalb gab es auch schon recht früh da Lieder drüber. Hier wird ein Lied, was vielleicht dem einen oder dem anderen bekannt vorkommen wird. Ich weiß nicht, ob da der Altersdurchschnitt bei 80 liegen muss, dass man das kennt. Oder eben so bei 5, dass jeder das Lied kennt. Gesungen von Heinz-Rudolf Kunze. Das ist ein deutscher Künstler, den ich sehr schätze, der viel mit der Sprache macht. Er hat seine eine Platte wirklich Brille genannt, das muss man sich mal vorstellen. Ein Mensch, der ist glaube ich sogar Deutschprofessor oder Linguistiker, wenn es sowas gibt, klingt ja wie eine Krankheit, nennt eine Platte Brille. Das finde ich so bemerkenswert. Also der Einzelne, der auch in die Richtung ging, ist Farin Urlaub, der mit seinem Namen ja schon viel geschickt gezeigt hat. Der hat seine Single Dusche genannt. Jetzt warte ich nur noch auf, weiß ich nicht, Stuhl oder Müll, Tisch, Flasche. Da kommen bestimmt noch interessante Platten raus von den jungen Wortschöpfern. Aber hier ist erstmal Heinz-Rudolf Kunze mit einem Lied. Ich weiß nicht, wie es heißt, aber irgendwie kommt es mir bekannt vor.
Rudolf Kunze, der hat sich ja auch sehr dafür eingesetzt, dass eine Quote eingeführt wird, dass so und so viel Prozent nur deutschsprachige Musik nur noch in Deutschland gespielt werden. Bis eben war ich eigentlich auch noch seiner Meinung, aber so schlecht ist es auch ja nicht, wenn eine deutsche Band auch mal was auf Englisch singt. Also alles will ich ja nicht verstehen eigentlich, mache ich ja so und so und ich muss mir keine Sorgen machen und schon ist wieder die Zeit rum. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, wieder mal wahrscheinlich bin ich der Einzige, aber immerhin er freut sich wenigstens eh, aber sag ich mal. Wem es nicht gefallen hat, der kann sich jetzt freuen, weil die Sendung ist jetzt vorbei und wem es gefallen hat, der kann sich freuen, weil in ein paar Wochen kommt die nächste wieder. Bis dahin verabschiede ich mich, viel Spaß und Glück, bis zum nächsten Mal, tschüss.