Die Sendung June 2017
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Transcript
Flake, des Tastenfickers Podcast.
Hier ist Flake, herzlich willkommen zum Podcast. Ich werde heute mit Ihnen eine riesige Überraschung, mal über Musik sprechen.
Da kommen wir nochmal auf dieses Lied zurück, das ist nämlich Zezé. Die kommen wie unschwer zur Erkenntnis aus einer Zeit, wo die Bands auch Duranduran, Talk Talk oder Nein, Nein, Nein hießen. Wobei Nein, Nein, Nein jetzt Englisch ist und 999 auf Deutsch heißt. Die deutsche Band hieß nichts und nicht nein. Und ich hatte auch einen Sticker von denen, wo nichts drauf stand. Also stand nichts drauf, nicht nichts. Und ich weiß bis jetzt noch nicht, was die für Musik machen oder so. Ich habe nie ein Lied von denen gehört. Aber ich war natürlich sehr stolz, dass ich einen Sticker hatte, auf dem nichts stand. Die Band, jetzt hieß, wie gesagt, Zezé. Und der Titel ist Giants. Ich weiß nicht im geringsten, was in diesem Lied geht oder so. Weil ich die englischen Texte nicht verstehe und mir auch gar nicht die Mühe machen will, die zu übersetzen. Weil ich habe das Gefühl gehabt, es geht irgendwie was verloren, wenn man dann weiß, um was es geht oder so oder die Texte gar versteht.
Vielleicht ist es so wie bei den Blinden, die ein besser entwickeltes Gehör haben. So kann ich Lieder besser hören, wo ich die Texte nicht verstehe, weil ich höre dann auf jede Nuance vom Gesang, auf die Atmung, auf das Krächzen und kriege da die Emotionen irgendwie so viel besser mit, als wenn ich den Text verstehe. Weil wenn ich den Text verstehe, höre ich auf den Text und auf das, was er sagt und nicht, wie er das sagt. So ist der Gesang für mich eine Art von Instrument, was ich sehr gut und sehr spannend finde. Und ich sage mal, in neun von zehn Fällen hat mir ein Lied nicht mehr so gut gefallen, wenn ich mir den Text mal so übersetzt habe oder wusste, um was es geht. Das liegt nicht daran, dass die Texte schlecht sind, weil das sind sie meistens nicht, sondern weil ich eben dann auf den Text so höre und so festgelegt bin, auch in meinen Emotionen.
Aber darum geht es heute nicht oder soll es heute nicht gehen. Heute will ich über die Harmonien sprechen, in denen sich die Musik bewegt. Und ich denke, wir hören erst mal den nächsten Lied, weil was soll es, über Musik zu reden, wenn man sie auch hören kann. I don't know what to do with myself, das verstehe ich natürlich und das finde ich auch gut, das ist auch eine Sache, über die ich auch singen könnte, das waren die White Stripes und die White Stripes gehören zu meinen absoluten Lieblingsbands. Das ist eine Musik, die kann ich immer hören, morgens, mittags, abends, nachts. Da ist jedes Lied gut. Ich kann jetzt nicht sagen, dass die ein Lied gemacht haben, was schwächer ist oder so. Die sind einfach von vorne bis hinten gut. Ich weiß nicht, warum. Das ist genauso jetzt mit Johnny Cash. Den kann man eigentlich immer hören. Da ist jedes Lied gut und die kennen auch in meinem ganzen Bekanntenkreis keinen, der Johnny Cash jetzt nicht gut findet oder die White Stripes. Liegt vielleicht auf meinem Bekanntenkreis, aber manche Bands haben es einfach.
Und ich versuche irgendwie dahinter zu kommen, wieso finde ich manche Musik so total gut und wieso berührt mich manche andere Musik nicht. Und in der westlichen Welt, in der wir leben, ist die Musik ja auf Harmonien aufgebaut. Also wir haben in einer Oktave zwölf Töne, die sich ändern können und dann fängt der nächste, also nach dem zwölften, der dreizehnte Ton ist dann wieder der erste im Prinzip. Und das ist seit 1710 so, da hat irgendjemand erfunden, ich weiß jetzt den Namen nicht, ich glaube, der hieß Schneider oder so. Und dass es zwölf Töne in der Oktave gibt, davor gab es fünf Töne im Mittelalter, die haben Musik auf fünf Töne gemacht, das hat auch funktioniert. Hat auch keinem was gefehlt oder so, aber irgendwie haben sie dann festgestellt, dass es auch besser wäre, interessanter wäre, die Oktave in zwölf Töne zu unterteilen. Und Johann Sebastian Bach hat dann das wohltemperierte Klavier entwickelt, wo jede Oktave, also in jeder Oktave und in jeder Tonab, die Tonabstände gleich sind.
Also wir haben jetzt zwölf Töne zur Verfügung und ein Ton ist in jedem Lied, zumindest in unserer Welt, in Asien oder so ist das alles ein bisschen anders. Und im tiefen Afrika, in dieser Volksmusik, aber in der Musik, die wir so als Popmusik bezeichnen, ist es so, dass ein Ton der Grundton ist, also die Grundtonart. Und wenn man wissen will, in welcher Tonart ein Lied ist, soll man einfach warten, bis der letzte Ton kommt. Weil der letzte Ton ist der, wo sich im Prinzip das Lied wieder ins Bett legt, wo es angekommen ist. Und der letzte Ton eines Liedes ist der Grundton.
Und dann hat man diesen Grundton und von diesem Grundton kann man sich dann in verschiedene Richtungen bewegen. Nach oben, nach unten, hin und her, sonst wie was. Und ich will das mal von unten aufschlüsseln und fange mal an, zur Demonstration ein Lied zu spielen, was nur auf einem Ton stattfindet.
Das ist doch sehr beeindruckend, das war wirklich auf einem Ton und man merkt, dass es gar nicht eintönig sein muss, fast schon ein Wortwitz, eintönig, eintönig, es ist also dann in dem Sinne doch eintönig, aber es hat natürlich auch eine Art hypnotische Wirkung, weil man sich nicht auf irgendeinen anderen Ton gehen kann und Luft holen kann, sondern weil man ständig mitgerissen wird in dem einen Strom des einen Tons. Das ist nicht uninteressant. Das war der, die Mann, habe ich gehört, dass es nicht nur der Mann heißt oder die Mann, sondern die Band heißt dann die Mann und der heißt der. Weiß ich nicht.
Auf jeden Fall spiele ich noch ein Lied. Es spielt auch auf einem Ton, aber schon etwas erweitert. Es ist ein sogenanntes Riff. Das heißt, dass eine ständig wiederholende Gitarrenfigur das ganze Lied durch dasselbe Thema spielt. Und dieses Lied ist von der Band Pottet und ich habe das aus Zufall gehört, denn ich habe mir ein Auto gekauft von einem Freund, der auch Sänger ist. Die Band fängt irgendwie mit Knorr an und hört mit Kato auf und der hat mir das Auto freundlicherweise mit CD verkauft. Und da war eine CD drin, wo ich nicht mal wusste, von wem das ist. Aber ich habe beim Autofahren das Lied immer zurückgespult, weil ich eben diese Wirkung gespürt habe, dass es ein sich ständig wiederholendes Thema ist, was wie ein Sog auf mich wirkt. Und ich kann nur empfehlen, Autos mit Musik zu kaufen, weil Musik, die man sich nicht aussucht, sondern durch Zufall hört, höre ich irgendwie interessierter und offener. Und ich werde immer wieder überrascht und so lasse ich mich gerne so überraschen. Wollte man jetzt richtig gut hören, der Grundton war der obere und dann geht es immer ein ganzer nach unten zum Luft holen im Prinzip oder zum Schwung holen, um wieder auf den Grundton zu gehen. Das ganze Lied spielt aber eigentlich auf einem richtigen Grundton.
Ich habe noch eine Musik, die kenne ich auch vom Autofahren. Ich bin nach der Wende mit ziemlich viel Bands mitgefahren, weil Feeling B nicht so oft gespielt hat und ich irgendwie spielgeil war oder nicht alleine so in Berlin sitzen wollte. Da bin ich mit Bands mitgefahren, wo ich gar nicht fest mitgespielt habe, immer nur so als Gast. Habe meinen Casio unter den Arm geklemmt, der war so schön klein. Und habe mich eigentlich mehr als auf die Konzerte, auf die schönen Autofahrten gefreut, weil wir sind immer in irgendeinem Auto rein von dem, der uns hatte und haben da Musik gehört. Und bei der Ich-Funktion bin ich besonders gerne mitgefahren. Da hatten die eine Kassette von einem sogenannten Keith Stingel. Ich wusste ja nicht, was das sein soll oder so. Und ich war auch nicht zu erkennen, ob das von einer Platte ist oder so, weil das war eine 90er-Kassette, die war von vorne bis hinten voll mit Umdrehen. Und ich war völlig fasziniert, weil der so komisch deutsch gesungen hat, der so ein Timbre in der Stimme hat oder ist auch Timbre, wie ist der Geier. Und irgendwie hat diese Musik mich in so einer jugendlichen Zeit getroffen, dass er mich voll erwischt hat.
Und die Musik ist irgendwie völlig schräg. Das ist ein Westberliner, der mehr so nebenbei Musik macht, der eigentlich Gedichte geschrieben hat oder so. Und da haben wir stundenlang, fahrtenlang von vorne bis hinten Kiefs Dinge gehört, bis wir das auswendig kannten. Und haben dann festgestellt, dass wir eigentlich die Einzigen sind, die den überhaupt kennen oder so. Wir dachten, das ist ein Riesenstar, weil wir das so gut kannten und so toll fanden. Aber in meinem Umkreis oder sonst auf der ganzen Welt kennt den kaum einer. Und hier habe ich von ihm ein Lied rausgesucht, weil das macht was ganz Verrücktes. Das bleibt auf einem Ton, also die Tonart ist immer eine, aber sie wechselt zwischen Dur und Moll. Und immer erst fängt mit Dur an und dann geht Moll. Und man hört das, das Moll klingt so ein bisschen so trauriger und zum Dur geht es wieder so ein bisschen auf, weil die Terz da größer ist. Das hören wir uns mal an.
Flake wieder geht immer noch um die Harmonien. Das war eben Juroi. Die Musik wurde als Dab bezeichnet. Ich wusste früher natürlich nicht, was das ist. Ich wusste nur, ich finde es total gut und ich dachte, das schreibt man mit A und wie Dab, weil das Dab immer so Dab, Dab, Dab, Dab, habe ich gedacht. Aber es heißt ja wohl was anderes von Ausschalten. Aber ich war, als ich das erste Mal im Westen war, völlig begeistert, weil das Dab-Bier gab, was ja Dortmunder Aktienbrauerei heißt oder so, wie ich später erfahren habe. Und ich dachte, ist das geil, ich fahre im Westen und die haben sogar Dab-Bier. Nicht nur Dab-Musik, sondern auch Dab-Bier. Aber es hatte nichts damit zu tun. Aber diese Dab-Musik hat für mich was ganz verrückt. Durch dieses Flirren und Fliegen von diesen Effekten und diesen Echos ist das für mich so, als schwimmt da einer so durch den See oder durch den Fluss und ab und an, da taucht er mal ein bisschen unter und das Wasser spritzt mal ein bisschen und dann taucht er immer wieder auf. Und er schwimmt weiter und weiter und weiter und egal, was kommt, ob eine Welle kommt oder eine Strömung oder ein Fisch, der schwimmt sich durchs Lied durch und da passiert zu viel so unterwegs. Ich mag diese Art von Musik sehr.
Und um in unserer Sendung weiterzugehen, das ist jetzt ein Lied gewesen aus zwei Tonarten bestehend, also da war der Grundton und eine Quinte davon und die Quinte ist der entgegengesetzteste Ton vom Grundton, deshalb war das immer so ein Umschwenken, wenn es in den anderen Ton ging und die haben das so geschickt gemacht, dass die so lange im neuen Ton blieben, bis man denkt, man hält es nicht mehr aus und dann geht es wieder zurück auf den Grundton. Dann bleibt es wieder auf dem Grundton, bis man denkt, jetzt wird es ja ein bisschen langweilig, jetzt könnte mal was passieren. Und schwapp, schon geht es wieder zur Dominante, so wird es genannt, weil es eben so dominant, so weit auseinander liegt und so stark im Prinzip drückt auf den Grundton, dass es wieder weiter geht.
Man sieht, wir sind bei zwei Tonliedern, also aus zwei Grundtönen bestehend. Und jetzt kommt noch ein Lied als Beispiel, was aber sehr, sehr anders klingt als das erste. Passbar, was die damals auf Platte gepresst haben. Ich habe mir die extra aus Budapest mitbringen lassen. Eine Was-Platte, ich habe da irgendwie mehr als 100 Mark bezahlt. Das war das Doppelalbum, so Great Rock'n'Roll-Swindel. Ich glaube, ich habe 180 Mark bezahlt dafür. Und da war dann so ein Lied drauf, wo ich mir gedacht habe, das kann doch nicht wahr sein. Jede Schulband gibt sich mehr Mühe, wenn sie irgendeine Kassette im Proberaum aufnimmt. Und dann kaufe ich schon mal eine richtig geile West-Platte und dann ist das so lieblos gespielt. Aber scheißegal sind die Sexpistols und da geht halt nichts drüber und eigentlich beweisen sie ja mit diesem Lied nur, dass sie die Idee des Punks wirklich verstanden haben, beziehungsweise im Großen und Ganzen fast erfunden haben. Das waren die Sex Pistols, wie gesagt, mit Ro Duana. Ro Duana, ich kann das auch richtig aussprechen. Und dieses Lied, wie das vorhergehende, befindet sich auf zwei Tönen. Aber das war jetzt keine Quarte, sondern Quatsch, das war keine Quinte, sondern eine Quarte. Das heißt, der Tonabstand war nicht so groß und ging immer hin und her. Man geht immer auf so eine Stufe hoch und wieder runter. Und das ist auch eine ganz feine Sache. Das Lied hat sich nie aus dem Schema so rausbewegt. Und ich mag zwei Tonlieder sehr.
Das nächste Lied ist wieder auf zwei Tönen. Das ist von King Crimson, die habe ich kennengelernt über unseren alten Trommler von Feeling B. Da war King Crimson Fan, weil das auch vom Schlagzeug her irre anspruchsvoll ist. Ich habe den mal abends besucht und natürlich mein Kase unterm Arm. Und er war ja Schlagzeuger und hat in seiner ganz normalen Wohnung in der Erich-Weinhardt-Straße sein voll aufgebautes Schlagzeug stehen. Und als ich kam, spielte er mir King Crimson vor. Und dann hat er gesagt, lass uns mal ein bisschen Session machen zusammen. Da war das so gegen halb eins nachts. Und er setzt sich an das Schlagzeug und hat unabgedämmt volle Suppe auf das Schlagzeug gedroschen. Ich dachte, das Haus stürzt ein. Und ich dachte, ey, hier wohnen doch welche, hör auf, hör auf. Ich hatte totale Angst, dass es also Ärger gibt. Bei mir habe ich aufs Klavier den Teppich gelegt, unter das Klavier den Teppich gelegt und trotzdem nur mit leisen Fingern gespielt, damit die Nachbarn nicht durchdrehen. Und der hat volle Suppe aus ganzer Kraft Schlagzeug gespielt, nachts im ganz normalen Mietshaus. Hat es natürlich auch nicht lange gedauert, da hat es gegen die Tür gebummert und so. Und der hat gesagt, ach, ich spiele mal weiter, dann höre ich das bummer nicht so, dann stört uns das nicht. Ich konnte ja nicht mitspielen, ich hätte so gerne mit ihm Session gemacht, aber das war mir nicht möglich, weil ich so eine Angst hatte. Irgendwann hat es so an die Tür gedroschen, dass er aufgestanden ist, die Tür aufgerissen hat und den Typen so angeschrien hat, der nichts weiter wollte als schlafen. Ich habe gesagt, ich gebe dir eine Handkante, da fällt es um wie ein nasser Sack. Und der Typ hat unseren Trommler kurz mal angeguckt und hat sich auf der Stelle so rumgedreht und ist die Treppen wieder runtergegangen. Da war ich sehr beeindruckt, da habe ich zum ersten Mal im Leben gesehen, dass also nicht der, der Recht hat, auch Recht kriegt. Weil das war ja eindeutig der andere Mann, sondern einfach der, der eine größere Klappe hat oder einfach stärker ist oder so. Und dann sind wir wieder ins Zimmer gegangen und haben weiter King Crimson gehört und ich muss hier stehen, dass ich das ja nicht mehr so richtig genießen konnte. Und dabei ist die Musik echt irre. Das ist auch eine feine Sache, King Crimson.
Jetzt kommt noch ein Beispiel, das ist ein bisschen geschummelt, nämlich Daddy Cool von Bonnie M. Das besteht im Großen und Ganzen auch nur aus zwei Tönen. Crazy Like, Gefühl, Ton runter, Baby, Daddy Cool, wieder ein Ton, Ton hoch. Aber da kommt dann so ein kleiner Zwischenzeit, so ein C-Teil, da schummel ich ein bisschen. Aber ich dachte, wenn das Grundlied aus zwei Tönen besteht, dann kann ich das mal auch spielen. Und Daddy Cool finde ich auch total cool, also wie schon der Name sagt, weil manchmal werde ich auch schon mit Daddy Cool so angesprochen oder hoffst zumindest, wenn ich versuche, irgendwas mitzubringen oder so, wenn ich versuche, den Kindern die Feind zu tun.
Wenn ich mit der Band unterwegs bin, bin ich ja oft im Ausland, auch im Nicht-Sozialistischen und da kann man schöne Sachen kaufen und ich versuche immer, landestypische Geschenke mitzubringen. Das fällt mir immer schwerer, weil ich bin schon drei, vier Mal in Paris gewesen. Die Eiffeltürme stapeln sich schon auf dem Schrank, das Kind guckt schon gar nicht mehr. Oder dann war ich in Australien, da habe ich irgendwie so Känguru-Zeug, ein Dichiridu, ist zu groß. Das kann man im Flugzeug so mitnehmen und ich mag den Klang auch nicht so. Bumerang habe ich auch gekauft, hat nicht funktioniert. Da habe ich dann gekriegt ein Stück so Känguru in einer Büchse. Und dann haben wir die Büchse aufgemacht und da war ein Kuscheltier drin. Da war natürlich die Freude groß, dass es nicht so Känguru Fleisch war, sondern ein Kuscheltier. Das war mein ganz gut, aber in Amerika hatte ich nicht so ein Glück. Da habe ich so eine Indianer-Puppe gekauft auf dem Indianerdorf. Habe ich ganz stolz mitgebracht und die Mutter von dem Kind hatte dann da aussortiert, das war eine Barbie. Das gibt auch Barbies als Indianer oder Indianer als Barbies und das passt dann nicht so ins Erziehungskonzept, sag ich mal. War ich nicht gut dran und wenn ich sonst was mitbringe, stelle ich immer wieder fest, dass ich die Sachen für ein Drittel vom Preis auch in Kreuzberg kaufen kann und ich schleppe die immer in schweren Säcken so durch die ganze Welt, das Flugzeug mit, nur damit ich versuche irgendwie ein Daddy cool zu sein.
Ich sehe gerade ein bisschen Fehler unterlaufen, das letzte Lied, das Daddy-Cool, besteht eigentlich wirklich aus drei Tönen und nicht aus zweien und gehört eigentlich jetzt in die dritte Runde. Denn man kann sich denken, erste Runde auf einem Ton, zweite auf zwei Tönen, kann man ja mal schätzen, was jetzt für eine Runde kommt. Da fühle ich mich gleich wieder zurückversetzt in die neunziger Jahre im Prenzlauer Berg. Die Kneipe war aus, also das Rechenberg schloss um elf, der Franke, glaube ich, auch um elf. Und dann saß man da halb betrunken und es gab nichts mehr. Dann ist man ganz schnell zu irgendeinem in die Wohnung gegangen. Hat sich aus irgendeinem Grund immer jemand bereit erklärt, weiter zu feiern, was man Feiern nannte. Also früher war es noch mehr Feiern als jetzt. Jetzt bezeichnet man mit Feiern ja eigentlich nur Alkohol und Drogenmissbrauch. Man sagt, hast jetzt wieder gefeiert, heißt eigentlich ja nur, hast du dich dicht gemacht. Aber ich meine, wir waren damals auch nicht besser, wir haben uns auch dicht gemacht, kann man eigentlich sagen. Aber wenigstens in einer Wohnung und kulturvoll, weil der Wohnungsinhaber hatte immer Platten, die man noch nicht kannte oder Kassetten, die man nicht kannte. Und Louis Louis lief oft, weil das war einfach auch so ein schönes Tanzlied. Und um wieder zurückzukommen auf mein Thema, besteht aus drei Akkorden, die sich immer wiederholen. Die Tonika, die Subdominante und die Dominante, um das mal musikalisch auszudrücken. Und das ist eigentlich das Grundgerüst von den meisten, ich sage mal von 98 Prozent der Rockleader oder des Rock'n'Rolls.
Und jetzt kommt gleich noch ein Lied mit drei Griffen, die sich immer wiederholen, was aber nicht so sehr zum Rock'n'Roll zählt. Manage Boy von Maddie Waters, das war zu sagen, die Nationalhymne der DDR-Blueser, das kannte jeder, sagt man, spiel mal, das konnten wir alle und dann kam das noch großartigerweise im Kino. Als The Band kam der Scorsese-Film, ich war bestimmt achtmal drin und bei Marty Waters war es absolute Pflicht, dass man aufstand und mitgeklatscht hat, das ganze Lied, das durfte man nicht im Sitzen hören, das wäre Frevel gewesen. Ich stand da im Kino und ein bisschen peinlich war es mir natürlich auch, weil hinter mir saßen die Erwachsenen, aber wenn ich mit meinen Freunden war, musste ich halt mit aufstehen und mitklatschen und eigentlich war Marty Waters die wichtigste Stelle so vom ganzen Film. Natürlich auf drei Tönen ganz stumpf immer wieder hintereinander durchgespielt. Man sagt ja auch, der Blues besteht aus Stube, Kammer, Küche. Was Grundton-Dominante, Subdominante wäre.
Und das nächste Lied benutzt genau die Wechsel wie im Blues. Aber ist gar kein Blues. Aber ist im Blues, also ist im Blues und doch keiner. Ist eigentlich eine tolle Sache.
Oh no, no, das ist auch ein herrliches Lied. Ich muss dazu sagen, im ABBA-Film, da war ich auch, das habe ich jetzt ja nicht erwähnt, bloß ABBA spielt auf mehr Tönen, da wird öfter gewechselt und in andere Richtungen, deshalb konnte ich das als Beispiel nicht nehmen, aber ich war auch bei ABBA fünfmal im Kino nur nicht mit aufstehen, sondern habe es nur angeguckt, ich war genauso begeistert und das waren dann eigentlich die beiden Musikfilme, die es in der DDR gab, vielleicht noch mit Chris Dörr und Frank Schöbel, da bin ich aber nicht drin gegangen, da war ich dann noch nicht 14, als das kam.
Jetzt kommt ein Lied von Trio, die haben auch ein Lied auf drei Tönen gemacht und zwar das, was man als Da-Da-Da kennt oder Du liebst mich nicht, ich lieb dich nicht, aber das ist gar nicht auf einem Ton, wie man denkt, sondern ist auch auf drei Tönen, weil da kommt der Refrain, da singt auch, da hört man so ein zartes Frauenstimmchen, das ist Inga Humpe, die singt damit und Trio hat mich so begeistert, weil ich habe die im Fernsehen gesehen bei einem Freund, ich weiß nicht, ob es ZDF-Hitparade oder irgend so was war, da haben die auch ein Lied gespielt, ich glaube, Sabine, Sabine oder vielleicht sogar dieses. Und die Band, die den ersten Preis gekriegt hat, die durfte das Lied dann nochmal spielen. Und dann hat Trio gewonnen und hat das Lied nochmal gespielt und hat aber statt zu singen, hat der Sänger einen Apfel gegessen. Und da konnte man sehen, dass das Playback war. Und da habe ich zum ersten Mal im Leben gesehen, dass das Playback gibt, also dass Bands auch gar nicht spielen. So wenn sie so tun, als ob sie spielen, das wusste ich ja nicht. Und zum zweiten habe ich gesehen, dass Trio das scheißegal war, so dass man das sieht. Und gerade das fand ich so übercool, dass die Jans stumpf zeigen, wir spielen nicht live und wir singen nicht live, wir tun nur so. Und wir zeigen das auch. Ab dem Moment fand ich Trio sowas von übercool und das hat sich eigentlich bis jetzt noch nicht gelegt.
Und beim vierten Teil, mein Name ist Flake, es geht um die harmonischen Wechsel in den Liedern. Das waren eben die Stones mit Everybody Needs Somebody. Eigentlich kannte ich das Lied aus dem Film The Blues Brothers oder nur Blues Brothers ohne The. Und ich weiß gar nicht, ob die Blues Brothers, ob es die Band wirklich gibt oder gab oder ob es die nur in dem Film gab. Das gibt es ja auch bei Fraktus oder so, obwohl die gibt es ja auch nun wirklich. Jedenfalls haben die Blues Brothers im Film dieses Lied gespielt und der Film war großartig. Erstens, weil ich die Musik geliebt habe und zweitens, weil da die richtigen Stars mitgespielt haben, wie Ray Charles, der hat den Gitarrenverkäufer im Musikladen gespielt und da habe ich überlegt, wie die das gemacht haben, dass die Ray Charles überredet haben, da mitzuspielen, weil der war ja nun blind und wie erklärt man einem blinden Mann, dass er im Kino mitspielt, so was das ist, kann man ja schlecht so beschreiben, eben der nicht sehen kann. Da gibt es ja diesen Witz mit dem Schwan, wo der Blinde fragt, wie ein Schwan aussieht und er sagt, Quatsch, der Blinde fragt, Witze erzählen mir nicht besonders schlecht, der Blinde fragt, was Milch ist und da sagt der Sehende, Milch ist so was weiß, da sagt er, was ist denn weiß, da sagt er, wie ein Schwan eben so richtig schön weiß, da sagt er, was ist denn so ein Schwan, da sagt er, ein Schwan ist hier, fass mal meinen Arm an, der hat so einen Hals wie mein Arm. Dann tastet der Blinde den Arm ab und sagt, ah, so sieht Milch aus, okay. Ah, wir sind ja nicht wieder drauf gekommen. Ach so, wegen Ray Charles. Jedenfalls hat er mit Kinofilmen auch mitgespielt. Ich habe mich sehr erfreut, dass er zu sehen ist.
Und da fiel mir auch ein, dass ich mal Stevie Wonder gesehen habe. Der hatte dieses Lied, I just called to say I love you. Und da hat er in ein rotes Telefon reingesungen im Video. Und da habe ich gedacht, also dieser Mann muss wirklich blind sein. Wenn er gesehen hätte, was er da macht, hätte er es bestimmt nicht gemacht. Weil das sah, sag ich mal, recht zweifelhaft aus, wie er das rote Telefon, das war so ein Büro-Telefon, so Renni gesungen hat, auf der Bühne, so versteht sich, auf der Bühne, am Klavier stand das Telefon. Und das fand ich sehr beeindruckend. Aber der hat nicht mitgespielt bei Blues Brothers, das war eben der Richards. Und uns hat der Film so gut gefallen, dass wir uns manche Sätze da richtig auswendig gelernt haben. Und das Beste war eben, wo die beiden losfahren wollen und sagen, wir sind zu zweit, wir haben noch 200 Meilen vor uns oder 800 Meilen, weiß ich nicht mehr. Wir haben einen 74er Dodge mit Bullenmotor. Wir haben noch eine Schachtel Zigaretten und wir haben Sonnenbrillen auf. Und diesen Satz habe ich in meinem Leben, oder ich nicht, aber meine Kumpels, dann sehr oft wiederholt. Und zwar eigentlich immer in der Situation, wenn wir irgendwo saßen und losfahren wollten. Und das war doch recht oft in meiner Jugend.
Was für Zeit, nicht traurig. Das Lied hat mich auch im Alter von sechs Jahren erwischt oder so. Und hat mir den ersten Blick in die Zukunft eröffnet, der damals noch recht gut aussah. Aber man ist natürlich sofort auf die eigene Sterblichkeit gestoßen. Und besonders schlimm war die Strophe, wenn wir längst vergangen sind. Da hat es mich gleich durchzuckt. Aber das Lied ist ein hervorragendes Beispiel für vier Töne, die immer hintereinander kommen. Und da ist es wenigstens gut. Aber es ist auch sonst ein gutes Lied. Ich glaube, das gibt es auf Englisch auch. Das heißt dann mit 99 oder irgendwas. Oder 70 ist der Geier. Irgendwas bezahlen wird es sein. Weil es geht ja da auch um die Jahre.
Und wir gehen gleich weiter zum nächsten Lied. Mal was modernere wieder. See Offspring, was irgendwie sogar heißt. Die Zukunft, die danach kommt. Ich dachte, das geht um eine Springflut oder so. Aber da ich recht viel falsch verstanden habe, ist das jetzt kein Wunder. Es kann auch die Springflut heißen. Aber ich glaube, es heißt, wie gesagt, die nachkommende Jugend oder so. Und die Band habe ich mal kennengelernt bei einer Preisverleihung. Da ist was Unangenehmes passiert. Also für mich unangenehm. Oder jedenfalls waren wir in Milano zum MTV Award. Und manchmal müssen die Bands oder dürfen die Bands auch Preise verleihen. Und ich sollte jetzt mit unserem Trommler und Paul, glaube ich, einen Preis für The Offspring verleihen für dieses Lied, was wir auch gleich hören. Weil das ist so irgendwie ein super Hit gewesen zumindest. Oder ist es immer noch. Und ich dachte, also ich wusste erstens nicht, was ich sagen sollte. Weil ich habe noch nie eine Laudatio irgendwie gemacht und weiß gar nicht, was man da sagt. Und ich dachte, ich bin besonders witzig und habe es so getan, als kriege ich den Preis. Und habe gesagt, habe mich bedankt. Also wie man sich bei einer Preisverleihung bedankt, habe mich bei meinen Eltern, bei Gott, beim Hund und beim Nachbarn bedankt. Und die Leute wussten ja nicht, dass ich den Preis nicht kriege, sondern nur der Laudatio bin. Und außer mir fand das überhaupt keiner witzig. Und erst recht nicht die Bände da aufspringen, die auf ihren Preis gewartet haben. Und da nur so einen Idioten da stehen sehen, haben der da vor sich hin sabbelt. Und ich fand die Idee sehr lustig, dass der Laudator sich bedankt. Aber mit meiner Meinung stehe ich da immer noch recht alleine da. Elfesteam heißt dieses Lied.
Und wir bleiben gleich in Amerika. Ich bin 1993 mit Feeling B nach Amerika gefahren, weil die Mauern waren offen. Und wir wollten mal sehen, wie das in Amerika so aussieht. Man hat so viel davon erzählt gekriegt, aus irgendwie Zeitungen und Büchern. Aber man kann sich ja nie vorstellen, wie es dann wirklich ist. Und wir sind mit Feeling B ins Flugzeug gestiegen und mehr oder weniger auf blauen Dunst nach Amerika gefahren und wollten da spielen. Und da gibt es auch so Clubs, wo so eine Open-Mic-Veranstaltung stattfindet. Das heißt, wer keine richtige Band hat und so, der darf dann mal vor das Mikro treten und was probieren. Und da haben wir dann auch gespielt und die Reaktion im Publikum war sehr gering, sag ich mal. Und wenn wir ein richtiges Konzert organisiert haben, wir haben mal in New Orleans gespielt, in so einem Club. Da kamen um die zwölf Leute, davon waren acht aus der DDR ausgereist und nach Amerika gefahren und haben sich gefreut, mal ein paar Ostler zu treffen. Und ansonsten war die Reaktion, ich kann auch sagen, im Prinzip gleich null. Und wir sind da langgelaufen, hatten von nichts eine Ahnung, haben alles falsch gemacht, wie in so einem Witzfilm. Und einmal wollten wir frühstücken gehen und haben uns in den Entfernungen völlig verschätzt und sind stundenlang gelaufen. Und dann regnete es in Strömen, irgendwo in Florida. Da ist nicht immer das Wetter schön und es hat auch sehr geregnet. Und es hat so doll geregnet, dass ich klatschnass war bis auf unten am Schlüpper. Und dann bin ich in so einen Laden rein, wo es so Pharma-Bedarf gab und habe mir einen Hut gekauft. Und das war ein Cowboy-Hut, da war irgendein Stück Schlangenfell dran oder so. Und der Hut hat irgendwie 58 Dollar gekostet. Und das war für mich so unverschämend viel Geld. Das war der Wochenetat für mich, aber ich musste den aufsetzen, damit ich einen trockenen Kopf habe. Und seitdem konnten wir nur noch in diese All-You-Can-Eat-Dinger gehen, wo man 5 Dollar bezahlt. Und dann kann man so viel essen, wie man will. Und da wir irgendwie schlecht erzogen waren, also mir fehlt da die Grenze, da haben wir bei All You Can Eat, da war eine Schüssel mit Pudding und da habe ich dann so viel Pudding gegessen, wie ich nur konnte und das war so ein süßes Schlabberzeug. Und dazu gab es dann so chinesische Hühnerkeulen in ekligem Fetteig und da habe ich so all you can eat mal wirklich alles gegessen, was ich konnte und danach war eigentlich das Thema Essen für mein ganzes Leben so erledigt, weil ich hatte keine Lust mehr so viel zu essen, wie ich wollte. Und in der Zeit lief ununterbrochen im Radio ein Lied, was mir genau ins Thema passt, weil es auch aus vier Grundgriffen besteht.
So, jetzt sind wir im Prinzip rum. Die vier Wechsellieder. Jetzt merkt man natürlich das erste Lied, womit wir die Sendung begonnen haben, kann ich jetzt am Schluss so verraten und auflösen. War auch ein Viergriffe-Lied. Deshalb habe ich das als erstes gespielt, damit wir jetzt wieder so einen schönen Kreis schließen. Und das Lied von Zazen, nämlich Giants.
Aber jetzt kommt noch ein allerletztes Lied, bevor ich mich verabschiede und das ist von den Stones ursprünglich. Ich habe es zwar auch nicht geglaubt, aber so soll es wohl sein und vorhin haben die Stones ein Lied von Blues Brothers gespielt und jetzt spielt The Worth ein Lied von den Stones, also man sagt die Idee ist von den Stones und zwar von The Last Time, das Lied jetzt heißt Bittersweet Symphony, ist natürlich auch auf vier Tönen und ich hoffe, Ihnen hat es ein bisschen Spaß gemacht und ich verabschiede mich und hoffe, Sie sind beim nächsten Mal wieder mit dabei, das sagt man ja so. Also bis dann, tschüssi.
Song info
| Artist | Song |
| The The | Giant |
| The White Stripes | I Just Don't Know What To Do With Myself |
| Der Mann | Ich bin ein Mann |
| Pothead | Learn To Hypnotize! |
| Kiev Stingl | Lila Diva |
| U-roy | Love In The Arena |
| Sex Pistols | Road Runner |
| King Crimson | The Sheltering Sky |
| Boney M. | Daddy Cool |
| The Kingsmen | Louie, Louie |
| Laid Back | Bakerman |
| Muddy Waters | Mannish Boy |
| Dawn Penn | You Don't Love Me (No, No, No) |
| Trio | Da da da |
| John Lennon | Give Peace A Chance |
| The Rolling Stones | Everybody Needs Somebody To Love |
| Nina und Mike | Was wird sein in 7 Jahren |
| The Offspring | Self Esteem |
| Spin Doctors | Two Princes |
| The Verve | Bitter Sweet Symphony |