Die Sendung March 2019
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Flake talks about music in tv shows.
Transcript
Radio 1. Flake, des Tastenfickers-Podcast.
Herzlich willkommen, ich begrüße Sie, die mich hören alle. Und natürlich begrüße ich die anderen auch, aber nur die, die mich hören können, den nützt er was, weil die ja nur mich hören. Das ist wie in dem Satz, wer das liest, ist doof. Einer der genialsten Sätze, selbsterfüllende Prophezeiung oder sonst was. In dem Satz ist so viel Logik drin, dass ich völlig begeistert bin, weil wer das nicht liest, der liest es dann nicht. Also das hat nichts damit zu tun, ob der dann doof ist oder nicht, aber der weiß das ganz einfach nicht. Der ist nicht dabei, genauso wie die, die das jetzt nicht hören können, denen auch völlig egal ist, was ich jetzt so sage, weil die hören es ja nicht. Also sowas geniales, selten gelesen. Ich kenne doch eigentlich keinen, der den Satz noch nicht gelesen hat, außer der, der nicht lesen kann. Also es ist ja leider, man könnte sagen, es ist eine Wahrheit, aber das ist es natürlich leider nicht, weil gerade wer liest, ist absolut nicht doof. Weil Lesen ist das, was mit am klügsten hält, dass man selber auch schreiben kann, denken kann, Sätze formen kann. Also eigentlich kann man den ganzen Tag auch lesen.
Und ich überlege, ob man nur lesen kann und dabei Musik hören kann. Ich probiere das jetzt mal. Ich habe es jetzt nicht geschafft zu lesen dabei. Das geht ja gar nicht, weil ich musste so zuhören. Ich habe mal im Flugzeug versucht, ein Buch zu lesen. Da habe ich 28 Mal den ersten Satz gelesen. Und dann sind wir so gelandet irgendwie, als ich mich wieder halbwegs entspannt hatte. Aber beim Musikhören kann man auch eigentlich so nichts anderes machen. Das war bei Professor Longhair, der konnte wenigstens so gleich Klavier spielen und singen auf eine sehr schöne Art, was schon schwierig ist. Und dabei hat er noch eine Kreuzfahrt gemacht. Das ist nämlich eine Live-Aufnahme von 1953 auf der Queen Mary. Ich weiß nicht, ob Queen Mary 1 oder 2, aber das ist ja auch völlig egal. Das gibt ja auch Aufnahmen aus dem Zeppelin, kurz bevor er dann abgestürzt ist. Da haben die auch Klavieraufnahmen gemacht. Aber weshalb Professor Longhair jetzt live auf der Queen Mary seine Aufnahmen gemacht hat, werde ich auch nie erfahren, weil er ist ja auch schon lange tot. Und ich hätte den Menschen noch nie kennengelernt oder die Musik nie gehört, wenn ich nicht zufällig eine Fernsehserie mir angeguckt hätte.
Wobei wir auch schon beim Thema sind, denn Serien gibt es ja zwar schon seitdem wir Kinder sind, aber ich hatte keinen Fernseher, wie gesagt. Und ich habe Musik gemacht in einer Bluesband, einer Kirchenbluesband, wo so Mittelingen zwischen Bluesfans und Punks mitgespielt haben. Und wir waren die Coolsten, wir haben Spießer gehasst, alles gehasst und Party machen wollen und dreckige Sachen an und ans. Aber donnerstags mussten alle Punkt 18 Uhr bei der Sängerin sein, die hieß irgendwie Bluesmutti oder so in unserem Volksmund. Und da saßen dann Punkt 18 Uhr alle aufgereiht auf Mamas Sofa und kickten sich den Denver-Clan an oder Dallas. Ich habe überhaupt nicht verstanden, weil mir fehlten die Zusammenhänge. Ich weiß nicht, wer GR oder wer ist jetzt der Böse, Susan Allen oder wie auch immer. Jedenfalls habe ich gestaunt, dass durch eine Fernsehserie die Menschen sich komplett verändern können und verwandeln können. Und deshalb ist mein Thema heute Musik in Fernsehserien. Liegt mir fern zu lästern über Fernsehserien oder so. Ich bin selber völlig infiziert und absolut süchtig.
Das fing ganz harmlos an mit Desperate Housewives. Das haben irgendwie ein paar Bekannte gesehen und haben gesagt, Mensch, das ist doch interessant. Das ist auch ein bisschen gesellschaftskritisch und ist gar nicht so amerikanisch. Amerikanische Filme begeistert mich jetzt nicht so. Da wird 80 Prozent rumgeballert und zum Schluss gewinnt der Gute irgendwie, diese normalen Filme, meine ich jetzt so. Schwarzen Eckern, die gibt es ja auch schon nicht mehr, aber eben so diese Action-Geschichten, da, Red Heat 3 oder, jedenfalls, ich hätte gar nicht erwartet, dass so gute Sachen aus Amerika kommen. Ich war völlig angenehm überrascht. Ich habe Desperate Housewives, sag ich mal, in der dritten Staffel in echt gesehen, auch einmal so in der Woche, wenn ich mal irgendwo so Baby gesittet habe und habe die einzelnen Folgen gesehen und war sofort bei der Sache. Ich fand die Frauen, die Susan jetzt nicht, die fand ich fürchterlich, aber ich fand es so spannend, wie das weitergeht mit der Kindererziehung und so, dass ich angefangen habe, mir CDs, also die DVDs zu kaufen, muss man sich mal vorstellen, ich bin ins Kaufhaus gegangen und habe nach Desperate Housewife DVDs gefragt und dann so ein Paket gekriegt. Und dann haben wir mit meiner Frau uns das angeguckt, und wer eine Frau hat, wird wissen, dass es eigentlich nichts gemütlicheres gibt, als abends mit der Frau im Bett zu liegen oder auch dann später mittags, morgens gleich liegen zu bleiben, wenn man das kann und sich noch schnell ein paar Folgen anguckt, hintereinander am besten stumpf weg. Ab und an steht einer auf und holt was zu essen ran oder so. Das ist so gemütlich. Man muss aufpassen, dass man wirklich eng zusammen ist. Denn wenn einer mal alleine im Bett ist und so vorguckt, ist das blöde, weil dann muss man beim nächsten Mal, da muss der dann entweder das nochmal mitgucken, was der eigentlich schon kennt und so tun, als kennt das nicht. Oder der, der es nicht gesehen hat, muss eine Folge dann ausfallen lassen, was hart ist, wenn man mitten in einer Handlung ist. Wenn es mich nicht ganz so interessiert hat, dann ging das mal. Aber meistens haben wir versucht, uns so zu synchronisieren, dass wir immer auf dem Laufenden blieben. Also wir fingen an mit Desperate Housewives. Waves ist ja was anderes.
Und dann kam The Wire, fand ich sehr gut, sehr spannend, hat in Baltimore gespielt. Und ich habe mich besonders gefreut, weil ich ein paar Stellen wiedergefunden habe, wo ich wirklich war, als wir da gespielt haben. Bin ich da spazieren gegangen und als ich dann The Wire gesehen habe, habe ich ein bisschen Schreck gekriegt, wo ich da so lang spaziert bin. Weil die Wirklichkeit sah jetzt nicht wesentlich besser aus als die Szenen im Film. Ich habe das Gefahrenpotenzial falsch eingeschätzt und kann jetzt noch mal im Nachhinein dankbar sein, dass mir doch nichts passiert ist, dass ich da so frech, da so durchgelatscht bin. Und The Wire hat uns sehr gefallen, also auch, dass die dann die Schule gemacht haben und so, das war so spannend.
Und dann haben wir uns ein bisschen erforscht, was es noch so geben konnte und haben gemerkt, dass die Schauspieler und die Regisseure von The Wire noch eine neue Serie gedreht haben und die heißt The Treme. Aiko heißt das Lied. Man könnte doch mitsingen. Das kenne ich auch noch als Kind oder so. Und das ist ein indianisches Lied. Das ist mit indianischen Wörtern, wo Chokma Fina drin ist. Und das hat niemand verstanden, bis irgendjemand erkannt hat, dass das irgendwie ein indianisches Wort ist. Und Chokma heißt, das ist gut, also das gefällt mir, das ist sehr gut und dieses Fina heißt doll, sehr. Also wir würden das übersetzen als fetzt urst, weil DDR war ja auch eine Art Indianerland, so haben wir uns jedenfalls bezeichnet, die Ostmark hieß ja auch Indianermarkt oder die Westmark, wenn man 100 Indianermarkt braucht, also ich kenne den Begriff auch noch. Wir haben uns ein bisschen auch gefühlt wie Indianer, die dann irgendwann von den zivilisierten Menschen dann erobert worden oder so, entdeckt worden, aber da geht es darum nicht, sondern da geht es um echte Indianer, weil The Treme, die Serie, von der ich erzählen will, Treme ist ein Stadtteil in New Orleans und da wohnen viele Jazzmusiker und Bluesmusiker und andere Musiker.
Und Treme, die Serie handelt von der Zeit nach Katrina, als der Wirbelsturm war, was wir alle Nachrichten verfolgen konnten, wo wirklich fürchterliche Szenen passiert sind und die Serie handelt, wie gesagt, davon, dass die Leute danach langsam versuchen, ihr New Orleans wieder zurückzugewinnen und ihre Konflikte und ihre verschiedenen Sachen mit der Musik so austragen. Die Hauptperson ist ein Radiomoderator und die anderen sind alle so Musiker, die auch so Polizisten dann bei The Wire waren, werden dann zu alten Musikern, zu Indianern, die ihre Native Musik weitermachen wollen und die ganze Sache ist fürchterlich spannend. Ein bisschen konnte ich sogar nachempfinden, wie das Gefühl in New Orleans gewesen ist, weil wir hatten ja auch die Jahrhundertflut 2002 und ich war danach in Bad Schandau und da stand ja wirklich der gesamte Ort und Teile von Dresden auch so unter Wasser und man konnte noch diese Wasserlinie sehen, wie hoch das Wasser gestiegen ist und in den Gebäuden war alles noch mit diesem Dreckslehm, Sand verkrustet, hat fürchterlich gestunken. Ich bin, obwohl ich eigentlich über die Ferien hingefahren bin, ich bin fürchterlich krank geworden dann. Ich habe so einen bösen Schnupfen gekriegt, den alle hatten, wo man wochenlang verstopfte Nasen hatte, weil die Elbe ist ja durch Tschechien noch durchgeflossen, hat ein paar Friedhöfe mit weggespült, da sind die Särge mit runtergetrieben, hat diese bösen Chemiewerke bei Ustinat Lade mit ausgespült und dieser ganze Dreck verteilte sich dann in den Wohnungen und Wohnhäusern und legte sich auf den Boden. Und das hat wirklich bestialisch gestunken. Ich hatte da richtig Ärger. Meine Tochter hat sich dann irgendwie noch den Kopf aufgeschlagen. Wie immer was passiert, wenn ich mit den Kindern weg bin. Die Frauen sind da immer begeistert. Und dann wollte ich mit ihr zum Arzt gehen und da war der Arzt, musste hochziehen in den ersten Stock. Da war der nur so, saß in seiner Wohnstube eigentlich. Unten war die Praxis, die war nicht benutzt. Und dann lagen die Krankenakten einfach so auf dem Fußboden gestapelt und es war alles so provisorisch und hat gestunken und dann hat man ein bisschen vielleicht dieses Gefühl so nachempfinden können.
Aber was ich spannend finde, ist, dass es dabei nicht nur um Korruption geht und Rassismus und Anfeindungen, sondern auch um die verschiedenen Musikrichtungen, die sich in New Orleans treffen. Hier hört man die Mischung aus Kirchensongs, weil es ist ja eigentlich ein altes Kirchenlied, diesen Bläsern, diesen Tubas und Posaunen, die eigentlich von den tschechischen Einwanderern kommen. Die böhmische Blasmusik hat so auch ihren Weg nach Amerika in den Jazz, in den Rock'n'Roll gefunden und auch die Countrymusik einfach so. Die aber am meisten da gekämpft haben um ihre Autonomität und ihre Kultur sind eigentlich die Indianer. Da gibt es diesen Big Chief Albert, den es auch wirklich gibt, was ich ja generell das Interessante an Musik-Fernsehserien finde, dass alle Bands echt sind und dass alle Bands echte Platten machen und dass es die alle auch wirklich gibt. Und der versucht immer, seine Indianermusik zu machen und merkt, dass die Leute sich immer weniger dafür interessieren, dass das immer weniger akzeptiert wird. Und jetzt macht er mit seinem Sohn oder Schwager, der versucht ihn, das ist ein fortschrittlicher, junger Jazzmusiker, erfolgreich, auch reich mit Anzug in New York. Der schleppt jetzt seinen alten Vater ins Studio und versucht mit ihm jetzt mit diesem Indianer Chief Albert und seiner Jazzband eine Aufnahme zu machen. Das fand ich total spannend.
Also man sieht, es ist wirklich schwierig, die Generation zusammenzubringen, die ganzen Einstellungen zusammenzubringen. Es klappt letztendlich, also ich muss jetzt nicht groß spoilern, die Sache ist jetzt nicht so spannend, dass man denkt, oh Gott, oh Gott, es hat doch was verraten. Sondern es wird eigentlich nur gezeigt, wie es ist. Es gibt keine Lösung und kein Happy End oder irgendwas. Das Wichtigste für die Einwohner ist, dass sie ihren Mardi Gras wieder feiern können. Das ist einfach die größte Veranstaltung für New Orleans, die berühmteste, wo wirklich alle zusammenkommen und feiern. Ich selber durfte das erleben, das war eine sehr komische Erfahrung. Wir sind nach New Orleans gefahren mit Feeling B 1990 oder 1993 und da war zufällig dieser Mardi Gras und wir waren das erste Mal in Amerika. Wir sind gelandet in New Orleans und wussten gar nicht, was uns in Amerika erwartet und da war eine ganze Stadt im Mardi Gras Fieber. Da war völlig der Irrsinn ausgebrochen, das war unfassbar, da rannten Leute, auch SM-Paare und alle verrückten, rannten auf der Straße rum, Bands spielten rund um die Uhr in allen Kneipen, haben sie immer geschrien, show you tits, show you tits, dann haben immer die Frauen ihre Hemden so hoch gemacht und dann haben alle gejohlt, das war wie so eine Irrenanstalt und wir dachten, das ist normal, wir dachten, das ist eben ein New Orleans, wir kannten es ja nicht. Und dann sollten wir dann auch spielen, das wurde dann so peinlich wie nur irgendwas, weil wir sind das Gegenteil von Lebenslust und wir waren ja als Punkband oder so eher destruktiv oder so und die haben alle miteinander getanzt und sich geküsst, das war fürchterlich, sag ich jetzt mal, für uns mit Bonbons rumgeschmissen. Also es war im Prinzip wie der Karneval in, wo ist der, Nürnberg oder München oder keine Ahnung. Und dass sie mit Bonbons schmeißen und Butten reden und sowas, alles ist da gekommen, weil das wahrscheinlich alles denselben Ursprung hat, weil das alles irgendwie aus Europa von den Einwanderern kommt. Und man sagt ja, das ist entstanden 1829 am Neujahrstag in einer Silvesterparty, war ein Typ, Michael Kraft, das klingt ja auch schon ziemlich deutsch, muss ich jetzt mal sagen. Ich kenne kaum einen Namen, der nicht so deutsch klingt wie Michael Kraft. Und nee, war ein niederländischer Aussiedler, okay. Und der hat mit seinen Freunden gefeiert, waren völlig betrunken. Dann sind sie in den Nachbarladen gegangen, wo hier so LPG-Bedarf, also Landschaftsgeräte irgendwie verkauft worden. Und dann haben die sich die Eisengeräte genommen, haben damit Krach gemacht und Musik gemacht mit Kuhglocken, Rechen und Hauen und sind durch die Straßen gezogen. Und daraus entstand dann so nach und nach der Mardi Gras, was so viel heißt wie fetter Dienstag. Also Mardi ist der Dienstag oder Gras eins von beiden. Und als er gestorben ist, der Michael Kraft, haben sie zum ersten Mal eine große Prozession gemacht und auch mit Pferdewagen und sind durch die Straßen gefahren und haben das gefeiert. Und so wurde das dann immer größer. Da haben sich verschiedene Gesellschaften und so noch daran beteiligt, bis das jetzt zu so einem absoluten Wahnsinns-Konsum-Fest wurde. Das hat aber hauptsächlich auf Musik beruht, weil da eine riesengroße Band durch die Straßen zieht.
Und das klingt so. Das ist Patsy Klein, eine Sängerin, 1932 in Winchester geboren. Winchester kenne ich nur von den wunderbaren Gewehren. Von den Digeducks und den Western-Romanen, dass sie immer zur Winchester gegriffen haben. Das ist eine kleine Flinte, sehr leicht, sehr kurz und deshalb auch sehr handlich. Ich denke mal, dass die auch in Winchester erfunden worden ist, sonst würde sie ja nicht Winchester heißen. Da kam jedenfalls Patsy Klein her, war eine Country-Sängerin und hat Walking After Midnight zum Beispiel, aber das kennt man nicht, Lied. Und ist leider, leider, leider schon wieder mit 30 gestorben. Zufälligerweise auch, oder was heißt zufälligerweise, fast folgerichtigerweise bei einem Flugzeugabsturz. Weil Flugzeugabsturz ist nun was, was besonders oft Musiker betrifft. Weil Musiker einfach ganz oft fliegen, wenn sie berühmt sind. Das ist klar, dass Piloten auch öfter abstürzen als Busfahrer. Weil Piloten einfach berufsbedingt jetzt öfter fliegen. Genauso ist es auch mit Musikern. Und es sitzen ja oft mehr Musiker an einem Flugzeug, als Piloten sind. Deshalb wird jetzt sich die Waage halten, dass genauso viele Piloten wie Musiker am Flugzeugabsturz gestorben sind. Obwohl es vielleicht sogar noch mehr Musiker sein könnten, weil Musiker manchmal ja auch selbst fliegen. Wie Brian Dickinson, Bruce Dickinson. Aber darum geht es jetzt nicht. Es geht jetzt um Patsy Klein, weil die spielt in einer neuen Serie mit. Also für unsere Sendung neu, die Sendung an sich ist schon alt. Die heißt Nashville, weil sie da auch mit aufgenommen hat.
Und Nashville ist eine Serie, wo es eigentlich nur um Musik geht in Nashville und auch viel um die Charaktere der Musiker. Es geht um Drogen, es geht auch um Verrat. Also eigentlich alle gesellschaftlichen Probleme werden in diesem Musikkosmos nochmal gezeigt und das ist total gut. Eine der Hauptdarstellerinnen ist ein paar nettiere, spricht man ja aus wie Hayden Panettiere, die Frau von Klitschko jedenfalls, die spielt da eine Country-Sängerin und diese Country-Sängerin wiederum spielt im Film dann Patsy Klein, weil sie so richtig den Bogen zu machen und sie ist da auch eine völlig verzogene, böse eigentlich Superstar-Country-Sängerin. Wer bei Country-Sängerin Star ist, ist richtig ein Superstar, das ist bei uns vielleicht vergleichbar mit der Volksmusik. Ich kenne jetzt nur die Wildecker Herzbuben oder so, aber die sind natürlich in ihrem Kosmos, sind natürlich auch die absoluten Kings und so gibt es die Country-Charts und da sind die alle immer auf Platz 1 und in ihrem Kosmos sind sie die absoluten Kings der Welt und sie ist so eine verzogene Sängerin, die nur im Privatjet rumfliegt und Leute rausschmeißen, aber andererseits natürlich auch sehr verletzlich ist und verzweifelt ist. Und sie singt natürlich auch, wie man jetzt so hören kann. Der Film heißt die Juliette Barnes und ist natürlich, auch wenn ich es gesagt habe, ein bisschen zickig oder so, eine unwahrscheinlich sympathische Frau, die im Prinzip den Typ zeigen soll, spielen soll, der den Country nicht mehr so reinrassig spielen will, sondern den im Prinzip mit Pop verbindet oder im Prinzip so Popmusik macht und auf der Countrybühne zeigt oder so. Das ist sehr spannend, weil sie natürlich von den alten Country-Sängern überhaupt nicht akzeptiert wird und angefeindet wird. Aber sie versucht eben so ihren Weg zu finden als Sternchen, Pop und Country. Und das Spannende bei der Person ist, dass sie schwanger wird und später ein Kind kriegt, weil natürlich die Schauspielerin auch schwanger war und ein Kind gekriegt hat. Es gibt natürlich auch Filme, wo die Schauspieler Kinder kriegen, obwohl sie nicht in Wirklichkeit schwanger sind. In diesem Fall war es aber so, dass sie wirklich schwanger war und ein Kind gekriegt hat, was natürlich der Glaubhaftigkeit große Dienste leistet.
Und sie ist ja dann in Wirklichkeit in so eine postnatale Stimmungskrise gekommen, hat sehr gelitten drunter, ist in Behandlung gegangen, freiwillig in Wirklichkeit und hat das Thema genutzt, um in der Serie offensiv diese Szene auch zu zeigen. Also im Film als Schauspielerin verfällt sie auch in diese Depression, muss behandelt werden und hat ihre Schwierigkeiten. Und das ist natürlich unheimlich stark, wenn man sowas sieht und weiß, dass das auch echt ist und nicht gekünstelt oder gespielt. Und dass überhaupt das Bewusstsein für sowas in einer amerikanischen Fernsehserie geweckt wird, finde ich sehr interessant und sehr lobenswert.
Die Gegenspieler, wenn man das so nennen kann von ihr, sind Gunner und Scarlett. Jetzt sind so zwei so junge Fluffis, die nicht so richtig keinen Beruf haben, die so einfach begeistert von Country sind oder von der Folkmusik und vor sich hin musizieren. Mal sind sie ineinander verliebt, dann wieder nicht, dann merken sie doch, sie können nicht ohne einander und merken aber, sie sind als Musiker ein geniales Paar. Und das Verrückte ist irgendwie, was ich immer schwer in einen kriege, dass die alle auch in Wirklichkeit existieren und dieselbe Musik machen und da auch ein Paar sind. Die beiden sitzen jetzt in ihrer Wohnung, singen schön zusammen von Liebe, aber richtig erfolgreich werden sie nicht. Und die eigentlichste Heldin der Serie ist Rayna Jaymes. Das ist so eine alternde Superstar-Country-Sängerin, die nimmt dann die Scarlett unter ihre Fittiche, hat eine Plattenfirma und lässt sie auch live vor sich auftreten als Vorband. Aber Scarlett versagt, kriegt Nervenschwäche und zittert und kann nicht auftreten, muss vor einer Bühne gehen. Sie ist einfach nicht für die große Bühne geschaffen. Umso verrückter fand ich, dass ich letztes Plakat gesehen habe, dass sie hier in Berlin spielt, weil man denkt natürlich, alles ist genau wie im Film. In Wirklichkeit ist es natürlich nicht. Die hat hier ein wunderbares Konzert gemacht. Ich war zwar nicht da, aber habe nur Gutes gehört.
Und die haben noch einen Dritten im Bunde, der heißt Avery im Film und das ist so ein junger Musiker, der auch gerne produzieren würde, der ein bisschen nach vorne denkt und der ein bisschen schräger ist und auch dominanter und der versucht als genialer Musiker irgendwie die Musik sich selber erfolgreich zu werden und die Musik auch zu beeinflussen. Und der sieht nicht nur optisch ein bisschen aus wie Jack White, sondern ich finde ihn vom Typus her auch sehr angelehnt und ich habe ja sowieso den Eindruck, dass die Serie sehr dicht an der Wahrheit gemacht ist und ich glaube, die Zusammenstellungen, so eine Musikserie beruht einfach mal darauf, dass immer irgendjemand mit irgendwem irgendwo zusammenspielt, was soll man sonst in einer Serie über Musik machen? Und in einer Szene spielt eben dieser Avery mit einer Frau zusammen und ich habe das Lied gesucht und was ich gefunden habe, war im Prinzip eine Aufnahme von Jack White und Margot Price.
Margot Price ist wirklich in Nashville, Tennessee geboren worden, 1983, also sie ist noch total jung und sie singt da mit einem im Film, der Avery heißt und auch versucht seinen Weg zu finden, dem wird von einer Plattenfirma versprochen, dass er eine super Karriere machen kann und er kriegt ein, also ein Ford Mustang geschenkt vom Plattentypen. Der Plattentyp ist natürlich schmierig und böse, wie man als Plattentyp nur sein kann im Film und die Band ist natürlich völlig enttäuscht und entsetzt, dass er die Band für so ein bisschen Geld und Ruhm verlässt, weil der Plattentyp sagt, ich nehme dich gerne in Untervertrag, aber nur dich und nicht deine Band und Avery hat zwei Tage, ist er da geblieben und dann hat er im Studio, hat er gesagt, hier den Mustang Schlüssel auf den Tisch geschmissen zum Plattentypen und hat gesagt, hier fick dich oder irgendwas auf Englisch und ist natürlich zurückgekehrt zur Band, die war natürlich stinksauer und wollte ihn nicht wieder aufnehmen, aber irgendwie geht's ja dann immer weiter in den Serien und dann macht er auch Musik mit so einem Mädchen zusammen, was eigentlich die Freundin ist von einem absoluten Sunny Boy Country Sänger, der leider schwul ist in Wirklichkeit, also nicht in Wirklichkeit, sondern im Film in Wirklichkeit und ein Country Sänger, der schwul ist, ist wirklich ein Tabu, wo die USA noch nicht gelernt hat, damit umzugehen, also zumindest nicht in Nashville oder so und er muss sich verstecken, darf sich nicht outen. Und seine Freundin steht eigentlich auch nicht auf Country, die will auch gerne so harte Musik machen, Independent-Musik machen.
Und diese Frau habe ich im Prinzip in Wirklichkeit auch wieder gefunden bei der Band Death Weather. Das war Loretta Lynn. Die müsste jetzt über 80 sein oder so. Spielt hier mit Jack White zusammen und im Film wäre sie dann die Rayna Jaymes, also die alte Heldin der Country-Musik. Und er wäre eben der junge Avery, der versucht mit seinen jungen, modernen Ideen die Countrymusik in Nashville ein bisschen aufzuwecken, aufzumischen und Rayna Jaymes hat eigentlich einen anderen Freund, mit dem sie mal zusammen war und auch ein Kind hat, aber nicht mehr zusammen ist, weil sie jetzt einen neuen Mann heiraten will, was in meinen Augen das Pendant zu Kris Kristofferson ist und der sie auch sehr liebt, aber sie ist immer noch, sie kann sich nicht trennen von dem Gitarristen Deacon Claybourne, das ist ein, ich weiß auch nicht, ob ich da jetzt, weil ich selber Musik mache, ob ich da empfindlich bin oder so, ich finde den relativ unangenehm, der ist so wie so ein Musiker, eben so leicht dümmlich und lässt alles stehen und liegen, wenn irgendjemand sagt, komm wir nehmen dich mit auf Tour und der sagt doch gerne Wörter wie Rock'n'Roll oder Let's Rock oder so, wo mir immer ein bisschen so übel wird. Und er ist im Prinzip wirklich ein sehr gelungenes Klischee des einfachen Gitarristen, der einfach nur Gitarre spielen will, für wen und wofür ist egal. Und Fremdgehen ist auch gerne mal. Und Hauptsache, er hat seinen Whisky und den Rock'n'Roll, der war schon alkoholkrank, jetzt hat er eine Entziehung gemacht, darf nichts mehr trinken, Lebertransplantation und also da geht's hoch her. Aber trotzdem hat sie im Film auch mal einen Kontakt zu Avery gesucht, um auch zu versuchen, ihre Musik ein bisschen aufzuwecken oder so. Und dann gibt es noch eine Szene, wo Scarlett irgendwas in ihrem Zimmer macht, sie sucht eine Idee, ihr fällt nichts ein und da hört sie vor der Tür vom Fenster einen Obdachlosen singen, der ist schon seit ein paar Tagen bei ihr, nimmt keine Geschenke an, weil die Obdachlosigkeit ist selbst gewählt, weil er sich dafür verantwortlich macht, dass er als Musiker mal seine Familie sitzen lassen hat. Und dann ist die Familie im Auto gestorben und er ist alleine so übrig geblieben, weil ihm auch der Erfolg wichtiger war als die Familie oder so. Und deshalb macht er ein Lied mit ihr zusammen, aber geht wieder weg von der Bühne.
Und so eine ähnliche Situation gibt es wieder dann in Wirklichkeit, wo Jack White mit Seasick Steve Musik macht. Und Seasick Steve macht auch den Eindruck, als hätte er schon eine Weile auf der Straße erlebt. Ich will ihm damit nicht zu nahe treten, aber ich denke, das ist auch ein selbstgewähltes Image oder so. Aber die Session war auf jeden Fall sehr bemerkenswert, die ich gefunden habe. Zwischen Film und Wirklichkeit verwischen, sodass ich jetzt ja nicht mehr weiß, wer was spielt und wieso. Ich glaube, Jack White hat hier nur Schlagzeug gespielt und hat ja nichts irgendwie damit zu tun, groß weiter. Aber das Verrückte ist eben, dass in diesen Musikserien die Musiker echte Musiker sind und zum Teil irre erfolgreich werden, manchmal sogar erfolgreicher als die Serien.
So besonders in der Serie, zu der wir jetzt kommen, die heißt Empire und damit ist die Plattenfirma gemeint von einem Ehepaar und die haben drei Söhne. Der eine ist so richtiger Hip-Hopper, also der kleine Bruder im Prinzip so frech und Frauen, Drogen, Party und der andere ist leider schwul. Also was heißt so leider, sag ich jetzt nicht, sagt der Vater, weil der hat den im Prinzip dann verstoßen, weil er das absolut mit seinem Weltbild nicht in Einklang bringt, weil er ist so der richtige, wie so ein Soultyp, richtig so ein Alphatier, Macho-Schwein, also richtig alles, trägt alles in sich, was so ein Mensch, der eine Plattenfirma führt und selber Sänger ist, braucht. Die Frau war 16 Jahre im Knast, weil sie die Firma gerettet hat, weil er irgendwie scheiße gemacht hat. Er hat in der Zeit allein das gemacht, wollte sich dann von ihr trennen. Ich will wieder nicht spoilern oder irgendwas. Ich mache jetzt mal den ersten Song vom Vater. Da wollte er so einen Befreiungsschlag machen und hat sich dazu eine ganz jüngere Sängerin genommen, was wiederum die Tochter ist von seinem größten Konkurrenten, den er im Knast noch umbringen lassen hat. Also wenn das nicht fies ist, erst den Vater umbringen und dann die Tochter bei sich singen lassen.
Junge Mädchen, was Freda Gatz heißt im Film, heißt in Wirklichkeit Breeze und ist wirklich eine absolut erfolgreiche Künstlerin. Ich hätte gedacht, dass sie auch so ist wie im Film natürlich, weil im Film verkörpert sie wirklich die dreckige Straße, das Böse, das Derbe, das Ungeschliffene. Und als ich jetzt von ihr einen Hit rausgesucht habe, fand ich den ganz schön glatt. Aber ich finde es so interessant, dass es das alles so wirklich gibt. Jetzt hören wir mal Freda Gatz, wie sie im Film ist. Ich will sie auch eigentlich als Freda Gatz am liebsten haben, wie die in echt heißt. Ist mir fast egal.
Hier hat man es ein bisschen gehört oder vielmehr sehr gut gehört. Die Geißel der heutigen Zeit, die schreckliche Krankheit, dieses Melodyne, das ist so ein Gesangseffekt, da singt man drin und da stimmt die Stimme. Cher hat das erfunden. Yes, I want to believe. Und seitdem macht jeder, der singen oder nicht singen kann, singt durch dieses Gerät, dadurch klingt alles gleich und alles klingt schrecklich und ich muss sagen, das ist mein einziger Kritikpunkt an der Serie Empire, nach einer Zeit geht einem das so auf die Nerven, das ist fürchterlich, dass jeder fragt mich, warum singen die nicht, warum jaulen die alle durch diesen Automaten, das macht mir das wirklich sehr schwer, das ist auch an Jamal, der mittlere Sohn, macht mir das sehr schwer zu ertragen, weil der auch unheimlich sympathisch ist und der ist dann noch so ehrlich und wird alles aus eigener Kraft und zu sich stehen und allen helfen. Aber wenn er dann so singt, wird alles gern schlimm. Und wir haben ein schönes Lied zu hören hier, wo die beiden Brüder mal zusammen singen oder natürlich singt ja im Hip-Hop niemand zusammen, man singt ja nur gegeneinander, gibt's ja nur Verses. Also und jetzt singen Jamal und Hakeem, kämpfen jetzt musikalisch im Prinzip so gegeneinander, wer der Bessere ist. Die Geschichte ist jetzt in der Welt, im Weltgeschehen jetzt nicht einmalig und nicht besonders neu, aber immer wieder spannend. So was passiert, wenn man live das Radio macht, das war jetzt im Prinzip die falsche Version, das war jetzt nur Take the Money und nicht Versus Drip Drop, weil der kleine Bruder ist nicht gekommen aus irgendeinem Grund und ist ins Battle nicht mit eingestiegen. Fragt mich nicht warum, war nicht hier.
Und die ganze Sache spielt ja in einer Plattenfirma und das ist interessant zu sehen, welche Macht eine Plattenfirma hatte, zumindest mal eine Zeit lang, wenn es darum geht, welche Musik überhaupt bekannt wird und in welche Richtung sich die Musik entwickelt, weil die Plattenfirmen letztendlich entschieden haben, welche Bands sie signen und welche nicht. Und die, die sie signen, die werden dann bekannt, die werden im Radio gespielt, die machen ihre Singles und die Bands, die den Plattenfirmen nicht gefallen, hatten eigentlich keine Chance. Und insofern konnten die Plattenchefs, die eigentlich immer einen sehr konservativen Geschmack hatten, weil denen ging es ja nur ums Verkaufen, verkauft wird nur, was die Masse gut findet. Und das, was die Masse gut findet, ist, sage ich jetzt mal, nie das, was gut ist, weil die Masse zeichnet sich nun mal nicht durch ausgewählten Geschmack aus, sondern durch Massengeschmack eben. Und Massengeschmack ist eben der kleinste gemeinsame Nenner, dass irgendein bisschen was ankommt. Aber wenn jetzt was irgendwie Geniales kommt, was Neues, was Verrücktes, findet natürlich die Menschen in der Masse erstmal blöde, eigentlich immer. Und wenn es dann eine Plattenfirma gibt, wo jemand an der Spitze sitzt und sagt, Mensch, das ist ja interessant, das wird das neue verrückte Ding und das dann unterstützt, auch wenn es am Anfang wenig Erfolg ist oder so, dann kann man wirklich als Plattenfirma die Musikentwicklung leiten und fördern und überhaupt auch zulassen. Weil so wie zur Zeit das Musikgeschäft in der Welt funktioniert, ist das in meinen Augen so hoffnungslos, dass mal wirklich was Neues, Geiles entstehen kann oder so, weil das eigentlich sofort von diesem Pop-Massengeschmack so unterdrückt wird, weil die Leute Geld verdienen wollen. Geld verdienen kann man nur, wenn viele Menschen was kaufen und viele Menschen, wie gesagt, da sind wir wieder am Anfang, viele Menschen werden selten das kaufen, was wirklich gut ist, sondern das, was die anderen auch kaufen oder das, was einem in der Werbung erzählt wird oder so. Und das kann man in diesem Film gut sehen, weil die suchen natürlich, die nehmen nur ihre eigenen Kinder in der Plattenfirma und lassen die anderen Sachen auch aus persönlichen Gründen oft raus oder so. Und wie sich das alles so entwickelt, macht riesen Spaß so zu verfolgen.
Das Schönste an der Serie ist doch wirklich, wenn die Anfangsmusik startet. Man ist dann gleich in dem Gefühl drin. Also ich hatte jetzt genau das Six Feet Under Gefühl, wie ich es abends hatte, wenn ich mich ins Bett gekuschelt habe mit meiner Frau und sie geguckt habe. Man ist gleich in dieser Welt drin. Ich habe den Vorspann vor Augen, wie diese Trage oder Bahre, ich glaube Trage sagt man es bei Lebendigen und Bahre bei Toten, dass er langfährt. Und der Vorspann von Six Feet Under war ja sowieso großartig, weil es ist irgendeine Situation passiert und dann ist jemand verhofft oder unverhofft gestorben. Also einer ist doch von einer Wespe gestochen worden und ist auf dem Football, Football heißt der in Amerika, also war auch Football, war nicht Fußball, ist da hingefallen. Und man dachte, der erstickt jetzt, weil ihm die Wespe in den Hals gestochen hat. Und dann kam ein anderer, der ihn wiederbeleben wollte und der hat dann Herzinfarkte gehabt. Oder er ist hingerannt, um Krankenwagen anzurufen oder so. Also starb jemand in den ersten zwei Minuten. Und man wusste nicht, wer stirbt, aber man wusste unweigerlich, jetzt stirbt jemand. Weil der hat ja die Handlung für den Film im Prinzip bestimmt. Und der wurde dann auch beerdigt in diesem Institut. Und das Verrückte war, dass in der Zeit, wo ich die Serie geguckt habe, ich habe die wirklich von vorne bis hinten geguckt, bis zum letzten, habe ich bei jedem Menschen, den ich gesehen habe, gedacht, hoffentlich stirbt er jetzt nicht, weil es waren genau die Situationen, die eigentlich so alltäglich sind, dass irgendjemand aufs Dach klettert oder aufs Auto was ranbindet oder so, dass man, oh Gott, oh Gott, gleich rutscht der Kühlschrank runter und begräbt ihn unter sich und ein knappes Jahr, oder so lange habe ich das nicht geguckt, war ich in ständiger Angst, dass um mich rum alle sterben und muss sagen, hab's ganz gut überstanden, sind Gott sei Dank nicht sehr viele gestorben und dieses Gefühl dieser Serie war großartig, weil damit findet ihr auch in unsere Sendung rein, die eine eigene Ästhetik hatte, die sich auch in der Musik ausgedrückt hat.
Also schon diese Vorspannmusik finde ich total schön und gut, aber auch die Musik mittendrin ist richtig gut, wie besonders auch das Lied Transatlanticism. Ich sollte ja keine englischen Titel mehr ansagen. Jedenfalls die Band heißt Death Cab for Cutie. Ich kann mir vorstellen, dass die Filmszenen mit so einer Musik unwahrscheinlich verstärkt wirken und gut wirken. Man weiß nicht, wie die Filmszenen ohne die Musik wirken würden, aber man kann hören, dass die Musik ohne den Film wunderbar klappt. Also die Titel sind einfach gut und über diese Verbindung zwischen Film und Musik denken ja viele nach und in dem Film 101 Reykjavik hat im Prinzip Damon Albarn von Blur direkt als Musiker den Film mit der Musik sozusagen zusammengebracht. Er hat komplett den Soundtrack zu dem Film gemacht, hat daran mitgearbeitet, weil er ja auch in Wacker Drive wohnt oder wohnte, ich weiß nicht so, ob er noch da ist. Und dann haben die im Prinzip einen Film gemacht, der auch keine Handlung hat im Großen und Ganzen, also wenn ich den verstanden habe. Aber die Stimmung ist eben extrem gut und der Film lebt von der Musik. Und wie man jetzt hören kann, können natürlich die Titel, die Musiktitel auch ohne den Film wunderbar existieren und sind für mich dabei fast noch spannender als Titel, die als Popsongs kreiert wurden, weil die haben keine Strophe, keinen Refrain und nicht diesen Hitcharakter, sondern sind einfach Musikstücke, sowas finde ich so total gut.
Wirklich ein seltener Fall, aber in diesem Fall würde ich mal mit den Musikjournalisten in Eintracht sein und ihnen zustimmen, weil die haben gesagt, sehr guter Stoff, experimentell, stellenweise weich wie Watte, stellenweise aber auch schön kantig. Genauso stellt man sich eine Platte vor. Man kann ein ganzes Wochenende damit verbringen, sie zu hören. Besonders bei dem Stück Atlanta-Bars bekommt man wirklich das Gefühl, wie in einem Astrid Lindgren-Buch über eine Sommerwiese zu schlendern, in einen warmen skandinavischen See einzutauchen. Top! Also mit besser hätte ich es nicht sagen können. Das ist genau auf den Punkt gebracht. Das hört man auch im nächsten Lied. Also 101 Reykjavik kann ich erklären, das ist so eine Art von Underground Club in Reykjavik, der heißt 101 oder 101 Reykjavik, das weiß ich nicht, aber er ist zumindest in Reykjavik, deshalb heißt der Film auch so, weil der ist immer wieder der Angelpunkt, aber weshalb das nächste Stück New Year heißt, muss sich jeder selbst ausdenken.
Das Lied aus demselben Film, kann ich eher aus unangenehmen Erinnerungen aus dem ZV-Lager. Immer wenn wir ins ZV-Lager, nicht immer, wir sind ja nur zweimal erfahren, wenn wir ins ZV-Lager erfahren sind, gibt es diese Armee-Abschiedslieder, also Abschied vom Leben, Ankunft bei der Armee, die immer so an 60er-Jahre-Hits angelehnt waren. Eben zwar hier von CCR, Abschied von Sex und geilen Weibern, Abschied von Hasch und LSD, Abschied von, weiß ich jetzt nicht, Scheiße, wir müssen zur Armee. Und das andere Lied war Lola. Und dieses Lied Lola findet sich in dem Soundtrack jetzt auch wieder. Da habe ich mich besonders gefreut, dass ich den wieder erkannt habe. Serien ist ja das Schöne. Das war jetzt zwar nicht aus einer Serie, das war aus einem Film, aber eigentlich geht es ja heute um Serien und Musik.
Das Schönste an Serien ist, die kann man einfach nicht einfach ausmachen, sondern wenn die zu Ende ist, macht man einfach die nächste an. Also was ich sehr gerne gemacht habe, man sagt immer, ach komm, noch eine. Na los, noch eine, allerletzte, aber na gut, dann stehen wir morgen eine Stunde später auf, noch eine. Und das kann ich jetzt einfach nicht, weil die nächste Sendung gibt es ja noch nicht, die habe ich ja noch nicht gemacht, also die kann man jetzt nicht einfach jetzt anschalten. Es sei denn, man macht es wie bei einer Serie. Man wartet, bis alles vorbei ist, bis alles kennen, bis alles vergessen ist. Und dann kauft man sich die ganze Staffel und guckt es im Stück durch. Sehr zu empfehlen. Ich muss mich hier aber, weil ich jetzt nicht eine Serie bin, verabschieden. Ich hoffe, Ihnen hat Spaß gemacht und wir hören uns bald wieder. Also spätestens irgendwie an einem Dienstag. Bis dahin können Sie einfach auch mal eine Serie anfangen. Weil diese sinnlose, man muss immer was schaffen und muss immer was machen. Und wertvolle Zeit und so. Zeit ist am wertvollsten, weil man sie auch benutzt, indem man dann auch eine Serie gucken kann in Ruhe. Wozu hat man denn sonst Freizeit? Ist ja Quatsch, jetzt zu arbeiten, ein bisschen Zeit und dann macht man nichts. Deshalb ruhig mal eine Serie gucken. Unter denen, die ich erwähnt habe, mir hat doch sehr gut gefallen. Arrested Development oder Skins oder Shameless kann man auch gucken. Irgendwas ist für jeden dabei. Also ein paar gute Sachen habe ich gefunden. Schlimmstenfalls eben auch House of Cards ist ja aktueller denn je nicht. Ich sag mal Tschüss.