Die Sendung June 2022
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Flake talks about being sick.
Transcript
Hallo, herzlich willkommen. Heute könnte ich die zwei Stunden noch durchquatschen, war heute jetzt um Krankheiten oder krank.
Ich habe sehr viel zu erzählen, aber wussten Sie zufällig den Unterschied zwischen einer Behinderung und einer Krankheit? Ist jetzt kein Witz, ist jetzt ernst. Eine Behinderung hat man oder man hat sie nicht und eine Krankheit führt entweder zur Gesundung oder zum Tod. Und auf dem Weg dahin benutzt sie das Fieber.
Das war Peggy Lee mit Fever und wer auch, wie ich, das Gefühl hatte, dass das Lied viel schneller und viel mehr losgeht als bei Elvis Presley, hat recht, denn ich habe einfach auf die Zeitanzeige geguckt. Das Lied von Elvis Presley ist mit genauso vielen Strophen und Wörtern, 30 Sekunden länger. Also hat sie sich ganz schön beeilt, die Peggy Lee und das klingt auch richtig gut.
Das war Fieber. Fieber ist eine Erhöhung der Körpertemperatur und ich habe als Kind gedacht, vielleicht hat es mir meine Mutter so erklärt, dass dann die weißen Blutkörperchen gegen die Bakterien kämpfen und durch dieses Kampfgewühl erhöht sich die Temperatur, weil das reibt sich aneinander oder kämpft miteinander. Und je mehr Fieber man hat, desto mehr kämpfen die. Und später hat mir jemand gesagt, dass die Körpertemperatur vom Körper direkt, also durch das Gehirn, Nerven, wie es Äquator rumspielt, wird die Körpertemperatur erhöht, damit die Bakterien absterben.
Nun weiß ich nicht, woher die Bakterien genau wissen, dass bei 38 Grad die Bakterien sterben und ob bei 38 welche noch nicht sterben, wofür man dann 39 Fieber braucht, dass sie dann sterben. Aber es funktioniert ja wirklich, dass wenn man jetzt eine Grippe hat oder so und man kriegt Fieber einfach, ohne dass man jetzt Medikamente nimmt oder so, erhöht sich die Körpertemperatur, man hat Fieber, man schwitzt und wenn man dann wieder aufwacht im Prinzip, ist die Krankheit weg. Die Viren sind, oder sogar gegen Viren hilft Fieber, sind die abgetötet und es geht einem wieder besser. Also das Fieber ist eigentlich eine Sache, die absolut hilft, um gesund zu werden, aber natürlich auch ein Erkennungsmerkmal ist das, was nicht in Ordnung ist. Also wenn man jetzt einfach mal so 39 Fieber hat, dann sollte man auch nachgucken, woran das liegt, weil man muss ja auch dann die Ursache bekämpfen und nicht nur die Wirkung, also nur ein Fieber senken das Mittel, lindert zwar das Fieber, was ja auch unangenehm sein kann, aber es hilft der Krankheit jetzt nicht unbedingt, also ich meine der Gesundheit und deshalb sollte man dann gucken, woher das Fieber kommt und dagegen kämpfen, weil manchmal schafft es der Körper auch nicht alleine, wenn das entweder zu viele Viren sind oder der Körper zu schwach ist oder so. Und dann sollte man doch noch Medikamente nehmen. Ich bin jetzt kein Freund der homöopathischen Medizin. Was ich eher interessant finde, ist homöopathisches Essen. Das spart einfach Zeit, aber das machen wir jetzt nicht.
Jetzt geht es um Krankheit, um Fieber und Udo Lindenberg besingt das Straßenfieber. Udo Lindenberg, der zeigt uns schön, dass man auf Deutsch sehr gut singen kann und er hat es so phrasiert, wie man es in dem Englischen auch machen würde. In den Straßen, in den Straßen und kein Mensch würde eigentlich auf die Idee kommen, so in den Straßen zu singen, aber er macht es so selbstverständlich und beim Englischen hört auch niemand genau hin, was die von Unsinn da immer dazwischen singen als Flosken oder so. Ich finde den Dude sehr mutig, sehr frei, sehr schön, Straßenfieber.
Ich stelle mir da vor, dass der Asphalt so schwitzt, da kommen dann so Blasen, ich weiß nicht, ob wir das aus dem Sommer kennen, dass der Asphalt so richtig flüssig wird, dass man mit dem Daumen so reindrücken kann, dass ich kleine so Kugeln rausziehe, also so Matsch-Tropfen und die macht man dann zur Kugel. Die werden dann langsam hart, dann gehen die schwarzen Flecken nie wieder so aus den Sachen raus. Da hat sich meine Mutter sehr gefreut drüber.
Es ist aber natürlich keine Krankheit oder so, das ist wie Disco-Fieber oder so. Das ist mehr eine Metapher oder wie Reisefieber. Meine Mutter war früher immer so aufgeregt, nur wenn wir mal zwei Stunden Richtung Thüringen gefahren sind. Ach, ich kann nichts essen und ja, und dann so aufgeregt alle.
Lampenfieber, da verstehe ich das alles, weil Lampenfieber, so kenne ich auch. Und das ist schlimm. Also man fühlt sich wirklich richtig, richtig schlecht, kann sich nicht konzentrieren und schwitzt und friert gleichzeitig und so. Das Gute ist, man hat nicht das wie bei echtem Fieber, wenn ich jetzt echtes Fieber habe, richtig hoch, dann habe ich nachts richtig so Wahnvorstellungen, ja nicht wie Albträume, also wie so ein bisschen so abgeschaltet, wo ich schon wieder glaube, dass das die Natur mit Absicht gemacht hat. Wenn man nämlich richtig doll krank ist und sterben wird oder so, dann ist es natürlich gut, wenn man das auch nicht so mitkriegt oder so. Und wenn man dann in so einem fieberhaften, dämmerigen Rauschzustand übergeht, hat jetzt schon wieder der allgemeine Weltengott bestimmt mit Absicht so organisiert, damit für einen das selber nicht schlimm ist, damit man nur so einfach dann in den anderen Zustand so rüberdämmert oder so, damit man das nicht selber so schlimm findet. Mir ging es zum Glück noch nie so. Ich hatte nur, also ich bin bis jetzt immer wieder gesund geworden im Großen und Ganzen, aber dieses Gefühl, wenn man nachts, dass einem dann wirklich alles egal ist oder so, wenn man einfach so ein hohes Fieber hat, kenne ich auch. Und bei richtigem Fieber hören dann fast auch die Schmerzen schon wieder auf, weil man die dann nicht so merkt oder so. Und man hat eigentlich dann nur noch Durst.
Oder man hört halt Musik. Wenn einem überhaupt keine Überleitung mehr einfällt, dann macht man das so wie ekel.
Der Krankheiten, und es gibt die eingebildeten Krankheiten. Und Jakob Hein hat geschrieben, Hypochondra leben länger, das mag ja sein. Also ich weiß, wovon ich spreche. Mag sein, dass man länger lebt, aber man lebt schlechter. Denn wenn man die ganze Zeit daran denkt, das könnt ihr kriegen oder man fühlt ja fast so, als hat man das oder so, geht es einem in der Zeit schlecht, bis man zum Arzt geht und der Arzt sagt, machen sie sich keine Sorgen, es ist das und das und das. Wenn man dann sich keine Sorgen machen muss, nachdem der Arzt was gesagt hat. Aber in der Zeit der Ungewissheit geht es einem total schlecht.
Und wir waren mal auf einer langen Tournee und ich hatte so geschwollene Lymphdrüsen am Hals und dachte, ich habe totalen Krebs und habe dann so Till mal gefragt, aber nicht jetzt der kompetenteste Ansprechpartner ist, ob man in meinem Alter schon, es ist das normal, dass man da Krebs kriegt. Und der hat mich so angekriegt und gesagt, ja. Und er hat gesagt, oh Gottes Willen, oh Gottes Willen. Und der hat es schon gesagt, aber dann fiel mir irgendwann mal beim Konzert auf, dass ich bei Bück dich so ein Nietenhalsband um den Hals hatte und habe immer versucht wegzukriechen. Und Till hat mich immer mit ganzer Kraft zurückgerissen und da hat sich das Lederhalsband bei mir im Hals und das Kinn so eingeschnitten, genau da, wo die Lumpfdrüsen sind. Und dadurch, dass jeden Abend mit dem Nietenhalsband mir die Lumpfdrüsen ins Klonen gedrückt worden sind, sind die natürlich angeschwollen und haben wehgetan. Also da sieht man mal, dass wenn man rauskriegt, wartet ist, wie unwahrscheinlich das einen beruhigen kann, da wusste ich, aha, Gott sei Dank, ich habe keinen Krebs, ich lasse mich nur jeden Abend bei Bück dich mit einer Kette über die Bühne zerren, Gott sei Dank.
Das war, ich sage es nicht den blöden Witz mit dem Hypochondra, wenn er tot ist, da sagt er, jetzt übertreibt er, kann ich übertreiben, aber wie gesagt, das ist hier eine Musiksendung und ich weiß ja, ob ich von Becken zu Beck irgendwie von Krankheiten überleiten kann, wird jetzt wirklich richtig, richtig, richtig schwer.
Nächstes Lied handelt im weiteren Sinne von Aids. Ich kann mich noch an die Zeit gut zurückerinnern, als es das noch gar nicht gab, weil Sex einfach nur Sex war. Und auf einmal kam wie aus heiterem Himmel die Erkenntnis, dass Sex eine tödliche Gefahr beinhaltet. Keiner wusste genau, wie, wann, wie schnell, was es nun wirklich ist, wie sich das wirklich jetzt verbreitet. Und alles, was man darüber gehört hat, hat irgendwie beängstigend gewirkt.
Ich habe mal irgendwie so, es war eine Episode in der Serie, wo eine Frau mit einem Junge geschlafen hat. Und als sie morgens aufsteht und ins Bad geht, steht am Spiegel mit Lippenstift, willkommen im Club. Und sie hat so, oh, so ein Schreck, so eine Herzkrampfung, so ein Scheiße. Und dann mit den ganzen Untersuchungen und sie hat wirklich ihr ganzes Leben völlig in Schockstarre, hat sich umgestellt. Sie hatte dann kein AIDS, wie sie sich dann rausstellte. Oder ich habe es dann ausgemacht, weil ich das einfach nicht ertragen habe und nicht bis zum Schluss gucken konnte.
Dann gab es Kids, diesen Film in Seattle, wo auch jemand, der infiziert war oder wo die zum Teil auch Mädchen im Suff so vergewaltigt haben. Und ein Junge hat ein Mädchen vergewaltigt, was schon infiziert war und hat sich im Prinzip durch Vergewaltigung noch angesteckt. Später habe ich gesehen, das Leben ist eine Baustelle mit Jürgen Vogel, etwa ein deutscher Filmer zu dem Thema, wo er auch eine Freundin hatte, die erkrankt ist. Und er hat es dann auch zum Arzt gegangen, sich untersuchen lassen und da hat der Film geendet, an dem sind die Schlitsche gelaufen, nachdem er seine negative Diagnose gekriegt hat und das Schlimmste an dieser Krankheit war in meinen Augen zu der Zeit erstmal die Ungewissheit, dass man nicht wusste, ob man es hat oder nicht, aber das Allerschlimmste war wirklich, dass man, wenn man es hat und nicht gemerkt hat und jemand dann angesteckt hat, wie man dem das dann sagt. Also wenn irgendwann so eine Halbfreundin oder so, mit der man ein paar Mal Sex hatte, wenn man der dann sagen muss, du, das kann sein, ich habe dich angesteckt oder so. Also dieses Gefühl hinzugehen und zu sagen, das kann sein, das ist ja im Prinzip wie, na früher, als es noch nicht so gut behandelbar war, war es ja wie eine Todesnachricht, dass man gesagt hat, pass auf hier, du bist jetzt auch dabei. Und das muss man den anderen dann sagen und dazu auch sagen, dass man selber nicht aufgepasst hat und selber sich nicht untersucht hat und selber kein Kondom genommen hat. Das war mein allergrößter Albtraum, was mir auf keinen Fall passieren sollte. Und ich meine, es gibt ein sehr gutes Mittel gegen AIDS, dass man einfach erstmal keinen Sex hat. Und ich glaube, das ist wirklich in der Zeit, nach den 80er Jahren auch sehr oft passiert.
Und ja, wir hören erst mal uns das Lied an, wie da damit so umgegangen wird. Die Band wird man erkennen und nicht sich beirren lassen, dass das ein Weihnachtslied ist.
Das waren die Fantastischen Vier und mich hat das sehr betroffene Lied, ich dachte um Gottes Willen, die arme Prostituierte und das war eigentlich das erste Mal, dass sowas im Radio in der Musik in meinen Ohren besungen wurde, zumindest in Deutsch, fand ich gut.
Ein Freund von mir hat Medizin studiert und im Studium ist ein wesentlicher Bestandteil, dass man durch sämtliche Stationen durch muss. Also man muss mal Geburtsstationen, Chirurgie, Infektionskrankheiten, Krebsstationen, Magen, Darm, alles was es so gibt. Und er war eingesetzt auch in einer Krebsstation, bei den Leuten, die Kehlkopfkrebs hatten, die Kehlköpfe im Prinzip rausgenommen haben. Und er hat mir erzählt, dass da man sehr nah an die Halsschlagader rankommt bei den OPs und dass danach sehr oft was, also was heißt sehr oft, das kann ich jetzt nicht mehr beurteilen, aber er hat es erzählt, er hat es bestimmt acht bis zehnmal erlebt, dass den Leuten danach die Halsschlagader geplatzt ist und die verblutet sind. Und da läuft dann acht Liter Blut raus aus der kalten, also ohne dass er irgendwas machen oder helfen konnte. Und seine Aufgabe war dann, das Blut wegzumachen. Und das sind bei acht Litern ja auch ganz schön viel. Und er musste dann irgendwie mit einer Müllschippe das irgendwie versuchen in Eimer abzumachen. Und dann war ich der Meinung, das wollte ich gar nicht hören. Also das gehört zu den Dingen, die ich gar nicht wissen wollte.
Das war Engerling. Große Stones-Fans. Der Schlussteil klang in meinen Ohren jetzt genau wie Kraching Up von Stones, obwohl die es ja auch neu gecovert haben. Die Haut, sie ist zu dünn. Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist. Die ist ja 1,5 bis 4 Millimeter dick, was ja ganz schön dick ist. Also 4 Millimeter ist schon wie eine dünne Stulle, so sag ich mal. Und die Fläche eines erwachsenen Menschen sind 1,8 Quadratmeter. Also das sind ja ein schöner die Haut, die hat ein ganz süßes Wort, sie dient als Hüllorgan der Abgrenzung von innen und außen, das ist schon fast eine philosophische Sache, weniger als eine medizinische, natürlich dem Schutz von Umwelteinflüssen und sie übernimmt wichtige Funktionen des Stoffwechsels. Man schwitzt durch die Haut, man nimmt da Stoffe auf der Wärmeregulation und der Immunantwort. Also die Haut ist absolut wichtig. Und bei der Haut, dass sie Sinneszellen hat und die Obersächensensibilität ist klar, sie hat auch Thermorezeptoren, damit man merkt, dass es kalt ist und Schmerzrezeptoren. Aber das Wichtige ist eben die Haut als soziales Ding. Weil Hautberührung und Hautkontakte sind für Säugetiere lebenswichtig. Man hat mal Versuche gemacht mit Kindern, die man nicht gestreichelt hat und so isoliert hat, die sind ja gestorben. Und die Haut, dass man die anfasst, da merken sie, dass man lebt oder dass es noch mehr von der Sorte gibt, dass sie weiterleben können. Und die Haut färbt sich nicht ohne Grund rot, weil sie anders durchblutet wird als Art der Kommunikation. Also man wird ja rot, wenn man erregt ist oder wenn man, um auch den anderen zu zeigen, dass man erregt ist oder so. Und nicht umsonst ist der Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten derselbe.
Lose ist in ein Hospital. Blumen im Krankenhaus sind schwierig. Also ist zwar schön, wenn man was Frisches von draußen kriegt, aber Blumen haben irgendwie auch durch dieses Erdige oder so, muss man auch ein bisschen an Tod denken oder so, weil die so auch so riechen. Ich denke, nachts haben die Krankenschwestern immer die ganzen Blumen auch rausgeschleppt und in den Flur gestellt, damit die nicht im Zimmer liegen, weil man sagt ja, dass die dann den Atem der Kranken aufsaugen oder so, weil die Photosynthese findet ja nur bei Sonnenlicht statt. Und wenn das Sonnenlicht weg ist, können die Blumen keinen Sauerstoff mehr produzieren, sondern produzieren auch Stickstoff. Kann das sein? Jedenfalls ist es nicht gut, wenn die nachts im Zimmer sind. Und früher hat man glaube ich auch Blumen hingestellt, die stark riechen wie Lilien, damit man nicht so riecht, wenn jemand gestorben ist. Denn wenn jemand gestorben ist, haben die den ja früher zwei Tage noch im Bett liegen lassen, um sich zu verabschieden. Und da hat man dann schon anfängt nach Tod zu riechen, haben die stark riechende Blumen genommen, damit den Geruch dann so überdeckt. Aber wenn ich jetzt eine Lilie rieche, muss ich an Tod denken, auch wenn ja keiner gestorben ist oder so, weil das eben dieser Effekt ist. Wenn man versucht, was zu überbrücken mit einem anderen Effekt, dann wird irgendwie der spätere Effekt zum Haupteffekt. Sowieso versucht haben früher mit Heroin vom Morphium zu entwöhnen oder so. Später haben sie dann nur noch so Heroin genommen, deshalb nur noch die Blumen. Im Krankenhaus zu sterben ist sowieso keine schöne Vorstellung zwischen diesen technischen Geräten, die da piepen in so einem toten weißen Zimmer. Und das ist dann doch auch eine traurige Geschichte.
Wenn sie noch da sind, bei Krankheiten ist ja das Schöne, dass sie meistens besser werden und man wieder gesund wird.
Dabei hilft einem der Healer, der Doktor.
John Lee Hooker mit Santana, The Healer.
Der Mensch hat ja schon immer nach seinem Wissensstand versucht, die beste Medizin, die besten Mittel zu finden. Ob das nun der Medizinmann war, der irgendwelche Kerzen ins Ohr gesteckt hat oder Feuer abgebrannt hat oder versucht hat, die Geister zu beschwören oder irgendjemand Chemikalien zusammengebraut hat, um die Bakterien abzutöten. Als sie die Bakterien entdeckt haben, das ist ja viel Zeit vergangen, das war ja erst, was, hier mit den Tuberkeln. Die dachten ja früher, Krankheit kommt aus Lappen oder von Mäusen oder so, bis sie die Bakterien hatten. Und dann gab es die sogenannte Schulmedizin, die im Prinzip auf Experimente und Erfahrungen aufgebaut wurde. Die hat ja viel Kritik einstecken müssen, dass man sagt, ja, schon krank, dann haust du dir die Chemierin und dann geht es dir besser. Aber das Innere, die Gesamtheit des Körpers wird auch da nicht für voll genommen. Die chinesische Medizin wiederum sieht irgendwie das Ganze und behandeln wohl nicht den Körper direkt, sondern die ganze Welt, wenn sie irgendwas machen oder so. Und ich habe auch schon gehört von Leuten, die durch Autosuggestionen behandelt wurden. Das bedeutet, dass man sich selber einredet oder sich selber dem Körper das sagt. Und wenn der Körper das gesagt kriegt, dann macht das irgendwie auch. Mir scheint das auch in irgendeiner Form nachvollziehbar und logisch. Ich habe es auch versucht schon. Also ich war mal in so einem Kurs mit Autos, Suggestion. Aber dass es so gut funktioniert wie im nächsten Lied, wäre mir jetzt nicht aufgefallen.
Das war Otto Reuter. Am besten hat mir gefallen, denkst du in eine Million, denkst du, das ist ein Auto, das ist Autos Urgestion. So ist es nicht gemeint, aber im Prinzip doch genialer Text. Ich kann nicht schlafen, auch genialer Text.
Lebensentzug führt auch zu Krankhaftigkeiten oder umgekehrt besser gesagt, die meisten Krankheiten, die wir so haben, heilt man, indem man einfach mal früh ins Bett geht und einfach mal eine Nacht so durchschläft. Also bestimmt schon 80 Prozent dieser Erkältung und Schnupfen im Anmarsch würde man wegkriegen. Aber aus irgendeinem Grund hat man immer abends irgendwie noch was wichtig zu tun. Ich will nochmal den Film gucken, da ins Internet, hier, dette. Eigentlich ist es totaler Quatsch, weil wenn wir früher als Kinder ins Bett gegangen sind und die Eltern durften wach bleiben, waren wir so neidisch. Dachten, die haben es gut, wir müssen ins Bett und die können ja immer so schöne Sachen machen. Und wenn ich dann mal pullern musste oder so und dann mal ins Zimmer gegangen bin, da haben sie gequatscht. Also so war es langweilig, da hätten sie auch ins Bett gehen können.
Das war ideal und F.J. Krüger ging es wirklich nicht gut. Also wenn er nicht schlafen kann, ist das gefährlich. Jimi Hendrix ist an nichts anderem gestorben als an Schlaftabletten, die ihm eine Freundin gegeben hat, weil er nicht schlafen konnte. Und seine Freundin oder die derzeitige Freundin wusste nicht, wie stark die sind. Sie hat ihm aus Versehen wohl eine Überdosis gegeben, weil er nicht richtig schlafen konnte. Und die hat er, der ist dann einfach eingeschlafen und nicht aufgewacht wieder. Man kann da so schnell reinrutschen, man lobt es gar nicht.
Wir fahren ja manchmal nach Amerika, um zu spielen. Und wenn wir manchmal für ein Festival hinfliegen oder so, dann kommen wir wirklich nur einen Tag vorher an. Und dann ist dieser blöde Jetlag und dann ist er abends, aber ich bin noch wach oder umgekehrt. Und dann nehme ich manchmal auch eine Schlaftablette, damit ich wenigstens die Nacht vorm Konzert noch schlafen kann. Damit ich dann nicht irgendwie 48 Stunden wach war, bis das Konzert anfängt. Und schlafe dann ein. Bloß nächsten Tag ist ja dann wieder dasselbe, weil dann ist ja immer noch der Jetlag. Und ich hatte ein Konzert und will ja noch nach dem Konzert dann auch einschlafen und nicht wieder die ganze Nacht dann wach liegen oder so. Dann nehme ich wieder inne und zack, nach drei Tagen hat man sich dran gewöhnt und denkt, Mensch, jetzt schläft man so gut. Was soll ich denn jetzt? Keine Schlaftablette nehmen, wenn ich auch eine Schlaftablette nehmen kann. Und so nimmt man dann Schlaftabletten auf längere Zeit. Und das ist dann ganz schädlich, weil man dann ohne Schlaftabletten noch schlechter einschläft als ohnehin schon. Meistens geht es auch darum, dass man nachts aufwacht und dann nicht wieder einschlafen kann oder so. Also da sollte man ganz doll aufpassen, weil gerade bei Musikern endet so weit oft mit dem Tod oder mit einer Schizophrenie oder so, das kann auch passieren.
Das war Feeling B und viele, die unseren Sänger Aljoscha kannten, haben natürlich gemeint, er ist völlig verrückt, also ein verrückter Typ, er handelt verrückt, er war eigentlich, also wenn man verrückt als verrückt vom Normalen weggerückt sieht, war er natürlich verrückt, aber in meinen Augen jetzt nicht krankhaft oder so, also er war jetzt nicht schizophren, er hatte keine Beeinträchtigung, sein Bewusstsein war völlig klar, seine intellekten Fähigkeiten waren auch nicht beeinträchtigt, war alles in Ordnung. Und diese Persönlichkeitsspaltung ist auch gar nicht schizophren, damit hat er auch nichts zu tun gehabt, aber er hatte ein anderes Problem, er war sehr schwer alkoholkrank und die Alkoholkrankheit ist jetzt nicht vom Körper ursächlich, sondern es geht vom Verhalten aus, dass man ursächlich erst Alkohol trinkt und dann erst Alkoholkrank wird und nicht erst Alkoholkrank ist, bevor man was getrunken hat. Selbstverschuldigt, das ist das falsche Wort, aber selbstgemacht in gewisser Weise schon. Und Alkoholkrankheit führt öfter zum Tode als normale Krankheiten, also es heißt normale Krankheiten, als viele andere Krankheiten, die man als so gefährlich einstuft, weil man die mit Medikamenten behandeln kann. Aber bei Alkoholkranken helfen Medikamente so gut wie nichts. Da hilft nur eine ganz lange und schwierige Therapie und ein absoluter Wille, um aufzuhören. Und unser Sänger ist auf lange Sicht, gesehen, ja auch dran gestorben oder so. Aber er hat das wahrscheinlich selber nie so gesehen. Das nächste Lied heißt auch If Drinking Not Killing Me, also wenn Alkohol mich nicht umbringt oder trinken oder so. Von George Jones.
Das Gute ist ja, dass man für seinen Körper viel machen kann, um sich vor Krankheiten zu schützen. Man kann das Immunsystem stärken, man kann eben, wie gesagt, aufhören, Alkohol zu trinken oder Alkoholmissbrauch zu betreiben. Man kann Sport machen und sich bewegen, obwohl man beim Sport machen wieder aufpassen muss, dass man sich nicht die Gelenke kaputt macht oder Sportkrankheiten holt. Das Wichtigste ist, dass man sich gesund ernährt und so, aber man kann natürlich auch einfach mal, also manchmal hilft es schon, wenn man mit ein paar Sachen aufhört, zum Beispiel, dass man aufhört zu rauchen.
Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Ich habe irgendwann mal, also wir dürfen ja nicht in einer Wohnung rauchen oder im Haus oder so. Da bin ich mal rausgegangen, habe mich auf die Terrasse gestellt und so eine Zigarette geraucht und gesagt, Mensch, eigentlich schmeckt es überhaupt nicht. Was mache ich denn hier eigentlich? Und ab dieser Zigarette, die ich so geraucht habe und gemerkt habe, die schmeckt mir überhaupt nicht, das ist totaler Quatsch, hat es dann nur noch zwei Wochen gebraucht, bis ich wirklich so aufhören konnte. Und dann ging es mir relativ schnell auch in vielen Hinsichten gesundheitlich besser. Also ich habe, muss ich wirklich sagen, ich habe besser geschlafen und vor allen Dingen war ich morgens besser wach. Also vielleicht hängt ihr doch mit dem Schlafen zusammen. Ich konnte morgens wieder früh aufstehen. Und das Interessanteste war, dass ein paar Sachen wieder geschmeckt haben, deren Geschmack ich schon so richtig mit den Zigaretten so überdeckt hatte. Also einfach Sachen wie, naja, irgendwie das Brot hat schon an sich verschieden geschmeckt. Also verschiedene Sorten Brot haben verschieden geschmeckt und so. Viele Sachen merkt man ja nicht mehr, wenn man ständig raucht. Da ist es einfach dann halt nur noch Brot.
Brot ist ja auch gesund und vitaminreich. Vitamin ist nämlich ganz, ganz wichtig, wenn man gesund bleiben will. Es gibt ja ganz viele Vitamine A, B, C, D, E, F, G, H, J, K, H, M und so weiter. Vitamin B, Banane und so. Nee, C, C ist wichtig, um vor Infektionskrankheiten zu schützen. Es ist ein Obst drin, aber A und B ist ein Fleisch und so. Also man weiß nicht wirklich, was man essen soll. Die einen sagen, man soll das Gemüse roh essen, dann ist die Vitamine drin. Die anderen sagen, man soll Äpfel, die Vitamine sitzen unter der Schale. Wie sollen die Vitamine wissen, dass sie unter die Schale kriechen sollen? Das verstehe ich nicht. Und die anderen sagen, man muss Gemüse kochen, Möhren und Kohlrabi, sonst lösen sich die Stoffe irgendwie nicht auf und der Körper, der kann die nicht aufnehmen. Die anderen sagen, Fisch und Fleisch ist so gesund. Meine Ärztin sagt, die Cholesterinwerte sind viel zu hoch. Ich soll kein Fleisch essen, vor allem kein Schweinefleisch. Die anderen sagen, Milch ist so gesund wegen Kalzimmer und so ein Quatsch. Die anderen sagen, Milch ist überhaupt nicht für Menschen gedacht. Also es ist ein Missverständnis, dass erwachsene Menschen Milch trinken. Es dürfen nur Kinder trinken und dann auch nur von ihrer Mutter oder so. Also wie man es macht, ist es falsch. Nur man sagt, Vitamin C kann es schaden. Das ist zwar vielleicht richtig, aber wenn man Vitamin C sehr hoch dosiert nimmt, kriegt man physischen Durchfall. Und das ist kein Wikipedia-Wissen, sondern teilweise am eigenen Leib so ausprobiert.
Eigentlich war Morphium auch mal eine Medizin, und zwar gegen Schmerzen, also Schmerzen ist ja auch, man kann ja mit Schmerzen auf Dauer so nicht leben und das fängt meistens ganz, ganz harmlos an, also bei Michael Jackson hat man es gesehen, hat er irgendwie eine relativ harmlose Brandverletzung, wenn mich nicht alles täuscht, die er mit Schmerzmitteln behandelt hat, zum Schluss, da ist er gestorben dran, weil er das auch immer höher dosiert hat und was viele auch nicht wissen, Faller da, also Hans Faller, der Schriftsteller, war ein schwerer Morphinist, der anfangs nur als 16-Jähriger einen Fahrradunfall hatte. Der war ja schon schlimm, der ist auch in seiner Biografie beschrieben. Ihm ist eine Kutsche mit den Eisenrädern über den Bauch gefahren. Und der hat eine Zeit lang nur so Salzwasserinjektionen gekriegt, damit er überhaupt überlebt. Und ist dann ein Vierteljahr lang richtig doll mit Morphium behandelt worden und hatte zehn Jahre lang genommen. Und er hat gesagt, er hat eine Sphäre gefunden, die abgeschlossen von wirklichem Leben ist. Und er fühlt ganz doll den Durst nach Genüssen, die vergessen machen. Und im Sommer 1919, er hatte auch einen Selbstmordversuch inzwischen, ist für ihn das Leben ganz unerträglich geworden, sodass er sich freiwillig entschlossen hat, in eine Anstalt zu gehen, um zu entziehen. Und er ist wirklich von seiner Sucht so dazu gedrängt worden, Geld zu unterschlagen und zweieinhalb Jahre ins Gefängnis gekommen. Das fing alles an wegen dem bisschen Morphium, was er wegen einem Fahrradunfall bekommen hat. Also Morphium ist schon schwierig.
Das waren die White Stripes und das Lied haben wir vor einer Stunde schon mal gehört. Wer aufgepasst hat, hat es gemerkt, da war es aber gesungen von Eric Byrden und klang ein bisschen anders. Das ist St. James Infirmary Blues. Das ist eigentlich ein ganz altes Volkslied aus dem 18. Jahrhundert. So Unfortunate Lad über einen Soldaten, der sein Geld für Prostituierte ausgibt und dann an Geschlechtskrankheiten stirbt. Früher ist man daran noch schneller gestorben, so Lenin ja auch. Der war hier irgendwie im Scheunviertel in Berlin, hat sich da angesteckt und ist später gestorben. Und nicht an dem Attentat, wo er sich nur in der Hand verletzt hat, sondern an Syphilis gestorben. Das war früher schwerer behandelbar als jetzt. Es ist auch noch schwer behandelbar, wenn man es zu spät entdeckt. Man hat da früher so eine Silbertinktur oder Zinktinktur trinken müssen. Daran hat man die Syphiliskranken erkannt. Jetzt nimmt man so Antibiotika, aber man muss es wirklich früh genug nehmen, bevor es in die Nervenzellen eindringt. Irgendwie da gibt es kleine Sichelteilchen oder so. Alles sehr interessant. St. James Infirmary könnte auch das Krankenhaus in London sein, wo Leprakranke behandelt wurden. Das weiß jetzt keiner mehr. Und das Lied ist irgendwie von 200 Bands so nachgespielt worden. Die White Stripes-Version fand ich gut, weil ich so Lieder mit Klavier und die White Stripes generell gut finde, wie auch die Stones, die da vorkommen. Bei mir kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Das nächste Lied, ja, wovon wird das handeln, von welcher Krankheit? Wir werden es wissen gleich.
Das war Dead Cap for Cutie.
Und wenn wir über Krankheiten sprechen, müssen wir natürlich auch über die Ärzte sprechen. Ein Lied für jetzt.
Es muss nicht immer so schlimm sein. Ich kann mich erinnern, dass ich viel Zeit als Kind in der sogenannten Rekonvaleszenz verbracht habe. Das heißt, wenn es einem langsam wieder besser geht, eigentlich ist es meine Kindheitserinnerung generell, dass ich so im Schlafanzug mit einem Schal um, der ein bisschen gekratzt hat und einer Strickjacke so halb aufrecht mit einem Kissen gestützt im Bett saß. Im Wohnzimmer natürlich. Ich durfte mich am Tag über ins Wohnzimmer legen und habe dann so das Familienleben verfolgt und Radio gehört. Und wenn meine Eltern dann arbeiten waren, habe ich die Platten von meinem Vater so durchgehört, eigentlich von Anfang bis Ende. Und da meine Liebe zur Musik manifestiert und ich wäre jetzt nicht hier und ich wäre nicht der, der ich wäre, wenn ich nicht so oft krank gewesen wäre und mich nicht um die Musik hätte so kümmern können, so rund um die Uhr. So hat alles auf Dauer gesehen, auch sein Gutes. Und also eine Krankheit, solange man wieder genießt und gesund wird, ist es halt nur wie so eine Auszeit. Und sollte das jetzt irgendwie einen Tipp geben, der krank ist oder so ein Quatsch. Also besser ist, man ist gesund. Also selbst wenn man krank ist, selbst die gute Gewissheit, irgendwann ist das auch vorbei. Irgendwann ist alles vorbei. Sagt Sismis auch, I know it's over. Irgendwann sag ich jetzt Tschüss.