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Transcript

Hallo und herzlich willkommen. Hier ist Flake. Herzlich willkommen zum Podcast.

Das erste Lied war von Linton Casey Johnson und das Lied gefällt mir so gut, weil der Mann so eine herrlich beruhigende Stimme hat. Ihr könnt gleich wegpennen, mache ich jetzt aber nicht, weil ich will ja noch mehr spielen. Und bei diesem Lied hat mir besonders gut gefallen, dass da ein Saxophon mitspielt. Also ein Saxophon, was mir auch gefällt. Normalerweise hat ein Saxophon ja wirklich nichts in der Rockmusik zu suchen. Müsste auch laut der Genfer Menschenrechtskonvention längst verboten sein. Aber in diesem Lied haut es jetzt irgendwie hin, ist es so weich und samtig um meine Ohren, dass es mich richtig freut. Bei anderen Bands, wie bei Stones, hab' ich nie begriffen, weshalb da ein Saxophon mitspielt, weil die Musik war an sich schon gut und da brauchte man das nicht. Und bei anderen Bands, wie Blur oder so, dann ist es auch egal, ob ein Saxophon mitspielt.

Aber jetzt kommt doch erstmal ein Lied, garantiert ohne Saxophon. Unwahrscheinlich, was zwei Mann für eine Energie entfesseln können. Ich hätte ja nie gedacht, dass es zwei Mann-Bands gibt, bis ich die White Stripes gehört habe, die ja mit Gitarre und Schlagzeug spielen. Und Royal Blood spielen mit Bass und Schlagzeug. Und dann habe ich mal geguckt und habe noch gefunden, die Abstürzenden Brieftauben, das ist ja auch eine Zwei-Mann-Band. Und da habe ich ganz tief nachgedacht und da fiel mir ein, dass ich selber mal eine Zwei-Mann-Band gespielt habe, die Magdalene-Kaibel-Combo, wo ich eigentlich nur mit Pauli gespielt habe. Und manchmal hatte man noch einen Gasttrommler. Und da sind wir mit einem gemieteten Barkas von der Stasi irgendwie aus der Straßburger Straße, die haben bei uns gemietet und sind auf die Dörfer gefahren und haben unsere Konzerte gemacht. Und dann saßen wir ganz traurig zu zweit nebeneinander vorne, wussten gar nicht so, was wir reden sollten, weil wir kannten uns ja auch schon ein paar Jahre. Und alles, was eine Band ausmacht, die blöden Witze, das Rumgesaue und alles, das fehlte. Und wir waren eher wie so zwei Staubsauger-Vertreter unterwegs oder so. Das war vom Band-Gefühl her nicht das, was man sich vorstellt, aber im Großen und Ganzen hat es doch auch Spaß gemacht. Hatte natürlich nicht die Power.

Heute wollte ich eigentlich über Bücher reden. Das heißt, meine Grundidee war, Bücher mitzubringen und Stellen vorzulesen, ohne zu sagen, von wem das Buch ist und wie das Buch heißt. Aber die Sache ist daran gescheitert, dass ich einfach meine Bücher nicht mehr erfunden habe. Denn seit der Zeit, wo man sich immer alle Bücher kaufen kann, braucht man alle Bücher gar nicht mehr in einer Wohnung aufzuheben. Und so habe ich mir angewöhnt, ein Buch, wenn mir das gefallen hat, gleich weiter zu verschenken. Oder ich habe es verborgt genannt und das war dann Verschenken, weil ich der Meinung bin, dass ein gutes Buch auch viele Leute lesen sollten. Und in einer Zeit, wo der Kulturaustausch darin besteht, dass man sich irgendwelche Videos auf dem Handy schickt, wie Jogi Löw sich an den Sack fasst oder irgendwelche Osterhasenbilder, wo man sieht, dass die Ohren dann irgendwelche Schamlippen sind, erschien mir das doch eher wichtig, einfach mal die Bücher zu verschenken und deshalb habe ich die jetzt einfach nicht mehr gefunden und mache eine Sendung ohne Bücher, aber dafür mit Musik und zwar mit Rockmusik.

Das war Keith Stingel. Und obwohl der aus West-Berlin kommt, habe ich bei seinen Liedern, besonders bei diesem Lied, das Gefühl, dass ich ganz deutlich die DDR-Rocker sehen kann. Diese Jugendlichen, man wusste ja nicht, wer Rocker ist und wer nicht. Also Rocker war man eigentlich schon, wenn man eine Jeansjacke hatte oder Moped gefahren ist. Dann gab es die Motorrad-Rocker, die haben ja weniger mit der Musik zu tun gehabt. Die Blues-Fans zählten auch manchmal als Rocker, wenn sie in Gruppen aufgetreten sind. Und das Lustigste war, wenn wir in Rand-Berlin gespielt haben und haben die Leute gesehen, die sich auf ihre Jeansjacken mit Kugelschreiber irgendwelche Bandnamen draufgeschrieben haben. Irgendwas wie Accept oder Iron Maiden. Das war grammatikalisch nicht immer so einwandfrei. Ich kannte auch einen, der hat sich wahrscheinlich unter Alkoholeinfluss AC/DC und UFO auf den Arm tätowiert. Und ich muss gestehen, dass ich bis jetzt noch kein Lied von UFO gehört habe oder kenne, aber das zählte wohl als harter Rock und das musste sein. Und das Schöne war in der Zeit, dass es völlig egal war, welche Bands man gehört hat, welche Musik man speziell gehört hat. Unter dem Oberbegriff von Rockern hat sich eigentlich jeder Jugendliche wiedergefunden und jeder, der sich ein bisschen abgrenzen konnte, hat sich mit den anderen dann auch gemeinsam wiedergefühlt, so mit deinen Rocker-Freunden. Und so gab es keinen Unterschied zwischen Punk, Heavy Metal oder irgendwas. Und darum zu fahren war irgendwie ein gewaltiger Spaß.

Jetzt kommt Common People, was wahrscheinlich auch was damit zu tun hat, von Pulp.

Wenn ich ein Lied höre, habe ich oft dazu ein bestimmtes Bild vor Augen, also irgendwie ein diffuses, rotes, eine Gestalt oder irgendwie irgendwas Zackiges oder so und dann überlege ich manchmal, ob ein Lied auch ein Bild sein kann oder ob man ein Lied überhaupt in einem Bild ausdrücken kann und ist natürlich total schwer, weil beim Lied folgt man ja der Zeit. Der Zeit, in der das Lied spielt, muss man ja mit dabei sein und mit dem Lied mitgehen. Und ein Bild kann man ja nur eine Zehntelsekunde angucken und so und wieder weggucken. Das hat schon alles in sich aufgenommen. Aber ein Lied braucht wirklich die ganze Zeit, die man das hört. Und das macht die Zeit dann auch so wertvoll und das Lied, weil es auch so vergänglich ist. Und ich habe jetzt mal überlegt, wie ich dieses Lied jetzt, was gerade gewesen ist, mal so mir vorstellen könnte oder vergegenständlichen könnte. Und da fiel mir so was wie ein Bus ein. Dass man so einen roten Bus, der ein bisschen verrostet, zerkratzt ist, der ziemlich schnell durch eine Landstraße fährt mit Bergen und Hügeln. Da kommen Kreuzungen und immer, wenn die Stimme so hoch geht, fährt er so einen kleinen Berg hoch, so eine schmale Landstraße lang. Die Bäume hören schon auf, sind nur noch ein paar kleine Sträucher und Steine. Und im Solo fährt er dann richtig über so einen kleinen Pass, richtig schnell, das Pflaster wird schlechter und wackelt. Und ganz zum Schluss, wenn das Lied dann zu Ende ist, ist der Bus dann im Prinzip angekommen.

Eigentlich bietet sich ein Verkehrsmittel ja immer an, wenn man an ein Lied denkt, weil die Lieder ja durch diesen Rhythmus, den es hat und die Melodien von einem Teil zum anderen tragen. Und es gibt auch Lieder, die sind eher wie so ein großes Schiff, wie so ein Überseedampfer, der so langsam startet und langsam losfährt. Und manche sind eben so klein und zappelig wie ein Fahrradfahrer, der irgendwo losfährt und um die Ecken biegt und immer absteigt und was in den Briefkasten steckt oder so.

Und ich weiß jetzt nicht, wie ich mir das nächste Lied vorstellen würde, aber ich höre es mir erst mal in Ruhe an. Das ist Kanye West.

Die 80er Jahre waren doch nicht so toll, wie ich gedacht hab. In meiner Erinnerung klang das Alte noch viel besser. Aber das ist ja doch ganz schön schlimm. Das war Bruce Hornsby und ich hab das Lied ausgesucht, weil ich wollte das früher unbedingt spielen können. Als das rauskam, habe ich mich ans Klavier gesetzt und immer versucht, das mitzuspielen und habe es nie hingekriegt. Erstens war mein Klavier verstimmt, um Halbton, dass ich einen anderen Ton gehabt hätte, mitspielen müsste, wenn ich es gekonnt hätte, aber ich konnte es nicht. Und dann habe ich ihn kennengelernt, er konnte das aus dem FF spielen, das ganze Lied, und zwar der Keyboarder von Chicoree. Das war nämlich so, dass ein Rock-Report gedreht wurde in der DDR, der sollte Flüstern und Schreien heißen. Und da spielte Silly mit Chicoree, Sandow und Feeling B letztendlich, weil irgendeine andere Band ausgefallen ist. Pankow war noch geplant oder so. Und wir hatten dadurch das Vergnügen, öfter mal mit Chicoree zusammen zu spielen. Und der Keyboarder hat im Soundcheck, als wäre das Leichteste der Welt, einfach das Lied immer gespielt. Und ich habe versucht, ihm auf die Finger zu gucken. Und abgesehen davon, dass ich auch kein DX7 hatte und nie an ihn rangekommen wäre, konnte ich einfach das nicht spielen.

Und dann ging der Film immer weiter und das Spannende an dem Film eigentlich war, dass Chicoree sich langsam aufgelöst hat während der Dreharbeiten und das war wirklich gut, weil das alles dokumentarisch und echt war und wie sich eine Band gründet, das habe ich schon in tausend Filmen gesehen, das ist doch eigentlich immer dasselbe, da kommen wir, gründen eine Band und dann spielen sie los und werden erfolgreich, aber wie sich so eine Band langsam trennt und auseinander dividiert, habe ich so noch nie gesehen und das war für mich unheimlich spannend, zumal es auch in echt war. Zum Schluss sind da dann die Zöllner daraus hervorgegangen und man konnte in dem Film das erste Konzert der Zöllner im Keller vom Palast der Republik sehen. Und das ist echt ein musikalischer Leckerbissen. Bring' ich das nächste Mal mit.

Jetzt kommt noch ein Lied aus Berlin, wenn auch auf Englisch, und zwar ein Metalliger von den Happy Straps. Die Happy Straps haben damals schon richtige Westmusik gemacht. Die haben wirklich in Ostberlin geprobt, schon in den frühen 80ern.

dürfen, weil ich hab's einfach drauf ankommen lassen und bin jeden Tag in den Proberaum gegangen, egal wer da war. Und wenn ich Glück hatte, da war eine richtige Bande da und ich konnte ein bisschen mitspielen. Und da ich einer der wenigen Keyboarder war, die es da im Osten gab, die auch ein Keyboard mit hatten, weil ich hatte den Klinke-Koffer, den konnte ich immer mitnehmen, hatte ich das Glück auch bei manchen Bands mitspielen zu dürfen, denn bei einem oder dem anderen Lied wird immer mal ein Keyboard gebraucht, wenn es irgendwas Sanftes ist, ein Weihnachtslied oder irgendwas mit Gefühl. Da wird mal eine Orgel gebraucht und da durfte ich da mitspielen. Und wenn keine Band drin war, dann habe ich auch einfach gespielt und immer gehofft, dass irgendjemand kommt und mitspielt. War ein bisschen wie im Buddelkasten früher. Und irgendjemand blieb immer noch da, weil meistens hat irgendeine Band geprobt und wenn ich danach kam, blieb einer oder zwei von den Leuten noch da, der nichts zu tun hatte. Und so habe ich mal mit Micha, der jetzt bei In Extremo singt, mal auch so, wir nannten es so Session machen oder so, haben wir zusammengespielt und da wir keinen Text hatten, haben wir uns immer irgendwelche Sachen einfallen lassen. Was jetzt unangenehm ist, ich habe irgendwie gesungen, ich will umziehen, aber habe mir den Fuß verstaucht und dann sang er, ich habe mir einen Zahn abgebrochen, habe ich gesagt, ich muss pinkeln und mir rutschen die Jeans und jeder irgendwie, ich muss aufs Klo und also immer was Blöderes, um ein unangenehmes Gefühl zu veranschaulichen und irgendwann hat man den Refrain, es regnet Scheiße, es regnet Scheiße. Das fanden wir total gut und da fiel mir ein, dass das ja nicht mal ein ausgedachter Text war, sondern eine reale Situation in meinem Leben.

Ich bin nämlich mal in eine Wohnung gezogen, in der es davor gebrannt hatte und dadurch, weil, also das Ofenrohr ging einfach irgendwie direkt in die Holzdecke rein und als die geheizt haben, die da vor mir gewohnt haben, ist die Holzdecke so angebrannt und weggebrannt. Und als ich dann in die Wohnung gezogen bin, war im Prinzip in der Decke ein riesiges Loch und der über mir gewohnt hat, das war so eine Art Skinhead, der hatte nur so seinen Dielenfußboden noch drüber und ansonsten habe ich, also ich habe bei dem von unten direkt auf die nackten Bodendielen geguckt. Und irgendeines Tages hat es so gestunken und getropft, als ich aufgewacht bin und dann tropfte so Abwasser und Kacke auf mich runter, so rund um mein Bett und bin dann ein Stück weggerutscht und bin zu ihm hochgegangen, habe geklingelt, habe gefragt, was ist denn da los, hier läuft die ganze Kacke runter. Er sagte, bei mir ist nichts. Habe ich bei ihm in die Wohnung geguckt, da war alles in Ordnung und da ist leider das Abflussrohr bei ihm unter dem Fußboden, aber bei mir über der Decke geplatzt. Also in diesem Zwischenraum, dann lief das Wasser mit der Kacke bei mir im Prinzip über die Decke und fiel in das Loch von dem Rand, war direkt um mein Bett rum, weil mein Bett war unter dem Loch, fiel da das ganze Zeug runter. Und dann lief es die Wände runter, weil wenn man duscht oder spült, dann kommt ja auch recht viel so Abwasser runter. Ich konnte auch keinen Klempner holen, weil ich hatte keinen Mietvertrag so für die Wohnung. Ich habe da mehr oder weniger schwarz gewohnt und wusste nicht so richtig, was ich machen sollte und habe in meiner Not dann den Havariedienst angerufen. Dann ist der Havariedienst gekommen und hat einfach das Wasser so abgestellt, weil damit ist für ihn ja der Schaden dann nicht mehr da, weil wenn kein Wasser mehr hochkommt, kommt auch keins runter. Aber das fanden die anderen nicht lustig, die in dem Haus gewohnt haben, die haben das Wasser einfach wieder dann angestellt und dann lief das bei mir so runter, dass auch schon die Wände lang lief und die ganze Elektrizität kurz geschlossen war. Also immer, wenn ich an die Wand gefasst habe, habe ich einen Riesenschlag gekriegt. Dann habe ich überall Töpfe aufgestellt und bin mit dem Regenschirm durch die eigene Wohnung gegangen, im Stockdunkeln. Und ja, das Wohnen war dann wirklich in der Zeit sehr, sehr schwierig. Und wenn man dann singt, es regnet Scheiße, war das eigentlich absolut noch untertrieben. Und da hätte ich, ich weiß gar nicht, wie ich das überstanden habe oder wie ich da wieder so rausgekommen bin. Aber irgendwann bin ich dann ausgezogen, wenn ich mich recht erinnere.

Jetzt kommt Last Night, a DJ saved my life. Ich nenne sie eine ganz große Stimme und da wundert man sich, wenn man die Frau dann sieht, dass die nicht so groß ist. Also eher eine zierliche kleine Dame und das begreift man gar nicht. Da kommt so ein Krach raus. Aber das ist ja keine Ausnahme. Ganz besonders die Schauspieler sind ja auch alle viel kleiner, als man denkt. Also das größte Beispiel, also das größte Beispiel ist gut, das kleinste Beispiel, weiß ich auch nicht, ist Robert De Niro. Das weiß ich zwar nicht, ob das stimmt, weil den habe ich nie selbst gesehen, aber immer wenn die Sprache auf dieses Thema kommt, dann sagen alle, ach De Niro ist da ganz winzig klein und so, der ist ein kleiner Zwerg. Das sieht man nur nicht im Film, da steht er immer auf einer Kiste und dann sehen alle das Making-of und sagen, ja, der hat auf einer Kiste gestanden, Sylvester Stallone, ganz klein. Der stand mal neben Schwarzenegger und dann hat man gesehen, dass Schwarzenegger zwei Köpfe größer ist oder so. Aber im Film fällt das eben nicht auf, weil im Film zählt ja auch der Charakter oder wie man spielen kann oder so. Die Größe ist da völlig egal. Und ich finde, in der Musik ist ja auch völlig egal, wie groß man ist. Wobei im Grunde genommen generell egal ist, wie groß man ist. Ich glaube, nur die kleinen Leute bewegen sich schneller, damit sie denselben Weg schaffen. Das ist auch Quatsch, aber lassen wir mal so stehen.

Das nächste Lied ist von Spliff. Das ist auch eine deutsche Band, die uns unser Trommler ans Herz gelegt hat. Der kannte sich total gut aus und kam mit ganz verrückten neuen Bands und Ideen an und hat auch schon klare Vorstellungen von der Musik, die wir mal machen würden mit Feeling B, die wir, also ich zumindest, überhaupt nicht hatte. Aber am meisten beeindruckt hat mich unser Trommler, als er sich bei uns nach der Probe mit seinen Schuhen, seinem Mantel und einer Sonnenbrille auf in die Hängematte gelegt hat, um zu schlafen. Dann da einfach ein paar Stunden liegen blieb bis zum nächsten Morgen und dann am nächsten Morgen einfach aufgestanden ist, wie er war und rund die Treppe runtergegangen ist, um ins Auto zu steigen und zum Konzert zu fahren. Und sowas hatte ich noch nie erlebt. Ich muss immer Schlafanzug anziehen und richtig Kissen haben, auf der richtigen Seite liegen, Fenster offen. Und dem war alles sowas von egal, dass mich das so tief beeindruckt hat. Da habe ich gedacht, so will ich eigentlich so auch werden.

Küss mich bevor du gehst, Spliff.

Das war's für heute.

Dieses Lied von De La Soul kam zu mir wie im Film. Wir sind im blauen Wolga nach Dresden gefahren, auf der Autobahn, ganz gemütlich. Zu fünft im Auto, ich durfte vorne sitzen, die Musik lief. Und das war eine Kassette, von der ich nicht wusste, was das für eine Kassette ist. Also ich habe nie gedacht, dass das eine Platte ist, weil da so ein Durcheinander drauf war. Das kam mir eher vor wie so ein Mixtape oder vielmehr, als wäre bei einer Party einfach mitgeschnitten worden auf einer wunderbaren Party, wo ich nicht dabei war. Und als wir angekommen sind, habe ich irgendwie immer noch dieses Lied im Ohr gehabt und so vermisst. Und dann bin ich in einen Plattenladen gegangen, da gab es in der Rykestraße so einen Plattenladen kurz nach der Wende und habe gesagt, ich habe so ein geiles Lied gehört, da hat jemand gepfiffen und immer pfeifen konnte ich nicht. Naja, der so klang nicht. Und der hat mich immer angekiekst, sagt, was willst du denn? Ich sag, naja, so ein geiles Lied, wo die immer so pfeifen. Und der, ja, ist es das. Hat mir Sachen so vorspielt, sagt, nee, ist was ganz was anderes. Hat er mir irgendwie rätst du, kennst du eine Maschine oder so? Nee, das ist das auch nicht. Und ich hab aber nicht aufgegeben und bin immer wieder hingegangen. Und irgendwann hat der wirklich die Platte gehabt, sagt, hier, das ist De La Soul, Lied heißt I Know. Und also I know wie Auge, nicht wie ich, das ist wahrscheinlich noch ein Wortgag, den ich nicht verstehe. Und dann hatte ich das Lied endlich, dann konnte ich mir die Platte kaufen, dann habe ich das so oft hintereinander gehört, bis ich es auswendig konnte und nicht mehr zu hören brauchte. So viel dazu.

Ich versuche ja immer irgendwie auch ein bisschen am Zahn der Zeit zu sein. Sonst entsteht der Eindruck, ich höre immer nur uralte Musik und Opa erzählt vom Krieg. Aber ich bleibe am Zahn der Zeit, jedenfalls meiner Meinung nach. Und höre gerne auch elektrische Musik, obwohl es so elektronisch heißt, weil Elektrik ist ab 220 Volt, wenn mich nicht alle täuscht, oder 110, kann ich mich nicht so aus. Und jedenfalls mit Synthesizern und so was und RAM-Computern und so was finde ich gut. Und dann habe ich schon öfter einfach auf YouTube eine Musik gefunden, die mir irre gefallen hat. Die war von Sirius Mo. Und erst viel, viel später, als ich das schon eine Weile gehört habe, habe ich mitgekriegt, dass der bei mir so um die Ecke wohnt. Und dass ich schon oft an dem vorbeigelaufen bin. Ein ganz freundlicher Mensch. Und da wundert man sich mal wieder, wie klein die Welt ist. Ich dachte, ich habe was ganz großes in der Welt entdeckt. Und da wohnt er bei mir schon längst so um die Ecke. Hier kommt der Enthusiast.

Nach langem habe ich das Lied gehört, in dem irrigen Glauben, dass es von Ameisen handelt. Und ich habe immer dabei so die Ants gesehen, wie die so durchs Gestrüpp krabbeln und habe mir fast schon so ein Video vorgestellt, dass die Hauptameise, die singt dann so ein bisschen, das ist dann die Chefameise, die anderen, die laufen ihr hinterher. Und fällt mir ein, dass ich schon mal mit jemandem gesprochen habe, der hat ein Video gedreht mit Ameisen und der hat gesagt, das ist fürchterlich schwer, weil die Ameisen sterben ihm immer weg. Die müssen mehrere sein, also die müssen merken, sodass sie viele sind, sonst stoßen die irgendein Geruchshormon aus, was absolute Gefahr und Endzeitstimmung verbreitet, sodass die wirklich sterben. Die müssen mindestens 13 Mann sein, aber das schwankt auch und manchmal sterben sie schon, wenn es weniger als 30 sind oder so. Und das ist wahrscheinlich nicht nur bei Ameisen so. Also ein Mensch denkt jetzt auch, ich komme alleine und es tut klar, Einzelgänger gibt es ja, der einsame Wolf, der irgendwie durchs Gebirge zieht und vor sich hin lebt. Aber ich glaube, der kann dann auch nur überleben mit dem Wissen, dass er auch sofort in den nächsten Zug steigen kann und in die Stadt fahren kann oder so. Dass man wenigstens noch die Gewissheit hat, dass es noch andere Menschen um einen herum gibt. Zumal man auch jemanden braucht, der sich überhaupt an einen erinnert oder einen als Mensch wahrnimmt, damit man überhaupt merkt, dass man lebt. Da hat Thomas Lawinitsch ein wunderbares Buch dazu geschrieben. Ich sage jetzt nicht, wie das heißt. Erstens habe ich es vergessen und zweitens kann man von dem eigentlich alle Bücher kaufen. Und auch wenn da ein anderer dabei ist, macht man auf keinen Fall einen Fehler. Und in diesem Buch wacht ein Mensch auf morgens und stellt fest, dass alle Menschen auf der Welt verschwunden sind. Also man weiß nicht, ob sie tot sind, aber sie sind alle weg. Und er ist der Einzige, der noch lebt. Und die erste Zeit verbringt er damit, dass er durch die Stadt geht und irgendwie nach anderem Leben sucht, Postkarten schreibt und in den Briefkasten steckt, um Bescheid zu sagen, dass er da und da ist und da noch lebt, dass er irgendein Zeichen setzt und hinterlässt, dass er da war. Er kann sich alles nehmen im Kaufhaus, er kann sich Benzin nehmen, er kann sich ein Auto holen, weil die Schlüssel zum Teil noch stecken. Er kann alles machen, was man nur machen kann als Mensch, nur er ist eben der Einzige. Und nach einigen Tagen, als er sich wirklich vergewissert hat, indem er auch in anderen Ländern war oder so, macht er, ich verrate jetzt die Pointe, aber das ist auch nicht so schlimm, weil wahrscheinlich liest das Buch ja sowieso keiner, bringt er sich dann um, weil er einfach feststellt, dass ein Leben als einzelner Mensch oder als letzter Mensch auf der Welt absolut sinnlos ist, weil man keine Spuren hinterlässt, die irgendjemand lesen kann, weil man einfach auch dann sinnlos ist auf der Welt, weil er kann sich nicht vermehren, also kann der Natur nicht mehr Folge leisten und er kann alles, was er macht, seine Bedürfnisbefriedigung ist auch sinnlos. Also fehlt eigentlich völlig der Sinn im Leben, wenn man der Einzige ist und nicht mit anderen Leuten interagieren kann, die darauf reagieren, die das wahrnehmen, was man macht. Denn wozu erlebt man irgendwas, wenn man das mit keinem teilen kann oder so? Das ist ja auch eine gruselige Vorstellung eigentlich. Und er springt dann vom Kölner Dom, hat er sich eine schöne Stelle ausgesucht, weil er eben weniger ist als 13 Mann, um das Ganze wieder auf die Ameisen zurückzuführen.

Denn jetzt habe ich noch ein Lied, das heißt nicht nur, also das ist jetzt das wirkliche Ameisenlied, was ich eigentlich Everlast zugeeignet hatte. Also eine Ameisenband singt über Ameisen und die Band heißt Adam and the Ants.

Das ist hinten wieder gepfiffen worden. Ich glaube, ich stehe auf Gepfeife in der Musik. Das gibt ja auch von den Happy Mondays so ein Lied, Coca-Cola oder so, da pfeifen sie auch immer im Schluss. Wahrscheinlich ist es das, was mich dann einfängt bei diesem Lied. Wenn man so gepfiffen wird, macht es so eine optimistische Atmosphäre irgendwie.

So wirkt auf mich eine Mundharmonika. Das ist auch irgendwie ein ganz spezielles Instrument, was ein spezielles Gefühl in mir hervorruft. Als Ostler denkt man natürlich als erstes an Reißbahnblues. Ich glaube, das ist das oft gehörteste Mundharmonika-Stück überhaupt. Und dann vielleicht an Bob Dylan, Blowing in the Wind. Da hat man auch noch so ein bisschen mit gedudelt und ich habe als Kind mir ganz dringend eine Mundharmonika gewünscht. Das war einer meiner größten Wünsche. Das blöde war, dass es die in bestimmten Tonarten nur gab und dass man, wenn man in mehreren Liedern mitspielen wollte, auch verschiedene Tonarten brauchte und was noch schwieriger war und für mich überhaupt nicht zu verstehen war, dass wenn man in G-Dur mitspielen wollte, eine C-Dur Mundharmonika brauchte, weil der Grundton im Blues war, weil man gezogen hat und nicht gepustet. Und wenn ich jetzt also in E-Dur spielen wollte, brauchte ich eine A-Mundharmonika. Ganz kompliziert. Und die ganzen Gitarristen, die wollten ja immer ein E spielen, weil das für die am leichtesten zu greifen war. Ich als Klavierspieler wollte wiederum ein C spielen. Da bräuchte ich wieder eine F-Mundharmonika. Also eigentlich findet man nie die richtige, zumal es das, was im Osten so überhaupt nicht gab. Und so habe ich jeden, den ich irgendwie greifen konnte, der irgendwie investen konnte, gebeten, mir eine Mundharmonika mitzubringen, was natürlich völlig schwachsinnig war, weil wer sollte mir einfach eine Mundharmonika mitbringen. Und einmal bin ich getrampt am Hermsdorfer Kreuz und da fuhren ja auch die ganzen Westler durch, die nach Westberlin wollten. Und da nahm ich wirklich einen Typ im orangenen Mercedes mit, so einen Dachdeckermeister und der ist mit mir drei Stunden gefahren bis Michendorf oder so. Man durfte ja da nur 80 fahren oder wie weiß ich. Und da hatte ich die drei Stunden Zeit, dem lang und breit zu erklären, dass ich eine Mundharmonika brauchte. Und das musste ich so erbarmt haben, dass er mir wirklich ein Paket zu Weihnachten geschickt hat mit einer Mundharmonika drin. Ich weiß jetzt nicht mehr die Tonart, ich habe sie mir zwar genauso aufgeschrieben, also in der richtigen Tonart auch noch. Da habe ich mich so gefreut, dass ich die immer einstecken hatte in der Brusttasche, sofern ich ein Hemd mit Brusttasche hatte und sonst in den normalen Hosentaschen, weil ich den Nachteil hatte, dass die dreckigen zerfetzten Taschentücher dann in diesen Munddingern waren. Und eben mal habe ich auch eine Salami gegessen, bevor ich gespielt habe und dann schmeckte die noch ungefähr ein Jahr danach, nach Salami, wenn ich Mundharmonika gespielt habe. Und am liebsten habe ich beim Wandern gespielt, weil beim Gehen atmet man ja sowieso, also auch beim Wandern erst recht. Und dann habe ich im Prinzip die Atemluft, die ich zum Wandern brauchte, gleich in Musik so umgesetzt, indem ich aus ganzer Kraft so reingeatmet habe und habe festgestellt, dass Kühe ein sehr dankbares Publikum sind, weil wenn man an so eine Kuhweide rangeht, sich an den Zaun stellt und ein bisschen Mundharmonika spielt, dann kommen die Kühe auch wirklich so angelaufen und freuen sich und gehen auch nicht weg, was bei Menschen natürlich so anders ist.

Jetzt kam aber zwei oder vielmehr einer, der richtig gut Mundharmonika spielen kann, nämlich Sonny Terry. Ich habe mal ein Bild von ihm gesehen, das war so ein kleiner Mann mit ganz dicken Brillengläsern, aber der hat zum Glück in einer Zeit gelebt, wo es völlig egal war, wie man als Musiker aussieht. Hauptsache man konnte gut spielen. Schön waren die Zeiten.

Love. Dieses Lied konnte man nach der Wende mindestens einmal am Tag hören, wenn man zumindest in so einem besetzten Café oder so, wobei mir die lustige Geschichte einfällt von unserem Sänger, unserem alten Sänger. Der sagt, ey, der Krüger ist da schwer alkoholkrank. So ein Alki. Jeden Tag, wenn ich in die Kneipe gehe, da sitzt der da. Witz erschließt sich jetzt nicht, aber ich bin gut. Jedenfalls, dieses Lied lief wirklich jeden Tag. Diese Platte, Massive Attack, war einfach das Ding, was immer so dieses launschige, obwohl sie das Wort noch ja nicht haben, eben dieses gemütliche Kaffeegefühl gut zum Ausdruck bringen konnte. Und besonders oft oder täglich oder immer lief das im Café Westphal. Wenn ihr noch jemand kennt, das war in der Kollwitzstraße. Eines der ersten besetzten Cafés, wo man wirklich kommen konnte und gehen konnte, wann man wollte. Das war eigentlich sogar die Nacht durch, offen, da standen irgendwelche geklauten und weggeschmissenen Sessel drin. Und gekellnert hat eigentlich der, der gerade Lust hatte. Da gab es überhaupt keine, ich weiß ja nicht, ob es da einen Chef gab oder irgendwas. Ich habe da selbst schon Bier ausgeschenkt und Küche gemacht, ohne dass mir jemand gesagt hat, wie ich das machen soll oder so. Und ohne, dass ich dafür auch Geld genommen habe. Ich habe einfach so viel getrunken, wie konnte in der Zeit, was recht viel war. Und da ist mir auch mal eine lustige Geschichte passiert. Also ich muss gestehen, ich war eigentlich auch fast jeden Tag da. Ich bin abends so, naja, bis mittags hat man meistens geschlafen, also eke. Dann habe ich mir eine Jacke angezogen, weil ich wusste, wenn ich wiederkomme, ist es wieder nachts, dann ist es wieder kalt. Und bin gemütlich die Kollwitzstraße runtergetrottet, der untergehenden Sonne entgegen, obwohl die da gar nicht untergeht, auf das Westphal zu. Und einmal rannte mir dann voll im Schwung so ein Typ entgegen. Und ich kannte ja viele aus dem Viertel, die da gewohnt haben, weil ich da auch aufgewachsen bin. Und denke, wer ist denn das jetzt wieder? Oder man trifft ja auch viele nachts, die man am nächsten Morgen sich dann nicht mehr genau weiß, wer das jetzt war und was man mit denen eigentlich verabredet hat. Meistens hat man ja nachts eine Band gegründet oder so, der Name war dann schon mal klar. Aber über die Musik ist weniger gesprochen worden, nur wie man dann Erfolg hat und wie geil das alles wird. Und der Name war ihm wichtig. Und ich habe pro Nacht so drei, vier Bands gegründet, aber am nächsten Morgen wieder vergessen. Und so wusste ich dann natürlich auch nicht, wer der Typ ist, der mir jetzt entgegen herankam. Aber ich habe schon mal auf Verdacht die Arme ausgestreckt, mein freundlichstes Lächeln aufgesetzt und bin ihm entgegengegangen. Und dann hat er auch irgendwann geschrien. So richtig begeistert klang das dann doch nicht. Und als er kurz vor mir war, habe ich gesehen, dass er sich doch nicht so sehr gefreut hat. Er hat dann Schwung geholt und beim Rennen mir mit vollem Schwung auf die Nase geboxt. Ich bin richtig rückwärts im Salto, mich überschlagend in den Rinnstein gefallen und habe mich selber gewundert, dass ich so schwach bin. Also ich dachte ja, man denkt ja, man wehrt sich ein bisschen so. Und in einer eigenen Vorstellung ist man ja oft stärker als in Wirklichkeit. Dann ducke ich mich weg und dann werfe ich den über die Schulter. Aber ich kann mich jetzt damit rausreden, dass ich mich jetzt nicht darauf vorbereitet war in dem Sinne. Aber selbst wenn ich es gewesen wäre, hätte ich nicht die geringste Chance gegen den gehabt, weil der so wütend war und so gut zugeschlagen hat. Jedenfalls lag ich im Rinnstein, habe mich fies gewundert, wie weh das tut. Also man kann sich ja mal aus Spaß mit der Faust auf die Nase boxen, so ein bisschen so leicht. Und das tut schon weh, mache ich manchmal. Aber wenn man das jetzt mal doller macht, merkt man, das tut dann richtig weh. Und wenn jemand mit ganzer Kraft zuhaut, tut das so doll weh, dass man denkt, das kann ja nicht wahr sein. Und treten die Tränen aus den Augen. Und es tut so weh, dass man gar nicht denken kann. Habe ich dann vorsichtig die Augen wieder aufgemacht. Der Typ, der trat noch so ein bisschen auf mir rum. Und dann kam eine Frau, die hat beherzt ihn dann so weggezogen von mir. Die sah richtig gut aus. Und da habe ich gedacht, wieso haben so ein Typen dann so eine hübsche Frau? Und ich überhaupt keine. Also zu der Zeit zumindest nicht. Und dann hat sie den so ein bisschen so festgehalten und sagt, Mensch, das tut ihm leid, weil ihr Freund ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden und der ist im Osten eingeknastet worden und im Westen rausgekommen und hat die Welt nicht mehr verstanden. Da habe ich gesagt, das verstehe ich, also würde mir nicht anders gehen. Ist in Ordnung, zumal, weil ich die Frau so nett fand. Habe gesagt, ja, wunderbar, machst du doch keine Anzeige und was. Und ich sage, nee, mach keine Anzeige. Und dann bin ich dann weiter getrottet in Richtung Westphal und habe gemerkt, dass mir beim Gehen so ein Entenschnabel wächst, weil auch die Lippe so getroffen wurde und das schwoll so an, dass sich das von innen so anfühlte, als wäre ich eine Ente. Und da hatte ich so einen Entenschnabel, bin ich in die Kneipe rein und alle, ey, was ist mit dir passiert. Da habe ich dann dreimal die Geschichte erzählt oder so, habe drei große Bier dafür gekriegt und habe gedacht, naja, ich bin ja schon verprügelt worden, dann kann ich ja heute mich auch schlecht benehmen und bin dann irgendwann auch wieder so rausgeflogen aus dem Westphal, was an sich schon eine Leistung war. Ich weiß ja nicht, wie ich jetzt darauf gekommen bin. Achso, wegen One Love.

One Love, jetzt kommt noch ein Lied über die Liebe, und zwar von Element of Crime.

Das war Element of Crime und dieses Lied habe ich ausgesucht, als ich noch dachte, die Sendung geht über Bücher oder um Bücher. Denn der Sven Regener hat ein wunderbares Buch geschrieben, Magical Mystery. Ich hoffe, ich habe das jetzt richtig so ausgesprochen. Das handelt davon, dass dieser Karl, der bei Herrn Lehmann am Schluss ins Krankenhaus kommt, wieder aus dem Krankenhaus rauskommt, um für eine Techno-Gruppe, also eine Gruppierung aus mehreren Techno-Acts, wie das jetzt heißt, die gemeinsam auf Tour gehen, was von der Idee her völlig neu und verrückt ist, weil normalerweise geht eine Band auf Tour oder mehrere Bands, aber dass Techno-DJs zusammen auf Tour gehen, ist eine völlig neue Sache, glaube ich sogar in Wirklichkeit, ich weiß es nicht. Und darüber gibt es ein Buch, was so lustig ist, dass ich ganz doll lachen musste. Das muss jetzt nicht sein, dass es für andere Leute auch sehr lustig ist, aber ich habe mich sehr gefreut, dass ich mal wieder ein Buch gefunden habe, was mich richtig belustigt hat, ja, kann man so sagen. Und ich finde Lesen generell als eine der schönsten Beschäftigungen, die man überhaupt haben kann, weil man völlig in einer fremden Welt verschwindet. Ich habe als kleines Schulkind überhaupt nicht erwarten können, endlich die Buchstaben zu verstehen, damit ich lesen kann. Ich kannte schon die Mosaiks mit den Digedaks. Da haben mir die Bilder ja schon ein bisschen geholfen, der Handlung zu folgen. Aber in normalen Büchern, da war ja nur noch Schrift drin und keine Bilder mehr. Oder die Bilder waren so weit auseinander, dass man aus den Bildern sich keine Geschichte mehr zusammenbauen konnte, dass man wirklich die einzelnen Sätze dann zusammenbauen musste. Mein erstes Buch hieß Unterm Schrank liegt eine Mark. Das war ein Trompeterbuch. Diese Trompeterbuchreihe, da waren hinten drauf immer die kleinen Trompeter auf dem Buchrücken. Das ist ja ein Lied, was mich sowieso tief beeindruckt hat. Also mehr als viele andere, die Partisanen vom Amur vielleicht noch. Aber am meisten das Lied vom kleinen Trompeter. Und als er dann wirklich gestorben ist und beerdigt wurde und sie haben einfach nochmal das Lied gespielt oder so, da sind mir immer die Tränen gekommen, ich habe das ja nicht sehen können. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich die Bücher gut fand. Jedenfalls habe ich Unterm Schrank liegt eine Mark gelesen. Und das hat mir so gut gefallen, dass ich mir das bis jetzt gemacht habe. Und das ist ja schon jetzt 50 Jahre her oder so. Und Mathe ist jetzt auch nicht meine Stärke.

Wir spielen einfach das nächste Lied. Das wird kaum einer kennen. Das ist von Chris Whitley.

In Bubbles heißt es und ich finde, die haben wirklich gut geschafft, diese Blasen musikalisch darzustellen. Man fühlt sich wirklich, als hört man richtig die Blasen blubbern und es ist ja wirklich so, dass man wirklich in einer Blase lebt, denn man kriegt von vielen Sachen überhaupt gar nichts mit, die in der Welt passieren und genauso wichtig sind für die Leute, die sich dafür interessieren, zum Beispiel Game of Thrones. Das habe ich nicht gesehen, weiß ich nicht, wer da mitspielt und ob da einer schwul ist oder stirbt. Aber die, die sich darum kümmern, für die ist das ganz, ganz wichtig, genau wie Paris Hilton oder Gigi Hadid oder was die da alles machen. Es gibt auch hier die Frau Klum mit ihren Topmodels. Die Leute, die das sehen und sich dafür interessieren, die sagen genau, ja, die ist so zickig und die kann nicht laufen in Hackenschuhen. Und die andere, den Rest der Welt, die wissen überhaupt gar nichts davon. Es gibt zum Beispiel auch riesen Volksmusiktreffen, da spielen die Wildecker Herzbuben oder die Zillertaler irgendwas. Und da sind 50.000 Leute und für die ist das eine Riesenveranstaltung. Und da kommen mehr als zu Rockkonzerten. Und die Rockkonzertleute denken wieder, sie sind die Größten, die machen Riesenkonzerte. Aber die Wildecker Herzbuben, da kommen viel, viel mehr Menschen. Und für die ist das die ganze Welt. Und das trifft natürlich auch auf Punktreffen zu. Immer wieder ist an der Ostsee ein Punktreffen im Sommer. Und man sieht die da manchmal sitzen mit ihren Einkaufswagen. Da denkt man, Mensch, ja, hätte man jetzt auch hinfahren können. Aber man hat es mal wieder nicht mitgekriegt.

Dann spielen wir jetzt wenigstens noch ein Lied, das in die Richtung geht. Ich hoffe, es hat Spaß gemacht, mir schon. Und ich bin ja bald wieder da. Also einen wunderschönen Abend und ein schönes Leben. Tschüss.

Song list

Linton Kwesi Johnson If I Waz A Tap Natch Poet
Royal Blood Out of The Black
Kiev Stingl Rocker
Pulp Common People '96
Kanye West feat. Jamie Foxx Gold digger
Bruce Hornsby & The Range The Way It Is
Happy Straps I'm A Tiger
Indeep Last Night A DJ Saved My Life
Skunk Anansie Charlie Big Potato
Spliff Heut nacht
De La Soul Eye Know
Siriusmo Enthusiast
Everlast Ends
Adam And The Ants Antmusic
Brownie McGhee & Sonny Terry Ride And Roll
Massive Attack One Love
Element of Crime Liebe ist kälter als der Tod
Chris Whitley Spanish Harlem Incident
Argaman Living In A Bubble
Dead Kennedys Nazi Punks Fuck Off
Nina Hagen Erfurt + Gera