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Flake talks about the wild west.

Transcript

Guten Abend, wünscht Flake. Dabei weiß ich gar nicht, ob es Abend ist, weil Sie sind beim Podcast, und den Podcast können Sie hören, wann Sie wollen. Wir wollen heute mal ein bisschen über Ostern sprechen – Quatsch, über Western. Amerikanische Filme sind an sich ja nicht so mein Ding, aber Cowboy-Filme finde ich schon ein bisschen gut. Das heißt, so Cowboy-Filme gibt es ja auch nicht so richtig. Ich meinte Brokeback Mountain, den habe ich gesehen, den fand ich richtig gut. Und da sind ja zwei junge Männer (oder Männer), die auf Kühe aufpassen oder später dann sogar nur noch auf Schafe und so. Und da sieht man ein bisschen, dass Cowboys eigentlich nicht das sind, was man sich vorstellt oder vorgestellt hat als Kind. Da waren die Cowboys, die mit den Patronengurten und Pistolen, die rumgeballert haben. In Wirklichkeit heißt Cowboy nur Kuhjunge. Und das sind eben die Gehilfen, die auf die Kuhherden aufpassen.

Da gab es ein sehr schönes Buch von Wolf Durian, das heißt Das Ende der wilden Pferde, da wird das beschrieben. Das hat mir ein bisschen gezeigt, wie das wirklich war im sogenannten Wilden Westen, der gar nicht so wild war. Im Prinzip ist es nur eine Art von Massentierhaltung. Und dieses Buch hat mich so beeindruckt, dass ich es sozusagen abgeschrieben habe als Kind. Das war mein erstes Buch. Ich dachte, wenn man ein Buch schreibt, ist es klüger. Man schreibt das mal ins Heft. Wenn man malt, dann malt man ja auch erst mal ein Bild ab, um zu sehen, wie es geht. Und ich habe einfach das Buch mit der Hand so abgeschrieben. Ich bin nur bis zum Drittel gekommen oder so. Und das war dann sozusagen mein erstes Buch. Das Ende der wilden Pferde. Das handelt eben davon, wie schwierig das ist, die Pferde über den Winter zu bringen und so. Es gab ja viel Ärger mit den Indianern und dem Wetter und so. Und da haben sie auch gleich wegen der Streitereien den Stacheldraht in Amerika erfunden. Und zwar schon 1873, das muss man sich mal vorstellen. Und der Stacheldraht war eines der ersten Sachen, die im Wilden Westen im Prinzip erfunden wurden. Man sagt schon sehr viel über die Romantik der Cowboys aus.

Ghost Rider. Es wird viele Geister gegeben haben in der Zeit, denn die Indianer waren größtenteils wirklich ausgestorben. Die sind nicht wirklich alle so umgebracht worden, sondern die sind an Krankheiten gestorben. An Pocken, an Hepatitis und an Masern. Weil das haben die Schiffsbrüchigen mitgebracht, als die Europäer nach Amerika kamen. 1604 schon hat der König von England Gebiete für sich beansprucht als Kolonien. Und 1606 bzw. 1607 gilt als Gründungsjahr der Kolonien. Und das Lustige war, dass gleich drei Kulturen aufeinander geprallt sind, nämlich die indianischen Ureinwohner, die weißen Siedler und die Sklaven aus Afrika, die sie sich mitgebracht haben. 1620 sind die Pilgerväter mit der Mayflower gekommen in Massachusetts, und da waren die Indianer eigentlich im Großen und Ganzen schon tot. Und insofern war das Zusammenleben oder das Leben eher traurig. Das waren ja nur so die paar Siedler, die da gekommen sind, die sich eigentlich gar nicht auskannten, und die standen sich auch eher feindlich gegenüber mit den Indianern. Und diese Western-Romantik, von der war da wirklich nichts zu spüren. Die ist eher nach Deutschland übergeschwappt, weil wenn man weit weg war, konnte man sich das alles sehr toll vorstellen. Und gerade die deutschen Country-Sänger oder so haben sich da richtig reingefühlt mit Hut und mit Leben.

Gunter Gabriel war ja der deutsche Johnny Cash und hat ein schönes Lied gemacht: Sechs Dinge braucht der Mensch. Der Feminismus ist noch nicht so angekommen im Wilden Westen. Da einfach eine Frau, die dich bei guter Laune hält, klingt ganz schön fies. Ich verstehe auch nicht, wieso er nur sechs Dinge braucht. Ich dachte immer, sieben Dinge braucht der Mann oder der Mensch. Also bei Backe, backe, Kuchen ist ja zumindest so: Butter und Salz, Brot und Schmalz, Ei und Mehl, Safran macht den Kuchen gelb – da haben wir schon sieben, weil die Zahl sieben natürlich eine ganz andere Bedeutung hat. Die gibt es schon im Alten Testament, die steht für die Gesamtheit des Lebens. Die drei sind die göttliche Dreieinigkeit, also der Gottvater, der Sohn und der Heilige Geist, und die vier sind für die vier Elemente: Feuer, Wasser, Brot und Salz, Luft und Erde. Ich meine, ob nun Feuer, Wasser, Brot und Erde oder Quatsch – es ist im Prinzip egal. Man kann in jede Zahl irgendwas Wichtiges reininterpretieren. Und dass die sechs beim Würfel ja auch nicht umsonst ist – na, der hat nur sechs Seiten. Das ist ja natürlich klar, dass es keine sieben zu würfeln gibt. Vielleicht braucht er auch deshalb nur sechs Dinge, weil er die dann auswürfeln kann, was es jetzt gibt: den Huhn im Topf oder die Frau mit guter Laune.

Udo Lindenberg hat sich den Wilden Westen auch anders vorgestellt. Der hatte eine klare Vorstellung davon. Der hat den Jungen in Arizona vor sich gesehen. Arizona ist ein verrückter Staat. Man sieht da wirklich viel Wüste. Und ich habe in meinem ganzen, ganzen Leben noch nie so viele Windräder auf einmal gesehen. Die standen zu hundert da rein. Und auch, glaube ich, hundert Reihen so hintereinander oder so, was hundert mal hundert, zehntausend wären, wenn nicht vielleicht ein Fünftel oder ein Sechstel der Windräder schon kaputt wäre und die Flügel so hängen gelassen hätte. Das war ein irres Bild. Wenn ich das Wort Arizona höre, denke ich an die kaputten Windräder. An was denkt Udo Lindenberg?

Und auch in dem Lied träumt der Junge natürlich nur, er ist in Arizona, ist aber in Wirklichkeit in Deutschland, weil der wilde Westen findet einfach im Kopf statt und nicht an irgendeinem festen Ort. Und dieser Ort, wo der Cowboy Cowboy sein kann, kann sogar Gütersloh heißen.

Und auch bei Udo Lindenberg hat man ja gemerkt, dass es im Prinzip keinen Unterschied zwischen Cowboys und Rockern gibt. Dass der Rocker im Prinzip der deutsche Cowboy ist, weil die verbindet beide dieser Riesendrang nach Freiheit. Und es gibt sogar einen Film, der eigentlich eine Mischung zwischen einem Rockerfilm und einem Western ist, das ist Easy Rider. Ich habe mir den angeguckt und war völlig geschockt, als nach einem Drittel Jack Nicholson von diesen Rednecks im Wald einfach erschlagen wird und tot ist, weil ich dachte, der Film ist so lustig und ein bisschen Freiheit, Motorradfahren. Und dann war das ja eine ganz böse Sozialstudie, wo sie alle zum Schluss dann umgebracht werden, woran man sieht, frei zu sein, birgt doch eine gewisse Gefahr an sich. So kämpfst du, Indianer, immer weiter. Mit jedem Schlag wirst du einsamer. Einsamer Fighter! Danke, des Tastenfickers-Podcast.

Auf Kentucky, Bill Monroe. Er ist im Prinzip der Begründer des Bluegrass. Die Bluegrass ist eine Musik, die so genannt wird, weil die aus einer Gegend kommt, wo das Gras so grün ist, dass es schon blau schimmert. Das kennt man ja manchmal – eine Frisur ist auch so schwarz, dass sie schon wieder blau aussieht. Das ist dieses fruchtbare Land, auf dem eben die Kühe gehalten werden. Bill Monroe hat natürlich erst viel später gelebt. Die Musik ist entstanden zwischen 1937 und 1945. Da gab es im Prinzip die Cowboys, von denen man so spricht, schon gar nicht mehr. Da war das schon hoch industrialisiert. Aber die Musik ist da entstanden aus dem Mix von irischer und schottischer Folklore mit ein bisschen afrikanischen Einflüssen. Bill Monroe hat Mandoline gespielt und dazu noch Fiddle. Und die anglo-amerikanischen Balladen sind dazu gekommen, wie diese Geschichten, die lang erzählt werden, über Jahrzehnte hinweg. Und das hat dann alles diese Form der Country-Musik, den Bluegrass, ausgemacht.

Und jetzt hören wir noch was Ähnliches. Das ist kein Bluegrass. Das ist eigentlich mehr eine Art von Country-Blues. Ein farbiger Musiker, der im Prinzip eine Mörderballade singt. Das Ding ist, das wurde zwar auch zu einem Schauprozess des Mordes ausgelegt. Es war aber auch ein politischer Mord. Es waren zwei Schwarze, ein Republikaner und ein Demokrat. Und der Demokrat hat den Republikaner ermordet, war jetzt politisch gesehen für die richtig, aber natürlich als Mord nicht akzeptabel. Deshalb wurde das so eine Riesengeschichte, die noch Jahrzehnte weiter erzählt wurde – der Mord von Staggolee.

Jetzt haben wir einen Weißen, eigentlich auch einen der berühmtesten Country-Sänger, Western-Typen mit einem sehr tragischen Schicksal. Der ist schon in jungen Jahren dem Alkohol anheimgefallen und hat natürlich nicht gewusst, dass er weltberühmte Hits geschrieben hat. Mal alle seine Titel für 25 Dollar in einer Kneipe an irgendeinen verkauft, der gerade ein bisschen Geld einstecken hat, damit er weitersaufen kann. Und er ist auch unter so tragischen Umständen gestorben. Hank Williams wurde am 1. Januar, was schon komisch ist, dass man am 1. Januar überhaupt so unterwegs ist, bei einer Polizeikontrolle tot im Auto aufgefunden. Das heißt, wenn die Polizeikontrolle nicht zufällig stattgefunden hätte, hätten die dann noch gar nicht gemerkt, dass er gestorben ist. Und er ist angeblich zu einer Show in Ohio gefahren. Da frage ich mich doch: Was hat er für ein Leben gehabt, dass er am 1.1. frühmorgens in einem Auto liegt, tot ist und keiner das merkt? Also was kann einen dazu führen, dass man da nicht Silvester feiert oder irgendwas, sondern tot im Auto rumliegt, was nicht mal entdeckt wird? Das heißt, neben ihm kann auch keiner so gesessen haben oder so. Mir erscheint das alles sehr mysteriös. Vielleicht stimmt das alles auch gar nicht, wie das so dasteht. Aber er hat sehr viel getrunken und wenn man das mit Medikamenten mixt, führt das ja selten zu was Gutem. Er hat in seinen späteren Jahren – was heißt späteren Jahren, er ist nur 30 geworden oder 29 – ja auch viele Konzerte gemacht, die so betrunken gegeben wurden, dass die Leute die Titel nicht mehr erkannt haben und ihn ausgebuht haben. Aber den Titel erkenne ich sofort und der geht mir sehr ans Herz. Der heißt auf Deutsch übersetzt „Ich bin so einsam, ich könnte schreien, ich könnte weinen“, und das ist doch Wahnsinn. Wer so ein Lied singt, muss echt ein Künstler sein, oder dem muss es sehr, sehr schlecht gehen.

Hank Williams, ein sehr begnadeter, aber auch ziemlich erfolgloser Sänger. Jetzt kommt ein Sänger, der sehr erfolgreich ist und der lebt doch noch – einer der erfolgreichsten Sänger weltweit, sogar mit 125 Millionen verkauften Tonträgern. Das ist so unfassbar viel. Ich kenne eigentlich sonst außer Michael Jackson oder so kaum einen, der so viele Platten verkauft hat. 22 Nummer-1-Hits, was ja alles heißen kann – so Nummer 1 in Countrycharts oder so bekommt man als Country-Sänger natürlich schnell, weil es da nicht so viele gibt. Ich spreche von Kenny Rogers. Ich kenne Kenny Rogers jetzt nicht so besonders gut, aber das war ein schlechtester Wortwitz von Leid und Breit. Und der singt über Lucille. Ich fühle mich bei dem Song so Western-mäßig, obwohl es mit Western eigentlich gar nichts zu tun hat, außer vielleicht die Lebenseinstellung des Machos, wie wir schon festgestellt haben. Aber ich weiß auch gar nicht mehr, um was es im Text geht.

Wir kommen von Kenny Rogers zu den Marx Brothers. Damit meine ich jetzt nicht die Brüder von Karl Marx. Der ist ja 1818 geboren worden als drittes von neun Kindern. Also der hat auch viele Brüder. Sein Vater war Rechtsanwalt, hieß Heinrich Marx. Und seine Mutter hieß Henriette, geborene Pressburg. Finde ich einen so wunderschönen Namen. Przbysch heißt das jetzt auf Polnisch oder so. Da kommen die Königsberger Klopse her, die werden da gepresst. Und ich spreche aber von den Marx Brothers aus Amerika – Groucho, Chico und so weiter. Die haben auch Musik gemacht und waren begnadete Filmkünstler. Die haben Filme im Wilden Westen gemacht. Eine Nacht in Casablanca ist der erste Film, den ich von denen gesehen habe, der mich völlig begeistert hat. Im Kaufhaus, das heißt irgendwie so Big Store – ich dachte erst, da heißt der große Vorhang, Zirkus, und dann fiel mir auf, dass Charlie Chaplin genau dieselben Filme gemacht hat: Im Zirkus, im Kaufhaus, und Goldrausch hat er auch so den Western gedreht. Aber das ist der Western von den Marx Brothers, heißt einfach Die Marx Brothers im Wilden Westen, und daraus müsste das die Musik sein, die Groucho Marx auch eigentlich selber gesungen hat. Ich weiß nicht, ob die Aufnahme hier die echte ist. Wir müssen mal selber mal testen.

In der DDR war es natürlich sehr schwer, an gute Musik ranzukommen. Denn ich habe mich für Countrymusik und Bluesmusik interessiert. Und da gab es natürlich wenig Geschäfte dafür und auf Amiga ist nicht viel rausgekommen. Irgendwann habe ich begriffen, dass es in der Leipziger Straße oder Liebknechtstraße einen Polen-Pavillon und einen ungarischen Laden gab. Und da bin ich einfach reingegangen und habe gesagt: „Guten Tag, haben Sie Blues- oder Countrymusik?“ Und da haben sie gesagt: „Ja, hier bitte sehr, hier haben Sie eine Fotograf-Platte.“ Die Gruppe Fotograf übersetzt heißt jetzt so viel wie „Gegen den Wind“. Man kann ja die ungarische Sprache, man kann ja nicht mal erahnen, im Geringsten, um was es gehen könnte. Die hätten von sonst was singen können. Aber irgendwann haben die das Lied mal auch auf Englisch gemacht, weil auf Ungarisch das wirklich schwer zu verbreiten war. Und man hört dann auch, dass es gegen den Wind geht. Also das Lied heißt „Gegen den Wind“, weil zum Schluss da kommt ja dieses Windgeräusch – das ist so, glaube ich, ein Kork. Also klingt mir wie der Poli 61 oder so. Ich hatte diesen Zaun auch mal irgendwo. Und das Verrückte ist, man hört ja im letzten Ausklang, dass sie auf diesem Wind auch Töne spielen. Also er ist ja richtig mit den Fingern die Tasten spielt und durch eine Glissando-Funktion nimmt der Wind dann langsam, geht in die Töne über. Eine sehr schöne Komposition.

Aber es war nicht alles schön im Wilden Westen. Die Zeit war sehr blutig. Es gab viele Tote, sehr viele Leute sind erschossen worden und manche sogar im Duell. Was mehr oder weniger eine freiwillige Gegenüberstellung ist: Man stellt sich hin und wer stehen bleibt, hat überlebt. Das ist ein uralter Brauch. Man kann sagen, David gegen Goliath waren die ersten, die sich duelliert haben. Alexander Puschkin ist im Duell gestorben, und im Wilden Westen wurde das noch fortgeführt, obwohl ich jetzt persönlich nicht glaube, dass das alles freiwillige Zweikämpfe waren. Ich glaube, die haben einfach die Pistolen genommen und aufeinander geschossen, bis der andere gestorben ist. Und dann hatte der dann ein Loch im Bauch oder Kopf oder wo auch immer, und der Sand färbte sich vom Blut rot.

Ja, die Sehnsucht nach diesem echten Mann, nach dem Bauarbeiter – eigentlich weiß er bei Inka Bause richtig, bei Bauer sucht Frau, weil ein Cowboy ist ja letztendlich nichts anderes als ein Bauer. Vielleicht kann sie sich mal melden. Ich weiß nicht, wie alt Gitte jetzt ist und ob sie ihn mal gefunden hat. Jedenfalls hat sie schon mit acht Jahren ihre Gesangskarriere gestartet. Ihr Vater war Gesangslehrer und hat ihr den ersten Hit geschrieben, der komischerweise heißt „Ich heirate Papi“. Das klingt mir doch alles sehr, sehr bedenklich.

Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf – es ist eine sehr freundliche Umschreibung der Ausrottung der Indianer. Bevor Kolumbus kam, haben wirklich 18 Millionen Menschen im Norden Amerikas gelebt. Das waren mehr, als in der Zeit in Europa gelebt haben. Und 1890 gab es noch 250.000 Indianer. Das ist echt Wahnsinn. Ein Glück, dass sich ein paar noch bewahrt haben. So kennt man noch den Stamm der Sioux, der Hopi, die Comanchen, die Irokesen, die Apachen, die Schoschonen, die Cheyenne, die Cherokee – was die Irokesen eigentlich sind, auf Deutsch übersetzt die Navajos, die leben bei Las Vegas, die Blackfoot und Queek. Und viele Ortsnamen in den USA sind noch nach den Indianerstämmen benannt, damit wenigstens noch ein bisschen was übrig geblieben ist. Denn wo Cowboys sind, müssen ja auch Indianer sein.

Hier kommen die Gebrüder Blattschutz, fast hätte ich gesagt die Geblüdel, aber so hätten es dann die chinesischen Eisenbahnarbeiter gesagt, die auch nach Amerika gebracht wurden, um die Eisenbahn zu bauen. Aber die haben ja nicht Deutsch gesprochen. Und man sagt ja, die können jetzt eher nicht sprechen. Dann hätten sie die Blasas.

Etwa an die Gebrüder Blattschutz – Blattschutz, nicht Blattschutz – Gebrüder Blattschutz mit sehr diffizilem Humor. Ist so wie: „Kennst du Thomas Mann?“ „Nee, ich kenne nur Thomas Frau.“ Oder: „Ich würde mein Kind ja nicht Claire nennen, Frau Grobe.“ Gundula Trine, auch ein schöner Name. Naja, was wäre Dienste denn so? Also wenn man in einem Wort ein anderes Wort hat, gab es mal mit Kandelaber irgendwie – okay Mensch, weißt du, was Kandelaber sein soll? Mein Vater hat immer einen Satz mit Kandelaber gemacht, das hieß dann „Kandelaber Wurst nicht vertragen“ – also muss ich nicht mal lachen. Das sagt schon viel. Ja, wo muss ich lachen? Bei Helge Schneider vielleicht. Aber eigentlich ist es ja auch eher ernst, was der macht.

Die Ärzte mit „El Cattivo“. Ich dachte bis eben, das heißt El Pacino und habe mich gewundert, dass keiner das Lied gefunden hat, das ich gesucht habe. Die Ärzte haben nie ein Lied gemacht, was El Pacino heißt. Das war dann auch ein Film – lobig, nee Quatsch, ein Schauspieler. Sie singen wieder: „Ja, so muss ein Cowboy sein, dreckig, feige und gemein.“ Da fragt mich wieder, warum muss der Cowboy so sein? Eigentlich ist es der Bandit, der so ist. Die werfen immer die Revolvertypen und Cowboys in einen Topf, wo sie eigentlich so nicht hingehören. Aber in einem haben sie recht: Das Böse siegt immer. Denn es gibt ja nichts, was letztendlich zum Guten führt, weil zum Schluss ist man ja letztendlich dann immer tot. Insofern hat das Böse in dem Sinne dann doch gewonnen.

Wenn ich ein Cowboy wäre, vom Rio Grande – Martin Lauer, wenn, wenn, wenn. Immer dieses Wenn und Wäre. Ich kenne ganz viele Leute, die sagen mir: „Ja, wenn ich mal groß bin oder wenn ich mal alt bin, dann kauf ich mir einen Mustang oder mache ich das oder dann fahre ich mal wirklich mal weg.“ Und irgendwann stellt sich raus, die machen es nicht. Erstens, weil sie es nicht schaffen oder so, oder B, weil sie es auch gar nicht wirklich wollten, weil sonst hätten sie es ja auch gleich machen können im Prinzip. Wenn man was wirklich will, dann sollte man das tun und nicht hinschieben und nicht sagen: „Ja, wenn ich Rentner bin…“. Ich kenne einen, der hat sich die ganze Zeit darauf gefreut, Rentner zu werden, und hat es dann drei Wochen so überlebt und ist gestorben dann. Hätte er sich alle das, was er hätte machen sollen, mal gleich gemacht, dann hätte er das ja noch gemacht wenigstens, und vielleicht wäre er auch nicht gestorben, weil er dann schon was Schönes gemacht hätte oder so. Jedenfalls, man sollte wirklich das, was man machen will, gleich machen. Und ich kenne einen anderen Freund von mir, der wollte Trucker werden. Der fand das gut, der sagt, diese LKWs und diese Freiheit und dieses Western-Gefühl. Und ist Trucker geworden, hat das gelernt, ist das geworden, ist glücklich und zufrieden. Und die Trucker sind eigentlich die modernen Cowboys dieser Zeit.

Tom Astor, habe ich das richtig verstanden? Sie fanden ihn spitze, die Cowboys fanden ihn richtig spitze, die anderen Trucker. Ist ja eigentlich Jugendsprache, in einem Western-Song sehr komisch. Der Wilde Westen ist ja wirklich nicht mehr in Amerika, sondern in einem Studio in Maschen. Was zum Teufel mag Maschen sein? Maschendrahtzaun, Maschen, Maschen. Ich weiß nicht, was Truckstop sich dabei gedacht hat, aber die haben wir jetzt verbunden, den Wilden Westen und die Trucker-Romantik, alles in einem. Truckstop mit „Der wilde, wilde Westen“. Perfekter geht’s nicht.

Des Tastenfickers Podcast. Red Newman – hat man denn gemerkt, dass das eine Filmmusik ist? Ich höre Filmmusik unheimlich gerne, denn die Leute geben sich damit extreme Mühe, sich was richtig Gutes zu komponieren, und man muss nicht nach diesem Strophe-Refrainschema gehen. Man muss nicht gucken, ob sich das gut verkauft, ob das den Massengeschmack trifft. Sondern das Einzige, was zählt, ist, dass die Musik zu den Szenen im Film passt. Da kann ich jetzt nicht beurteilen, ob das auch geklappt hat. Aber das ist in dem Fall egal, weil die Musik einfach an sich schon total schön ist. Das ist aus How the West Was Won, einem Episodenfilm über die Geschichte von Amerika. Das wurde 1962 gedreht oder ab 1962 mit John Ford. Hat drei Oscars gekriegt, obwohl das ja nichts besagt, ob man einen Oscar kriegt oder nicht. Aber es wird ganz akribisch die Geschichte von einzelnen Familien erzählt, wie sie die Eisenbahn bauen, wie die Indianer dagegen kämpfen und so. Ich würde es mir mal gerne angucken, weil wenn der Film halb so gut ist wie die Musik, dann ist es schon ziemlich gut.

Ich weiß nicht, woher ich die Mundharmonika kenne. Ich verbinde die Mundharmonika eigentlich nur mit Western und Cowboys, weil natürlich die Mundharmonika das Instrument war, was man aufs Pferd mitnehmen konnte, was man einfach einstecken konnte. Auf eine Gitarre hat man sich mal draufgesetzt oder so, aber eine Mundharmonika ist sehr fest und widerstandsfähig. Ich weiß nicht, ob das nächste Lied auch im wilden Westen spielt oder nicht. Vielleicht gibt es auch andere Länder, wo Mundharmonika gespielt wird. Ich habe keinen blassen Schimmer.

Richtig typisch Western gibt es ja auch nicht, weil die Leute im Western, also die Cowboys im Prinzip, sind ja letztendlich europäische Einwanderer. Und insofern ist es ja nicht ungewöhnlich, wenn die ein Instrument aus Europa mitnehmen und dann in Amerika damit Musik machen. Das Lied war ziemlich alt von Bernd Clüver. Es gibt auch moderne Cowboys, und sie sitzen mitten unter uns in Berlin: The BossHoss.

Rossos, die Idee mit den Musikspecials ist nicht wirklich neu. Als ich Kind war, gab es das auch schon irgendwie auf RIAS 2 oder was – gibt es ja jetzt ja nicht mehr, die ganzen Sender. Und sonnabends kam irgendwie eine Country-Sendung, die hat unsere Familie andächtig gehört, also meine Mutter wahrscheinlich nicht, die ist dann in die Küche gegangen. Nee. Also die – ich weiß nicht, auf was für Musik meine Mutter stand, muss ich mal nachfragen. Jedenfalls mein Vater war Country-Fan, dem konnte es nicht alt und original genug sein. Der hat sich in seiner Freizeit auch einen Hut aufgesetzt, macht er auch jetzt noch manchmal. Ich auch. Und dann fühlt man sich eigentlich gleich wie ein Cowboy, weil Western ist kein Zustand, sondern eine Einstellung. Und insofern fanden wir auch jedes Lied einfach kompromisslos gut, was da in der Sendung kam. Und an eins kann ich mich noch besonders gut erinnern.

Oh my darling – da ist uns das Herz zerschmolzen. Oh my darling, ich dachte, es heißt Clementine, hier steht was anderes. Mal sehen, ob es dasselbe Lied ist. Jedenfalls mit „Oh my darling“ fängt es an. Und das war Ronny. Und jetzt kommt nochmal dieselbe Geschichte aus der Sicht des anderen, nämlich des Fremden, der ihm die Frau so weggenommen hat, und der erzählt jetzt, was dem gerade jetzt passiert ist. Also man muss immer zwei Seiten sehen, um einen Fall beurteilen zu können. Das ist nicht nur im Western so. Das ist die Geschichte von Tom Dooley aus Tennessee und seinem Ende. Er liebte die Frau eines anderen, und weil sie nichts von ihm wissen wollte, da erdolchte er sie. Ich, der Sheriff, musste Tom Dooley zum Tode verurteilen, und morgen, tja, da muss er hängen. Alles vorbei, Tom Dooley.

Die Südstaaten-Cowboys werden ja manchmal auch als Rednecks bezeichnet. Das bedeutet, dass denen die Sonne im Nacken scheint, dass sie da einen Sonnenbrand im Nacken haben und so einen roten Nacken, weil sie da keinen Hemdkragen haben. Und damit ist auch ein bisschen gemeint, dass sie ein bisschen bildungsfern sind und liberale Ansichten so ablehnen und so. Aber manche tragen den Namen inzwischen auch als Stolz. Es gibt so eine Reihe von Südstaatlern, die ihre Herkunft und ihre Ansichten so unterstreichen wollen, die sich mit Absicht die Rednecks nennen, und es gibt auch eine Band, die sich die Rednecks nennen. Ich glaube nicht, dass mit Cotton-Eyed Joe das Baumwoll-Auge gemeint ist, sondern eher eben die Blüte oder irgendwas. Und wir haben rausgekriegt in der Sendung: Der Wilde Westen ist nicht da, wo der Wilde Westen sein sollte, sondern der ist da, wo Sie sind. Wo jeder ist, hat er seinen eigenen Wilden Westen gemacht, obwohl ich ja nicht weiß, ob das so erstrebenswert ist, immer nur den Wilden Westen zu beschwören. Es gibt ja auch den Wilden Osten. Und insofern grüße ich alle Indianer. Ich hoffe, Sie verstehen die Metapher. Ich verabschiede mich. Bis zum nächsten Mal zum Nachdenken. Tschüss, machen Sie es gut und hau!

Song list

{{Wikitable|class="wikitable" |- |Artist |Song |- |Johnny Cash |(Ghost) Riders In The Sky |- |Gunter Gabriel |Sechs Dinge braucht der Mann |- |Udo Lindenberg |Cowboy Rocker |- |Normahl |Der letzte Cowboy |- |Kiev Stingl |Rocker |- |Elvis Presley |Blue Moon of Kentucky |- |Mississippi John Hurt |Staock O' Lee |- |Hank Williams |I'm So Lonesome I Could Cry |- |Kenny Rogers |Lucille |- |The Marx Brothers |Riding The Range |- |Fonograf |A Széllel Szemben |- |Rammstein |Roter Sand |- |Gitte |Ich will 'nen Cowboy als Mann |- |Gus Backaus |Da Sprach Der Alte Häuptling Der Indianer |- |Gebrüder Blattschuss |Ich bin in Diana verliebt |- |Helge Schneider |Texas |- |Die Ärtze |El Cattivo |- |Martin Lauer |Wenn Ich Ein Cowboy Wär |- |Tom Astor |Bleifuß Joe |- |Truck Stop |Der Wilde, Wilde Westen |- |Alfred Newman |How The West Was Won |- |Alfred Newman |I’m Bound For The Promised Land |- |Bernd Clüver |Der Junge Mit Der Mundharmonika |- |The Bosshoss |AYO |- |Ronny |Oh My Darling Caroline |- |Nilsen Brothers |Tom Dooley |- |Rednex |Cotton Eye Joe |- |The Shadows |Apache |-