Die Sendung July 2018
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Flake talks about humor.
Transcript
Radio 1, Flake, des Tastenfickers Podcast.
Herzlich willkommen, ich freue mich, dass Sie dabei sind, denn jetzt wird es lustig. Also müssen richtig aufpassen, dass Sie keinen Lachmuskelkater kriegen. Lachtränen werden auf jeden Fall fließen, mal ein paar absolute Granaten, jetzt rausgeknallt werden. Das ist der Knaller, sage ich natürlich mit einem kleinen Augenzwinkern, das ist nicht ganz ernst gemeint. Aber es kann schon sein, dass es wirklich urkomisch wird, ernst beiseite, Spaß kommt rein. Das wird hier zwerchfellerschütternd, lustig, witzig, komisch. Man merkt schon beim Aussprechen, wenn man sowas sagt und immer wenn ich sowas auch irgendwie zu hören bekomme, wie ich sehe, das wird überhaupt nicht lustig. Das wird ja immer ganz tragisch. Die großen Feinde des Humors sind Clowns und Kabarettisten von Pantomime ganz zu schweigen. Irgendwie will man sich nicht sagen lassen, was lustig ist und was nicht. Das Humor-Thema ist so weit gefächert, so weit verstrickt, dass man das selber nicht versteht. Was ist Humor? Was ist Komik? Was ist lustig? Was ist witzig? Das werden wir heute alle nicht ganz klären können. Aber ich habe mal versucht, ein bisschen Musik rauszusuchen, die, wie soll ich das ausdrücken, nicht ganz ernst gemeint ist, einfach die versucht haben, was Lustiges zu machen und manche Sachen davon, ich werde viel spielen, was aus den 70ern ist oder so, als ich jung war, was mich beeindruckt hat oder was ich auch lustig fand. Ich will mal sehen, wie das jetzt auf einem erwachsenen Menschen wirkt, weil manche Sachen von früher fand ich sehr lustig. Ich meine, wir haben auch über Otto Vargas gelacht früher. Das kann ich mir jetzt auch schwer vorstellen, wenn ich das Gättchen mal sehe. Aber manche Sachen sind einfach irgendwie auch lustig und das kann jeder für sich selbst entscheiden, was er lustig findet und was nicht. Wie es in irgendeinem Film war, hat irgendwie so ein Typ gesagt, lustig ist, wenn ich lache. Ich finde das ist ein sehr schönes Begrüßungswort. Jetzt los mit Frank Zander.
Ich muss sagen, das finde ich immer noch gut. Ohne Abstriche. Ich habe auch große Hochachtung vor Frank Zander, schon wegen seinem sozialen Engagement und dass er dieses tolle Weihnachtsessen für die Obdachlosen macht. Aber auch in diesem Lied zeigt er einen absoluten Mut in einer Pop-Welt, wo alle versuchen, so gefällig zu sein und irgendwelche Popsongs zu schreiben. Bringt er den absoluten Hass mit Nanouchen, Nanouchen, weil ich auch in Worten meinen Wortschatz aufgenommen habe seitdem. Ich finde das wahnsinnig gut.
Ein ähnlicher Sänger, der eigentlich Betonbauer war, der hat sogar in Beton gelebt, äh, nicht in Beton gelebt, in Hamburg gelebt und hat am Neuen Elbtunnel mitgebaut als Betonfacharbeiter. Dann hat er Architektur studiert und zwischendurch hat er als Liedermacher ein paar Konzerte gemacht, hat 80 Mark am Abend gekriegt, bis er ein Lied rausgebracht hat, nachdem er nicht mehr studieren brauchte. Da hat er das Studium abgebrochen und dieses Lied hieß Mein Gott Walter. Und hier kommt der Nachfolge-Hit. Hier ist Mike Krüger.
Der Trick ist tadellos, man sagt was so oft, bis der letzte auch begriffen hat und dann wird es auch lustig irgendwann. Das sollte ich mal auch in meinen Alltagsgebrauch mal einführen. Einfach eine Sache so oft erzählen, bis man anfängt zu lachen. Mal sehen, ob das klappt.
Jetzt kommen wir von Hamburg nach Berlin zu Reinhard May, der als Liedermacher zählt. Ich habe den sehr gemocht als Kind. Ich habe zwar nie verstanden, was er so richtig wollte, erst recht nicht, als er sang, ich wollte immer schon ein Manneken sein. Aber dieses Lied habe ich später als Jugendlicher nochmal gehört und ich verstehe ihn sehr gut, weil peinlich war mir als Kind viel oder jetzt lässt es nach im Alter, jetzt ist mir fast nichts mehr peinlich. Aber früher war mir auch eine Sache sehr peinlich. Und davon kann der Reinhard May wunderschön singen. Wir hören mal das Buch.
Ich habe ja schon mal erzählt, dass ich nicht im Kindergarten war. Deshalb habe ich auch so soziale Schwierigkeiten wahrscheinlich. Aber dadurch habe ich eben morgens, also um acht eigentlich, so Radio gehört als Kind. Also bis ich so zur Schule kam. Und da kam erstaunlich viel von diesen deutschen Liedern. Ich habe das Gefühl eigentlich fast nur so eine Musik. Und neben Reinhard May kam auch sein Schulfreund Ulrich Roski sehr oft, den ich sogar noch besser fand, weil der Klavier gespielt hat. Und ich konnte schon als Kind Klavier vom Klang her irgendwie besser noch leiden als Gitarre. So Ulrich Roski ist leider schon tot. Er ist schon 2003 gestorben und auf dem Waldfriedhof Herrstraße beerdigt, falls den mal jemand besuchen will. Der hat eigentlich nur kurz die Musik gemacht, die er gemacht hat, weil diese Welle, dieser Humor-Lieder schwoll sehr schnell ab in 18 Jahren. Und da hat er dann Instrumentalmusik für Synthesizer gemacht. Ich werde mich mal kümmern und mal so eine Platte raussuchen. Aber jetzt hören wir lieber noch ein Lied von seinen Klassikern. Der kleine Mann.
Da war dann doch mehr Sozialkritik drin, als ich vermutet hätte. Das ist eigentlich ein ernstes Lied, das zeigt Ulrich Roski, ist echt mit wachem Blick durch die Straßen gegangen, hat sehr schöne Bilder aufgerufen und man hat sich direkt in dieses West-Berlin der 80er Jahre versetzt gefühlt. Dass die Rocker gleich verhaftet wurden, ist mir auch total klar, das wäre bei uns jetzt auch nicht anders gewesen. Ich weiß nicht, ob beim nächsten Lied auch so viel Tiefe zu erwarten ist. Aber das nächste Lied war auf jeden Fall sehr populär. Und wir haben das immer gesungen, meistens zum Frühstück.
Ja, was soll ich da sagen? Tut ein bisschen weh, aber hat auch mit dazugehört zur Musik. Da war übrigens Karl Dall sehr maßgeblich beteiligt. Der hat da von 76 bis 79 mitgespielt und dann hat er sich dem Fernsehen so zugewandt. Aber wie gesagt, ich will da nichts wertend sagen und so. Ich will einfach weitergehen zu Helge Schneider, den ich genial finde. Aber ob er lustig ist, ist dann wieder eine ganz andere Geschichte.
Radio 1. Lake. Des Tastenfickers Podcast.
Das war Otto Reuter. Ich habe den kennengelernt, als ich meinen Verkehrsunfall hatte. Ich bin nur als Kind vom Auto überfahren worden, vom Trabant, auch ironischerweise. Ich wusste ja nicht, dass man vom Trabant überfahren werden kann, aber es war wirklich so und da lag ich lange im Krankenhaus und meine Eltern haben sich gedacht, wie sie mir irgendwie eine Freude machen können und da hat mein Vater mir einen Kassettenrekorder besorgt von seinem Bruder, was mein Onkel ist, der hat in Gera gearbeitet in einer Fabrik für Kassettenrekorder und da habe ich irgendwie einen Gebrauchten gekriegt, das war ein Minette, es gab ja ein Minette, später Mira, Annette und Sonette, aber ich hatte den Minette, mit dem er noch aufnehmen konnte. Und da war schon von der Fabrik her ein Amiga, also Amiga, sag ich mal für die Jüngeren, war die einzige DDR-Platten- und Kassettenfirma, also Musikfirma. Es gab gar keine anderen, außer Eterna jetzt für klassische Musik oder Literar, aber jetzt für Rockmusik oder generell für populäre Musik war Amiga die einzige Plattenfirma. Und diese Kassette von Amiga hat eben eine Lizenzproduktion, klingt auch so, naja, jedenfalls war da Otto Reuter drauf, eine ganze Kassette voll und jedes Lied war so wie dieses mit einzelnen Situationen, die sehr lustig waren und irgendwie bevor du sterbst, was man auch machen muss und dann lacht man sich tot und also das ist sehr lustig und das Verrückte ist auch, dass die Lieder, die sind irgendwie von 1924 oder so, sodass die so aktuell sind, man muss da kein Wort ändern und kann die sich immer noch anhören.
Genauso ist es mit dem nächsten Lied, was auch ungefähr von 1925 ist, das werden Sie kennen, Mein kleiner grüner Kaktus.
Das waren die Komödien Harmonists. Das war ein Sextet. Das war ein A Capella-Sänger. Und drei von ihnen waren Juden. Und deshalb ist die Band 1927 verboten worden. Die haben noch ein Abschlusskonzert gegeben und haben dann Deutschland verlassen in Richtung Amerika. Das ist sehr schön von Filzmeier verfilmt worden und der deutschen Schauspiel-Elite wie Kai Wiesinger und Ben Becker, der ja selber auch gesungen hat. Er spielt den Bass und er hat auch eine sehr schöne Bassstimme. Der hat dann auch eine Band gemacht, die hieß Ben Becker wahrscheinlich. Und es gibt ja viele so Schauspieler, die singen. Das ist immer ein bisschen ein schwieriges Kapitel. Das endet dann bei so Leuten wie Matthias Schweighöfer oder so. Und es gibt aber auch Sänger, die Schauspielern wollen. Das ist auch schwierig. Einer davon ist Bela B., den hören wir jetzt mit seiner Band, Die Ärzte. Das ist ein Lied für Michael Schumacher, was ironisch und lustig gemeint war wahrscheinlich, aber durch den Unfall von Schumacher eher tragisch geworden ist. Aber ich würde es trotzdem gerne spielen, weil es ist ja auch ein ermunterndes Lied und ein liebevolles Lied über ihn. Und ich muss sagen, dass Michael Schumacher mir immer sehr sympathisch ist, weil er hat im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern nie Unsinn in Interviews erzählt oder so. Er ist einfach gut gefahren, auch ein bisschen so aggressiv, hat nicht versucht, so auf Saubermann zu machen, war jetzt nicht übertrieben schön oder so, sondern war ein ganz normaler, netter Typ und deshalb spiele ich jetzt auch das Lied für ihn.
Verstanden habe ich das nicht, worum es geht, aber ich glaube, da singt ein Hund. Weil das heißt doch Wummsgesang, die Band, und ich glaube, Wumms ist der Hund. Vielleicht gibt es dann einen Zeichentrickfilm oder irgendwas, das fehlt mir dann. Ich kenne nur das Lied, aber es war eine Zeit lang üblich, dass Hunde gesungen haben und vor allen Dingen auch Hamster. Irgendwie war einer vergnügten Drehscheibe, was immer Sonnabends kam, haben immer Hamster gesungen. Das gab es dann in England oder Amerika als Alvin und die Chinkmunks, jedenfalls haben da auch irgendwelche Viecher gesungen und hier singen Hunde, weil wer sollte sonst einen Knochen finden im Dreck? Das machen ja keine Menschen, die sich einen Knochen suchen und den dann kochen oder so. Also ich denke, das singen Hunde, aber fand es jetzt erstmal ja nicht so uninteressant, das Lied. Vor allen Dingen kenne ich das als Kind, habe das so mitgesungen und finde das eigentlich okay soweit und lustig.
Jetzt kommt so was aus der ähnlichen Zeit. Ein Amerikaner, der Gus Bakus heißt, ist 1937 in Southampton geboren worden. Den hat es dann irgendwie nach Deutschland verschlagen, vielleicht sogar im Krieg. Da hat er in Deutschland angefangen, deutsche Schlager, sage ich mal, zu singen. Dann ist er 1967 zurück nach Nashville gegangen und hat eine Platte, und zwar eine Hillbilly-Platte, zugleich auf Deutsch und auf Englisch so aufgenommen, um die in Deutschland zu verkaufen und in Englisch. Es war ein Misserfolg. Dann ist er 1973 zurück in die USA gegangen, hat auf den Ölfeldern als Vorarbeiter gearbeitet und lebt seit Mitte der 80er Jahre wieder in Deutschland, in München. Hier ist also Gus Bakus, falls man den so ausspricht, mit Da sprach der alte Häuptling der Indianer.
Das war doch sehr schön. Wir bleiben beim Deutschsprachigen, wenn es jetzt auch aus Österreich kommt. Georg Kreisler ist alter Wiener und das hört man auch so richtig. Und ich war auch auf diesem wunderbaren Friedhof und habe mir das Grab von Falko da angeguckt. Und jetzt steht wirklich wunderschön, ich muss sagen, der Zentralfriedhof in Wien gehört wirklich zu den schönsten Friedhöfen der Welt. Da kommen Tauben vergiften im Park, ich glaube, das hat er im Kopf gehabt.
Das war Georg Kreisler. Ich weiß nicht, ob das jetzt als Humor gemeint war oder als schwarzer Humor oder so. Ich finde es aber gut.
Und jetzt will ich zeigen, dass lustig nicht nur auf Deutsch sein kann für uns Deutschen. Selbst wenn man die Sprache nicht versteht, kann es sehr lustig sein. Ich weiß nicht, wie viel man den Menschen ausspricht, aber sie werden das Lied schon erkennen, wenn das jetzt kommt.
Das ist diegä. Heute geht es um lustige Musik oder um witzige Musik. Das letzte Lied war von Mauiro Antero Numinen. Den habe ich nur gespielt, weil ich dachte, das ist der von davor, der den lachenden Vagabunden gesungen hat, weil das ist ein bisschen fies, weil ich alle Finnen jetzt in einen Topf geschmissen habe. Der hieß aber Kul Kuri. Und ich habe das mit Numinen verwechselt, weil auch ein U drin ist wahrscheinlich. Und deshalb kannte ich den eigentlich gar nicht, den der das letzte Lied gesungen hat. Ich fand es aber auch total gut. Ob es witzig war, kann jetzt jeder für sich selbst entscheiden. Ich fand es sehr witzig.
Jetzt kommt noch ein witziges Lied, was nicht auf Deutsch ist. Das ist von Monty Python. Und ich habe schon zum Glück durch einen Freund, der einen Vater mit einem Videorekorder hatte, schon manche Monty-Python-Filme zu Ostzeiten gucken dürfen und fand das natürlich absolut das Größte. Und habe aber die Witze nicht verstanden, die ganzen Gags, weil mit jüdische Volksfront und Volksfront-Judäas oder so, so eine Witze mit diesen Parteien und Gruppierungen gab es natürlich in der DDR nicht, dass sie dann Spalter gerufen haben. Ich wusste nicht, was Spalter ist. Und dieses Parteien- und Koalitionsgerangel, davon hatte ich keinen blassen Schimmer. Auch sonst habe ich viele Witze nicht verstanden, weil die einfach Westwitze waren oder aus England vielmehr. Und der Mann, der mir die Filme gezeigt hat, der hat auch gekifft. Gab es auch zu Ostzeiten schon, man sollte es nicht glauben. Ich weiß zwar nicht, ob die Pflanzen so eine Wirkung hatten, dass man auch Thymianblätter hätte rauchen können oder so. Aber jedenfalls hatten die so selbstgemachte Gras. Und der hat mir erklärt, dass die Monte Pythons auch Kiffer sind. Was man an den vielen Filmszenen erkennen kann, dass dann diese Traumschrift kommt bei Das Leben des Brian, genau. Dass die in diesem Film völlig bekifft waren, sowohl die Regisseure als auch die Schauspieler, was in dem Fall ja auch fast dasselbe ist. Und der hat mir erklärt, dass aber eigentlich die ganze Welt von Kiffern gemacht worden ist, also alles, was lustig sein soll, was vielleicht daran liegen kann, dass Leute, die viel kiffen, auch viel lachen, zumindest in der Anfangszeit. Und so habe ich erfahren, dass dieser Humor, den ich so lustig fand, eigentlich nur aufs Kiffen beruht oder so, das weiß ich aber nicht. Aber eigentlich ist der Film sehr lustig, das Leben des Brein, also für uns Deutsche auch, weil den Witz des Brein verstehen wir schon nicht, weil Brein ist ja für uns nicht so ein Hassname wie Kevin oder so, aber es hat lange gedauert, bis ich den Film verstanden habe, hier ist das Lied dazu.
Für die Leute, die den Film nicht kennen, sollte ich besser dazu sagen, dass das jetzt gesungen wird von den Leuten, die ans Kreuz geschlagen sind. Also von Christus und den beiden anderen Typen, dass die am Kreuz hängen und dann sozusagen tanzen, mit dem Kopf nicken und die Hände und Füße so bewegen im Takt. Und das soll dann sehr lustig sein, was das auch ein bisschen ist. Aber das ist wieder, wie gesagt, so ein Fall, wo einem gesagt wird, dass das jetzt sehr lustig sein soll und dass man das auch lustig finden soll, dass alle darauf hinweisen, dass jetzt was Lustiges kommt. Manchmal wird es dann auch lustig, wenn alle darauf hingewiesen wird. Aber die Sachen, die ich eher lustig finde, sind die, wo es aus Versehen nur lustig ist, wie es im nächsten Lied passiert, wenn das dann so passiert, wie es passiert. Das müssen wir mal hören.
Ich geh davon aus, dass das Lachen von ihm ist wirklich echt, wahr? Und jetzt habe ich gehört, er hat gelacht, weil die Background-Sängerin so laut war und wahrscheinlich bei ihm in Kopfhörern oder auf den Boxen und so ein bisschen schräg gesungen hat. Ich fand, die hat einwandfrei gesungen und früher wurde mir die Geschichte erzählt, dass ihm vom Veranstalter während dieses Liedes der Scheck auf die Bühne gebracht wurde für dieses Konzert. Und der Scheck muss so hoch gewesen sein, dass er total lachen musste, weil wenn man einen schlechten Scheck kriegt, dann lacht man so normalerweise nicht als Elvis. Und da frage ich mich, wenn die Geschichte stimmen sollte, wie hoch der Scheck gewesen ist, dass man derart lachen muss, also bei welcher Zahl man anfängt auf der Bühne zu lachen, dass man das Lied dann nicht mehr singen kann. Es ist aber ein schönes Lied und ich finde es immer schön, wenn auf der Bühne was Unvorhergesehenes, Echtes passiert, was nicht eingeplant ist und wo man mal echte Emotionen spürt, was ja heutzutage im Musikgeschäft sehr selten ist, dass sich wirklich jemand was fühlt oder so oder zumindest das fühlt, was er zu fühlen vorgibt. Ich will jetzt keine Namen nennen.
Ich habe aber noch was Neues mitgebracht von Gnorkato, also das heißt, das ist ja nicht so neu, aber im Vergleich zu all den anderen, so Titeln, die ich bis jetzt gespielt habe, zählt schon zur Neuzeit und das ist ein Lied über ihre Fans und das ist eigentlich weniger humorvoll und lustig als eher tragisch und auch reflektiert. Man sagt ja auch, in jedem Witz steckt ein bisschen Ernst und ich finde, in diesem Lied steckt sehr viel Ernst drin und dadurch wird es dann lustig wieder.
Wobei der nächste Sänger schämt sich nicht für seine Fans. Da sieht alle zumindest auf den ersten Blick ein bisschen so kultivierter aus. Die Rede ist von Max Rabe, der im Prinzip auch diese Lieder aus den 20er Jahren neu auflegt, neu singt und damit erstaunlicherweise besonders in Amerika ziemlichen Erfolg hat. Weil für die Amis ist das so typisch deutsch, diese Schlager, bevor es das Wort wohl, glaube ich, gab. Diese alten Titel, also wie gerade der grüne Kaktus, den wir schon vorhin gehört haben oder so. Und ich weiß nicht, ob das nächste Lied alt ist. Ich glaube, ich habe es schon mal als Kind gehört. Ich weiß es nicht. Hier ist Max Rabe.
Das ist ja letztendlich doch ein sehr ernstes Lied über Einsamkeit und durch diese Witze wie Schwein und Sau wird es dann versucht in so eine Richtung zu zwängen. Ich kenne das noch als Kind, das wir hier gesungen haben. Ich spiele Sack, Sack, Sack, Sack, Saxophon vor meinem Puh, Puh, Puh, Puh, Publikum. Das ist mein Ei, Ei, Ei, Ei, Eigentum. Singtet irgendwie weiter, dass man irgendwie versucht in irgendeinem so normalen Text irgendwie so versaute Wörter mit drin zu bringen oder so. Ich weiß nicht, das wird letztendlich grundlegend auch die Idee bei diesem Lied gewesen sein, aber wie dem auch sei, ich weiß, wie beliebt das ist, das gibt es als Klingelton und alles mögliche und irgendwie ist das einfach ein schönes Lied, ich finde Max Rabe auch total gut.
Das nächste Lied ist auch interessant, weil das ist entweder das Gegenteil von Political Correctness oder gerade das. Das ist ja das, dass die Leute so, da geht es um dünn sein, das gibt das Lied von Westernhagen, hier dicke, haben dicke Beine und so, wo oft die Dicken, jetzt würde man modern sagen, die Dicken werden gedisst, in dem Dagon zu bleiben. Aber das ist natürlich für die Zeit schwierig und für jemanden, der dick ist, erst recht. Und da hat Jürgen von der Lippe ein interessantes Lied gemacht, wo er im Prinzip das Gegenteil von dem Westernhagen-Lied gemacht hat. Mich hat das beeindruckt irgendwie, dass man so ein Lied macht. Wir hören uns das mal an.
Das lassen wir mal ganz einfach so stehen und gehen zum nächsten Lied, das ist von Foyer des Arts. Ich habe gedacht, das ist eine Band, die Foyer des Arts heißt, wie Marquis des Arts, aber das heißt Des Arts, das ist französisch und das heißt was mit Kunst, denke ich mal. Und diese Band kannten wir auch mit der neuen deutschen Welle, sind sie gespielt worden, zugleich mit Trio und so weiter, da kamen die Königin mit Rädern unten dran und wir haben den einfach als Band so angenommen und wussten gar nicht, dass sich Max Gold dahinter verbirgt, den habe ich erst viel später wahrgenommen als Schriftsteller und er hat wiederum so das dargestellt, als wäre er Schriftsteller, der nebenbei mal so ein Musikprojekt hatte und das gar nicht richtig als Band betrachtet hat. Aber für uns war die Band in dieser Zeit sehr wichtig und das schimmlige Brot, was wir jetzt hören, ist eigentlich auch weniger lustig als eigentlich total gut.
Heinz Strunk ist auch ein Schriftsteller. Ich weiß nicht, ob nicht in erster Linie Schriftsteller oder in erster Linie Musiker. Ich finde den goldenen Handschuh, was er geschrieben hat, großartig, atemberaubend. Aber auch schon die früheren Studio-Braun-Sachen haben mich beeindruckt. Und der Fraktus-Film ist im Prinzip das deutsche Pendant zu Spinal Tap, diesem Musiker-Veralberungsfilm, der es auch nicht genau trifft. Also sehr gut beobachteter Film über Musiker, der halb fiktiv ist und halb wahr. Die ganzen Beweggründe der Musiker und was die Musiker machen, ist alles wahr, nur die Grundhandlung mag ausgedacht sein. Sowohl Spinal Tap, die Band gab es wirklich und Fraktus gibt es ja auch wirklich, ich war selbst zum Konzert, ich kann es bestätigen. Und Heinz Strunk hat jetzt auch eine Platte gemacht, oder ich weiß nicht von wann die ist, die mich ein bisschen ratlos zurücklässt, aber die ich richtig gut finde. Man könnte fast sagen, geil, so geil wie den Fernsehkoch.
Also das ist heute mein Platz 1 gerade bestätigt. Das ist ja hervorragend. Also die Platte ist am Sinsen richtig gut. Opa Lamour ist auch ein sehr schönes Lied. Großvater in Laf oder Grandpaar in Laf von so einem Rentner im Altersheim, der sich nach einer Frau sehnt. Das geht richtig ans Herz. Die Platte, die sollte man sich anhören. Ich weiß nicht, wie sie heißt, aber dass sie von Heinz Strunk ist, ist offensichtlich.
Jetzt kommt ein Lied von der ersten allgemeinen Verunsicherung. Den Namen fand ich früher fürchterlich und nicht lustig und ganz schlecht. Uns hat sich dann herausgestellt, dass es eine österreichische Band war, die sich 1977 gegründet hat. Und die sind zu ihrem Proberaum in ihrem Bus gefahren und an der ersten allgemeinen Versicherung vorbeigefahren. Die gibt es nämlich wirklich in Österreich. Das ist einfach ein Versicherungsbüro, eine Firma. Und da fanden sie den Namen lustig und haben das umgetauscht gegen Verunsicherung und haben ihre Lieder gemacht, die gar nicht so lustig waren, sondern es war wirklich eigentlich eine Band, die sehr engagiert war, besonders gegen Nazis und Kernkraft und deswegen auch direkt im Radio boykottiert wurde und von Kurt Waldheim, derzeit persönlich, verboten wurde. Also man sieht bei den sogenannten humoristischen Bands steckt oft viel mehr Ernst als in den Ernsten drin. Hier ist die erste allgemeine Verunsicherung.
Das waren Ecke und Ehr mit Meines Stars und ich bin ziemlich froh, dass ich nicht mit dabei bin, denn in so einem Lied verewigt zu sein, ist ein sehr zweifelhaftes Kompliment, weil das geht ja dann auch nie weg, selbst wenn man dann kein Star mehr ist oder so, in dem Lied ist man dann immer noch drin und das hört nie auf und früher hat man gesagt, Hauptsache sie schreiben meinen Namen richtig, aber also ich bin jetzt froh, dass ich da nicht dabei bin. Die Band ist bekannt geworden mit dem richtig geilen Video vom Springen vom Balkon, was wirklich damals, ich sag ich auch schon so damals, so lange ist es noch ja nicht her, doch vor zehn Jahren inzwischen schon, was wirklich ein bisschen was Neues war, weil das nicht dieser stumpfe Hip-Hop war, den man so ein bisschen kannte, wo jeder jeden disst oder so, obwohl gerade bei meinen Stars ist das ja auch schon eine sanfte Art des Dissens, aber ich fand bei Ikke und er waren die Texte immer in eine andere Richtung, in eine klügere Richtung als bei normalem Hip-Hop, weil es nicht drum ging, wer jetzt am besten rappt oder so, sondern weil die wirklich kleine Geschichten erzählt haben. Ich bin ein großer Fan von der Band und ich hoffe, die machen bald mal wieder was.
Wir gehen aber nochmal in der Zeit zurück zu Frank Zander, weil das ist irgendwie mein Liebling aus Berlin. Die Titel fand ich als Kind so lustig, dass bei mir die so hängen geblieben sind, dass die für mich irgendwie mit so einem deutschen Kulturgut gehören, auch wenn es nur ein Lied ist wie Oh Susi, was hast du getan? Dies ist die tragische Geschichte eines verkorksten Liedes. Ich ging damals frohen Mutes ins Studio und nahm mein selbst verfasstes Lied auf. Ein Lied, so recht für junge Menschen von heute. Doch dann kam ein Produzent und entfernte alle Worte, die seiner Meinung nach jugendgefährdend oder zweideutig wären. Hier ist das Ergebnis.
Das war doch eine feine Sache. Ich habe noch als letztes Lied Helga Hahnemann, Die Mutti von uns, eine von mir wirklich hochgeschätzte Sängerin und auch als Mensch völlig unterschätzt wahrscheinlich, weil die DDR hätte einen ganz anderen Verlauf genommen, wenn Leute wie die in der Regierung gewesen wären. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, warum die Künstler nicht die Regierung stellen, weil die vielleicht mehr Empfinden für eine Situation haben oder mehr Gefühl haben und nicht so aus egoistischen Sachen irgendwie Entscheidungen treffen. Bin dann aber darauf gekommen, dass im Allgemeinen die Künstler eher schlechte Menschen sind, die doch sehr egoistisch sind und auch sozial überhaupt nicht einsatzfähig, dass man vielleicht eher die Kunstwerke regieren lassen sollte. Weil die Werke, die sind ja auch gut, wenn die Künstler so charakterlich ausbaubar waren, was ja bei Künstlern wirklich oft der Fall war. Damit will ich mich im Prinzip bei Ihnen verabschieden. Ich hoffe, es hat ein bisschen Spaß gemacht. Wenn nicht, nächste Sendung wird noch witziger. Muss ich so selber lachen. Das war natürlich ironisch. Und ja, mit Wunsch eine schöne Zeit. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.