Die Sendung November 2018
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Flake talks about west german bands.
Transcript
Radio 1. Flake des Tastenfickers Podcast.
Herzlich willkommen, da bin ich wieder. Die Zeit rennt, die Jahreszeiten ändern sich. Frühling, Sommer, Herbst und Winter, das geht alles ratz batz, geht irgendwie auch immer schneller. Nur manchmal bleibt irgendwas dann doch hängen im Sommer, weil da besonders warm ist und man viel gebadet hat und alles so schön gerochen hat auf der Straße. Oder eben, wenn was Besonderes passiert ist, wie der Sommer 88 für uns Ostler, wo die Staatsführung die ganzen Westbands eingeladen hat nach Weißensee. Da waren die Rainbirds dabei, Fischer Z, Brian Adams, Bruce Springsteen. Und wir sind da alle hingerannt, wir hatten keine Eintrittskarten. Wir sind einfach dann hingegangen und dann an den Einlass dann vorbei. Da wurde auch nichts kontrolliert oder abgerissen. Und was wir nicht bedacht haben, dass es für uns so ein riesiges Ereignis war, war klar. Aber dass es für die Bands, die da kamen, genauso groß ein Ereignis war, da hätten wir uns ja gar nicht träumen lassen. Für viele Bands, die da gespielt haben, war das das größte Konzert ihres Lebens. Und für die war das viel beeindruckender als für uns, weil die noch nie vor so vielen Menschen gespielt haben und auch wahrscheinlich nie vor so begeisterten Menschen, die sich so gefreut haben.
Toni Krahl, der Sänger von City, erzählt heute noch begeistert davon, dass er für James Brown Prostituierte besorgt hat. Da kann er sich gar nicht so einkriegen, so vor Freude, dass gerade er gefragt worden ist als Fachmann. Und er hat es geschafft. Er hat zwei Frauen dann angebracht für James Brown, die sind aber sozusagen, die haben nur gewartet im Zimmer, haben ihr Geld bekommen. Ich weiß gar nicht, ob Ostgeld oder Westgeld, 200 Mark oder was. Und James Brown hatte dann nicht die Zeit oder die Lust. Und Dirk Zöllner hat sich auch hervorgetan, der hat nämlich einen Föhn besorgt. Ich weiß nicht, ob jetzt auch für James Brown, da braucht er wahrscheinlich auch einen großen Föhn. Ich weiß nicht, ob seine damalige Freundin auch Friseuse war oder so. Jedenfalls hat er einen Föhn besorgt und für ihn war das auch ein wichtiger Tag im Leben, weil er auch immer davon erzählt hat, dass das das große Ereignis war. Aber wie gesagt, das große Ereignis war es auch für viele Bands, die da gespielt haben.
Wir fangen aber an mit einer Band, die nicht da gespielt hat, aber auch in der DDR. Es war Mikes Theodorakis, das ist natürlich keine Band, sondern ein Orchester. Und dieses Lied war die Filmmusik zu Sorba. In Ostdeutschland hieß es Alexis Sorbas, der Film, der war schwarz-weiß. Und absolut faszinierend, in dem Film ist eigentlich nichts passiert, außer dass eine Frau langsam gestorben ist. Aber die Stimmung war grandios, es war so eine sommerliche Stimmung. Die Frauen waren so schwarz gekleidet, es ist ganz wenig gesprochen worden. Doch, es ist gesprochen worden, Stummfilm war es nicht. Und ich erinnere mich noch an die Szene, wo die eine Wasserleitung bauen wollten oder eine Seilbahn gebaut haben, mit ganz viel Aufwand, den ganzen Berg hoch. Und bei der ersten Fahrt stürzte die ganze Seilbahn wieder zusammen. Also es war alles für umsonst eigentlich. Und diese Hauptperson, dieser Alexis, hat gelacht und sich gefreut und hat gesagt, hast du je etwas so schön zusammenstürzen sehen? Und ich glaube, das war auch diese Quintessenz aus dem ganzen Film, dass im Scheitern auch der Triumph liegt oder so. Ich fand den Film total gut, obwohl ich überhaupt nichts verstanden habe. Also auch nicht, worum es jetzt wirklich gehen sollte oder so.
Und umso mehr habe ich mich gefreut, dass Mikes Theodorakis in Ostberlin zum Festival des politischen Liedes gespielt hat. Es war in der Werner-Seelenbinder-Halle, was jetzt das Velodrom ist im Prinzip an der Stelle. Und da durften wir mitmachen, weil ich hatte viele Freunde aus Chile, die emigriert sind. Und mein bester Freund, der neben mir saß in der Schule, hat in einer Theatergruppe mitgemacht von Cacencho. Das war so ein chilenischer Kinderstar. Er war nicht ein Kind, sondern hat Kindertheater gespielt. Und die haben aus den emigrierten Chilen eine Theatergruppe zusammengestellt. Und da durfte ich mitspielen, obwohl ich Deutscher war. Habe mich aber auch getarnt. Habe mir einen Poncho angezogen, einen Zopf gemacht und wenig Deutsch gesprochen, damit ich nicht auffalle. Und da durften wir dann mit einem Stück auch auftreten. Der Drache hieß das Stück. Und da sind wir im Publikum aufgetreten, vor der Bühne. Und durften die ganzen Tage so mit dabei sein und alles uns angucken. Und am letzten Abend trat eben Mikis Theodorakis auf. Ich habe ihn schon beim Soundcheck erlebt mit Zigarre und so. Und dann spielte er das Konzert als Abschluss. Und dann kamen nochmal alle auf die Bühne, die beteiligt waren. Und ich stand neben ihm. Was natürlich ein großer Triumph war, dass ich neben Mikis Theodorakis stehen konnte. Direkt, ich habe nie ein Wort mit ihm gewechselt oder so, aber ich stand immerhin mit auf der Bühne und konnte dabei beobachten, die meine kommunistischen Freunde aus Chile schon die Mikros so abgeschraubt haben, um die einzustecken, weil die wurden ja nicht mehr gebraucht und es fiel nicht auf, wenn man die dann klaut, weil es der letzte Abend war. Und da kam mein Weltbild zum ersten Mal ein bisschen in Schwanken.
Wer da noch gespielt hat, war ein junger Mann aus England, der hieß Billy Breck. Das war Billy Breck, ein Mann, der auf der Bühne unsagbar sympathisch wirkte oder wirkt. Und für mich war er auch der Inbegriff des britischen Punks, obwohl er gar nicht so wie ein Punk aussah, nur die Lederjacke und die Frisur war kurz und ein bisschen nach oben gekämmt. Er selber war auch Punk-Fan und er hat sich von einem Konzert der Gruppe Clash inspirieren lassen, selbst eine Band zu machen. Es ist ja oft so, dass man irgendwann mal zum Konzert geht, eine Band sieht und dann sofort sagt, das mache ich auch und auch anfängt Musik zu machen. Bei ihm war es Clash und seine Band hieß Woof Woof, hat auch ein sehr schöner Name, die hat sich irgendwann dann aufgelöst, weil sie nicht den Erfolg hatte, den er erwünscht hatte. Dann ist Billy Breck 1981 zur Armee gekommen und hat sich sehr gewundert, was ihm da für einen Schwachsinn entgegenkommt. Also für viele ist es ja ein Schock, die sich damit nicht beschäftigt haben davor, was da auf sie zukommt. Und das Schlimme ist, dass man da nicht mehr richtig raus kann, weil man erst mal dabei ist. In England war das damals noch einfacher. Er hat 175 Pfund bezahlt und durfte wieder gehen. Und nach seinen Worten war das die klügste Zahlung, die er in seinem ganzen Leben gemacht hat. Und danach hatte er dann auch diese innere Power und diesen inneren Hass, um selber als Punkmusiker oder so aufzutreten. Und hatte auch eine Ausstrahlung, dass er wirklich gehört wurde und dass wir ihn gemocht haben. Und ich weiß nicht, wie es ihn in die DDR verschlagen hat, aber da hatte er ja absolut viele Fans. Ich kenne eigentlich keinen in meinem Alter, der Billy Breck nicht kennt oder so.
Wir hören ihn jetzt gleich nochmal, weil ich finde es immer so schade, wenn man von jedem nur ein Lied hört. Hier ist nochmal Billy Breck mit A Lover Sings. Das kann sein, dass ihm der Song jetzt bekannt ist vorkam, das ist kein Wunder, weil den haben die Beatsticks gespielt. Ich glaube, den haben die sogar auf irgendeiner Platte mit drauf oder so. Die Beatsticks können ja wunderbar nachspielen. Die haben ja mal bei der Radio 1 Party den ganzen Abend nur Songs gecovert. Das war großartig. Ich will jetzt nicht sagen, war besser, als wenn sie ihre Songs gespielt hätten. Aber irgendwie war das sehr erfrischend und ich mag das sehr, wenn ein Band mit ihrem Gestus eine andere Band nachspielt, weil dann hat man so von beiden was. Man hat die guten Titel von der einen Band und die gute Art der Spiele dann von der nächsten Band. Und Bossos hat ja am Anfang auch fast nur nachgespielt. Hier Black and White von Michael Jackson und so. Und das war wunderbar, das war eine richtig gute Band. Und selbst von den Stones gibt es eine komplette Nachspielplatte. Also wenn man das so nennen kann, das ist eigentlich auch mehr ein Ostwort, diese Nachspielen. Da steht Mick Jagger nur auf dem Cover. Ich weiß nicht, wie die richtig heißt. Da spielen sie auch nur alte Blues-Titel nach. Und das ist eigentlich einer der stärksten Platten, die ich von den Stones kenne.
Wir gehen in eine völlig andere Richtung. Auch eine Band oder auch ein Künstler, diesmal aus Frankreich, der in der DDR so bekannt war, dass es eigentlich kein Rotweinabend, kein Familienabend, kein geselliges Beisammensein, kein Lagerfeuer gab ohne George Mustaki. Wenn dieses Lied jetzt so vielen bekannt vorkommt, liegt es daran, dass bei Amiga, was die DDR-Plattenfirma war, eine Lizenzaufnahme von George Mustaki herauskam und niemand weiß, wie viele davon je verkauft worden sind. Weil Amiga hat sich sehr bedeckt gehalten mit den Zahlen von den Pressungen, weil die hätte ja theoretisch an die westlichen Künstler dann das Geld bezahlen müssen, je nach Verkauf. Und das wollten sie wohl vermeiden, deshalb haben die Künstler oder so nie erfahren, wie viele Platten wirklich gepresst worden von ihrer Platte. Aber ich meine, jeder kann ja froh sein, wenn möglichst viele Platten von einem gepresst werden, egal ob man es nur bezahlt kriegt oder nicht. Weil das heißt ja, dass viele Menschen das gerne hören und gut finden. Und George Mustaki war bei meinen Eltern und in den Kreisen so was von beliebt, dass ich mich drauf verlassen konnte, wenn ich abends ins Bett ging oder so als Kind, dass dann noch die Platte so aufgelegt wurde und die Eltern noch beisammen saßen. Dieses Lied kann man übersetzen mit Einsamkeit oder Abgeschiedenheit und er hat sich schön mit so einem ernsten Thema beschäftigt. Er ist auch bekannt als Schauspieler. Er hat mit Gérard Departieu im Grafen von Monte Cristo gespielt. Das war ja früher auch so ein Zauberwort für Kinder, der Graf von Monte Cristo, die vier Musketiere. Da dachte man, das ist ein absolut spannender Abenteuerroman. Aber Alexander Dumas war ein Schriftsteller, der sehr subtil geschrieben hat und sehr ausführlich. Und der Graf von Monte Christus ist ein einziger Gegenwartsroman von diesem Grafen, der 14 Jahre unschuldig in der Zelle war. Und dann gräbt sich der Abbe zu ihm, der ja auf dem falschen Weg war, der sich eigentlich aus der Burg rausgraben wollte und einen Tunnel gegraben hat, sich verrechnet hat und dann in der Zelle landet. Und dieser Abbe war George Mustaki.
Und wir hören den nochmal mit dem Lied La Métique, was übersetzt werden kann mit der Kanacke. George Moustaki heißt nicht richtig George Moustaki. Der hat sich selbst so genannt. Der hieß irgendwie, also Moustaki wird stimmen. Ich weiß nicht, ob das was zu essen ist eigentlich, was griechisch ist. Ich weiß sogar nicht, ob George Moustaki griechisch ist. Ich würde sagen, er ist Franzose, denn er singt Französisch, aber er heißt nicht George, er hat sich selbst George benannt. Und zwar war er ein Fan von George Brasson, einem anderen Sänger, der ein bisschen älter ist, der auch Chansons singt. Und George Mustaki wollte auch so sein wie George Brasson und hat sich deshalb George genannt. Dieser George Brasson war ein ganz normaler Sohn von einem Bauunternehmer, der mit 14 Jahren angefangen hat, Chansons zu schreiben. Dann ist er nach Paris gegangen, wie das so ist, hat bei seiner Tante gewohnt und hat bei den Renault-Werken Mechaniker gelernt. Und das war insofern wichtig, dass er 1943 als Zwangsarbeiter ins Deutsche Reich deportiert wurde. Und weil er Renault-Werker war, wurde er nach Basdorf zur Flugzeugmotorenfertigung geschickt und da eingesperrt. Ich bin öfter mal mit dem Fahrrad durch Basdorf gefahren und habe mich gewundert, dass an der Tankstelle stehen Flugzeugturbinen und Motoren. Und denke immer, was ist denn das? Wieso haben die da an die Tankstelle Flugzeugzeug dahingestellt? Ist da ins Abgestürzt oder so? Habe mir dann so ein Schild angeguckt und da stand es gegenüber. Eben die Flugzeughallen waren, wo die gefertigt wurden. Und ich meine, Barstow ist direkt hier heran, Berlin. Und dann standen auch Baracken. Da war im Osten die Bereitschaftspolizei da. Also wenn hier 1. Mai war oder 7. Oktober, sind die Wasserwerfer zumindest ab 88 oder so dann von Barstow zum Alexanderplatz gefahren. Und in diesen riesen Hallen war im Prinzip ein Internierungslager mit Kriegsgefangenen. Und da saß George Brosson, hat an seinen Titeln rumgefeilt und hat gearbeitet, irgendwelche Flugzeugmotoren zusammenzubauen. Und dann hat er aber die Möglichkeit gekriegt, für ein paar Tage nach Paris zu fahren, um da ein Konzert zu geben und musste dafür nur einen Bürgen stellen. Also wie in der Bürgschaft hier zu Damen, dem Tirannen schlicht Damen, oder wie ist X mehr zu wem schlicht, mit dem Dolch im Gewande, was willst du mit dem Dolch sprich und so weiter. Und er musste auch in Bürgen stellen und ist nach Paris gegangen, hat da sein Konzert gemacht, ist aber im Gegensatz zur Schüller-Ballade in Paris geblieben. Und der Bürger, der saß dann eben in Barstaff und hat da weiter die Flugzeugmotoren so zusammengeschraubt. Aber jetzt hören wir mal erst mal ein Lied.
Nach dem Krieg blieb George Brossin in Paris und damals war es wahrscheinlich noch üblicher als jetzt, dass wenn jemand eine Wohnung hatte, dass er da einfach ein Zimmer untervermietet hat und der Untermieter ganz normal in derselben Küche und im selben Wohnzimmer wie die Hauptmieter wohnte, dass man im Prinzip so etwas wie eine neue Familie gegründet hat. WG könnte man jetzt sagen, aber das ist im Prinzip ein Pärchen, so richtig eine Familie und dann noch ein Untermieter zusammenlebten. So war das bei ihm. Er hat bei einer 30 Jahre älteren Frau Zhang und ihrem Mann gewohnt und er blieb da wirklich, bis die gestorben sind, mehr als zehn Jahre. Was ja irgendeine schöne Zusammensetzung ist, dass er nicht eine eigene Wohnung brauchte, sondern da einfach mitgewohnt hat und er hat dort seine berühmtesten Lieder geschrieben und da er mit denen zusammen gewohnt hat, hat er die meisten Lieder über ihren Mann gemacht, über sie selber, das Lied heißt dann auch Zhang oder Jean und auf ihre Ente, La Canée de Jean, das Canée kenne ich von der Speisekarte, Poulet ist Huhn und Canée ist Ente. Und das erste Lied, was er öffentlich so vorgetragen hat, ist Le Gorille. Das heißt der Affe oder der geile Affe, so ist das dann richtig so übersetzt. Und im Schluss ist es ein Plädoyer gegen die Todesstrafe. Das kann ich jetzt nicht nachvollziehen, weil ich nicht Französisch spreche. Aber Franz Josef Degenhardt hat eine deutsche Fassung davon gemacht. Vorsicht, Gorilla heißt die. Jack Teckway hat auch eine englische Fassung gemacht. Brother Gorille. Und Fabrizio De André hat sogar ins Italienische das Lied übersetzt, Attenti, die Gorille.
Aber wir hören jetzt das Original, Le Gorille. Und das ist, warum ich glaube, dass wir uns nicht mehr haben. Für uns Ostler konnte er nicht exotisch genug sein. Und so waren wir auch Fans von José Feliziano. Da wurde schon der Name so exotisch klingt. Der ist 1945 in Puerto Rico geboren. Und wie ich später erst rausgekriegt habe, war er blind. Er hatte angeborenen grünen Starr. Und es gibt erstaunlich viele Musiker, die blind sind. Wobei ich mich natürlich immer fisch gewundert habe, wie die das können. Also wie die ihre Tasten finden. Ich habe mal Rechards gesehen im Live-Konzert und wenn er Klavier spielt, verstehe ich es ja noch, weil man kann ein bisschen mit den Fingern fühlen, wo die schwarzen und weißen Tasten sind, das kriegt man auch raus, aber er hat auch einen Synthesizer gespielt und eine Orgel mit verschiedenen Sounds, wo er die Sounds umschalten muss und das ist mir völlig ein Rätsel, wie er das hingekriegt hat. Wobei man ja daran denken muss, dass sie ja ganz viel nicht sehen können, also im Prinzip nichts sehen können. Die wissen auch nicht, was sie anziehen und wie sie aussehen und so, was mir absolut verrückt vorstelle von Musiker, der jeden Tag auf die Bühne geht oder so und keine Ahnung hat, wie er aussieht. Er muss wirklich ein tiefes Vertrauen zu seinen Freunden, Frauen und Beratern haben, dass die ihm nicht was Lustiges anziehen. Einmal sind mir aufgefallen bei Stevie Wonder im Video zu I Just Called to Say I Love You, wo er so am Klavier saß und ein rotes Telefon so reinsang. Ich glaube, da hat er nicht gewusst, was er da macht. Und über Stevie Wonder gehen ja auch daher diese blöden Witze um, wenn wir irgendein missglücktes Tour-Routing haben, dass wir irgendwie von Milano nach Magdeburg fliegen oder wie weiß ich, irgendwie so völlig kreuz und quer. Dann sagen wir, ach, das Routing hat Stevie Wonder gemacht. Einfach mit dem Finger auf der Karte gewischt. Und so ist dann die Tour zusammengestellt worden oder so. Man sagt dann immer mit bei Stevie Wonder oder so. Aber musikalisch sind die Leute oft wesentlich besser als Sehende. Ich weiß nicht, woran es liegt, einfach weil sie sich nicht so ablenken lassen oder weil die Welt mehr im Inneren stattfindet bei den Tönen. Und selbst bei José Feliziano, man merkt, dass er wirklich eine eigene Intensität hat, die Art, wie er die Titel spielt. Das heißt, müsste man so mitgekriegt haben, er hat es oft genug gesagt, das ist ursprünglich von den Doors. Und auch das nächste Lied ist nicht von ihm, sondern von Mamas und Papas, wenn mich nicht alle täuscht. Und seit 17 Jahren hat er von seiner Musik leben können und richtig berühmt geworden. Ist er auch mit einem Lied, was nicht von ihm ist oder doch, was doch von ihm ist, ich weiß gar nicht. Jedenfalls Feliz Navidad, was irgendwie was heißt wie fröhliche Weihnachten oder schönes neues Jahr. Und mit einem Weihnachtslied hat man es eigentlich meistens Erfolg, weil es jedes Jahr ja Weihnachten ist. Das ist eigentlich ein guter Trick, hat George Michael auch sehr, sehr gut hingekriegt. Aber mit Last Christmas richtig genützt hat es ihm jetzt auch nichts.
Jetzt kommt nochmal Jose Feliziano, der uns bekannt ist. Es war mal so eine Gitarrenzeit, so eine Flamenco-Welle in der DDR, die auch mit ausging von dieser Amiga-Platte, wo Aldi Miola, Paco de la Chia und John McLaughlin zusammengespielt haben. Die Namen werde ich mir auch immer merken kommen. Die kommen wie aus der Pistole geschossen. Und José Feliziano hat für mich auch mit dazugehört. Aber hier ist er erstmal jetzt mit einem anderen Lied, mit California Dreaming.
Jetzt kommen wir zum Rolls-Royce, der internationalen Stars in der DDR zu Keith Jarrett. Keith Jarrett ist ein Klavierspieler und egal, auf welche Musikrichtung man steht, ist es im Fall, sich in jedem Fall zu sagen, dass man Keith Jarrett gut findet. Zumal, wenn man noch mit einer Frau Sex haben wollte oder sie zumindest küssen wollte, wer gesagt hat, dass er Keith Jarrett scheiße findet, der konnte eigentlich von einer Party gehen. Der brauchte da nicht mehr dabei zu sitzen, wenn alle schön auf dem Fußboden gehockt haben, ihr Weinchen getrunken haben. Wein war einfach das Getränk, was man mitnehmen konnte, was man kaufen konnte und mitnehmen konnte. Das gab ja in dem Sinne kein Fassbier, so in einer Wohnung. Und Schnaps, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, wieso wir Wein getrunken haben auf den Partys, aber das war auf jeden Fall so. Und erst recht bei Keith Jarrett. Keith Jarrett und Wein ist im Prinzip eins. Da saß man dann auf Fellen oder auf Teppichen, hat andächtig gelauscht und dabei ist mir aufgefallen, dass Keith Jarrett atmet und so mitstöhnt. Und das hat mir das ganze Konzert versaut. Ich war jetzt nicht live dabei, aber schon von der Platte, und so, und dann hat er so mitgefühlt und so, und das gehört irgendwie für mich nicht zur Musik, obwohl es natürlich so mit dazugehört, aber ich fand das irgendwie zu menschlich und zu intim, dass man jetzt seine Atemgeräusche da mithört. Ich hatte da wie so ein Fremdschämen, weil er so atmet und mitfühlt oder so, das ging mir eh mal schon so, als ich mal beim Flötenkonzert war, beim Querflötenkonzert, als wir mal auf Usedom waren. Wussten wir mal abends nicht, was wir machen sollten und wollten nicht immer uns nur betrinken und sind mal in die Kirche gefahren zum Konzert nach Benz. Das heißt genau Benz wie der Mercedes, das fand ich schon mal total geil. Da sind wir in die Kirche gefahren und es war Sommer, heiß, gute Stimmung, knackenvoll und dann waren da ein paar Mädchen, die standen da vorne mit ihren Querflöten und haben so gespielt und mussten ganz tief Luft holen, damit sie die Luft haben, eben zum Querflöten spielen. Und da konnte ich auch das Konzert nicht mehr genießen. Ich habe nur immer gewartet, gebannt, bis das nächste kommt. Und dann irgendwann war das Konzert zu Ende. Ich weiß nicht, ob es Bach war oder sonst was. Eigentlich war es total schön, wenn nicht das Atmen gewesen wäre. Das ist schlimm, dass man sich dann darauf konzentriert. Und ich hoffe, ich habe Ihnen das Lied nicht versaut, dass Sie jetzt darauf hören, wie Keith Jarrett jetzt mitatmet und stöhnt. Hier ist er.
Und ich gebe ja zu, dass nicht alles gut war im Osten. Aber eins war gut, nämlich, dass die Kneipen um elf schlossen. Also der Franke schloss um elf oder so und die anderen an um zwölf oder kurz vor eins. Weil da spart man sich diese ewige Kneipensitze die ganze Nacht durch. Also es war auch schon ein Vorteil, dass es so wenig Kneipen gab. Also im Prinzip drei oder vier, in die wir gehen konnten. In den anderen sind wir nicht bedient worden oder es war auch nie Platz oder sonst was. Aber wir hatten den Rechenberg, den Franken, wie gesagt. Alt-Berliner Bierstuben konnten wir rein. Und das Schöne war eben, also im Franken war es so, dass um elf war wirklich die letzte Runde um zehn vor elf und um elf war Schluss und alle mussten gehen. In der Kneipe waren ungefähr, ich würde sagen 130 Mann drin, ich kann das schlecht abschätzen, aber mir kam es unheimlich viel vor, weil die Leute standen ja auch dicht gedrängt und dann kam die Frage auf, was machen wir jetzt? Und ich habe es nie erlebt, dass nichts passiert ist, sondern irgendjemand hat immer gesagt, lass uns zu mir gehen. Und auf die Art und Weise bin ich in die interessantesten Wohnungen gekommen. Die Wohnungen waren so riesig, das war unfassbar, weil ab 87 begann ja die Ausreisewelle und wenn einer ausgereist ist, hat sich der Nachbar im Allgemeinen die Wände durchgekloppt und hat seine Wohnung verdoppelt. Und die waren so große Wohnungen, die sich jetzt höchstens noch irgendwelche Immobilienverbrecher leisten können oder so. Da gab es sechs Zimmer mit Balkon und weiß eh was alle. Und da saß man dann da und hat die Leute, die man noch nicht kannte, im Gespräch so kennengelernt, sich die Wohnung angeguckt. Ich habe manchmal versucht, noch was zu kochen, was ja auch nicht einfach war, weil die Zutaten auch limitiert waren. Aber man kann auch aus altem Brot was leckere Braten, also indem man Brot einfach in Scheiben schneidet und in Öl anbrät oder so. Und da saß man dann und hat Musik gehört. Und da habe ich Bands kennengelernt, wie Tom Waits, Nick Hew, eben dieses ganze schräge Zeug, was die sogenannte Szene da gehört hat. Und dann habe ich manchmal versucht, mir eine Platte auszuborgen. Aber wer hat schon Platten verborgt im Osten? Also das war ja wie Goldstaub oder so, die hat man nicht aus der Hand gegeben. Und so hatten wir im Prinzip in unseren Kreisen einen Musikgeschmack und eine Musiksammlung und eine Kenntnis, die eigentlich offiziell gar nicht bekannt war oder nicht gewertet wurde.
Zu der Zeit waren die im Osten wirklich noch der Meinung, dass es Jugendliche gibt, die so was wie Dean Reed hören. Ich meine, wer hört denn Dean Reed? Außer wir jetzt. Das war Dean Reed mit dem Lied. Und wir sagen ja, Dean Reed ist ein echter Amerikaner, ob man es glaubt oder nicht. Und da haben wir eine klare Win-Win-Situation, weil Dean Reed hat gedacht, er kommt besser in die DDR, weil da hat er es so richtig gut. Weil da ist er ein absoluter Star und die DDR hat sich auch richtig gefreut über Dean Reed. Sagt, wir haben hier einen absoluten internationalen Star, einen riesen Amerikaner, der über der ganzen Welt spielen könnte. Und er kommt ausgerechnet in unsere superschöne DDR, weil es hier so gut ist, dass er sein ganzes Amerika sein lässt und seine sogenannte Freiheit und das alles, weil er bei uns in der DDR wohnen will, weil es da absolut schön ist. Er war mit Renate Blume zusammen, was ja auch eine der schönsten DDR-Frauen war. Und er hat aber merkwürdigerweise mal im Interview gesagt, er liebt sie, weil sie so schöne Zähne hat. Und so eine Detail-Schönheiten bei Menschen sagt man eigentlich nur, wenn der Rest nicht so schön ist. Also bei irgendeinen Frauen, die jetzt nicht so geglückt aussehen, sagt man, die haben schöne Augen, weil man ja etwas Positives sagen will. Ich bin der Meinung, hässliche Frauen gibt es generell nicht oder so. Es gibt nur hässliche Situationen oder so, aber nicht hässliche Frauen. Und ich bin immer sehr misstrauisch, wenn mir jemand sagt, dass ich irgendwie so schöne Hände habe oder so, weil das heißt dann, dass der Rest dann nicht so gut ist oder diese Detailsachen, da sollte man sehr vorsichtig sein. Mit Renate Blume und Dean Reed ging ja auch nicht so gut. Irgendwie gab es ein Zerwürfnis und er hat sich dann wegen ihr unter Tabletten im Eichwalder See ertränkt. Das war dann das Ende der Karriere des Dean Reed, was ein bisschen schade war, aber die haben ja auch noch mehr Bands.
Und hier ist noch eine Band, die in der DDR eigentlich beliebter war als da, wo ich weiß gar nicht so, wo die jetzt herkommen. Was wollen wir trinken? Ist echt eine gute Frage. Die Band heißt Boots. Ich weiß nicht, ob die aus Amsterdam kommen oder so. Ich weiß noch nicht, was Boots heißt, weil Schuhe heißt ja Boots und wäre Englisch mit zwei Os und die heißen Boots nur mit einem O. Oder ich habe es falsch so aufgeschrieben, ich weiß es nicht. Jedenfalls sind es die Boots. Mit was wollen wir trinken? Das kann natürlich sein, dass das Lied wieder jemandem bekannt vorkam. Mir ja, also ich habe es erkannt mehr oder weniger, denn es gibt eine Version von Scooter. Scooter ist ja ein deutscher Künstler, der aber auch sehr gerne im Ostblock spielt, wie er erzählt hat. Also ganz besonders in russischen Gebieten, in der Ex-Sowjetunion. Da bringen die sich dann auch ihre Frauen mit, das kennt man ja auch von den Scorpions. Und da spielen die oft im Stadion, wo aber keine Menschen rein dürfen, unten aus Sicherheitsgründen oder so. Oder auch weil die Staate noch viel zu groß sind. Und dann stehen sie und spielen vor leerem Raum im Prinzip. Und ganz hinten in den Rängen sitzen dann die Menschen. Die sagen, das ist sehr befremdlich am Anfang. Aber andererseits gesehen sind es doch noch viel, viel mehr Menschen, als in Deutschland zu kommen oder so. Und so spielen die so eine Art Geistertour durch die Ex-Sowjetunion, von Kamtschatka bis Norvosibirsk und spielen da ihre Bands. Das stelle ich mir auch ganz interessant vor. Als wir mal in Russland waren, waren wir auch mal in einem Stadion, wo ich da rumgestromert bin und habe dann hinter der Bühne so ein altes Plakat gesehen von 1986, das die Pudis da gespielt haben. Und dann haben die gespielt 17.06., 18.06., 19.06., 20.06., ich glaube auch 22.06. Und da habe ich gedacht, Mann, oh Mann, wir denken hier, wir sind eine große Nummer und die Pudis, die haben hier zwei Wochen hintereinander gespielt in dem Stadion. Da merkt man mal, was man manchmal für Vorurteile hat und wie sehr man sich irren kann.
Nächste Band ist aus Chile. Inti Illimani heißt die Band, El Libertad heißt das Lied. Man müsste sogar verstehen, was das heißt. Die Freiheit, die Freiheit, fragte, wo geht's? Chile ist unendlich weit weg. Ich hatte da meine ganze Kindheit lang so romantischen Vorstellungen. Ich dachte, das ist so was ganz Exotisches, wo die Indianer langsam durch Wüsten schleichen. Und irgendwann bin ich dann hingefahren, wir hatten ein Konzert, bin ausgestiegen und das hat aus wie in Gera oder so, oder irgendwie Leipzig, also wie so eine ostdeutsche Stadt, wie ich die von früher kannte, alles ziemlich leer und so eine schlichte Diktatur. Und da war mir das Land auf einmal extrem nah. Also man sieht, dass es irgendwie Paralitäten zwischen der DDR und Chile gibt oder gab. Ich habe mich da sofort gefühlt wie in meiner Kindheit. Bin da so durchgelaufen und die Chilenen, die ich kenne, also mein Freund, der ist ja emigriert und die Kommunisten, die fliehen mussten, sind verteilt worden. Es sind welche nach Ostdeutschland gekommen und welche nach Westdeutschland. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien es ausgesucht wurde, ob die das beeinflussen konnten oder ob die einfach verteilt wurden. Jedenfalls, mein Freund kam erst mal nach Lüttenklein bei Rostock und das muss für ihn dann gar nicht so ein Schock gewesen sein, wie ich gedacht habe. Wenn man von Santiago de Chile nach Lüttenklein kommt, sieht es fast ähnlich aus. Aber es ist natürlich doch für normale Menschen, er ist auch ein normaler Mensch, es muss doch für einen Ausländer sehr schwierig sein, in Berlin anzukommen. Also gerade wenn das der erste Eindruck ist, den man von Deutschland kriegt, stelle ich mir das sehr schwierig vor. Das fängt mit den Taxifahrern an, wenn man in Tegel aussteigt und diese spezielle Herzlichkeit der Berliner Taxifahrer ist nicht jedermanns Sache. Dann fährt man den Saatwinkler Damm lang. Das ist alles nicht wirklich schön. Und wenn man irgendwie nach Berlin reinfährt, egal auf welcher Straße, das ist nicht schön und man denkt, was kommt denn da? Das ist immer ein ganz schöner Schock, wenn man dann in Berlin ist, erstmal geht. Aber die Chilenen, die ich hier kenne, haben sich hier auch sehr gut eingelebt.
Jetzt zu einem Künstler, der auch deutscher ist und es gab viele westdeutsche Künstler oder einige, die auch im Osten fast beliebter waren als im Westen, gerade wenn sie sehr links gerichtet waren oder die Liedermacher, die sogenannten, die gegen die Missstände im Westen angesungen haben, haben bei uns im Osten natürlich offene Türen eingerannt. Hier ist Hannes Wader. Bei mir hat das Lied geklappt, weil diese Gitarre hat mich gepackt und der Text hat mich als Kind erwischt und er hat bei mir seinen Adressaten gefunden. Auch wenn ich jetzt erwachsen bin, rege ich mich immer noch über Ungerechtigkeit auf. Und die Frage ist ja wirklich, was von dieser Geschichte ist wahr und was nicht. Weil um eine ausgedachte Geschichte zu sein, ist es zu oft erwähnt und zu detailliert beschrieben. So fingen die Leute an zu forschen, was da passiert ist und haben Flöten genommen und Ratten bespielt. Also verschiedene Flöten, verschiedene Töne und haben lange Experimente gemacht, um zu sehen, ob es irgendwelche Töne gibt, denen die Ratten folgen. Richtig wissenschaftlich, empirisch belegt, das Ergebnis ist nein. Den Ratten ist völlig egal, ob man flötet, pfeift oder sonst irgendwas macht. Aber mit diesem Kinderauszug hat man mehr rausbekommen, denn in dieser Zeit gab es eine Art von Kolonisation, wo die Leute in den Osten zogen und aus dem Weserland sind die in die Richtung rund um Berlin, also in die Uckermark und bei Pasewalk, deshalb heißt es Spiegelberg bei Pasewalk. Also der Ort heißt jetzt Spiegelberg, weil es auch im Weserbergland eine Grafschaft Spiegelberg gibt. Und Hammelspringen zum Beispiel, da fährt man durch, wenn man nach Templin fährt, heißt eigentlich, da entspringt der Fluss. Aber es gibt da keinen Fluss, der Hammel heißt, aber es gibt von Hameln, Rattenfänger von Hameln und Hammelspringen. Das heißt, die Leute gehen davon aus, dass da die Leute oder die Kinder, Familien dahin gezogen sind, um dieses unfruchtbare Land rund um Berlin zu bevölkern. Das hat Professor Udolf rausgekriegt, das ist sich auf meinem Mist gewachsen, aber ich finde das klingt sehr plausibel.
Wenn Hannes Wader die Beatles der Liedermacher ist, dann ist Konstantin Wecker die Stones. Konstantin Wecker habe ich live gesehen. Ich war im Friedrichshain zum Pressefest. Ich weiß auch nicht, welche Zeitungen da Pressefest gemacht haben, aber das war immer im Sommer, das hieß so. Und es hat gegossen. Und es hat nicht nur geregnet, also es hat richtig gegossen. Es hat so gegossen, dass man eigentlich die Bühne von den 20 Metern, die ich davor stand, fast nicht mehr sehen konnte, weil da die Regenstrippen dazwischen waren. Und immer, wenn ich mich an diesen Tag zurückerinnere, ist das ein unheimlich schönes Erlebnis. Ich sehe da von meinen Augen noch diese Farben der Scheinwerfer und sehe ihn da sitzen und spielen. Und ich habe völlig vergessen, dass ich klitsche, klatsche, nass war oder dass mir kalt war oder irgendwas. Ich habe nur dieses Gefühl und diese Musik, diese hämmernden Akkorde, wie er da saß. Und das tröstet mich immer so ein bisschen. Wenn wir spielen zu Open Air, habe ich das Gefühl, zu 80 Prozent regnet es in Strömen. Und wir sitzen hinter der Bühne in so einem Container drin und da ist es trocken. Auf der Bühne selbst ist es meistens auch trocken. Und ich denke immer, Mensch, die armen Fans, die stehen jetzt da und sind klitsche, klatsche, nass. Die stehen da schon seit vier Stunden oder so. Aber ich tröste mich, wie gesagt, damit, dass mir das so was von scheißegal war, als Konstantin Wecker gespielt hat. Dass so was wie Regen oder Wasser oder Kälte kann gegen so ein Erlebnis wie so ein beseeltes Klavierspiel und uns zu einer verrückten Songs überhaupt nicht ankommen. Konstantin Wecker hat ja angeblich auch nachgeholfen mit seiner Stimmung, mit Substanzen. Ich weiß nicht, ob dadurch irgendwas besser oder schlechter geworden ist. Für ihn selbst war es bestimmt nur anstrengend und schlecht. Und die Musik war, glaube ich, auch schon von Anfang an total gut. Und es ist irgendwie schade, wenn irgendjemand irgendwann mal Drogen genommen hat, dass der dann als erstes kommt, wenn man an einen denkt oder so. Hier Daumen hat mit, weiß ich, mit wem hier guckt oder so. Und Daumen und Konstantin Wecker, na toll, die Musik ist einfach der absolute Wahnsinn.
Aber jetzt geht es um Bands, die in der DDR gespielt haben und da bekannt waren. Und dazu gehört auch Louis Janaret, obwohl er wahrscheinlich auch jetzt unter DDR-Leuten nicht so bekannt ist, wie ich mir jetzt denken würde. Aber hier ist er erstmal. Ich habe Louisiana Rett im Franz Club gesehen. Dienstags war Blues im Franz. Da habe ich mich einfach mit angestellt, mit in die Schlange. Ich hatte keine Freunde, die da mitgegangen wären. Und da habe ich mich einfach zu so einer Gruppe gestellt. Und es ist nie aufgefallen, dass ich erst 13 bin oder so. Ich habe mich dann einfach auch bezahlt, habe mein Geld gegeben. Und das Lustige war, dass die Eintrittskarten waren wie die alten Straßenbahnfahrkarten. Die waren so aufgerollt und man hat da einfach so einen Schein so abgerissen gekriegt. Ich glaube, es hat zwei Mark und fünf Pfennige Kulturbeitrag gekostet oder so. Und dafür hat man ein 1A-Konzert geboten gekriegt. Seit 1966, als das American Folk Blues Festival in Ostberlin etabliert wurde, hatte die DDR ja einen guten Kontakt zu den amerikanischen Blues-Künstlern und hat viele spielen lassen, die wirklich schon völlig vergessen waren. Das gibt ja die Geschichte von den Stones, die nach Chicago ins Chess-Studio kamen, um ein paar Titel aufzunehmen. Und als sie durch den Flur gegangen sind, stand da so ein Mann und hat overall die Wände weiß gestrichen. Und das war dann Willie Dixon. Es gibt die Geschichte auch von The Band mit Maddie Waters. Ich weiß nicht, welche jetzt stimmt und ob das derselbe ist oder die beiden. Aber es ist ja egal. Willie Dixon ist danach nochmal in die DDR gekommen und hat gespielt, dass er in den USA eigentlich schon vergessen war. Und es ist ja einer der wichtigsten Musiker, der auch zwischendurch der Bassist von Chuck Berry war. Und der hat aber auch Bands beeinflusst wie Led Zeppelin, Ten Years After, die Black House und so weiter. Und hatte auch den lustigen Titel Don't Mess with a Messer. Aber den hören wir jetzt nicht, sondern wir hören jetzt Save My Child. Ein wunderschönes Lied.
Jetzt kann ich verstehen, weshalb Engerling im Blues vom Roten Haar noch gesungen hat. Gestern Nacht, da träumte ich, Willi Dixon kam zu mir. Als er wahrscheinlich schon gestorben ist oder so, haben die das Lied gemacht, dass sie von ihm geträumt haben, dass das Studio abgebrannt ist und die anderen Blues-Typen ein Solidaritätskonzert gemacht haben, Geld wieder zusammengespielt hat, damit sie wieder ein neues Studio errichten konnten. Memphis Slim ist auch ein Künstler, der mit DDR-Leuten zusammengearbeitet hat. Er hat mit Stefan Distelmann zusammen auf einer Platte gespielt. Memphis Slim war Klavierspieler oder lebt er noch, ich weiß ja nicht. Und wir hören jetzt von ihm den Grinderman Blues.
In Rinaldo Rinaldini, Schinder, Hannes, Orlandini und besonders Carlo Moore nahm ich mir als Vorbild vor. Und verliebt mit er zu melden, habe ich mich wie jene Helden und das schönste Frauenbild spukte mir im Kopf für wild. Warum ich das Gedicht jetzt vorgetragen habe, ist ganz einfach. Da ist die Übersetzung drin von Grinderman und Rinaldo Rinaldini ist es nicht. Also kann man sich mal vorstellen, was das heißt, Grinderman. Ich habe auch überlegt, was jetzt soll, als Nick Cave auf einmal nicht mehr Nick Cave and the Bad Seeds hieß, sondern Grinderman und ich wollte mir das in Australien unbedingt angucken, als wir da zusammen gespielt haben und habe alle gefragt, wo Nick Cave spielt, auf welcher Bühne und da haben die immer gefragt Nick who, also die kannten Nick Cave nicht, wo ich wieder gesehen habe, dass man oft im eigenen Land weniger bekannt ist als in einem anderen Land. In der DDR oder in Deutschland ist Nick Cave der absolute King, also zumindest in unseren Kreisen gewesen oder ist es immer noch und in Australien, wo er eigentlich herkommt, da kannte den keiner, das hat mich schon ein bisschen gewundert, aber gerade das Lied, was wir jetzt hören, The Mercy Seat, ich glaube nicht, dass es jetzt irgendjemand in Ostberlin gibt, der das Lied nicht kennt.
Nicht nur dieser Stil ist bei uns beliebt gewesen, sondern auch moderne Musik oder höchst moderne Musik, Synthesizer Musik, Ja-Michel Ja, sage ich nur als Stichwort. Ich weiß bis jetzt noch nicht, wie der die Töne gemacht hat. Wir haben das gehört, das war für uns auch eigentlich Weltallmusik, die in die DDR kam. Ich verabschiede mich dabei auch gleich, fliege zurück ins Weltall, Nee, klingt jetzt Quatsch. Und wünsche Ihnen eine schöne Zeit, eine schöne Woche und machen Sie es gut. Tschüss, hier ist Oxygen.