Die Sendung February 2018
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Flake talks about Hans im Glück.
Transcript
Radio 1, Flake, des Tastenfickers-Podcast. Ich wünsche alles Gute. Hier ist Flake, der Telefonklingelt. Und ich freue mich, wenn Sie dabei sind. Zumal mein Musikgeschmack ja nicht unbedingt zu jedermanns Sache ist. Aber ich sage mal, Karl Marx und Bruce Willis auch. Ich bin eben Hans im Glück.
Das war Trötsch mit Hans im Glück. Hans im Glück zählt auch zu meinen Lieblingsmärchen, weil die Moral ganz einfach ist: Je weniger man hat, desto besser geht es einem. Das ist ein sehr schönes Motiv. Leider ist es ganz schwer danach zu leben. Ich bin da selber nicht gefeit, mir irgendwelche Sachen zu kaufen und mich dann irgendwie zu freuen oder Sachen, die ich unbedingt bekommen will. Ich habe mir wirklich dummerweise sogar einen Porsche gekauft. Ich traue mich kaum, das zu erzählen. Denn ein Porsche ist eine sinnlose Sache. Kleines Auto, passt keiner rein. Und ja, ist eigentlich unnützer Quatsch. Das ist ja ein sogenannter Sportwagen. Ich weiß ja nicht, wo der Begriff Sportwagen herkommt, weil ich weiß nicht, was jetzt hier im Stadtverkehr, was da Porsche fahren mit Sport zu tun hat. Sportwagen habe ich gedacht, das ist so was, wie die Kinder haben, wenn sie größer sind, dass sie nicht mehr liegen müssen, sondern sitzen können. Das hieß bei uns Sportwagen, also womit man, was jetzt Buggy heißt, was auch schon ein völlig bekloppter Begriff ist. Mit Buggy werden jetzt schon, als Buggy werden auch irgendwelche Strandwagen bezeichnet. Motorboote gibt es auch, die Sportboote genannt werden. Ich habe noch nie einen gesehen, der mit so einem Boot Sport macht. Und dann ist mir auch berichtet worden, dass Wassersport heißt eigentlich, dass alte Männer auf dem Mögelsee sitzen und Bier trinken. Und wer die meisten Biere schafft, der hat am meisten Sport gemacht.
Und eigentlich, so Sachen wie Boote und Porsche machen sowieso nur alte Männer. Ich habe eigentlich noch nie einen netten Mann im Porsche gesehen. Das erschreckt mich immer sehr. Mehr oder weniger sitzen da so Arschlöcher drin, wenn man mal durchs Fenster reinguckt. Und jetzt zähle ich auch dazu wahrscheinlich, weil ich einfach nur alt geworden bin. Aber wenn man jung ist, dann hat man einfach das Geld nicht. Und mir ist das am meisten aufgefallen, als ich mal in Budapest war und die Motorradrocker kamen da an, so eine Riesen-Gang. Ich dachte, um Gottes Willen, das war ja zu Ostzeiten, da hatte ich noch nie einen Rocker gesehen. Schwarze Jacken, Helme schwarz, gefährlich. Und dann stiegen die ab und da waren halt nur Westrentner drunter, irgendwelche Ärzte und Anwälte oder Architekten, irgendwas mit A. Na ja, und das war dann eine Riesenenttäuschung. Und da habe ich gedacht, wenn das der Rock ist, also das Rockersein, dann will ich damit auch nichts zu tun haben. Aber wahrscheinlich muss man einfach nur auch alt werden, um das genießen zu können.
Hier kommt das nächste Lied. Das Lied von Plastik Bertrand ist wie geschaffen dazu, durch die Straßen zu fahren und rumzufahren. Und ich muss auch zu meiner Entschuldigung oder Rechtfertigung sagen, das ist jetzt kein Millionärsauto oder Angeberauto. Das hat 1,8 gekostet, das ist ein 9,24er, auch Maurer-Porsche oder Hausfrauen-Porsche genannt, wie gesagt, und das ist jetzt nicht so ein teures Ding. Dabei gibt es einen wunderschönen Videoblog von Tony Mahoney, da geht es um bescheidene Millionäre. Und der hat gesagt, das ist das Allerletzte, weil man als Millionär auch noch bescheiden ist, weil, ich kann das jetzt nicht so gut wiedergeben, weil er sagt, wenn man schon so viel Geld hat, dann soll man das doch auch zeigen und sich daran freuen, weil alle wünschen sich, so Millionär zu sein, damit sie sich einen Rolls-Royce kaufen können und damit sie eine Villa haben mit Pool. Und wenn man das Geld nun hat und kauft sich keine Villa mit Pool und keinen Rolls-Royce, was soll denn da der Quatsch? Da hätte man es auch nicht verdienen brauchen. Da kann man es auch einfach den anderen geben, denen die es gerne hätten, weil sie sich einen Rolls-Royce oder einen Pool kaufen wollen. Viel schlimmer ist, als bescheidener Millionär für die Altersvorsorge das Geld zurückzulegen, weil das ist ungerecht und auch fies gegenüber den armen Leuten, weil erstens sehen die nicht einen Rolls-Royce oder einen Pool, woran sie sich freuen könnten, dass sie sowas auch mal haben können oder was sie nacheifern können. Und zweitens, sie haben ja die Versicherung ja auch nicht. Also man hat dann was Fieses im Alter, was Schönes, was die ganzen armen Leute nicht haben und tut dann auch so, als ob man so bescheiden wäre. Das ist das Allerletzte. Das ist jetzt nicht nur meine Meinung, sondern auch die von Toni Mahoney, der auch ein sehr begnadeter Schriftsteller ist. Kann man manchmal auch im Internet so seine Blogs anklicken. Das ist wirklich eine ganz feine Sache. Ich will auch nicht mehr jetzt von meinem Porsche reden. Ich freue mich nur drüber, dass ich nicht immer wie Hans im Glück bin, sondern auch mal was Schönes habe. Kann man ja auch mal machen, wa?
Jetzt kommt auch noch ein Lied gegen die alten, ekligen Männer im Porsche.
Das war Hansaplast mit 1980, Quatsch, hau ab du stinkst, das Lied ist von 1980 und Hansaplast war ziemlich eine angesagte Band früher. Die waren so berühmt, dass Fehlfarben ihr erstes Konzert als Vorband von Hansaplast gemacht haben im Capitol in Mannheim. Also da war Hansaplast sozusagen die Mutterband von den Fehlfarben. Und das war ziemlich heftig und ich habe jetzt ein Gegenbeispiel so aus dem Osten. Da geht es um die maximale Gier von AG Geige aus Chemnitz. Früher hieß es noch Karl-Marx-Stadt. Und sind die wirklich aus Karl-Marx-Stadt? Ja, ich glaube ja. Und die haben ein Lied über das Kaufhaus gemacht. Da gibt es ja auch schon mehrere und mehrere Filme, so Charlie Chaplin kenne ich im Kaufhaus, die Marx Brothers im Kaufhaus und es ist wahrscheinlich bei ganz vielen Kindern der größte Traum, einfach mal eine Nacht in ein Kaufhaus eingeschlossen zu werden und sich das ganze Spielzeug zu nehmen und rumzutanzen auf diesen Betten und alles einfach mal anfassen dürfen oder mitnehmen dürfen oder so. Ich glaube, der Traum gibt es schon so lange, wie es ein Kaufhaus gibt. Und auch, wenn es um Sexfantasien geht oder so, ist das Erste, was einem dann einfällt, also ich spreche da jetzt nicht unbedingt von mir, ist, wir spielen Kaufhausdetektiv. Also dass irgendjemand der Kaufhausdetektiv ist, der ihn oder sie dann beim Sex erwischt oder so und dann kommt es unter irgendwelchen Umständen so zum Sex. Aber in diesem Lied von AG Geige geht es jetzt weniger um Sex als eher um die maximale Gier.
In der DDR gab es die Legende, dass es in Wandlitz ein Kaufhaus gibt oder eine Kaufhalle, wo es einfach alles zu kaufen gab. Erdbeeren im Winter, Bananen ohne Ende. Und alles, was man sich wünschen kann, mir Jokoretten oder Kinderschokolade, nur für die Regierungsmitglieder, die da gewohnt haben. Das heißt, Waldfrieden ist im Prinzip so ein abgezäuntes Gebiet gewesen, streng bewacht. Die haben extra eine Betonstraße von Berlin gebaut, also was abbiegt, kurz hinter Basdorf, und am Liebnitzsee langführt in diese Siedlung. Jeden Morgen ist da die DDR-Führung mit Autos in die Stadt gefahren. Da wurde alles abgesperrt und sind zurückgefahren. Und in diesem Gebiet gab es dann eben auch eine Einkaufsmöglichkeit für die, wo es absolut luxuriös gewesen sein soll, wo es alles geben sollte und wo auch die Leute manchmal recht neidisch waren auf die sogenannten Bonzen, weil die eben alles hatten und wir nichts. Was nicht stimmte, weder in der einen noch in der anderen Beziehung, weil ich hatte immer Bananen eigentlich, wenn ich welche wollte. Ich wollte ja nicht so oft Bananen und ich habe auch in Berlin gewohnt, das stimmt natürlich. Aber trotzdem bei uns, ich hatte das Gefühl, es gab eben alles und wenn es einmal im Monat so Ketchup gab, hat es ja auch gereicht eigentlich. Und in dieser Kaufhalle, von der ich spreche, war es auch nicht so dolle, wie man denkt. Ich habe mir das später auch mal da angeguckt, dieses Waldfriedengebiet. Die haben eigentlich schlechter gelebt als ich, also rein was den Geschmack angeht. Also ich will nicht sagen, dass ich guten Geschmack habe, aber die haben so Neubauten in so einem Fünfstöckern gewohnt und haben sich gegenüber ins Fenster geguckt, so Günther Mittag bei Erich oder Hermann Achsen. Dann waren die noch verfeindet und hatten keine richtige Privatsphäre. Das war eigentlich sehr armselig da. Was aber stimmt, die konnten jagen gehen. Und Erich Honecker hat sich ein Mercedes-Jeep gekauft, so eine G-Klasse. Und da mussten dann die Arbeiter das Mercedes-Zeichen abfeilen, damit da nicht zu erkennen war, dass das ein West-Auto ist oder so, dass das kein DDR-Jeep ist. Und damit ist er dann auf die Jagd gefahren und hat immer auf die Hirsche geschossen und so. Da rennt er ziemlich viel Wild rum. Und das Komische war nur, wenn er einen Schuss abgegeben hat, um einen Hirsch zu schießen, dann haben sie den Hirsch dann gefunden mit acht Schusswunden im Körper, weil er auch wirklich so tot war. Da haben dann die Angestellten aus irgendwelchen Ecken den Hirsch dann auch richtig erschossen. Aber er hat wahrscheinlich bis zum Schluss gedacht, dass er das selbst war.
Und dazu habe ich auch das passende Lied mit, die Diplomatenjagd.
Das war die Diplomatenjagd von Reinhard May. Und der kommt natürlich nicht aus der Regierung der DDR, sondern eher aus dem Westen, wie man an den Ahnherren und so ja auch hört. Er ist aufgewachsen in Berlin, ist einmal echter Berliner und zwar am französischen Gymnasium in Wilmersdorf. Seine Klassenkameradin war Gesine Schwan, die ja dann fast Bundespräsidentin geworden wäre. Und sein anderer Klassenkamerad war Ulrich Roski und den hören wir jetzt mit Der kleine Mann von der Straße.
Das war John Bass, eine wirklich einzigartige Stimme, ganz klar, ganz Glocken hell. Das ist wunderschön. Ich habe das als Kind schon gehört. Ich fand sie sah aus wie meine Mutter. Ich weiß nicht, für wen das jetzt ein Kompliment ist. Bestimmt so für beide. Ich fand sie sah toll aus natürlich. Und habe sie sehr geliebt als Kind. Es gab eine Amiga-Platte, da war sie drauf. Diese Ost-Amiga-Lizenzplatten. Und dieses war das erste Lied. Long Black Whale. Und das Lied habe ich später nochmal gehört, aber dann gesungen von Nick Cave. Da habe ich einem Freund geholfen, Klamotten für eine Modenschau zusammenzunähen, was ich so gar nicht konnte. Aber ich habe mir Mühe gegeben und die untergeordneten, nicht qualifizierten so Arbeiten gemacht. Und dabei stand so ein Rekorder auf dem Tisch und da lief so eine ganz verzerrte, grausige Musik raus. Und das war dann Nick Cave von The Bad Seeds und unter anderem auch das Lied Long Black Whale.
Wir bleiben aber bei den Frauen. Und eine Frau, die ich gesanglich fast genauso gut oder fast noch besser finde als John Bass, ist Aretha Franklin. Und ich spiele jetzt mal das bekannteste Lied, aber das ist doch einfach gut. Respect. Respect, ein Stück Musikgeschichte. Eine Band, die ich auch mit einer starken Frau verbinde, sind die Fugees und Lauren Hill. Lauren Hill, weiß nicht, wie man das ausspricht. Hat ja auch drei Kinder und ist, wie ich gehört habe, im Gefängnis gewesen, weil ich natürlich frage, wie die das geschafft hat mit Kindern und Gefängnis, wie man das in Einklang bringt und ich glaube, sie ist wegen Steuern verhaftet worden. Und dieses Problem ist für mich sehr nachvollziehbar, weil Musiker verstehen oft von Geldgeschäften wenig bis gar nichts und man kann auch sehr schwer damit umgehen als Musiker, dass man Geld kriegt, was man ausgeben kann und dann später muss man, ein Jahr später muss man erst die Steuern bezahlen, dann ist das Geld natürlich in den meisten Fällen weg, weil man sich so freut, wenn man mal Geld kriegt, dass man dann auch ausgibt, sich irgendwas kauft oder so oder es einfach auch zum Leben braucht. Und als Arbeiter, wenn man in eine Fabrik geht, sind die Steuern schon abgezogen, da kriegt man am Monatsende 2000 Mark oder was und die darf man da noch ausgeben, aber als Musiker muss man von dem Geld eigentlich die Hälfte zurückhalten und dann nachbezahlen und das schaffen viele ganz einfach nicht, weil sie charakterlich dazu nicht in der Lage sind, also selbst ich habe damit extreme Schwierigkeiten zumindest gehabt in der Vergangenheit und wenn man sich manchmal wundert, dass einige Bands im hohen Alter auf Tour gehen oder irgendwas machen, was einem völlig so sinnlos erscheint, eine Neuauflage von der Platte oder irgendwas, liegt in den meisten Fällen wirklich daran, dass sie Steuerschulden haben, die sie nicht bezahlen können und deshalb auf Tour gehen müssen, um die Schulden abzubezahlen und nicht ins Gefängnis zu müssen. Ich weiß nicht, was genau die Hintergründe bei den Fugees waren und das ist ja letztendlich auch völlig egal, wenn man die Musik hören kann. Jetzt geht's los. Ich dachte schon, sie war im Gefängnis, während der Titel aufgenommen wurde. Aber nach zwei Minuten ist er dann glücklicherweise noch aufgetaucht.
Im nächsten Lied geht es auch um Kriminelle. Aber ich will jetzt nicht sagen, dass Lauren Hale so kriminell ist. Aber da geht es, wenn ich es richtig verstanden habe, um Bonnie und Clyde. Und diese beiden Figuren, die im Film so genannt worden sind, beruhen auf zwei echten. Die 1959 war ein Junger, der im Prinzip seine Freundin entführt hat oder mitgenommen hat und dann durch Amerika fuhr, einen geklauten Wagen und die Leute oft erschossen hat, von denen er den Wagen genommen hat. Und auch die Leute erschossen hat, ziemlich wahllos, die ihnen mitgeholfen haben oder die sie bei sich übernachten lassen haben oder in den Geschäften oder so. Und ich glaube, zum Schluss hat er wirklich zwölf Mann erschossen oder so. Er ist auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden und das Mädchen, was zur Tatzeit 14 war, hat gesagt, sie ist gezwungen worden und sie ist entführt worden und so. Und obwohl er gesagt hat, dass sie selber auch jemanden erschossen hat, ist sie nicht bestraft worden oder nur so ein bisschen, weil sie auch erst 14 war und sie lebt noch in Amerika und wird sich nie rausstellen, ob sie nun wirklich ihm mitgeholfen hat oder ob sie nur Opfer war, weil sie selber sagt das nicht. Das war jetzt doch ein ganz anderes Lied, als ich gedacht habe. Da war jetzt gar nichts mit Bonnie und Clyde. Aber man stellt fest, wenn man die Sprache nicht versteht, ist es eigentlich auch völlig egal. Es ist ein genauso schönes Lied von Stereo Total. Da kann man ja eigentlich wirklich so jedes Lied hören. Das ist mal wieder der Beweis dafür, dass wenn eine Band gut ist, ist es egal, wie das Lied heißt und worum es da geht.
Jetzt kommt aber wirklich das Lied, das, was ich meine. Nämlich der Nickel-Song von Melanie. Die hat mit 22 ist sie in Woodstock aufgetreten, eigentlich mehr aus Versehen, denn es sollte die Incredible String Band spielen und die wollte aber nicht spielen, weil es geregnet hat. Manche Musiker sind doch sehr empfindlich oder sie hatten Angst, dass ihre Geigen nass werden, das weiß ich nicht. Und da ist einfach Melanie auf die Bühne gegangen und hat Beautiful People gespielt, was einer ihrer ersten Lieder war. Und genau dieses Lied hat dann auch Marilyn Manson aufgegriffen und ist damit ziemlich berühmt geworden. Man denkt ja, das Lied ist von ihm, ist es aber nicht. Und ich spiele das jetzt auch nicht, sondern ich spiele von Melanie den Nickel Song, den ich auch sehr, sehr gut finde. Ich glaube, das gibt es auch auf Deutsch oder so, aber weiß ich jetzt nicht. Nickel Song. Nachsingen finde ich richtig gut. Das hat auch Janis Joplin gemacht. Ich würde es auch gerne machen, weil wir einfach das Lied zu Ende ist einfach nach hinten so ein Rufting mit La La La und Na Na Na. Ich finde das großartig. Mir ist auch wieder so eingefallen, so was ich meinte mit dem Deutschen. Sie hat mal gesungen Who Has Destroyed My Chanson und das hat Dahlia La Vie nachgesungen Wer hat mein Lied so zerstört? Das meinte ich, dass es eine deutsche Version von dem Lied gab.
Jetzt geht es weiter wieder zu einem Mann, aber zu derselben Zeit und demselben Gefühl. Das ist einfach ein Lied, was ich gerne mag. Das ist Talk About The Yellow von Donovan und ich habe das auch ausgewählt, weil wir vorhin den Reinhard May hatten. Und der hat auch diesen größten Hit von Donovan, nämlich Catch the Wind, nachgespielt. Und da hatte ich die Verbindung zu Donovan und Reinhard May und ich dachte, ich spiele mal das Lied, weil ich das so gut finde.
Wir machen weiter mit einem Lied von Joe Siebenborn und auch an Gedenken von Joe Siebenborn, weil der schon gestorben ist. Er hat noch nie was veröffentlicht oder so, sondern seine Freundin oder Bekannte hat mir die CD einfach in die Hand gedrückt und mich gebeten, mal ein Lied zu spielen. Und ich finde das sehr gut, dass man bei Radio 1 einfach eine CD mitbringen kann und ein Lied spielen kann. Ich weiß nicht, ob das bei vielen Sendern noch so möglich ist. Und ich nutze die Chance sehr gerne und spiele ihnen jetzt dieses Lied vor. Ich weiß nicht, wie es heißt. Das war also Joe Siebenborn.
Ich hatte nicht das Glück, ihn kennenzulernen. Ich hatte auch nicht das Glück, den Nächsten kennenzulernen, also persönlich, aber mein Vater hat ihn erkannt. Das geht um Manfred Krug. In der DDR wurde in den 70ern eine Serie gemacht, die hieß Jazz und Lyrik, wo Gedichte vorgetragen wurden und Jazzbands dazu gespielt haben. Also meistens die Jazz-Optimisten Berlin. Wobei mein Vater sagte Jatz-Optimisten. Also Jazz haben nur die Westler gesagt oder so. Das heißt Jatz. Und da habe ich ein Lied gefunden von Manfred Krug, was mir unheimlich gut gefallen hat. Und das Verrückteste war dieses Gitarrenspiel, da war so eine ganz schnelle Gitarre im Hintergrund, da habe ich mich gefragt, wie die das gemacht haben. Das Lied vom Briefträger, also die Ballade vom Briefträger William L. Moore. Die Ballade von dem Briefträger William L. Moore aus Baltimore, der im Jahre 63 allein in die Südstaaten wanderte, um gegen die Verfolgung der Neger zu protestieren. Er wurde erschossen nach einer Woche. Drei Kugeln trafen ihn in die Stirn.
Mittlerweile habe ich Tränen über Strömen vorm Plattenspieler gehockt und konnte ja nicht fassen, wie man in Amerika einfach einen Typen erschießen kann, der für die Rechte der Farbigen kämpft. Aber der Titel ist ja ziemlich aus der Realität entlehnt. Das ging ja noch bis in die 70er Jahre mit der Rassendiskriminierung in Amerika. Und die Stones haben noch von Toiletten berichtet, wo stand nur für Weiße, als sie da auf Tour waren. Das ist kaum zu glauben. Die waren da 1970 unterwegs oder so. Manfred Krug ist ja eher bekannt als Schauspieler und denkt an Spur der Steine, Liebling Kreuzberg auf Achse. Aber in meinen Augen war er auch ein absolut begnadeter Sänger und hätte gar nicht zu Schauspielern brauchen mit seinem Talent als Sänger. Ich habe noch ein Lied rausgesucht von ihm. Der Tag beginnt, was sein Können auch wunderschön zeigt. Das ist ein sehr frühes Lied von seiner ersten Platte bei Amiga.
Das ist jetzt schon sehr komplex, die Musik, das ist schon ein rechter Jazz, was daran liegt, dass Günter Fischer das komponiert hat. Und eine andere Band, die eher auf der anderen Seite stand, mehr auf der Underground-Seite, war Renft, die zwar im selben Alter waren, dasselbe, aber nicht so offiziell und auch nie in der DDR eine Platte gemacht hätten und weil sie das auch gar nicht durften. Hier kommt Renft mit dem Gänseliedchen oder Gänsemädchen, Lieschen jetzt habe ich es. Ich habe wieder mal Quatsch erzählt, das wird nur oft passieren. Natürlich durften Renft im Osten auch zwei Platten machen. 1972 und 73 und erst 75 wurden sie dann verboten, mehr oder weniger.
Ich bin mal wieder, wie man merkt, in meiner Lieblingsecke in der DDR. Und als Krönung habe ich den sogenannten DDR-Blues gefunden. Irgendwie aus Zufall auf YouTube, da haben sie mich da hingeleitet. Ich weiß auch nicht, nach was ich gesucht habe. Da stand DDR-Blues und da waren irgendwelche angeblich DDR-typischen Bilder im Hintergrund, alle etwa grau oder schwarz-weiß, weiß ich. Und in Wirklichkeit heißt es aber Sleepwalk, ist glaube ich auch ein Instrumental, was ich gar nicht mal schlecht finde. Ich finde, man sollte viel öfter mal ein Instrumental hören, auch im Radio. Und die Band heißt Santo und Johnny, wer auch immer sich dahinter so verbergen mag. Also wir hören jetzt den sogenannten DDR-Blues. War zwar wunderschön, aber ich kann natürlich auch West-Lieder spielen, keine Sorge. Und aus derselben Zeit oder ein bisschen später, na ja, Spliff, das haben wir sehr viel gehört und der Trommler von Spliff war Herwig Mitteräcker und der hat eine Solo-Platte gemacht, ich weiß nicht warum, ob die sich gestritten haben oder warum auch immer und die war okay, sag ich jetzt mal, wir fanden sie gut, das war sozusagen der Phil Collins des Ostens und ein Lied fand ich aber total geil, weil das war so untypisch, irgendwie finde ich Sachen gut, die nicht typisch sind. Und da hat er einfach nur geredet. Und am schönsten fand ich immer den Satz, lass es sein, lass es sein. Das ist so ein schöner Satz, das kann man nicht oft genug sagen. Hör mal, Rudi, hör mal. Das geht ja zum Schluss nochmal richtig ab hier. Der Rudi von Herwig Mitteräcker.
Jetzt kommt noch ein Lied, wo man einfach mal nichts dazu sagen muss. Ist mal was Moderneres, damit man nicht denkt, ich bin völlig irgendwo hängen geblieben oder so. Das ist hell mit under your mind. Ich meine, dass man nicht aus Bayern kommen muss, wenn man jodelt oder so, sondern das ist ja hier irgendwie, hat afrikanische Wurzeln, das heißt ja auch The Lion Comes Tonight, also habe ich zumindest gedacht, das heißt The Lion Comes Tonight, das Lied heißt wirklich Wimoway, verrücktes Wort und ich dachte, das heißt, man sagt nur Wimoway, Wimoway, ich kenne das so von Lagerfeuerpartys, wo die Jungs machten so Wimoway oder Wimoway, weiß ich nicht, was wir gesagt haben damals, ich wusste nicht, wie geschrieben wird und die Mädchen haben dann hier, huhuhuhu gemacht, das war mal sehr schön. Und da konnte man schön mit den Mädchen zusammen singen. Und das waren jetzt aber die Weavers. Kann man auch so schlecht aussprechen. Weavers mit Wimoway. Feine Sache.
Und es ist ja normal, dass die auch gejodet haben. Denn die Einflüsse kommen ja aus den Einwanderern, von den Einwanderern aus den Einwohnerländern. Und der Dixieland zum Beispiel ist ja auch entstanden durch die Einwanderer aus Tschechien, die die böhmische Blasmusik gemacht haben und dann nach Amerika ausgewandert sind. Die haben sich dann mit den Farbigen getroffen, die aus Afrika gekommen sind. Und die Mischung zusammen hat dann so Dixieland und Jazz ergeben. Ist zumindest meine Theorie, das muss jetzt nicht stimmen. Blues und Country, die Mischung hat dann Rock'n'Roll gebildet. Auch meine Theorie muss auch nicht stimmen. Und Ska gab es vor, Reggae, der hat sich dann auch mit der Ska, hat sich auch mit irgendwas gemischt. Und dann die Weißen und die Schwarzen und so ist dann die ganze Musik entstanden. Und Funk war dann wieder Blues schnell mit Rhythm & Blues gemischt mit Soul. Boah, klingt ja richtig gut. Klingt fast, als würde es stimmen.
Wie ihr dem auch sei, wir machen weiter mit West-Berlin. Kaspar Brötzmann Massaker war einer der Bands, die ich am meisten gemocht habe. Die wildeste Band, die ich kannte. Kaspar Brötzmann wurde nachgesagt, er ist der deutsche Jimi Hendrix. Das haben viele Leuten viel nachgesagt, aber bei ihm würde ich es mal fast glauben oder auch bestätigen. Wir sind zu Ostzeiten oder zu Wendezeiten mal extra nach Leipzig gefahren, weil da Massaker gespielt hat. Sind mit der Eisenbahn hingefahren, was für uns schon eine große Überwindung war als Punks. Und haben dann irgendwo vor diesem Olympiastadion oder so, ich weiß nicht wie das heißt in Leipzig, dieses große Ding, haben sich die ganzen Fans versammelt, alle schwarz gewandet. Ist ja jetzt noch so, dass da das Gothic-Treffen ist. Und dann fingen die an zu spielen und die Leute haben gestanden und geguckt, eigentlich mit offenem Mund, man wollte sich auch keinen Ton entgehen lassen. Und dann langsam, langsam fingen die Menschenwoge an zu fließen und zu hüpfen, wie in so einer Hypnose sprangen alle so immer höher, bis sie zum Schluss alle ausgerastet sind. Das war wirklich wie im Film. Obwohl man sagt ja, der Film ist ja eher wie die Wirklichkeit. Man ist ja völlig falsch, man sagt es wie im Film, sondern der Film ist wie da, falls es jetzt so Filme gibt, die so waren.
Also jetzt kommt Masaka, Kaspar Brötzmann, Masaka mit dem Lied Masaka. Das ist ganz schön lang. Da kann man sich richtig vorsichtig eingrooven und zum Schluss dann völlig ausrasten. Und ab jetzt. Macht so richtig schön die Tür zu. Dann ist richtig Ruhe und zu. Ich liebe das Lied sehr. Es ist natürlich schwer dazu zu tanzen oder darin zu kommen, weil daran liegt, dass es ein Fünfvierteltaktlied ist. Man muss erst mal ein bisschen, nicht eingrooven, aber dafür haben sie das Lied fast 15 Minuten lang gemacht, damit es auch der Letzte begreift, damit tanzen kann, mitschwimmen kann. Und mir ist es eigentlich auch bis jetzt gelungen.
Ich habe eine Zeitung geschickt gekriegt, weil ich habe ein Interview gemacht im Rolling Stone, um auf mein Buch hinzuweisen. Ich habe ein Buch über das Leben in einer Band geschrieben. Und da haben die ein Interview gemacht mit mir und dann haben die mir die Zeitung so zugeschickt. Da habe ich mir durchgelesen, was noch so drin stand. Und das Interessante ist aber eigentlich, dass da eine CD drin war. Ich mag das sehr, wenn CDs in Zeitungen liegen, weil da hört man Musik, die man sonst nicht hören würde. Ich habe mir die bei der Autofahrt reingelegt und ein Lied hat mir besonders gefallen. Mit diesem Lied, was Apokalypse heißt, so Helge Schneider hat Akopalypse gesagt, fand ich auch sehr lustig, ist es aber gar nicht so oder doch, will ich mich bei Ihnen verabschieden. Hat mir wieder sehr viel Spaß gemacht, mit Ihnen die Sendung zu verbringen. Und ich hoffe, Sie sind beim nächsten Mal wieder dabei. Ich wünsche alles Gute und schönen Abend und schönes Leben. Tschüss.