Die Sendung September 2021
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Flake talks about racing.
Transcript
Radio 1. Flake des Tastenfickers Podcast.
Herzlich willkommen. Da sind wir wieder. Ich habe festgestellt, man kann Sachen, die man selber gemacht hat, viel besser verstehen. Also wenn man selber mal ein Kind war und gespielt hat, auf dem Spielplatz Treppen hoch und runter gerannt ist, auf dem Treppengeländer hoch und runter gerutscht ist, also eher runter, dann versteht man, dass Kinder spielen wollen und müssen. Und wenn man dann erwachsen ist und die Kinder spielen, dann regt man sich eigentlich nicht auf, weil man weiß ja, dass man selber mal so gespielt hat und dass so ein Krach auch dazugehört, dass Kinder das ja nicht merken, dass das andere nerven könnte oder so und dass sie einfach spielen müssen.
Und wenn sie jugendlich werden und Partys machen und rumbrüllen und mal eine Flasche aus dem Fenster schmeißen, kann man das ab dem Moment, wo man selber mal jugendlich war und betrunken war und Flaschen aus dem Fenster geschmissen hat und Krach gemacht hat, kann man das auch verstehen und sagen, na klar, gehört halt dazu, ist halt so. Und wenn man dann älter wird und sich dann auch irgendwie ein teures Auto kauft, was das Neueste sein muss, irgendein Mercedes Kombi und seinen Blumen pflegt oder so, dann kann man auch ja nicht mehr auf die Spießer schimpfen, weil man weiß ja dann, wie es ist. Also man macht das ja dann selber und denkt, das ist doch das Beste, was man machen kann, dass man so ganz einfach sich um seinen Garten kümmert und um sein privates Glück und sich nicht mehr so aufregt und so.
Und eigentlich müsste man mit jedem Tag, den man älter wird, auch toleranter werden, weil man erlebt ja mehr, man kann sich in mehr Leute reinversetzen und so. Und da frage ich mich, wieso gibt es denn die ganzen Mecker-Opis? Wieso sind dann alle Leute so meckrig und schimpfen auf alles und meckern immer nur rum? Ich habe wenigstens schon früh angefangen mit Meckern. Also nicht erst, wenn ich alt bin, sondern ich fand immer schon ein paar Sachen blöde und am schlimmsten fand ich in der Schule oder so, ich weiß auch nicht, weshalb mich das jetzt aufgeregt hat, wenn alle Jugendlichen auf der Straße Turnschuhe anhatten, obwohl sie doch ja nicht gerannt sind, sondern ja keinen Sport machen wollten und trotzdem sich angemaßt haben, Turnschuhe anzuziehen. Ihr könnt mal aufregen. Und es gibt doch Straßenschuhe, die sind doch zum Laufen da, also für die Straße, aber die hatten Turnschuhe an, als ob sie – wer rennt denn schon auf der Straße? Und damit bin ich unversehens zu unserem Thema gekommen, nämlich, was macht man mit Turnschuhen? Man läuft.
My Sight heißt das Lied von Jurismics, ich hab gedacht, das heißt Run, Run, Run, weil sie sagt immer Run, Run, Run, Run, weil darum geht's ja heute, aber es heißt Town on my side eben. Und Jurismics ist eine Band, die sich nicht auch nur einfach so benannt hat, sondern Jurismics ist eine Anspielung auf die rhythmische Erziehung von Emile Jacques Delcrose. Weiß ich, wie man das auch spielt, der wird Franzose sein. Emile mit E Strich. Wie nennt man das? Oxangle, Oxangle Terrible. Ne, ist auch was anderes. Jedenfalls hat der als Psychiater die Wechselbeziehung zwischen musikalischen, körperlichen und emotionalen Erfahrungen rausbekommen und hat viel damit rumexperimentiert, ist ja klar, wenn man was erlebt und dabei was fühlt, wenn man das körperlich benutzt, dann kann man das besser sich merken oder so.
Also zum Beispiel, wenn man ein Gedicht lernt, kann man bei jedem Reim einen Stab von einer Hand in die andere. So lernt man das jedenfalls auf der Waldorfschule, die auch auf sowas zurückgreifen, dass man durch eine körperliche Bewegung und eine körperliche Erfahrung sich auch im Kopf mehr merken kann. Ist total gut. Ich laufe dann immer zum Beispiel, man kann auch beim Gedichtlernen verschiedene Schritte laufen oder wenn man Sachen auswendig lernen muss und dann hat man jede Strophe in einem Zimmer oder so und durch das Hin- und Her-Laufen fallen dann die ganzen Sachen wieder ein. Das ist sehr interessant.
Das ist wahrscheinlich so interessant, dass Jurismics sich umbenannt haben in diesem Namen. Jurismics, davor hießen sie The Catch und dann The Tourists. The Tourists ist ein schöner Name, ich hatte auch mal eine Band, die The Tourists hieß, habe ich mal mit dir spielen. Das ist wahrscheinlich ein guter Übergangsname, wenn man noch nicht weiß, wie man sich so richtig nennen will. Aber heute geht es nicht um Bandnamen, sondern um das Laufen. Und auch Joachim Witt hat dazu was zu sagen.
Durch die Mauer höre ich Lieder, wie aus anderer Welt, am Himmel erscheint ein Kreuz, wenn ich wüsste, was mich hier noch hält. In tiefer Schmerzenswut, vom Leben weggespült, den Berg der Seligkeit hab ich niemals bei dir noch gefühlt. Und ich lauf, lauf. Und die Wolke und die Erde wird plötzlich so bunt. So bunt!
Joachim Witt, eigentlich bekannt aus den 80ern mit dem goldenen Reiter und dem Herbergsvater. Dann hat er nochmal versucht, eine experimentale Platte zu machen, die heißt Mit Rucksack und Harpune. Da ist ein Mann drauf, der ist nackt irgendwie mit Rucksack und Harpune. Sehr schwierig. Und dann hat ihn Peter Spilles von Project Pitchfork wieder entdeckt und zur Plattenfirma gemacht und als Witt, Projekt Witt, noch neue Titel aufgenommen. Darunter war auch dieser Und ich lauf.
Joachim Witt ist übrigens nicht verwandt mit Katharina Wittweg, zuerst dachte, aber es wäre doch eine gute Idee, wenn sie heiraten würden. Also ich glaube nicht, dass sie das will, aber man kann das nie wissen. Weil dann wäre das lustig, dann könnte sie sogar einen Doppelnamen machen, so wie hier, wie heißt die Politikerin, Kastrof Rauxel oder so, Schmidt, Laut, Häuser, Schnarrenberger. Die könnte dann, weil Katharina Witt wäre das dann so, die hieß dann Katharina Witt-Witt und das wäre für mich eigentlich schon ein Grund für die Hochzeit. Aber heute geht es nicht um Hochzeit, heute geht es um Laufen und Laufen ist nicht beschränkt auf dem Land oder auf eine Sprache oder auf irgendwas und auch nicht auf Kinder, also nicht auf Kinder nicht, also nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder, deshalb heißt es das nächste Lied One by One.
Das Woodkit, den Namen hat er dem Projekt und sich selbst gegeben. Und die Leute haben ihn mal gefragt, was das sein soll, dieses Woodkit. Und da hat er gesagt, der Name Woodkit steht eher für die Geschichte, die ich auf meinem Album erzähle. Also dieser Boy, der jetzt gerannt ist im Lied im Prinzip, das sage ich jetzt nicht eher, ist eher im Prinzip, also über den geht die Geschichte. Und der heißt Woodkit. Es geht um ein Kind, das sich seinem natürlichen emotionalen Umfeld entzieht und in die Stadt geht, wo es sich durchschlagen muss. Ja, man könnte sagen, es gibt einen Zusammenhang mit mir. Das sagt jetzt wieder Woodkid und nicht ich, ist klar. Und der läuft durch den Wald. Es gab einen Film, der Lola Rennt heißt und den Film gibt es natürlich auch immer noch und so auch dieses Lied.
I wish I was a person with unlimited breath, I wish I was a heartbeat that never comes to rest. Komm zu mir, zu mir, zu mir. Wir sprengten jeden Rahmen, als wir zusammen kamen, war es wie eine Explosion. Und ich schwöre, ich spür die Erschütterung immer noch. Ich weiß, du rennst und doch bist du erst nah und da, wenn du in meinen Armen liegst. Ich geh zu Boden, wenn du nicht mit mir fliegst. Oh baby, bitte, bitte lauf, lauf, gib nicht auf, ich hab dich vermisst. Es fressen mich Dämonen, auch wenn du nicht bei mir bist, ich tue, was du verlangst. Hab keine Angst, ich lass dich nicht allein, denn uns gehört die Welt, wir können alles sein. Doch jetzt bist du auf dich gestellt.
I wish I was a writer who sees what's yet unseen. I wish I was a prayer expressing what I mean. I wish I was a forest of trees that were hard. I wish I was a clearing, no secrets left and found. Komm zu mir zurück, ich bin wegen dir hier. Zum Glück bleibt uns noch Zeit, bis zur Ewigkeit ein Stück deines Daseins steckt in mir. Und ich halte es so fest, doch die Erinnerung bringt mich um, weil es mich nicht loslässt. Bitte bleib bei mir, verzeih mir, lass es dich nicht zerstören, wir kommen frei hier. Wenn wir nur auf die Liebe schwören, es gibt sonst nichts auf dieser Welt, was uns zusammenhält. Außer dem, was du mir gibst, wenn du mich liebst. Und deshalb, Baby, lauf, lauf, bitte gib nicht auf, ich hab dich vermisst. Es fressen mich Dämonen auf, wenn du nicht bei mir bist, ich tu, was du verlangst. Hab keine Angst, ich lass dich nicht allein, denn uns gehört die Welt. Wir können alles sein, sind wir auf uns gestellt. Wir zwei beschreiben Stille, die jeden Krach umhüllt. Wir sitzen ein Bewusstsein, das jeden Raum erfüllt. Auch du wirst mich vermissen, wenn keiner bei dir ist. Denn ich will von dir wissen, wer du bist. Ich brauch dich doch auch nicht mehr als du mich. Ich brauch dich doch auch nicht mehr als du mich. Ich brauch dich doch auch nicht mehr als du mich.
Sänger hat man an der Stimme erkannt. Das ist natürlich ein großes Glück für Sänger, wenn man sie an der Stimme erkennt. Und das war Thomas D. Die weibliche Stimme war von Franka Potente. Das ist die Hauptdarstellerin in dem Film. Lola Rennt heißt es auf Deutsch und Run, Lola Run auf Englisch. Und an dem Film ist das Besondere, dass da wird was gezeigt und dann ist ein Schnitt und dann kommt eine Variante, wie es auch gewesen hätte sein können. Also eine andere Auflösung der Geschichte. Und das ist natürlich ein totaler Bruch, weil normalerweise sind ja Filme so, dass eine Geschichte erzählt wird und am Ende, da ist es so. Und gerade das ist das, was ja auch so wichtig ist im Film, dass das eben so passiert, wie es passiert. Und wenn es anders gewesen wäre, wäre es anders. Das ist sogar bei Büchern so. Ich habe Bücher gelesen, wo ich am Ende echt geweint habe, weil es keinen Ausweg gab, weil es ausweglos in den Tod geführt hat oder so. Und man vieles hätte wahrscheinlich besser machen können im Film oder ändern können oder kleine Bewegungen, die man anders hätte machen können, hat es aber nicht gemacht. Und durch dieses Zusammenspiel der Faktoren, das, was man die Zeit nennt, was so in Echtzeit passiert, so entscheidet sich das Leben dann auch und das ist Schicksal.
Und wenn man einmal gestorben ist, ist man gestorben, da hilft nichts. Da kann man nicht zurückspulen oder so. Und das ist ja auch gerade, was das Leben so spannend macht, dass man nicht sagen kann, okay, so klappt nicht so gut, ich mache es andersrum. Weil wenn man einmal schwerwiegende Entscheidungen getroffen hat und Kinder hat oder Familie oder gestorben ist, dann kann man da nichts ändern dran. Und das ist es gerade, was ich dann an Büchern und so auch so entscheidend finde, dass ich mich da so hineinversetzen kann, dass dann wirklich die Sachen, die so passieren, unabänderlich so passieren und nicht anders. Das nennt man wahrscheinlich auch das Schicksal. Den Lauf durchs Leben oder so. Trotzdem ist es bestimmt ein guter Film. Ich habe ihn nicht gesehen, muss ich zu meiner Schande gestehen. Weil ich gehe nicht gerne ins Kino oder so. Aus dem einfachen Grunde, weil man da nicht einfach so weglaufen kann. Ich laufe ja auch, aber da kommen wir auch nach später zu, vor mir selber weg. Da kann man jetzt mal drüber nachdenken, während Bruce Springsteen singt.
Bruce Springsteen mit Born to Run und das Schlimme ist bei Run, also das Fernsehen hat unser Leben schon so versaut, dass ich bei Run an Ran denken muss. Das war auf SAT oder ProSieben oder so, war das so eine Fußball-Sendung, ich meine, wie kann man das Ran nennen? Ran, also mit R-A-N. Ich mache am Sonntag nicht, ich kann nicht, ich muss Ran gucken, also das klingt ja schon schlimm. Und dann, als wäre die Welt nicht schlimm genug, gab es dann Ranissimo. Das war dann Ran in komprimierter Form oder so. Und dann fiel mir auf, das gab es nicht nur, es gab Alfred Biolek. Der hat gekocht im Fernsehen und das hieß dann Alfredissimo. Da wurde einem dann das Übel. Und dann gab es Tutti Frutti. Das war so das Niveau. War das Hans Meiser oder ein anderer Spinner? Irgendjemand hat da auf jeden Fall Frauen im Bikini ins Wasser geschmissen, dann sind die Frauen mit einem nassen Bikini hochgekommen, aus dem Wasser wieder raus und dann haben Millionen Männer vom Fernseher gejuchzt oder so, die sich den Quatsch abends so angeguckt haben. Tiefer kann man im Niveau nun wirklich nicht sinken, höchstens bei uns im Backstage oder so.
Aber von Brian Adams, Quatsch von Bruce Springsteen, es ist nicht weit zu Brian Adams und der hat im Prinzip dasselbe Schicksal. Wenn ich Brian Adams jetzt höre, dann denke ich leider an Opel Adam, wo er so eine riesen Werbekampagne gemacht hat, dass er jetzt einen Opel hat, der Adam heißt nach Brian Adams. Also schon der Weg von Adam zu Adams ist für mich zu weit, intellektuell. Also ich schaffe das nicht, eine Verbindung zu Brian Adams zu schaffen, wenn ich einen Opel Adam sehe, wie es mir bei allen Autos, die nach Bands benannt sind, irre schwer fällt. Zum Beispiel gab es einen Golf Genesis. Was hat, bitteschön, ein kleines Kompaktauto mit einer Monumentalband wie Genesis zu tun? Golf Pink Floyd. Wenn es einen Gegensatz gibt, ist das Golf und Pink Floyd. Das kann man überhaupt nicht interessieren. Und dann, also ich schreie gleich, Golf Rolling Stones. Also ein Auto, was den Rolling Stones gemäß sein müsste, muss erst gebaut werden. Sowas gibt es auf jeden Fall nicht auf dem deutschen Markt. Ford Mustang ist ein cooles Auto, heißt aber schon Mustang. Mustang ist auch eine Band, ja, also war, aber Mustang, das fährt, ist gemeint. Ford Thunderbird, geiler Name. Gibt es da noch was dazu zu sagen? Dodge Charger, klingt einfach mal nur geil. Charger ist ein Ladegerät, also ich weiß nicht, wie mein Auto jetzt Dodge Ladegerät nennen sollte, aber ich weiß nicht, Charger ist geil.
Die Franzosen sind sowieso ganz vorne mit der DS, der Göttin, die die siehst. Ich hätte eine gute Idee für einen Bandnamen, der für ein Auto geht. ACDC für ein Elektroauto. Ist das nicht von Tesla? Tesla, ACDC. Ist das nicht ein Kracher? 25 Jahre altes Lied.
Gott, oh Gott, oh Gott. Ich bin ja vor zwei, drei Wochen auch einen Marathon gelaufen. Am grünen Band lang. Das ist die grüne Grenze zwischen DDR und BRD. Von Kiel ist ja Quatsch. Ja, irgendwo von der Ostsee bis nach Thüringen. Ich bin so ein Mittelstück genommen von Salzwedel und die Landschaft da ist atemberaubend schön, weil da nichts gebaut worden durfte die ganze Zeit. Man brauchte einen Passierschein, um da überhaupt hinzudürfen. Deshalb hat da keiner so Freunde gehabt oder so, weil er keinen Besuch kriegen konnte. Da ist nichts gebaut worden, gab es keine Geschäfte und so. Und nach dem Mauerfall ist die Grenze so langsam von den Anwohnern zerpflückt worden. Und überall, auf jedem Grundstück ist diese Mauer, also es war ein großer Zaun mit kleinen Maschen, aber sehr stabil, haben die alles aus dieser Mauer gebaut, aus diesem Zaun. Also jeden Kaninchenstall, jeden Gartenzaun, kleine Treppchen, Brückchen, Dächer. Alles, was man bauen kann, ist aus diesem Zaun gebaut, auf kilometerlangen Gebiet. Man kommt ja nicht oft durch ein Dorf, weil Dörfer gibt es da nicht viel. Aber es war einer der schönsten Wege, die ich eigentlich so gelaufen bin bis jetzt, weil landschaftlich sehr abwechslungsreich und so schön einsam. Also gibt es kein Baumarkt, kein Möbelhöfner, kein Amazon-Quatsch, sondern einfach nur Felder, Wiesen und so. Deshalb heißt es auch das grüne Band.
Ich frage jetzt nicht, wie schnell ich war, denn Marathon hin oder her, das geht ja wirklich nicht um die Zeit. Das ist ja wie beim Sex, da sage ich auch nicht 1,40, haha, sondern, naja, also entweder man redet ja nicht über die Zeit oder man lässt sich eben Zeit und ich habe mir auch Zeit gelassen, weil ich denke nicht, dass Marathon laufen oder laufen generell, was mit der Geschwindigkeit zu tun hat. Meinen ersten Marathon bin ich gelaufen, als ich zur Prostatakrebsvorsorge war. Die ist nämlich in Adlershof im Ärztehaus. Und ich habe mich verguckt und ich dachte, ich habe 10.30 Uhr einen Termin, aber es war irgendwie 14.30 Uhr oder so. Und dann bin ich schon losgegangen und wollte zur S-Bahn. Und da gesagt, scheiße, noch drei Stunden Zeit. Und da habe ich gedacht, na dann kann ich auch laufen. Also dann ist die Zeit rum und ich bin wenigstens ein paar Schritte so gelaufen. Bin nach Adlershof gegangen, also gelaufen, also mittelschnell. Dann hatte ich hier Prostata und dann bin ich, da denke ich, wenn ich hingelaufen bin, kann ich ebenso gut auch zurücklaufen. Bin ich zurückgelaufen, geht man irgendwie so oberschöneweide und dann Treptow durch und am Wasser lang und dann bin ich von Treptow nach Kreuzberg gegangen und da lag vor so einer Haustür in Kreuzberg in so einer kleinen Straße, lagen so ein paar Bücher und Bücher, die auf der Straße liegen, die nehme ich immer mit, da freue ich mich, das ist so meine Literatur. Und da waren drei Bücher, also waren viele Bücher französisch und drei Bücher waren von François Cactus, die ich natürlich auch mitgenommen. Und jetzt überlege ich, wohnt sie selber da? Aber wieso schmeißt sie ihre Bücher weg? Oder wohnt da ihr Ex-Freund? Und der sagt so, jetzt reicht's, er muss mich trennen von dem ganzen Mist, ich will mit der nichts mehr zu tun haben. Ihre scheiß Bücher, die stelle ich so auf die Straße. Also ich fand die Bücher sehr, sehr gut. Aber mich würde mal wirklich interessieren, wer hat die in Kreuzberg auf die Straße gelegt? Der kann sich mal bitte bei mir melden.
Die Frage wurde ja nie richtig erklärt. Was ist Rennen? Was ist Laufen? Ich dachte, es gibt Rennen und es gibt Laufen. Also Laufen ist das Normale. Ich laufe mal dahin. Wie gehst du? Fährst du oder läufst du? Ich laufe. Also Laufen ist Laufen. Und Rennen ist Schnelllaufen. In der Schule kam auf einmal der Sportlehrer und sagte, 200 Meter laufen. Bin ich losgelaufen? Sagt er, nee, rennen. Also nicht laufen, rennen. Also laufen heißt rennen. Ich dachte, das ist ein Schwachsinn. Wie heißt das? Laufen, also mein Laufen, Lauflaufen. Ich sagte, das ist gehen. Also gehen ist jetzt so, ich mache jetzt so ein Mittelding, ich laufe nicht und ich renne nicht, ich gehe nicht, ich mache jetzt, ich gehe, ich laufe, also eigentlich ist es Laufen, was ich mache, aber ich renne nicht und ich gehe nicht. Da sagen sie, ja laufen, Quatsch, gehen, da ist immer ein Fuß am Boden. Und jetzt haben die Sportler sich in ihrem Schwachsinn ausgedacht, wenn sie schon gehen, also entweder man rennt oder man geht. Aber die gehen jetzt und dann noch so um die Wette. Kann man denn so bekloppt sein? Das ist wie, ja, also ich krieche ganz langsam, aber dann wer als erster da ist, der hat gewonnen. Ist da kein Schwachsinn, ist da völliger Schwachsinn, ist da kein Sport. Weil entweder man geht, das heißt, man ist langsam, oder man rennt, dann ist man schnell. Und jetzt machen sie Wette gehen, und da ist dann ein Schiedsrichter, der guckt dann von der Seite, ob auch wirklich immer ein Fuß am Boden ist gleichzeitig. Denn beim Laufen, also was die jetzt Laufen nennen, was ich Rennen nenne, sind beide Füße gleichzeitig in der Luft. Ein kurzer Moment, man macht im Prinzip einen Sprung.
Aber ich glaube, mit Laufen und Gehen ist es wie mit allen Sachen. Wenn man sich dabei beobachtet, fällt man sofort hin. Wie der Tausendfüßler, der sich so konzentriert oder so. Ja, nächstes Lied bitte.
I think will the devil. Also ich glaube nicht, dass Van Halen ja irgendwie mit dem Teufel um die Wette rennen wollen oder so. Ich denke eher, das ist so ein Spruch, so eine Metapher. Zum Beispiel im Deutschen, da sagt man, wer mit dem Teufel isst, braucht einen langen Löffel. Damit ist gemeint, wenn man sich mit dem Bösen, ich muss das jetzt nicht erklären, und ich denke, bei Van Halen, da heißt das auch so was, wer mit dem Teufel rennt, braucht gute Turnschuhe, damit er sich im Prinzip nicht vom Teufel so fangen lässt oder so, oder sich nicht drauf einlässt, oder man ist so schnell, oder man ist so, man wagt was eigentlich mehr, als man eigentlich darf. Man läuft mit dem Teufel mit und dafür riskiert man dann noch was, weil man einmal mit dem Teufel im Bunde ist, kommt man da wahrscheinlich nie wieder weg. Ich weiß nicht, ob Van Halen das auch so gemacht haben. Man hat irgendwie jemand anders, war der Teufelsgeiger, der Paganini. Aber sobald irgendjemand mal ein bisschen schräg aussieht, ist er gleich auch ein Teufelsgeiger. Das haben sie auch von Kennedy gesagt, also jetzt nicht dem Politiker, sondern dem Geiger, Nigel, war auch ein Teufelsgeiger, bestimmt gibt es auch einen Teufelstrommler oder so.
Das war jedenfalls Van Halen. Ich schreibe mir die Titel, die Bandnamen immer ins Handy ein, um die Reihenfolge zu gucken, ob die zusammenpassen und so, und ich habe ein amerikanisches Handy und das kann die, nee, ich habe ein deutsches, also ich habe ein deutsches Rechtschreibprogramm mit einem amerikanischen Handy, oder japanisch, keine Ahnung. Jedenfalls macht das bei mir eine selbstverständliche, selbstständige Rechtschreibverbesserung. Da steht bei mir Fun holen statt Van Halen. Und dann fiel mir durch das Wortspiel ein hier, ich muss mal den Van holen, den Fun holen. Und es ist so etwas Ähnliches, wie sie nach dem 11. September hatten, als die lustigen Trucker immer sich Schilder in ihren Van gelegt haben oder in ihren Kleinbestand immer Bin Laden. Also wenn sie ausgestiegen sind, dass sie im Prinzip Ausladen sind und gerade nicht im Auto sind, sondern Bin Laden. Und das war natürlich der absolute Wortwitz, dass das ja auch Bin Laden heißt.
Das ist wie diese Komiker, die versucht haben, Städtenamen und Ländernamen unterzubringen. Wenn sie hier Venezuela gehst, sag ich, ich bin ein guter Maler. Also ein guter Maler, das muss ich mir übersetzen. Und mein Vater hat mich damit schon gequält. Ich finde sowas überhaupt nicht witzig. Oder doch, eigentlich schon. Also mein Vater hat jedenfalls immer einen Satz mit Kandelaber. Aber ich wusste natürlich nicht, was ein Kandelaber sein soll. Also das Wort, das kannte ich nicht. Ein Kandelaber ist ein mehrarmiger Leuchter. Das wusste mein Vater, weil er sich mit Antiquitäten beschäftigt hat. Aber ich wusste das als Schuljunge nicht. Ich dachte, was soll ich denn für einen Satz mit Kandelaber bilden? Ich habe ein Kandelaber oder du bist, oder ich weiß nicht, was ein Kandelaber ist. Das wäre ein guter Witz. Aber dann hat mein Vater so eine Kunstpause gemacht, mich verschmitzt angeguckt und sagt, ich Kandelaberwurst nicht vertragen. Und das war dann der Brüller. Also, sagst du mal, was dazu sagen? Nee, wa?
Geht weiter ums Laufen, aber wann der Wanderer kommt? Heike Lange überlegt für das Wortspiel. Gute Sache, U2 Featuring Johnny Cash. Ich wollte schon sagen, so könnte es klingen, wenn Johnny Cash der Sänger von U2 gewesen wäre. Da jault doch Bono dann noch schön mit hinten drin, damit jeder weiß, nee, nee, ich bin ja eigentlich der Sänger. Nicht Johnny Cash, nee, nee. Ich hab hier, U2 ist meine Band. Hat er sehr schön gemacht. Also, ihrer Band hätte es wahrscheinlich nicht wirklich geschadet, wenn Johnny Cash da gesungen hätte. Er hat ja immer eher konventionelle Country-Musik gemacht oder so. Und wie gut es sein kann, wenn man eine gute, moderne Band im Hintergrund hat, zeigt ja Nick Cave auch. Der hat ja mit den Bad Seeds und Grinderman immer eine harte, recht drängende, moderne Musik, die nicht so traditionell ist. Und dadurch fällt es mir leichter, die Songs von Nick Cave auch zu hören, weil die sind irgendwie spannender, als wenn es immer im alten Schemata feststecken würde. Trotzdem nichts gegen Johnny Cash. Ich kenne eigentlich, wenn ich ganz tief nachdenke, nicht ein schlechtes Lied von ihm, was auch daran liegen kann, dass ich die schlechten nicht kenne.
Wir sind aber hier beim Wandern und als ich den Wanderer rausgesucht habe, also das Lied jetzt von U2 und Johnny Cash, habe ich eigentlich an dieses Lied gedacht, was jetzt kommt. Das ist für mich der Ur-Wanderer. Dion and the Belmonts, The Wanderer. Das gibt einen Film oder es gab einen Film, Die Wanderer, aber da ist jetzt im Prinzip eine Jugendgang oder so. Und da war die Filmmusik, soviel ich weiß. Aber später gab es noch einen Film. Ich habe den alten Film nicht gefunden oder das Original. Ich habe einen anderen Film gefunden von 79. Der spielt in der Bronx 1963, wo noch die Bandenkriege an der Tagesordnung waren. Und eine Gruppe hießen da die Wanderer. Und das waren die, die aus Italien eingewandert sind. Und die hießen durch das Einwandern eben die Wanderer, die Reingewanderten. Und die haben sich dann Bandenkriege geliefert mit all denen, die schon da waren, die Locals und die anderen Gangs und haben um die Vorherrschaft in der Bronx gekämpft. Ich weiß nicht, wer letztendlich gewonnen hat, aber guckt mir den Film mal an.
Aber eigentlich meinte ich mit Wandern ja Wandern und nicht das Einwandern, sondern das ganz normale Wandern und das Wandern an sich nicht um Bandenkriege geht, sondern um eine herrliche Sache. Denn der Jakobsweg, so schön und gut, da hatten wir alle im Osten auch einfach den Rennsteig. Ich dachte ja früher, das ist was ganz Besonderes. Ich dachte, da sind ständig Autorennen drauf oder so. Mein Vater sagt, komm und morgen, da gehen wir auf dem Rennsteig. Und ich, oh ja, oh ja und ja. Und was war das dann? So ein scheiß Weg mit so einem Schotterpflaster. Also das war nicht mal ein schöner Weg wie die anderen Wanderwege, die wir gelaufen sind, sondern es war einfach so ein Hauptwanderweg, wo die ganzen Touristen, FDGB-Urlauber mit ihren Regenkeps da lang stolziert sind. Das war eine meiner größten Enttäuschungen in meinem Leben.
Ich fahre gerade ein, bei den Büchern, die ich von François Cactus gefunden habe, waren mit Kugelschreiber Anmerkungen drin und Sachen unterstrichen oder auch durchgestrichen und durchgeklammert. Und das hat mich auf den Gedanken gebracht, dass es ihre eigenen Bücher sind, dass sie die zum Vorlesen noch gemacht hat oder dass jemand eine Doktorarbeit über die Bücher geschrieben hat. Also es bleibt spannend, selbst wenn ja nichts passiert, erzeuge ich die Spannung in mir selbst, wie es mit diesen Büchern so weitergehen könnte.
Ich denke mir ja beim Laufen immer Geschichten aus, also weil ich laufe und versuche erstmal an nichts zu denken. Es geht die ersten zwei Stunden gut, fallen erstmal alle Gedanken so langsam von mir ab und ich bin sozusagen leer gelaufen. Und dann kann ich anfangen, mir Sachen auszudenken, wenn ich mir aber was ausdenken will, fällt mir natürlich nichts ein. Und dann denke ich mir so Geschichten aus, was so passieren könnte. Also dass irgendwie, damals war es noch George Bush, dass er mit dem Flugzeug abstürzt und ich rette ihn. Irgendwo muss ich mal doch zum Arzt oder so. Das ist ja alles krank, ey. Und dafür muss der mir dann versprechen, dass er irgendwie OSA so reformiert oder so. Dass ich ihm das Leben rette. Also jedenfalls kann ich da ganz lange irgendwelche losen Gedankenfäden in den Händen behalten, ohne aber irgendwas zielgerichtet irgendwie zu machen. Und ich glaube, so ein bisschen hat Eminem das auch gemeint im Lose-Yourself. Denn ich habe das bei Laufen mit einsortiert, obwohl der, glaube ich, gar nicht explizit sagt, dass er jetzt ganz viel läuft oder rennt. Nur dieses Lose-Yourself ist wahrscheinlich das, was ich versuche, wenn ich laufe, dass ich mich von mir löse und mich vielleicht mit Abstand betrachten kann oder einfach mich nicht von meinen Gedanken gepackt halten lasse, sondern einfach laufe, sodass ich frei laufe, ohne den Ballast irgendwelcher Gedanken, Pflichten, Sorgen und so weiter. Und dann kann ich mich ja später wieder zusammenfinden. Ich weiß nicht, was Eminem genau gemeint hat, aber ich denke schon etwa dasselbe.
Ich bin jetzt auf der Klappe. Ich wollte schon recht früh mit meinen Eltern wandern. Was heißt musste? War ja was Schönes. Sollte zumindest so sein. Und meine Eltern hatten natürlich längere Beine als ich und auch ein anderes Verständnis für Entfernungen. Und weil mein Vater am Nachmittag gut gelaunt gesagt hat, ach, jetzt nur noch die acht Kilometer hier über den Berg, war das so ein halbes Mittelgebirge, was zwischen der nächsten Brause und so noch vor mir lag. Und ich habe gedacht, um Gottes Willen, jetzt schaffe ich doch nie und bin mühsam Schritt vor Schritt gegangen und dachte, Mensch man, ich bräuchte so eine Schuhe, dass man einmal so auftippt und dann kommt unten so wie so ein Druckstrahl raus. Und dann muss ich nicht mehr mit den Füßen auf die Erde und mich abstoßen, sondern ich schwebe dann im Prinzip, dass man so wie so eine Schuhe, ich glaube, die Dicke Dachs haben versucht zu erfinden, so eine Schuhe, dass man im Prinzip den Boden nicht berührt. Ich weiß genau, wie sich das anfühlt, weil ich träume das oft. Ich träume ja nicht, dass ich laufe, weil meine Füße haben kein Gehirn und ich spüre nur das, was im Kopf drin ist. Und im Kopf merke ich nur die Erschütterung, wenn ich zum Beispiel die Treppen runterrenne, nur im Prinzip unten beim Abbremsen. Und im Traum macht sich nur das Gehirn, was sich das Gehirn merkt und macht dann so einen Riesensprung und stürzt dann im Prinzip unten auf den Treppenabsatz. Und genauso ist es beim Laufen, dass ich im Prinzip Riesensprünge über ganze Berge und über ganze Hindernisse mache, weil mein Gehirn im Kopf ja nicht mitkriegt, dass unten die Füße da die Arbeit machen, sondern das Gehirn merkt nur den Kopf, der im Prinzip läuft. Deshalb wundert mich, wer mein Handy die Schritte zählen kann, was ja auch in der Jackentasche sitzt und zählt trotzdem die Schritte. Das ist alles ein Wunder.
Aber dieses nicht den Boden zu berühren, ist wahrscheinlich ein Gefühl, was nicht nur ich kenne, sondern zumindest auch die Doors schon kannten. Zumindest haben wir den Titel so genannt, Not to Touch the Earth. Du hast, als ich es in der Mitte gehört habe, habe ich eher an Pink Floyd gedacht bei dem Lied, weil das so schräg klang und dieser Orgel und so. Und da denke ich, da hören wir doch mal gleich Pink Floyd zu dem Thema, ob das wirklich so ähnlich klingt.
Ich fühle, manchmal ist es wirklich egal, ob der Text und die Musik jetzt zusammenpassen, weil das Lied hieß Running. Und ich hätte jetzt weniger in Verbindung mit Rennen gebracht als dieses Lied, weil es klang mehr wie so chillen oder wie chillen ist auch ein Kackwort, dass man immer schon so einen Sprachgebrauch eingebürgert hat, also ausruhen oder entspannen und dieses Running, aber vielleicht ist es gar keine Frage der Geschwindigkeit, sondern wirklich, dass man in diesem Fluss ist, in diesem Rennrhythmus, dass das alles von selbst geht. Es gibt ja Menschen, die von diesem Runner's High erzählen, dass man ab einer bestimmten Zeit oder so Glücksendorphine ausströmen lässt. Ich muss sagen, ich glaube das nicht. Weil ich habe es schon oft probiert, auch zu rennen und auch weitere Strecken zu rennen. Aber Rennen ist einfach mal anstrengend. Und wenn ich was Anstrengendes mache, dann kann ich nicht jetzt unbedingt mich noch um Glücksgefühle kümmern oder so, sondern dann sehe ich zu, dass ich da renne, dass ich genug Luft habe, dass irgendwie ich mir nicht einen Fuß verstauche oder irgendwas und dass ich auch nicht gegen andere Menschen renne, weil ich bin ja oft nicht der Einzelne auf der Welt. Und also dieses Runner's High halte ich für ein Gerücht, der Turnschuhindustrie, dass sie denken, sie verkaufen den Leuten ganz teure Turnschuhs, 200 Euro oder so und dann rennen die und kriegen Glücksgefühle. Bei mir ist das nicht so wenig Glücksgefühle, wenn man überhaupt sowas erwähnen kann. Also beim normalen Laufen, wenn ich eine große Strecke laufe, kommt irgendwann mal der Zustand, wo ich nicht mehr nachdenke, wie schon gesagt, dass alles entleert ist. Und das ist ein sehr schönes Gefühl, dass ich über nichts mehr nachdenken muss und das Gefühl habe, der Körper läuft ganz von selber. Also der Körper ist gar nicht mehr da im Prinzip. Nur noch die Seele schwebt über die Wiesen und Felder. So was wird vielleicht auch der nächste Musiker im Kopf gehabt haben. Da klingt die Musik zumindest etwas optimistischer. Franco Morone, ein italienischer Gitarrenlehrer, wenn das nicht verlockend klingt. Freut sich aber eh noch aufs Mittagessen, also Running Home heißt das.
Man sieht richtig, vielleicht von der Schule oder so, obwohl wenn ich von der Schule komme, ich bin mit schwerem Schritt meine unendlich schwere Mappe auf einer Schulter schleppend, weil der andere Riemen schon zerrissen war. Da habe ich mich mühsam in so kleinen Schuhen nach oben geschleppt, dann noch die vier Treppen hoch und dann, ah, Schlüssel verloren, aha, zurück. Also mir war der Gang von der Schule home nicht so lustig und beschwingt, aber vielleicht, naja, abends auch nicht. Ich bin gerne nach Hause gegangen, aber richtig schnell beschwingt bin ich als Kind ja so und so nicht gelaufen. Zum Klavierunterricht war Quälerei, zum Stotterarzt, zum Schwimmnachhilfe, zum Sport, also im Grunde bin ich da erfreut, oder schnell rennen. Irgendwann Schluss war wieder, aber dann gab es anderen Ärger. Manche Tage sieht das anders aus als andere.
Running Home war das sehr beschwingt, jetzt kommt CCR, die man als Erwachsener auch unter Creedence Clearwater Revival kennt. Ich wusste nicht, für mich waren das zwei verschiedene Bands, also es gab Creedence Clearwater Revival und CCR, weil es heißt ja so CCR und nicht CCR und CCR, also wer kriegt die Buchstaben da in Zusammenhang oder so. Und das erste und wichtigste was ich über die Band erfahren habe war, dass sie ausdrücklich erlaubt haben, dass man mit einem Kassettenrekorder ins Konzert geht und die Konzerte mitschneidet, also jeder Gast sollte sogar sich einen eigenen Rekorder mitnehmen und das Konzert mitschneiden und das dann mitnehmen und hören. Die hatten da nichts dagegen, die hatten keine Angst, dass sie zu wenig Platten vielleicht dadurch verkauft haben oder so, haben sie natürlich auch nicht und ich fand die Idee natürlich gut, zumal im Osten, ja, von den Bands, die ich gut fand, es überhaupt gar keine Platten zu kaufen gab.
Und so kann ich mich daran erinnern, dass ich zu Hardpop, so ein Konzert im Thule Club mit meinem Rekorder unterm Arm, mich mit angestellt habe und dann haben sie am Einlass gefragt, was tust du denn mit dem Rekorder? Ich sage, ja, ich würde das Konzert gerne mitschneiden. Und dann haben sie gesagt, ah ja, okay, na klar. Und haben mich so bevorzugt so reingelassen irgendwie, weil ich so irgendwas wissenschaftliches ausgestrahlt habe, dass ich jetzt nicht einfach zum Konzert gehe, um zu saufen oder abzuhotten oder irgendwas, sondern weil ich das richtig ernsthaft so aufnehmen will, was ich auch wirklich wollte. Ich wollte die Titel ja danach in Ruhe hören und analysieren und nachspielen zum Teil. Hab dabei aber nicht bedacht, dass die Mikrofone natürlich im Rekorder drin waren. Und ich hab den auf den Tisch vor mir gestellt und hab das Konzert so mitgeschnitten, hab immer aufgepasst, ob sich alles dreht. Und vor mir waren so zwei junge Frauen, so nicht Pärchen, aber Freundinnen, die haben sich die ganze Woche nicht gesehen und dann am Freitagabend ausgetauscht über die Woche und ihre Freunde und ihre Vorlieben und wie fies die sind und was da wieder passiert ist. Und da sie näher am Rekorder dran standen als die Band, die Band stand ja hinten auf der Bühne oder vorne auf der Bühne und ich stand hinten, dann habe ich mir 15 Jahre lang das Gespräch von den beiden Frauen angehört, mehr oder weniger. Und im Hintergrund plätscherte da so ein bisschen Musik und die Frauen, die kenne ich jetzt besser, als sie das wahrscheinlich möchten. Ich weiß die Namen nicht, weil die haben sie natürlich nicht erwähnt, weil sie sich nicht mit Namen angesprochen haben, sondern ey, ey, und versteh mal oder so. Das wäre mal interessant. Also die eine hatte so ein grünes Kleid an und die andere so eine Außenwelle in der Frisur. Ich bin nicht gut im Menschen so beobachten, aber an der Stimme, da würde ich sie sofort erkennen.
Creedence Clearwater Revival. Ich habe natürlich wieder mal Mist erzählt. Ich meinte nicht Creedence Clearwater Revival, sondern Grateful Dead, Jerry Garcias. Der hat das ausdrücklich erlaubt, dass mitgeschnitten wird. Es kann sein, dass CCR das auch gemacht haben. Aber ich meinte Grateful Dead, weil der nichts damit zu tun hat oder so. Weil Grateful Dead meiner Meinung nach kein Lied mit Run gemacht hat. Das war jetzt ihr Pech, sonst hätt ich es auch spielen können.
Wie Slade zum Beispiel. Slade mit Run Away, die kann ich spielen. Wie gesagt, wenn man bei uns Englisch lernen wollte an der Schule, musste man sich extra bewerben und hatte dann nullte Stunde. nullte Stunde heißt, um sieben fing der Unterricht an und da hat man natürlich überhaupt gar keine Lust zu lernen und unsere Englischlehrerin hat uns, das war so eine ganz nette Junge, die natürlich nie in England war, also vielleicht inzwischen, aber damals nicht, hat uns versucht zu motivieren. In der ersten Stunde sagt sie, wenn ihr artig seid, also sage ich euch, was Vogelscheiße heißt. Und wir, oh geil, ja, wir passen auf. Und dann, Birdshit. Da hätte ich auch selber drauf kommen können. Also Vogel, Bird, shit, shit. Aber dann hat sie gesagt, pass auf, und wenn ihr ganz lieb seid, dann zu Weihnachten, dann lernt ihr, dann hören wir Slade und ihr dürft euch den Text übersetzen, weil Slade hat ein Weihnachtslied gemacht. Und da hat es uns geschafft, September, Oktober, November, Dezember uns vier Monate bei der Stange zu halten, damit wir endlich Weihnachten das Lied von Slade dann übersetzen durften. Ich weiß ja nicht mehr, was das heißt. Ich wusste nicht mal, was Slade heißt. Das habe ich jetzt erst so nachgeguckt. Slade heißt Flugsohle. Nee, Flug, was? Also vom Pflug, jetzt nicht von Fliegen. Ja doch, Pflugsohle. Jetzt bin ich zwar Werkzeugmacher, aber Pflüge hatten wir noch nicht im Programm. Was da die Sohle vom Pflug ist, weiß ich jetzt nicht. Torfschaufel heißt auch Slade. Und Schiefer, also ein Schieferdach ist ein Slade-Roof.
Mensch, wieso bin ich kein Englischlehrer geworden? Was ich vielleicht noch hinkriegen würde, wären Wörter, die sich reimen auf Slade. Wie Akkolade, Adelaide, Blade, Clay, Anyfield, Escalate, Fusillade, Glade, Goulade, Inlate, Late, Late, Marmalade, Overlate, Relate, Rollerblade, Soulblade, Splayed, Switchblade, Unplayed. Ich kenne drei Wörter davon nicht. Haha. Ich sag aber nicht welche. Ich sag aber was das nächste Lied ist.
Das ist auf jeden Fall von Flo Rida, das ist ja ein lustiger Bandname. Das sind nämlich zwei Wörter. Das erste Wort ist Flo, das zweite ist Rida. Und das Lied heißt, also ich weiß nicht, wieso ich das bei der One-Sendung spiele, aber es heißt GDF On. Ja, ich denke mal, wenn die Leute mehr laufen würden, gäbe es mehr Frieden auf der Welt, weil wer läuft, macht keinen Ärger, weil wer atmet, also man kann das auch einfach, ich muss jetzt auch Schluss machen, die Zeit läuft mir weg, läuft schneller, ja, wer läuft schneller, ich oder die Zeit.
Ich wollte mal eine Werbung machen für Motorräder, Kawasaki, noch schneller als der Tod, aber im Prinzip versteht man das, er fährt so schnell, dass er wieder am Tod schon vorbeigefahren ist. Es ist ja nicht Ziel, der Sache schnell zu sein, sondern zu laufen im Prinzip. Also nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Laufen. Sag ich jetzt mal, wenn man jetzt läuft, wenn man fährt natürlich.
Jedenfalls, ich ende noch mit einem schönen Zitat. Was haben wir noch mit Lauf? Der Sozialismus, nee, um Gottes Willen. Irgendein Tscheche, der tschechische Marathon-Weltläufer hat einen schönen Spruch gemacht, dem ich mich auch anschließen möchte und für diese Woche mich gleich damit verabschieden will. Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft. Auf Wiedersehen.