Toggle menu
Toggle preferences menu
Toggle personal menu
Not logged in
Your IP address will be publicly visible if you make any edits.

Flake talks about recognizable songs.

Transcript

Guten Abend. Heute jetzt endlich mal wieder um Musik und zwar um bestimmte Titel, um Titel, die, ja, jetzt fehlt mir da das deutsche Wort. Es ist schwierig, wenn man Musik macht, kommt man irgendwann nur noch mit englischen Wörtern in Berührung, was zu so einem Schwachsinn führt, dass man, wenn man auf Tour ist, hat man Begriffe wie Load in und Load out, was einladen und ausladen heißt. Und das Bekloppte daran ist, dass man spricht jetzt nicht Englisch, sondern man sagt einfach, wann ist denn heute Load-In und wann ist heute Load-Out? Also dann kann man auch sagen, also es ist völlig bekloppt, dass sich die deutsche und englische Sprache so mischt, dass es völlig schwachsinnig wird an einer Garderobe, wenn da ein Zettel klebt, der heißt The Day Sheet, kann man auch einfach Zettel sagen und da ist die Schedule drauf, was wohl Schedule ausgesprochen wird. Ich weiß nicht, was der Schwachsinn soll. Man könnte ja auch irgendwie so sich unterhalten, dass man was versteht. Aber die gehen davon aus, dass man als Musiker nur mit Englisch sprechenden Menschen zu tun hat, als ob die Musik nur in England, von Engländern gemacht werden kann. Da fühlt man sich schon ein bisschen als Außenseiter, sag ich mal.

Aber heute fällt mir kein anderes Wort für die Lieder ein, außer was Englisches. Ich sage mal Icon, ist völlig falsch, das heißt ja Ikone auf Deutsch oder so, aber ich meine ein Lied, wo man nur gesagt bekommt, um welches Lied es geht und man weiß sofort, was einen erwartet oder man hört einen Ton und weiß, ah, das ist es, ah, das ist es. Wo man sofort den Moment vor Augen hat, wenn man die zum ersten Mal gehört hat oder als das rausgekommen ist oder wie das damals war, als man getanzt hat. Es gibt auch Menschen, die sehen das dann in Farben oder Gerüchen oder so. Einfach, wenn so ein knalliges Ding kommt, dass sofort die Gedanken daran gelenkt werden.

Das hatten die wahrscheinlich mal vor Augen, dieses Gefühl, dieses Ziel, als sie kurz nach der Wende in Potsdam hier einen Banner über die Straße gespannt haben, da stand drauf, denkst du, ähm, ich will sagen nicht mehr, wie das hier ist. Ich sag, du denkst Opel, denkst du Pigorsch? Ich sage für meinen Teil sehr selten Opel und ich denke auch nicht Opel. Ich weiß gar nicht, was das soll. Das war wahrscheinlich die Werkstatt, die Pigorsch hieß oder das Autohaus. Der Mann hieß Pigorsch, der tut mir jetzt sehr leid, der ja Pigorsch, aber ich glaube nicht, dass jetzt so ikonisch war, dieser Zettel, dass alle Leute, die da langgefahren sind, gedacht haben, Opel, ich gehe zu Pigorsch oder so, weil ich weiß gar nicht, ob irgendjemand überhaupt je in ein Opel, ohne dass ich jetzt so negativ Reklame machen wollen würde, aber ich denke, dass ein Opel eher ein Auto ist für so arme, traurige Rentner, die irgendwie gar nichts mehr merken, aber irgendwie noch den Eindruck erwecken wollen, sie nehmen noch am Leben teil oder so. Aber wir wollen heute über das Umgekehrte reden, über Icons.

Das war Tanita Tikaram und ich wusste weder wie sie heißt noch wie das Lied heißt, als ich das rausgesucht habe, aber deshalb spiele ich das heute, weil ich habe gesagt, ähm, hallo, weiß irgendjemand, wie das Lied mit der Oboe heißt? Da kam es wie aus der Pistole, ja, Tanita Tikaram, Mosen, Twisten, My Sunrise oder so. Und ich sage, aha, man muss nur sagen, Oboe, zack, schon ist der Titel da. Und solche Lieder will ich heute suchen. Tanita Tikaram klingt sehr exotisch, der Name, aber sie ist geboren worden in Münster, wo unsere beiden Tatortfreunde herkommen. Also da kommen die so gar nicht her, aber der Tatort, der spielt da. Und sie war da, ihr Vater war ein indischer Einwohner der Fidschi-Inseln und die Mutter war Malaysierin und die sind nach England gezogen, haben sich da kennengelernt und sind nach Münster gefahren, weil da die englische Armee stationiert war und da hatte der Vater zu tun. Und Tanita Tikaram wurde dann wirklich im Militärhospital in Münster geboren. Das sind Sachen, die kann man wissen, muss man aber nicht.

Jetzt kommt das nächste Lied und man kann mal schon überlegen, warum ich das wohl ausgewählt habe. Es ist nämlich das Schwierige, dass man das zur richtigen Zeit macht. Ich habe das mein Leben lang probiert auf Partys oder auf der Disco. Ich war nicht auf der Disco, habe ich jetzt übertrieben. Aber wenn ich das Lied mal gehört habe mit Freunden oder Familie, war immer der große Wettstreit, wer schafft es an der richtigen Stelle zu machen, weil später kommt man oder so. Ich habe es nicht richtig hingehört. Also das Lied habe ich lange verfolgt. Und ich, wie ich dann erst später festgestellt habe, das Lied mit dem Tsch-Tsch-Tsch ist anscheinend das Lied für eine ganze Generation. Denn es gab mir jetzt einen Film raus, das Pubertier mit J.J. Liefers, der ganz in Ordnung ist, solange er nicht singt. Und der ist da der Vater, stellvertretend für meine Generation im Prinzip. Und als der Vater seinem Kind mal ein bisschen näher kommen will, was macht er? Er spielt dieses Lied und tanzt auf, also ich würde sagen, auf peinlichste Art und Weise dazu. Ich hätte es aber keinen Deut besser gekonnt, also eher noch viel schlechter oder so. Und das ist eigentlich das Lied für die Generationen, die so alt sind wie ich. Und die Jugendlichen, die können damit gar nichts anfangen und die haben sich fürchterlich so pubertiert in dem Film. Ich fand, also das Pubertier als Filmtitel ist schon sehr schwierig.

Aber die Pubertät ist was irre Interessantes und ich habe nicht gewusst, dass bis zur Pubertät Jungs und Mädchen so gut wie gleich sind. Also die unterscheiden sich fast gar nicht voneinander. Körperbau, Sicht und Stimme und so ist alles gleich. Die haben nur natürlich die noch wenig entwickelten äußeren Geschlechtsmerkmale, an denen sie sich unterscheiden können. Aber es war wirklich, es gab Versuche im Sportunterricht, wo die Klimmzüge machen sollten oder irgend so was. Und als die Klassen zusammen waren, waren die Jungs viel, viel, viel besser als die Mädchen. Habe ich nicht schon mal erzählt. Also egal, es sind ja vier Wochen vergangen. Und als sie dann die Jungs rausgeschickt haben und die Mädchen das nochmal alleine machen lassen haben, da waren die Mädchen besser. Die hatten genau dieselbe Kraft wie die Jungs. Also alle geschlechtsspezifischen Unterschiede sind nur anerzogen. Natürlich wollen die alle gleich sein und sind sich fast gleich. Erst mit neun bis elf Jahren kommt irgendwie so ein Hormon in der Nebenniere, so ein Botenstoff. Und das sorgt dann dafür, dass sich der Körper verändert, dass Keimdrüsen gebildet werden und dass die dann irgendwie reifen und übernehmen die Produktion der Sexualhormone, die ins Blut abgegeben werden. Und damit verändern sich Jungs und Mädchen in einem Maße, wie wir das dann so als Erwachsene kennen.

Wir bleiben bei Kindern, denn was ist Musik ohne Kinder? Da waren es ein Neif, ein Geschwisterpärchen aus Schweden. Ich weiß nicht genau, ob das jetzt wirklich so Kinder waren, aber an diesem Chor, wegen diesen Stimmen, habe ich mir das Lied gemerkt und immer wieder erkannt und dachte, ah, wenn das Lied jetzt mit den Kindern kommt, das ist dieses. Ich hätte auch Video und Need You Education von The Wall, von Pink Floyd spielen können. Da singt ja auch eine echte Schulklasse. Wir brauchen keine Lehrer und so, wenn man das aufs Deutsche übersetzt. Und wir haben, als wir in der 10. Klasse waren, wollten wir auch unseren Lehrern sagen, dass wir sie nicht brauchen und leave the kids alone, also lasst uns in Frieden und so. Und dachten, jetzt machen wir mal richtig was Kreatives, was Schärftes und singen in der Schule, im Unterricht, dieses Lied, we don't need no education, we don't need no thought control. Ja, da hat es schon oft gehört, self-control, ich weiß nicht, was die Kinder nicht noch brauchen. Irgendwas war noch in the classroom. Und leider war bei uns ja das Englisch eine Art fakultativ und man durfte nur Englisch lernen, wenn man sehr gute Zensuren hatte und nur vier oder fünf aus einer Klasse wurden zur Englischklasse geschickt. Und die war dann wie zur Strafe auch noch in einer nullten Stunde, dass man dienstags um sechs aufstehen musste, wenn man noch Englisch lernen wollte, dann völlig übermüdet diesen Quatsch im Fernsehen da gesehen hat mit Pat Old und Tom Young. So blödere Namen gibt es ja kaum. Und so konnten wir alle den Text nicht und unsere Revolte vor den Lehrern ist einfach mal so schief gegangen aus Grund von Blödheit, sag ich mal.

Und jetzt kommt auch nochmal eine Revolte musikalisch, wo auch keiner weiß, ob das nur geklappt hat oder nicht. So und zwar noch ganz gut zu erkennen, das Lied eher schon nicht mehr. Also Sympathy for the Devil. Ich habe die Original-Version so oft gehört, dass es mir im Prinzip völlig in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ich kann da jeden Ächzer, jedes Luftholen, jedes kleinste Ding so mitsingen. Und auf einmal kam dieses Lied im Radio und dann war das für mich so wie Sport, weil mich hat es so richtig zerrissen. Weil ich dachte, jetzt kommt diese Stelle und auf einmal machen die da ein Loch und da fällt man dann richtig rein. Das ist also für mich eine physische Anstrengung, dieses Lied zu hören. Ich finde es nicht schlecht oder so, ich finde es sehr interessant, aber es ist ja völlig anders und es ist was passiert, was man eigentlich, was ich davor so gar nicht kannte. Dass man die Stimme gelassen hat, ich habe im Kopf dann noch die Stimme und die machen ganz andere Akkorde dazu, damit, das ist wie, wenn man aus dem Bild von Da Vinci oder wie weiß ich, oder, wer waren die, Madonna, Sixtinische, war der von Gott, war natürlich nicht, das weiß ich ja. Jedenfalls, man schneidet einfach diese Madonna aus und klebt die auf ein Bild von Picasso. Das wäre auch Quatsch, das wäre dann so ein Bastard-Mix oder wie man das nennt, wenn man zwei Musiken mischt oder man klebt es auf ein anderes, also man klebt den kleinen Kasper bei Picasso aus und klebt ihn auf ein anderes Bild. Irgendwie Sachen, die nicht zusammengehören, in der Art aber doch, weil sie von denselben Menschen sind und also wird was zusammengefügt, im Prinzip Konstruktivismus oder so, irgendwas völlig Neues entsteht, was eigentlich nicht geht. Wenn wir im Studio ein Lied gemacht haben, da haben wir die Strophe gespielt und Till hat darauf gesungen und dann haben wir an der Strophe einen Ton geändert oder so, dass es ein bisschen anders klingt oder ein bisschen gebundener gespielt, dann musste Till die Strophe dann nochmal singen, damit es wieder zusammenpasst oder so, weil man nicht an der Musik was ändern kann, wenn der Gesang schon drauf ist. Und die Stones haben ganz frech, auch sehr mutig, im Remix einfach völlig eine neue Strophe an den alten Gesang drauf gelassen. Das ist eigentlich wie eine Transplantation. Also das an sich ist eigentlich schon was Besonderes in der Musiklandschaft.

Mir ging es aber um das Huhu und die Stones haben noch was Tolles erfunden. Das war der Produzent angeblich und eigentlich müssten wir nur den Anfang vom Lied hören und dann wissen wir Bescheid. Wilden Westen, die auf die Idee gekommen sind, die Kuhglocken auch als Musikinstrument zu verwenden oder so. Ich weiß doch nicht, ob das die beste Idee war, die man jetzt haben konnte, an das Schlagzeug sich eine Kuhglocke ranzubauen. Ich weiß, dass wir das alle brauchten als Jugendliche. Wenn wir eine Band hatten, musste auch eine Kuhglocke gekauft werden. Aber eigentlich nur, um damit dieses eine Lied nachzuspielen. Und das haben wir so oft gespielt und gehört, dass ich wirklich ernsthaft überlegt habe, ob man das auch im Radio bringen kann oder ob es schon tot gespielt ist. Aber dann fiel mir ein, dass viele Jugendliche, die ja hoffentlich auch das Radio hören, das Lied vielleicht zum ersten Mal hören. Also das waren die Rolling Stones für unsere Jugendlichen. Ist so eine Altmänner-Band. Also früher, da waren sie jung. Und es ist eine Band aus England, die sehr gut ist. Und das Lied hieß Honky Tonk Woman. Es wäre klug, den Text nicht zu übersetzen, weil das ist so ein pubertärer. Obwohl, dann passt der wieder auf die Jugendlichen. Mit Sex auch was drin und so. Da gehe ich jetzt aber nicht mehr drauf ein.

Ich habe extra für die Jugendlichen jetzt auch ein Lied rausgesucht, was die Jugendlichen können und die Älteren, die können jetzt weghören. Yeah! Also das war mir viel Fall, das war Justin Timberlake. Normalerweise kommt da der Schlag mit der Snare-Drum, das ist die kleine Trommel auch genannt, die hat unten so eine Feder und die macht immer also, dass man so richtig draufhauen kann und das so laut nachschnarrt und er hat das mit der Stimme gemacht, das fand ich sehr beeindruckend und der Rest der Welt wohl auch, weil das ist einer der meistverkauftesten Songs. Justin Timberlake. Als Kind hat er bei Star Search gesungen, das ist sowas wie, Deutschland sucht den Superstar nur eben in Amerika und ohne Deutschland, aber er ist auch nicht genommen worden, er hat nicht gewonnen, er hat nur gesungen. Und dann ist er in der Karriere steil aufgestiegen, er ist in den Mickey Mouse Club gegangen, wo auch Christina Aguilera schon waren und die ganze Bande. Und da hat er dann auch aufgehört und ist gekommen zu N-Sync. Und also New Kids on the Block fand ich schon einen bekloppten Namen. Also einen bekloppten Namen, kann man jetzt so sagen. Dann gab es TX-Z, das hatte ich noch verstanden, nimm das. Und wie hießen die anderen? Backstreet Boys verstehe ich auch gut. Ich hatte mal die Idee, eine Bluesband aufzumachen. Und da habe ich in mein Lineal mit der Zirkelspitze Backstreet Blues Band so eingeritzt, mit Filzstift ausgefüllt und dann glatt gerieben, sodass im Prinzip wie eine Tätowierung im Lineal so zurückblieb. Und das war schon 1976 oder so, da habe ich schon die Backstreet Blues Band erfunden. Aber danach gab es die Backstreet Boys und dann gab es N-Sync. Da dachte ich, sind das die Vornamen von denen, wie bei den Pudis oder so. Aber wer heißt schon mit N? Nathan, fällt mir doch mal ein. Nuhr, Dieter Nuhr, naja, würde er da nicht mitsingen. Jedenfalls habe ich 10, 20 Jahre später, waren wir in Amerika im Studio und ich habe das Geschirr abgewaschen und das war verstopft, der Abfluss und da habe ich mit dem Finger im Abfluss gerührt und da war da so ein Schild, N-Sink und da heißt das Ausguss, weil da sinkt das Zeug irgendwie rein in den Dreck. Und N-Sync heißt Ausguss und N-Sync heißt auch In-Synchronizität, da habe ich mal das Wortspiel dann verstanden. Also Sync ist ein sehr, sehr lustiger Name. Da ist er dann aber ausgestiegen, hat selbst Musik gemacht und das hat man jetzt gehört. Und ich finde es gut, mal moderne Musik zu spielen und bleibt dabei.

Jetzt nicht das Geräusch nach, um das es mir hier ging bei den Toy Dolls. Das ist ja wohl ziemlich klar, was dieses Lied so besonders macht. Schwieriger war es bei dem Lied davor. Das war Sophie Tucker und ich hatte irgendwie die Vorstellung, die singt vom Berghain oder so, dass sie irgendwie durch Ost-Berlin rennt, weil wenn sie fragt, kommst du mit auf die Party? Dann sagt er so, ja, so oft klar. Also ich fand es, da singt klar, ein Deutscher singt dann mit so ein bisschen halb uninteressiert. Ja, ja, ja, ja. Und das fand ich gut, weshalb man in so ein Lied so einen stumpfen deutschen Tonfall nimmt, um zu sagen, ja, man kommt so mit auf die Party. Wenn man schon, also das macht, kann man das gleich auf Deutsch machen, das ganze Lied, wie hier im nächsten Lied, da geht es im Prinzip auch nur um eine Party.

Das Autor hinten ist wichtig, denn ab vier Minuten gab es bei Amiga einfach das doppelte Geld. Wir haben ja sowieso das Geld nur für vollgespielte Spuren bekommen und bis vier Minuten gab es normalen Satz und ab vier Minuten gab es, ich glaube, fast das Doppelte dafür. Deshalb haben wir eigentlich jeden Titel auf vier Minuten eins gebracht, damit wir wenigstens abkassiert haben, weil wir haben ja nach dieser Platte nur ein einziges Mal Geld bekommen, nach dem Einspielen eben so für die Spuren. Das Besondere an dem Lied war, dass es schneller wird, weil wir zum Teil auch von Hand schneller gespielt haben und dann hatten wir aber die Möglichkeit, dass man die Bandmaschine noch schneller drehen kann und dass man schneiden kann und das hat uns die ganze Platte im Prinzip versaut, weil wir kein Lied von vorne bis hinten gespielt haben, sondern immer irgendwas geschnitten haben, schneller gedreht und in unserer Begeisterung haben wir nicht gemerkt, dass die Stimme von Ayasha dann wie eine Mickey Mouse klang, weil wir so schnell gedreht haben. Und wir dachten, die schnellste Band ist auch die beste Band. Gerade bei Punkbands, hier, Black Flag war schnell, Dead Kennedys waren schnell, wir wollten noch schneller sein. Und da wir es nicht konnten, haben wir einfach das Band dann hochgedreht. Weiß nicht, ob es die beste Idee war. Das ist das Schöne an Musik, wenn es einmal gemacht ist und aufgenommen ist, dann ist es eben so und bleibt so. Und dann muss man damit sein Leben lang dann auch auskommen. Manchmal ist es natürlich gut, wie die Titel sind, dass man damit ein Leben lang auskam.

Gerade beim nächsten Titel, der ist so wegweisend. Also in meiner Generation wird es kaum jemanden geben, der den nicht kennt. Ich persönlich musste den auch oft nachspielen in irgendwelchen Bands. Und wenn man irgendwas bestimmtes, so eine Oktav, einen Oktavbass beschreiben will, dann sagt man einfach, macht er einfach so Mascheronamäßig. Das war The Knack. Für mich natürlich The Knack. Denn ich habe den Namen das erste Mal gelesen, als wir Westbesuch bekommen haben. Wir hatten entfernte Bekannte, die uns vielleicht einmal im Jahr, also die haben nicht uns besucht, die haben Freunde von meinen Eltern besucht. Und für uns sind dann die Geschenke noch abgefallen, die die Kinder von denen, die eigentlich besucht wurden, nicht wollten. Oder wenn es zu viel war und das gab irgendwie in den 80ern oder 70ern echte Schallplattencover in etwa Minidisc Größe und da war Kaugummi drin. Und ich hatte da eben die Platte von The Knack, die hieß The Knack. Und dann hatte ich noch Kiss, was ich natürlich sehr beeindruckend fand, weil da waren vorne diese vier lustigen Katzen hier sich da drauf, also der eine war die Katze, hier ist Lost in Space Ace und AC/DC gab es auch noch und so und da gab es dann eben die verschiedenen Platten, die haben wir uns angeguckt und die sahen so echt aus, weil das waren ja auch im Prinzip die echten nur in klein. Und habe vorsichtig die Kaugummiplatten da rausgezogen und da waren noch Rillen drin und da dachte ich, oh, das ist ja geil, ich habe das Lied, also ich kann das hören. Denn wir hatten im Osten ja auch Postkarten und die haben auch gespielt, also sogar doppelt. Ich habe, wenn ich keine Lust hatte, den Plattenspieler richtig anzumachen und laut zu machen, habe ich die Platten mit dem Finger, mit der Hand gedreht und habe eine Postkarte mit der Ecke in die Rillen reingehalten. Und da kam aus der Postkarte dann die Musik von der Platte raus. Ist das nicht Wahnsinn? Also ich konnte Platten hören ohne Plattenspieler. Ich hätte es im Prinzip sogar auf den Teppich legen können und rundherum fahren können mit der Postkarte, wenn ich es geschafft hätte, nicht rauszurutschen. Und wir hatten auch Postkarten von schönen Landschaften aus Thüringen oder Sachsen und da ist ich mit irgendeiner Kirche drauf und dann war da das Rennsteiglied drauf oder irgendwas und da konnte man die Postkarte mit dem Plattenspieler abspielen. Und dann dachte ich natürlich, dass man die Kaugummiplatten auch abspielen kann, weil im Westen machen die doch nichts, was nicht funktioniert. Das war ein Irrtum, wie sich dann rausgestellt hat.

Die Querflöte ist ja schon beeindruckend. Aber eine Welt, in der so ein Mensch, der so aussieht und so singt wie Alan Wilson, wenn der dann berühmter Sänger werden kann, die Welt ist eigentlich eine gute Welt. Normalerweise würde ich mir vorstellen, dass sowas gar nicht sein kann. Aber selbst ich war als Kind so fasziniert und auch als Jugendlicher von dieser Stimme, weil mir die so ans Herz ging und von seiner Art, Mundharmonika zu spielen und von ihm generell, dass ich gedacht habe, wenn ich mein Kind habe, dann nenne ich das auch Alan. Aber Alan Wilson wird ja A-L-A-N geschrieben und wenn ich meinen Sohn jetzt Alan genannt hätte, dann hätten alle gedacht E-L-L-E-N und das ist ja ein Mädchenname. Und ich dachte, wenn es mein Kind ist, wird es schon schwer noch jemand in der Schule haben. Da musst du nicht noch unbedingt einen Mädchennamen kriegen dann als Junge. Und als ich dann wirklich so Kinder gekriegt habe, habe ich gemerkt, dass meine Gedanken im Prinzip völlig unnötig waren, weil die Namen der Kinder suchen meist die Mütter aus, das mich ja nicht so sehr zu kümmern brauchen. Aber Alan Wilson, bemerkenswerte Stimme, ist er natürlich nicht der Einzige auf der Welt. Da gibt es noch viel, viel mehr.

Hank Williams. Und man hat manchmal das Gefühl, er heult wie ein trauriger Wolf den Mond an. Und jetzt kommt der Nächste, der sich gleich so benannt hat. Howling Wolf. Wer jetzt wegen seines Gesangs so genannt wurde, wie der heulende Wolf oder ob er sich nach einem Indianer benannt hatte. Denn es gab einen Krieger unter Häuptlingen Black Kettle, die Cheyenne-Kämpfer. Die sind in dieses Sand Creek Massaker gekommen und fast alle gestorben. Und er wurde als Kriegsgefangener dann eingesperrt und wurde zum Künstler in Ledger Art. Und Ledger Art ist eine indianische Kunst, die ich auch gar nicht so kannte, wo sie mit Stiften, also mit Zeichnungen und mit Bleistift und Tinte und das dann ausmalen und dann so im Prinzip so Zeichnungen, die ausgemalt sind, machen. Das ist die Indianerkunst und Ledger kommt von Ledger Books. Das waren die Kontobücher, die die Weißen mitgebracht haben und die die Indianer als einzige Papierquelle benutzt haben, weil sie da einzeln die Seiten rausgerissen haben und da ihre Zeichnungen drauf gemacht haben. Und so wurde er vom Kämpfer zum Künstler, der die Indianer so touristisch die Sachen verkauft hat und so. Aber er hat dann sich wieder getrennt vom Stil der Weißen und ist wieder Indianer im Prinzip geworden. Hat auch Peyote geraucht und hat wieder ganz traditionell als Indianer gelebt. Und ist dann aber bei einem Autounfall gestorben, als er auf einer Wild-West-Show aufgetreten ist. So spielt manchmal das Leben. Ich meine, Autounfall als Indianer ist ja auch komisch und dann noch eine Western-Show. Hätte, naja, man weiß auch nicht, hätte, hätte, hätte, hätte.

Jetzt kommt wieder was, wo man wieder erkennen kann, weshalb ich das gewählt habe. Ich sag mal Huhu. Die Dire Straits liefen immer auf Studentenpartys, wenn die Physikstudenten oder Geschichtsphilosophie Liebeseck, wenn die mal richtig verrückt sein wollten, haben sie sich die Dire Straits aufgelegt und dann so mitgewippt und huhuhu mitgemacht im Takt. Das war dann ein Zeichen ihrer äußersten Ausrastung. Ist aber auch ein nettes Lied, aber klingt gar nicht nach Ausrasten. Ist aber so gemeint, weil Dire Straits heißt erstaunlicherweise ernste Schwierigkeiten, wenn man sich das mal so direkt so übersetzt. Aber solche ernsten Schwierigkeiten haben sie wohl nicht im Leben gehabt. Ich habe das Gefühl, die gab es immer schon. Die sind so, die gehören irgendwie fest eingebaut ins Radio oder so, wenn man irgendwie irgendwas anmacht oder irgendeinen Filmbericht sieht, ist immer dieses Lied im Hintergrund und das ist auch kein Wunder, diese Band hat nicht 50 Millionen Platten verkauft, nicht 100 Millionen, egal, wie meine Tochter, 100 Millionen, die Band hat immerhin 120 Millionen Alben verkauft und das muss man erst mal schaffen und dann noch mit so einem Lied und auch noch eine andere Liedermacher.

Auf die nächste Band bin ich nur aufmerksam geworden, weil ich ein Video, eine Videosammlung hatte, weil ich mir ein paar Regisseure angucken sollte und einer von diesen Regisseuren war Spike Jonze und der hat für viele Bands Videos gemacht auf eine bestimmte Art und Weise, die ich cool fand. Ich kannte auch alle Bands nicht und dieses Video von dieser Band fing auf dem Kopf an. Also irgendwie stand der Raum auf dem Kopf und die Musiker und dann hat sich das richtig rumgedreht. Ich kann das sehr, sehr schlecht erklären. Und dann habe ich mir die Band so angeguckt. Dann dachte ich, was ist denn das? Das klingt ja geil. Und dann kannte ich ab da dann Visa. Auf Avedan. Und Sie werden sich jetzt bestimmt wundern, weshalb ich diesen Titel jetzt als unverwechselbar ausgesucht habe. Ich habe auch überlegt, ob ich irgendwas finden kann, was dabei unverwechselbar ist. Das habe ich natürlich nicht. Ich habe sofort gemerkt, dass ich einfach das falsche Lied ausgesucht habe. Aber hier ist das Richtige. So faszinierend, dass der Gesang so normal anfängt und dann rastet er völlig aus, jetzt steigert sich total bis zur völligen Unkenntlichkeit der Stimme. Ein bisschen ist es so wie bei Falco, bei Genie oder so, wie er hört, ja, wir sind hier im Wald, fängt er auch an, als souveräner Mann zu singen und irgendwann, ja, wir werden uns finden. Irgendwann dreht er dann total durch, das finde ich total gut, wenn man sich im Lied so eine richtige Entwicklung macht, dass man richtig so mitfühlen kann. Ich meine, Janis Joplin ist auch gut, die schreit leicht, das geht natürlich auch.

Und jetzt setzen wir uns alle zusammen mal auf den Boden, knien wir uns auf den Boden im Kreis und dann schlagen wir zweimal kräftig mit beiden Fäusten auf den Boden und danach klatschen wir einmal in die Hände und wieder, also so bumm, bumm, klatsch, bumm, bumm, klatsch. Schon die paar Takte haben in mir den Wunsch geweckt, auch ein Gitarrist zu werden. Aber dann habe ich noch andere Musik gehört, ein bisschen modernere, wie jetzt zum Beispiel kommt. Da dachte ich, vielleicht doch eher weg von der Gitarre hin zum Synthesizer.

Scooter, in mehreren Hinsichten bemerkenswert. Ich finde gut, dass es noch mehr Menschen gibt, die so schlecht Englisch sprechen wie ich. I want to see you sweat. Fällt mir besonders gut, aber die Namen hat er ganz gut so ausgesprochen. Ich weiß nicht, weshalb er sich selber Scooter genannt hat. Das kommt aus dem Englischen to scoot, heißt abhauen. Ich weiß nicht, ob er damit sich selbst meint oder das Publikum oder den Autoscooter, wo man so rumfahren kann. Da wäre es eine passende Musik im Hintergrund. Das will ich jetzt nicht gesagt haben. Das klingt ja fast schon so abwertend. Ich bin ein großer Fan von Scooter in jeglicher Form. Und denke aber, wir sollten mal wieder was, ich will nicht musikalischere sagen, aber ein anderes Lied.

Bei diesem Lied wusste ich nicht, von wem das ist oder so. Ich wusste nur, so kriegt man auch die Sendezeit rum. Und nach diesem Bom, Bom, Bom habe ich es auch gefragt. Und da sagten, ja, das heißt Pony. Da denke ich, ja, Pony, Pony, ob die das fährt? Man, die meinen bestimmt, das fährt. Und da fiel mir als erstes ein, das Leben ist kein Ponyhof. Das müssen Leute gesagt haben, die noch nie auf dem Ponyhof waren oder so. Wenn man sagt, das Leben ist kein Ponyhof, kann ich sagen, Gott sei Dank. Denn Ponyhof oder Pferdehof ist eigentlich das anstrengendste, was man sich so vorstellen kann. Diese Viecher müssen ja rund um die Uhr gepflegt werden, im Großen und Ganzen, bewegt werden, gekämmt werden. Hufe müssen sauber gemacht werden. Das Futter muss gemixt werden. Das alte Spreu muss raus, dann kommt wieder ein Tropfen Öl, dann kommt die Wurmkur, dann kommt der Zahnarzt, dann kommt der Hufschmied, dann kommt der Osteopath, wenn man Geld hat und eigentlich kann ich nichts, was zeitaufwendiger und anstrengender ist als ein Ponyhof und dann sterben die Viecher noch und dann kriegt man überhaupt kein Geld mehr und kriegt noch die Schuld, wird noch verklagt. Also wenn man jetzt der Ponyhofbesitzer ist, wenn man jetzt ein Pferd da hat, dann ist man ja nicht auf dem Ponyhof, dann hat man nur ein Pferd da, also für ein Pony ist das Leben auf dem Ponyhof bestimmt ganz okay, aber ich bin kein Pony. Wer auch Pony, als Schimpfwort, du Pony. Kann man es zu der Frisur sagen oder so, aber live in der Werner-Seelenbinder-Halle sehe ich gerade. Da kommt das nächste Lied her. Die Werner-Seelenbinder-Halle war unser Madison Square Garden und da waren die größten Konzerte von Depeche Mode, unter anderem auch Ton Steine Scherben. Und in diesem Fall ist es wirklich schade, dass sie die Werner-Seelenbinder-Halle umbenannt haben in Velodrom. Ich meine, wer sagt dann, ey, ich habe ein geiles Konzert live im Velodrom? Da sagt man, kannst du ja auch in den Boxring gehen oder Max-Schmeling-Halle? Also klingt alles völlig bescheuert. Diesmal kann man wenigstens noch sagen, hier sind Ton Steine Scherben live in der Werner-Seelenbinder-Halle.

Wenn man immer einen Riff immer wiederholt, wirkt es natürlich eindringlicher. Und man gibt der Sache so eine Dringlichkeit. Man sagt, hör zu, jetzt macht es dang, dang, dang. Immer wieder, immer wieder, immer wieder, dass man nicht entrinnen kann. Aber wenn man dann noch immer denselben Text mehrmals singt, wird der Text wirklich von der Wirkung her verdoppelt und verdreifacht. Er potenziert sich, weil man sagt es einfach nochmal, das ist wie wenn man schimpft. Hast du nicht gehört? Ja, ist ja Quatsch. Aber mach das nie wieder. Mach das nie wieder. Mach das nie wieder. Man kann natürlich auch was Nettes sagen, wie Thomas D. im nächsten Lied. Da ist genau derselbe Effekt, die Eindringlichkeit wird stärker durch das ständige Wiederholen. Man kommt in so eine Meditation, in so einen Groove rein, ich sag mal nicht, damit wir das noch schaffen, ab.

Das war Thomas D. und wir sind schon wieder fast am Feierabend. Ich habe heute eine Sendung gemacht, wo es um Bands gibt, die was Besonderes gemacht haben, die irgendwelche Geräusche gemacht haben, die irgendwas gesagt haben. Die einfach mal den Mut hatten, mal völlig was Ungewöhnliches zu probieren. Und so auch die letzte Band, die hat was völlig Verrücktes gemacht, die hat beim Singen gestottert. Sie wollte wohl eigentlich zeigen, dass die Jugend durch die Drogen so gehirnkrank ist, dass sie nicht mehr richtig sprechen können. Und ich weiß nicht, was die da geschluckt haben, dass man schon stottert von den Drogen. Aber ich finde es gut, dass sie mal gezeigt haben, dass man auch stottern kann und trotzdem singen kann. Aber das ist natürlich totaler Quatsch, weil die tun ja nur so, als ob sie stottern. Aber immerhin, so viel zum Mut. Und das wünsche ich ihnen auch. Und das ist jetzt schon wieder um. Und ich denke mir, nächstes Mal was Besseres aus. Versprochen, tschüss.