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Flake talks about bands.

Transcript

Hallo, und da bin ich schon wieder. Ich bin wieder dran. Die Zeit war jetzt so irre schnell, ich werde hier noch verrückt. Gerade geboren, jetzt schon halb früh Rentner. Und zwischendurch kann ich mich auch an nicht viel erinnern, weil es wahrscheinlich die Mitleidkrise ist, oder wie das heißt. Obwohl ich jetzt gar nicht weiß, mit wem ich jetzt Mitleid haben sollte – außer mit mir selber. Vor allen Dingen, wenn ich an die Schulzeit denke.

Das war Isolation aus Berlin, und angeblich handelt das Lied auch von dem Schuleiltag des Sängers, wo er gemobbt wurde und damit nicht zurechtgekommen ist, weil er keinen gefunden hat, dem er sich anvertrauen konnte. Die Schule ist für viele Jahre ein Problem, gerade als Jugendliche und gerade, wenn man so ein findliches Kind ist. Und Isolation Berlin haben sich auch als Schulband gegründet, und deshalb habe ich die heute gespielt, weil heute geht es um Schule und um Schulbands.

Wenn ich mich zurückerinnere, dann fällt mir als erstes der Satz ein: Du lernst für die Schule und nicht für das Leben. Ich meine natürlich so umgekehrt – du lernst für das Leben und nicht für die Schule –, weil ich überhaupt nicht verstanden habe den Satz. Ich hatte das Gefühl, dass ich nie im Leben irgendwelche Bruchrechnungen brauche oder so. Und habe erst viel, viel später begriffen, dass die Lehrer natürlich recht hatten, weil man lernt in der Schule ja einfach, Aufgaben zu bewältigen. Da geht es nicht darum, was das Ergebnis von der Matheaufgabe ist, sondern dass man sich irgendwie darum kümmert, dass man die Aufgabe auch gelöst bekommt. Und das braucht man nun wirklich im ganzen Leben. Das ist ein bisschen wie mit Karl Eduard von Schnitzler, wo wir uns halb totgelacht haben, wenn er früher so seine Sendungen hatte und rumgegeifert hat. Und als dann die Wende da war und wir wieder vereinigt waren, dann ist uns aufgefallen, dass der ja nicht mal so Unrecht hatte. Aber jetzt ja um die Schule: Was haben sie uns gesagt? Ich wünsche euch den Mut zu ändern, was man ändern kann, oder die Kraft zu ändern, was man ändern kann, die Geduld zu erdulden, was man nicht ändern kann, und die Klugheit, zwischen den beiden Sachen zu unterscheiden. Ich weiß nicht, ob wir das an der Schule gelernt haben, weil das trifft auch auf die Schule zu und auf alle andere auch.

Ich spiele mal erstmal noch eine Schulband, und man sollte staunen: Status Quo haben sich auch in der Schule gegründet. Und Status Quo, damals waren die Lieder noch so wunderbar kurz, muss ich gleich weiterreden.

Ich war leider nicht im Kindergarten, deshalb fiel mir die Schule doppelt schwer, weil im Kindergarten wird man ja schon so ein bisschen eingewöhnt an die Gesellschaft oder an die anderen Kinder. Aber unserer war in der Windstraße, und immer wenn ich da vorbeigelaufen bin, waren da so kleine dicke Kinder mit kurzen Haaren, die so rumgebrüllt haben. Dann kam so ein Geruch nach Schulessen und saurer Milch raus, und dann die Neonröhren brannten, und mir schlug so eine Hitzewelle entgegen. Da war ich der Welt unheimlich dankbar, dass ich da nicht mitrein gehen musste. Aber dann kam doch die Schule auf uns zu, und ich hatte einen großen Bruder, der ist zur Schule gegangen, der hatte seinen schönen braunen Schulranzen aus Schweineleder und ist immer ganz stolz zur Schule gegangen jeden Tag, und ich durfte nicht mitgehen. Das fand ich total fies. Ich habe jeden Tag gefragt, ob ich mitkommen kann in die Schule, aber ich durfte nicht. Und dann endlich haben sie mich zur Vorschule genommen. Die war Sonnabends, erst mal Sonnabend vormittag bin ich mit meinem Bruder so mitgegangen, und dann in der Schule saß die Klasse schon zusammen, wie sie zusammenkommen wird, und die Lehrerin war auch schon die Lehrerin, die wir kriegen sollten. Die hat uns die Aufgaben gestellt: Wir sollten einen Teddy malen und einen Blumenstrauß, und den Teddy habe ich jetzt noch. Wie die Farbe, wir hatten nur blau, was anderes war nicht da, da hat er wirklich einen blauen Teddy gemalt mit Bauchknöpfchen in rot, der sieht tadellos aus, und viel besser habe ich später auch nicht gemalt, als ich dann älter wurde. Und dann mussten wir noch so eine Arztuntersuchung machen. Da mussten wir mit den Zehen, mit den Füßen murmeln, aufsammeln und in eine Schale tun. Das habe ich auch hingekriegt. Und dann stand meiner Einschulung eigentlich nichts mehr im Weg. Dann war ich auch an einem Sonnabend. Hab ich eine Tasse Kakao morgens gekriegt. Eine große, unheimlich hässliche Schultüte, wo ich auch nicht weiß, wie viele Kinder die schon vor mir hatten. Dann waren da ein paar Ostbonbons drin. Wer die noch kennt, weiß, dass das eigentlich nicht zum Essen gedacht war – so große weiße Dinger, so ein trockenes Zeug, was zerbröselt ist. Und dann sind wir zur Schule gegangen, haben unseren Sitzplatz bekommen, wieder einen Blumenstrauß gemalt oder unseren gemalten Blumenstrauß auf den Platz gelegt bekommen. Und das war dann die Einschulungsfeier. Danach, da durften wir wieder gehen, und das war dann.

Wir machen mal die nächste Band. Das waren Milky Chains, muss ich dazu sagen, dass das auch eine Schulband war. Ich glaube nicht.

Und ich weiß gar nicht, wie das jetzt an den Schulen ist. Früher war das so, bei uns war das noch richtig streng. Punkt dreiviertel Uhr ging unten die Tür auf, und da mussten wir in Zweierreihen mit Anfassen durch das Schultor durch, also die Schultür durch. Da standen links und rechts die Türdienste und haben geschrien: Mütze ab im Schulgebäude! Und haben uns allen die Mütze vom Kopf gerissen, die die noch nicht abgesetzt hatten, so von selbst. Manchmal, da quatscht man ja und verisst sich oder so. Und mit dem Anfassen – ich glaube, es ging echt bis zur dritten Klasse, dass man sich auch Jungs und Jungs anfassen musste oder so, damit man schön zu zweit im Strom durch die Tür kam. Und kaum waren wir in der Klasse drin, also kaum fing die Schule an, sind wir eingeteilt worden. Tausend Dienste. Einer war der Meldedienst, der musste sagen: Achtung! Dann sind die Schüler so aufgestanden, dann hat er gesagt: Guten Tag, Frau wie sie hieß, Frau Schwarz oder sonst was, Klasse 1a ist bereit zum Unterricht. Und da dachte die: Guten Morgen! Dann alle: Guten Morgen! Haben sich hingesetzt, das war der Meldedienst oder so. Dann hat es natürlich den Türdienst, der die Tür auf- und zugemacht hat, was völlig sinnlos war, weil wer reinkam, hat sowieso die Tür aufgemacht, und wer rausging, hat sowieso zugemacht. Da brauchte man eigentlich nicht den Türdienst. Dann gab es dreimal einen Fensterdienst, weil wir auch drei Fenster hatten. Es war noch ein schöner Altbau aus Ziegeln mit drei großen Doppelfenstern. Also hatte der Fensterdienst gleich doppelt so zu tun. Und die haben die Fenster eben auf- und zugemacht, wenn es kalt war oder warm. Meistens war es eher warm, obwohl der Heizer oft betrunken war. Und da lagen riesengroße Braunkohlebrocken bei uns auf dem Schulhof. Und manchmal lagen die den ganzen Winter draußen, weil der keine Lust hatte, die rein zu schaufeln in den Keller. Und manchmal, da kam er auch erst um zehn oder so, und dann war die ersten Stunden die Schule auch kalt im Winter, konnte passieren, aber der war trotzdem nett soweit. Dann gab es Blumendienst, ganz wichtig, die Sansia-Vire, die unzerstörbare Blume, die auch auf Nadeln wächst oder auf irgendwelchem Dreck, die nie eingeht eigentlich. Ich glaube, es ist die widerstandsfähigste Pflanze auf der Welt, weil sie selten gegossen worden oder ganz viel. Dann gab es noch den Tafeldienst, der wischt natürlich die Tafel, den Ordnungsdienst, der fegt auch im Unterricht auf und bringt dann den Papierkorb runter, den Milchdienst, den Essendienst, die auch das Essengeld und das Milchgeld kassieren. Und wenn ich so weitermache, dann ist die Stunde manchmal rum, ich spiele mal wieder und die große Überraschung: wieder eine Schulband, diesmal echt.

Ich will ja nicht auf die Schule schimpfen. Ich will eigentlich eher eine Lanze brechen für die Lehrer und die Leute, die da arbeiten. Die leisten Großartiges, das ist kaum zu fassen, wie die Schüler da manchmal ankommen. Weil die Eltern sind oft der Meinung, gerade im Prenzlauer Berg, dass ihre super kreativen Jobs ganz wichtig sind, und die sehen ihre Kinder dann im Prinzip auch gar nicht, weil morgens schlafen die Eltern noch oder so, und abends kommen sie gegen 20 Uhr, wenn die Kinder wieder im Bett sind, weil irgendeine Deadline wieder wartet. Und wenn sie die Kinder mal sehen, dann fahren sie die im Porsche Cayenne oder bis Iquad hier zum Geigenunterricht oder zum Sport, brüllen dann da ein bisschen rum zum Anfeuern und vergessen dabei völlig, dass sie eigentlich die Aufgabe haben, die Kinder zu erziehen. Und das bleibt dann in der Schule hängen, und die Lehrer müssen dann mit den ganzen Kindern kämpfen, die ja nicht dafür können, weil die einfach das ja nicht gelernt haben, mal Bitte und Danke zu sagen oder so. Und was die Lehrer da machen und aushalten müssen, ist Wahnsinn. Wenn man mal auf so eine Elternversammlung geht, dann lernt man echt fürchten. Wenn die Eltern da irgendwie der Meinung sind, dass ihre Marie sowieso keine Zäsuren kriegen darf, weil sie dem Druck nicht gewachsen ist oder so – das ist wirklich sehr, sehr schwierig. Und schlimmer ist, wenn dann auch die Eltern zur Lehrerin sagen: Wenn die sagt, mach jetzt bitte die Hausarbeiten oder zeig die Hausarbeiten vor, dann sagen die: Mein Vater ist Anwalt, der macht sie fertig. Und das ist wirklich sehr schwer, und deshalb habe ich absolute Hochachtung vor den Lehrern, die heutzutage in Berlin hier ihren Job machen.

Wir machen aber erstmal noch ein Lied von einer Band, die nicht ganz eine Schulband ist, aber fast, das erkläre ich noch. Das waren die anderen aus Berlin, und wenn das auch keine direkte Schulband ist – ich weiß ja nicht, ob Berufsschule mit der jetzt als Schulband zählt –, hat die Band doch, die haben einen Lehrer dabei gehabt. Und da ich ja gerade so die Lehrer verteidigt habe, ist das jetzt das Gegenteil von einer Schulband, einer Lehrerband. Obwohl nur einer mitgespielt hat. Und wenn man da mal nachguckt, gibt es auch mehrere Lehrer, die erfolgreich Musik gemacht haben. Zum Beispiel bei Freigang, wo man das jetzt gar nicht erwarten würde: Unsere Anarcho-Blues-Band der DDR hat auch einen Sportlehrer mitgesungen und gespielt. Und der Sänger von Bad Reliction ist auch ein Lehrer. Man sollte es so nicht glauben. Aber wenn so jemand mir Unterricht geben würde, würde ich die Sachen viel aufmerksamer verfolgen, als wenn irgendeiner nur Lehrer ist. Aber er ist wahrscheinlich immer noch im Dienst. Man sollte nicht glauben.

Und jetzt kommt eine Schulband, die habe ich aus dem Internet. Da war ich mal kicken, habe nach Schulbands geguckt, und das ist eine Band, von der ich noch nie was gehört im Leben. Und ich weiß jetzt nicht mal, was der Titel ist und was die Band ist. Irgendwas heißt Someone to follow, und irgendwas heißt From Fall to Spring. Mal sehen, was jetzt Band ist und was das Lied ist.

Das war eine Band vom Jean-Lemme Gymnasium. Und an diesem Gymnasium, man sollte nicht loben, war sogar schon Yoko Ono. Ich glaube schon zwei oder dreimal hat das Gymnasium besucht und sich angeguckt. Es ist ganz liebevoll ausgestaltet. Im Flur sind da ganz viele John-Lennon-Brillen als Vlies im Prinzip so aufgemalt als Tapete. Und Yoko Ono hat es ja auch sehr gefallen. Ich glaube auch, sie hat ihren schlechten Ruf zu Unrecht. Also ich habe sie mal auf YouTube mal singen sehen, das war schwierig. Und da hat sie so eine Lach-Performance gemacht oder Schrei-Performance, das habe ich jetzt nicht genau unterscheiden können. Und das muss man jetzt nicht zwingend mögen, aber das war schon sehr unterhaltsam und sehr expressiv, sag ich mal. Und dass ihr die Schuld am Ende der Beatles gegeben wird, finde ich völlig ungerechtfertigt. Erstens soll auch Linda McCartney sehr zänkisch – will ich jetzt nicht sagen, aber – schwierig gewesen sein. Und zweitens sind nie die Frauen an irgendwas schuld, was die Männer betrifft, weil die Männer sind ja letztendlich die, die sich die Frauen auch ausgesucht haben. Und wenn John Lennon der Meinung war, dass er mit Yoko Ono zusammen ist, dann kann man nicht auf Yoko Ono die Schuld schieben, wenn sich die Beatles dann streiten oder so. Da sollte man – also finde ich – wird jetzt wirklich ihren Ruf zu Unrecht. Auch Courtney Love wurde oft irgendwie beschimpft, dass sie irgendwie schuld ist an Kurt Cobains Tod, aber er hätte ja auch nicht mit ihr zusammenziehen müssen oder so. Da sollte man die Ursachen dann doch da suchen, wo sie auch zu finden sind, und die sind oft erstaunlicherweise beim Alkohol zu finden.

Jetzt kommt, lobig, ein Lied von Pax, auch vom Jean-Lennen-Gymnasium. Sportunterricht schon schlimm war. Dann war der Musikunterricht eigentlich auch nicht viel besser, weil beim Sport waren Mädchen dabei, beim Musikunterricht waren Mädchen, aber das ist so, wenn man in den gemischten Klassen ist, da habe ich auch gar nichts dagegen. Beim Sport war natürlich schlimm, dass ich oft das Sportzeug vergessen hatte, und wer das Sportzeug vergessen hatte, musste im Schlüpper auf Socken Sport machen. Und wenn ich mit meinem Schlüpper so vor den Mädchen rumgeturnt bin – also da musste ich mich eigentlich nicht wundern, dass ich da auch nie eine Freundin hatte oder so, was jetzt nicht nur im Schlüpper lag. Aber Musikunterricht war auch schlimm, weil man singt ja mit der eigenen Stimme und das ist ja im Prinzip auch was Intimes oder so. Ich würde auch nie Sänger sein oder so, weil mir das viel zu – also viel zu schwierig wäre, einfach meine Stimme anderen Leuten … Sprechen ist schon schlimm, ja, wir werden ja auch den Mund halten. Und wenn man ein Lied vorsingen musste und man gemerkt hat, dass man die Töne nicht richtig trifft, ist das sehr, sehr peinlich. Der Mond ist aufgegangen – oder wie heißt das – Bunt sind schon die Wälder. Das war alles ganz schlimm peinlich, und dann habe ich mich eigentlich lieber, gerade als ich in den Stimmbruch kam, geweigert zu singen. Und dann haben sie gesagt: Naja, wenn du nicht singst, dann kriegst du eine 5. Und dann haben wir uns darauf geeinigt, dass ich den Text aufsage, und dann gab es eine 3. Und das war eigentlich ein guter Deal, man musste den Text auswendig lernen, was mir überhaupt nicht schwerfiel, und ich brauchte nicht mehr so zu singen, und dann gab es eben die 3. Und zum Glück habe ich ja in der Zeit schon Klavier gespielt und konnte dann Klavier spielen, wenn irgendeine Veranstaltung war, also meistens, wenn die Zeugnisausgabe von den Großen war, von der 9. und 10. Klasse. Da stand ein Klavier, und dann haben sie mich in der zweiten Stunde am letzten Schultag aus der Klasse genommen, und dann durfte ich für die Großen Klavier spielen. Da habe ich mir irgendwas ausgedacht oder eines von den Notenstücken gespielt, die ich konnte. Und dafür habe ich dann im Prinzip eine gute Zensur in Musikunterricht gekriegt, einfach nur in dem Umstand, weil ich auch Klavier spielen konnte. Dadurch bin ich ein bisschen um das Singen noch herumgekommen. Da habe ich versucht, immer in der Schule zu zeigen, dass ich vielseitig interessiert bin, war im Keramik-Zirkel, damit ich im Kunstunterricht – bei uns hieß es Zeichnen, glaube ich – auch eine Eins kriege oder so, damit sie gesehen haben, ich gebe mir Mühe oder so. Aber der Keramik, diese AG war eigentlich auch ein Albtraum. Da war ich zusammen mit 14 Mädchen und einer Frau, der Chefin da. Und die haben mich wie so ein Tierchen mehr so angeguckt oder so. Ich war da so ein Fremdkörper, hab an keinem Gespräch so teilnehmen können. Die haben immer nur gekichert, wie ich gucke, und das war … also ich hab doch nichts gelernt. Ich hab da irgendwelche hässlichen Schüsseln und Figürchen gemacht, die hab ich dann meinen Verwandten geschenkt, und als die gestorben sind, da hab ich die wiedergekriegt.

Jetzt noch eine Band aus dem John Lennon-Gymnasium. Man sollte es ja nicht loben. Und das sind Mia mit Fallschirmen. Diese Band heißt Bilderbuch. Und das ist nicht nur eine Schulband, sondern die haben sich sogar im Internat so kennengelernt. Und da ist man ja nicht nur bis mittags zusammen, sondern auch nachts. Dann ist es im Prinzip eine doppelte Schulband. Mehr geht kaum. Ich bin völlig begeistert von dem Refrain – Coca-Cola, Fanta Sprite, all right. Das merkt man sich nach dem ersten Mal. Und wer so eine Texte macht, also der weiß irgendwie, wie man das Gefühl in Musik bringt. Wir haben das auch versucht mit so klaren Texten. Zum Beispiel: Wie man macht, ich hab dich so lieb, Postzeitungsvertrieb. Das kann man auch so gut sagen, das merkt sich auch sofort. Ich weiß jetzt nicht, wer vom Postzeitungsvertrieb jetzt, aber das ist jetzt ein komisches Wort, aber passt eben genauso gut wie Coca-Cola, Fanta Light. Postzeitungsvertrieb. Fand er leid, kann man so auch sagen. Postzeitungsvertrieb ist ja auch was Wichtiges, es ist sowas wie Post. Also Post und Zeitung, die steckt man ja auch im Briefkasten. Ich hatte auch noch was Kürzeres: Mein Name ist Na und, ich bin nicht ganz gesund. Fand ich auch gut als Refrain, hat sich aber nicht so durchgesetzt, ist kein richtiges Lied draus geworden. Mein Freund Trötsch hatte ein Lied, was ich nie richtig verstanden habe. Es ging immer ZZDDR, ZZDDR. Ich denke, was singt da denn immer? ZZDDR, ZZDDR. Habe ich gefragt: Was heißt denn das? Er hat gesagt: Dann schreib es mal auf. Habe ich irgendwas geschrieben, ZZDDR. Habe immer noch nicht gewusst, was das heißt. Dann sagt er: SED, SED, DDR. Er hat gesagt: Mensch, das ist ja aber gut versteckt! Ich habe nicht mal mitgekriegt, dass das jetzt so ein kritisches Lied war, ZZDDR. Ich habe auch Sando nicht verstanden, die mir Bon Jovi mit ihrem Hit mit Katarina Witt. Ich habe die Katarina Witt gesehen, und da sang die mal dieses Bologia, und ich dachte, das ist so ein italienischer Kampfbegriff der Partisanen, so Bologia, das klingt so böse, wie sie in die Berge gehen mit Seilen und Lederzeug. Und irgendwann habe ich dann einfach mal erfahren, dass es einfach nicht so weiter hieß als Born in G.D.A. – was ja auch wie Dederell hätte man auch sehen können, hätte ich auch nicht schlechter verstanden.

Jetzt kommt aber die Schulband schlechthin. Denke ich an Deutschland, denke ich an Tokio Hotel. Als das Lied anfing, habe ich gedacht, sind Metallica. Ich dachte, was ist aus Tokio Hotel geworden, spielen die schon After Sandman? Aber war dann doch der letzte Tag. Ich wusste ja auch nie, was Tokio Hotel heißt. Ich denke, wie nennt sich eine Band aus Magdeburg denn Tokio Hotel, steht da das Tokio Hotel, wohnen die gerne im Tokio Hotel oder was soll das? Lange später habe ich erfahren, es gibt einen Film, der heißt so, und da wurde mir viel klar. Man benennt sich nach einem Film, den man total mag. Das gab in Berlin auch ein Kino, das hieß Blow Up. Und ich denke, wer nennt sein Kino denn Blow Up? Was ist denn das für ein Kinoname? Also Blow, verstehe ich ja, Blow Up, aufgeblasen – denke ich, wer nennt sein Kino denn aufgeblasen? So ein Studiokino. Bis ich natürlich erfahren habe, es gibt einen Film, der Blow Up heißt, wo so ein Fotograf ein Foto macht und aus Versehen damit irgendwas aufdeckt. Ich kann ja gleich die Pointe als erstes erzählen, damit keiner mehr Lust hat, sich den anzugucken, aber ich weiß auch nicht mehr genau, wie es ausging. Und bei Bandnamen ist es ja auch so, dass man ja die Namen annimmt, also man hört ja erst die Musik der Band eigentlich, und dann ist der Name ja selbstverständlich, weil wer würde zu einer Band gehen, wo Smashing Pumpkins auf dem Plakat steht oder so. Wenn man die Musik erst hört und dann hingeht und den Namen erfährt, dann geht’s. Aber andersrum, wenn man erst den Namen sieht, ist das schwierig. Allerdings würde ich auch nicht jetzt zwingend zu den Beatles gehen. Das ist jetzt so ein normaler Begriff, die Musik heißt ja auch schon Beatmusik und so. Aber Beatles ist ja ein Wortspiel aus Käferchen, also der Beatle und der Schläger. Also der Beat ist der Schlag und der Beatle ist dann das geschlagene, also das geschlagene Käfer-Zwischenteil. Und das ist ja auch kein richtiger Name für so eine umfassende Band wie die Beatles eben. Aber was soll man machen? Man kann natürlich auch alle Namen nennen, wie Ann-My-Kantarite, was eine sehr gute Idee ist und auch ein guter Name ist, dann hätte man Lennon, McCartney und so weiter. Das wäre dann auch – naja, geht alles auch, kann man machen.

Jetzt kommt mal eine Band mit Gehirn. Richtig gut, gefällt mir sehr. Und das sagt auch viel über die Musikindustrie aus und die Leute, die sich in der Musikindustrie oben mit dem Strom schwimmen. Die Band heißt Waving the Guns und kommt aus Rostock.

Gerade die Schulzeit ist es ja, wo man anfängt so zu rebellieren, wo man alles Blöde findet, wo man sich dagegen stellt, wo man schimpft, wo man Sachen auch mal richtig so ablehnt und wo man versucht, seinen Platz in der Welt zu finden und seine Position zu finden. Wir haben alle versucht, irgendwie uns zu artikulieren oder eine Meinung zu bilden, indem wir uns einfach irgendeine Jacke angezogen haben oder irgendwas. Und wir haben auch angefangen, uns nach der Schule zu treffen und zusammen Musik zu machen. Ich hatte zum Glück einen großen Bruder, der natürlich auch dann große Freunde hatte, sodass ich der Jüngste war, was sehr günstig war, weil die anderen natürlich schon alle mehr konnten als ich und ich dadurch mit Leuten zusammenspielen konnte, die schon ein bisschen was konnten. Und dann haben wir einfach uns ins Wohnzimmer gesetzt bei uns, ich habe Klavier gespielt und die Freunde von meinem Bruder haben irgendwas gemacht. Da kam einer, der war aus irgendeinem afrikanischen Land, ein Farbiger, der mit an die Schule gesetzt wurde von meinem Bruder, an die EOS, und da dachten wir natürlich, wer farbig ist, hat den Rhythmus im Blut und der kann super gut trommeln, und da haben bei dem meine Bauchklötzer in die Hand gedrückt und gesagt, er soll jetzt der Trommler sein. Und der war vom Wesen her eigentlich richtig mehr so bodenständig und ordentlich und hatte überhaupt nichts mit Rhythmus am Hut, aber er hat es natürlich gemacht, hat da rumgeklopft. Ein Freund von meinem Bruder hat Gitarre gespielt und mein Bruder hat gesungen und sein Freund auch mit irgendwelchen Texten aus irgendwelchen Büchern. Dann hole ich mir einen Knüppel und dann warte ich an der Ecke und da kommt er schon ran und dann haue ich ihm auf den Kopf. Ah, das war ein Bulle, na ein Glück. Und so ging das dann immer weiter, und jeder hat sich versucht, irgendwas auszudenken. Und so haben wir angefangen, die ersten Lieder – sag ich mal in dem Sinne, obwohl die keinen Refrain hatten, keine Strophen, sondern im Prinzip nur so ein plätscherndes Etwas waren – haben wir dann aufgenommen, und dann haben wir später auch gleich die Kassetten wieder verloren.

Jetzt kommt was von Kraftklub, und da jetzt drum auch, wie man mit den Eltern so umgeht, was ja in dem Alter auch ein sehr schwieriges Problem ist.

Die nächste Band heißt KMFDM. Die kannte ich von früher als absoluten Geheimtipp, wenn man sich für sowas wie industrielle Musik interessiert hat oder irgendwie so eine neue Art von Richtung. Die Cover sahen ganz böse aus. Das waren so propagandamäßige Holzschnittgestaltungen, und wir dachten, es war etwas ganz Böses, Verbotenes, Geheimes. Dabei war das einfach eine Band aus Hamburg, die sich gegründet hat und ihre Platten aufgenommen hat. Ich habe die aus irgendeinem Grund als Schulband auch abgemischt, vielleicht kannten die sich wirklich auch schon aus der Schule oder so. Später, viel, viel später, als wir mit unserer Band nach Amerika gefahren sind, haben die uns angeboten, bei ihnen als Vorband zu spielen. Und da waren wir mit auf einer KMFDM-Tour, und das war eine Band, die da inzwischen schon in Amerika gewohnt hat und richtige Amerikaner geworden sind und Englisch sprachen und alle das im Griff hatten und da immer noch als deutscher Geheimtipp galten. Und das war eine wunderbare Tour mit denen. Da sind wir durch die Weihnachtszeit gefahren und sind mal spazieren gegangen in so einer typischen amerikanischen Vorstadt, irgendwie aus Texas oder weiß ich wo. Und da haben wir dieses wahnsinnige Wettrüsten der Weihnachtsschmucke gesehen, diese Rentiere und Weihnachtsmänner, die da die Hauswände hochklettern und die Glühbirnen und so. Das ist wirklich wie in diesem lustigen Weihnachtsfilm, ich weiß nicht, wie der heißt – was ist jetzt schon wieder los oder so –, wo der Weihnachtsbaum dann abbrennt und die Katze explodiert, weil sie in den Weihnachtskerzenstecker Strom fasst oder so, und der Onkel kommt mit so einem Caravan, wo das Klo verstopft ist und die Gülle lässt er dann im Garten los. Ich weiß nicht, wie der Film heißt jedenfalls. So wie das da dargestellt ist, ist noch untertrieben. Das war völlig der Wahnsinn, und da habe ich gedacht, was ist das für ein verrücktes Land, wo die sich so viel verausgaben in diesem Wahnsinnsschmuck, und man muss dazu sagen, zwei Tage davor war Halloween, und da war alles mit Gespenstern und Grabsteinen mit RIP draufgeschrieben. Und da haben die von einem Tag auf den anderen das eine abgebaut, das andere aufgebaut und dann alles ausgeleuchtet, und jetzt stand man da in dieser künstlichen Weihnachtswelt so rumgelaufen und hat gedacht, was soll das bloß sein. Jetzt kommt das Lied dazu, Virus, eben der Weihnachts-Virus, so sag ich jetzt mal, um zusammenzuknüpfen.

Ich war bei KMFDM, und vorhin habe ich ja ein Lied von Mia gespielt, und ich habe früher auch immer Mia im Radio gehört oder so und habe mich gewundert, dass die manchmal auf Englisch singt und manchmal auf Deutsch. Manche Lieder fand ich richtig gut und manche eher nicht so, und da habe ich gedacht, was ist denn da los, wieso machen die so unterschiedliche Musik? Bis ich irgendwann mal gesehen habe, dass, wenn man das geschrieben sieht, heißen die einen Mia und die anderen heißen M.I.A., und das heißt dann ausgesprochen auf Englisch, also vom Englischen ins Deutsche übersetzt wiederum MIA – ne Quatsch, das ist nicht übersetzt, also Englisch ausgesprochen MIA – und das ist eine ganz andere Band, nämlich eine Band aus Indien oder mit indischen Wurzeln auf jeden Fall, und die haben wir mal in Australien getroffen, weil wir haben da auf so einem Festival gespielt, wo die auch gespielt haben. Und dann ging mir das so wie dem Reporter im ABBA-Film: Ich wollte mal immer wissen, wer das ist und so. Und dann stehe ich eines morgens früh auf und fahre runter, um zum Flughafen zu fahren oder so, und wer steht im Fahrstuhl? Mia, sage ich jetzt mal, also ich weiß ja nicht, wie die Frau heißt, jedenfalls die Sängerin von MIA mit ihren Eltern, und haben mich angeguckt, und ich habe auch sowas wie Guten Morgen gesagt. Und kann ich jetzt mit Fug und Recht behaupten, ich kenne die.

Das war Lumbau. Gleich weiter mit einem Lied über Japan, glaube ich, oder ne, warte mal, Indien. Ne, China, ein Lied über China. Und das finde ich nach wie vor absolut großartig. Mir gefällt daran, dass die so eine Leichtigkeit haben. Die Titel klingen so, als würden sie sich von selber spielen. Es ist eine entspannte Geschwindigkeit, sie spielen locker die Gitarre, der Bass spielt Achtel, und das Schönste ist, dass Joey Ramone singt völlig entspannt und ruhig, da ist kein bisschen Verkrampftheit drin oder gewolltes – gewollter Ärger oder Stress oder gewollte, gespielte Boshaftigkeit. Das Gegenbeispiel dazu ist für mich so etwas wie Metallica, die immer ganz böse, ganz doll spielen und der Sänger ist das, der ganz verkrampfte, der ganz viel gespielte Energie und Boshaftigkeit in seine Stimme legen will und trotzdem nur so ein kleiner Junge irgendwie geblieben ist. Dafür finde ich einfach diese befreiende, lockere, entspanntere Art zu singen wunder-, wunderschön. Und ich kann mir auch gut vorstellen, in dem Lied geht es um Schieler, Schiener – ich dachte, es heißt Schieler, aber es heißt wohl doch Schiener –, der als ein Punkrocker ist, was ja wahrscheinlich auch ein Mädchenname ist, Punkrockerin, Punkerin, Rockerin, und die ist wahrscheinlich dann auch die Einzige in der Schule, weil so kenne ich das. Wir hatten in unserer Schule, in der ganzen Schule, ein, zwei Punks, die waren dann in der zehnten oder neunten und die standen dann ganz gefährlich auf dem Schulhof rum, wurden eigentlich von allen akzeptiert, von den Lehrern auch höflich behandelt, und die standen zusammen mit den zwei, drei Metal-Fans, die gab es auch. Die kannten dann so Iron Maiden, Accept, die ganzen anderen Metalbands, hießen Krokus – ist ja wohl keine so richtige Metalband, oder gab es die früher? Ich weiß es nicht, vielleicht UFO. Ich habe nie ein Lied von UFO gehört, ich kenne nur die Tätowierung, die ein Kumpel so auf der Hand hatte. Jedenfalls standen auch die Metal-Fans, dann kam noch ein Euro-Fan, der auf die Peschmoth stand. Und die ganzen Musikfans haben sich auch, trotzdem die Musikgeschmäcker so unterschiedlich waren, haben sie sich doch zusammengestellt, weil sie waren sichtlich erkennbar als Musikfans. Leute, die sich mit Musik beschäftigen und die gerne hören und auch verkörpern. Nur wenn man jetzt gar nichts hatte, wenn man jetzt aussah wie alle anderen in seinem blöden Ost-Anorak, dann war das eigentlich auch richtig scheiße.

Das sind die Killerpilze, und da kriegt man wieder schön diese Schulhofgeführerin, weil man so sinnlose Gags gemacht hat, die immer wieder kamen und wo ich zum Beispiel auch immer wieder drauf reingefallen bin. Das Niveau auf dem Schulhof war ja sehr, sehr hoch bei uns. Kommt einer in der Hand und sagt: Sag mal Pfütze. Da hab ich gesagt: Pfütze? Hat da 10 Minuten Stütze und lehnt sich so mit seinem Ellenbogen ja schwer auf meine Schultern. Da sollte ich dann da 10 Minuten stehen. War echt ein Kracher-Gag. Oder sag mal Klettergerüst. Klettergerüst? Hast du eine nackte Frau geküsst? Äh, das ist … Ja, da freut man sich doch immer wieder, wenn einem das passiert. Oder wenn man das spielt immer, das gilt das nicht, das gilt das nicht, das zählt nicht. Und dann so im Frühling – äh Quatsch, im Frühling, so zu Ostern, da kriegt man ja Ferien, und dann verabschiedet man sich in die Ferien. Da haben sie immer gesagt: Denkt dran, wer Ostern mit den anderen spielt, hat Weihnachten die Bescherung. Bis ich das verstanden habe, was damit gemeint war, war ich schon aus der Schule raus eigentlich. Obwohl wir ja auch Sexualkunde hatten in der achten Klasse. Dann kam extra eine Frau von auswärts, also ich jetzt war auswärts, aber nicht aus der Schule, und hat versucht, uns ganz in Ruhe ein Thema nahe zu bringen, indem wir ganz vorsichtig gesagt, was sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, hat man gekichert und sagt Busen und das und das. So ging das dann so einigermaßen los. Und dann, bevor ich aber eigentlich verstanden habe, wie das mit dem Sex jetzt funktioniert – ich musste nur, die müssen zwei Menschen zusammen, also ein Mann und eine Frau werden gebraucht, offensichtlich, aber was die genau machen müssen, dazu kam es immer nie. Ich dachte, die müssen dann ins Bad gehen, weil wo zieht man sich sonst aus? Jedenfalls haben sie gleich über Verhütung gesprochen. Das war den Leuten ganz wichtig, uns Kondome zu zeigen und so. Und bevor ich je wusste, wie Sex oder Menschen oder die Babys jetzt zustande kommen, wusste ich schon, wie man verhütet, also wie man die Babys nun nicht macht. Und gerade das hat mich nun weniger interessiert. Also man will ja nicht wissen, wie man keinen Sex hat, sondern wie man Sex hat. Und das, muss ich sagen, haben wir in der Schule eigentlich nicht – also im Unterricht nicht so erklärt bekommen, dass man es verstanden hatte. Also ich habe es nicht verstanden, vielleicht lag es an mir. Aber wir hatten ja zum Glück die Sitzenbleiber. Die Sitzenbleiber waren die, die man zu allen Sachen fragen konnte, die man wirklich im Leben braucht, weil die alle schon viel älter waren als wir und schon mehr erlebt hatten. Und die konnten mir dann so grob erklären, wie Sex geht. Ihren eigenen Angaben zufolge hatten sie ja selber ununterbrochen Sex, eigentlich von früh bis spät, wie sie es geschafft haben, noch in die Schule zu kommen zwischen ihren ganzen Abenteuern, von denen sie erzählt haben. Aber dann wusste ich wenigstens mal schon in der Theorie, was man da so machen sollte. Dass es in Wirklichkeit dann doch dann ganz anders war, lernt man dann doch wohl nicht in der Schule, aber dazu ist ja auch schließlich das Leben da.

Jetzt kommen die Flaming Youths, was auch eine Schulband ist, ist ja klar, ich sag’s jetzt nicht bei jeder Band, oder doch, vielleicht doch, mit Changes. Auf dem Schulhof war natürlich auch immer das Fernsehen ein großes Thema. Natürlich nur Westfernsehen, ich glaube, Osten hat überhaupt keiner so angemacht, den ich kannte, obwohl es eigentlich verboten war, Westen zu gucken. Ich kenne keinen, der Osten geguckt hat, weil ich weiß gar nicht, was da kam. Wir selber hatten keinen Fernseher, und das war mein Problem. Denn wenn irgendwas kam, konnte ich nie mitreden. Und meistens war Bonanza, da ist nicht so viel passiert. Da gab es irgendein Festus, ne, da waren Männer von der Shai Lorenz. Weiß ich jedenfalls, Bonanza, der haut dem über den Tisch und dann – oh, und weißt du noch, wie der so hingefallen ist? Da konnte ich mir versuchen, auf dem Schulweg noch rauszusaugen, aufzusaugen von den Gesprächen von den Leuten. Aber was immer ganz wichtig war, wo ich nicht mitreden konnte, war die Otto-Show. Otto Waalkes war eigentlich in meiner Jugendzeit der lustigste Mensch, den es gab. Das kann man sich jetzt kaum noch vorstellen. Ich habe mir letztens mal eine Otto-Show angeguckt auf YouTube und dachte, was ist das? Es ist nicht so, dass es nicht witzig ist, aber es ist nicht so witzig, wie man früher gedacht hätte, das ist witzig. Das war wirklich eine alte Zeit, als man über Otto noch gelacht hat. Die Witze, die erzählten sich auch ganz schwierig nach. Meistens endete darin, dass irgendjemand mir die Brille weggenommen hat, sich die aufgesetzt hat und gesagt hat: Liebe Gemeinde. Und dann fehlte auch schon an der Text der Rest. Und dann haben sie irgendwie die Werbung so nachgemacht mit Kylie, die Seife, wo man noch unter die Achseln rankommt oder so – und das Shampoo aus dem Hause Schweißkopf ist ein absoluter Brüller. Oder die Frau, die irgendwie in Grönland auf den Strich geht, die Frostituierte, das muss man auch immer nacherzählen. Und da hat man sich an diesen kleinesten Gags so aufgehalten und jetzt so oft erzählt, dass ich die Sachen auswendig konnte, ohne jemals eine Otto-Show in der Zeit gesehen zu haben, bis ich mich einmal wirklich dann bei den Nachbarn selbst eingeladen habe, was mir sowas von peinlich war. Und dann saß ich da mit den Nachbarn selber und ich glaube, meine Eltern sind auch noch mitgekommen oder nur mein Bruder und haben uns dann endlich mal die Otto-Show mal angucken dürfen. Wollte ich dann auch nicht so laut lachen oder so, ist dann auch peinlich. Und dann habe ich Otto gesehen, ich fand es sehr, sehr witzig, besonders den Känguru, der im Beutel von der Mutter hockt und dann kotzen muss, weil es so wackelt im Beutel, dann aus dem Beutel rauskotzt. Könnte ich mich jetzt noch lachen, aber das Niveau war eben in unserer Schulzeit ein bisschen weiter unten.

Ich werde jetzt aber nicht über Niveau sagen, jetzt kommen die Prinzen, wird alles nur geklaut. Das waren die Prinzen mit Alles nur geklaut. Schönes Lied, geklaut wurde auch viel bei uns auf dem Schulhof. Besonders Murmeln. Wir haben ja gerne auch gemurmelt. Ich weiß gar nicht, wie das Spiel richtig geht. Ich weiß, dass man eine Kuhle in Sand gräbt und dann da versucht, mit der Murmel die Kuhle zu treffen. Aber ob irgendwie die letzte Kugel nur gewonnen hat oder alles andere, jedenfalls waren meine Murmeln im Nu weg. Ich habe mir extra im Spielzeugladen eine große Tüte gekauft, und nach drei, vier Hofpausen hatte ich dann keine mehr. Habe ich versucht, direkt mit Geld zu spielen, mit Klümpern heißt das, da wirft man die Geldstücke, und die müssen möglichst nah an der Hauswand liegen. Am besten ist ein Steher. Dann steht im Prinzip das Geldstück direkt an die Wand gelehnt. Das ist dann der Hauptgewinn, kriegt man alles. Oder übrigens ist es eine Brosche. Bei einer Brosche liegt das liegende Geldstück mit einer Kante an der Mauer an. Und man muss natürlich auch die Stelle finden, wo die Mauer am besten eine kleine Vertiefung hat oder so, wo ein Stein war, damit man am weitesten kommt. Aber auch beim Klümpern war mir das Glück nicht beschert. Dann gab es den Reiterkampf, da war ich wieder gut, weil ich war ganz leicht. Da konnte ein großer Sitzenbleiber mich auf die Schultern nehmen und im Prinzip die anderen dann oben rennen. Und der hat ja nicht gemerkt, dass ich ihm da auf dem Rücken saß oder so. Und ich habe auch nichts Großes gemacht, außer mich festgehalten. Und wenn ich Glück hatte und ihn, der sogar schon zweimal sitzen geblieben war, als Pferd hatte, dann konnte ich sogar mal einen Reiterkampf gewinnen. Das lustigste Spiel war eigentlich bewusstlos werden. Das ist ein ganz altes Spiel, das kannte mein Vater schon. Da muss man ganz heftig ein- und ausatmen, bis man richtig hyperventiliert oder so. Und dann beim Ausatmen drücken einen die anderen Spieler gegen eine Wand auf den Brustkorb mit beiden Händen richtig fest, dass man richtig die Luft aus der Lunge rausdrückt. Und dann wird man bewusstlos und kippt richtig rum. Und das Lustige ist, dass einige von uns fingen richtig an zu fantasieren. Die haben die Augen verdreht und sind umgefallen, und manche sind ewig nicht aufgewacht. Die lagen dann nach fünf Minuten auf dem Schulhof, dass wir uns schon ernsthaft Sorgen gemacht haben. Aber irgendwann sind bis jetzt alle so ziemlich so aufgewacht wieder. Hoffe ich mal.

Wir sind schon wieder rum. Und ich verabschiede mich und wünsche Ihnen noch eine wunderschöne Zeit.

Song list

Artist Song
Isolation Berlin Alles Grau
Status Quo Gerdundula
Milky Chance Stolen Dance
Echt Weinst du?
Die Anderen Freitag Abend in Berlin
From Fall to Spring Someone to Follow
Chuckamuck Ostsee
MC Bomber Abenteuer Alkohol
Pacs Cevahir
Max Graef Band Dog
Mia. Fallschirm
Bilderbuch Softdrink
Tokio Hotel Der letzte Tag
Waving The Guns Armutszeugnis
Kraftklub Zu jung
KMFDM Virus
M.I.A. Bad Girls
Ramones Sheena Is A Punk Rocker
Killerpilze Richtig Scheisse
Flaming Youth Changes
Die Prinzen Alles nur geklaut
Trouble Orchestra Heiter