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Flake talks about rock songs with a piano.

Transcript

Radio 1: Flake des Tastenfickers Podcast. Da bin ich wieder. Das heißt ja bei Radio 1 nur für Erwachsene, aber selbst da komme ich mir selber schon ein bisschen alt vor, weil immer wenn ich mir ein Lied raussuche, ist das irgendwas von kurz nach dem Krieg oder so. Das kennen die Jugendlichen jetzt schon gar nicht mehr.

Und jetzt wird es noch schlimmer. Jetzt habe ich sogar Musik im Kopf, die schon vor dem Krieg ist, nämlich dieses berühmte Lied, man müsste Klavier spielen können. Wer Klavier spielt, hat Glück bei den Frauen. Das hat mich erst mal ermuntert, auch Klavier zu spielen, weil ich auch Glück bei den Frauen haben wollte, bis mir einfiel, dass der Satz in sich totaler Quatsch ist, weil man kann nicht irgendwas machen, um Glück zu haben, weil Glück besagte eben, dass etwas passiert, ohne dass man was dafür tun muss. Denn man hat Glück oder man hat keins, aber man kann nicht was Machendes, sodass man Glück hat, weil dann wäre es ja kein Glück mehr. Dann hat man ja was dafür getan.

Aber ich habe trotzdem angefangen Klavier zu spielen als Kind, weil ich einfach das Musikinstrument unwahrscheinlich gerne mag. Und die Musik auf dem Klavier gespielt, klingt wunderschön.

Es gibt noch ein Nachkriegslied. Ich habe ein Pianola zu Hause auf dem Balkon. Ich glaube, das hat auch diese Komödien Harmonist gesungen. Ich meine, wieso steht das Pianola auf dem Balkon? Da wird es so nass. Ich nehme mal eher an, das war eine Veranda. Aber ich habe da auch das Thema gefunden für die heutige Sendung. Es wird um Klaviere gehen.

Das war The Clash mit Nojo Reitz. Und da sieht man, dass man mit Klavier nicht immer irgendwelche Schnulzen meilen muss. Irgendwie, dass irgendwas gesungen wird zu sanfter Klavierbegleitung. Sondern das können auch richtig harte Bands sein, die ein Klavier benutzt haben. Clash zählen ja eigentlich sogar als eine richtige Punkband. Von Joe Strammer stammt wohl dieses berühmte Zitat, was ich sehr mag, wo er gefragt worden ist nach der englischen Landschaft und der Natur. Da hat er gesagt, was Natur, wenn ich eine Kuh sehe, muss ich kotzen. Und das hat mich sehr beeindruckt als Jugendlicher, dass einer sagen kann, er muss kotzen, wenn er eine Kuh sieht. Und dann war ich gleich Punk-Fan und Clash-Fan.

Die nächste Band ist auch ziemlich hart. Das ist nämlich Face No More. Das ist sozusagen die Begründerband des Crossovers. Das Lied ist von 89, würde ich mal sagen. Oder kann das stören? Ja doch, ist von 89, epic. Und da kommt das Klavier erst am Schluss, aber dadurch erst recht eindrucksvoll. Hier sind Face No More.

Je härter die Musik ist, umso besser und gefühlvoller wirkt dann das Klavier hintendran. Das war ein Face No More und jetzt kommt ein Lied mit mehr Klavier, wo das eine tragendere Rolle spielt, von John Cale. Das kommt ja öfter so vor, dass wenn ein berühmter Mensch stirbt, dass dann eine Gedenkplatte für den gemacht wird. Und bei Andy Warhol bot sich das natürlich absolut an, weil der hat so viel für Musiker getan und Künstler getan. Der war bei Velvet Underground maßgeblich dabei. Und er hat für John Cale zum Beispiel das Cover gemacht, für seine Platte Britisch Passport. Und daraufhin hat John Cale mit Lurit eine ganze Platte für Andy Warhol gemacht, die hieß Songs for Dweller. Und daraus hören wir jetzt Open House.

Ich bin ja gleich mal kurz eingenickt hier. Ja, das ist sehr schön.

Jetzt muss ich mal wieder was Wilderes spielen. Ich habe die Fantastischen Vier rausgesucht. Da hat Andy Y. so ein kleines Klavier-Schnipsel gesampelt und eingesetzt, was dem Lied so den eigenen Charakter bringt. Und man hört eigentlich gar keinen richtigen Ton oder nur einen Ton. Und dabei hat ein Klavier 88 Tasten, habe ich jetzt rausgekriegt, weil Nils Fram macht irgendwie so ein Klavierfestival und das heißt 88, wo sich gleich die ganzen Nazis wieder so angesprochen gefühlt haben, wegen den Stellen im Alphabet oder so. Man darf ja auch im Nummernschild kein HH benutzen oder so, was natürlich völlig schwachsinnig ist, weil Hamburg hat als Nummernschild ja sowieso HH. Deshalb habe ich schon überlegt, nach Flensburg zu ziehen und da meine Autos so anzumelden, damit ich die Anfangsbuchstaben irgendwie geschafft habe. Aber ich will ja auch nicht in Flensburg wohnen, also eher nicht.

Jetzt kommen, wie gesagt, die fantastischen Firmen mit Buenos Dias, Buenos Dias, das ist alles schwierig. Mein Computer hat Bienen geschrieben statt Buenos, weil der alle Wörter, die ich auf Englisch schreibe oder in dem Fall ja Spanisch, übersetzt der ins Deutsche, lautmalerisch. Und bei mir steht Bienen, Dias, Messias. Aber das sind halt Burnes Dias. Das kriege ich noch hin mit meinen Sprachkenntnissen. Viel Spaß mit den Phantasien.

Wir bleiben beim Hip-Hop, gehen aber nach Amerika zu Eminem aus Detroit. Das ist eine Stadt, die mich unheimlich fasziniert, weil man kennt ja auch Saalfeld oder Eisenhüttenstadt oder was, wenn mein Haus leer steht oder ein ganzer Block. Aber dass mehrere Wolkenkratzer nebeneinander leer stehen, ist ein Anblick, den man echt erstmal so verstehen muss und verarbeiten muss. Dass die Straßen abends leer sind, dass es in den Hotels gibt, Pappbecher von Starbucks, aber seit zehn Jahren kein Starbucks-Shop mehr. Also in der ganzen Stadt, weil alles still ist und pleite und so, das ist schon Wahnsinn. Dafür ist da nebenan in Dearborn die Ford-Fabrik und da war ich stundenlang drin und habe wirklich auf so einen Laufgang über den Hallen so zugeguckt, wie auf dem Fließband verschiedene Autoteile da angerutscht kommen und die Leute das von Hand zusammenstecken. Und am Ende des Fließbandes fährt echt so ein Ford F-150 raus, irgendein Pickup. Und dann haben sie die Scheibenwischer da angemacht und probiert, haben noch gehupt, Türen auf und zu geknallt. Und dann stieg wirklich einer ein und fuhr mit dem Auto weg. Was, sagen wir mal, 40 Minuten vorher nur einzelne Schräubchen waren und so. Das ist so faszinierend, dass man aus nichts so zusammenbauen kann und das funktioniert auch. Und manche waren mit Stoff, manche mit Ledersitzen, manche mit Schiebedach, manche nicht, und die wussten immer genau, was kommt. Die Techniker da, die haben immer genau die richtige Tür dann hingetragen, den richtigen Kofferraum, Deckel. Manche waren mit Spaten, manche ohne. Es war der Wahnsinn. Ich konnte mich da nicht satt sehen, aber nach einer Stunde muss man da irgendwie wieder hin, da kommt der nächste Schub. Da werden die Besucher auch in so Bussen so rangefahren. Also Detroit, ich weiß nicht, ob Eminem je in diesem Ford-Werk war oder ob mich das interessiert. Sein Haus ist wenigstens nicht abgebrannt wie das von Jack White. Da sind ja wirklich ganze Stadtviertel weggebrannt, wenn man da so durchfährt. Man darf auch ja nicht so aussteigen, da hindern einen die Chauffeure mit Gewalt fast dran. Wenn ich sage, ich will hier mal ein bisschen spazieren gehen, dann sagen die, nee, das geht nicht. Ist wirklich sehr schwierig.

Ich dachte ja, Eminem heißt Anyman, weil ich nicht wusste, wie man es ausspricht und dachte, das heißt sowas wie irgendjemand oder so oder wir viele. Und ich dachte, das ist ein guter Künstlername, so Anyman, kann man keinen richtig dran festmachen. Aber er heißt natürlich Eminem und er ist Rapper, womit er, also darf man das nur sagen, Rapper? Jedenfalls macht er Hip-Hop als Weißer, wobei die Musik eigentlich von Schwarzen erfunden worden ist und gerade das macht es für mich so interessant. Wenn jemand das so mischt, das weiße Lebensgefühl mit der schwarzen Musik ist genau wie beim Blues. Ich war absoluter Stones-Fan, weil die auch richtig schwarzen Blues gespielt haben mit den Erfahrungen als Weißer oder so. Dadurch ist eine Mischung entstanden, die der schwarze Blues an sich gar nicht machen kann. Aber das gilt umgekehrt auch. Also ich finde es auch völlig verrückt, wenn schwarze weiße Musik spielen. Zum Beispiel es gibt so farbige Punk-Bands und Heavy-Metal-Bands, auch indianische Punk- und Metal-Bands und die machen mir dann ganz besonders Spaß. Aber hier ist Eminem mit Lose Yourself.

Das Klavier ist schön hoch und plümpert so plätschert und das ist natürlich ein Trick, damit man das gut hört. Beim Hip-Hop ist ja eh viel Platz eigentlich für die Instrumente, aber wenn so ein Klavier ganz hoch gespielt wird, dringt es natürlich durch. Jetzt kommt ins, das ist ganz tief und man hört es trotzdem gut. Lied heißt nur Digity, was in meinen Augen so viel heißt wie Grab mich nicht an oder so, weil Digging ist ja ein Begriff für Graben und kommt wahrscheinlich von den Goldgräbern oder so, dass die Leute sich jetzt so begrüßen. Ich dachte, ey, ich bin doch nicht dick oder so, als die mich in Hamburg so ansprachen. Aber die meinten wahrscheinlich auch so was wie richtig guter Kumpel, mit dem man zusammen so Gold gräbt oder so. Ich dachte, es sind die Black-Eyed-Peas, aber die sind es gar nicht, sondern Blackstreet featuring Dr. Dre.

Das war's für heute, weiter geht's und jetzt wird's gleich richtig uncool, denn jetzt kommt U2. Ich finde das Lied total gut, man kann über U2 denken, sowas man will, das ist ein klasse Lied. Und U2 hat schon mal sehr guten Geschmack bewiesen, die waren nämlich, wir waren in Dublin und haben da gespielt und da wurden wir untergebracht im Hotel, was angeblich von U2 gebaut worden und finanziert worden ist und ich muss sagen, das war sehr geschmackvoll und schön mit hellem Holz, Blick auf den Kanal. Das war wirklich ein Traum, da zu schlafen. Und wir kannten das auch schon aus Schweden. Am Maria Torget hat ABBA auch ein Hotel gebaut. Und das ist extra für Musiker gemacht, von Musikern für Musiker. Und das war unheimlich angenehm, dass man da einfach um jede Tages- und Nachtzeit einfach rein konnte und erst den Zimmerschlüssel gekriegt hat und sich dann irgendwann dann anmelden konnte oder so. Die haben richtig gewusst, wie nervend das sein kann, weil man dann ewig an der Rezeption steht und wartet und dann ist das Zimmer nicht fertig. Oder die wollen erst Pässe sehen oder so ein Quatsch. Da kann man einfach rein und sich erst mal ins Bett legen und am nächsten Tag dann einstecken, das fetzt total. Oben auf dem Dach sind sie noch weitergegangen und hatten eine Bar des Vertrauens. Da standen die Getränke einfach so und man konnte sich nehmen, was man wollte und sollte dann eintragen, was man gegessen oder getrunken hat. Und das ist damit abgerechnet worden. Aber das hat wohl nicht funktioniert. Die wurde sehr schnell wieder geschlossen, denn in Stockholm ist der Alkohol so schlecht zu kriegen und so unsagbar teuer, dass die Leute dann wahrscheinlich nach dem dritten Trink auch nicht mehr wussten, was sie trunken haben und was nicht. Jedenfalls hat das Hotel fast Pleite gemacht wegen der Bar des Vertrauens auf dem Dach. Und ich muss zugeben, ich bin eigentlich ein sehr ordentlicher Mensch, aber ich wusste auch nicht mehr, ob ich mich richtig da eingetragen habe. Das kann sein. Ich bin dem Hotel auch noch ein bisschen was schuldig.

Naja, jetzt kommen, wir sind ja beim Klavier-Thema. Jetzt kommen die Stones. Ich glaube, ich hatte noch nicht viele Sendungen, wo ich die Stones nicht gespielt habe. Eigentlich habe ich auch die White Stripes immer dabei. Die haben eigentlich auch viel mit Klavier gemacht, aber die habe ich heute nicht. Aber die Stones wenigstens. Wobei das Interessante ist, dass die Stones ja eigentlich sogar vom Klavierspieler gegründet wurden. Ian Stewart war der Erste, der Blues gespielt hat in den Kneipen da, der entdeckt wurde im Prinzip von Mick Jagger und Keith Richard, als er schon mit Brian Jones zusammen eine Bluesband gegründet hatte, die die Blues-Klassiker nachgespielt haben. Und das Tragische an der Geschichte ist, dass eben Brian Jones und ein Stewart als Erster auch gestorben sind. Wobei ein Stewart auch als Erster aus der Band geflogen ist, als die Stones ihren Manager hatten. Hat er denen Kostüme besorgt und die auf Tour geschickt und Plakate gemacht. Und als ein Stewart morgens zum Flughafen kam oder in die Garderobe, da hat er gesehen, da waren nur noch fünf Kostüme da und den sechsten nicht. Er durfte noch weiter auf der Bühne im Hintergrund sitzen, aber er war kein offizielles Stones-Mitglied. Und das finde ich natürlich als Keyboarder in einer Band mit fünf Mannen besonders tragisch, dass der Ibi gesagt hat, nee, du bist nicht dabei. Dabei hat er die Band mitgegründet und hat bis zu seinem Tod da auch mitgespielt. Hier sind die Stores.

Tagfest von Radio 1 habe ich zum ersten Mal eine Band gehört, die hieß Anmai Kantareit. Da dachte ich, was ist denn das für ein Name, Anmai Kantareit? Heißt der Anmai Kantareit? Oder ist Kantareit so ein maritimer Begriff irgendwie? Gib mir mal den Kantareit rüber oder so. Was von den Fischern oder so? Ich wusste es nicht. Ich fand aber sehr interessant, dass die so einen Bandnamen benutzt haben. Da kam auch ein Klavier drin vor, der Stefan May, heißt der, glaube ich, hat auch Klavier gespielt, sogar ein Lied gemacht, Barfuß am Klavier. Aber das spiele ich nicht. Ich spiele eine Band, die ich genauso ein Jahr später oder so beim Parkfest von Radio 1 gehört habe. Und die haben nicht die Nachnamen benutzt, wie Ann-Mai-Kanterheit, sondern die Vornamen. Die sind Kitty, Daisy und Luis.

In einem guten Live-Konzert ist der erhabenste Moment für mich, wenn das Licht ein bisschen so dunkler wird, ein Spot geht aufs Klavier oder auf dem Flügel und dann geht der Sänger gemessenen Schrittes über die Bühne, setzt sich ans Klavier, guckt eindrucksvoll schräg in die Kamera, weil er hat ja einen anderen Blickwinkel, als wenn er so vor dem Mikrofon steht und fängt dann ganz betont, gefühlvoll an auf dem Klavier zu spielen. Das konnte Freddy Mercury, hat das hervorragend so beherrscht, die Kunst eindrucksvoll am Klavier zu spielen. Und wer das noch gut kann, ist Chris Martin von Coldplay. Da war ich selber im Konzert, habe das erleben dürfen. Ich weiß nicht mehr wann das war, aber es ist schon ein paar Jährchen her. Er war gerade frisch mit Gwyneth Portway zusammen und hat in einer Arena in Berlin gespielt. Die zweite Platte war gerade raus. Da war ich mit Till da und haben bei uns schön ins Publikum gestellt. Das Konzert war absolut großartig. Und der Abend endete dann in dem vollen Erfolg. Wir wurden dann ins Backstage gebeten, so durften rein. Gwyneth hat uns die Tür aufgemacht, die war ganz klein in Wirklichkeit, wie sie immer ist mit den Filmstars. Man denkt ja, die sind so riesengroß wie Götter, aber Robert De Niro winzig, Bono sowieso, aber das ist kein Schauspieler oder vielleicht doch. Jedenfalls war sie auch extrem klein und weil es Berlin war oder aus irgendeinem Grund waren die Eltern von Chris Martin da und wir wurden denen so vorgestellt und dann wurden die Komplimente ausgetauscht und wir haben natürlich gesagt, dass sie sehen ja so jung und toll aus und so und dann haben die Eltern, also der Vater von Chris Martin hat Till auf Late Twenties geschätzt. Und damit war der Tag für uns wunderbar und gerettet und es folgte eine rauschende Party, an die ich mich sehr bruchstückchenhaft noch erinnern kann. Hier ist Coldplay.

Heute spielen wir Rockmusik mit einem Klavier. Hier sind die Editors.

In diesem Lied setzt bei mir immer der Pavlosche Reflex ein, denn nach jedem Konzert muss Till, unser Sänger, sich absingen. Das ist wie so ein Pferd, was gerannt ist und dann auf der Koppel noch ein bisschen so laufen muss, also gehen. Und so muss Till, damit die Stimme nicht irgendwie erstarrt, muss er danach noch absingen, so nennt man das, wenn er mitsingt mit Radioliedern. Und dazu hat er dieses Lied rausgesucht und unter der Dusche höre ich das dann jeden Abend und freue mich total über das schöne Lied. Und Till singt dann auch mit. Er kann das Lied natürlich perfekt singen. Ich kann leider nicht perfekt Klavier mitspielen, da ich ja beim Duschen nicht Klavier spielen kann, sondern ich wasche mir dann den Kopf und mache Shampoo rein, sodass meine Arche dann jetzt ausgetrocknet sind. Und gleich nach dem Editor-Lied kommt Adele. So geht dann die Duscherei weiter.

Das war Adele und jetzt wird es gleich noch schlimmer. Ich habe lange überlegt, ob ich mich traue, das Lied bei Radio 1 zu spielen. Das geht nämlich um Robbie Williams und um das Lied viel, was dann wirklich so omnipräsent war, dass jeder sich das eigentlich schon überhört hat. Ihr kennt das aus der Sendung Wetten, dass? Da ist das sogar gespielt worden. Die Älteren unter Ihnen werden das noch kennen mit Thomas Gottschalk, der immer versucht hat, allen Frauen aufs Knie zu fassen. Und da haben dann immer die wichtigsten Bands gespielt, die gerade in Berlin waren oder in Köln oder wie es irgendwo das war. Und einen Tag später bin ich S-Bahn gefahren, da waren vor mir zwei junge Mädchen, die haben sich über Wetten, dass so unterhalten. Früher war das ja wirklich so, dass das Fernsehprogramm noch als Gesprächsstoff für den nächsten Tag gereicht hat. Und die eine hat es gesehen, die andere nicht. Und die, die es gesehen hat, hat natürlich ganz stolz erzählt, dass Robbie Williams gespielt hat und dass sie das gesehen hat, ihr großer Star und so. Und da hat die andere gefragt, ob er viel gespielt hat, weil das war ja nun sein größter Hit und da hat die erste gesagt, nee, nee, die durften ja immer nur ein Lied spielen, das fand ich sehr lustig und hier kommt das Lied viel von Robbie Williams.

Und für manche mag es jetzt eine Riesenenttäuschung sein, aber dieses Lied ist gar nicht mit einem echten Klavier gespielt worden. Den braucht man heutzutage auch nicht mehr, sondern es ist ein Software-Instrument. Das heißt, im Computer sind gesampelte Instrumente drin. So ein Musikprogramm heißt Logic. Und da ist ein Sampler drin, der heißt EXS24. Und da ist ein Soundhof, das heißt Grand Piano. Und dieses Grand Piano ist in diesem Lied benutzt worden. Das hat mir ein Studiummitarbeiter erzählt, das kann stimmen, muss aber nicht stimmen, wie es mit so vielen Sachen so auf der Welt ist.

Wir ziehen jetzt in eine ganz andere Welt. Hier ist Wendy Newman.

Ja, wir, klingt ja wunderbar, aber die Streicher geben der Sache immer so einen süßlichen Touch, auf den ich bei dem Lied absolut verzichten könnte.

Wir kommen zum nächsten. In der DDR hatte diese Beschränkung des Reichtums oder so, der Möglichkeiten, auch viele gute Seiten. Wenn wir irgendwo hingefahren sind oder irgendwo waren, hatten wir jetzt nicht jegliche Musik, wie das jetzt ist, dass man bei Spotify oder bis ich was alles hören kann, so was man will, sondern wir hatten zwei Kassetten mit oder so, die gerade im Handschuhfach waren oder so. Und wir sind mal auf so ein Schloss in Mecklenburg gefahren für eine ziemlich lange Zeit. Ein paar Künstlerfreunde hatten sich das gekauft für irgendwie eine ganz unbedeutende Summe, um da Kunst zu machen oder so. Später mussten sie es abgeben wieder, weil sie es nicht erhalten konnten. Aber in diesem Sommer, ich glaube, es war Sommer 90 oder 89, waren wir da wochenlang, haben da gewohnt und versucht, es auszubauen und so. Und da hat uns die ganze Zeit eine Kassette verfolgt, die wir hatten und das war Nikhev. Und die haben wir morgens gehört, mittags gehört, abends gehört und jetzt kommt es auch nachts gehört. Und das zweite Lied auf der Kassette, das mochte ich besonders gerne, wahrscheinlich auch, weil er ein Klavier mitspielt, obwohl er fast immer ein Klavier mitgespielt hat. Und Nick Cave spielt ja auch selbst Klavier, also der hat nicht einen Pianisten oder so bei seinen Konzerten, sondern hier kocht der Chef noch selbst. Hier ist er, Nick Cave.

Schon seit 1709. Also das ist unfassbar früh. Das ist in Florenz erfunden worden von Bartolomeo Christofori und war eine Weiterentwicklung vom Cembalo und vom Klavichord und Spinett. Beim Klavier war neu, dass mit Hämmerchen auf die Seiten geschlagen wurde. Und es wurde ja auch noch eine völlig andere Musik gemacht mit diesem Klavier, eben die klassische Musik. Und niemand hätte sich wahrscheinlich träumen lassen, dass auf so einem Klavier, das jetzt mal ein Basisinstrument für den Blues werden würde, wie hier bei Lonnie Johnson.

Ich habe ja so eine Westernkneipe so vor Augen mit so flachen Türen, die aufgestoßen werden. Da sitzt man und spielt Klavier und die Männer betrinken sich und prügeln sich. Die Aggressivität war wahrscheinlich gerade in diesen Goldgräberstätten ziemlich groß, weil die Leute sind da hingelaufen zu Fuß über Berge durch Schnee, haben unter größten Entbehrungen das Gold rausgescharrt. Wochenlang, hat fast jahrelang gesagt, keine Frau gesehen, nichts. Und dann haben sie endlich ein bisschen Gold geschürft, kommen ein bisschen zurück ins Warme, gehen in die Kneipe und fangen dann an, das ganze Geld auszugeben. Fallen gleich allen Verbrechern in die Hände, die sich darauf spezialisiert haben, das Gold nicht selber auszugraben, sondern einfach den wegzunehmen, die es ausgegraben haben. Dann werden welche erschossen und alles ist für umsonst gewesen. Und dann sind sie im Rausch, weil sie so viel verdient haben und trinken zu viel und geben an. Und da war dann dieser Klavierspieler recht gefährdet. Deshalb gab es wo auch ein Schild, was am Klavier stand, wo immer stand, bitte schießen Sie nicht auf den Pianisten, weil der war immer der erste Leidtragende, weil der dem wahrscheinlich als erstes dann auf die Nerven ging oder sie verhöhnt hat mit seinem Spielen oder so und der hat sehr, sehr gefährlich gelebt, der Pianist und hatte deshalb dieses Schild manchmal statt noch drunter, schießen Sie nicht auf den Pianisten, der spielt so gut er kann, aber ich glaube, weil jemand schlecht spielt, ist noch keiner erschossen worden, sondern einfach nur so und ich habe mal geguckt, ob das Quatsch ist oder so. Und dann habe ich gesehen, es gibt einen Film, bitte schießen Sie auf den Pianisten. Das ist von Truffaut und der Pianist ist Charles Asnavour, der mal ein Konzertpianist war und dann ging ganz viel im Leben schief und dann spielte er eben in der Kneipe und hat sich in verbrecherische Mafia-Geschichten verwickeln lassen und war dann im Prinzip das Opfer der Mafia und da sollte man gerade auf den schießen. Aber ich würde doch eher so proklamieren, dass man tunlichst nicht auf den Pianisten schießt.

Jetzt kommt mal eine ganz andere Welt nach West-Berlin der 80er-Jahre. Hier sind die Neubauten.

Letztes Jahr kam dieser Film raus, B-Movie, wo über die West-Berliner Punk-Szene berichtet wird. Und da habe ich das erste Mal Blixer live gesehen, wie er gespielt hat. Aber das heißt live, ich habe gesehen, wie er in so einer Kneipe gespielt hat. Ich weiß nicht, ob im Anfall oder im Schizo oder im Risiko. Jedenfalls hat er so ein Kinderklavier, was aussieht wie so ein echtes Klavier, ein ganz klein mit zwölf oder vierzehn Tasten. So was ähnliches hatten wir als Kind auch und darauf spielt er diese zwei Töne und das klingt unheimlich gut und unheimlich schön und da frage ich mich, wieso ich die Mühe auf mich genommen habe und richtig Klavier gelernt habe mit Klavierunterricht, was ja echt eine absolute Quälerei war, weil im Osten das alles ein bisschen schwierig war. Man musste zur Musikschule und sich bewerben und eigentlich musste man doch erstmal zeigen, dass man geeignet ist, Unterricht zu nehmen und dann sollten wir ein Lied vorsingen. Da saß ich dann vor so einer älteren Frau, die so ein komisches Parfüm hatte, so nach Katze eher und dann fiel mir kein Lied ein und ich dachte, was soll ich denn singen? Da habe ich dann, steh auf, Pionier, wach auf, Pionier gesungen, weil das das Einzige war, was mir aus der Schule so in den Kopf kam. Und da hat die mich angekriegt wie ein Stück Dreck oder so, wie ich als kunstinteressierter junger Schüler so ein Dreckslied über Pioniere singen kann oder so. Da wusste sie schon, dass bei mir nicht viel zu machen ist. Und als der Klavierunterricht dann anfing und sie mir die ersten Töne gezeigt hat, fiel mir das auch unwahrscheinlich schwer. Und ich hätte vielleicht einfach auf dem Kinderklavier auch bleiben sollen und so eine Musik machen sollen wie Blixer, wäre bestimmt auch gut geworden. Aber wir spielen ja Rockmusik mit Klavier und es empfiehlt sich für normale Musik schon, wenn man richtig gut spielen kann. Und ich glaube, hier in diesem Lied, ich weiß nicht, ob es auch John Kehl ist, der hier mitspielt, auf jeden Fall ist es Lou Reed und das Lied heißt Waiting for my man. Ich weiß nicht, um was das geht, ob er auf den Dealer wartet oder auf sonst was auf jeden Fall war. Man kann in der Musik schön sehen, wie ungeduldig er ist, dass endlich derjenige kommt, auf den er wartet.

Ein Klavier, ein Klavier. Ich habe mir mal überlegt, woher knickt denn das? Das hatte ich so im Ohr. Ein Klavier, ein Klavier. Und irgendwann dann fiel mir ein, das ist von L'Oreal. Die hatten irgendein Sketch, wo er ein Klavier geschenkt bekommt von der Tante und will das auf Video aufnehmen und die Frau, Tochter soll immer begeistert rufen, ein Klavier, ein Klavier. Und ich weiß nicht, ob das wiederum ein Zitat ist von ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd. Das hatte ich auch so im Kopf, weil man sagt immer ein Königreich für ein Pferd, meistens dann, wenn man beim Wandern ist und nicht mehr weiterlaufen will und nicht so an Fahrrad denkt oder an Pferd. Das sind so Sachen, die hat dich irgendwie im Kopf, die sagt man immer so vor sich hin. Und ein Pferd, ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd ist wirklich von Shakespeare, erstaunlicherweise. Hat zwar mit dem Klavier zu tun, ist aber auch sehr interessant. Das Zitat wird Richard III. so zugeschrieben und also ist auch im Stück so Richard III. von Shakespeare und lustigerweise haben sie Richard III. jetzt gefunden und zwar am 12. September 2012 und nicht irgendwo auf einer Burg oder so, sondern auf einem Parkplatz in Leicester, als sie da Ausschachtarbeiten machen wollten, da haben sie die Knochen von Richard III. gefunden, der ein Pferd, ein Pferd gerufen haben soll und nicht ein Klavier, ein Klavier. Mit dem Klavier geht es jetzt bei uns weiter, aber diesmal ist es nicht so vordergründig wie im letzten Lied, sondern es kommt erst im Schluss und so eingesetzt gefällt es mir wirklich immer noch am besten als sparsame Petersilchen am Liedende. Hier ist Leonard Cohen.

Ich muss aber mal wieder moderner werden bei uns, dann schlafen wir hier völlig ein. Ich habe was rausgesucht, was jetzt auch nicht viel moderner ist, sondern aus den 80ern. Das war die Zeit, wo ich nicht gearbeitet habe, sondern eigentlich den ganzen Tag vorm Radio saß, gegessen habe und ein Buch noch gelesen. War eine sehr glückliche Zeit. Ich habe mich ja nicht so angezogen morgens, sondern bin im Schlüpper- und Bademantel die ganze Zeit in einer Wohnung so rumgerannt. Das war eigentlich eine sehr schöne Zeit, in der ich mich auch entschlossen habe, nicht acht Stunden am Tag arbeiten zu gehen, weil ich später im Leben ja dann doch mehr oder weniger dann die ganze Zeit gemacht habe. Hier ist die Band Talk Talk. Das ist eine sogenannte Art-Rock-Band oder auch Post-Rock. Das ist ja Post-Rock, hat ja schon mit der Post zu tun. Obwohl die Post wahrscheinlich auch von Post kommt oder so, weil die bringt ja auch Sachen nach oder so. Das weiß ich jetzt aber nicht, genau. Also, jetzt hören wir Talk Talk mit Life's What Would You Make It. Das Leben ist das, was das draus macht. Würde ich das mal frei übersetzen.

Das haben wir schon fast geschafft mit unserer Klaviersendung und Ausnahmen bestätigen ja immer die Regel. Das letzte Lied, mit dem ich mich verabschieden will, ist wieder so eine Art Spinett oder mit Verzerrer. Ich weiß auch nicht, was sie da genommen haben. Auf jeden Fall finde ich es total gut. Ich hoffe, Ihnen hat es heute gefallen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und freue mich schon aufs nächste Mal. Und ja, einen schönen Abend und gehen Sie gut ins Bett mit Jimmy Hendrix, Burning of a Midlight Lamp.