Die Sendung May 2023
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Flake talks about crying.
Transcript
Radio 1. Flake des Tastenfickers-Podcast. Baby, die Dum-Dum. Quai, Baby, die Dum-Dum. Ich kann das Gefühl nachempfinden, was sie jetzt haben. Ich kannte das auch oft. Mein Freund Paulo hat irgendwie Musik gehört immer. Also mehr als ich. Ich weiß auch nicht, konnte der Westen hören. Oder der hatte bessere Platten. Und der hat auf dem Schulhof immer gesagt: Äh, na, na, die, du, Charlie. Äh, na, na, die, du, Charlie Brown, Charlie Brown. Und ich denke, was hat der für ein Problem? Also, Charlie Brown ist jetzt doch dieses mit dem Kackhund oder so. Ich weiß auch nicht. Jedenfalls kannte ich das Lied nicht. Als ich das Lied kannte, ungefähr 20 Jahre später oder so, dann wusste ich, was er singt. Und wenn er es dann wieder gesungen hat, ist es nicht so, dass er jetzt unterbrochene Charlie Brown-Lied singt. Aber dann wusste ich natürlich, was er meint. Aber es ist ein ganz verrücktes Gefühl, wenn man so eine Singe von so einem Menschen hört, und nicht das Lied kennt, weil dann weiß man einfach nicht, was das soll. Man hat nicht die Harmonien dazu und wenn man die Harmonien im Kopf hat, hat man vielleicht das ganze Lied im Kopf, wenn irgendjemand was vor sich hin singt. Bei mir ist das ja so, dass ich Musik eigentlich gar nicht mehr zu hören brauche, die ich im Kopf habe. Also wenn wir eine Platte aufnehmen oder so, hören wir die Titel beim Abmischen so oft hintereinander, dass ich jede Nuance kenne und ich muss nur an das Lied denken und habe das so im Kopf, als könnte ich es abspielen. Also als läuft der CD-Player, wenn man noch einen hat, so läuft es bei mir im Kopf ab. Und ich bräuchte im Prinzip ja keine Musik zu hören. Es sei denn, ich will Musik hören, die ich noch nicht kenne, weil die kann ich dann nicht im Kopf haben, weil ich sie noch nicht gehört habe. Ich bin völlig vom Thema abgewichen. Es geht ja um Cry, also Cry ist Englisch, heißt weinen oder schreien. Da kommen wir noch drauf, was das sein könnte. Und ich will sie erlösen von meinem Anfangsgesinge, das Lied jetzt zusammen mit Janice singen, damit man erkennt, um welches Lied das eigentlich geht. Und ich mache im Prinzip jetzt ein Wunder wahr. Ich singe mit einem Menschen zusammen, der schon gestorben ist. Janice, komm.
Ich weiß nicht, worum es in dem Lied geht. Ich gehe davon aus, dass das Baby schreit. Deshalb heißt das Quai Baby. Und ich will auch nicht wissen, worum es in dem Lied geht. Es ist für mich wie so ein Wald, in denen ich laufe und ich will vorher auf der Karte nicht sehen, dass dahinter eine Autobahn kommt und sowieso die nächste Stadt, sondern ich will in den Wald gehen und denken, ich kann mein Leben lang da jetzt drin laufen und mich verlieren oder so. Wissen ist nicht immer gut. Also wer viel weiß, kann nichts glauben. Ich glaube jetzt nicht an Gott, nicht weil ich so irre viel weiß, aber ich weiß irgendwie zu viel, kann ich mir vorstellen, um an Gott zu glauben. Also Urknall verstehe ich nur so einermaßen, aber Natur mit Pflanzen und Vermehrung, das kann ich nachvollziehen. Aber wenn ich das nicht könnte, könnte ich noch an Gott glauben. Und ich will an die Musik glauben und wenn ich weiß, worum es geht, dann geht es nicht mehr, weil dann ist es für mich nur noch einfach ein Lied. Und dieses Quai Baby kann für mich immer was Neues bedeuten, aber für mich ist es irgendwie ein Lied von einer Mutter, was über ihr Baby singt. Aber es kann doch, Baby ist ja auch ein Begriff für Freundinnen oder so, salopp finde ich, aber ich sage nicht Baby zu meiner Freundin, ich sage auch nicht Freundin zum Baby, ist ja auch Quatsch. Jedenfalls geht es heute um Weinen und Schreien und ich finde interessant, dass dieses Quai auch geschrien wird. Also man schreit das Wort Schreien. Das ist verrückt. Man flüstert ja das Wort Flüstern vielleicht auch im Lied. Und ich flüsterte, kenne ich eigentlich nichts, aber bei Quai drehen alle Sänger durch und schreien dann auch. Das ist bei den Stones auch nicht anders. Interessant ist, dass Mick Jagger zum Schluss singt Kra-Kra-Kra-Kra, wie eine Krähe. Vielleicht hat Schreien und das Krähe, Krähen, Krähen ist vielleicht auch eine Übersetzung für Kwai. Hätte ich schon wieder was Linguistisches entdeckt hier. Wollen wir mal noch einen Nobelpreis fragen oder so.
Jedenfalls waren Ditti Stones in ihrer, meiner Meinung nach, allerbesten Phase. Stones sind eine großartige Band. Und mit dem Tod von Charlie Watts ist natürlich eine Ära zu Ende gegangen. Eigentlich ein Stück Menschheitsgeschichte. Die Geschichte der Rockbands gibt es eigentlich seitdem so nicht mehr von den Bands, die mit dem Rock’n’Roll aufgewachsen sind, die das erfunden haben in der Form und dann so gespielt haben. Aber trotzdem waren die Stones ja einer der längsten Bands, die eigentlich so durchgehalten haben in der Qualität. Und man hat sich ja oft überlegt, was wäre aus den Beatles geworden, wenn die sich nicht aufgelöst hätten, wenn John Lennon nicht gestorben wäre. An den Stones kann man es ganz einfach sehen, was draus geworden ist. Einfach mehr Musik. Ob das jetzt, also, ich finde die frühe Phase total gut, weil ich auch so bekloppt bin und immer das alte gut finde. Aber jetzt kam doch Tattoo You raus als 40 Jahre Release. Also 40 Jahre nach Tattoo You kam das Album jetzt nochmal raus und ich hab’s gehört. Und das Verrückte ist, für mich klang es immer noch neu. Ich war dabei, als es neu rauskam und als es jetzt wieder neu rauskam, war es für mich immer noch eine neue Stones-Platte, die also völlig ihre Qualität hat, in eine völlig verrückte Richtung gegangen ist. Ron Wood hatte sich etabliert. Die Stones haben gesehen, was rundherum auf der Welt passiert mit Punk und Disco und Rave und was alles so für Musik entstanden ist und haben da ihren eigenen Weg gefunden. Und haben glücklicherweise auch in Lidl ein Lied gemacht. Ich habe jetzt Titel und Lied in einem Wort sprechen wollen. Das war es dann nicht Lidl. Und es heißt Foo to Quai, wo ja auch Quai mit drin ist. Und das hören wir jetzt.
Ein oppositorisches Meisterwerk. Habe ich auch erst mit den Jahren entdeckt. Davor war es für mich ein bisschen schnulzig und weich. Ist aber richtig gut. Es geht um Weinen. Das Erste, was mir einfiel, als ich an die Sendung gedacht habe, war diese widerliche Weine nicht, wenn der Regen fällt. Und ich bin drauf gekommen, also ich bin nicht drauf gekommen, aber ich habe mir wirklich angetan, die Biografie von Dieter Bohlen, fünf CDs, mir anzuhören vor zehn Jahren oder so, als sie rauskam. Habe ich dabei so Staub gewischt und so, habe ich Staub gewischt, aufgeräumt, was man so macht, wenn man nichts zu tun hat. Und bis CD3 oder so bin ich gekommen oder so, wie auch immer, mit dem Auto vor der McDonald’s saß, wo Feldbusch gearbeitet hat oder saß er mit ihr da, um Burger zu essen, ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich auch Sachen gelernt beim Hören dieser Biografie. Zum Beispiel, dass Dravi Deutscher, der Erfinder von Marmor, Stein und Eisen, war schwer kokainsüchtig und davon war bis dahin eigentlich nie die Rede offiziell im Radio oder von Konstantin Wecker, doch da wusste man es vielleicht schon so ein bisschen, aber von Dravi Deutscher, so ein super Platz 1 Hitschreiber, hätte man jetzt nicht erwartet, dass das dann so öffentlich gemacht wird von Dieter Bohlen. Und Ravi Deutscher hat sich dann selbst dazu geäußert, dass er immer aufgefordert wurde, super Hits zu schreiben und dann hat er sich hingesetzt und Jenseits von Eden geschrieben und das war sein absoluter Megahit und dann haben seine Produzenten gesagt, so schreib noch mehr, schreib noch mehr von dem Zeug und da hat er sich gedacht, um wieder so einen Titel zu schreiben, muss ich mal wieder so Kokain nehmen, hat so Kokain genommen wie ein Blöder, aber hat nicht so viel genutzt, nur dass er dann halt auch süchtig war. Für mich klingt das bisschen wie eine Ausrede, wenn man sagt, ja, ich muss ja das Kokain nehmen, um wieder in Platz 1 hier zu schreiben oder so. Aber kann ja jeder machen, wie er denkt. Hier ist das Lied.
Das war jetzt nicht die Originalversion, sondern das war Onkel Tom Angelripper. Ich weiß nicht, ob das Angelripper heißt oder Angelripper und ich weiß auch nicht, was Angelripp ist. Ich stelle mir sowas vor wie so ein Hemd, so ein Ribhemd, was in einer bestimmten Form ist. Es gibt ja auch Pfeffer- und Salzmäntel oder Paisleyhemden. Vielleicht ist Angelripp so eine bestimmte Fäde-Klöppelart, die ich noch nicht kenne. Aber das Lied ist mir im Prinzip auch schon in den Genen drin. Ich kenne es seit frühester Kindheit an, wenn jemand sagt, weine nicht oder Marmorstein und Eisen bricht, man weiß genau, was gemeint ist und irgendwie verkörpert es für mich genau dieses Deutschland in 16, 17 Jahren, als ich ein Kind war und ich bin so aufgewachsen. Und das ist für mich so was Tiefes, Eingrabenes, dass das irgendwie mit zu uns gehört und das ging so weit, dass wir unsere letzte Platte, die keinen Namen gekriegt hat, Dam Dam nennen wollten, weil Dam Dam, wir haben das ja als Zitat im Prinzip benutzt, auch bei dem Lied Puppe, da singen wir auch Dam Dam Dam Dam, irgendwie bei der reiß ich der Puppe den Kopf ab, weil wir das so pervers fanden, dieses Marmorstein und Eisen, Dam Dam in so ein brutales Lied zu überführen. Aber hat sich natürlich nicht durchgesetzt. Wenn ich was gut finde, ist das schon mal ein sicheres Zeichen dafür, dass vier, fünf andere das dann nicht gut finden. Und das hilft mir aber, die Überleitung zum nächsten Lied zu finden, weil da habe ich ein Lied von uns genommen, was auch was mit Wein zu tun hat, mit wildem Wein sogar. Und das Lied hat mehr oder weniger Till sich ausgedacht. Ich unterstelle ihm das mal, dass er hauptsächlich Musik gemacht hat, um den Frauen zu imponieren oder so. Und da hat er bei First Arsch erst Schlagzeug gespielt früher. Und das ist zwar eine feine Sache, wenn ein Konzert ist, aber im normalen Partygeschehen hat man selten Schlagzeug da, aber ein Klavier steht öfter da. Und da hat er sich mit der linken Hand so eine ganz einfache, ist jetzt nicht wertend, ich finde es sehr gut, eine Klaviermelodie nur auf dem weißen Tasten, wo man nur so abwärts spielen muss, was so ganzartig im Prinzip von selbst spielt, wo man nur die Finger so ein bisschen zucken lassen muss, weil man Herzklopfen hat, weil eine Frau im Raum sitzt. Und hat da im Prinzip das Frauen-Beeindruckungslied komponiert, was dann wilder Wein heißt, was ja auch mit Wein direkt was zu tun hat. Diese Pan-Flöte, dieses Huuuuhu, habe ich genommen, weil ich die so schön fand bei Stefan Remmler bei Vogel der Nacht. Das war nicht immer die schönste Stelle, wenn da diese kommunische Flöte kommt, weil ich dachte, der Vogel der Nacht macht dann so Huuuuhu. Da dachte ich, mache ich auch mal ein bisschen Flöte. Bei dem Lied habe ich gleich versucht, den Übergang zum nächsten Lied zu machen, dem Dümdümdüm. Das gelingt mir musikalisch besser als mit Worten.
Wir kommen zu Bettina Wegner und da weiß ich gar nicht, wie ich den Bogen jetzt schlingen soll, außer durch die gemeinsame Ost-Vergangenheit oder so. Denn Bettina Wegner war auch verboten zeitweise, aber zum Glück war ihre Manager Katharina auch die Managerin von MTS, was einer meiner Lieblingsbands im Osten war, was so viel heißt wie mal Motorentraktorenstation, wo man sich eigentlich von den LPGs immer diese Landmaschinen ausleihen konnte oder im Prinzip gekriegt hat. Aber bestimmt heißt die Abkürzung auch irgendwas anderes, was Lustiges oder so. Und die haben immer, wenn sie gespielt haben, haben sie im Prinzip auf die Plakate geschrieben, MTS und Sängerin und haben Bettina Wegner dann mitsingen lassen, damit sie wieder auftreten konnte. Genauso wie Pasch das mit André Greiner-Pohl von Freigang gemacht hat. Aber das Interessanteste, was ich überhaupt nicht wusste, ich weiß nicht, ob es interessant ist, Bettina Wegner war 1988 wirklich mit La Fontaine zusammen. Da sieht man mal, was das für ein verrückter Typ gewesen sein muss oder immer noch ist. Erst hier Bettina Wegner, dann Wagenknecht und so, Junge, Junge, dann Gerhard Schröter zwischendurch. Hier kommt das Lied.
Bettina Wegner hat Cry eindeutig mit Schreien übersetzt, nicht weinen, sondern schreien. Aber bei Boys Don’t Cry von Secure, das war das nächste Turn, denke ich, dass eher weinen gemeint wird. Weil wer sagt schon, Jungs schreien nicht. Also Jungs machen den ganzen Tag nichts anderes als zu schreien. Und ich weiß nicht, von wem das jetzt ist, ob das jetzt der Vater gesagt hat, ein Junge schreit nicht oder so, denn man sagt ja, Frauen stehen auf Männer, die ihre Gefühle zeigen können. Das mag stimmen, aber ich glaube, keine Frau mag einen Mann, der weint, statt zu diskutieren oder so. Und mir ist das oft gefallen, dass ich mit weinenden Menschen nicht umgehen kann. Also wenn man ein Gespräch führt und der Gesprächspartner weint, eigentlich egal ob es jetzt ein Mann oder eine Frau ist, ist das Gespräch unterbrochen. Also der, der weint, ist im Prinzip unangreifbar, weil der weint ja schon. Was will man denn dann noch sagen oder so? Dann kann man ja erstens nicht weiterschimpfen und versucht dann einzulenken, aber man kann auch nicht nur, weil er weint, jetzt ihm Recht geben, wenn er im Unrecht ist. Also man kann ja auch im Unrecht sein und dann weinen oder wirklich Mist gebaut haben oder so. Also weinen ist generell gut, aber im Gespräch nicht, weil Weinende das Gespräch stoppen, egal ob es Jungs oder Mädchen sind. So, jetzt kann Quiver was dazu sagen.
Es müssen nicht immer nur Menschen schreien, sondern der Wind. Obwohl, es schreit der Wind. Wind wispert. Ja, Kerl ist wispernd. Ich habe bei Jimi Hendrix eben ein Lied gefunden, was mit crying is the wind. Twice, Mary, ich fand das wunderschön. Egal, ob das Kwai damit gemeint ist, aber was soll das sonst heißen? Man sagt ja auch Tränen, weinen, was Regentropfen, die an mein Fenster klopfen oder so. Ich nehme diesen Wind mal jetzt als so einen schönen Herbstwind, wo der Wind mit dem Regen weint. Vielleicht ist das gemeint. Ich habe jetzt erfahren, was MTS mit ihrem Namen meinten. Mut, Tatendrang und Schönheit. So, da muss Jimi Hendrix mal erstmal sehen, was er da draus macht.
Bei Jimi Hendrix ist es ja so, der ist früh gestorben und man weiß nicht, was aus ihm geworden wäre und was er noch gemacht hätte, wenn er weitergelebt hätte. Manchmal, da kommen ja dann die Erben und veröffentlichen jeden Fitzel, den man mal irgendwo auf Band gesprochen oder gesungen hat. Bei Jimi Hendrix, da war das der Fall. Da kamen hunderte von Platten raus. Ich habe auch mal so ein dreifach CD-Box gekauft, wo er Rumi geniedelt hat. Er selber wollte das auf keinen Fall. Er hat es ja auch extra gesagt, er hat es nicht veröffentlicht zu Lebzeiten, weil er es nicht gut fand und irgendein Erbe oder so brauchte dann dringend Geld irgendein fieser Producer oder so. Und im Prinzip ist es ja egal, wenn man nicht gestorben ist, ob da noch was ist oder nicht, ob das später rauskommt oder nicht. Man ist ja tot und kriegt es nicht mit. Und für die Nachwelt, also was die Nachwelt über einen denkt, kann dem, der stirbt, ja eigentlich egal sein. Ist eigentlich vielleicht nur ein schönes Gefühl, weil man vorm Tod genau weiß, gut, das war jetzt mein Werk, das ist jetzt abgeschlossen, das geht jetzt so sauber durch. Ich belästige die Nachwelt nicht mehr mit dem Dreck, den ich sonst noch, also das ist jetzt kein Dreck, was schon mehr nichts noch nebenbei gemacht hat, aber es gibt ja Künstler, die extra Sachen nicht veröffentlicht haben wollen, wenn sie gestorben sind. Aber selbst dieses schöne Gefühl, dass man denkt, es ist alles schön, dass es so ist und nicht anders, hält ja auch nur bis dahin, bis man dann noch wirklich gestorben ist. Und die Frage ist, ob man jetzt, wenn man zufrieden stirbt oder ob man dann anders stirbt und ab dem Moment, wo man nicht gestorben ist, ist es ja dann auch egal. Also eigentlich könnte man davon ausgehen, was ist für die Nachwelt wichtiger. Weil die leben ja noch. Für die ist es ja interessant. Sollen die Lieder noch rauskommen oder sollen sie nicht rauskommen? Ich sage mal ja. Denn nicht hören kann man sie ja dann immer noch, wenn sie eigentlich interessiert haben. Was soll schon sein? Ist doch scheißegal. Jetzt kommen die Beatles zu Zeiten. Ich glaube, die wollten aber, dass das veröffentlicht wird. Zumindest die, die noch leben, wollen es bestimmt. Hallo Paul McCartney. Quai, Baby, Quai.
Wenn ich reingehe, habe ich natürlich an Björk gedacht. Fühlt mir gleich an, die schreit eigentlich die ganze Zeit. Da muss eigentlich mehr so ein Quieken, aber muss natürlich gespielt werden. In Aspects, das war ja so eine Zeitung, wo früher so eine Hassbacken geschrieben haben, die sich als Journalist als die Allergeilsten empfunden haben. Da haben sie über Björk geschrieben, als sie so rauskamen, dass sie über ein Ausfuhrverbot isländischer Waren nachdenken, wenn sie an die Sugarcubes denken. Meine Oma hat immer in solchen Fällen gesagt, nun gebt ihm doch endlich was, nun gebt ihm doch endlich was, wenn die Sänger so geschrien haben. Und damit hat es ja irgendwie den Kern der Rockmusik auch verstanden. Das ist natürlich die Leute, die irgendwas wollten. Hier ist Björk.
Das hieß übrigens auch Quying von Björk. Und ich bin Chris Martin sehr dankbar, dass er keine Solo-Plattie gemacht hat. Vielleicht macht er inzwischen, aber bis jetzt hat er noch keine gemacht. Ich finde es gut, wenn man mit der Band, die man hat, zusammen Musik macht. Auch wenn die Musik, die man dann macht, ein bisschen aus der Art schlägt. Aber dieses Cry, Cry, Cry, was jetzt kommt, ist richtig ein Kultplay-Lied und kein Chris-Martin-Lied. Und das finde ich toll. Weiter jetzt mit dem zweiten Teil.
Sie machen den Eindruck, als wären sie oft verlassen worden. Irgendwie geht ja jedes zweite Lied, eines Tages werde ich mich rächen und ich war Mr. Sexpistole und du warst Lady Punk. Oder sie können sich einfach gut in die Jugend reinversetzen. Wahrscheinlich wird man im jugendlichen Alter öfter verlassen als später, weil man sich öfter auch traut, sich zu verlieben oder so. Als Erwachsener sagst du ja, oh Gott, oh Gott, den ganzen Ärger wieder von vorne und so. Musst es sein und dann hast du zwei Kinder oder ich habe zwei Kinder. Irgendwie, dass man sich so schnell verliebt und wieder trennt, macht man eigentlich nicht mehr. Also meistens hat man ja noch eine schöne Frau gefunden oder so, mit der man noch zusammenbleiben will. Und dann ist die Trennung natürlich dann noch härter, aber dann kann man wieder ein Lied machen. Aber so oft wie in der Jugend verliebt und bei mir war es anders. Ich dachte, ich habe ja nicht gedacht, ich habe einfach so keine Freundin, die kriege ich sagen, sagen wir mal so, kann man auch ein schönes Lied so drüber machen. Aber ich glaube, die meisten Weinelieder sind eher in einer Trennung entstanden. Auch Justin Timberlake hat eins gemacht, Cry Me a River. Ich weiß nicht, worum es geht. Für mich klingt es grundsätzlich so nach Trennung. Ich denke da einfach an dieses Märchen. Ich weiß gar nicht, ob es das schon gibt. Da ist einer, jemanden vermisst und so viel weint, dass dann aus den Tränen ein Fluss entsteht und über diesen Fluss kann dann der geliebte Vermisste rüberschwimmen zu einem selber. Wobei mir jetzt beim Erzählen der logische Fehler auffällt, wenn da kein Fluss ist, könnte der geliebte einfach auch hinlatschen. Jetzt hast du den Tim Malik.
Justin Timberlake ist interessant, wie sich dann diese Mitglieder von Boygroups versuchen zu emanzipieren und dann alleine was ganz eigenes zu machen. Im Prinzip ist jetzt scheißegal, ob das jetzt N-Sync oder nur Justin Timberlake ist oder irgendwie Oven oder TXZ oder so. Für mich ist das alles gleich. Ob da zwei Stimmen singen, drei oder vier sind es ja auch, wenn einer singt, dann singt der auch viermal ruf oder so, dass das auch vier Stimmen sind oder so. Im Prinzip ist das alles egal, aber im Prinzip ist die ganze Welt egal, wenn man es genau nimmt. Es ist auch egal, ob das nächste Lied jetzt Madonna singt oder Sheenet O’Connor. Also ich kenne es von Madonna, spiele es von Sheenet O’Connor, Don’t Cry For Me, Argentina. Und das ist so was, Eva Perron oder so, die Rolle will jeder mal singen. Ist genauso wie jeder will den Ortello spielen, jeder will Richard III. oder Macbeth oder Romeo und Julia, ich spiele hier den Mercutio. Die Rolle muss man mal gemacht haben. Oder ich will mal James Bond spielen, also ich jetzt nicht, ist jetzt ein Zitat von Leuten, also manchmal da denkt man, irgendwas muss man mal machen, das gehört so zum Leben dazu, aber wie gesagt, das gehört zu den Sachen, die auch eigentlich egal sind. Das Lied war alles andere als weinerlich, weil Sheena J. O’Connor sang ja Don’t Cry For Me und sie hat sehr schön sachlich gesungen und es ist ja totaler Quatsch, dass jetzt Frauen eher weinen als Männer oder so. Ich habe jetzt Männer gefunden, die richtig weinen und die weinen, weil sie so einsam sind. Und es kann ja eigentlich keiner besser weinen als Nick Cave. Damit es noch besser klappt, hat er sich noch Johnny Cash so dazu genommen. Und das wird jetzt ein einsames Wolfsgeheul im Wilden Westen. I’m so lonesome, I could cry.
Das heißt, er hat die Wille verloren, um zu leben. Ich bin so lonesome, dass ich weinen kann. Das war sehr, sehr ergreifend, aber es geht noch trauriger. Es kann noch mehr geweint werden, nämlich wenn wir den Mann hören, der sich dieses Lied auch ausgedacht hatte, des Hank Williams. Der hatte wirklich allen Grund zum Weinen. Er war schwer alkoholkrank, sodass er seine Titel mal für 25 Dollar verkauft hat, damit er weitersaufen konnte. Und er hatte extreme Rückenschmerzen, die ihn letztendlich das Leben gekostet haben, weil er Schmerzmittel mit Alkohol zusammen eingenommen hat, eingeschlafen ist auf der Autofahrt, Silvester zu seinem Geburtstag und nicht wieder aufgewacht ist. Und wenn Musik authentisch ist, dann diese.
Ich gehe trotzdem nochmal zurück zu Johnny Cash, obwohl seine Stimme auf mich ja absolut beruhigend und tröstend wirkt. Aber er hat ein Lied gemacht, was Quai, Quai, Quai heißt und für dreimal Quai da Musikenspielen. Hier ist er.
Johnny Cash, der hat ja auch so eine wunderschöne Kinderplatte gemacht. Ich weiß nicht, ob das die doch von dieser Platte ist, wo für Kinder so die Zahlen erklärt werden und so ein kleines Geschichtchen sind. Ich wünschte mir, sowas gibt es in Deutsch auch. Das ist jetzt so ein Sänger gibt, der so für Kinder so richtig gute Musik macht. Ich meine, die Texte gibt es ja. Meine Tochter kam letztens an und hat irgendwie gesagt, sitzt ein Kuckuck auf dem Baum, kommt ein Hai vorbei. Der sagt Kuckuck zu dem Kuckuck, der sagt Hai zum Hai. Fand ich total gut. Könnte man gleich ein Lied draus machen. Und hier unser Gitarres Paul hat mal gesagt, ich hab dich so lieb, Postzeitungsvertrieb. Fand ich als Gedicht total geil. Aber ich glaube, der hat einfach den Werbespruch so vorgelesen, auf dem LKW stand oder so und mein Freund Paolo, der hier mit am Anfang der Sendung schon mit der hat ein Kurzgedicht gemacht, das war Mein Name ist na und ich bin nicht ganz gesund. Das fand ich so schön, dann könnte man fast weinen wieder. So heißt das Lied, Ronnie Davis hat es gesungen und wir kommen zu Pink Floyd. Zu Ostzeiten hatten wir Bekannte, die in Westen gegangen sind und die haben uns dann irgendwann aus Freundschaft durften wir Kinder, also es waren Bekannte von unseren Eltern und wir Kinder durften uns dann eine Westplatte aussuchen. Und ich dachte, ich habe dann bei 2001 gesehen, dass es auch Doppelalben und Dreifachalben gab mit so Samplern, so nennt man das jetzt, also mit verschiedenen Bands und habe mir so ein Dreifach-Blues-Album schenken lassen, den man nicht so ausdrücken kann. Da war auch Lonnie Johnson drauf, den wir davor gehört haben und mein Bruder war im zarten Alter von 10 bis 16 oder 15 war der absoluter Pink Floyd Fan, war so in der Schule irgendwo, dass Pink Floyd das große Ding war und er hat sich The Wall mitbringen lassen, dieses Doppelalbum und ich bin dann als Bruder eines Pink Floyd Fans im Prinzip so aufgewachsen, hab alles mitgehört. Und jetzt habe ich zufällig ein Buch geschenkt bekommen von Alexander Gorko, das heißt Und die Kinder hören Pink Floyd. Und da erzählt er genau darüber, dass seine große Schwester Pink Floyd Fan war und er mitgehört hat und die in ihrer Düsseldorfer Welt da so in diesen Rock Pink Floyd Song reingesogen worden sind. Eine Band ist es ja immer, die das Leben der Jugendlichen bestimmt und in eine bestimmte Bahn leitet. Bei ihm war es Pink Floyd, bei mir die Stones, aber jetzt geht es um Pink Floyd, der Crying Song. Floyd ist toll. Es ist schön, wenn man mit so einer Band aufwächst, aber noch cooler, oder was heißt noch cooler, ist natürlich auch schön, wenn man mit einer Band aufwächst, die man versteht, wo man mitsingen kann, mitfühlen kann und dieses große Glück haben die Jugendlichen heutzutage, die können einfach an Mike Cantarell hören.
Ein Wunder geschieht, wenn wir uns dann verschenken. Also nicht aus Sicht vor den… Tantareid ist ja bekannt geworden, also ob X mitgekriegt, als Straßenband. Und eine Straßenband zeichnet sich meist dadurch aus, dass sie die ganzen Titel spielen kann. Also dass sie erstens extrem gut spielen kann, weil sie rein quantitativ viele Stunden Musik machen, wo sie sich Mühe geben, weil Menschen so vorbeikommen. Im Proberaum ist es ja egal, da kann man auch mal ein bisschen rumfuschen. Aber auf der Straße muss man eigentlich schon ordentlich spielen, damit die Leute das gut finden. Und man muss ganz viele Titel spielen können, weil so ein Straßentag hat mitunter sechs, sieben Stunden und ein Konzert anderthalb oder zwei. Da hat man mit seinen 15, 20, 22 Titeln ist man dann durch. Aber an der Straße muss man oft auch 50 Titel spielen oder so. Und da muss man auch viele können. Zum Beispiel auch dieses Nur nicht aus Liebe weinen. Das haben sie natürlich nicht erfunden. Das ist ein altes Lied, ich weiß jetzt nicht von wem.
Sido ist eher nicht so der Straßentyp, obwohl ich mir das auch gut vorstellen könnte. Ich weiß nicht, warum die Hip-Hopper nicht so gerne auf die Straße gehen wie die Singer-Songwriter, mein meist gehasstetes Wort. Aber ich stelle mir das gut vor, so eine Rhythmusmaschine. Und dann erzählt man so. Aber ich glaube auch aus diesem Problem, weshalb die Straßenmusiker so viele Titel spielen, kein Hip-Hopper hat so viel Text um sechs Stunden, sein Zeug zu erzählen, weil die bringen ja schon ganz viel Text in drei Minuten unter. Wir werden mal sehen, was Sido an Text unterbringt zum Thema Männer weinen nicht.
Ihr habt es bestimmt gemerkt, Sido hat nur die Indisch-Trophe gesungen, nämlich der war gar nicht der Hauptsänger, der wurde gefeatured von Adesse. Und ich dachte, da steht so Sido Adresse. Ich dachte, da trägt man einfach die Adresse ein. Ich habe das jetzt nicht als Sänger so für voll genommen. Also der hieß irgendwie Adesse und Sido hat die Ene Strophe gesungen. Aber der Nächste, der singt es jetzt wirklich, das ist unser Gerhard Gundermann, unser Gundi.
Ja, unser Gundi und Epi sind schon wieder fast durch, es ist zum Weinen, passt sogar. Ich habe noch ungefähr noch mal genauso viele Titel mit Lachen und Weinen von einer Zweiraumwohnung, The City is crying, Dave Brubeck, The Sky is crying, alle weinen. Und Wein hat, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, auch was sehr Befreiendes. Kann man aber auch machen, wenn jetzt keiner dabei ist. Also sich einfach so in die Kissen weinen abends. Da haben sie doch heute auch noch eine schöne Perspektive, ein schönes Ziel. Einfach ab ins Bett und eine Stunde weinen. Das Schlimme ist, manche machen das auch ohne, dass ich das sage. Also die haben mein Mitgefühl, aber wenn man ein bisschen mit vielleicht ist auch geteiltes Weinen nur halb so schlimm und verdoppeltes, ich weiß nicht, also bei Lachen da war es irgendwie so oder so, Lachen und Weinen sind nah beieinander, Ying Yang, Anfang, Ende, jetzt ist dasselbe erreicht, tschüss.