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Flake talks about work.

Transcript

Herzlich willkommen, da bin ich wieder, um Sie die nächsten zwei Stunden durch den Abend zu begleiten, bei dem, was Sie auch immer machen werden. Abendbrot ist fertig, Kinder sind im Bett, hoffe ich mal. Und ja, ich weiß auch nicht, was Sie jetzt machen.

Da kommt doch die Frage, was ich eigentlich hier mache, immer. Wenn ich sage, ich arbeite, müssen alle herzlich lachen. Da traue ich mich ja nicht, sozusagen. Aber was ist Arbeit eigentlich? Also das hat ja nichts dringend mit Geld zu tun oder so. Das Erledigen einer Aufgabe steht da irgendwie drin oder so. Ich weiß nicht, was Arbeiten ist. Also wenn die anderen lachen, wenn ich sage, ich arbeite, heißt ja, die schätzen Arbeit hoch ein. So hoch, dass ich das nicht mache. Aber wer selber arbeitet, schimpft meistens. Na, scheiße Arbeit hier, ich muss noch weg und dies und das.

Bei den Kindern ist es noch einfacher. Die würden gerne arbeiten, gern, wenn sie groß sind, weil arbeiten gehen, heißt ja einfach auch groß sein. Und die meisten Kinder, also wenn es Jungs sind, sehen es sehr einfach. Großes Auto auf der Straße und gut zu sehen sein, bleibt Müllfahrer oder Feuerwehrmann, sind die bei den Traumjobs. Und die machen auch gar keinen Unterschied, ich eigentlich auch nicht, weil ist es Arbeit? Ja, ist Arbeit, ist ein Feuerwehrmann, Arbeiter? Weiß ich nicht, aber ein Held ist er auf jeden Fall. Der Müllfahrer auch, klar, sind auch Helden, Helden der Arbeiterklasse.

Unverkennbar John Lennon, das sollte ein Lied sein über das soziale Gefälle der Klassengesellschaften. Er hat im Interview auch dazu, er hat ja gerne Interviews gegeben und auch gerne viel erzählt. Da hat er gesagt, dieses Lied ist für den Arbeiter und nicht für Tussis und Schwuchteln. Das hat mich dann doch sehr erstaunt, weil ich dachte nicht, dass die Arbeiterklasse den Tussis und Schwuchteln so gegenüberstehen. Das wundert mich sehr, dass sowas gerade auch von ihm kommt.

In der DDR war das ja auch nicht ganz klar. Es gab ja die Arbeiterklasse und die Gegenpartei und die anderen waren die Bauern. Da haben sie gesagt, ein Arbeiter- und Bauernstaat. Also die Arbeiter und Bauern waren zusammen und das, was übrig blieb, waren dann die sogenannten Intellektuellen oder so und das waren immer die Bösen. Das waren im Tatort die, die mit Antiquitäten gehandelt haben oder einen Gebrauchtwagenhandel im Osten irgendwie hatten, wobei ich sagen muss, die waren ja wirklich auch kriminell und sind es eigentlich so immer noch. Aber um die geht es nicht, es geht um Arbeiter, um die Arbeiterklasse und ich selber, ich habe wenigstens noch Werkzeugmacher gelernt und bin jeden Morgen halb sechs aufgestanden und habe mich so organisiert, dass ich ganz, also dass ich lange schlafen kann, und nicht um fünf aufstehen muss, sondern erst halb sechs, die Arbeit fing um sieben an, dass ich schnell alles schaffe und habe genau geschafft, drei Titel beim Anziehen auf dem Plattenspieler zu hören. Da habe ich mir abends schon die Platte so hingelegt, schon raufgelegt, den Tonarm, also den Tonarm auf den Ständer dazu, aber wusste schon, ich will Titel zwei bis vier hören, also zwei, drei, vier. Drei Titel schaffe ich und lange Zeit im Frühjahr, im April, ich weiß es noch wie jetzt, weil ich verbinde Musik mit der Stimmung auch dazu. Und wenn ich ein Lied höre, habe ich auch den Geruch dazu in der Nase, der da gerade im April war, sag mal 1984. Und da habe ich das Lied von Ton Steine Scherben gehabt, guten Morgen, weil da geht der Sänger zur Arbeit und er sagt, wenn ich diesen roten Backstein baue sehe, kriege ich so schlechte Laune oder so, wir hören das gleich. Und da habe ich genau vor Augen gehabt den Weg, den ich morgens in meinen roten Backsteinbau von der Lehre gehe und deshalb habe ich das Lied so verinnerlicht und habe jede Zeile mitgefühlt und dieses Lied war mein Lied aus meiner Zeit in der Arbeiterklasse.

Dem Lied ging es dann richtig gut los zur Arbeit und ich habe auch die Pfeile in Schwung, also sogar das hat gestimmt und die drei Brötchen auch und ich habe mich gewundert, was man als Jugendlicher, der die Pfeile schwingt, doch für den Appetit früh um neun, wenn es Frühstück gibt. Also meine Mitkollegen haben sich zwei Currywürste mit Bratkartoffeln geholt und Ei zum Frühstück um neun, da war ich gewohnt so ein paar Haferflöckchen zu essen oder irgendwie was ganz kleines Feines. Aber langsam habe ich mich dann auch entwickelt und die Brötchenanzahl doch schlagartig erhöht.

Wir bleiben bei Ton Steine Scherben. Ich finde den Namen so gut. Ich dachte früher, das ist so eine Revolutionsband und Straßenkampf und da steht Geschirr, da nimmt jemand einen Stein und dann ist aus dem Geschirr Scherben, also dass sie alles kaputt schlagen wollen. Und erst viel später in irgendeinem Interview gehört, dass Landruh irgendwie gesagt hat, dass das Zitat von Heinrich Schliemann ist, als er Troja ausgegraben hat. Da hat er gesagt, alles was ich sah, waren Ton, Steine, Schaben. Ist natürlich völlig klar, wenn man eine Ausgrabung macht, da liegt halt nichts anderes drum, außer Knochen vielleicht noch, aber Knochen hat da nicht oder es hat nicht in den Namen gepasst. Jedenfalls heißen die so, nicht weil sie was kaputt schlagen wollen, sondern weil sie Heinrich Schliemann verehrt haben oder einfach diesen archäologischen Aspekt so gut fanden, dass man da auf einen Blick so verschiedene Sachen sieht.

Das nächste Lied handelt davon im Prinzip, worum es in der Sendung gehen soll, um diesen Klassengegensatz zwischen der Arbeiterklasse und den Chefs. Und der Chef oder Boss oder wie man den auch immer nennen will, da kommen wir noch später drauf, da hat Gunther Gabriel noch was dazu zu sagen, wie man sich schon denken kann, aber jetzt kommen erstmal nochmal die Scherben.

Das waren Ton Steine Scherben. Und Kai Sichtermann, der Bassist, hat eine andere Geschichte erzählt. Der hat gesagt, die sind vorbeigekommen an einem Schild Industriegewerkschaft Bausteine Erden. Und dann haben sie aus Bausteine Erden VEB Ton Steine Scherben gemacht. Das VEB haben sie dann weggelassen, weil das keiner verstanden hat im Westen, was das sein soll. Die fanden das sehr lustig wegen volkseigener Betrieb. Die Linken im Westen waren ja linker als die Linken im Osten im Prinzip. Aber keiner verstanden, deshalb hießen sie nur Ton Steine Scherben.

Bei der ganzen Diskussion über die Arbeit darf man nicht vernachlässigen, dass den meisten Menschen, vor allem in der Vergangenheit, gar nicht die Entscheidung zustand, ob sie Feuerwehrmann werden wollen oder Müllmann oder sonst irgendwas. Denn durch die Klassenunterschiede sind viele einfach schon als Sklaven geboren worden und mussten einfach das machen, was ihre Eltern gemacht haben oder was ihr Besitzer eben wollte. Und in Amerika, als sie extra ja die Afrikaner auf Schiffen dahin gekarrt haben, das heißt mal auch Karren bei Schiffen geschifft haben, mussten die auf den Baumwollfeldern arbeiten und da haben sie sich dann verschiedene Lieder ausgedacht, damit ihnen die Arbeit besser von der Hand geht, weil das ist ja sehr monoton, das Pflücken, das tut doch sehr an Fingerspitzen weh, weil das so dornig ist. Und dann haben die Baumwollpflücker ewig zusammen gesungen und so, damit sie den ganzen Tag so durchhalten. Sind das dann wieder so Arbeiter oder Bauern, fragt man sich. Im Prinzip auch eine Art von Arbeit dann.

Und es gibt ein berühmtes Lied, was sehr, sehr viele Bands gespielt haben. Lead Belly hat es 1940 zum ersten Mal veröffentlicht. Und später wurde das Lied gespielt von Odetta, Esther und Abi Ofarim. Wobei ich es sehr geil finde, dass man sich Abi nennt. Dann ist das Abi dann schon nicht so schwer, wenn man das schon mal im Namen hat. Rory Fontabelle, Quatsch, Bella Fonte. Trini Lopez kenn ich nicht. Elvis Presley kenn ich. The Carter Family, Johnny Cash natürlich. Buck Owens, Bill Monroe, den finde ich sehr, sehr gut. Petula Clark, The Beach Boys, Creedence Clearwater Revival, Elton John, The Pokes, die Röner Sau-Wenst, was auch immer das sein mag. Und Udo Jürgens, und den hören wir jetzt.

Die Sklaverei wurde Gott sei Dank abgeschafft. Aber in den meisten Systemen nimmt man, wenn man keine Sklaven mehr hat, die Strafgefangenen, um die unangenehmen Arbeiten auszuführen. Auch wo man ruhig dabei sterben kann oder so. Und das war natürlich in Deutschland so in der Nazi-Zeit auch weit verbreitet. Und da hat Wolfgang Langhoff mit Johann Esser einen Text geschrieben. Das ist wirklich der Wolfgang Langhoff, der der Vater von Thomas Langhoff vom DT ist. Und die haben einen Text geschrieben. Und ein kaufmännischer Angestellter namens Rudi Gogul hat einen Text dazu geschrieben. Und dann haben sie am 27. August 1933 bei einer Veranstaltung namens Circus Concentrazani das Lied aufgeführt. Jetzt frage ich mich, ob der Text auch Gefangener war und in seiner Gefangenenfunktion sozusagen den Text geschrieben hat, das Lied geschrieben hat, die Musik geschrieben hat oder ob er von außen kam. Er hat sich später erinnert, die 16 Sänger, vorwiegend Mitglieder des Solinger Arbeitergesangsvereins, marschierten in ihren grünen Polizeiuniformen, unsere damalige Häftlingskleidung. Damit hat es sich geklärt, er war mitgefangen, aber er sagt, mit geschultertem Spaten in die Arena. Ich selbst an der Spitze in blauem Trainingsanzug mit einem abgebrochenen Spatenstil als Taktstock. Wir sangen und bereits bei der zweiten Strophe begannen die fast tausend Gefangenen den Refrain mitzusummen. Von Strophe zu Strophe steigerte sich der Refrain und bei der letzten Strophe sangen auch die SS-Leute, die mit ihren Kommandanten erschienen waren, einträchtig mit uns mit. Offenbar, weil sie sich selbst als Moorsoldaten angesprochen fühlten. Bei den Worten »Dann ziehen die Moorsoldaten nicht mehr mit dem Spaten ins Moor«, stießen die 16 Sänger die Spaten in den Sand und marschierten aus der Arena die Spaten zurücklassend, die nun in der Moorerde steckend als Grabkreuze wirkend. Zwei Tage nach der ersten Aufführung wurde das Lied verboten. Trotzdem, was das Wachpersonal des Lagers das wiederholt verlangte, dass das Lied von den Häftlingen auf ihren Märschen zum Arbeitsplatz gesungen wurde. Da wird die Musik wieder missbraucht, im Prinzip damit die Arbeiter besser arbeiten für die Nazis. Aber das Lied an sich ist so gut. Ich kann jeden verstehen, der das gerne hören will. Wir haben das in der Schule gelernt und ich singe das jetzt noch manchmal beim Wandern vor mir. Obwohl ich nicht weiß, ob das jetzt politisch korrekt ist oder so, wenn man die Moorsoldaten singt, wenn man fröhlich durch den Thüringer Wald wandert. Aber was soll's.

Wir versuchen mal wieder ein bisschen auf eine heitere Ebene zu kommen. Ich hatte mal von Manfred Maurenbrecher das Lied gespielt, Das ist Arbeit. Das wollte ich jetzt eigentlich spielen, aber da ich es schon vor ein paar Wochen gespielt habe, will ich es nicht nochmal spielen. Da ging es eben darum, dass alles, was er macht, im Prinzip so Arbeit ist, so wie bei Beuys, hier das berühmte Zitat, wo er in der Küche sitzt und Kartoffeln schält und die Studenten kommen rin und sagen, Herr Beuys, was machen Sie da? Hat er gesagt, ich mache Kunst. Ich weiß nicht, ob die Geschichte stimmt, aber so klingt es erstmal gut. Und Herr Maurenbrecher hat es im Prinzip mit Arbeit genauso gemacht, als er sagt, wenn er sitzt im Park und guckt den Spatzen zu, sagt er, das ist Arbeit. Also das im Prinzip von Künstlern, das ganze Leben zu beobachten, auch zur Arbeit gehört und im Prinzip alles, was man macht, wenn man die zu betrachten will, ist Arbeit, ohne dass es anstrengend sein muss oder so. Arbeit heißt ja nicht, dass es anstrengend sein muss oder so. Obwohl auch manchmal schon eine Erledigung, eine Aufgabe. Also wenn die Lehrerin sagt, Hefte raus, Klassenarbeit, ja, was soll man da sagen? Also bringt nichts, den Kindern meistens nicht.

Jedenfalls hat er noch ein Lied gemacht, das handelt eher davon, wie das ist, wenn man keine Arbeit hat. Und wie schon Karl Eduard von Schnitzler wusste, das Schlimmste am Kapitalismus ist nicht, dass man arbeitslos ist, sondern dass man das Gefühl hat, dass man nicht gebraucht wird. Und das wünschen wir wirklich kein Menschen.

Manfred Maurenbrecher, ein tadelloser Typ. Ich weiß ja auch nicht, wieso der so unbekannt ist. Ich habe ihn zuletzt gesehen in Karwitz in der Dorfkirche. Da hat er gespielt im Sommer vor, weiß ich, 100 Mann oder so. Der hätte in meinen Augen größeren Erfolg verdient. Aber wer was in wessen Augen verdient hat, ist ja eine völlig andere Frage. Meine Tochter hat mal gedacht, meine Mutter arbeitet, nicht meine Mutter, ihre Mutter, meine Frau arbeitet bei Amazon. Immer wenn es aus der Schule kam oder so, saß meine Frau am Schreibtisch, Computer aufgeklappt und Amazon, Mama, arbeitest du bei Amazon? Das ist natürlich ein Witz, habe ich mir jetzt ausgedacht. Wir bleiben in Norddeutschland von Parchim. Ja, wo kommt eigentlich Torfrock her? Ich würde erst mal spontan auf Hamburg tippen. Mal sehen, ob es stimmt. Auf jeden Fall ist er wahrscheinlich auch ein Arbeiter. Er hat ja was mit Flaschbier, Werner, zu tun. Ich denke mal, ja, weil der Torfrock hat die Musik gemacht, beinhart wie ein Rocker, das ist nicht ganz so meine Welt. Und Flaschbier Werner ist auch kein Arbeiter. Also man muss schon ganz schön suchen, bis man einen richtigen Arbeiter findet. Aber ich glaube, der Presslufthammer Bernhard, weil es sich ein B zu wenig hatte, sei es mir nachgesehen, der ist ein Arbeiter.

Ich komme vom Presslufthammer zum Maurer und dieses Lied ist, glaube ich, von 1998 oder so. Und da kann man mal wieder sehen, dass sich manche Sachen einfach nicht ändern. Dass es völlig egal ist, in welcher Gesellschaft es oder so ist es. Ein Maurer ist halt ein Maurer. Und immer sehr gewissenhaft. Ich hab ein Haus in Berlin, das ist doch wie neu. Bloß oben ist ein Loch, da ging etwas in zwei. Nun fehlen da oben ein paar Steine, es müssen neue dorthin. Ich sag zu einem Maurer, na, die sind doch bald drin. Aber gewiss, lieber Mann, da fangen wir vielleicht morgen an.

Im Osten war ein Handwerker, so was Gottgleichet. In der Windstraße gab es einen Klempner, der hatte dienstags von 13 bis 14 Uhr Sprechstunde oder so. Da stand er in der ganze Kiez und wollte einen Termin. Und er saß drin im Büro, hat geraucht, ich glaube Zigarre und Pfeife. Also es war eine dicke Wolke, wenn ich mit meiner Mutter mitgegangen bin, weil ich ein Hauskind war, bin ich da fast gestorben, weil man in dem Raum nicht atmen konnte, aber wir mussten da halt rein, das war wichtig, weil irgendwas, bei uns hat die Klospülung getropft und dann hat man Termine gekriegt, irgendwie acht Wochen später oder so, hat sich der Klempner dann erbarmt. Er ist dann natürlich nicht selber gekommen, sondern irgend so ein Lehrling und dann hat man Kuchen gebacken, man hat Kaffee gekocht, den Westcafé von der Oma noch mitgebracht, so vorbereitet, die Wohnung geputzt und alle so vorbereitet.

Es gibt auch viele Schichten, die mit Sex zu tun haben. Ich kannte mal ihn, der war irgendwie, ja, der war wohl Klempner. Und der hat ununterbrochen erzählt, dass er wohl nichts mehr gemacht hat, als mit einem alleinstehenden Frauen so zu schlafen, wenn der Mann auf der Arbeit war. Also da waren sie ja nicht alleinstehend, nur kurz. Und hat man alles so schick gemacht. Und dann kam die Wende, dann kam der Westen. Und auf einmal war ein Handwerker einfach ein Handwerker. Und man konnte zu ihm sagen, naja, wenn du das nicht machst, dann nehme ich mir eben einen anderen. Und die, nee, nee, wir machen das schon. Dann lief das alles, aber irgendwie hat es jetzt eine Entwicklung genommen, dass es wieder keine Handwerker gibt und dass man wieder anfängt Kuchen zu backen und Kaffee zu kochen und ich passe auch auf, dass meine Frau nicht alleine beim Klempner kommt. Hier ist ein Lied über den Klempner.

Wenn ich zum Arzt gehe, suche ich mir immer die Frauenzeitschriften raus, weil ich ja die Frauen verstehen will, damit ich besser mit ihnen umgehen kann. Und ich denke, wenn ich lese, was die Frauen lesen, lerne ich das auch alles so ein bisschen besser. Ich nehme zum Beispiel auch Frauenparfüm, weil Parfüm, was Frauen gut finden, finden sie auch gut, wenn es dann Männer tragen, habe ich gedacht. Und Frauenseife und so. Jedenfalls lese ich mir dann die Frauenzeitungen durch, was die so gut finden. Und dann gucken wir die Fotos an. Und dann kommen die richtig ins Schwärm, wenn sie mal einen richtigen Arbeiter auf der Straße sehen, der richtig verschwitzt und mit Muskeln, freier Oberkörper. Dann stehen dann so hier Schnappatmung, Lechts und so. Oder die süße Kerl. Es gibt auch Befragungen, was wollen sie am liebsten oder so. Dann wenn der geile Bauarbeiter von gegenüber wieder. Also Frauen stehen auch unabhängig vom Intellekt oder so absolut auf Arbeit. Aber umgekehrt ist es natürlich genauso. Also die Stones haben ein Lied gemacht, dass er so auf so ein Fabrikmädchen steht, auf so ein ganz einfaches Mädchen, wo es so ist. Da frage ich mich, ist er schon so weit entfernt als Sänger, dass er für ein Fabrikmädchen schon was ganz Besonderes ist, oder ist die Sängerfigur wieder völlig unabhängig von der echten Figur im Leben oder so. Jedenfalls singt Mick Jagger als absoluter Rockstar über ein Factory Girl.

Willkommen zum zweiten Teil. Ich weiß nicht, ob Sie das kennen. Als ich gearbeitet habe oder so regelmäßig irgendwo hingegangen bin, habe ich mir jeden Morgen Wecker gestellt, also abends den Wecker gestellt, damit er morgens klingelt. Und eigentlich nach zwei Tagen brauchte ich den Wecker nicht mehr, weil ich immer ganz kurz vorm Wecker klingeln so aufgewacht bin und den Wecker dann ausgeschaltet habe. Ihr braucht den Wecker eigentlich nur, wenn ich mal ganz spät ins Bett gegangen bin und ganz früh aufstehen muss, außerhalb des Alltags oder so. Aber es als Arbeiter oder Frühaufsteher oder Schüler oder so, dass ich jeden Tag den Wecker klingeln lassen habe, so ging es mir persönlich nicht, Manfred Krug schon.

Er klingt genervt, muss ich mal sagen, er will nicht, aber er sagt schon einen Aspekt, dass wenn man so eine, der Wester sagt, 9-to-5-Arbeit, wenn man so eine feste Arbeit hat, hat man, wenn man Feierabend hat, wirklich auch Feierabend und das ist eine feine Sache. Er sagt, er haut sich aufs Ohr, dann sagt man so, jetzt ist Schluss oder jetzt habe ich Urlaub, jetzt habe ich drei Wochen, da mache ich mal nichts oder so und hat so ein absolutes Freiheitsgefühl, was man so als Schluffi, wie ich so bin, dann eher nicht hat. Ich bin immer so halb beschäftigt, sage ich mir, das müsste ich noch machen und da und wie mache ich denn das und da und auch diese ganzen Deadline-Typen, die arbeiten ja bis zur Deadline im Prinzip Tag und Nacht, die Kinder verrotten irgendwo im Kindergarten und da ist so eine richtige klare Arbeit doch eine feine Sache. Aber das kann man den Leuten natürlich, das ist natürlich sehr arrogant, den Leuten zu erklären, die so einen Job machen müssen, aber auch die, die so einen Job nicht machen müssen, die regen sich viel auf, wie zum Beispiel Deichkind.

Deichkind, Arbeit, Nerven. Die genervten Arbeiter würden jetzt sagen, Deichkind, Nerven. Oder Deichkind, Arbeit, Nerven. Nerven Deichkind, Arbeit? Arbeiten Kinder Deich, Nerven? Ich weiß jetzt nicht. Nächstes Lied.

Arbeit ist gut, wenn sie ganz weit weg ist. Das ist ja wirklich hart. Ein bisschen ist es wie das Materialied, alle haben einen Job, nur ich habe Langeweile. Also ich kann das total verstehen, wenn jemand sagt, er hat keinen Bock zum Arbeiten oder hat keine Lust. Bloß Arbeit ist wirklich schwer zu dürfen. Arbeit ist alles. Sido zum Beispiel hat sich getrennt von seiner Frau und da sagt er, er hätte, also das ist natürlich jetzt völlig abgehoben, aber man muss an Beziehungen auch arbeiten, auch ständig. Also wenn man gar nichts macht, ob man das nur Arbeit nennt oder nicht, dann passiert doch nichts.

Die meisten arbeiten aber eigentlich nicht, um zu arbeiten, obwohl das ja wichtig wäre. Arbeit ist ja, man sagt so schön, Sinn stiften, ist ja das, was das Leben eigentlich ausmacht, weil man schläft acht Stunden. Acht Stunden sollte man arbeiten und acht Stunden hat man Freizeit, wobei man die Freizeit leider ausgibt für Fingernägel, sauber machen, Kopf waschen, also essen, aufs Klo gehen, also eigentlich Unsinn, was man ja nicht braucht jetzt in dem Sinne, also was im Prinzip vertane Zeit ist. Und wenn man schläft, da merkt man ja nicht viel. Also ist die Arbeitszeit eigentlich die Zeit, die man Leben nennt. Die ganze Zeit, wo man sich aktiv verwirklichen kann und irgendwas macht. Insofern ist die Lebenszeit, Arbeitszeit doch die wichtigste Zeit. Und da sollte man darauf achten, dass man was macht, was einem auch Spaß macht oder so. Oder dass man vor allen Dingen auch überhaupt was macht. Aber es ist immer noch dieses Vorurteil, dass man arbeitet, einfach um Geld zu kriegen, um zu überleben. Das ist jetzt natürlich nicht schön. Also die Vorstellung, dass man ein ganzes Leben lang irgendwas machen muss, was man nicht machen will, nur damit man überleben kann. Aber ich fürchte, so ist die Welt noch an manchen Teilen. Und wenn man dann schon diese Arbeit macht, dann will man dafür auch Geld haben, beziehungsweise auch mehr Geld.

Ich bin Bruno Wolf und seit 15 Jahren hier. Ich war immer pünktlich und habe meine Arbeit getan, Tag für Tag. Und ich habe meinen Mund gehalten. Aber heute, heute muss es raus. Hey Boss, ich brauch mehr Geld.

Wir haben gelernt, dass das der Unterschied zwischen Osten und Westen ist. Im Osten durfte man nicht auf den Staat schimpfen, weil man so Honecker ist doof gesagt hat, wo kommt man im Prinzip in den Knast oder so. Aber man konnte sagen, hier, mein Boss hat Mist gebaut, wir warten hier auf das Material, das kommt nicht, der Arbeitsablauf, das stimmt hier nicht, wir müssen hier das ändern und so. Und im Westen war es umgekehrt. Man könnte sagen, hängt Kohl auf oder so. Das fanden alle ganz normal als freie Meinungsäußerung. Aber wenn man gesagt hat, mein Chef baut hier Scheiße, ist man einfach entlassen worden oder so, weil das haben die sich nicht gefallen lassen. Und der Chef, der war dann im Prinzip so eine Art Feindbild, was die Arbeiter aber auch irgendwie brauchten oder so. Da gab es dann viele Begriffe. Der Chef, der Boss. Bei uns haben sie noch gesagt, der Alte. Der Spanner war der Mitarbeiter. So Hugo Boss ist eigentlich ein richtig guter Name, da ist der Chef schon mit drin im Namen, ist total gut. Aber wenn es nicht genug Geld gab und man nicht durchkam beim Chef, dann half eigentlich nur noch der Streik.

Streik ist eine ganz alte Sache, die kommt vom Englischen von Schlagen, aber auch von die Segelstreichen, weil die haben mal auf irgendwelchen Schiffen, da haben sie mal irgendwie die Arbeit eingestellt, weil die Arbeitsbedingungen an Bord so schlecht waren und da haben sie die Rahen heruntergelassen, dass man die Segel nicht aufziehen konnte. Und das heißt dann Strike the Sails, also die Segel streichen. Und da hat sich das Wort Streik für Arbeitsniederlegung dann in Wales und in England dann verbreitet. Und jetzt sagt man in Deutschland noch Streik und im Prinzip in allen Ländern. Das wird immer Streik ausgesprochen, aber wird anders geschrieben. Dänisch Streik, Schwedisch Streik, Norwegisch Streik, Kroatisch Streik mit A-Y und so weiter und so weiter. Und in Deutschland einfach Streik. Das war wieder VEB Ton Steine Scherben. Und hier kann man mal sehen, dass der Inhalt ein bisschen das Künstlerische, also der Inhalt steht hier im Vordergrund, dass gestreikt wird. Umgekehrt ist es bei Bob Dylan. Da ist erstmal ein Newtied Lied da und später habe ich mich erst darum gekümmert, worum es da geht. Das ist die Desolation Row. Row, ich dachte, das ist gerollt, aber ist die Row? Was ist denn Row? Irgendwas Raffes, Raues. Keine Ahnung, mit Desolation ist irgendwas Schlechtes, weil es fängt mit Deso an. Desolat. Ich werde noch Sprachforscher im zweiten Leben. Die Desolation Row ist wohl die große Rolle, durch die alles gedreht wird, es sei denn, man steht selber an der Kurbel. Das hab nicht ich gesagt, sondern jemand anders. Wir hören erst mal das Lied.

Das war Billy Bragg, ich habe das Lied ausgewählt, weil es ist von der Platte Working Class Playtime und Working Class ist ja verständlich, die Arbeiterklasse. Billy Bragg kenne ich persönlich aus Zufall, weil der in der DDR gespielt hat. Der war an der Volksbühne und beim Festival des politischen Liedes und ich fand ihn unabhängig von der Musik unsagbar sympathisch. Der hatte so kurze Haare, eine Lederjacke an, war sportlich, jung. Der war so das Gegenteil von diesen Ostrockern, die mit ihrer Wampe da standen und Schnurrbart und so und auf den Musiker gemacht haben. Das war so ein echter, frischer. Ich habe den nie als Punk gesehen, obwohl er im Prinzip mit seiner Gitarre eine ganze Band ersetzt hat. Ich fand den richtig gut, Billy Bragg. Ich versuche den meinen Kindern vorzuspielen, die interessiert es nicht. Die erkennen ja nicht mal Bob Dylan.

Das war das Lied davor. Bob Dylan hat man früher beim ersten, also ich beim ersten Ton erkannt, weil der so genäselt hat. Man hat gesagt, er hat so undeutlich gesungen, dass selbst seine besten Freunde nicht verstanden haben, wovon er singt. Mir wird egal, weil ich das Englische so und so nicht verstanden habe. Und ich versuche, meine Kinder vorsichtig ranzuführen, indem immer, wenn was im Radio kommt, ist ja selten genug, ich frage immer, na, wer singt da, na, wer singt da? Und dann kommt so, äh, Police? Nein, hör doch mal auf die Stimme und so. Ah, ich weiß, Red Hot Chili Peppers. Nein, so ähnlich. Ah, Johnny Cash. Nein, aber bist nah dran, das lassen wir gelten, es ist Bob Dylan. So ist es eben, wenn man Rentner ist und versucht, die Kinder irgendwo dran zu halten. Und bei Rentner fällt mir ein, das ist ja die Stufe danach der Arbeit, dass ich eine Band gefunden habe, die Rentnerband heißt. Und die musste ich doch sofort spielen.

Super von der Müllabfuhr braucht keine Angst zu haben, dass er durch eine Maschine ersetzt wird. Das war die größte Angst irgendwie in 80er Jahren oder so. Ja, unsere ganzen Jobs werden fallen, alles können Maschinen machen. Klar können die Maschinen viel machen, aber eigentlich die wichtigsten Sachen nicht. Die wichtigsten Sachen sind ja bei der Arbeit mit anderen Menschen umzugehen, also die Pflegeberufe und so, obwohl die können vielleicht jetzt auch schon die Roboter machen. Es gibt ja hier die Streichelkatzen und so, die auch miauen und so, die im Demenzheim sind. Aber ich glaube, die Angst, dass Menschen von der Maschine ersetzt werden, ist geringer als die Angst, dass man einfach ausgebeutet wird oder so, dass man in Berufen arbeitet, also dass man nicht das machen kann, was man eigentlich machen will und was man machen könnte, weil irgendjemand damit dann kein Geld verdient oder so. Und klar werden Pflegekräfte vom Staat bezahlt und nicht privat und dadurch ist keiner groß interessiert, da noch 1000, 2000, 5000 mehr einzustellen, weil die ja von irgendwelchem Geld bezahlt werden müssen und keiner hat Lust irgendwas zu bezahlen oder so. Also das Problem liegt eher in einer Ungerechtigkeit oder einer Profitgier der Leute, als dass jetzt irgendwie Maschinen kommen oder so. Aber die Vorstellung hat auch was Faszinierendes, dass man nicht mehr zu arbeiten braucht im Großen und Ganzen oder dass ein riesiges Heer von Maschinen jene Arbeiten ausführt und sozusagen Mächte werden zu so einem ästhetischen Wunderwerk wie bei Moderne Zeiten von Chaplin oder so.

Also die Firma, also jetzt die Ostfirma, das gibt auch eine Westfirma, die meine ich nicht, hat darüber ein Lied gemacht, das heißt die Maschinenrepublik. Und das umfasst eigentlich noch mehr, als dass einfach die Arbeiter durch Maschinen ersetzt werden, sondern das heißt, dass die ganze Republik im Prinzip den Gesetzen einer Maschine unterliegt. Wenn ich das mal so ausdrücken kann, das kann doch sein, ich habe das völlig falsch verstanden. Hier ist Die Firma.

Danke an die beiden Kinder der Maschinenrepublik, die da mitgesungen haben. Das sind die Kinder der Familie Baumgärte aus Hermsdorf bei Dresden. Deshalb haben die diesem Lied so einen schönen sächsischen Unterton gegeben, was der Sache aber mehr Ernsthaftigkeit verleiht, weil gerade man hat ja den Sachsen so nachgesagt, dass sie so ganz ordentlich sind und alles so richtig machen wollen und so. Im Bezug auf die Maschine finde ich schon wieder fast richtig gut. Das nächste Lied hat den Vorteil, dass ich es noch nicht kenne und mir selber so anhören kann; ich denke es geht ums selbe Thema, weil das Lied heißt Menschschiene, das ist so ein wunderbares Mischwort wie Gundulatrine, also Menschschiene muss ich mir auf der Zunge zergehen lassen, von Dendemann.

Eigentlich fehlt jetzt nur noch James Brown mit Sexmaschine. Das würde jetzt schon wieder passen, aber das geht auch schon wieder ein bisschen um ein anderes Thema, weil es geht ja nicht um Maschine oder um Sex, sondern um Arbeit. Und kannst du nochmal sagen: Arbeit macht das Leben so süß wie Maschinenöl. Das haben auch die Scherben gesungen, ist ja Wahnsinn. Man könnte fast eine Scherbensendung über die Arbeit machen, aber da reicht wieder mal die Zeit nicht. Wir haben noch ein Lied, wozu die ganze Arbeit jetzt fürs Land führt, nämlich zur Steigerung des Bruttosozialproduktes. Das sind Wörter, die ich im Staatsbürgerkundeunterricht nicht gelernt habe, da hatte ich nur Unterbau, nie Quatsch, Überbau, Basis und Überbau und so, Marxismus, ich habe alles vergessen. Wozu gehe ich denn zur Schule, wenn ich alles vergesse? Man lernt nicht für die Schule, sondern fürs Leben und man arbeitet nicht für die Schule, sondern für sich selbst, finde ich. Ich weiß es auch nicht, am besten ist und man geht früh ins Bett, also jetzt, dann hört man nämlich auch früh das Wecker klingeln nicht, weil man schon von selbst so oft gewacht ist. Das ist nicht mein Tipp. Bis zum nächsten Mal. Tschüssi.